#476

RE: start

in One of us is lying 21.04.2019 20:44
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Edward Düster
@ Ophelia


Optimistisch. Ha. Haha. Ha. Verzweifelt traf es wohl eher. Ich war seit zwei Jahren keine einzige Sekunde mehr optimistisch gewesen. Das konnten auch eigentlich alle bezeugen: Ärzte, Pfleger, Therapeuten, mein Dad, Mik – meine Tante spann sich ihr Leben zu Recht, die durfte man nicht fragen – Lehrer… Alle. Einfach alle. Sie würde auch noch merken, dass optimistisch ein Adjektiv war, welches man nun nicht unbedingt im Zusammenhang mit mir benutzte. Tat man nicht. War ich eben nicht. Das machte diese ganze Behinderten-Geschichte auch für alle anderen so beschissen. Ich war die meiste Zeit ein ziemlich mies gelaunter Behinderter. Gerade ging aber eigentlich. Der Tag war so mies gewesen. Dazu diese Neuigkeiten. Ganz ehrlich, ich könnte mich auch einfach begraben gehen.
Ich brummte nur: „Werde ich dir noch austreiben.“
Wozu hatte man denn ältere Geschwister? Damit die einen beim Scheißebauen mitnahmen, man die ganze Schuld von sich auf die schieben konnte und eh immer einen Aufpasser hatte. Hatte sie nun. Ich hatte sogar immer ´ne super Waffe dabei: einen Gehstock.
Ich lachte dann, als ich merkte, dass sie mich ehrlich so ernst genommen hatte. Ich konnte nicht anders. Ich lachte sie ja nicht aus. Echt nicht. Aber es war halt schon irgendwie lustig. Und ob ich das wieder machen würde. Wenn sie mir alles einfach glauben würde. Ich würde mega den Spaß in Zukunft haben.
„Du darfst 95 Prozent von mir nicht ernst nehmen“, lachte ich. Ja ne, sollte sie halt echt nicht. Ich war halt meistens nicht so gut drauf wie jetzt. Denn ja, ich war gut drauf. Das konnte man schon so sagen. Könnte durchaus schlimmer sein. Aber mir half das gerade hier sehr. Ich bekam wieder gerade Sätze und vernünftige Worte heraus. Ich hatte meine Sprache wieder gefunden. Das war eine riesige Erleichterung.
Sie meinte, sie hätte nun zwei gestörte Brüder und würde sich einen gesunden wünschen. Tja, damit konnte ich jetzt auch nicht mehr dienen.
„Ich kann dir ´nen gesunden, zweijährigen Neffen anbieten“, zuckte ich mit den Schulter und stopfte mir noch mehr Eis zwischen die Lippen. Ja, sie war Tante. Und immerhin etwas hatte ich ja hinbekommen. Ich hatte einen gesunden und ziemlich fitten, taffen Sohn. War zwar kein Bruder, aber ein Neffe war doch auch nicht nichts, oder? Also nicht, dass ich meinen Sohn loswerden wollen würde, so war das nicht gemeint. Aber als Tante anbieten eben. Versteht man das? Egal.
Sie ist also auch geritten. Das war ja irgendwie auch passend. Einen Moment musste ich an die Zeit zurück denken, in welcher noch alles in Ordnung gewesen war. Aber ich schob diesen Gedanken ganz schnell bei Seite. Ich dachte nicht darüber nach. Ich würde diesen Gedanken nicht aushalten. Ich hatte mich dieser Trauer noch nicht gestellt. Ich hatte noch nicht das Gefühl, jemals bereit dazu zu sein. Der Reitsport wäre mein Leben gewesen. Er war mein Leben gewesen. War er seit zwei Jahren nicht mehr. Ich habe seit zwei Jahren keinen Fuß mehr in einen Stall gesetzt oder auch nur in die Nähe eines Pferdes. Ich habe noch keine einige Sekunde darum getrauert. Und werde das auch jetzt nicht tun.
„Ich habe meinen Dad noch nie angelogen…“, meinte ich leise, legte den Löffel bei Seite, löste meinen Blick von ihr und guckte auf den Tresen. „Ich weiß nicht, wie ich ihm das sagen soll, aber irgendwie muss ich das. Ob du’s deinen Eltern sagst, ist mir ziemlich egal. Ich will mit ihr nichts zu tun haben. Sie will mich nicht, ich will sie nicht. Ich brauch sie auch nicht. Dad und ich sind immer super allein klar gekommen. Aber dich hätt´ ich schon gern in meinem Leben. Du kannst nichts dafür; du scheinst mir echt cool drauf zu sein, und Tom hätte ´ne coole Tante.“
Ich überlegte einen Moment, ob ich ihr von ihrer Tante, also unserer Tante erzählen sollte. Wir würden dann vielleicht auf das Thema Pferde zurückkommen, was ich eigentlich nicht so gern wollte jetzt, aber es wäre dann doch irgendwie nur fair. Das jetzt zu verschweigen wäre schon mies gewesen.
„Du hast übrigens auch eine Tante hier“, fing ich also vorsichtig an. „Die Schwester deiner Mutter – bei ihr hab´ ich viel auf dem Gut gewohnt. Aber an deiner Stelle, würde ich der Frau nicht freiwillig und ohne Einstimmung deiner Mutter erzählen, dass du meine Schwester bist, weil die echt nicht ohne ist. Nachher sperrt die dich im Keller ein und lässt dich nur zum Reiten raus. Die versucht immer noch, Dad das Sorgerecht wegzunehmen. Ich hab die Frau echt gern, die hat mir so unendlich viel ermöglicht und mir ein wahnsinns Pferd geschenkt und… aber sie… bei ihr musst du aufpassen.“
Ich hatte meine Tante lieb, auch wenn sie meistens echt durchgeknallt war.


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#477

RE: start

in One of us is lying 21.04.2019 21:55
von Lea • Member | 895 Beiträge | 55200 Punkte



Daheim - Edward


"Klar. Lauf schon mal los, ich hol dich dann ein." Ihr das austreiben... sonst noch Wünsche? Keine zwei Minuten der große Bruder und schon sowas. Vor allem wäre in der Küche nicht genug Platz für sowas, also sollte Krüppelchen schon mal vorlaufen. Für die gleiche Strecke bräuchte sie viel weniger Zeit. "Nebenbei, solltest du dir da nicht ne Scheibe abschneiden? Vor allem was so Hausaufgaben angeht?" War sie jetzt frech? Vielleicht. Hatte er es verdient? Vielleicht. Sicherlich. Irgendwie. Man musste es nur aus anderer Perspektive sehen. Vorbeugen auf kommende Sachen oder rückwirkend auf Dinge, die sie vielleicht nicht betroffen hatten. Karma hieß das.
Dann lachte Ed auch noch. Da durfte sie auch frech sein. Nur gefiel ihr es gar nicht, dass er jetzt lachte - wahrscheinlich über sie. 95% von ihm waren nicht ernst zu nehmen. "Ich nehm eher 5% von dir nicht zu ernst" und das waren die falschen 5%. Es würde ein Kampf werden, bis Ophelia ihn vollends so nehmen würde, wie er es wollte: Nicht ernst. Und es würde ein Kampf werden, bis er ihr dieses Spießerleben ausgetrieben hatte.
"Du willst mich ernsthaft auf deinen Sohn los lassen?", fragte sie dann ein wenig ungläubig nach. Nicht, dass sie was gegen Kinder hatte, aber manche Kinder hatten definitv was gegen sie. Was sollte sie auch mit denen anstellen? Ihnen Gebärdensprache beibringen? Harfe? Klar, super Sachen mit denen man Kinder beschäftigen könnte. Wahrscheinlich würde sie ihnen nen Ball in die Hand drücken und Cat dazu stellen - damit wären zwei auf einmal beschäftigt.
Er hatte seinen Dad noch nie angelogen. Na das es sowas noch gab. Selbst sie hatte ihre Eltern ein mal angelogen. Ein mal in ihrem Leben. Als sie nicht bei einer Freundin gewesen war sondern auf einer Party, was sich so negativ ausgewirkt hatte, dass ihr noch Tage danach schlecht gewesen war. Und dann wurde sie rot, als er sie als cool bezeichnete, indirekt. "1. Cool und meine Wenigkeit in einem Satz hab ich noch nie gehört. 2. Ich hätte dich auch gern in meinem Leben. Irgendwie. Und wenn du willst, können wir es deinen Vater zusammen sagen. Ich mein, wenn ich dich schon heim bring... gut, wahrscheinlich willst du noch eine Nacht drüber schlafen." Nur keine voreiligen Schlüsse ziehen. Allerdings fand sie es schön, dass er wirklich in Betracht zog, sie seinem Sohn als Tante vorzustellen. Immerhin kannten sie sich kaum, auch wenn sie sich DNA teilten.
Apropos geteilte DNA - ihre Mutter hatte auch eine Schwester. Und wie es aussah, eine ziemlich komische. Immerhin hatte sie Pferde. "Mom hat mir verboten auf den Hof zu gehen. Jetzt macht es ein wenig Sinn.",murmelte sie und sah zu Ed. "Aber weit würde sie nicht kommen. Immerhin hast du uns... eher mich... und bevor du zu Harry Potter wirst kommst du hier hin." Immerhin hatte ihre Mutter, auch wenn er nichts von ihr wissen wollte, noch ein kleines Mitspracherecht. Dachte sie sich zumindest. Aber egal, ihre Tante würde das nicht hinbekommen und das war gut so.


But seriously, though. Some of you people need to go to church. I don't want you in hell with me.
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#478

RE: start

in One of us is lying 21.04.2019 21:56
von Lea • Member | 895 Beiträge | 55200 Punkte

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zuletzt bearbeitet 21.04.2019 21:58 | nach oben springen

#479

RE: start

in One of us is lying 21.04.2019 22:48
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Edward Düster
@ Ophelia


„Werd ma´ nich´ frech!“, meinte ich schmunzelnd, dieses verschwand jedoch auch schon wieder, als sie die Hausaufgaben erwähnte. „Wozu? Mein Leben is´ jetzt eh im Arsch; ich hab eine Konzentrationsspanne von einer Kartoffel und einen Freifahrtschein Namens Behindertenausweis: heute mach ich keine Hausaufgaben mehr. Scheiß auf diese verfickten Aufgaben.“
Ich sag ja, ich bin kein optimistischer Behinderter der das Leben blumig schön sieht. Und heute war eh nicht so nett. Meistens. Da fällt mir ein, dass ich später noch versuchen muss, Mik unbedingt zu erreichen. Im Grunde hatte sie ja nicht Unrecht. Ich sollte Hausaufgaben machen. Ich musste nach der Schule irgendwas lernen und einen Job finden. Irgendwas anstellen. Ich musste eine Krankenversicherung bekommen. Was ich sowieso nie im Leben bekommen würde, wenn ich keinen Job mit Krankenversicherung fand. Oder ich hatte halt keine Versicherung und wurde einfach durch ein Wunder Steinreich. Letzteres würde nie passieren, also sollte ich meine Hausaufgaben machen. Doch motiviert war ich nicht. Wozu? Was bitte sollte ich nach der Schule tun? Wer sollte mich so bitte einstellen und als was? Optimistisch war ich momentan nun wirklich nicht.
„Warum nicht?“, fragte ich zurück. War das jetzt so abwegig? Ich wollte die zwei ja jetzt nicht gleich fünf Stunden allein lassen. Zumal ich Tom sowieso selten allein hatte, weil das einfach nicht ging. Für die einige Dinge brauchte ich Hilfe. „Solang du ihn nicht kaputt machst.“
Das war ein Witz. Mir war schon klar, dass ein Kind keine Sache war, die kaputt gehen konnte. Aber wie gesagt, dass man Tom und mich allein lassen konnte, würde sowieso noch ein paar Jahre brauchen und vorher würde ich es auch nicht so cool finden, wenn andere Leute wahnsinnig viel Zeit allein mit ihm verbrachten, die nicht gerade seine Mutter oder seine Großeltern waren. Ich fand diese ganze Situation sowieso schon fürchterlich scheiße.
Ich schüttelte leicht den Kopf. Es war ja echt lieb, dass sie anbot, dass wir es meinem Vater zusammen sagen könnten, aber einmal müsste und wollte ich das schon allein tun und dann war er ja auch gar nicht da zur Zeit. Aber lieb war das Angebot dennoch.
„Dad ist LKW-Fahrer, er ist unter der Woche gar nicht zu Hause, deshalb habe ich als Kind auch unter der Woche bei meiner Tante gewohnt und jetzt nach dem Unfall auch. Wir, also ich, verdanke ihr echt viel. Ich würde hier jetzt nicht stehen, wenn sie das nicht alles möglich gemacht hätte. So viel Geld hätte mein Dad nie gehabt. Ich würde noch immer im Krankenhaus liegen und froh sein, wenn ich ein paar Worte rauskrieg und vor mich hin sabbern… Sie macht sich halt einfach Sorgen.“


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#480

RE: start

in One of us is lying 22.04.2019 11:32
von Lea • Member | 895 Beiträge | 55200 Punkte



