#1

Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 27.11.2018 18:43
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Start



nach oben springen

#2

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 02.12.2018 11:11
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Die Tür der Limousine wurde energisch geschlossen, als die beiden Frauen eingestiegen waren. Ein langgezogenes Seufzen verließ die Lippen von Scarlet, während sie ein paar Zettel auf dem Klemmbrett umblätterte. Eigentlich hätten sie im Büro bleiben sollen zum Kennenlernen und Besprechen der nächsten Woche. Wie so oft machte ihr Klient es aber nicht leicht und war nicht aufgetaucht. "Schön, dass es geklappt hat. Ich erwarte fleißige Mitarbeit und Flexibilität - wie jetzt gerade- , aber vor allem Diskretion. Wir fahren jetzt zu Shane Orville", kurz sah sie zu dem brünetten Mädel neben sich um zu prüfen, wie ihre Reaktion ausfiel, ehe sie weitersprach. "Du wirst hauptsächlich mit ihm arbeiten und mir zuarbeiten. Ich hoffe du verstehst, dass wir bei aufkommenden Stars darauf bestehen müssen, dass du diese Verschwiegenheitsklausel unterschreibst", mit einem aufgesetzten Lächeln reichte sie das Klemmbrett weiter an Helena, sah sie dann ernst an. "Nicht ein Wort dringt nach außen. Du bist unsichtbar, verstanden? Paparazzi kümmern sich nicht um uns, sorge dafür, dass das so bleibt. Und bitte, Gott bitte! Lass bloß die Finger von ihm und komm nicht bei jeder seiner Allüren jammernd zu mir gerannt", sprach sie weiter in einer Tonlage, die keinen Widerspruch zuließ. Sie suchte schon lang eine vernünftige Assistenz oder Auszubildende, die ein bisschen was im Kopf hatte, sich nicht selbst ins Rampenlicht stellen wollte oder sich den Kopf verdrehen ließ und mit Shane im Bett landete. Ein absoluter Rauswurfsgrund und sei es nur, weil die Mädels dann aufhörten, streng die Pläne durchzusetzen. Sie wedelte kurz nichtssagend in der Luft herum um den Gedanken abzuschütteln. Sie hatte Helena nicht ohne Grund ausgewählt. Sie war nicht so ein Püppchen, vielleicht deshalb genau die Richtige für den Job. "Wie dem auch sei, lies es dir gut durch. Du hast 20 Minuten um deine Entscheidung zu treffen", meinte sie. Dann wären sie da. Oder auch wieder zurück, wenn sie doch absprang, weil ihr die Regeln nicht passten. In der Zeit, die Helena las, versuchte sie immer wieder Shane zu erreichen. Unmöglich, denn er ging einfach nicht ran.

Es hatte mich keine Sekunde gekostet, den dummen Wecker auszuschlagen und mich noch einmal umzudrehen. Ich wusste, dass Scarlet mich im Büro der Agentur erwartete, aber es war mir schlichtweg egal. Gewissensbisse? Niemals. Sie kam doch eh immer irgendwie hinterher und kümmerte sich darum, dass alles glatt lief. Warum also sollte ich aufstehen, wenn ich so müde war wie heute. Ich wälzte mich noch eine Zeit herum, war aber leider doch unwiederbringlich wach. "So ein Scheiß", brummelte ich, ehe ich schließlich doch aufstand. Ich streckte mich ausgiebig, tappte dann barfuß ins Bad. Ein wenig Wasser ins Gesicht und schon ging es mir besser. Mein nächster Weg führte mich in die Küche, wo ich mir einen starken Kaffee und ein kleines Frühstück gönnte. Mein Handy lag trotz Vibrieren und Anzeige, dass Scarlet mich anrief, missachtet auf der Anrichte. Noch könnte ich pünktlich kommen und sie wusste, sie müsste mich erinnern. Aber ich ließ sie wohlwissentlich links liegen, zog meine Sportsachen, bestehend aus Laufschuhen, Shorts und Tanktop, an und schlenderte in meinen Fitnessraum. Ich schaltete die Musikanlage an, dann das Laufband und begann mit einem lockeren Joggen, unterbrach es kurz für ein paar Dehnübungen, ehe ich im fleißigen Tempo passend zur Musik weiterlief.
Da die große Fensterfront nicht Richtung Auffahrt ausgerichtet war, sah ich das Auto nicht vorfahren und wegen der lauten Musik hörte ich auch nicht, wie sich Scarlet mit ihrem Ersatzschlüssel selbst Zutritt verschaffte. Außerdem war ich auch zu sehr auf meine Atmung konzentriert. Indes stapfte sie wütend durchs Haus, griff nach meinem Handy, das noch unschuldig mit zig verpassten Anrufen in der Küche lag, und kam dann in den Fitnessraum. Ich zuckte zum Glück nicht vor Schreck zusammen, sondern lief einfach weiter, gönnte ihr und dem Schatten hinter ihr nur einen kurzen Blick. "Wir waren verabredet", fauchte sie schon fast. "Na und? Du bist doch jetzt hier", meinte ich zwischen ein paar Atemzügen. "Sag mal wofür hast du eigentlich das Handy?", beschwerte sich meine Agentin.. Managerin... Babysitterin, egal wie man sie auch immer nennen wollte. Ich seufzte leise und ließ das Laufband langsamer werden, bis ich nur noch ging und griff nach dem Handtuch, das über dem Griff hing, schlang es mir um den Nacken, ehe ich abstieg und mich ihr entgegenstellte mit verschränkten Armen und ironischem Lächeln. "Damit ich dir offensichtlich zeigen kann, wie egal du mir bist. Wer ist das?" verband ich einen Seitenhieb mit einer argwöhnischen Frage. Mein Nicken in Richtung der stillen Maus war eigentlich nicht nötig, immerhin sollte man meinen, dass hier keiner ohne Erlaubnis Zutritt erhielt, aber ich konnte doch nie sicher sein, wieviel Scalet verstand.


nach oben springen

#3

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 02.12.2018 12:00
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte



Montag, der 01. August. Für viele andere Menschen ein ganz normaler Tag, manche mussten arbeiten, manche hatten frei. Doch ich hatte mir diesen Tag schon vor Monaten in meinem Taschenkalender rot umkreist. Es war der erste Tag meines neuen Lebens. Im März hatte ich meinen Schulabschluss gemacht und noch am Tag der Abschlusszeugnisvergabe hatten mich meine Eltern vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich, ein einfaches Landmädchen aus Tenneessee, aufgewachsen auf einer Ranch, welche irgendwo im Nirgendwo lag, sollte ab August in Los Angeles leben. Los Angeles, die Stadt der Engel. Die Stadt der Schönen und Reichen. Meine Mama hatte ihre Kontakte spielen lassen und schließlich einen Ausbildungsplatz für mich gefunden. Wagner Event-&Personalmanagement Agency. Ich wusste nicht viel über diese Agentur, welche Katharina Wagner, einer früheren Klassenkameradin meiner Mutter, gehörte. Sie war ein Jahr jünger als meine Mutter, also 39, und vor 30 Jahren mit ihrer Familie aus Deutschland nach Amerika gekommen. Kathy führte die anerkannteste Agentur dieses Bereichs in Amerika. Doch was genau war dieser Bereich eigentlich? Meine Mum hatte mir erklärt, dass sich Kathy um die Stars und Sternchen dieser Welt kümmerte. Sie plante deren Veranstaltungen und deren ganzes Leben. Die Jobbezeichnung? Assistentin. Ich fragte mich nach wie vor, was ich in Los Angeles als Assistentin der Stars sollte. Das war nicht meine Welt. Ich interessierte mich nicht für Mode und Make Up, ich interessierte mich nicht für die Sänger/innen und Schauspieler/innen. Mein Papa hatte damals eingeworfen, dass ich genau deswegen die Richtige für den Job war. Ich war kein aufgedrehtes Fangirl, sondern würde einfach nur gewissenhaft meinen Job machen. Und ich käme doch endlich mal unter Menschen. "Du bist jung, Elly. Genieß' dein Leben, finde nette Mädels und gut aussehende Jungs. Gehe abends aus, tanz dir die Füße in den Clubs der Stadt blutig. Betrinke dich.", hatte mein Vater mir damals aufgetragen. Meine Eltern waren gewiss anders als andere Eltern, so viel stand fest. Welches Elternteil würde dem Kind denn auftragen, sich zu besaufen? Richtig. Keines. Der Tag meiner Abreise war mit einer der traurigsten Tage meines Lebens gewesen. Ich musste nicht nur meine Eltern und meine geliebte zehnjährige Schwester Marley Lucia, kurz May, zurücklassen. Nein, ich ließ hunderte Pferde zurück. Nicht nur die Quarter Horses, Appaloosas, Paint Horses und Criollos meiner Eltern, für welche unsere Ranch in ganz Amerika bekannt war. Auch meine geliebten Quarter Ponies, welche ich schon seit einigen Jahren züchtete, trainierte und dann irgendwann schweren Herzens verkaufte. Wie sollte ich es in der Großstadt überhaupt aushalten? Dennoch hatte ich irgendwann tatsächlich im Flieger gesessen und startete in mein neues Leben.

In diesem neuen Leben lebte ich nun schon seit gut einer Woche. Gestern vor einer Woche war ich hier gelandet und hatte meine erste eigene Wohnung bezogen, welche Katharina mir besorgt hatte. Kathy war es auch gewesen, die mich am Flughafen empfangen hatte. Mit einem riesigen pinken Papierschild voller Glitzer. 'Helena' hatte darauf gestanden. Ich hätte am liebsten direkt wieder kehrt gemacht, doch meine Eltern hätten mir wohl den Kopf abgerissen. Also hatte ich mich der aufgetakelten Frau vorsichtig genähert. Ich fühlte mich hier fehl am Platz. Ich trug Sneaker, eine zerrissene Jeans und ein Karohemd. Gepäck hatte ich abgesehen von Handgepäck keines. Was hätte ich denn auch nach LA mitnehmen sollen? Meine Stall- und Reitsachen? Viel mehr besaß ich nämlich nicht. "Helenaaaa. Schön dich zu sehen. Man oh man, bist du groß geworden. Als ich dich das letzte Mal gesehen habe, war deine Schwester noch gar nicht auf der Welt.", fing Katharina Wagner direkt an und begrüßte mich mit Küsschen links und Küsschen rechts. Es hatte eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis meine Chefin mich endlich in der Wohnung in Beverly Hills alleine gelassen hatte. Beverly Hills war der Bezirk der Schönen und Reichen und der Standort der Agentur. Ich hatte keine fünf Minuten Fußweg zu dem Gebäude. Sehr praktisch, wie mir Kathy erklärte. Mir war es gleich, ich war es gewohnt, lange Strecken zu Fuß zurückzulegen. Der Bezug der möblierten Wohnung war schnell abgeschlossen gewesen und ich hatte den Rest des Tages schlafend verbracht. Die freie Woche vor meinem Ausbildungsbeginn hatte ich größtenteils damit verbracht, skeptisch die Stadt anzusehen und einzukaufen. Meine Eltern hatten mir einige tausend Dollar überwiesen, welche ich für neue angemessene Kleidung verwenden sollte.

"Helena, darf ich vorstellen: Scarlet Moore. Sie ist eine unserer besten Mitarbeiterinnen und du wirst sie zu ihren Terminen begleiten und unterstützen.", wurde mir am Montagmorgen meine Vorgesetzte vorgestellt, welche mindestens genau so gestylt war wie Katharina selbst und mich musternd ansah. Ich trug normale schwarze Sneaker, eine Jeans und und ein schwarzes Basic-Top. Nicht so glamourös wie die anderen Frauen hier im Büro, doch für mich schon eine echte Steigerung. Schweigend folgte ich Scarlet also nach draußen und stieg hinter ihr in die Limousine. Sofort ertönte wieder ihre nervige Stimme und ich verzog kurz unauffällig das Gesicht, ehe ich nur leicht nickte. Mitarbeit und Flexibilität. Shane Orville. Kannte ich nicht. Ein erneutes Nicken meinerseits. Hauptsächliche Zusammenarbeit mit Shane Orville und Scarlet Moore. Aha. Nicken Helena. Verschwiegendheitsklausel. Nun runzelte ich doch kurz die Stirn. "Wem sollte ich denn was aus welchem Grund erzählen?", fragte ich überrascht und blickte die Agentin an, welche mir ein Klemmbrett in die Hand drückte. Ich warf einen kurzen Blick darauf, ehe das Schnattern schon wieder weiterging. Ich sollte unsichtbar sein. Bekam ich hin. Wobei ich hier in Los Angeles tatsächlich mehr auffiel als ich wollte. Einfach aus dem Grund, dass ich anders war. Ich trug keine High Heels, keine Kleidchen, kein Make Up. Und vor allem keine Designerhandtaschen mit kleinen Hündchen darin. Paparazzi? Na prima. Doch bei ihrer nächsten Anweisung musste ich leicht auflachen. Ich sollte also die Finger von diesem Shane lassen. "Keine Sorge, ich interessiere mich nicht für Männer.", beruhigte ich Scarlet und war mir in dem Moment nicht darüber im Klaren, welchen falschen Eindruck diese Aussage mit sich trug. "Allüren? Er wird wohl kaum schlimmer sein als meine Pferde.", stellte ich unbeeindruckt fest und zuckte mit den Schultern. Wenn ich mit wilden Hengsten klar kam, die die ersten drei bis vier Jahre ihres Lebens in 'Freiheit' verbracht hatten und nie mit Menschen in Berührung gekommen waren, würde ich wohl auch mit diesem Shane Orville klar kommen. Kurz überflog ich die erste Seite des Vertrages. "Ich muss nichts durchlesen, mein Entschluss steht fest.", antwortete ich Scarlet schließlich und gab ihr das Klemmbrett zurück. Meine Eltern würden mir was husten, wenn ich direkt jetzt schon das Handtuch schmiss.

Es dauerte nicht lange und die Limousine hielt schon wieder. Die Tür wurde geöffnet und ich stieg dieses Mal vor Scarlet aus, betrachtete skeptisch das moderne Haus, welches meine Chefin bereits aufsperrte. "Darfst du...", fing ich fragend an, stoppte dann aber. Wenn sie einen Schlüssel hatte, durfte sie diesen wohl auch benutzen. Schweigend folgte ich ihr also durch die Gänge und rannte fast in Scarlet hinein, als diese plötzlich stoppte und wieder loskeifte. Vorsichtig streckte ich den Kopf an ihr vorbei und musterte den jungen Mann, welcher wohl gerade Sport gemacht hatte, unbeeindruckt. Das war also Shane Orville, der für...was auch immer bekannt und berühmt war. Aha. Als Shane Orville jedoch auf mich zu sprechen kam, trat ich doch neben die Agentin. "Helena Davis, seit heute Auszubildende bei der Wagner Event-&Personalmanagement Agency und Assistentin von Scarlet.", stellte ich mich mit meinem typischen Tenneessee Akzent vor, verzichtete jedoch darauf, ihm die Hand zu geben. Ich war zwar ein zurückhaltendes Landei, aber dennoch gut erzogen.



nach oben springen

#4

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 04.12.2018 23:24
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Wenn ich neben den beiden Frauen gestanden hätte, als sie vor meiner Haustür standen, hätte ich eindeutig mit 'Nein, sie darf nicht' geantwortet. Ich hasste es, wenn Scarlet sich einfach so Zutritt verschaffte. Aber jedes Mal war ich auch selbst Schuld daran, weshalb ich mich auf die Abmachung eingelassen hatte. Sie schaffte es zumindest in den meisten Fällen noch rechtzeitig zu wecken, befreite mich von irgendwelchen Betthäschen oder machte mir Feuer unterm Hintern, damit wir noch rechtzeitig irgendwo ankamen. Es war ein Gefallen für meine Karriere und damit auch ein Gefallen für meine Eltern. Sie hatten darauf bestanden und ich hatte es zugelassen. Es gab mir dementsprechend irgendwie auch die Freiheit, einfach mal einen Besprechungstermin zu schwänzen und hierher zu verlegen. Dadurch konnte ich entweder länger schlafen oder irgendetwas spannenderes machen wie Drehbücher lesen, Sport machen, musizieren, essen...atmen. Wirklich alles war besser als zum Büro der Agentur zu fahren. Ich hasste das Büro. Alle dort arbeiteten für kreative Menschen, für Individuen. Aber dort sah wirklich alles aus wie eine trockene Abfertigung und Organisation. Ich hasste Büroräume. Sie waren unpersönlich und kalt. Ich hatte immer das Gefühl darin gefangen zu sein. Allerdings war ich kein Held des persönlich-Seins. Aber ich stellte sowieso nie den Anspruch, nur zu kritisieren, wenn man selbst besser war. Dann wäre ich ja so gut wie mundtot.
Als auf meine Frage hin die Antwort nicht von meiner Agentin kam, sondern auf einmal die stille Maus zur Seite trat, musterte ich sie kritisch. Sie sah langweilig aus, nicht hässlich, keine Frage. Schlank, braune Haare, normale Augen, normale Haut, sehr schlicht gekleidet. Ein Mauerblümchen. Das einfach so sprach, obwohl ich sie nicht angesprochen hatte. Meine Augen verengten sich etwas, während ich in abweisender, vielleicht auch etwas arroganter Weise die Arme verschränkte, schüttelte leicht den Kopf. "Dich habe ich nicht gefragt", konterte ich schneidend, ehe ich wieder Scarlet ansah, als wäre diese Helena gar nicht da. "Jetzt bringst du tatsächlich so eine kleine Maus her an ihrem ersten Tag? Entweder sehr schlau oder sehr dumm", kommentierte ich und wandte mich von den beiden Frauen ab. Ich ging ein paar Schritte bis zur Klimmzugstange. Mit einem lockeren Satz sprang ich hoch, griff danach und machte ungerührt mein Set Klimmzüge. Scarlet war sehr beherrscht nicht komplett auszurasten. "Es ist schlau. Immerhin machst du mir dann nicht Azubis kurz vorm Abschluss unbrauchbar", konterte sie, wandte sich kurz zu Helena. "Nichts für ungut." Ich schmunzelte. Ich machte sie nicht unbrauchbar, aber so eine Formulierung war sicher auch nicht gerade die beste Motivation. "Lass mich raten. Du brauchst meine Unterschrift, damit die hier auch ein und aus gehen darf?", versuchte ich herauszufinden zwischen ein paar Klimmzügen, ließ mich dann fallen und schüttelte meine Arme aus. Von Scarlet kam nur ein zustimmendes "Hmmh". Ich entschied kurzerhand, dass ich mein Sportprogramm für heute sonst auch einfach bei dem belassen konnte. "Na gut. Ich weiß ja wie heiß begehrt meine Autogramme sind", meinte ich - etwas süffisant und zwinkerte Helena zu, während ich mich an ihr vorbeischob. Das klärten wir dann doch lieber im Wohnzimmer. "Darf ich erst duschen? Oder steht ihr mehr auf die schnelle verschwitzte Nummer?", erfragte ich mit einem verwegenem Grinsen. Wie gut, dass jede angeschleppte Assistentin die Verschwiegenheitsklausel schon vor dem ersten Treffen unterzeichnen musste und so nicht an die Presse durfte wegen solchen dreisten Sprüchen. Strafrechtliche Verfolgung war natürlich ausgenommen von der Klausel, aber so einen Spruch würde niemand wegen sexueller Belästigung vor Gericht bringen. Gegen meine Anwälte wollte niemand ins Gericht ziehen. Und Geschworene fanden mich eh immer toll. Ich konnte mir also fast alles leisten.


nach oben springen

#5

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 06.12.2018 20:42
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Helena Amaya Davis

Ich schreckte zurück, als der junge Mann das Wort ergriff und mich direkt anschnauzte. „Dich habe ich nicht gefragt.“ Ich seufzte kaum hörbar und verschränkte die Arme vor der Brust. Für mich war diese Frage zwar nicht nur an Scarlet gerichtet gewesen, aber nun gut. Wie er meinte. Ich wollte nur höflich sein und mich ihm persönlich vorstellen, immerhin würden wir uns jetzt des Öfteren über den Weg laufen. Schweigend lauschte ich dem Gespräch meiner Chefin und meines Schützlings. Ob er immer so drauf war? Nachdenklich starrte ich den Boden an und bereute es jetzt schon, meinen Eltern zugestimmt zu haben. Klar, er war ein Star und die Welt lag ihm zu Füßen. Gab ihm das das Recht, andere Menschen so zu behandeln? Wohl kaum. Ich hatte nicht viel Kontakt zu Gleichaltrigen gehabt, immerhin hatte ich mein ganzes Leben abgelegen auf der Ranch meiner Eltern verbracht. Hausunterricht, keine Vereinsmitgliedschaften. Nichts. Ich war immer nur in Tenneesee gewesen, außer wir hatten mal von außerhalb ein Pferd gekauft, außerhalb ein Pferd verkauft oder ich hatte irgendwo ein Tunier. Doch etwas, was andere Menschen Urlaub nannten, kannte ich nicht. Somit war eben auch meine Liste an Kontakten relativ kurz und ließ sich mit dem Wort Pferd zusammenfassen. Mein Handy war voll mit Verkäufern, Käufern und co. auf der Davis Ranch waren meine Schwester und ich mit die jüngsten Bewohner, wenn man die Tiere nicht beachtete. Die meisten waren bereits über 30, nur einer der Reitlehrer war Mitte 20. Freunde? Hatte ich keine. „Du lernst sicher in Los Angeles nette Leutr kennen.“, hatten meine Eltern mir versichert. Sah ich so aus? Die Arbeitszeiten der Ausbildung waren hart, freie Tage gab es eigentlich nicht. Urlaub? Ich hatte zwar die normalen 30 Tage im Jahr, doch ob und wann ich mir diese nehmen konnte, war ein Rätsel. Ich vermisste meine Familie und meine Freunde schon jetzt. Ich hatte mich aus dem hitzigen Gespräch der beiden inzwischen komplett ausgeklinkt. Dieser Shane gab sowieso einen Dreck auf meine Meinung und daher hielt ich es für unnötig, mich einzumischen. In diesem Moment klingelte mein Handy und ich zog es seufzend hervor. Katharina Wagner. „Das ist Kathy.“, meinte ich zu Scarlet und nahm dann den Anruf der Chefin meiner Chefin an. „Hi Kathy.“, begrüßte ich die ehemalige Klassenkameradin meiner Mutter und ging ein paar Schritte durch den Flur, während ich ihren Worten lauschte. „Ja. Ich habe ihn gerade kennengelernt. Er ist...“, ich stoppte und sah zweifelnd zu Shane. „Nett.“, beendetenoch den Satz schließlich wenig überzeugt und sprach noch kurz mit Katharina, ehe diese auch schon wieder auflegte und ich zurück zu den beiden lief. Und nun? Ich wusste nicht genau, was meine Aufgaben waren. Heute würde ich wohl sowieso nur hinter Scarlet herlaufen und ihr über die Schulter schauen.



nach oben springen

#6

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 07.12.2018 21:21
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es war ein großer Fehler von Helena, zurückzuzucken. Ich nahm es nämlich durchaus zur Kenntnis und speicherte mir das gut ab. Sie ließ sich also einschüchtern. Perfekt. Sie wurde also sicherlich nicht so ein zickiger Vormund wie Scarlet. Die schreckte vor nichts zurück. Deshalb war sie als Agentin sehr gut, wenn auch wirklich nervig. Sie handelte immer die Rahmenbedingungen für Verträge aus und zuckte nicht mit einer Wimper, wenn sie mal ein Betthäschen aus dem Haus warf und den Mädels klar machte, kein Sterbenswörtchen weiterzugeben. Niemand wollte sich mit ihr anlegen, selbst ich hörte auf sie. Vielleicht mit großen Widerworten, aber wenn sie etwas für wichtig erachtete, dann war es klug ihrem Rat zu folgen. Einer der Gründe, weshalb meine Eltern auch sehr begeistert von ihr waren. Sie wären vermutlich auch angetan von diesem neuen jungen Mädel, weil sie keine Tussi zu sein schien. Aber als Agentin würde sie nichts bringen, wenn sie sich nicht schnell ein dickes Fell und großes Selbstbewusstsein zulegte.
Ein leicht abfälliger Ausdruck erschien auf meinen Lippen. Mal sehen, wie lange sie durchhielt. Vielleicht sollte ich Wetten darauf abschließen. Und dann klingelte das Handy von der Neuen. Ich verzog leicht das Gesicht. "In diesem Haus werden Handys maximal auf Vibrationsalarm gestellt"; grummelte ich, bekam einen entrüsteten Blick von Scarlet. Sie wusste es zwar eigentlich eh, aber sie wünschte sich scheinbar jeden Tag aufs Neue, dass ich endlich aufhörte mit Gegenwehr. Ich könnte ja mal zahm wie ein Lamm werden. Das perfekte Objekt der Öffentlichkeit. Auf jedes 'Mach dies, mach das' hören und niemals eigene Ziele haben, die die generelle Planung kreuzen könnten. Die Zeit des Telefonats nutzte ich um in die offene Küche zu gehen, nahm mir ein Glas mit Wasser und zog mich auf die Anrichte. Als sie mich ansah beim Telefonat und mich als nett betitelte, warf ich ihr einen Luftkuss zu, wenn auch meine Miene eher kühl blieb. Scarlet breitete unterdessen ihre Unterlagen aus und wartete schweigend bis Helena zurück kam. "Also", setzte sie an. "Shane du kennst das Spiel ja schon. Helena, du wirst mich erst einmal begleiten und ins Agentursystem eingearbeitet, hauptsächlich rund um Shanes Pressetermine, Drehtage und Bandtouren. Wir kümmern uns um einen reibungslosen Ablauf und bereiten alles vor und nach. Dazu gehört zum einen ihn überall heil und rechtzeitig hinzubringen und zum anderen immer auf dem neusten Stand der Informationen zu sein. Woher du diese Informationen erhältst, zeige ich dir. Shane pünktlich aus dem Haus zu bringen, musst du eigenständig schaffen. Dafür erhältst du auch einen Schlüssel für dieses Haus und den Code für die Alarmanlage", erklärte Scarlet. Ich seufzte leise, als sie mit einem Kugelschreiber auf dem Papier rumtrommelte. Also ließ ich mich von der Anrichte gleiten, ging zu ihr rüber und unterschrieb die Erlaubnis dafür. "Dein erstes Autogramm von mir", säuselte ich Helena zu. "Komm bloß nicht auf die Idee, dir für andere welche zu beschaffen", setzte ich dann als Warnung hinzu.