Daheim - Edward


Er ermahnte sie, war aber dennoch irgendwie amüsiert darüber. Hatte sie also doch gut gemacht, war wohl doch nicht so eine spießige Schwester. Bis auf die Sache mit den Hausaufgaben. Da konnte sie fuchsteufelswild werden. "Jetzt hör aber mal auf! Hör auf deine Behinderung als irgendeine Ausrede zu verwenden, die dir gerade passt! Du hast einen Sohn, verdammt nochmal! Und irgendein unterbezahlter Burgerbrater oder Pillentester zu werden ist keine Vorbildfunktion für ihn! Du bist nicht dumm, du bist nur gottsjämmerlich faul! Also beweg dich an deinen verdammten Schreibtisch, mach deine verdammten Hausaufgaben und mach was aus deinem verdammten Leben!", fuhr sie ihn an und schlug auf die Kücheninsel. "Keine Widerworte!"
Das Temperament hatte sie von ihrer Mutter. Aber immerhin hatten sie die gleichen Ansichten. Nur weil jemand behindert war, war das keine Ausrede. Ihr Bruder war Autist, hatte einen Abschluss und hatte einen Job. Er hat das nie als Behinderung angesehen. Und dann kam Edward, der das als Freifahrtschein nahm, nie etwas tun zu müssen.
Allerdings atmete sie dann tief durch, straffte die Schultern und war wieder die Alte. Das liebe, zurückhaltende Mädchen, was vorhin einen Kerl vom Bordstein aufgelesen hatte und sich jetzt einen Löffel Vanilleeis in den Mund schob.
"Kinder mögen mich nicht sonderlich.",erklärte sie ihm dann ruhig, zuckte mit den Schultern. "War mal Babysitter. Also habs versucht. Und die meisten Kinder haben mich gesehen und haben geschrien. Bis auf die meines Ex." Genau genommen kannte sie die Kinder vor ihrem Freund. Also... irgendwie. Ihr Ex war in der gleichen Klasse gewesen wie ihr Bruder, also kannte sie seinen Namen aber mehr auch nicht. Von dem her war es dann irgendwie praktisch gewesen, die Zwillinge zu haben. Also als Babysitterkinder. Nur mit Tom würde sie das nicht machen. Garantiert nicht, außer er wollte entweder ein Kind oder eine Schwester weniger.
Sein Vater war also unter der Woche nicht da, weshalb er bei seiner Tante gewohnt hatte. Ergab Sinn. Anfangs sicher ein Paradies, mit Pferden und allem. "Ich bin auch froh, dass du hier stehst. Und nicht sabberst."
Cat begann zu bellen, hörte wohl ein Auto in der Einfahrt. Dann war sie wieder ruhig, ehe die Tür aufging. Ophelia schielte um die Ecke. "Hey Dad.",begrüßte sie ihren Vater, der zu den beiden in die Küche kam. "Na Prinzessin.", begrüßte er sie und drückte ihr einen Kuss auf den Kopf. "Hallo junger Mann. Ophelia, wieso steht da ein junger Mann in unserer Küche?"
Sie könnte jetzt was sagen, tat es aber nicht. "Das ist Ed, hab ihn auf der Straße aufgelesen. Wir haben ein paar Kurse zusammen." Kurzes Nicken seinerseits, ehe der Inhalt des Backofens interessanter wurde. "Ich geh duschen. Braucht ihr zwei noch was bevor ich geh?"
"Ich nehm mir nachher den Hüpfer und fahr ihn heim. Kann später werden, er braucht noch Hilfe mit den Hausaufgaben.", erklärte Ophelia dann kurz.
"Hausaufgaben? Ist dass das neue Codewort für Sex?"
Augenblicklich wurde ihr Gesicht hochrot. Allgemein war es ihr peinlich mit ihren Eltern über sowas wie Sex zu reden und das mit Ed wäre noch mal peinlicher. Wahrscheinlich war der noch amüsiert darüber.
"Schon okay.",grinste ihr Vater dann. "Nimmst du den großen oder den kleinen?"
- "Ich sagte Hüpfer und nicht Tandem." Tandem war der Smart.
"Dann viel Spaß und denkt an Verhütung!" Damit verschwand er auch schon die Treppen hoch und sie half sich damit, das Eis zu verräumen. Nicht, dass es noch flüssig wurde. Es war ihr einfach alles zu peinlich. "Lass uns gehen."


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#481

RE: start

in One of us is lying 22.04.2019 13:58
von Zonya • Junior Member | 510 Beiträge | 36900 Punkte



A D R I A N • M A R Q U A R D T

Trailerpark ; Lucien


Adrian rümpft die Nase, "halb so wild" lacht er und lässt die Grillzange in der Hand kreisen, "das kann man abkratzen".
Der Deutsche hat seine Wurst schon oft so gegessen, tatsächlich grillt er, wann immer er kann. Er mag es dabei gesellig in einer großen Runde zu sitzen, die Lungen zu schwärzen und ein Bier nach dem anderen zu trinken. Denn auch wenn er sein Zuhause verlassen hat und in einer Sadinienbüchse durchs Land gereist ist, so mag Adrian es nicht, alleine zu sein. Die Stille ist bedrückend. Der braunhaarige braucht laute Musik, Stimmen die wild durcheinander reden, dass man niemanden mehr versteht. Er will die Menschen lachen hören.
Es ist ihm nicht wichtig, wie genießbar das Essen ist. Einzig und allein das Bier muss noch haltbar sein. Doch das dieses bei ihm schlecht wird, ist unwarscheinlich. Adrian hat immer etwas zu Hause und noch bevor es leer ist, wird für Nachschub gesorgt.
"Ich bin deutscher, Lucien" wird seine Frage prompt beantwortet.
Bier verbindet, nach zwei, drei Flaschen sind die Menschen alle gleich. Es bringt Freunde und Fremde zusammen.
Wer Bier trinkt, lebt hundert Jahre.
"Die erste Pflicht der Musensöhne ist, dass man sich ans Bier gewöhne" nuschelt er mit der Zigarette zwischen die Lippen gepresst.
Schon die großen Hochkulturen der Geschichte wussten den Gerstensaft zu schätzen. Ägypter nutzten ihn als Grabbeigabe, für die Römer war Bier ein Trank der Götter.
Bier schmeckt einfach.
Adrian wendet das Fleisch. Fett tröpfelt in die Flammen und es zischt noch lauter als ohne hin schon.
Er dreht den Kopf und grinst schelmisch, "vertraust du mir etwa nicht?".


ᴡᴇ ᴀʀᴇ ʟɪᴀʀs, ᴡᴇ ᴀʀᴇ ʙᴇᴀᴜᴛɪғᴜʟ ᴀɴᴅ ᴘʀɪᴠɪʟᴇɢᴇᴅ, ᴡᴇ ᴀʀᴇ ᴄʀᴀᴄᴋᴇᴅ ᴀɴᴅ ʙʀᴏᴋᴇɴ. ᴀ ᴛᴀʟᴇ ᴏғ ʟᴏᴠᴇ ᴀɴᴅ ʀᴏᴍᴀɴᴄᴇ, ᴀ ᴛᴀʟᴇ ᴏғ ᴛʀᴀɢᴇᴅʏ.
ᴡʜɪᴄʜ ᴀʀᴇ ʟɪᴇs? ᴡʜɪᴄʜ ɪs ᴛʀᴜᴛʜ. ʏᴏᴜ ᴅᴇᴄɪᴅᴇ

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#482

RE: start

in One of us is lying 22.04.2019 19:17
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte

IVIE
bei Connor


Ivie starrt auf ihre Finger, die sie irgendwie ineinander verschränkt, gegeneinander dreht. Sie spielt mit ihnen, um ihre Motorik in Bewegung zu halten – denn dann kann sie sich darauf konzentrieren, was sie da macht, dann muss sie nicht daran denken, wie Connor reagiert.
Seinen Gesichtsausdruck sieht sie sich nicht an. Tut mir Leid, sagt er, nachdem es quälend lange still gewesen ist. Ivie hat ihre eigenen Gedanken rauschen gehört und dass er nicht mehr sagt nimmt ihr, wider Erwarten, keine Anspannung.
Connor schweigt das Thema so tot, wie sie es sich gewünscht hat, und trotzdem macht sie das nicht glücklich. Sie will nicht reden, gleichzeitig auch nicht schweigen.
Was will Ivie eigentlich? Wie kann sie das herausfinden?
Hilflos zuckt die Jüngere mit den Schultern. Die Gefühle, die sie gerade alle durchströmen, kann sie nicht beschreiben. Es sind zu viele und vorrangig ist sie gelähmt. Ivie kann nicht angemessen reagieren, so empfindet sie.
Connor deckt auf und Ivie will ihm helfen, aber sie kommt einfach nicht aus ihrer Blase heraus. Stumm starrt sie auf ihre Hände, hin und wieder wackeln ihre Beine, die ja noch immer von der Küchenzeile hinabbaumeln. Mehr macht sie nicht, weil sie ja auch nicht merkt, dass sie hier komisch vor sich hin starrt.
Der Tisch ist gedeckt und wartet nur darauf, dass die beiden sich die Stühle zurückrechtrücken, da reißt Connor sie wieder aus ihrer Starre.
Er umfasst ihre beiden Hände, sodass er sie von der Arbeitsfläche ziehen kann. Ivie zuckt leicht zusammen, als er das tut, weil sie nicht damit gerechnet hat, aber landet dann sicher auf ihren beiden Füßen. Der Junge dreht sie mit einer gekonnten Bewegung, sodass sie auf die Küchenzeile guckt, auf der sie soeben noch saß. Seine Brust drückt sich an ihren Rücken, er umarmt die Siebzehnjährige und erinnert sie mit der Szene an einen kitschigen Teeniefilm.
Ivie findet es schön und ihr tut es leid, dass sie den Moment nicht genießen kann, weil sie so abgelenkt ist.
Sie sollte nicht hier sein. Ihr Kopf ist zu kaputt für die normale Umgebung. Was will Connor schon mit dem depressiven Mädchen? Er wird das merken. Niemand will sie. Ivies Laune schwankt. Sie schwankt sekündlich. Von glücklich zu traurig, von willkommen zum Parasiten. Sie kann es nicht steuern.
Connor hält sie nicht lange fest. Nur ein paar Worte lang drückt er sich an sie und sie sich an ihn, dann lässt er von Ivie ab. Es liegt an ihr selbst, dass sie sich zu Connor umdreht. Er steht vor dem Tisch, hat den Stuhl schon zurückgezogen, damit sie sich setzen kann. Locker und leicht lächelt er ihr entgegen, versprüht das komplette Gegenteil der Schwere, die in ihr herrscht.
Ivies Beine fühlen sich wie Blei an. Die paar Schritte zwingt sie sich auf ihn zuzugehen. Connors Einladung, sich hinzusetzen, folgt sie aber nicht.
Ivie zieht eine komische Grimasse, von der sie selbst nicht weiß, was sie aussagen soll. Sie wollte lachen oder etwas sagen und schaffte beides nicht, was die Mimik vielleicht erklärt. Unmerklich schüttelt Ivanka den Kopf. Sie setzt sich nicht hin, sie schlingt die Arme um Connor, um das Gesicht gegen den Stoff seines T-Shirts pressen zu können.

It comes and goes in waves, it always does.


So I will keep you day and night, here until the day I die
I'll be living one life for the two of us
I will be the best of me, always keep you next to me


zuletzt bearbeitet 22.04.2019 19:17 | nach oben springen

#483

RE: start

in One of us is lying 22.04.2019 20:46
von Lea • Member | 895 Beiträge | 55200 Punkte


Daheim - Ivie - mentioning silas


Hätte er bloß nie gefragt.
Das war der erste und einzige Satz, welcher in seinem Kopf hin und her sprang. Von dem fröhlichen Mädchen, welches genüsslich das Essen geknabbert hatte zu dem kleinen Häufchen Elend auf der Arbeitsplatte in unter zwei Sekunden.
Aber wer wusste schon, was in ihrem Kopf vor ging, was sie alles erlebt hatte. Er konnte und wollte es sich nicht vorstellen. Sich den Kopf darüber zu zerbrechen wollte er auch nicht.
Stattdessen wollte er Ivie zum Lachen bringen, sie in die Zeit vor fünf Minuten zurück bringen, wo sie glücklich aussah, fröhlich. Zeitreisen waren noch nicht erfunden und selbst wenn hätte er nicht die Mittel dafür, ihr eine zu ermöglichen. Nebenbei - wer hätte gedacht, dass eine so einfache Frage sowas auslösen könnte?
Dennoch tat Connor sein bestes, versuchte alles, was Frauen gefallen würde und tat. Umarmungen von hinten, Manieren zeigen. Und Ivie kam auf ihn zu, verzog auf eine für ihn verwirrende Weise das Gesicht und umarmte ihn dann. Reflexartig richtete er sich auf, legte seine Arme um ihren schlanken Körper. Sagte nichts, hielt sie einfach nur fest.
Nach einiger Zeit erlaubte er sich, sanft über ihren Rücken und ihren Kopf zu streichen. Damit ruinierte er wahrscheinlich vollends die vorhin unordentlich gemachte Frisur, aber wer würde sich schon über Haare beschweren, wenn er hier in guter Absicht umarmt wurde? Und das von jemand, der am liebsten jeden Menschen, der einem auf der Straße entgegen kam, ins Koma schlagen würde? Was Ivie allerdings nicht wusste und sicher erst morgen heraus finden würde, wenn er mit Silas fertig wäre.
Wieder ließ er etwas Zeit vergehen, beugte sich dann langsam runter und drückte ihr einen liebevollen Kuss auf den Kopf, ehe er das Schweigen brach:"Wenn du reden willst, dann rede. Jeder hat sein Päckchen zu tragen und wenn du es mit mir teilst, höre ich dir zu und versuche zu helfen. Und wenn du schweigen willst, dann schweige. Ich zwing dich zu nichts."
Seinen Kopf bewegte er wieder in die Richtung welche er vorher hatte. Tief in seinem Innern hoffte er, dass er mit dem Kuss nicht zu weit gegangen war, dass sie mit ihm reden würde. Er wollte sie verstehen, ihr helfen. Nur wahrscheinlich würde er eine größere Hilfe sein, wenn er ihr das Kärtchen seiner Therapeutin in die Hand drücken würde. Vielleicht würde ihr Dr. Shung helfen, vielleicht auch nicht. Es hing alles davon ab wie bereit sie dazu war und vor allem wie angebracht es wäre. Fürs erste war er allerdings soweit, dass er ihr zuhören wollte, für sie da sein wollte. Egal ob sie hier noch fünf Minuten oder fünf Stunden standen. Bei letzterem würde er allerdings was bequemeres vorschlagen. Die Couch oder so.