nach oben springen

#7

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 08.12.2018 22:36
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte



Mein Telefon hatte vielleicht zwei Sekunden geklingelt, als sich Shane Orville bereits zu Wort meldete. Schweigend zog ich einfach nur eine Augenbraue ein Stück nach oben und beachtete den jungen Mann nicht weiter, während ich das Telefonat führte. Vibrationsalarm. Ich schüttelte leicht den Kopf und seufzte. Mein Handy war noch nie auf Vibration oder sogar ganz stumm gestellt gewesen und ich würde das sicher nicht einführen, nur weil ein möchtegern Promi sich das einbildete. Schweigend schlenderte ich dann auch schon hinter Scarlet durch das Haus hinterher. Ich war auf einer Ranch aufgewachsen, die wahrscheinlich so viele Hektar wie ganz Los Angeles umfasste und dennoch fühlte ich mich hier wie in einem Labyrinth. So viele Zimmer. Ob diese überhaupt genutzt wurden? Wohnte der junge Star hier ganz alleine? Es schien wohl so zu sein. Wieso brauchte jemand Anfang 20 so eine Villa nur für sich? Ich seufzte leicht und betrachtete Shane, welcher mittlerweile mit einem Glas Wasser auf der Anrichte der Luxusküche saß. Ob er dort selbst kochte? Wohl kaum. Entweder aß er auswärts, bestellte Essen oder er hatte eine Köchin, die ihn betüdelte. Selbst anpacken konnte der junge Mann wohl kaum, was mich amüsierte. Wann hatte ich angefangen, auf der Ranch zu helfen? Ich war vielleicht vier Jahre alt gewesen, da hatte mein Vater mir schon eine Mistgabel in die Hand gedrückt und mich in eine Box geschoben. In Gedanken stellte ich mir Shane Orville auf unserer Ranch vor. Ich unterdrückte nur mühsam ein aufkommendes Lachen und sah ernst zu Scarlet, welche mich nun mit meinen künftigen Aufgaben vertraut machte. Die Worte gefielen mir jedoch nicht wirklich, da sich meine Arbeit wohl nur um Shane drehen würde. Na prima, da hatte ich wohl das goldene Los gezogen.
Andere Frauen würden wahrscheinlich Freudensprünge machen und ausrasten. Aber ich? Nein. Ich hatte von diesem Typen nie zuvor gehört und es interessierte mich auch um ehrlich zu sein gar nicht. Heutzutage waren diese so genannten Stars sowieso alle gleich. Sahen gut aus, weswegen sie modelten. Konnten ausgezeichnet singen, spielten Instrumente. Tanzten extrem gut, perfekt für ihre Musikvideos. Ach, und Schauspieltalent war natürlich nicht zu vergessen. Als Shane seine Unterschrift auf dem Blatt Papier, welches wohl irgendeine Genehmigung darstellte, setzte und mich direkt über ein Autogramm informierte, verdrehte ich nur schweigend die blau-grauen Augen. Doch seine nächste Aussage, die schon eher wie eine Warnung klang, amüsierte mich doch. "Pferde fressen und scheißen nur. Die interessieren sich nicht für irgendwelche dämlichen Autogramme.", stellte ich murmelnd eher an mich selbst als an Shane gewandt fest und erntete einen skeptischen Blick von Scarlet. Ach ja, diese Leute würden mich wohl nie verstehen. Ich war definitiv am falschen Ort unter den falschen Menschen. Wundervoll.



nach oben springen

#8

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 10.12.2018 01:50
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Diese Helena war eine wirklich merkwürdige Gestalt. Aus ihrem Akzent entnahm ich, dass sie nicht gerade in einer Metropole groß geworden war. Woher sie den Akzent hatte, wusste ich nicht. Dafür kannte ich mich nicht genug aus mit den verschiedenen Regionen. Ich hatte einen Haufen an geschichtlichen Wissen eingetrichtert bekommen um einen wunderbaren Smalltalk mit jedermann führen zu können. Nicht dass ich es unbedingt darauf anlegte, aber auf Veranstaltungen kam es gut an. Und da machte ich doch gerne immer ein gutes Bild. Lächeln konnte ich. Schauspielern auch. Und dafür brauchte ich nicht unbedingt immer eine Kamera vor der Nase. Und das, was ich nicht durch Charisma vorher wettmachen konnte, musste das Wissen leisten über die Leute mit denen ich sprach. Dafür hatte ich Scarlet. Sie wusste wer auf welcher Veranstaltung wichtig war und wie ich denjenigen von mir überzeugen könnte. Die Recherche betrieb ich nicht selbst. Ich legte sowieso in vielen Belangen die Füße hoch und dennoch war ich unglaublich gestresst. Immer lächeln und gut aussehen, Presse und dumme Fragen ertragen, Kritiken einstecken. Alles auswendig lernen und immer irgendwo anders sein. Klar es machte auch Spaß und brachte große Vorteile, aber manchmal wollte ich einfach in einen Flieger steigen und weit weg. Vielleicht sollte ich das bald einfach mal machen.
Bei ihrem Kommentar bezüglich der Pferde lachte ich auf. "Oh wow. Das ist gleichermaßen ekelhaft wie auch traurig", gab ich zurück, auch wenn sie vermutlich eigentlich nicht mit mir gesprochen hatte. Mir brannte die Frage auf der Zunge, wo sie herkam, dass sie Pferde hatte. Denn entweder war sie unglaublich reich, dass sie sich die Haltung hier in der Stadt leisten konnte - aber warum sollte sie dann so einen zermürbenden Job anfangen. Oder sie kam wirklich aus den tiefsten Steppen, die Amerika zu bieten hatte. Was mehr Sinn ergab, gerade mit ihrem Akzent in Verbindung. Nach einer kurzen und eher unangenehmen Stille, erhob Scarlet schließlich das Wort. "Gut... heute Abend findet die Einweihung der neuen Schauspiel- und Theaterschule statt. Sie wurde zu Ehren von John Ford errichtet. Schauspieler, Darsteller und Regisseure werden da sein. Wir natürlich auch. Helena, du und ich werden im Hintergrund bleiben, aber auch mit den Regisseuren sprechen können, während Shane seine Kollegen trifft", erklärte sie kurz. "Ich zeig dir am besten im Büro, wie du solche Gespräche am besten vorbereitest. Und Shane kann dann endlich duschen gehen, damit er nicht mit seinem bloßen Geruch die Leute schon abschreckt", mit einem sarkastischen Lächeln räumte Scarlet ihre Sachen zusammen. "Autsch", kommentierte ich nur kühl, aber es interessierte mich nicht sonderlich, dass sie versuchte mich zu ärgern. "Aber ja, geht mal lieber wieder ins Büro. Und kommt erst heute Abend wieder", meinte ich und winkte. "Tschüß, Adé, Ciao, bis später...Na los", säuselte ich und wartete nur darauf, dass sie endlich gingen.


nach oben springen

#9

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 12.12.2018 13:39
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Als Shane auf meine Aussage bezüglich der Pferde reagierte, beachtete ich den jungen Superstar nicht weiter. Wieso denn auch? Er kannte Pferde sicher nur von Bildern. Zumindest ging ich nicht davon aus, dass er etwas mit diesen Tieren anfangen konnte oder sogar schon einmal mit ihnen zu tun gehabt hatte. Ob es hier in Los Angeles Reitmöglichkeiten gab? Ich vermisste meine Schätze schon jetzt und vielleicht würde ich hier in der Nähe ja einen passenden Reitstall finden. Eventuell wäre es sogar möglich, eins meiner eigenen Reitpferde nachzuholen. Nachdenklich kaute ich auf meiner Unterlippe rum und nahm mir vor, mich demnächst darüber zu informieren. Scarlet ergriff dann auch schon wieder das Wort und ließ mir nicht weiter Zeit, mir über meine große Leidenschaft Gedanken zu machen. Aufmerksam lauschte ich ihrer Erklärung bezüglich der Abendplanung. John Ford? Kannte ich nicht. Leicht nickte ich und war froh, dass Scarlet mir noch einmal zeigen wollte, wie ich mich am besten darauf vorbereite. Bei ihrem Kommentar über Shane verkniff ich mir ein amüsiertes Grinsen, ehe ich der Frau hinterherlief und wieder in das Auto stieg, welches uns zurück zur Agentur bringen sollte. Auf dem Weg dorthin erklärte mir Scarlet schon einmal einige Kleinigkeiten. „Hast du ein elegantes Abendkleid, Helena?“, fragte sie mich und ich nickte leicht. Zwar mochte ich ein Bauerntrampel sein, doch wir hatten immer wieder einmal festlichere Anlässe auf unserer Ranch oder anderen Höfen gefeiert, bei welchen Abendgarderobe notwendig gewesen war. Demnach hatte ich tatsächlich das ein oder andere Kleid in meinem Kleiderschrank. Scarlet schien dennoch besorgt zu sein, ob sich diese Kleider tatsächlich für den heutigen Abend und künftige Anlässe eignen würden. „Ich kann dir gerne später Bilder schicken.“, bot ich daher an und Scarlet schien nun zufrieden zu sein. In der Agentur nahmen wir an ihrem Schreibtisch Platz und ich ließ mir geduldig alles erklären, was für den heutigen Abend und alle folgenden Events dieser Art von Bedeutung war.



nach oben springen

#10

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 14.12.2018 00:27
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich wurde jetzt schon nicht schlau aus der Neuen. Sie laberte mir nicht die Ohren voll über ihre Ziele und Träume, die große Karriere oder Inspiration. Gut, vermutlich würde ich auf Dauer auch verrückt werden, wenn sie mit ihrem Akzent um die Ecke kam. Auch wenn ihre Stimme an sich wenigstens sehr angenehm war. Aber dieses Ländliche war so abstrakt für mich genau so wie ihr scheinbar ruhiges Temperament. Jede Möchtegern-Diva hätte schnippisch reagiert, mir einen Drink ins Gesicht gekippt oder mich mit irgendwas abgeworfen. Ich hatte zwar noch nicht all meine Unliebsamkeiten ausgepackt, aber hier in Hollywood waren nun mal alle schnell beleidigt. Mir inklusive. Dennoch wurde ich deshalb nicht freundlicher und würde sicherlich auch nicht zuvorkommend das Leben für Helena erleichtern. Weder würde ich ihr einen Kaffee ausgeben, noch ein Taschentuch reichen, wenn sie weinte, weil ein Produzent sich bei ihr auskotzte, wenn ihm die Zeitpläne nicht passten, die Gage zu teuer war oder was auch immer sonst noch so anstehen könnte. Sie war nämlich irgendwann die Anlaufstelle. Ich kümmerte mich nur um ein gutes Schauspiel und den sitzenden Text. Oder eben um meine Musik. Alles Organisatorische machte das Management und Scarlet würde sicherlich alle Aufgaben von sich schieben, sobald es ging.
Ich trauerte den beiden nicht eine Sekunde hinterher, als sie mein Haus endlich wieder verließen. Ich verschwand in einem meiner Badezimmer - bei einer Villa hatte immerhin jedes Schlafzimmer eines und davon gab hier zwei, neben dem Gästebad versteht sich. Ich genoss die Regendusche und ließ mir ausgiebig Zeit. Mittags telefonierte ich einmal mit meinen Eltern, die sich dafür interessierten, welche neuen Rollen ich denn annehmen könnte oder wie weit ich mit dem Album war. An dem arbeitete ich danach dann auch weiter, spielte in meinem Musikkeller, der ausgestattet war mit einem Aufnahmeraum und allen wichtigen Instrumenten, schrieb an einem Text und übte ein paar Melodien an der Gitarre. So ganz zufrieden war ich aber nicht, weshalb der Entwurf erst mal frustriert zerknüllt neben dem Papierkorb landete. Neben, weil ich nicht gut genug geworfen hatte. Aber es war mir auch egal. Schließlich hatte ich eine Haushälterin. Als würde ich selbst diese Villa putzen, einkaufen oder meine Wäsche machen wollen. Soweit kam es noch. Am Nachmittag trudelte irgendwann noch einmal eine Erinnerungsnachricht von Scarlet ein, dass es bald los ging. Ausnahmsweise hörte ich mal drauf und zog mich dann endlich mal vernünftig an. Eine schlichte Chino, dazu ein passender Blazer und ein schlichte Shirt und einfache Halbschuhe. Der Rest war doch offiziell genug, da musste ich nicht auch noch ein Hemd tragen oder Anzugschuhe. Ich war nicht unbedingt ein Freund von all den Knöpfen, dem Kragen oder Manschetten. Ausnahmsweise war ich also mal pünktlich fertig, wartete sogar vor der Haustür auf mein persönliches Taxi mit dem Guide in Form zwei junger Frauen für den heutigen Abend.


nach oben springen

#11

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 15.12.2018 15:33
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Mein erster Arbeitstag verging schneller als gedacht und ich fand mich am frühen Nachmittag in meiner kleinen Wohnung wieder. Scarlet hatte angekündigt, mich gegen 18 Uhr abzuholen. Dann mussten wir den liebenswerten Shane einsammeln und um 19 Uhr würde die Veranstaltung beginnen. Ich hatte mir gerade nach der Dusche ein Handtuch gewickelt, als mein Handy klingelte. Wer war das denn jetzt? Hoffentlich nicht meine Chefin, dass wir früher los mussten. Doch ein Blick auf das erhellte Display beruhigte mich und ich nahm den Anruf lächelnd an. "Hallo Prinzessin! Na, alles fit? Wie geht es Mama und Papa?", fragte ich und setzte mich auf den Rand der Badewanne, um ein wenig mit meiner kleinen Schwester zu quatschen. Während diese mir alle Neuigkeiten erzählte, cremte ich sorgfältig meine Haut ein. "Das ist schön, Mae. Ich hoffe, dass ich euch bald besuchen kann. Oder ihr kommt nach LA.", überlegte ich laut und warf einen kurzen Blick auf mein Handy. Ich musste mich jetzt echt beeilen. "Hab dich lieb, Kleine. Bis dann.", verabschiedete ich mich also und legte auf. Ich hatte nur noch eine halbe Stunde Zeit für Haare, Make-Up und Outfit. Wo sollte ich anfangen? Wahrscheinlich mit dem Make-Up. Dann konnten meine langen Haare solange antrocknen und ich brachte nicht mein Outfit in Gefahr. Mein Make-Up nahm sowieso nicht viel Zeit in Anspruch, da ich mich sowieso nur sehr dezent schminkte. Anlass hin oder her. Also trug ich schnell etwas Puder und Wimperntusche auf, zog mir einen leichten Lidstrich und entschied mich für einen beigen Lippenstift. Alles sehr dezent und unauffällig. Schnell föhnte ich dann meine Haare, band sie zu einem strengen Dutt und tapste nackt durch die Wohnung in mein Schlafzimmer. Mein Outfit für den Abend hatte ich schon vor dem Duschen rausgesucht, da Scarlet vorerst ein Bild gewollt hatte. Ihr Einverständnis hatte ich, weswegen ich schnell in das schwarze rückenfreie Kleid und die schwarzen Pumps schlüpfte. Die wichtigsten Sachen verschwanden dann in einer ebenfalls schwarzen Clutch. Zurück im Bad sprühte ich mich noch mit etwas Parfüm ein und genau in diesem Moment kam auch von Scarlet die Nachricht, dass sie da war. Hastig stolperte ich zur Wohnungstür, sperrte diese hinter mir ab und eilte durch das Treppenhaus. Ich trug nicht oft hohe Schuhe. Zwar konnte ich mich halbwegs auf den Beinen halten, aber wie ein Topmodel konnte ich definitiv nicht laufen. Scarlet erwartete mich auf dem Beifahrersitz der schwarzen Limousine und musterte mich durch das geöffnete Fenster prüfend. "Sieh mal einer an. Das Pferdemädchen kann ja auch anders.", stellte sie belustigt fest und ich zuckte nur leicht mit den Schultern, ehe ich hinten einstieg. Auf dem Weg zu Shane gingen wir noch einmal das wichtigste durch. Scarlet reichte an mich die Aufgabe weiter, Shane gleich aus dem Haus zu holen. Das konnte ja super werden. Doch zu unserem Erstaunen stand der junge Mann bereits am Straßenrand. Scarlet deutete zu mir auf die Rücksitzbank. Augenverdrehend rutschte ich auf die Straßenseite, damit Shane nicht einen so weiten Weg hatte. Schweigend verschränkte ich die Hände auf meinem Schoss und hielt den Blick gesenkt. Sonderlich wohl fühlte ich mich nicht, obwohl ich für die Verhältnisse in LA sowieso nach wie vor ein graues Mäuschen war. Für mich war es dennoch eine enorme Verbesserung, wobei ich es nicht unbedingt als etwas besseres betrachtete.



nach oben springen

#12

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 26.12.2018 01:52
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es kam wirklich nicht oft vor, dass ich mal pünktlich war und sogar wartete. Ich war zugegebener Maßen auch kurz am überlegen gewesen, ob ich mir ein Taxi bestellte. Nur aus Prinzip um Scarlet zu nerven. Sie konnte es nicht leiden, wenn sie nicht sie Kontrolle hatte und ich hasste es kontrolliert zu werden. Aber den Ausstieg schaffte ich nicht. Das große Ganze war ja auch wirklich toll. Ich lebte den Traum. Von der Mittelschicht zum Millionär. Ich konnte ein Held sein, ein Bösewicht. Ich konnte die Welt sehen. Aber das drum herum zehrte an meinen Nerven. Schließlich kam der Wagen vorgefahren. Ich sah wie das neue Mädchen, dessen Namen ich schon wieder vergessen hatte, zur Seite rückte, damit ich nicht die Seite wechseln musste. Ich grinste darüber, während ich einstieg. "Eine Schande, dass mir nicht die Tür aufgehalten wurde", meinte ich als erstes, als ich mich setzte. Ich schnallte mich nicht an. Zu eitel Falten in die Kleidung zu machen, könnte man doch durchaus mal sein. Dann ließ ich meinen Blick über die beiden Frauen gleiten. Scarlet sah taff und elegant aus wie immer. Geschminkt, kniefreies Kleid in einem rauchblauen Ton und Wasserfall Ausschnitt, extravagante Schuhe, Schmuck. Dann fiel mein Blick auf das neue Mädchen. "Wie heißt das Dorfkind nochmal?" fragte ich Scarlet wieder. Als würde ich die kleine ansprechen. Sie war langweilig. Ihr Kleid war schwarz, ihr Make up dezent. Sie war nicht hässlich, sie war aber nichts besonderes.
Wir fuhren einen Umweg zu der Veranstaltung. Ein Promi kam nie zu früh, wenn er Aufmerksamkeit brauchte und ich sollte meine immer bekommen. Ich war pünktlich außer Haus gewesen, aber kam erst nach Beginn des Empfangs an. Mir wäre Pünktlichkeit und dafür mehr Ruhe heute allerdings recht gewesen. Während der Fahrer ausstieg, damit er uns die Türen öffnen konnte, blickte ich etwas verdrießlich über die Reihen von Reportern. Ich hasste diese Geier. Kurzerhand zog ich aus der Innentasche des Blazers eine Sonnenbrille und setzte diese auf, ehe die Tür aufging. Sobald ich ausstieg, ging das Geblitze auch los. Ich war nicht der große Fisch des roten Teppichs, aber ein guter Kandidat. Und sie befragten eh jeden in der Hoffnung darauf neue Spekulationen drucken zu können.
"Wer ist heute ihre Begleitung?"
"Was ist ihr Lieblingsfilm von John Ford?"
"Was ist Ihre nächste große Rolle?"
"...."
Es wurden so einige Fragen geschrien, aber ich durfte sie nicht beantworten. Scarlet übernahm das. Sie wollte nicht, dass ich mich verquatschte. Ich ging deshalb weiter, übrigens mit bester Laune auf dem halb verborgenen Gesicht zu der Ecke mit Fans, die durch einen Zaun und Security zurückgehalten wurden. Um die kümmerte ich mich lieber als um die Fotografen. Also unterschrieb ich Autogramme, griff nach ausgestreckten Händen und ließ Selfies machen. Dann traten wir schließlich in die neue Schauspielschule. Das Foyer war festlich geschmückt und riesig, mündete direkt in eine große Aula. An den Seiten waren Bars und Stehtische hergerichtet, zum Teil auch Snacks ausgestellt, wenn sie nicht von Kellnern herumgereicht wurden. Ich ließ mich ein wenig zurückfallen von meiner Begleitung, sah dann erst den Rücken von Helena. Komplett frei. Ich unterdrückte ein Pfeifen. Würde dem Image schaden. Aber heilige scheiße hatte sie einen schönen Rücken mit einem echt tiefen Ausschnitt. Während wir an Sektkühlern mit Eis vorüber gingen, griff ich nach einem Würfel. Mit zwei, drei schnellen Schritten holte ich zu Helena auf, legte meine Hand mit dem Eiswürfel zwischen ihre Schulterblätter. "Du hast mir ja verschwiegen, wie aufreizend du sein kannst" raunte ich ihr nahe ins Ohr. Langsam ließ ich den Eiswürfel ihre Wirbelsäule hinab wandern, einzelne Wassertropfen rannen bereits ihren Rücken hinab und verschwanden am Saum. "Wusstest du das Eis in der horizontalen auch viel Spaß machen?", fragte ich, ganz in der Annahme, dass sie ja schon zumindest mal Sex gehabt haben sollte.


nach oben springen

#13

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 27.12.2018 18:03
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Ich hob für einen Moment den Blick meiner stahlgrauen Augen, als die Tür geöffnet wurde und Shane in den Wagen stieg. Zuerst musterte dieser Scarlet und anschließend auch mich. Ich hatte es nicht anders erwartet. Ich hielt den Blick gesenkt, runzelte dann aber die Stirn, als der junge Mann meine Chefin nach meinem Namen fragte. Dorfkind. Die Bezeichnung war für mich noch übertrieben. "Helena.", ertönte von vorne Scarlet's Stimme und sie sprach folgend aus, was ich mir zuvor gedacht hatte. "Und Helena ist kein Dorfkind. Ein Dorf besteht aus mindestens zwei Häusern. Helena kommt von einer Ranch mitten in der Pampa. Weit und breit keine anderen Häuser.", erklärte sie Shane schnippisch und ich warf ihr einen kurzen Blick zu. Fast dankbar. Ich wollte ihm selbst nicht diese Dinge erklären müssen. Wobei Shane mich ja sowieso nicht persönlich ansprach, sondern immer Scarlet fragte. "Meine Chefin ist mit Helena's Mutter befreundet und Helena's Eltern waren der Meinung, dass Helena auch mal was anderes von der Welt sehen soll.", fuhr Scarlet fort und zuckte mit ihren Schultern. Sie schien zu wissen, dass es den Promi wahrscheinlich nicht im geringsten interessierte, wer ich war, woher ich kam und wieso ich nun hier war. Mein Blick fiel für einen kurzen Moment auf den jungen Mann neben mir, dessen Gesichtsausdruck mir meine Gedanken bestätigte. Ich konnte damit leben. Er war für mich nichts besonderes, auch wenn er wahrscheinlich der Meinung war, dass er der Mittelpunkt der ganzen Welt war, welche sich nur um ihn drehte. Ziemlich schnell kamen wir dann an unserem Ziel an und ich verließ nach Scarlet und Shane den luxuriösen Wagen. Sofort blendeten mich die Blitze der unzähligen Kameras und ich hielt mir überrascht eine Hand vor die Augen. "Man gewöhnt sich dran.", erklang die Stimme meiner Chefin neben mir, welche mich dann noch anwies, einfach neben ihr hinter Shane zu bleiben. Mit unsicheren Schritten folgte ich dem jungen Mann also über den roten Teppich und nahm erstaunt die unterschiedlichen neuen Eindrücke wahr. Begleitung? Niemand. Lieblingsfilm? Gute Frage. Ich hatte diesen John Ford zwar durch Google gejagt, aber keiner seiner Filme sagte mir was. Nächste große Rolle? Sicher irgendein Film, in dem er den beliebten Macho spielen würde. Scarlet übernahm die Sache mit dem Antworten, was sie mir zuvor schon im Büro erklärt hatte. Shane selbst antwortete auf solche Fragen nicht. Er gab nur offizielle Interviews, deren Fragen zuvor schon eingereicht worden waren, damit er sich darauf vorbereiten konnte. Ich tat einfach meinen Job und zog die Mundwinkel angestrengt nach oben. Als mich jedoch etwas am Arm packte, zuckte ich zusammen und drehte mich der Person zu. Eine blonde junge Frau mit 10kg Make Up im Gesicht. Gemachte Lippen, gemachte Brüste. Aufgeklebte Nägel, aufgeklebte Wimpern. Skeptisch zog ich die Augenbrauen nach oben und musterte die Barbie fragend. "DU!", schrie sie mich hysterisch an und ich wich einen Schritt zurück. "Lass die Finger von Shane! Shane darf nur mich als Freundin haben. Verstehst du? Ich bringe dich um, wenn du dich meinem Schatz noch einmal näherst!" Ihre Drohungen trafen mich sichtlich, ich konnte mein Erstaunen und die Fassungslosigkeit nicht verbergen. Wer war dieses Etwas und was wollte es von mir? Scarlet rettete mich dann schließlich aus der unangenehmen Situation und ein paar Sicherheitsleute kümmerten sich um das Blondchen. Hastig verschwand ich dann in das Innere des Gebäudes und holte mit Scarlet Shane wieder ein. Dieser verlangsamte sein Tempo dann jedoch und nur wenige Sekunden später spürte ich etwas kaltes zwischen meinen Schulterblättern. Ein Schauer überkam mich und ich öffnete für einen Moment den Mund, ehe ich ihn doch wortlos wieder schloss. Der Eiswürfel hinterließ eine feuchte Spur entlang meines Rückens bis hinunter zu dem Saum meines Kleides. Die Stimme neben meinem Kopf ließ mich ein weiteres Mal erschaudern. Wie in Zeitlupe drehte ich mich dann um und stand Shane dadurch sehr nah. "Ich darf doch nicht mit dir reden.", erinnerte ich den jungen Promi und setzte ein süßes Lächeln auf. Die zweite Aussage ignorierte ich einfach mal. Woher sollte ich das denn auch wissen? Kurzerhand griff ich mir mit einem Arm über die gegenüberliegende Schulter und schob Shane's Hand mit dem Eiswürfel beiseite. Wer Aschenputtel nicht ehrt, ist Cinderella nicht wert. Oder so ähnlich. Ich legte kurz den Kopf leicht schief, ehe Scarlet uns aus dieser interessanten Lage riss und nach mir rief. Ich biss mir auf die Lippe, ehe ich auf dem Absatz kehrt machte und zu der jungen Frau eilte. Die Blicke, die einige der anwesenden Männer auf meinen Po warfen, entgingen mir dabei.