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#484

RE: start

in One of us is lying 22.04.2019 21:14
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte



ARTUR MARQUARDT
bei Eliott
erwähnt Zeta und Adrian

Arturs Finger kreisen in Schnörkeln über Eliotts Rücken. Dessen T-Shirt liegt zwischen den beiden. Wäre es nicht, würden sie die Haut des jeweils anderen direkt berühren.
Dann geh ins andere Zimmer, murrt der Größere, als Artur gerade dabei ist, einen Kreis auf Eliotts linkem Schulterblatt anzudeuten. „Nein“, sagt er nur. Ignoriert die Entschuldigung, die gleich folgt, weil sie dort nicht hingehört. Artur ginge nur, wenn Eliott mitkommt.
Niemand der beiden wird gehen. Dem Platz werden sie auch anders Herr.
Artur hält Eliott fest und rückt näher und dreht sich dann, sodass sie sich nicht mehr gegenüber liegen, sondern der Franzose halb auf ihm.
Dazu hat sich der Deutsche auch ein wenig gegen die Lehne gestemmt, sodass sein Oberkörper halb aufgerichtet ist. Er blinzelt Eliott entgegen, beobachtet ihn dabei, wie er die Augen öffnet. Artur schürzt die Lippen, grinst.
Absurderweise macht ihn die Situation glücklich. Dabei hat er sich doch gestern noch, sogar heute Morgen wieder, vorgenommen, dass er sich nicht so leicht einlullen lässt. Artur hat sich vorgenommen, nicht so liebesblind zu sein. Das will ihm einfach nicht gelingen.
Eliott pustet gerade im Moment und nur mit der Art und Weise, wie er hier in Arturs Armen liegt, alle Sorgen und schlechten Gedanken weg. Zeta und Adrian sind vergessen, Arturs Probleme, sich in der Stadt und mit sich selbst wohlzufühlen. Das alles ist egal, wenn er den Jungen in seinen Armen hält.
Gleichermaßen macht es ihm Angst, wie viel Macht Eliott über seine Gefühle hat. Er macht ihn glücklich, macht ihn traurig. Trägt ihn hoch, lässt ihn in ein Loch fallen, wenn sich seine Laune plötzlich dreht. Artur muss sich hier und jetzt, in dem Moment eingestehen: Freundschaft ist das nicht. Er ist dumm.
Dumm, weil ihm der Gedanke auf naive Weise erst jetzt kommt und dumm, weil andere etwas, das er selbst nicht akzeptieren kann, auch nicht gutheißen werden. Da werden wieder Finger auf ihn zeigen und da wird wieder hinter vorgehaltenen Händen getuschelt werden. Artur der Schwule, huh?, wird Adrian der erste sein, der ihm das Messer in die Brust sticht.
Artur liebt Eliott.
Das hat er gerade im Moment realisiert und die Erkenntnis prescht auf ihn nieder wie eine Flut, die einem gebrochenen Damm entkommt. Wie plötzlich einsetzender Platzregen. Harte Tropfen, die auf seine Haut trommeln, ohne schützende Kleidung, ohne einen Schirm, der sie von ihm abhält. Artur fühlt sich nackt, mit dieser Erkenntnis in seinen Adern.
Es ist beängstigend. Der Deutsche hat keinerlei Ahnung, wie seine Emotionen erwidert werden, hat nicht den Mut, nur ein Fünkchen zu sagen. Er kann auch nichts sagen. Es passt nicht zum Thema. Heute geht es um Eliott. Immer geht es in seinen Kopf um ebendiesen. Er zählt mehr, die Hauptsache ist, er ist frei von allem, das ihm schaden könnte. Artur muss es hinunterschlucken, muss es verdrängen, sich einfach damit zufriedengeben, dass er den Dunkelhaarigen gerade um sich herum hat.
Das zählt. Wenn Artur nicht mehr von dem, was er als Liebe empfindet, haben kann, als das hier: dann ist das okay. Es reicht ihm, weil es mehr ist, als er selbst verdient. Er redet es sich ein. Hofft, es funktioniert.
Ob ihm die rosarote Brille ins Gesicht geschrieben ist?
„Ich weiß es nicht“, flüstert er als Antwort auf Eliotts Frage. Seine Wange kitzelt und er meint, dass seine Haare es auch tun. Dort, wo des Franzosen Finger vorüberstreichen. „Ich würde, glaube ich, nicht die letzte, einzige Person auf dieser Welt sein wollen, weißt du? Wahrscheinlich… weil ich Angst davor habe. Davor, allein zu sein, meine ich.“ Artur beißt sich auf die Zunge. Das sollte er nicht sagen, oder? Das sind Sachen, die eben typisch für ihn sind. Er ist sensibel, er ist ängstlich. So ist Artur.
Er fängt mit seiner Hand Eliotts Finger, die seine Haare zwirbeln, und dann nimmt er deren Finger und verhakt sie mit seinen. Drückt sie leicht, streicht mit dem Daumen über den kalten Handrücken.
Artur will Eliotts Hände mit seinen wärmen, will dafür sorgen, dass sie nie wieder kalt sind. „Aber ich bin auch nicht der Typ Mensch, der die letzte Person sein könnte. Da sind andere besser dafür gemacht, denke ich…“ Er beugt sich nach vorne, um die Lippen sachte auf Eliotts Nasenspitze zu drücken.
„Wieso fragst du? Was… würdest du tun?“


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zuletzt bearbeitet 22.04.2019 21:16 | nach oben springen

#485

RE: start

in One of us is lying 22.04.2019 22:32
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte


IVIE
bei Connor


Ihre Umarmung wird erwidert.
Ivie fühlt sich, als würde sie ertrinken aber gleichzeitig auch an der Wasseroberfläche schwimmen. Als ginge sie unter, aber würde doch noch oben gehalten werden. Das Gefühl zerreißt sie innerlich, weil sie einfach nicht weiß, was überwiegt. Das Gute oder das Böse?
Ist das Leben fair zu ihr oder kommt es, um sie zu überrollen, sie zu übermannen, ihr das Licht zu nehmen?
Ivie schlingt die Arme fest um Connor, atmet, weil es das Letzte ist, das ihr noch bleibt. Solange sie atmet, solange ist alles gut. Finger streichen über ihren Rücken, durch ihre Haare, bestärken sie dabei, regelmäßig Luft zu holen und sie wieder auszupusten. Die Haare sind egal, daran denkt Ivie nicht. Sie hat vorhin schon nicht dran gedacht, weil sie keines der Mädchen ist, die sich auf ihr Äußeres fixieren. Ivie ist natürlich, sie ist blass, ihre Wimpern sind nicht dunkel von der Mascara, die sie ja nicht benutzt. Sie weiß gar nicht, was in ihr schlummert, würde sie sich mit dem Make-Up nur Mühe geben.
Dinge, die keinen Platz in ihrem Kopf haben.
Connors Finger kitzeln sie leise, wann immer sie ihren Nacken streifen. Berührungen, die Ivie daran erinnern, dass sie lebendig ist. Sie tun es genauso wie der Arm, der unangenehm kneift, während sie sich so an Connor drückt.
Sie kann deutlich spüren, wie sich das Spiel von Connors Muskeln, Sehnen, Gelenken verändert, als er nicht mehr gerade steht, sondern sich daran macht, sich ein bisschen zu beugen. „Es tut mir Leid…“, fängt Ivie an, wird unterbrochen, weil sie federweich spürt, dass Connor seine Lippen auf ihren Kopf drückt. Für einen Moment nur und in etwa dahin, wo ihr Scheitel ist. Ivie schließt die Augen, fällt weiter gegen ihn.
Sie muss sich dafür entschuldigen, dass sie es geschafft hat, dass der Abend bei weitem nicht so unbeschwert ist, wie er hätte sein müssen. Connor muss ihr hier und jetzt weißmachen, dass er das nicht so dramatisch findet, obwohl Ivie sich denken kann, dass es ihm anders lieber gewesen wäre. Vielleicht hätte er dem Abend gerne eine ganz andere Wendung abgewonnen? Wollte wahrscheinlich nicht, dass er sie hier so halten muss, weil keiner das will.
Nur langsam lockert sie ihren Griff, wann immer es ihr eine gute Idee scheint ein bisschen. „Wir sollten essen…“, weicht sie aus, weil sie doch selbst nicht weiß, was sie will. „Oder vielleicht sollte ich gehen? Ich glaube, das ist besser. Das… dann.. ja.“
Ivie stolpert einen Schritt zurück, sieht zwischen dem Boden und Connor her, guckt zum Tisch, zurück zum Boden, zu Connor. Sie weiß nicht, was sie tun soll. Wieder einmal weiß sie es nicht.


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#486

RE: start

in One of us is lying 22.04.2019 22:33
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Edward Düster
@ Ophelia


„Faul! Ha!”, lachte ich auf, dieses unechte etwas verschwand aber sofort wieder. Das hätte sie nicht sagen sollen. Sie hatte ja recht. Ich benutzte meine Behinderung vielleicht ein wenig zu häufig als Ausrede für irgendeinen Scheiß, den ich nicht tun wollte. Aber sie hatte kein Recht dazu, mich faul zu nennen. „Du hast ja keine Ahnung.“
Letzteres setzte ich leiser und wesentlich kälter hinterher. Nein, sie hatte keine Ahnung. Sie hatte keine Ahnung, wie meine Tage aussahen. Ich war alles aber ganz bestimmt nicht faul. Ich kämpfte jeden verfickten Tag. Jeden Tag kämpfte ich gegen diesen blöden Körper in dem ich nun mal gefangen war. Ich hatte in den letzten zwei Jahren alles, aber auch wirklich alles neu lernen müssen. Ich hatte atmen neu gelernt. Sprechen, Sitzen, Gehen, mit Gabel und Messer essen, ich hatte die Geburt meines Sohnes verpasst. Ich hatte so gut wie alles verpasst, weil ich meine Zeit auf einer verfickten Intensivstation verbracht hatte! Aber ich war gottsjämmerlich faul. Du mich auch.
Meine Laune hatte ihren Tiefpunkt erreicht. Ich wollte nach Hause. Ich hatte kein Bock mehr. Der Tag war doch so scheiße, wie ich gedacht hatte. Ich hielt die Klappe zu der Sache mit den Kindern. Ich würde nicht mehr sonderlich nett sein und in Bezug auf Kinder sollte man eigentlich keine unschönen Dinge sagen. Also hielt ich meine Klappe. Außerdem kam dann eh schon der Herr des Hauses herein. Ich konnte auch eigentlich eh nicht mehr stehen. Das Stehen wurde mit der Zeit anstrengend. Ihr Vater nannte sie Prinzessin und das erklärte einiges. Obwohl mich mein Dad aus Spaß auch manchmal so nannte. Aber nur wenn wir allein waren. Oder Mik war dabei. Der war Schwul dem wäre das egal, meinte mein Vater. Manchmal war auch mein Vater komisch. Ich hatte auch kein Bock mich vorzustellen. Ich war faul, schon vergessen? Sollte sie das doch tun. Tat sie dann auch. Und wenn ich nicht so angepisst gewesen wäre, dann hätte ich das Kommentar ihres Vaters auch witzig gefunden und meinen Spaß damit gehabt. So zuckte ich nicht einmal mit der Wimper, verzog nicht die Miene und war noch immer sauer, dass sie mich so einfach faul genannt hatte. War mir auch scheiß piepen egal, dass sie hochrot wurde. Sollte sie nur. Geschah ihr nur recht.
Das war einfach nicht fair. Ich bemühte mich. Jeden Tag. Und wenn ich gestern nicht auf die Parte gegangen wäre, dann wäre ich heute nicht so müde gewesen und hätte jetzt vielleicht noch eher ein wenig Reserve für Hausaufgaben gehabt. Ich war ja eigentlich auch motiviert diese zu machen. Aber sollte ich wegen diesem Scheiß solche Partys sausen lassen? Ich sah das einfach nicht ein. Vielleicht war es ein gut verstecktes Fettnäpfchen gewesen, in welches sie getappt war. Aber das war unter die Gürtellinie gegangen. Faul. Gottsjämmerlich faul. Wieso tat ich mir das alles eigentlich an? Wieso stand ich morgens aus dem Bett auf?
Lass uns gehen.
Liebend gern. Ich humpelte wortlos in Richtung Wohnzimmer, um meinen Rucksack zu hohlen. Ich sollte vielleicht Dad anrufen. Dieser ganze Tag war einfach so beschissen. Ich wusste auch immer noch nicht, wieso Mik mir aus dem Weg gegangen war. Ich seufzte.
Am Auto angekommen, stiegen wir ein – ich brauchte ein wenig länger, um meine Beine und mich selber zu sortieren. Ich war müde und einfach kaputt. Ich wusste auch ehrlich gesagt gar nicht, wie ich gleich die Treppe hochkommen sollte. Ich hatte einfach keinen Bock mehr. Aber ich war faul. So eine Treppe ging sich doch praktisch von allein hoch. Das Einsteigen war anstrengender gewesen als gedacht, ich musste dann jetzt doch durch den Mund atmen, als wäre ich gerade im Sportunterricht zehn Mal eine Treppe rauf und runter. Ein bisschen außer Atem nannte ich ihr die Adresse.
Es war keine schöne Gegend und ich hoffte, sie würde nicht lange hier parken oder das Auto war gut versichert. Die Leute hier waren eben nicht gerade reich. Das alles hier waren heruntergekommene Wohnungen. Hier wohnten viele Alkoholiker, die Straße runter gab es ein Junkie-Haus. Hier wurde geklaut ohne Ende und joa, war eben keine schöne, sichere Gegend hier. Als wir ankamen musste ich feststellen, dass die Haustür weg war. Die war heute Morgen noch da gewesen. Die war schon mal weggewesen. Aber da hatten sich welche dort geprügelt und dabei war die Tür eben mit kleingehauen worden. Jetzt war die Tür einfach komplett weg. Auch gut. Ich sah nun doch wieder zu der Rotharigen herüber.
„Nennst du mich noch einmal faul, brech´ ich den Kontakt ab“, stellte ich jetzt wieder ruhig und fast Herr meiner Sinne fest. „Ich war schwer depressiv nach dem Unfall, das darf mir nicht noch mal passieren.“


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#487

RE: start

in One of us is lying 22.04.2019 23:31
von yulssi • Junior Member | 178 Beiträge | 8900 Punkte

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𝗘𝗟𝗜𝗢𝗧𝗧 𝗗𝗔𝗩𝗘𝗡𝗣𝗢𝗥𝗧

mit artur

Nein. ,Artur widersetzte sich ihm eiskalt. Unterbrach die stetigen, angenehmen und für den Älteren langsam wohlig werdenden Bewegungen, um sich somit ausdruckslos zu sträuben und das im Anschluss Gesagte gänzlich zu ignorieren, was den vor ihm Verweilenden folglich eine Stille einhandelte, die man sonst nicht oft von ihm bekam. Im Normalfall. Höchstwahrscheinlich war es auch einfach Eliott, der es so sah, aber der Franzose selber wäre zeitlich womöglich an die Decke gegangen, hätte gefragt, was denn sein Problem mit ihm war, obwohl er ihm gerade so viel Aufmerksamkeit widmete, die eigene Zeit komplett vergeudete, nur, damit es dem jeweils Anderen besser ging. Es hätte ihn aufgeregt, nur so wenig Respekt zu bekommen… doch, doch Artur war natürlich wieder anders. Ließ ihn einfach machen und schwieg, wenn es nichts zu sagen gab, selbst wenn er nichts nettes zu hören bekam. Das war unfair. Unfair ihm gegenüber.
Eliott fühlte sich schuldig, biss sich also auf die Lippe, bearbeitete diese mit seinen Vorderzähnen und brachte sie somit zum leichten anschwellen, wusste nicht recht, wie er die plötzlich aufkommende Frage, was er denn eigentlich tun würde beantworten sollte. Warum er seinen Gegenüber überhaupt so etwas gefragt hatte… er wusste es einfach nicht. War so aufgekommen. Das war echt nicht so leicht und doch überlegte er. Dachte darüber nach, was er selber tun würde, wenn er die letzte, einzige Person auf dieser Welt wäre, obwohl ihm nicht auch nur eine Sache zu diesem Thema einfiel. Nicht eine, außer ,,Sterben." ,was vielleicht nicht allzu unlogisch für ihn klang. Sterben, da es sich sonst nicht lohnte. Eliott wollte nicht alleine sein, obwohl dem Neunzehnjährigen manchmal danach war, er sich nichts sehnlicher wünschte, als von anderen in Ruhe gelassen, nicht beachtet und angesprochen zu werden, doch gleichzeitig sehnte er sich danach.
Sehnte sich danach, dass es jemanden gab, der sich um ihn sorgte. Sich Gedanken um ihn machte und den Franzosen suchte, wenn er mal wieder woanders war. Gedanklich. Körperlich. Einfach, wenn jemand für ihn da, in seiner Nähe war, obwohl es diesen Jemand schon längst gab- Eliott es nicht einmal richtig wahrnahm, da es für ihn schon zu einer Gewohnheit geworden war, diesen Menschen kontinuierlich an seiner Seite zu sehen, morgens neben ihm aufzuwachen, wenn Zeta gerade nicht da war und auch wieder einzuschlafen, ganz egal, wie klein der Platz zwischen ihnen war. Zeta war wahrscheinlich okay. Reichte aus, wenn man keine Ansprüche besaß. Kannte ihn teilweise besser als so mancher anderer Mensch und wusste, was ihn teilweise störte. Was in dem Kopf des Braunhaarigen vor sich ging und warum es manchmal so war.
Allerdings war sie nicht... die. Die eine Person halt. Die Person, die ihn anders fühlen ließ und ihn Dinge vergessen ließ, die er nicht vergessen sollte. Dinge, die er verdrängte, wenn er sich gut fühlte. Das war es. Eliott wusste es und hatte es schon am Anfang des viel zu langen Tages gewusst, warum seine Stimmung sich verschlechtert hatte. Nicht, weil es ihm schlecht ging. Schlecht gegangen war. Nicht, weil er wusste, dass er etwas dagegen tun hätte sollen und auch können, als er die Gelegenheit dazu gehabt hatte. Vielleicht auch einfach, weil ihn die Wut beim Anblick seines besten Freundes gepackt, als dieser ihm gesagt hatte, dass er lieber gehen, ihn zurücklassen sollte. Vielleicht, weil er deshalb ein schlechtes Gewissen gehabt hatte, Arturs Anweisungen befolgt und ausgeführt zu haben. Artur war doch nicht besser. Hatte genauso Angst davor, alleine zu sein. Gelassen zu werden. Wollte nicht die letzte Person auf diesem kaputten Planeten sein, obwohl die Chance nicht ausblieb, wenn es so weiter ging, denn um sich alleine zu fühlen, musste man nicht der zuletzt übrige Mensch sein. Man musste nur anders denken. Anders handeln.
Den Anderen mit einer kurzerhand wunderlichen Aktion verwirren, wie dem Älteren unangekündigt einen sanften Kuss auf die Nasenspitze zu drücken, diesen damit innerlich durchdrehen und durch die nächste Wand springen zu lassen. …Was war das. Was war "es". Das. Dieses etwas. Das Gefühl von etwas merkwürdigem. Das Gefühl, etwas machen zu wollen, um nicht durchzudrehen ? ,,Ich will nach draußen. Jetzt." ,kam es kurzerhand aus seinem Munde heraus, als der Franzose sich zeitgleich aufrappelte, den Kleineren von oben heraus betrachtete und dabei war, aufzustehen. Zu versuchen, etwas zu finden, dass seinen Kopf herunterzufahren, schnellstmöglich Gedanken vertreiben konnte. Ein bisschen rennen war eine gute Idee. Etwas tun, damit die inneren Stimmen nicht gehört werden konnten. Nicht von dem, der sie verursachte. ,,Kommst du mit ?"


"𝙻𝚎𝚝'𝚜 𝚛𝚞𝚗 𝚊𝚠𝚊𝚢 𝚝𝚘𝚗𝚒𝚐𝚑𝚝"


zuletzt bearbeitet 22.04.2019 23:34 | nach oben springen

#488

RE: start

in One of us is lying 23.04.2019 17:01
von Sissi • Junior Member | 70 Beiträge | 4450 Punkte


Dylans Zuhause - Dylan

Fest biss er sich auf die Lippe und nickte anschließend leicht, wobei er mit seinen Gedanken fast schon wo anders war. Was nicht gut war. Wirklich nicht. Schließlich stand er gerade ziemlich entblößt da, worauf ihn sein Freund gleich auch nochmals hinweisen musste. Überraschenderweise half er ihm dabei sogar ausnahmsweise. Durch die semi-glücklichen Gedanken an seinen eigenen Körper verschanden nämlich andere, wesentlich schönere Überlegungen kurzzeitig. Dennoch schüttelte er nur leicht mit dem Kopf und wollte dieses Gesprächthema noch viel weniger gern verfolgen als das andere.
Was er auch nicht musste. Zu seinem Glück. Oder vielleicht auch zu seinem Unglück. In süße Verzweiflung gerissen lehnte er sich an die kühle Duschwand und schloss die Augen, schluckte dann schwer. Seine Wangen erhitzten sich mal wieder, dieses Mal jedoch lag es nicht an Scham. "Klingt beides wundervoll", nuschelte er ein wenig vernebelt und mit rauer Stimme. Er mochte vielleicht 21 sein, seine Hormone jedoch waren immernoch die eines 16-jährigen. Und manchmal war das wirklich nervig. "Nein." - leider nicht. Der Gedanke daran war durchaus schonmal da gewesen, nur die Gelegenheit hatte sich nie so wirklich ergeben. Und dann mit Ncuti sowieso nicht. Danach war ersteinmal nicht daran zu denken - also nein. Diesbezüglich war er noch jungfräulich. Ob er das bleiben würde war eine andere Frage, Dylan jedoch schien dem ganzen nicht abgeneigt zu sein, was ihn auf eine seltsame Weise erfreute. Sie würden sicherlich noch viel Spaß zusammen haben.
Jetzt jedoch reichten ihm erstmal die Küsse des anderen und das gemeinsame Schmieden von kaum erfüllbaren Plänen. Wie ein Idiot lächelte er vor sich hin und sah zu seinem Freund, legte dann jedoch den Kopf fragend schräg. "Und hast du mir vor von den Plänen auch zu erzählen oder muss ich das alles einfach auf mich zukommen lassen?" Bereit wäre er zu allem, egal ob er nun davon wusste oder nicht, dennoch wäre es schön, ein wenig über die Wünsche und Vorstellungen des anderen zu erfahren.
Wobei es dafür vielleicht bessere Zeitpunkte gäbe. Jetzt musste er wirklich ersteinmal mit dieser Art der Zurückweisung zurechtkommen. Er hasste es einfach ausgelacht zu werden, hatte wohl mit Vergangenem zu tun. Zudem fand er es schade, dass sein Freund so gar nichts mit diesem Hobby anfangen konnte. Aber daran könnte er nichts ändern, weswegen er es ersteinmal dabei beließ einfach ein wenig zu Schmollen und sich auf diese Weise wieder einzubekommen. Dieser Plan wurde dann leider dadurch durchkreuzt, dass sein Freund seinen Kopf auf seinem Schoß platzierte. So war er dazu gezwungen ihn anzusehen und all seine Schmollpläne waren mit einem Mal vergessen. Leise seufzte er und strich etwas nachdenklich durch die Haare des Anderen - diese Chance bekam er schließlich dank dessen Größe nicht so häufig. "Immer doch", murmelte er schließlich, beugte sich nach unten und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen. Ihm würde er wohl alles verzeihen.
Und er konnte nur hoffen, dass Dylan ebenso emfpand. Denn egal wie gut oder schlecht seine Entschuldigung war, sie schien nicht genug zu sein. Sein Freund -oder Ex-Freund?- war so unbeteiligt, dass er sich für den Bruchteil einer Millisekunde gern einfach diesen Balkon runtergestürzt hätte. Er hatte es wirklich einfach ruiniert. Nur wusste er nicht, wie er es anders hätte machen können. Er wusste es wirklich nicht, was es nicht gerade einfacher für ihn machte, sich angemessen zu entschuldigen. Aber das schien auch mehr oder weniger egal zu sein. Spätestens, als sein Gegenüber ohne zu zögern den Hörer abnahm wurde ihm klar, dass es kein Zurück mehr geben würde.
Dennoch konnte er das Gesagte nicht so stehen lassen. "Du, - du hast doch keine, - keine Ahnung, wie ich, - wie ich mich dabei gefühlt habe", flüsterte er und wusste kaum, sich richtig zu helfen. Wie erklärte man sich, wenn man keine Worte mehr fand? Einen Moment schloss er die Augen. Vorstellen. Er musste sich die Worte vorstellen. Nur konnte er es nicht. Er fand einfach keine Ruhe. So gern wollte er so vieles sagen. Wollte fragen, ob er einen Orden dafür haben wollte, dass er sich benommen hatte wie ein anständiger Mensch oder wollte ihm zeigen, dass allein der Ausdruck 'so ein Spitzel' zeigte, was er von seinem Beruf und dadurch eben auch von ihm hielt. Wollte ihm sagen, dass er ihn nicht missbraucht hatte, es nie tun wollte und dass er verstand. Dass er verstand. Dass er verstand, wenn er ihn nicht mehr sehen wollte oder ihn hasste oder ihn gern umbringen würde. Dass er ihn gern schlagen dürfte oder anschreien - aber er bekam keinen Ton raus. Sein eigener Körper verwehrte ihm die erlösenden Worte. Statt also zu reden, die Situation besser oder schlimmer zu machen, überkam ihm der Schwindel und die Atemnot und er hatte das Gefühl, sterben zu müssen. So, so dringend. Sterben. Nur tat er das leider nicht. Und egal wie furchtbar er sich fühlte, im Endeffekt stand er einfach schweigend, leicht bebend da. Und egal, wie sehr es ihm missfiel, wie sehr er es nicht meinte, er hatte sich dadurch den Worten des anderen gebeugt.
Dieser zog ihn kurzerhand wieder mit nach drinnen. Fast hielt sich Nate für erlöst. Keine bedrohliche Höhe mehr. Er könnte vielleicht sogar reden, sich doch noch erklären. Nur wurde er dann von etwas vollkommen anderem übermannt.
Diese Kälte. Noch nie hatte er so etwas erleben müssen. Aber zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich auf einer Ebene allein, die bis tief in ihn kroch und alles erstarren zu lassen schien. Alles an ihm wollte hier weg und hier raus, aber er durfte nicht. Er durfte nicht gehen denn wenn er eines wusste, dann war es, dass Dylan ihn nie wieder auch nur ansehen würde. Also setzte er sich hin und sah einige Minuten lang ausdruckslos auf den Laptop. Dabei wusste er nicht, ob diese Starre an den Preisen oder der Situation lag. Niemals könnte er sich das leisten. Nichts davon. Auch einen neuen Anzug nicht, schon gar nicht einen maßgeschneiderten. Aber das sagte er jetzt lieber nicht. Er musste sich da etwas einfallen lassen. Sowieso musste er sich etwas einfallen lassen. Denn so würde er hier keine fünf Minuten länger bleiben können, ohne schon wieder in Tränen auszubrechen.
Zu seinem Glück war er aber eben doch nicht vollkommen allein. Bee gesellte sich wenig später auf seinen Schoß und ihre warme Gesellschaft beruhigte ihn zu seinem Grad, der es ihm ermöglichte, zumindest den Laptop zu bedienen. Schweigend und etwas lustbefreit sah er sich also die Reisemöglichkeiten an, wobei er das Gefühl hatte, es würde alles an ihm vorbeirauschen. Es ging so schnell und doch nicht schnell genug. Es war kaum auszuhalten.