nach oben springen

#14

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 28.12.2018 00:21
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ein Schmunzeln legte sich auf meine Lippen, bei der schnippischen Bemerkung von Scarlet. Ich sah es nicht als Angriff gegen meine Bezeichnung, sondern eher gegen Helenas Herkunft. Wie konnte man von so weit draußen überhaupt die Stadt finden und so einen Job bekommen. Ich hatte immer gedacht, dass die Mädels wenigstens ein bisschen Wissen um die Stadt und die Szene haben mussten. Aber wenn sie von einer Ranch kam, war es sicher schon erstaunlich, wenn sie überhaupt von dem 'Neuland Internet' überhaupt wusste. Kurz musterte ich sie. Sie machte nicht den Eindruck, als wäre sie sich ihrer Sache sehr sicher. "Wenigstens siehst du nicht so aus, als wärst du ein Bauerntrampel. Zumindest heute", sprach ich eine komplimentierende Beleidigung aus und schenkte ihr ein falsches Lächeln. Die Story um sie herum war mir ziemlich egal. Ich hörte kaum zu. Sie pfuschte mir eh genug in meinem Leben rum in der nächsten Zeit, da musste ich nicht auch noch Rücksicht auf ihre Vergangenheit und Geschichte nehmen. Sie war meine Agentin beziehungsweise nur die Assistentin meiner Agentin. Niemand, der mich anging und niemand, der mich interessierte.
Die Sonnenbrille trug ich nicht ohne Grund. Das Blitzlicht der Journalisten war sehr grell und blendete einen unglaublich. Ich hasste es. Und es war leichter den Missmut zu verbergen, wenn man die Augen verbarg. Den Mund zu einem Lächeln zu verziehen war einfach, aber es die Augen erreichen zu lassen, wenn man geblendet versuchte gut auszusehen gegenüber Menschen, die einfach nur ätzend waren und auf einen Skandal geierten. Da ich meine Meinung ungern schön verpackte, war Scarlet diejenige, die auf spontane Fragen reagierte. Ich verplapperte mich oder vergriff mich im Ton. Das durfte nicht passieren, also gehörte ich nicht zu der Fraktion, die entspannt vor den Journalisten stand um ein paar Sätze zu sagen. Dafür gehörte ich zu denen, die als sehr 'Fan-nahe' bezeichnet wurden. Fans waren die beste Ausrede, keine Zeit an Journalisten zu verschwenden. Sie gaben dem ganzen einen Sinn, sie erwärmten mein sonst so verkühltes Herz und man fand unter ihnen ab und zu ein gutes Betthäschen. Das Geschrei, das um Helena herum entstand, sah ich nur im Augenwinkel, aber als ich mich dem kurz zuwenden wollte, war alles schon wieder vorbei und jemand wurde von der Security weggebracht. Also fragte ich auch nicht danach. Ich musste mit rein, bevor wir für die Ansprache doch noch zu spät kommen würden.
Der Abfall der Lautstärke war sofort spürbar. Leise spielte ein Live-Orchester ein paar entspannte, freundliche Melodien, die Rufe der Journalisten und auch das Gekreische von Fans verklang langsam, wenn man weiter durch das Foyer schritt. Als Helena sich zu mir drehte, nachdem ich sie sehr schlecht anmachte, lächelte ich sie verwegen an. Sah sicherlich genau so cool aus, wie es sich anfühlte mit der Sonnenbrille. Bei ihren Worten nahm ich diese wieder ab. Nicht aus Höflichkeit ihr gegenüber sondern aus Höflichkeit gegenüber der Veranstaltung. "Ausnahme von der Regel: wenn ich dich anspreche und flirten möchte. Oder mehr. Je nachdem wie du dich machst", erklärte ich ganz nonchalant. Ich machte keinen Hehl aus meinem sexuellen Interesse, wenn sie doch gerade dieses atemberaubende tiefe Kleid trug. Ich ließ natürlich zu, dass sie meine Hand beiseite schob, auch wenn es mich doch fast ein wenig enttäuschte. Kurz starrte auch ich ihrer schönen Kehrseite hinterher. "Verzeihung", sprach ich eine vorbeilaufende Kellnerin mit Champagner Gläsern an. Ich legte ganz unbekümmert den Eiswürfel auf das Tablett, griff dafür zwei Gläser und schlenderte zu meinen beiden Begleiterinnen. Eines der Gläser drückte ich Helena in die Hand. "Cheers", sagte ich zu ihr mit einem Zwinkern, ehe ich mein Glas sachte gegen ihres stieß. Dann sah ich Scarlet an. "Du musst dir schon selbst eines holen. Ich hatte keine drei Hände", meinte ich, ehe ich einen Schluck nahm. Dann wandte ich mich der Bühne auf der Aula zu, auf der ein Herr erschien und ans Micro trat. Er bat alle, dichter zu kommen, also folgten alle. Dann hielt er eine Ansprache auf John Ford, die Visionen seiner Zeit und seiner Filme, die er in der Zukunft gerne weitergeben wollte. Ich war hörte tatsächlich sogar artig zu, bemerkte daher nicht, wie Joshua Hutcherson sich zu Helena schob und sie in ein leises Gespräch verwickelte. Erst als der Veranstalter schließlich bat, die Fläche der Aula zum Tanz einzuweihen und alle, die keine Lust oder keinen Partner hatten - so wie ich - zur Seite gingen, sah ich wie er Helenas Hand ergriff und sie an sich zog um sie zum Tanz aufzufordern. Das Orchester setzte wieder an, zu einer schönen schnellen Musik, die einfach zu betanzen war. Ein wenig missmutig musterte ich Helena in Joshs Armen. Er war ja ein netter Typ, aber wir waren häufig in Konkurrenz verwickelt für Rollenbesetzung. Warum tanzte er ausgerechnet mit ihr, die in meinem Haus ein und aus gehen würde? Und warum verdammt lächelte sie auch noch dabei.


nach oben springen

#15

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 30.12.2018 01:09
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Ich hatte mich dann doch tatsächlich recht schnell von Shane und Scarlet entfernt, allerdings auf ihre Anweisung hin. "Misch dich unters Volk, unterhalte dich mit den Leuten. Kontakte sind das A und O.", hatte sie mir zugeflüstert und mich an den Schulterblättern in die Menge gestoßen. Dann begann die Ansprache, welcher ich jedoch nur halbherzig lauschte. Es interessierte mich einfach nicht. Einem jungen Mann schien es ähnlich zu ergehen, denn er drückte mir plötzlich ein volles Sektglas in die Hand. "Santé.", prostete er mir zu und ich trank zögerlich einen Schluck von dem Sekt. Wie viel hatte ich schon intus? Zu viel dafür, dass ich eigentlich kaum Alkohol trank. Dennoch war der junge Mann ein sehr freundlicher Gesprächspartner und eine bessere Partie als Shane. Er stellte sich als Josh vor und auch wenn ich keine Ahnung hatte, wer er genau war, ging ich stark davon aus, dass er ebenfalls im Showbiz tätig war. "Und du? Ich habe dich hier noch nie gesehen. Bist du neu in der Stadt?", erkundigte er sich bei mir und ich nickte. "Ich bin Helena und erst vor etwa einer Woche nach LA gezogen.", erzählte ich ihm und war überrascht, wie nett ein Star doch sein konnte. Ganz anders als Shane. Wieso konnte ich nicht diesen Josh betreuen? Was auch immer er machte. "Ach wirklich? Woher kommst du und was treibt dich in die große Stadt? Die Liebe?", meinte der junge Mann und zwinkerte mich an. Ich lachte offen und schüttelte den Kopf. "Die Arbeit. Ich komme von einer Ranch aus Tenneesee und meine Eltern meinten, es wäre Zeit für mich, die Welt zu entdecken.", antwortete ich schmunzelnd und erzählte ihm dann von meiner Tätigkeit. Josh war ein wunderbarer Gesprächspartner, das musste ich ihm lassen. Als es dann darum ging, die Tanzfläche zu eröffnen, waren wir beide mit das erste Paar, welches diese einweihte. Lächelnd legte ich einen Arm auf seine Schulter und mit der anderen Hand ergriff ich die seine. Immerhin tanzen konnte ich. Ziemlich gut sogar. Doch ich ließ mir davon nichts anmerken und bewegte mich einfach im Takt der Musik, untergab mich der Führung des jungen Mannes. Die Blicke, welche Shane uns zuwarf, nahm ich gar nicht weiter wahr. Wieso denn auch? Dieser Tölpel hatte doch sowieso schon seine Meinung über mich. Lächelnd lauschte ich also Josh, der mir inzwischen den Grund für seine Berühmtheit erklärte. Tribute von Panem. Aha. Sagte mir sogar etwas, da meine kleine Schwester die Filme liebte. Dennoch nickte ich nur mit einem sanften Lächeln auf den Lippen und ließ es sogar zu, dass sich seine Hand allmählich von meinem nackten Schulterblatt löste und etwas nach unten rutschte.



nach oben springen

#16

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 03.01.2019 01:37
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Vermutlich war Scarlet sehr erleichtert, das kleine Mäuschen schon in die große Welt schicken zu können. Diese Veranstaltung war nicht ganz so verstockt wie eine Preisverleihung, alle die da waren, waren keine geladenen Gäste, sondern freiwillig dort und dadurch nicht so verkrampft, wenn die Manager und Assistenten unter ihnen herumwuselten. Es gab auch durchaus Abende, wo die zuarbeitenden Leute sich eher gesondert von den Prominenten bewegten. Wir genossen gerne unsere Ruhe vor unseren mit Klemmbrett herumrennenden Termin-Aufsetzern. Ich gehörte da inzwischen schon durchaus zu dem verschnöselten Snobkreis, der sich von Assistenzkräften abhob. Helena hatte das schon spüren dürfen. Es war mir bewusst, dass ich sie nicht nett behandelte, aber das wollte ich auch gar nicht. Sie war mir egal und ich wollte nicht mal den Hauch einer Hoffnung bei ihr erwecken, dass sie sich irgendwann eine Freundin von mir nennen könnte. Ich würde ihre anfängliche Freude und ihren Enthusiasmus dämpfen und irgendwann würde sie vielleicht mal eine Karte zum Geburtstag mit Blumen bekommen. Unkreativ, vergänglich, aber eine nette Geste.
Der Plan ihr das Leben hier unschmackhaft zu machen, beinhaltete eigentlich, ihr erst einmal alles zu vermiesen. Und ihr nichts zu gönnen. Als die Leute begannen zu tanzen, knirschte ich leicht mit den Zähnen über das Bild, das Helena und Josh abgaben. Sie sahen sogar ganz gut und zufrieden aus, wie sie da übers Parkett schwebten. "Willst du tanzen?", fragte mich Scarlet. Es war offensichtlich ein Scherz, doch ich nahm ihr das Champagner Glas aus der Hand und stellte es ebenso wie meines auf einen der Stehtische. "Klar"; antwortete ich, griff dann nach ihrer Hand. Ihr Gesichtsausdruck zeichnete schon fast Schock ab, während ich sie an mich zog und dann tanzend über die Fläche führte. Ich wusste genau, was ich tat, ich konnte tanzen. Ich hatte genügend Kurse besucht für alles mögliche. Je mehr man konnte, desto weniger Aufwand benötigte der Dreh. Beziehungsweise desto weniger Double mussten genutzt werden. Jedenfalls brachte ich uns geschickt und sicher durch die tanzenden Paare, bis wir in Unweite von Helena und Josh waren. Mit einem epischen Ausklang endete die Musik des Orchesters. Einen Moment herrschte Applaus und es lockerte sich auf der Tanzfläche ein wenig, während sich das Orchester auf den nächsten Musikstil einrichtete. Ich trat zu dem Tanzpaar, das ich schon eben im Auge gehabt hatte. Scarlet folgte mir, wahrscheinlich stand sie noch immer etwas verwirrt neben sich. "Josh", grüßte ich meinen Kollegen und Konkurrenten mit einem kühlen Lächeln, dann sah ich Helena an, hielt ihr meine Hand hin. "Darf ich bitten?", fragte ich, während im Hintergrund die Takttöne erklangen. Es wäre unhöflich von ihr, nein zu sagen. Auch wenn sie dennoch jedes Recht dazu hätte. Aber spätestens wenn die Musik einsetzen würde, würde ich dennoch einfach ihre Hand greifen um sie von Mister Ich-hab-in-einer-Blockbuster-Triologie-Mitgespielt wegzuführen.