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#489

RE: start

in One of us is lying 23.04.2019 20:44
von Lea • Member | 895 Beiträge | 55200 Punkte


Daheim - Ivie


Und da standen sie nun. In Küche/Esszimmer, vor dem Tisch, welcher reichlich gedeckt war. Es war alles okay für diesen Moment, würde er zumindest sagen.
Ivie weinte nicht, das war gut. Und sie atmete - das war noch besser. Zumindest fühlte es sich so an, da sich ihre Schultern hoben und senkten, er ein wenig ihren Atem an seinem Oberkörper spüren konnte. Also war alles okay. Niemand würde 911 gebrauchen, niemand würde Taschentücher brauchen. Bis jetzt zumindest. Hoffentlich auch länger.
Sie begann zu reden, sich zu entschuldigen, schwieg dann wieder. War es, weil Connor sie auf den Kopf geküsst hatte? Oder weil ihr die Worte fehlten? So ganz konnte er es nicht zuordnen, dafür kannte er sie zu wenig und wollte es auch nicht wirklich wissen. Er war einfach nicht die interessierteste Persönlichkeit wenn es um sowas ging.
Langsam ließ sie von ihm ab, also lockerte auch er seine Arme, damit sie sich nicht bedrängt fühlte. Sie schlug was vor, erst essen, dann dass sie gehen sollte. Wer hatte hier irgendwas von gehen gesagt? Dennoch blieb er stehen, beobachtete sie ein wenig, wie sie unentschlossen das Dreieck Boden - Tisch - Connor betrachtete. "Und wenn ich nicht will, dass du gehst?", fragte er nach, trat einen Schritt vorwärts. Seine Arme legte er vorsichtig um ihre Hüfte, strich sanft über ihren Rücken. "Lass uns was essen. Und wenn du dann gehen willst, bring ich dich heim. Und wenn du bleiben willst, dann mach ich den Kamin an. Falls du das willst." Wirklich, er wollte nicht, dass sie ging. Zumindest jetzt nicht. Er hatte sich viel zu viel Mühe mit dem Essen gegeben, da wäre es eine Schande, wenn sie es nicht probieren würde. Oder? Zumal er ja wirklich ein lieber Kerl war im Moment. "Soll ich Musik an machen?", fragte er dann. Falls sie beim essen nicht reden würden, würde keine peinliche Stille entstehen. Immerhin wäre immer Musik da, der man zuhören könnte.




Daheim - Edward


Ed sagte wenig. Das was er sagte, ließ sie allerdings schlucken. Ja, sie hatte Temperament und zwar das ihrer Mutter. Es kam nicht oft aus seinem Versteck, aber wenn, dann unpassend und immer sofort. Ohne Großartiges zögern. Kontrolle Fehlanzeige, aber etwas zu sagen, traute sie sich nicht.
Von dem her war es okay, dass er gehen wollte, schon los lief. Ophelia nahm die Schlüssel vom Tisch und zog ihre Jacke an, da es draußen doch kalt war.
Dann gingen sie zum Auto, dem dunkelblauen Jeep, der vor der Garage stand. Er war alt, der Lack blätterte teilweise ab, aber ihr Vater liebte das Auto.
Dank Google maps hatte sie sogar ein zuverlässiges Navi, denn auskennen war hier Fehlanzeige. Und Radio ebenfalls. Das war Glückssache.
Nach einiger Zeit kamen sie auch schon in der Gegend an, kurz später stellte sie sich in die Einfahrt. Die Tür fehlte. Wundervolle Gegend. Erst dann sprach Ed wieder. "Den einzigen Kontakt den wir bisher hatten, ist das Wissen, wo der andere wohnt.",murmelte sie und sah weiterhin auf die fehlende Tür.
"Es tut mir leid.", entschuldigte sie sich dann bei ihm, sah ihn sogar dabei an. "Das Temperament ist von Mom, ab und an passiert das einfach. Es tut mir leid, wenn ich dich verletzt hab. Nur... du hast die Möglichkeiten, was zu erreichen. Und du willst es nicht nutzen. Vielleicht versteh ich das auch einfach nicht, aber vielleicht will ich es nicht verstehen. Ich kann dir nicht mal wirklich helfen, weil ich bei sowas die Krise bekomm. Von dem her, kann ich nur hoffen, dass alles okay ist bei uns... ansonsten komm ich auch damit klar, meine Bekanntschaften an der Schule um die Hälfte zu reduzieren." Immerhin kannte sie nur Ed und Jaron, letzterer machte ihr einen heiden Angst. Aber sie würde es überleben. Wirklich, sie würde es überleben. Ein Jahr ohne Freunde auskommen wäre doch ein leichtes Spiel.
Ihr Blick ging zurück zum Haus. "Sicher, dass du da rein willst? Ich mein... nicht, dass dir was passiert." Es war ihr eigentlich überhaupt nicht recht, wenn er da rein ging. So ganz ohne Tür. "Wir könnten auch erst in einen Baumarkt.", sprach sie ihre Gedanken dann unbemerkt laut aus. Mehr als anbieten konnte sie ihm leider wirklich nichts.


But seriously, though. Some of you people need to go to church. I don't want you in hell with me.
zuletzt bearbeitet 23.04.2019 20:44 | nach oben springen

#490

RE: start

in One of us is lying 24.04.2019 10:50
von Lea • Member | 895 Beiträge | 55200 Punkte



Daheim - Nate


Lächelnd beobachtete er Nate, fand seine Reaktionen einfach mehr als nur toll. Es war wundervoll ihn anzusehen, wie er wohl wieder unsittliche Gedanken hatte. Oder auch nicht. Oh man, wollte er nicht einsehen, wie verdammt heiß er war? Oder konnte er es nicht?
Darüber nachzudenken war jetzt eh etwas utopisch, denn das, was er von sich gab, war wesentlich überraschender. "Halt. Du lässt mich mit zwei anderen Personen schlafen und alles was du machst, ist zuschauen?", fragte er noch mal nach, hob eine Augenbraue. Hatte er da richtig gehört? Stimmte da was nicht mit ihm? Ihn mit anderen Leuten schlafen zu lassen war ja nett, aber... nein. Irgendwie stimmte da was nicht. "Mhhh... redest du mit mir darüber, wenn du einen willst? Ich garantiere für nichts." Noch wollte er Nate nur für sich haben, ihn mit einem anderen Kerl oder Frau zu sehen war dann doch ein Gedanke, der ihm nicht wirklich behagte. Je nach den wie sich die Beziehung verhielt würde das noch anders werden, aber stand jetzt eher nicht.
Dylan sah runter zu seinem Freund, lehnte für einen kurzen Moment seine Stirn an seine, ehe er ihn liebevoll küsste. "Also...du weißt ja, dass ich nach der Schule hier weg will... von den her erst mal reisen, viel reisen. Vielleicht danach studieren oder so. Nen Haus bauen, irgendwo wo es uns gefällt und wir beide leben könnten, was für mich jetzt nicht unbedingt in Amerika wäre. Schön wäre es auch, wenn nur ein Nachname an der Klingel stehen würde... und wir Kinder adoptieren...", erzählte er und zuckte mit den Schultern, um das ganze etwas runter zu spielen. Für ihn war schon immer klar, dass er Kinder haben wollte, eine Familie. Sein eigentlicher Plan sich durchs College zu vögeln und dann sesshaft zu werden war ja nicht mehr vorhanden dank Nate. Außer sie würden sich vorher trennen und er hätte immer noch die Motivation dazu.
Seine Taktik, den Kopf auf den Schoß des anderen zu legen, trug wohl Früchte. Ein Idiot zu sein hatte wohl seine Vorteile. "Ich hasse es wenn jemand meine Haare anfasst.",flüsterte er, unternahm jedoch nichts dagegen. Vielleicht war das einfach Karma. Den Kuss erwiderte er jedoch lächelnd. "Danke." Immerhin war ihm verziehen, das war ein Vorteil.
Jetzt wäre es allerdings erst mal von Vorteil, die Differenzen beiseite zu schaffen. Wäre sicher nicht so leicht, aber niemand hatte gesagt, dass eine Beziehung leicht werden würde, oder? Stand nirgends und demnach würde es nicht so werden.
Dennoch war zumindest eine Partei froh, als sie wieder hinter vier geschlossenen Wänden stand. Und das wäre definitiv Nate. Wenigstens gab es keine weiteren Worte, man tat, was er sagte, während er das Wasser für die Nudeln aufsetzte. Die eigentliche Beilage dazu selbst zu machen war ihm jetzt zu anstrengend, aber niemand sagte, dass man alles selbst machen musste.
Das Wasser stand auf dem Herd, Dylan gesellte sich zu seinem Freund, welcher Bee auf dem Schoß hatte. Mit einer Hand strich er der Katze übers Fell, ehe er leise seufzte und sich zu Nate beugte, um ihn zu küssen. Nicht lange, aber er hoffte einfach, dass es ihn beruhigte. "Weißt du, ich will das hier mit dir wirklich. Und ich liebe dich auch nach wie vor. Aber du musst ehrlich zu mir sein, okay? Du musst alle Karten auf den Tisch legen, mir sagen wer du wirklich bist, mit allem was dazu gehört. Das, was ich dir vorhin gesagt hab, will ich immer noch. Familie gründen und alles, mit deiner Familie irgendwelche Feste feiern... aber ich schwör dir, wenn du mir irgendwann irgendwas schenkst, egal ob Geburtstag oder sonst ein Fest, du bist schneller auf dem Balkon, als du schauen kannst.", sagte er ihm leise und strich mit einer Hand durch sein flauschiges Haar. Bee wollte er nur bedingt stören.
Dylans Blick glitt wieder auf den Bildschirm des Laptops. "Wir könnten nach Budapest. Ich kann dir meine Heimat zeigen. Oder Prag. Oder wohin wo es warm ist...", schlug er dann vor und sah wieder zu ihm. "Insofern du mich zahlen lässt. Und den Anzug übernimmt mein Vater... du bist noch nicht ganz willkommen, aber je nach dem finden sie sich vielleicht mit dir ab."
Zwischenzeitlich kochte das Wasser, weshalb er aufstand, ihm noch einen Kuss auf den Kopf drückte. "Mach dir einfach nicht so viele Gedanken, das gibt Falten."