nach oben springen

#17

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 08.01.2019 17:47
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Ich hob irritiert den Blick, als plötzlich eine bekannte Stimme neben uns erklang. Shane. Fragend zog ich die Augenbrauen nach oben und beobachtete das Schauspiel, welches sich mir bot. Anscheinend waren Shane und Josh nicht die besten Freunde. Da hatte ich mir wohl den richtigen Tanzpartner ausgesucht. Umso verwirrter war ich dann, als der junge Mann mir seine Hand hin hielt und mich zum tanzen einlud. Hatte ich das richtig gehört? Ich sah fragend zu Josh, welcher mir nur aufmunternd zunickte. "Deine Nummer habe ich ja, Elly.", verabschiedete er sich lächelnd von mir und verschwand in der Menge. Seufzend ergriff ich dann also die Hand meines Schützlings und ließ mich von ihm einige Meter über die Tanzfläche ziehen. Die Musik, die dann einsetzte, gehörte eindeutig zu einem Discofox. Ich war wirklich froh darüber, dass ich im Tanzen beinahe so gut war wie im Reiten, auch wenn Shane davon wahrscheinlich nichts ahnte. Mit Josh hatte ich bisher nur einen einfachen Walzer aufs Parkett gelegt und einen Walzer konnte so gut wie jeder. Schmunzelnd legte ich also eine Hand auf seine Schulter und verschränkte die Finger der anderen Hand mit den seinen. "Dann zeig mir mal, was du so drauf hast, Superstar.", murmelte ich mit einem kleinen Grinsen im Gesicht und überließ dem jungen Mann einfach die Führung. Er stellte sich gar nicht mal so schlecht an und konnte sich auch besser bewegen als Josh, das musste ich zugeben. Shane hingegen schien wirklich überrascht zu sein, dass ich ohne Probleme jeden Schritt ausführen konnte und nicht einmal ins straucheln geriet. Allmählich entspannte ich mich immer mehr und ging ohne Probleme auf alle schwierigeren Figuren ein, die Shane wohl dazu benutzen wollte, mich bloß zustellen. Wir hatten bald die Aufmerksamkeit der anderen Gäste auf uns gezogen und wir schwebten nun alleine über die Tanzfläche, begleitet vom Klatschen der Zuschauer und dem Blitzen der zahlreichen Kameras, die überall im Saal zu sein schienen. Bei dem Gedanken, morgen auf der Titelseite jeder Klatschzeitung zu sein, verzog ich kurz das Gesicht. "Ist das schon alles, Superstar?", hauchte ich meinem Tanzpartner kurz ins Ohr, als ich seinem Gesicht durch einen Tanzschritt ganz nahe gekommen war und grinste ihn provozierend an. Sein Plan war wohl nicht aufgegangen.



nach oben springen

#18

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 09.01.2019 00:39
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich konnte mir durchaus vorstellen, warum Helena so verwirrt war darüber, dass ich bei ihr und ihrem neuen 'Freund' auftauchte. Wenn sie Gedanken lesen könnte, würde sie es verstehen. Ich wollte ihnen das Glück nicht gönnen. Ihm noch weniger als ihr. Ich könnte ja als Grund dann auch noch vorschrieben, dass er sie nur anmachte, um an Infos über meine Rollenangebote zu kommen um mich auszustechen. Sie würde sicher irgendwann in einem Nebensatz fallen lassen, dass sie mir diese oder jene Rolle nicht gönnen würde. Andersrum würde es vermutlich nicht funktionieren. Sie mochte mich nicht, ich sie nicht. Sie würde mir nicht über Joshs Pläne berichten, sollte sie je etwas mitbekommen, nur weil ich danach fragte. Dabei würde ich ihm zu gerne ein bisschen was reinwürgen, nachdem er durch die Hungerspiele an so starke Berühmtheit gekommen war. So eine große Rolle hatte ich noch nicht gehabt. Wobei mich auch ohne genug Teenie-Mädels kannten und erkannten. Ich verbiss mir einen Kommentar dazu, dass Josh sie ermunterte, mein Angebot zum Tanz anzunehmen. Brauchte sie jetzt schon seine Erlaubnis und konnte keine einzelstehenden Entscheidungen mehr treffen? Würde sie jetzt auch nur noch mit ihm Händchen halten wollen und nur noch im "wir" über ihr Vorhaben, Gefühle oder Gedanken redete? Es schüttelte mich innerlich, aber ich war ein guter Schauspieler. Ich war immerhin seit Jahren nicht mehr der, der ich gerne als "Ich" bezeichnet hätte. Ich war perfekt darin, meine Gedanken zu verbergen. Meine Eltern hatten mich streng dahin erzogen. Ich könnte sogar auf Knopfdruck weinen. Und das als Kerl.
"Mit Vergnügen", versprach ich leicht süffisant. Ich vertraute voll und ganz auf meine Fähigkeiten und zweifelte stark daran, dass sie fortgeschrittene Tanzfiguren konnte ohne zu straucheln oder Zwischenschritte außerhalb vom Takt zu machen. Sie konnte vielleicht diesen Country Line Dance - also mit Cowboyhut, Schlagjeans und den Händen am Gürtel vor sich hin trippeln - und die Grundschritte Walzer, die sie mit Josh gemacht hatte, die sie auch gut spontan hätte gelernt haben können. Aber flotten Discofox, nicht nur Grundschritt? Ich würde sie auflaufen lassen. - Oder auch nicht, wie ich bemerken durfte. Sie ließ sich nicht aus dem Takt bringen, passte sich perfekt zu meinen geführten Schritten an und machte eine richtig gute, souveräne Figur. Nachdem ich erst überrascht war, war ich fast ein bisschen frustriert darüber, dass sie nicht umknickte, weinend weglief oder irgendwas in der Art. Andererseits weckte es meinen Ehrgeiz und irgendwie machte es mir gleichzeitig auch Spaß. Ich hatte lange nicht mehr mit einer Frau getanzt, die mehr als den Grundschritt machte in hohen Schuhen und teuren Kleidern. Und mit diesem Spaß und Ehrgeiz legte ich alle Schritte auf, die ich noch in Erinnerungen hatte. Ich ließ sie wirbeln, tanzen, schreiten. Wir nahmen bald sehr viel Platz der Tanzfläche für uns ein, aber die Leute wichen auch zur Seite um sich lieber neugierig an dem Spektakel zu erfreuen. Und der Applaus im Takt bestärkte uns noch, sodass ich ehrlich grinsen musste vor Spaß. Würde ich nur nie zugeben. Bei ihren gehauchten Worten war es mir dann etwas zu viel. Das reichte ihr also nicht, ja? Ich holte sie mit einer letzten Drehung eng an mich, brachte uns abrupt in der Mitte der Tanzfläche zum Stehen. Ich blickte zu dem aufmerksamen Orchester, das passend pausiert hatte, deutete ihnen mit einer Hand kurz an, dass sie etwas langsameres, aber intensiveres spielen sollten - gut dass ich als Musiker wusste, wie man sich stumm über eine Bühne hinweg verständigen konnte. Und in der Zeit ließ ich meine andere Hand in ihrem Kreuz liegen, sanft aber bestimmt. Dann sah ich sie mit einem breiten Grinsen an, das Verlangen, Ehrgeiz und Wagemut verhieß. "Das war der Anfang, Mädchen", erwiderte ich mit einem leicht verwegenen Tonfall, ehe die Takte begannen und ich uns zum Tanzen brachte. Ich genoss es, sie an meinem Bein tanzen zu lassen, gab ihren Bewegungen mit führenden, aber sanften Berührungen die Richtung. Das Raunen der Leute und das Blitzen der Kameras nahm ich gar nicht genau wahr. Ich wusste, wir waren im Rampenlicht und ich genoss es. Ich genoss, wie sexuell dieser Tanz sehr schnell wurde und dass sie es so mitmachte. Und sie war gut, mehr als das. Sie war grandios. Ich hätte zu gerne meine Hand in den tiefen Saum des Rückenausschnittes gleiten lassen, aber ich hielt mich lieber zurück. Auch hätte ich mich gerne nach Joshua umgesehen um sein Gesicht zu sehen, aber irgendwie bekam ich meinen Blick nicht von Helena gelöst.


nach oben springen

#19

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 10.01.2019 13:01
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Ob ich wusste, dass es mir tatsächlich mit meinen Tanzkünsten gelungen war, nicht nur das Publikum zu beeindrucken, sondern auch Shane? Zwar bemerkte ich seine überraschten Gesichtsausdrücke, doch die konnten vieles bedeuten. Seine Hand hatte er mittig von meinem Rücken platziert, ehe der junge Mann mich mit einem breiten Grinsen ansah. Stirnrunzelnd erwiderte ich den Blick, der nichts Gutes bedeutete. Seine Aussage war nicht gerade beruhigend, weswegen ich nur leicht nickte und ein "Helena. Mein Name ist Helena." nuschelte. Doch für den Superstar würde ich wohl für immer nur 'Mädchen' oder 'Mäuschen' sein. Leise seufzend lauschte ich für einen Moment der bekannten Musik, ehe Shane jedoch schon den Anfang machte und mich ziemlich dominant über die Tanzfläche führte. Irritiert war ich über diese Art von Tanz definitiv. Das hier war kein Walzer mehr oder ein Discofox. Was wir hier aufs Parkett legten, entsprach wohl keinem Standard- oder Lateintanz. So etwas tanzten die Leute im Club. Nicht dass ich jemals einen Club aufgesucht hatte, denn solche Lokalitäten gab es bei mir zuhause weit und breit nicht. Der Höhepunkt war bei mir schon das Scheunenfest auf der Ranch. Mit meinen außergewöhnlichen Augen hielt ich ausnahmsweise seinem eindrucksvollen Blick stand und löste meine Augen keine Sekunde von ihm. Erotik lag in der Luft und es fiel mir schwer zu atmen. Nachdem der letzte Takt des Lieds verklungen war, blieb ich für einen kurzen Moment dicht an Shane gepresst stehen und sah ihn einfach nur schweigend an. Der Applaus der Zuschauer riss mich jedoch zurück in die Realität. Etwas überrascht trat ich einen überstürzten Schritt rückwärts, sah mich im Saal um und verschwand dann mit eiligen Schritten aufs Klo, dicht gefolgt von Scarlett. Meine Chefin war sichtlich beeindruckt von meiner Leistung. "Wow, Helena. Du überrascht gerne, oder?", meinte die Frau nachdenklich und musterte mich skeptisch. Überfordert zuckte ich mit den Schultern und wusste nicht direkt, was ich darauf antworten sollte. Mir war unglaublich heiß, weswegen ich mir kaltes Wasser über die Unterarme laufen ließ, ehe ich mit Scarlett wieder zum Saal lief. Von Shane hielt ich mich jedoch vorerst gewissenhaft fern und hatte mir stattdessen einen kleinen Teller mit verschiedenen Häppchen gefüllt, mit welchem ich nun an einem hohen Tisch stand und nachdenklich aß.