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#491

RE: start

in One of us is lying 24.04.2019 23:39
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte



LUCIEN
bei Adrian


Ein klein wenig murrt Lucien. Wenn er schon zu essen bekommt, dann hat er es gerne genießbar – aber er muss sich auf der anderen Seite wieder daran erinnern: er könnte genauso gut nichts bekommen, nichts zu essen haben.
Er sollte sich eine Scheibe von Adrian abschneiden. Der geht immer so locker und leicht durchs Leben, ihn kümmert wirklich nichts. Lucien will das auch können. Während er hier sitzt und vom einen auf den anderen Moment darauf kommt, dass er kein Abendbrot bekäme, wäre er bei sich zuhause, sich davon die Laune trüben lässt, gibt es solche Momente bei Adrian gar nicht.
Meint man zumindest. Der Deutsche ist, wie er nochmal zu erwähnen pflegt, Deutscher. Mit dem Unterschied, dass er an keinen erinnert.
Adrian hat dieses überpünktliche und korrekte Wesen nicht an sich, er ist auch nicht höflich oder zuvorkommend. Der Blonde ist rau, rar, unverbogen. Was ist Lucien?
„Je suis Français“, sagt er, rollt mit den Augen.
Er überkreuzt die Beine an den Knöcheln, hält sich eine Hand vor den Mund, weil er gähnen muss. Schlaf bekommt man in Adrian provisorischem Trailer keinen guten, die Matratze lässt zu wünschen übrig. Lucien ist seltsamerweise gleichzeitig müde und hellwach.
„Das Zitat kenne ich. Johannes der Säufer, dritte Kiste, Flasche vier in Reihe zwei. Korrigiere mich, wenn ich falsch liege.“
Der Dunkelhaarige legt den Kopf in den Nacken, guckt in den Himmel empor. Man sieht nichts davon.
Vom Grill steigt Rauch auf, dreckige Lampen lassen Licht herabfallen. Keine Sterne, die der Franzose beobachten könnte, keine Schnuppen, die zum Wünschen einladen.
„Ich vertraue niemandem, Marquardt. Keine Chance, dass du eine Ausnahme wärst.“


So I will keep you day and night, here until the day I die
I'll be living one life for the two of us
I will be the best of me, always keep you next to me

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#492

RE: start

in One of us is lying 25.04.2019 00:00
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte



ARTUR MARQUARDT
bei Eliott
erwähnt Adrian


Artur lässt sich nochmal durch den Kopf gehen, was er gerade gesagt hat.
Gibt das Sinn? Hat er die Frage verstanden? Wahrscheinlich nicht, wahrscheinlich hat er einen komplett falschen Blickwinkel, der ihm nicht erlaubt, so zu sprechen, wie Eliott es von ihm erwarten würde.
Es ist kompliziert.
Kompliziert, nicht zu wissen, was der Gegenüber von einem erwartet – und was er von einem will, was er fühlt. Artur muss auf der Hut sein, darf sich nicht benehmen, als wäre er ein liebeskranker Welpe oder so, als wolle er dem Franzosen alles recht machen. Er muss auf seinen eigenen Beinen stehen bleiben, selbst wenn es ihm schwer fällt, das Kreuz aufrecht zu halten, das Kinn gen Himmel zu richten.
Artur ist eher der, dem man die Meinung aufdrücken könne, wenn man es lange genug versucht. Der, der am Ende nachgibt und der, der auch nicht unnötig diskutieren will. Er mag es ruhig, er mag es friedlich. Artur hasst große Menschenmengen, zumindest wenn er sich direkt in ihnen befindet, und Artur hasst Lärm. Er ist nicht wie sein Bruder, der all die Sachen mag, der es anziehend findet, umringt zu sein wie eine Katze im Glashaus. Artur beneidet Adrian um diese unbeschwerte Ader.
Es gibt nichts, das ihn stört, gibt auch nichts, an dem ihm was liegt. Mag man meinen.
Eliott bringt ihn dazu, die Stirn verwirrt zu runzeln.
„Jetzt?“, hakt er dümmlich nach, zieht die Lippen kraus, weil es unerwartet kommt. Immerhin ist der Dunkelhaarige gerade erst aufgewacht und Artur hat sich neben ihm, unter ihm, hingelegt. Der Deutsche blinzelt. Da ist sie wieder. Die Seite in ihm, die sich viel zu gerne drinnen verkriecht, die nichts dagegen hätte, auf alle Ewigkeit auf diesem Platz sitzen zu bleiben, die nichts mehr erpicht als Ruhe, Ruhe, Ruhe.
Eliott will ihn von seiner Insel herunterschubsen. Metaphorisch zumindest.
Tatsächlich nämlich rappelt er sich auf, erhebt sich wie Atlantis aus dem Meer, um auf Artur hinabzusehen. Artur, der die Decke noch auf den Beinen ruhen hat, dessen Haare wirr vom Kopf abstehen und der die Welt nicht versteht.
Der Film, in dem die beiden mitspielen, dessen Drehbuch er nicht zu haben scheint, der verwirrt ihn gehörig. „Willst du nicht lieber hierbleiben?“, versucht er sein Glück, aber weiß, dass er bei dem Dunkelhaarigen auf eine Wand prallt.
Wenn Eliott nach draußen will, es sich momentan einbildet, dann tut er das. Er lässt sich nicht von Artur zurückhalten, so sehr Artur sich wünscht, dass er so viel Einfluss auf den Älteren der beiden hätte.
Langsam, schon gar wie in Zeitlupe, zieht Artur die Beine an, schiebt sie über den Rand des Sofas. Sie berühren den Boden, während er seinen Kopf in den Nacken legt, um Eliott ansehen zu können.
Eliott will nach draußen gehen. Eliott will nicht liegen bleiben. Er seufzt, dann richtet er sich auf.
Ein paar Zentimeter kleiner ist er als der Franzose. Nicht viele, noch dazu ist es auch nichts, das großartig auffällt – denn wenn beide auf ihren Füßen stehen, sieht man das nicht einmal wirklich.
Artur nickt langsam. Er hat wieder einmal verloren, er gibt auf.
„Ja“, sagt er, „ich komme mit.“ Alleine sein will er nicht. Nicht für ihn selbst und auch nicht für Eliott, den er am allerwenigsten sich selbst überlassen will.
Artur tastet nach der kühlen Hand des anderen, umfasst sie. „Ist das in Ordnung?“


So I will keep you day and night, here until the day I die
I'll be living one life for the two of us
I will be the best of me, always keep you next to me

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#493

RE: start

in One of us is lying 25.04.2019 02:33
von yulssi • Junior Member | 178 Beiträge | 8900 Punkte

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𝗘𝗟𝗜𝗢𝗧𝗧 𝗗𝗔𝗩𝗘𝗡𝗣𝗢𝗥𝗧

mit artur - talking about zeta

Er mochte Menschen. Von ihnen umzingelt zu sein, wenn er gerade mal Lust, oder auch Spaß daran hatte. Eliott mochte es nicht, unnötig oft alleine zu sein, seine viel zu vielen freien Stunden mit sich alleine verbringen und sich mit seinen Gedanken, langweiligen Sendungen im Fernseher und Unmengen an Zigaretten beschäftigen zu müssen, da es einfach nicht das war, was er sich unter einem angenehmen Leben vorstellte, auch, wenn er diese Momente teils doch gerne hatte. Mochte es jedoch nicht, irgendwie bemitleidet zu werden, wenn es dem Franzosen zeitlich gut ging, er plötzlich in der Schule, wenn nicht spontan an anderen Orten auftauchte. Mochte Fragen nicht besonders gerne und auch nicht, wenn andere Personen Dinge über ihn wussten, Dinge über ihn herausfinden wollten, von welchen er selber nicht den leisteten Funken Ahnung besaß. Stattdessen ging der Neunzehnjährige an normalen Tagen gerne nach draußen, traf sich oftmals mit irgendwelchen Kumpels, Bekannten, Familie, genoss gleichzeitig das Nachtleben wie kein Anderer, indem er sich liebend gerne von der einen bis zur anderen Party schleppte, dort eine gute Figur, sogar den stetigen Partygänger persönlich machte.
Artur mochte das nicht. Ließ sich im Idealfall von seinem älteren Freund mitschleppen, auch, wenn es Eliott manche Male so vorkam, als hätte dieser echt keine Lust darauf, tat es nur, weil er es tun musste und Spaß traf man da auch nicht gerade in gewaltigen Mengen an.… Vielleicht… vielleicht wollte Eliott das so. Vielleicht wollte er seinen Gegenüber aus sich herauskommen, mal die Seele baumeln und sich verausgaben lassen, ohne zu merken, wie es dem Deutschen dabei überhaupt ging. Das es für Artur eher Stress als alles andere darstellte. Er nicht dort sein wollte, wenn er ehrlich war. Womöglich wartete der Braunhaarige darauf, dass der Andere etwas sagte. Das sagte, was er meinte und wirklich wollte, um sich im Nachhinein wieder die besten Vorwürfe machen zu können.
"Jetzt ?" ,,Jetzt." - "Willst du nicht lieber hierbleiben ?" ,keine Antwort, ein Kopfschütteln, bei dem ein paar Strähnen ihre Position veränderten. Draußen klang gut. Draußen klang frei. Da musste man sich keinen Kopf zerbrechen und konnte nachdenken. Da konnte man die Gedanken des jeweils Anderen nicht hören, denn wenn es im Inneren leise genug war, dann konnte einem etwas herausrutschen. Eliott war sogar ein klein wenig amüsiert, konnte die Mundwinkel nicht unten behalten, als er die Handlungen des noch immer vor ihm Sitzenden, anschließend Stehenden zu sehen bekam, ehe dieser sich wie ein seufzender Rentner auf die Beine heben ließ, vor seinem größeren Mitbürger stehen blieb und die Sache als fest erklärte. Artur war einfach der beste, gar süßeste Mensch, den man sich als besten Freund nur vorstellen, an seiner Seite wünschen konnte. Wahrscheinlich war es dazu gelogen, wenn das Herz des Dunkelhaarigen bei der Umfassung seiner Hand nicht einen Aussetzer gemacht hatte, einige Male ziemlich böse vor sich hingestolpert, hin- und hergerollt war, um vor einer Klippe haltzumachen. Wie immer nicht herüberzuschauen da die Angst, plötzlich zu fallen noch größer war als die Angst, eine neue Aussicht zu bekommen.
Ob das in Ordnung war. Ja. Es war in Ordnung. Es war warm. Es war wohlig. Es war angenehm. Es war Artur und doch wieder die gleiche Klippe. Vielleicht eine Einbildung, vielleicht die Tatsache, dass Eliott es gerade brauchte, sich dazu mal wieder Situationen ausmalte, die so nie stattfinden sollten, da sie einfach nicht der heutigen Realität entsprachen. Deshalb ein ,,Klar." ,welches von einem fragenden Gesichtsausdruck begleitet wurde, dieser sich zeitgleich in knappe Verwirrung umwandelte. ,,Warum fragst du ?" Artur und er hatten schon weitaus schlimmere Dinge getan, da war Händchenhalten nichts, für das man eine 666 auf die Stirn geschrieben bekam. In Frankreich gab man sich Küsse- auch, wenn diese knapp an der Wange vorbei waren. In anderen Ländern umarmte man sich. Hier hielten Artur und Eliott eben die Hand des Gegenübers, doch bevor wieder ein Krieg der Pupillen ausarten konnte, setzte er sich in Bewegung- Richtung Ausgang, ließ die Hand für einige Sekunden los, damit er sich die schwarzen Nikes an die Füße kloppen konnte, doch umfasste diese wieder, als er damit fertig war, zog den Jüngeren hinter seiner Wenigkeit hinterher, um einen geeigneten Weg auszusuchen, der sie dort hintrug, wo auch Artur wusste, wo sie waren. Ein Umweg durch die dunkelsten Pfade, entlang der größten Bäume und lautesten Büsche klang doch ausgezeichnet. Die Hand noch immer in der Seinen, die hellen Augen auf die Gestalt neben sich gelegt und ein stilles Lächeln auf den blassen Lippen. War das Freude ? Spaß, oder irgendetwas dazwischen ? Gelassenheit ? Womöglich auch das.
,,Ich bin am überlegen, ob ich mit Zeta Schluss mache." ,kam es deshalb als plötzliche Aussage aus ihm hervor, den Blick nicht abgewandt, einen Fuß vor den Anderen gesetzt. ,,Ich meine- ein Happy End werden wir eh nie erreichen… also ?... Du hast mir nie gesagt, für was oder wen du dich eigentlich interessierst." Eliott konnte es sich zwar denken, dass der Deutsche durch ihre gemeinsamen... Abenteuer mindestens bi sein konnte, doch was noch dahinter steckte, würde er auf die Schnelle nicht erahnen. Er wurde durch den vielen Schlaf doch langsam hyperaktiv, dachte zu viel.


"𝙻𝚎𝚝'𝚜 𝚛𝚞𝚗 𝚊𝚠𝚊𝚢 𝚝𝚘𝚗𝚒𝚐𝚑𝚝"


zuletzt bearbeitet 28.04.2019 23:15 | nach oben springen

#494

RE: start

in One of us is lying 26.04.2019 12:21
von Sissi • Junior Member | 70 Beiträge | 4450 Punkte


Dylans Zuhause - Dylan

Etwas verunsichert zuckte er mit den Schultern, wobei die Verunsicherung eher von der überraschten Reaktion seines Freundes kam, als von der Frage selbst. Er hatte nicht gedacht, dass das für ihn ein Problem darstellen würde und er selbst könnte vielleicht auch damit leben. Momentan nicht, dafür war alles zu frisch und neu, aber später vielleicht - solange er dabei war und zugestimmt hatte. Alles andere wäre ja Fremdgehen. "Vielleicht, ja. Später mal", meinte er daher also und lächelte sanft, nickte dann einfach nur. "Wird gemacht." Natürlich, alles andere wäre ja sinnbefreit. Wobei er auch noch gar nicht das Bedürfnis danach hatte, so etwas auszuprobieren. Also klar wäre sowas interessant und spannend, aber Dylan selbst reizte ihn doch mehr als alles andere.
Zufrieden lächelnd erwiderte er den Kuss, schloss seine Augen und hörte einfach nur zu. Mit jedem Wort des anderen wurde sein Lächeln breiter und sein Herz schlug schneller. Was er da beschrieb klang atemberaubend schön. Und wenn er ehrlich war hätte er nicht gedacht, dass jemand in Dylans Alter schon bereit dazu war, solche Ziele zu haben. Beschweren würde er sich darüber allerdings keinesfalls. Ein wenig sprachlos öffnete er ersteinmal seine Augen, beugte sich vor und drückte dem anderen einen Kuss auf die Lippen. "Das klingt wundervoll", meinte er anschließend und sah den Größeren an. "Also...ich wäre dabei." Schief grinste er, meinte es aber ernst. Mehr hatte er nie gewollt. Wirklich nicht.
Leicht biss er sich auf die Lippe und fuhr noch einmal durch die Haare des Anderen. "Pech gehabt", hauchte er zurück und nutzte die Situation voll aus. Das hatte er verdient. Zudem fühlten sich seine Haare wirklich flauschig an, weswegen er gar nicht erst daran dachte, aufzuhören. Sonst kam er da ja kaum dran, so jedoch war er ihm ausgeliefert. Es war quasi eine einzigartige Gelegenheit. "Gerne doch", nuschelte er schließlich an seine Lippen. Er hätte ihm ja eh nicht lang böse sein können.
Und sein Freund ihm anscheinend auch nicht. Als er aus der Küche wiederkam wirkte er um einiges sanftmütiger, vielleicht auch einfach nur, weil er ihn nicht so sehen wollte. So richtig konnte er es nicht einordnen. Musste er jedoch auch gar nicht, denn der Grund für diese Wandlung war ersteinmal nebensächlich. Was zählte, war seine Nähe. Vorsichtig erwiderte er also den Kuss und hörte aufmerksam zu, nickte dann. "Ich werde ab jetzt immer ehrlich sein. Frag mich was du willst, jetzt kann ich dir schließlich auch wirkliche Antworten geben", meinte er lächelnd. Dann jedoch fragte er selbst ersteinmal: "Wieso darf ich dir nichts schenken?" Er mochte es schließlich, Dinge zu verschenken und würde sich schlecht fühlen, wenn er seinem eigenen Freund nichts besorgte. Dann müsste er zumindest wissen, wieso dem so war.
Der Gedanke daran, die Heimat seines Freundes zu sehen war wirklich schön, weswegen er zustimmend nickte. "Budapest klingt gut", meinte er ehrlich, fügte dann jedoch hinzu: "Und ich zahle." Er wollte ihm einfach nicht auf der Tasche liegen. Am Ende würde das nur so rüberkommen, als würde er ihn ausnutzen, und das wollte er wirklich nicht. "Den Anzug kann ich auch zahlen." Wenn der erste Eindruck, der er den Eltern des anderen präsentierte, war, dass er seine Finanzen nicht im Griff hatte, könnte er es wirklich einfach vergessen.
Leicht nickte er und bemühte sich um ein Lächeln, wobei das eindeutig leichter gesagt als getan war. Sich einfach keine Sorgen zu machen war sicherlich nicht sein Spezialgebiet.


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#495

RE: start

in One of us is lying 26.04.2019 15:31
von Lea • Member | 895 Beiträge | 55200 Punkte



Daheim - Nate


Vielleicht. Später. Irgendwann. Also ja. Immer noch überrascht blieb die Augenbraue erst mal gehoben. Da musste ihn doch jemand kneifen, das war doch nicht real. Immerhin würde er mit ihm bezüglich des Dreiradfahrens reden. "Na dann stimmt mit dir immerhin eine Sache.", meinte Dylan und schüttelte den Kopf. "Du bist ein wenig komisch, aber das ist okay." Würde nicht grad was an seinen Gefühlen für den anderen ändern. Vielleicht würde das irgendwann noch nützlich werden, wenn es mal so weit wäre, an zusätzliche Partner zu denken. Nur ob sie das dann wirklich noch sagen würden, wäre eine Sache, die man dann sehen würde.
Nates Lächeln wurde immer breiter, was ihn ebenfalls schmunzeln ließ. Es war einfach wundervoll ihn so lächeln zu sehen. Den Kuss erwiderte er lächelnd, lauschte den Worten. Er erklärte sich dazu bereit, all das mit ihm zu unternehmen. Kinder zu adoptieren, ihn zu heiraten. Alles. Ziemlich glücklich, was er allerdings versuchte nicht zu zeigen, drückte er den Kleineren an sich, küsste ihn aufs Haar. "Danke.",flüsterte er nur, hielt ihn einfach weiter im Arm. Schönere Worte könnte mein eigentlich nicht hören.
Auch wenn die Hand in seinen Haaren war, schloss er die Augen und seufzte leise. "Ich weiß.",flüsterte er, liess ihn einfach machen. Es war jetzt nicht unbedingt unangenehm, aber wirklich toll fand er es auch nicht. Solange es nicht täglich vor kam wäre alles okay, da müsste sich Nate wohl beherrschen. Langsam stellte er seine Füße auf die Couch, hob dann mühelos seinen Oberkörper an, um ihn sanft zu küssen. Dann ließ er sich wieder auf seinen Schoß sinken, die Augen wieder geschlossen. Hier könnte er ewig liegen bleiben.
Wie es aussah, ging sein Plan wohl auf. Sein Freund schien nicht mehr so traurig zu sein, als er ihn küsste. Vorsichtig, aber nicht mehr traurig. Auch als er redete war alles okay. Jetzt würde er ehrliche Antworten bekommen. Da würde er doch gleich mal ein paar stellen, nachdem er die seines Freundes beantwortet hatte. Wieso durfte er ihm nichts schenken? "Ich hab schon alles was ich brauche. Da ist nichts was du mir schenken könntest, was ich nicht schon hab oder nicht brauche. Bind dir am besten ne Schleife um den Hals, du bist Geschenk genug.", erklärte er ihm, als wäre es das normalste, das man alles hatte. Aber es war so. Er hatte Geld, eine Wohnung, Haustiere, Autos... einen Freund... Was wollte man(n) mehr? Aber zurück zu den Fragen: "Du könntest alle Lügen mal korrigieren. Vielleicht mir auch noch sagen, wie ich mit ganzen Namen umgehen soll, die ich mir merken muss... weil ich wohl bei Sachen, die mich begeistern, nicht die Klappe halten kann und das betrifft dich auch." Kurz überlegte er, sah dabei auf Bee, ehe er Nate wieder ansah. "Bekommst du eigentlich Ärger wegen mir? Ich mein... du bist ja aus einem Grund hier und der ist sicher nicht, hier mit mir Zukunftspläne zu schmieden oder auf der Couch zu kuscheln." Das interessierte ihn eigentlich wirklich. Würde Nate Ärger bekommen, weil er mir ihm zusammen war, obwohl er arbeiten sollte? Man brachte ja nicht ohnehin einen Polizisten zur Schule. Einen Job müsste man immer erledigen, er glaubte nicht, dass Nate freiwillig in eine High School ging, wenn er sie abgeschlossen hatte. Zumindest könnte er sich das nicht vorstellen.
Immerhin konnte er sich vorstellen, mit ihm nach Budapest zu fliegen. Wenn er zahlte. Lachend schüttelte er den Kopf. "Du darfst mal ein Abendessen zahlen, okay? Die Reise nach Budapest ist dein Weihnachtsgeschenk.", erklärte er ihm und wuschelte durch seine Haare. Er war niedlich. "Und Dad hat dafür Geld springen lassen. Erste Regel: Man widerspricht ihm nicht. Merk dir das." Niemand widersprach seinem Vater ohne ernsthafte Probleme im Nachhinein zu bekommen. Da er eh stand, konnte er ohne Probleme sein Handy raus kramen, tippte drauf Rum, ehe er Nate ansah. "Weißt du noch, als ich sagte, ich sei reich? Ich denk mal, dass du für allein den Anzug ein Monatsgehalt ausgeben würdest, also lass mich den zahlen. Oder eher Dad. Aus Gründen, die dich wahrscheinlich schocken werden.", meinte er und drehte schlussendlich den Bildschirm seines Handys so, dass er seinen Kontostand unter die Lupe nehmen konnte. Wahrscheinlich würde er sich jetzt sonst was denken, mit seinem Hintergrund. Seufzend sperrte er das Handy wieder und steckte es in seine Hosentasche. "Du nutzt mich nicht aus, falls du das denkst. Es gab genug Leute, die das versucht haben. Lass mich das einfach mal zahlen und wenn wir dann nach meinem Abschluss vielleicht zusammen reisen, darfst du auch gern was beisteuern. Wenn du willst und gespart hast. Okay? Essen ist in 7 Minuten fertig." Erneut beugte er sich runter für einen Kuss, stupste dann seine Nase gehen die seines Freundes. "Nur fürs Protokoll - es ist noch nicht alles okay." Nicht, dass Leute dachten, es wäre spurlos an ihm vorbei gegangen. Das war es nicht - im Gegenteil.
Dennoch ging er wieder in die Küche, irgendwer musste ja sorgen, dass die 7 Minuten eingehalten wurden.


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#496

RE: start

in One of us is lying 27.04.2019 10:59
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Edward
@ vor seinem Haus
mit Ophelia
texting Mik


Ich hätte ihr vielleicht sagen sollen, dass sie an der Straße parken solle, wie alle anderen auch, da diese Einfahrt, in der wir jetzt standen, zu einem ganz anderen Grund und zu einem ganz anderen Gebäude gehörte und auch nicht als Einfahrt genutzt wurde. Die Müllabfuhr und die Polizei nutzte sie manchmal. Und man brauchte sie eben, wenn man in dem Haus dahinter wohnte oder in die Garage des Nachbarhauses wollte. Aber in diese Garage wollte man normalerweise eh nicht. Jedenfalls nicht, wenn man da schon mal drin gewesen war.
Sie entschuldigte sich und ich zuckte mit den Schultern. Wobei sie sich die Entschuldigung auch sparen konnte, wenn sie eh direkt wieder anfing von Dingen zu sprechen, von denen sie absolut keine Ahnung hatte. Das machten die Leute gern. Sie redeten klug daher, wie toll das Leben doch sei und wie groß die Möglichkeiten doch wären. Hatte sie sich mal umgesehen? Ich hatte Wahnsinnsmöglichkeiten. Genau. Etwas unrealistisch, meine Liebe.
„Hör einfach auf, über Dinge zu reden, von denen du keine Ahnung hast“, sagte ich müde fuhr mir grob mit den Fingern durch die Haare. War mir völlig egal, was sie nun verstehen wollte oder nicht. Ehrlich. Wenn sie es nicht verstehen wollte. Dann eben nicht. Ehrlich. War das mein Bier? Nein. Das war nicht mein Problem. Das war ihres. Sie sollte nur nicht so reden, als sei alles so super einfach. Das war es nämlich nicht. Ich hatte nicht Mami und Papi, wohnte in einem schicken Haus und bekam alles in den Arsch geblasen. So funktionierte mein Leben nicht. So hatte mein Leben noch nie funktioniert. Und ich wollte mich auch nicht beschweren. Bis zu dem Unfall hatten mir alle Türen offen gestanden. Ich hatte hart dafür gearbeitet, aber ich war wirklich nah an meinem Ziel gewesen. Ich hatte den Erfolg schon riechen können. Das alles war in der Sekunde zerplatzt.
Wenn ich nicht so schlechte Laune gehabt hätte, hätte ich sicherlich gelacht. Mir passierte nichts, nur weil die Haustür fehlte. Wir kamen aus verschiedenen Welten und da war auch klar, wieso sie so einen Bullshit laberte mit diesen Möglichkeiten, die ich ja angeblich hätte. Blabla. Ja, wenn man Geld wie Heu hatte. Vielleicht. Ja. Hatte ich aber nicht.
Ich löste den Blick von dem Haus und sah sie an, zog einen Augenbraue hoch. Baumarkt? Wtf.
„Was zum…?! Ich kauf doch dem Vermieter keine neue Tür! Bin ich Krösus und scheiße Geld?“, kommentierte ich vielleicht ein kleines bisschen zu heftig. Aber ehrlich jetzt mal. Hatte sie mal aus dem Fenster geguckt? Man wohnte doch wohl nicht freiwillig in so einer Gegend, oder? Meinte sie ehrlich, dass ich jetzt das Geld hätte, um eine Haustür zu kaufen? Und wer sollte die dann anbauen? Wtf. „Die fehlt da nicht zum ersten Mal. Mir passiert nix.“
Dafür dass sie ja anscheinend immer ihre Hausaufgaben machte, stellte sie sich gerade nicht so klug an. Ich wäre nicht mal in der Lage so eine Tür zu tragen. Das mit er Behinderung hatte sie aber verstanden, oder?
„Möchtest du mit hoch? Dann solltest du das Auto aber an die Straße stellen, sonst ist es weg… Das hier ist eigentlich keine richtige Einfahrt und gehört auch nicht zu dem Haus, in dem ich wohne…“, erklärte ich ihr dann doch noch mit der Einfahrt. Ich hoffte ein bisschen, dass sie nicht mit hoch wollte. Ich würde ewig die Treppe hoch brauchen. Ehrlich gesagt wusste ich gerade gar nicht, wie ich die überhaupt allein hoch kommen sollte und spielte mit dem Gedanken Mik so lange mit dem Handy zu terrorisieren bis er mir helfen kam. Ich wollte nicht zu meiner Tante. Ich wollte einfach nur nach Hause. In diese blöde Wohnung, die ja ausgerechnet im ersten Stock sein sollte.
Ich zog mein Handy aus der Tasche, öffnete den Chat mit Mik und tippte: ~ Ey, hab *Feuer-Emojy* News! Und brauch Hilfe mit der Treppe *Heulender-Emojy* ~


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#497

RE: start

in One of us is lying 27.04.2019 13:08
von Zonya • Junior Member | 510 Beiträge | 36900 Punkte



A D R I A N • M A R Q U A R D T

Trailerpark ; Lucien


Von Johannes dem Säufer war im Religionsunternicht nie die Rede, auch wenn Adrian das sicherlich lustig gefunden hätte. Mit einem Säufer kann er definitiv mehr anfangen, als mit einem Täufer.
"Wilhem Busch" sagt er und zuckt mit den Schultern. Die unwichtigen Dinge im Leben merkt man sich immer am besten. Klatsch- und Tratschgeschichten kann Adrian noch Wochen später widergeben, nicht jedoch wichtige Wirtschafts- oder Politiknachrichten. Die hat er nur Minuten später wieder vergessen. Vielleicht liegt es auch daran, dass er sich keinen Reim aus solchen Nachrichten machen kann, denn Vorgeschichten oder Grundwissen, diese Themen betreffend, sind oft überschaubar und nur Lückenhaft vorhanden. Adrian hat schlichtweg keine Ahnung was wichtiges in der Welt vor sich geht, zeigt auch nicht das nötige Interesse, um daran etwas zu ändern. Gesellschaftswissenschaften fand er schon immer langweilig.
Unnützes Wissen hingegen ist im übermaße vorhanden.
So weiß der Junge zum Beispiel, dass die Fläche eines durchschnittlichen Toilettenpapier-Streifens in Deutschland genau 13 cm x 9,9 cm beträgt.
Er weiß, dass Grillen in Südostasien, Serbien, Kroatien und Mexiko reine Frauensache ist. Sicherlich wäre es besser, würde auch in diesem Fall eine Frau am Grill stehen. Da verirrt Adrian sich das ganze Jahr bestenfalls zum Bierholen in die Küche, doch wenn es ums Grillen geht, da packt ihn der Rappel.
Können tut er es trotztdem nicht und damit nicht auch noch das Steak schwarz wird, packt er das Fleisch vom Grill.
"bon appétit" packt er schmunzelnd seinen gesamten Französisch Wortschatz aus und stellt den Teller mit dem Fleisch auf dem Tisch.
Beim niederlassen auf seinen rostigen Campingstuhl pfeift er fröhlich vor sich hin, grinsend dreht er den Kopf zu Lucien, "kluge Entscheidung, de Clermont"


ᴡᴇ ᴀʀᴇ ʟɪᴀʀs, ᴡᴇ ᴀʀᴇ ʙᴇᴀᴜᴛɪғᴜʟ ᴀɴᴅ ᴘʀɪᴠɪʟᴇɢᴇᴅ, ᴡᴇ ᴀʀᴇ ᴄʀᴀᴄᴋᴇᴅ ᴀɴᴅ ʙʀᴏᴋᴇɴ. ᴀ ᴛᴀʟᴇ ᴏғ ʟᴏᴠᴇ ᴀɴᴅ ʀᴏᴍᴀɴᴄᴇ, ᴀ ᴛᴀʟᴇ ᴏғ ᴛʀᴀɢᴇᴅʏ.
ᴡʜɪᴄʜ ᴀʀᴇ ʟɪᴇs? ᴡʜɪᴄʜ ɪs ᴛʀᴜᴛʜ. ʏᴏᴜ ᴅᴇᴄɪᴅᴇ


zuletzt bearbeitet 27.04.2019 13:09 | nach oben springen

#498

RE: start

in One of us is lying 27.04.2019 17:28
von Lea • Member | 895 Beiträge | 55200 Punkte



Vor Edwards Wohnung - Edward



"Wenn du mir sagst, dass du nicht wieder depressiv werden willst, aber nicht deine Möglichkeiten in Betracht ziehst...", begann sie und zuckte schlussendlich mit den Schultern, da ihr die Worte fehlten. "Du solltest dich mehr auf die positiven Dinge im Leben konzentrieren, nicht alles so negativ sehen. Du hast ein Dach überm Kopf, kannst laufen, schreiben, hast Essen und kannst zur Schule gehen. Im Gegensatz zu anderen Ländern geht es dir sehr gut. Es gibt an jedem Tag etwas Gutes, wenn man es nur sehen will. Mein Tag heute war beispielsweise echt scheisse, weil ich erst seit zwei Tagen an dieser Schule bin und schon gemobbt werde. Tiefpunkt war mit Essen beworfen werden... mein größter positiver Aspekt heute war die Tatsache, dass ich meinen Halbbruder gefunden hab, den ich mag." Vorsichtig legte sie ihre Hand auf seine und drückte diese kurz. Ja, sie mochte Ed wirklich, er war ein toller Bruder. Bisher. Behindert und Pessimistisch, aber toll. "Ich mein, du kannst dich auch von allem unterkriegen lassen, nur das schlechte sehen, aber das macht dich auf Dauer nie glücklich. Und du hast es verdient glücklich zu sein." Wahrscheinlich würde Ophelia jetzt wieder eine Standpauke zum Thema Klappe halten hören, aber das war ihr irgendwie egal. Sie wollte ihn einfach aus dem Pessimismus raus holen. Hatte doch eh keinen Zweck. Allerdings hatte Optimismus auch keinen Sinn, immerhin kam man aus dem Leben nicht lebend raus. Nur ging es einem damit besser, wenn man eine gute Sache dachte, die man am Tag erlebt hatte. Und wenn es die Tatsache war, dass das Frühstück lecker schmeckte. "Ich kann dich nicht bitten, es mal mit Optimismus zu versuchen, oder?", fragte sie schlussendlich nach, seufzte leise. Sie machte sich sorgen um ihn, obwohl sie ihn wie lang kannte? Maximal ne Stunde?
Kurz zuckte sie bei seiner Argumentation zusammen. "Wenn man es bei der Hausverwaltung oder dem Vermieter angibt, bekommt man das Geld zurück. Gilt auch für Wasserschäden." Zumindest war das der Fall bei einer Tante gewesen, deren Mieterin einen Wasserschaden hatte. Und das erst spät bekannt gegeben hatte und jetzt noch Geld bekam, aber das war eh alles komplizierter. Zumal Edward nicht so aussah, als würde er da jetzt noch lange diskutieren oder so. Dennoch könnte man ihn ja mal aufklären. "Ich hab trotzdem Angst um dich.", gab sie dann leise zu. War das zu viel? Aber immerhin war sie ein zartes Mädchen in einer nicht sehr einladenden Gegend. Und ihr Bruder war ein Kerl... mit Stock.
Bei seiner Frage überlegte sie einen Moment. "Wenn du willst, dass ich mit hoch komm, mach ich das. Ansonsten lass ich dich in Frieden. Du hast wahrscheinlich eh die Schnauze voll von mir.", meinte sie leise und legte ihre Arme auf das Lenkrad, das Kinn dann drauf. Ihr Blick ging über das Haus bis hin zur Nachbarschaft und wieder zurück. Alles, was sie durch die Frontscheibe sehen konnte wurde beobachtet. Hier würde sie definitiv kein Kind groß ziehen wollen.


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#499

RE: start

in One of us is lying 28.04.2019 12:23
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Edward Düster
@ home
with Ophelia


Trotzdem sollte sie nicht über Dinge reden, von denen sie keine Ahnung hatte. Ganz Unrecht hatte sie allerdings nicht. Vielleicht sollte ich mich auf die positiven Dinge konzentrieren. Das war nur nicht immer so einfach. Ich war auch einfach nicht gut darin. Es war aber auch viel leichter, sich auf die schlechten Dinge zu besinnen. Auch jetzt hätte ich ihr sogar widersprochen. Ich konnte nur gehen, schreiben nur manchmal, wenn ich gute Tage hatte und meine Finger mitmachten und das alles nur, weil ich hart daran arbeitete. Jeden verfluchten Tag. Das klappte nicht von allein. Aber zum Widersprechen kam ich gar nicht erst.
„Welcher widerliche Affe hat dich mit Essen beworfen?!“, harkte ich nach. Sie musste den Typen nicht mit Namen kennen. Eine grobe Beschreibung würde schon genügen. Der Schuldige würde sich dann schon finden lassen. „Der hat das das erste und letzte Mal gemacht!“
Da konnten wir uns alle sicher sein. Spätestens wenn derjenige meinen Stock in der Fresse hatte. Ich war ja auch nicht immer wirklich nett, aber man bewarf ja wohl keine anderen Leute mit Essen. So etwas war ja wohl… Also ehrlich.
„Du zeigst mir den Typen.“ Ich sah sie an. Ich glaubte nicht, dass er sich vorgestellt hatte, bevor er sie mit Lebensmitteln beworfen hatte. Und es wäre wohl am leichtesten, wenn sie ihn mir einfach zeigen würde. Und da würde ich auch keine Widerworte gelten lassen.
Ich kann dich nicht bitten, es mal mit Optimismus zu versuchen, oder?
„Das ist nichts für mich“, meinte ich. „Du hättest William lieber gemocht…“
Mein Blick ging wieder zu dem Maroden Gebäude herüber, in welchem ich wohnte. Die Vermieter hier in der Gegend hatten genauso wenig Geld wie die Mieter. Vielleicht würden wir irgendwann das Geld wieder bekommen. Aber wir müssten das Geld vorschießen und das konnten wir nicht. Das war eben nicht drin.
„Ich kann mir keine Haustür leisten, du? Geschweige denn tragen, oder aufbauen. Wie gesagt, die fehlt nicht zum ersten Mal“, meinte ich und hoffte, dass das Thema damit gegessen wäre. So tragisch war das nun wirklich nicht. Es war nicht so schön. Es unterstrich ein wenig mehr, diese Gegend hier. Der Kontrast zu dem Haus, in welchem sie wohnte war umso größer. Aber ob die Tür nun da war oder nicht, war echt egal.
Ich sah wieder zu ihr und zog eine Augenbraue hoch. Angst?
„Unkraut vergeht nicht“, meinte ich stur und seufzte. „Ich wohn´ seit 19 Jahren hier und das hier-“ ich deutete an mir herunter und damit auf mich und irgendwie alles an mir, „- war nicht die Gegend sondern ein Reitunfall. Schon blöd wenn das Pferd auf deinem Gesicht aufsteht. Komm park den Wagen um, dann zeig ich dir, dass die Wohnungstür funktioniert.“ Wenn ich nach hundert Jahren die Treppe hochgekommen bin. Aber das verschwieg ich jetzt mal gekonnt.


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#500

RE: start

in One of us is lying 28.04.2019 14:59
von Lea • Member | 895 Beiträge | 55200 Punkte



@ Edwards – Ed

Hatte sie diesen Kampf bezüglich des Optimismus jetzt gewonnen oder hatte er lediglich keine Lust mehr, großartig mit ihr zu diskutieren? So genau wusste sie es nicht, sie hoffte natürlich ersteres, hatte aber eher das Gefühl, es wäre letzteres. Sozial gesehen war sie ein wenig inkompetent, aber das war ja auch nichts Neues mehr. Zumindest nicht für sie, aber für wahrscheinlich alle anderen in ihrem Umfeld, die sie gerade erst kennen lernen durfte. Somit wunderte es sie auch irgendwie ein wenig, als er gar nicht drauf einging, sondern auf die schlechten Erlebnisse ihres Tages. Das war wohl das, wenn man einen geistig gesunden, großen Halbbruder hatte. Da würde wohl niemand viel zu lachen haben mit den beiden. Dem Besserwisser und dem Pessimisten mit Stock. „Ist schon okay. Ich bin das gewohnt…“ Sagte sie das gerade wirklich? Es war ja traurig, dass diese Aussage noch der Wahrheit entsprach und sie wirklich gewohnt war, solche Attacken über sich ergehen zu lassen. „Gut, mein Shirt ist hinüber und ich hab sicherheitshalber ne Allergietablette geschluckt, weil es Tomatensoße war, aber ich lebe noch.“ Das mit dem Epipen hätte ja auch nicht geklappt oder nur geholfen, wenn sie größere Mengen davon abbekommen hätte. Nur hatte sie nicht viel oder wahrscheinlich auch gar nichts davon geschluckt. Nur sicher war sicher.
Sie hätte William lieber gemocht. Wer zum Teufel war William. Aber sie fragte lieber nicht, wahrscheinlich würde sie nur noch tiefer in irgendwelche Sachen gelangen, bei denen sie komplett verscheißen konnte. Also zuckte sie mit den Schultern. „Vielleicht.“, gab Ophelia zu. „Aber ich mag Herausforderungen und mit viel Glück probiert Edward ja auch mal ein wenig Positiver zu sein.“ Ein wenig schaden würde es nichts und wenn es ihm nichts brachte, konnte er immer noch Pessimist sein und alles, wirklich alles, scheiße finden. Dazu würde sie nichts sagen.
„Wenn ich das Geld nehme was fürs College bestimmt war, dann ja. Ja, könnte ich.“, murmelte sie, auch wenn sie wusste, dass Ed das sicher nicht so super finden würde. College kostete Geld und wenn seine Tante das nicht zahlen würde, blieben nur seine Noten. Um die er sich wenig kümmerte wie vorherige Diskussionen bewiesen hatten.
Unkraut verging nicht. „Löwenzahn ist auch nur Unkraut und manche Leute finden es wertvoll.“ Gegenargumente finden oder allgemein widersprechen war ihre Stärke. Merkte Ed sicher auch. Dennoch hörte sie zu, parkte dann ausnahmsweise ohne Widerspruch den Wagen vor dem Haus. „Midnight hat mich mal in einem Sprung abgesetzt während er sprang. Er kam falsch auf und überschlug sich, ich landete unter ihm. Nur wie es aussah hatte ich mehr Glück als du.“ Fünf gebrochene Rippen, gebrochenes Schlüsselbein und ausgekugelte Schulter, plus halb ausgerenkter Wirbel. Alles repariert, sie konnte laufen und war glücklich. Nicht mal ihrem Pferd ist was passiert, außer einige Schrammen und dem lahm gehen. Neben der Tatsache, dass er jetzt nicht mehr lebte. „Aber dann zeig mir mal, das die andere Türe wenigstens funktioniert.“


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