nach oben springen

#20

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 10.01.2019 17:44
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich war gut darin zu verbergen, was mir durch den Kopf ging. Meine Mimik war abrufbar und kontrollierbar wie sehr weniges sonst. Meine Überraschung ließ ich sie sehen, ich wollte damit ihren Ehrgeiz wecken. Sie sollte gerne glauben, dass sie mich überrumpeln konnte und ihr ganzes Potential auspacken. Ich ließ sogar ein Lächeln zu, wobei das sowieso auf meinen Lippen lag. Nur die Ehrlichkeit darin kam halt mit der Zeit durch. Das Tanzen machte Spaß. Sich bewegen zum Takt guter Musik und das mit einer hübschen jungen Frau. Ich schaffte es zumindest kurz dadurch, den Rest auszublenden. Sogar, dass sie mich in nächster Zeit noch viel nerven würde, konnte ich verdrängen. Sonst hätte ich auch sicherlich nicht auf die Provokation reagiert. Oder zumindest nicht so. Aber ich fühlte mich herausgefordert und wollte meinerseits sie herausfordern und sehen, was sie drauf hatte, wie sie sich noch bewegen konnte. Es amüsierte mich, wie sie mich stirnrunzelnd ansah, als würde sie befürchten, dass ihre Worte wohl etwas ausgelöst hatten, was sie vielleicht bereuen könnte. "Ich weiß, Helena. Aber ich bin dein Superstar, du mein Mädchen", hauchte ich ihr mit rauer Stimme ins Ohr, betonte ihren Namen lasziv, ehe ich uns in Bewegung brachte. Es war vielleicht keine typische Musik für Standard- oder Lateintänze, aber die Art des Tanzes klaute ich mir tatsächlich aus dem Bachata, einer dominikanischen Stilrichtung, die eben sehr eng und sexuell war. Und genau aus dem Grunde liebte ich diesen Tanz. Wir fesselten alle Umstehenden. Sie wagten es nicht einmal, ein Geräusch zu machen. Alle sogen einfach diese erotische Atmosphäre in sich auf und sahen gebannt zu. Erst als die Musik zum erliegen und wir zum Stehen kamen, erwachten auch die anderen Leute wieder und brachen in Applaus aus. Auch Helena schien erst etwas abwesend gewesen zu sein. Ich musterte sie, während uns nur wenige Zentimeter trennten, ehe sie einen eiligen Schritt zurück machte, sich dann umsah als hätte sie glatt vergessen wo sie gewesen war. Als sie eiligen Schrittes die Tanzfläche verließ und mich einsam stehen ließ, applaudierte ich ihr hinterher, zusammen mit allen anderen. Sie hatte sich wirklich grandios gemacht. Ich war froh, dass ich nicht so hart geworden war, dass das peinliche oder unangemessene Bilder geben würde. Und irgendwie wollte ich auch einfach nicht aussehen, als hätte sie mich gerade dumm stehen lassen. Langsam nahm das Orchester wieder normale Tanzmusik auf und ich deutete dem Leader nur an, dass sie eine gute Arbeit machten, ehe ich von der Tanzfläche verschwand. Nicht ohne Josh einen triumphalen Blick zuzuwerfen und ihm mit einem Champagnerglas, das ich mir von einem Tablett nahm, einen Toast anzudeuten. Er wirkte angefressen. Ich war zufrieden, mischte mich unter die Leute, trank mehr Champagner, aß Häppchen und flirtete mit jeder jungen Frau, die dazu bereit war. Auch mit Kellnerinnen. Die freuten sich doch immer sehr über Zuwendung, wurden sie doch sonst eher wie Menschen zweiter Klasse behandelt.


nach oben springen

#21

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 10.01.2019 20:22
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Noch immer stand ich ziemlich regungslos mit geröteten Wangen an dem Tisch und blickte einfach ins Leere. Was hatte ich mir nur dabei gedacht, auf diese Art und Weise mit Shane zu tanzen? Morgen würde ich mich in Grund und Boden schämen. Seufzend griff ich nach einem Sektglas, welches einer der Kellner gerade auf einem Tablett an mir vorbei trug. Alkohol war zwar wahrscheinlich die schlimmste Lösung, doch ich brauchte es jetzt einfach. Dann wanderte mein Blick durch den Saal und schnell hatte ich den jungen Mann gefunden, der fleißig am flirten war. So viel zu 'dein Superstar, mein Mädchen'. Ich verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf. Was hatte ich denn anderes erwartet? Das Shane mir nach diesem Tanz zu Füßen lag und sich unsterblich in mich verliebte? Wohl kaum. "Helena.", erklang plötzlich Scarlett's Stimme neben mir und ich zuckte erschrocken zusammen. "Der Abend neigt sich dem Ende zu. Wenn du willst, kannst du dir ein Taxi nachhause nehmen. Ich kümmere mich um unser Pflegekind.", schlug sie mir lächelnd zu und ich nickte leicht. Es war wohl für alle besser, wenn ich diesen Ort so schnell es ging verließ. Shane hatte ich schon wieder aus den Augen verloren, weswegen ich mich nur kurz von Scarlett verabschiedete. Auf dem Weg nach draußen lief ich jedoch Josh über den Weg. "Elly...wohin des Weges?", fragte er überrascht und hielt mich an den Schultern fest. "Nach Hause.", antwortete ich lächelnd und torkelte ein wenig hin und her. Der Alkohol zeigte also Wirkung. "Alleine? Soll ich dich begleiten?", bot er freundlich an und ich hielt kurz nachdenklich inne. "Das wäre super.", stimmte ich dem jungen Schauspieler schließlich zu, welcher elegant einen Arm um mich legte und mich nach draußen führte, wo er schnell ein Taxi gerufen hatte. Gähnend nannte ich meine Adresse und stieg hinten ins Auto ein. Anders als erwartet begleitete Josh mich nur bis zur Haustür, ehe er sich mit einer festen Umarmung und einem Kuss auf die Wange verabschiedete. "Wir schreiben auf jeden Fall, ja? Du bist so ein wundervoller Mensch und ganz anders als die Mädchen, die ich so kenne.", murmelte er noch und lächelte verlegen. Ich spürte wie das Blut mir in die Wangen schoss, weswegen ich hastig die Tür aufsperrte und ins Treppenhaus verschwand. Den Abend verbrachte ich dann alleine vor dem Fernseher, wobei mir tatsächlich meine Bekanntschaft noch eine Nachricht schickte, welche ich grübelnd beantwortete. Dann öffnete ich auf WhatsApp den Kontakt, welchen mir Scarlett geschickt hatte. Shane Orville. Schmunzelnd betrachtete ich für einige Sekunden sein Profilbild, ehe ich ein paar Buchstaben tippte, aber dann recht schnell wieder löschte. Ich sollte ihm wirklich nicht schreiben. Seine Nummer war für Berufliches oder Notfälle und nicht dafür, mich für den intensiven Tanz zu bedanken. Also legte ich mein Handy irgendwann weg und machte es mir auf der Couch bequem. Auf dieser war ich dann auch tatsächlich samt Abendkleid eingeschlafen. "If it hadn't been for cotton-eye Joe. I'd been married long time ago. Where did you come from. Where did you go? Where did you come from cotton-eye Joe?" - Der zugegebenermaßen ziemlich außergewöhnliche und gewöhnungsbedürftige Klingelton meines Handys riss mich unsanft aus dem Schlaf. Schlaftrunken griff ich mit geschlossenen Augen nach meinem Handy und blinzelte das grelle Display an. Marley. Was wollte meine Schwester denn so früh von mir? "Elefantentötverein, wir töten was trötet. Helena Davis mein Name, was kann ich für Sie tun?", meldete ich mich mit einem für May und mich typischen Spruch. Doch die Antwort darauf fiel nicht wie gewohnt aus. "Oh mein Gott! Elly, Elly, Elly!", kreischte die Kleine ins Telefon und ich streckte mein Handy direkt weit weg, bis sich Marley einigermaßen beruhigt hatte. "Du bist auf den Titelseiten mehrerer Klatschzeitschriften, Helena!", schrie sie außer sich vor Freude und ich runzelte verwirrt die Stirn. "Was bin ich?" Doch Marley's Stimme überschlug sich viel zu sehr als dass ich auch nur ein Wort verstanden hatte. Also beendete ich das Telefonat und rief stattdessen die Internetseite der Klatschseite auf, die mir am schnellsten eingefallen war. Und sofort sah ich es. Ein Bild von Shane und mir. Auf dem Ball. Tanzend. Eng umschlungen. Mit großen Augen las ich die passende Schlagzeile dadurch. 'Orville big in love - Hat der Herzensbrecher endlich die wahre Liebe gefunden? Wer ist sie? Promiflash hat für Sie alle Fakten.' stand da. "Was zur Hölle...", stieß ich überfordert hervor und rappelte mich auf. Das konnte doch nicht wahr sein. Schnell scrollte ich durch den Bericht. "Viel ist uns über die schöne Unbekannte nicht bekannt. Laut Augenzeugen hört sie auf den Namen Helena und erschien mit Shane Orville und dessen Agentin Scarlett Moore zur gestrigen Abendveranstaltung. Helena und Shane beeindruckten alle Anwesenden mit einem atemberaubenden Tanz, bei dem die Erotik zwischen den beiden deutlich zu spüren war. Jetzt fragt sich die ganze Welt und vor allem Orville's weibliche Fans: Wer ist die fremde Schönheit?", fassungslos las ich leise den Artikel und schüttelte den Kopf. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich schluckte trocken und tapste völlig neben der Spur erst einmal ins Bad, wo ich mich aus dem Kleid schälte und unter die eiskalte Dusche stellte. Das brauchte ich jetzt erst einmal.



nach oben springen

#22

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 13.01.2019 01:57
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich hatte nicht vergessen, wie wir getanzt hatten. Ich würde das Gefühl von dem Tanz definitiv nicht so schnell abschütteln. Ich würde es niemals zugeben oder mir anmerken lassen, weshalb ich mich weiterhin mit weiteren Frauen unterhielt und flirtete. Es machte nun einmal Spaß, warum sollte ich also nicht? Ich war Helena gar nichts schuldig, außer dass ich irgendwann vielleicht mal auf sie hörte, wenn sie mir terminliche Anweisungen gab. Aber wir waren in keiner Beziehung, nicht einmal ansatzweise. Nur ab und an riskierte ich einen Blick um nach ihr Ausschau zu halten, ob Joshua wieder bei ihr war und versuchte sie wieder zum Tanzen zu bekommen. Definitiv würde sie nicht mehr so viel Spaß haben wie mit mir. Und ich befürchtete, dass auch ich keine Tanzpartnerin mehr finden würde an diesem Abend, die so viel drauf hatte und mit sich machen ließ wie sie. Sie würde niemals erfahren, dass sie der Grund war, weshalb ich die Tanzfläche nun mied. Jeder nächste Tanz würde vermutlich etwas fade sein. Zumindest im direkten Vergleich. Wer wusste schon, wie es bei der nächsten Preisverleihung oder Gala aussah. "Shane. Es ist Zeit zu gehen. Wir haben morgen wieder Termine", sprach mich Scarlett an, während ich nur wenige Zentimeter von einem Kuss entfernt war. "Du hast ein klasse Timing", brummelte ich unzufrieden und leicht angetrunken. "Und du keinen Sinn für dein öffentliches Bild", zischte sie leise, während sie mich zur Seite zog. "Oh doch, hab ich. Ich bin der verwegene, unhaltbare, ewig alleinstehende heiße Schauspieler und alle Mädels wollen mich um mich dann zu zähmen", erklärte ich inbrünstig, wenn auch voller Sarkasmus in der Stimme. Ich sah ihr an, dass sie etwas sagen wollte und grinste breit. "Ich weiß das ich recht hab und du es hasst. Aber du liebst es auch. Es ist perfekte PR", nahm ich es ihr vorweg. Sie seufzte und zuckte mit den Schultern. "Jap. wehe du gehst wirklich mal eine ernsthafte Beziehung ein. Damit wirst du dir einiges verbauen", sagte sie, stieg mit mir in unseren vorgefahrenen Wagen. "Als könnte ich das je", grummelte ich. Ich konnte unmöglich eine Beziehung finden. Ich war nur unterwegs, beschäftigt und nie ich selbst. Außerdem wurde garantiert eh nur nach dem Ruhm und Reichtum gegeiert und an meinen Eltern kam eh keine Frau ungeschoren davon. Nicht, dass ich meine Entscheidungen was das anging, abhängig von ihnen machen würde. Aber sie waren sehr gut darin, Leute zu vergraulen und mich bis aufs Blut zu verteidigen.
Der Abend endete für mich ganz entspannt. Ich kam zuhause an, entsicherte die Alarmanlage und ließ auf dem Weg in mein Schlafzimmer meine Klamotten einfach fallen. Ich hatte eine Haushälterin, die für mich aufräumte. Weshalb also die Klamotten ordentlich irgendwo zur Seite legen. Komplett nackt kletterte ich schließlich in meinen Traum von Bett, ließ mich einfach in die Kissen fallen. Ich schlief schön durch, allerdings nicht aus. Ich hatte vergessen die Vorhänge zuzuziehen. Die frühe Sonne weckte mich also. Grummelnd tappte ich also zu den Vorhängen und zog sie zu. Dann schmiss ich mich wieder aufs Bett, griff kurz nach meinem Handy. Es war überflutet mit Nachrichten. Ich hatte meinen News-Feed so eingestellt, dass ich alles was mich betraf, angezeigt bekam. Nicht, weil ich so narzisstisch - vielleicht ein bisschen - war, sondern weil ich wissen musste, was die Welt gerade so sagte und dachte. Amüsiert betrachtete ich ein paar Artikel von schlechten Klatschmagazinen. Ich machte einen Screenshot von einem Foto von dem heißen Tanz von Helena und mir, wo man viel Rücken und Erotik sah, schickte diesen dann einfach mal an Helena weiter, schlicht kommentiert mit "Heiß" und einem anzüglichen Smiley. Dann warf ich mein Handy wieder zur Seite und vergrub mich noch mal unter der Decke. Nur weil ich wach war, hieß das ja noch lange nicht, dass ich auch aufstehen wollte.


nach oben springen

#23

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 14.01.2019 01:30
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Nach etwa zehn Minuten unter der Dusche tapste ich barfuß über die kalten Fließen des Bads, schlüpfte dann in meine Hausschuhe und in den kuschligen rosaroten Bademantel, welchen mir meine Eltern vor meiner Abreise geschenkt hatten. Auf Höhe der rechten Brust war mein erster Vorname eingestickt. Kopfschüttelnd betrachtete ich mich für einen Moment im Spiegel, ehe ich mir mein Gesicht und den Rest meines Körpers eincremte und dann ins Schlafzimmer schlenderte. Dort lag auch mein Handy. Seufzend griff ich nach dem IPhone und überflog die Nachrichten, die überwiegend von Marley, meinen Eltern und den Leuten von der Ranch stammten. Anscheinend war ich über Nacht berühmt geworden. Dann sprang mich plötzlich Shane's Name an. Woher hatte er meine Nummer? Nachdenklich entsperrte ich das Smartphone und öffnete die Nachricht des jungen Mannes. Wahrscheinlich war es Scarlett's Schuld. Nachdenklich tippte ich einige Buchstaben, löschte die Nachricht dann aber wieder. Was sollte ich zu diesem Bild gepaart mit Shane's Kommentar und Smiley schon sagen? Kopfschüttelnd schloss ich WhatsApp also wieder und warf mein Handy aufs Bett. Meine Chefin hatte sich heute noch nicht gemeldet, also hatte ich wohl erst einmal Freizeit. Meine Ausbildung ging definitiv nicht von Montag bis Freitag und von 8 bis 16 Uhr. Es war eigentlich ein rund um die Uhr Job und ich hatte oft dann frei, wenn andere eben arbeiteten. Dafür hatte ich auch Schichten am Wochenende oder nachts. Leise summend öffnete ich meinen Kleiderschrank, schnappte mir Unterwäsche, eine weiße Hose und einen roten Pulli. Hastig zog ich mich an, band mir die noch nassen Haare zu einem lockeren Dutt nach oben und beschloss dann, Los Angeles ein wenig zu erkunden. Mit den Kopfhörern in den Ohren lief ich gut gelaunt durch die vollen Straßen, sah mich hier und da ein wenig um und kam gar nicht erst auf die Idee, irgendwelche Verkehrsmittel zu benutzen. Zuhause legte ich am Tag gut und gerne mehrere Kilometer zurück, wieso sollte ich in dieser Stadt anders leben? Das Wetter war erstaunlich gut und zum Glück schien ich noch nicht so bekannt zu sein, dass man mich tatsächlich erkannte. Wobei ich am Vorabend auch definitiv anders ausgesehen hatte. Schönes Outfit, dezentes Make Up, ordentliche Frisur. Von dieser Helena war gerade keine Spur mehr. Irgendwann bekam ich eine Sprachnachricht von Josh, der sich köstlich über die Schlagzeilen amüsierte und mich fragte, ob ich heute Zeit hatte. Leider musste ich den jungen Mann vorerst vertrösten, da ich nach wie vor nichts von Scarlett gehörte hatte. Stattdessen fand ich mich irgendwann in einer dunklen Bar etwas abseits der glänzenden Seiten der Stadt wieder. Nachdenklich überflog ich hastig die Karte und bestellte mir schließlich ein kleines Frühstück, da ich noch nichts gegessen hatte. Mir entging nicht die Gruppe Jugendlicher, die am Tisch gegenüber saßen. Drei Jungs und zwei Mädels, etwa in meinem Alter. Irgendwann erhob sich die Blondine und kam lächelnd zu mir. "Na? Was machst du denn ganz alleine hier? Magst du zu uns kommen?", lud sie mich freundlich ein und etwas überrascht ließ ich mich dann tatsächlich überreden und lernte also die blonde Rhea, die rothaarige Nike, die schwarzhaarige Zara und die beiden dunkelhaarigen Jungs Bruno und Ruben kennen, mit denen ich mich prächtig verstand. Als sich die ganze Gruppe Zigaretten anzündete, ließ ich mir tatsächlich von Ruben eine Kippe in die Hand drücken und zog dann auch schon vorsichtig daran, wobei ich erst einmal einen starken Hustenanfall bekam, mich dann aber schnell daran gewöhnte.



nach oben springen

#24

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 15.01.2019 20:03
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich hatte nicht unbedingt mit einer Antwort gerechnet von Helena, aber dennoch war ich leicht enttäuscht darüber, dass sie nichts schrieb oder anrief um sich darüber aufzuregen. Sie war immerhin jetzt öffentlich abgelichtet worden, eng an mir tanzend, von mir geführt. Die Zeitschriften würden zwar auch schnell herausfinden, dass sie bei der Management-Agentur arbeitete und ihr dann sicher nicht weiter hinterherhechten um sie zu fragen, ob sie meine Freundin war. Sie würden sicherlich auch nicht weiter spekulieren, ob da doch etwas lief, denn ich war nun einmal der Typ für starke Flirts und Bettgeschichten, doch keine Frau konnte mich halten. Und selbst wenn sie versuchten mich dadurch schlecht zu reden, so war auch schlechte PR immer auch gute PR. Oder zumindest meistens. Es gab natürlich auch Skandale, über die man nicht hinwegsehen konnte, aber davon hatte ich mir bisher keinen geleistet.
Ich ließ den Tag nur langsam beginnen. Ich hatte zwar keinen Kater, aber ein wenig müde war ich allemal. Von Scarlett kam auch zunächst keine Rückmeldung, obwohl sie am Abend noch von einem bevorstehenden Termin gesprochen hatte. Ich war aber nicht besorgt genug um mich bei ihr zu melden. Stattdessen aß ich in Ruhe mein Frühstück, zog in der Mittagshitze ein paar Bahnen im Pool. Natürlich verpasste ich genau in der Zeit dann Scarletts Anruf. Noch während ich mich auf eine der Liegen fläzte um in der Sonne zu trocknen, nahm ich den nächsten Anruf von meiner Managerin entgegen. "Na, genießt du die Fragen von der Presse?", fragte ich schmunzelnd, bevor sie überhaupt etwas sagen konnte. Sie seufzte genervt. "Ja. Auf jeden Fall. Also: Heute Abend bist du verabredet mit Aaron Eckhart zum Dinner. Er wollte mir dir die Rollen etwas vorbereiten. Netter Weise sind Helena und ich auch eingeladen, sein Agent ist auch dabei. Vielleicht solltest du deine Rolle noch mal durchgehen", erklärte sie geschäftig. Ich seufzte leise. "Das ist heute? Oh", murmelte ich, stand also doch auf und griff nach meinem Handtuch. "Wann fahren wir los?", fragte ich, während ich mir durchs Haar strubelte. "Halb 6. Ich werde Helena noch bescheid geben müssen, ich hatte es selbst fast vergessen", lautete die Antwort. "Hmmh. Okay. Viel Spaß dabei"; meinte ich, ehe ich auflegte. Also hatte ich doch noch ein bisschen was zu tun. Ich würde Das Drehbuch, das ich schon hatte, noch mal vornehmen und das Charakterblatt meiner Rolle und die von Aaron ordentlich studieren. Er würde in dem Film die Rolle meines Vaters einnehmen. Er würde ein Beamter in der Strafverfolgung sein, ich ein Informant der Mafia. Ein Film über Action und Familienprobleme. Erinnerte mich sehr an mein Leben - nur mit mehr Gewalt.


nach oben springen

#25

RE: Start

in Lights, Camera, Action | Dodo & Alex 16.01.2019 21:28
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Ich hatte beinahe den ganzen Tag mit meinen neuen Freunden verbracht und dabei meinem Handy kaum Beachtung geschenkt. Umso schockierter war ich, als ich die Nummern der Clique abspeichern wollte und die verpassten Anrufe von Scarlett erblickte. "Ups...Leute, ich muss gleich los. Die Arbeit ruft.", murmelte ich und verabschiedete mich dann hastig, ehe ich meine Chefin zurückrief. "Helena, endlich! Wo steckst du denn? Wir gehen heute Abend schick essen. Komm entsprechend angezogen.", erklärte sie mir und legte dann auch schon wieder auf. Leise seufzend lief ich zurück zu meiner Wohnung, duschte und wusch mir die Haare und schminkte mich dann dezent mit Puder, Wimperntusche und Lippenstift. Vor meinem Kleiderschrank stehend entschied ich mich ziemlich schnell für ein bordeauxrotes Cocktailkleid, welches knapp vor meinen Knien endete, aber dennoch weniger freizügiger war als das vom gestrigen Abend. Der Stoff war schlicht und ohne jegliche Applikationen, der Ausschnitt vorne und hinten normal und die Träger etwa drei Finger breit. Dazu wählte ich schwarze Pumps, auf alles andere verzichtete ich. Zufrieden betrachtete ich mich im Spiegel, auch wenn ich mich wirklich verkleidet fühlte. Meine nassen Haare föhnte ich im Bad innerhalb weniger Minuten trocken und band sie mir zu einem lockeren Pferdeschwanz, wobei ich das Haargummi mit einer Haarsträhne versteckte. Pünktlich zur genannten Uhrzeit stand ich schließlich vorm Haus und wartete auf den Wage, der mich abholen sollte. Scarlett saß natürlich wieder top gestylt auf dem Beifahrersitz und musterte mich beinahe abwertend. Ich war einfach kein Modepüppchen und eigentlich hatte ich gedacht, dass ihr das gerade Recht kam. Schweigend nahm ich hinter ihr Platz und schnallte mich an. "Aber jetzt sag mal, Helena. Wo warst du heute? Du warst den ganzen Tag nicht online und hast auf keinen Anruf reagiert. Stundenlang.", fragte mich die Agentin neugierig aus und ich seufzte. "Ich habe mich ein bisschen in Los Angeles umgesehen und dabei eine Gruppe Jugendlicher in meinem Alter kennengelernt.", antwortete ich ihr mit der Wahrheit. "Ach, wirklich? Das ist ja schön.", gab Scarlett säuselnd von sich und ich verdrehte leicht die Augen. "Aber denk' daran, dass der Job immer an erster Stelle steht, Helena." "Ja, natürlich." Einige Minuten vergingen schweigend, doch dann kam Scarlett natürlich auf die Schlagzeilen zu sprechen. "Wurdest du auf der Straße erkannt?", fragte sie und musterte mich über den Seitenspiegel argwöhnisch. Leicht schüttelte ich den Kopf und errötete sofort wieder. "Nein. Man erkennt auf den meisten Bildern kaum etwas. Zum Glück.", meinte ich ehrlich und zwang mich zu einem Lächeln. Dann hielt der Wagen aber auch schon vor Shane's Villa und Scarlett deutete mir mit einer Handbewegung an, Shane holen zu gehen. Nickend verließ ich das Auto und stolperte erst einmal über den Randstein zum Tor. Langsam legte ich meinen Finger auf das Klingelschild, wobei Scarlett das Fenster hinunter gelassen hatte und mir ein "Schlüssel!" zubrüllte. Ich nickte leicht und zog aus meiner Handtasche meinen Schlüsselbund, um mir mit dem passenden Schlüssel Zutritt zu verschaffen. Etwas verloren stand ich also im Flur und sah mich um. "Shane? Wir sind da und müssen direkt weiter.", rief ich durch das große Haus und sah mich zögernd ein wenig um. Es war ziemlich...groß, modern und unpersönlich. Meinen Geschmack traf dieses Haus nicht so wirklich. "Shane!", rief ich ein weiteres Mal und dieses Mal etwas lauter, steuerte nun die Treppe nach oben an und hielt mich vorsichtshalber am Geländer fest.



nach oben springen



Besucher
1 Mitglied und 1 Gast sind Online

Besucherzähler
Heute war 1 Gast und 3 Mitglieder, gestern 58 Gäste und 20 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 457 Themen und 57422 Beiträge.

Heute waren 3 Mitglieder Online:




disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 1
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen