#501

RE: start

in One of us is lying 28.04.2019 15:48
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Edward Düster
@ home
with Ophelia


Ist schon okay?!
„Das ist nicht okay und du zeigst mir den Typen, basta!“, stellte ich bestimmend fest. Das Mobbing würde auch noch aufhören. Wenn sie auf mir rumhackten – damit konnte ich umgehen. Ich war im Grunde auch irgendwie ein Freak. Ich hatte damit kein Problem und fühlte mich nicht einmal wirklich gemobbt. Außerdem wusste ich, dass ich in der Lage war, mich zur Wehr zu setzen. Mich würde niemand mit Essen bewerfen oder Kopfüber in eine Toilette oder einen Mülleimer stecken. Dazu terrorisierte ich selbst auch viel zu sehr. Ich war nicht unbedingt wirklich nett zu anderen. Ich konnte nett sein. Ich war ja jetzt nicht wirklich böse zu meiner Halbschwester gewesen bisher. Ich konnte freundlich sein. Aber ich war eben der Meinung: wer austeilte, der musste auch einstecken können. Austeilen tat ich nun mal. Zu Samuel Jones war ich auch nicht wirklich nett. Eher gemein. Aber dieser Typ war auch was anderes. Wenn ich nett zu ihm wäre, würde ich mir nicht nur die Finger an ihm verbrennen. Dann würde ich vermutlich wie Ikarus der Sonne zu nah kommen und verbrennen. Gut; Ikarus ist verbrannt, er ist abgestürzt und dann ertrunken oder durch den Aufprall auf das Meer gestorben. Aber das kommt ja eigentlich auf das Gleiche hinaus. Das würde jedenfalls nicht gut für mich ausgehen. Also war ich nicht nett. Dann fand er mich scheiße und alles war super.
„Mit ganz viel Glück, wenn Geburtstag, Ostern, Weihnachten und Thanksgiving aufeinander fallen“, meinte ich noch und ließ die weiteren Aussagen so stehen. Hier würde niemand sein Collage-Geld anrühren für eine Haustür, die irgendwann eh wieder weg wäre. Sie parkte das Auto fix um, und erzählte von einem Unfall, den sie mit ihrem Pferd hatte. Ja, manchmal hatte man einfach Pech. Wobei man ja meistens wirklich Glück hatte. Ich war nicht nur einmal vom Pferd gefallen. Und ich hatte meistens wirklich Glück gehabt. Dieser Tag lief halt einfach nicht. Wir beide stiegen aus dem Wagen aus und näherten uns dem Haus.
„Bei uns war’s ähnlich. Ich erinner´ mich nicht mehr dran – hab´ aber alles auf Video… Hatten Springstunde und die lief einfach nicht. Wir haben uns bei der einen Distanz total verschätzt. Statt zu verweigern ist er trotzdem gesprungen, hat eine Stange blöd zwischen die Beine bekommen, wir sind beide mehr oder minder in den nächsten Sprung gekracht, ich hatte mir dabei schon zwei Halswirbel gebrochen; ihm ist Gott sei Dank nichts passiert, er wollte aufstehen und ist mir dabei ins Gesicht getreten. Das Video sieht echt übel aus… Die dachten alle ich wäre tot.“
Wir traten in den Hausflur ich drückte auf den Lichtschalter, sodass das Licht im Treppenhaus erst zu Flackern begann, ehe es dann fahl brannte. Die Luft war feucht, roch etwas modrig, an manchen Stellen blätterte ein wenig Farbe von der Wand ab.
„Edward ist mein Zweitname. Bis zu dem Tag war ich William. Aber William lebt nicht mehr – ich lag ein paar Wochen im Koma und mein ganzes Leben sieht jetzt anders aus. Ich bin das einfach nicht mehr…“
Keine Ahnung, wieso ich ihr das jetzt eigentlich alles erzählte. Ich blieb vor der Treppe stehen und blickte hinauf. Ein Schritt nach dem anderen…? Die linke Hand legte ich an das Geländer und dann musste ich mich darauf konzentrieren, ohne hinzufallen, die Treppe hinauf zu kommen. Das war leichter gesagt als getan. Nach drei Stufen ging mir eigentlich schon die Puste aus. Wunderbar. Stufe vier. Ich stieß mit der linken Fußspitze zwei Mal gegen die Stufen kannte, ehe ich den Fuß auf die Stufe gestellt bekam. Ich musste ne Pause machen. Sonst würde es gleich die vier Stufen rückwärts wieder runter gehen.


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#502

RE: start

in One of us is lying 28.04.2019 16:31
von Lea • Member | 881 Beiträge | 54500 Punkte



@ Edwards – Ed

Ophelia zuckte zusammen. So bestimmt hätte sie seine Reaktion nicht erwartet, wenn sie ehrlich war. Wirklich, sie hätte nicht gedacht, dass er so klar und deutlich seine Meinung sagen könnte. Wobei, doch. Nur vergaß sie diese Tatsache einfach viel zu gerne, wenn sie ehrlich war. Irgendwie freute es sie, dass er sich auch Gedanken um sie machte, vielleicht auch gezwungenermaßen, aber es war doch nett, dass sie so jemand bei sich hatte. „Vorhin wolltest du noch den Kontakt abbrechen.“, sagte sie dennoch, weil es einfach ihre Art war, sowas außer Acht zu lassen. „Aber es ist okay, wirklich. Ich schaff das schon alleine.“ Natürlich würde sie das. Irgendwie. Immerhin konnte sie schneller wegrennen als Edward, eigentlich auch dem Kerl schneller hinterher rennen und ihn verprügeln – wäre sie nicht von allen und jeden eingeschüchtert. Was er vielleicht noch irgendwann merken würde, spätestens wenn sie vielleicht, irgendwie, Freunde von ihm kennen lernen würde. Und dann würde sie wohl auch eher fliehen.
„Darf ich dich unter Drogen setzen und dir das einreden?“, fragte sie ihn mit einem frechen Lächeln auf den Lippen. Sie würde das machen, wirklich. Nur um ihn zu ärgern. Gut, sie würde es nicht machen. Wo zum Teufel sollte sie bitte Drogen her bekommen? Sowas würde sie nicht mal freiwillig anfassen.
Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass der Wagen auch wirklich zu war – das Schloss wollte ab und an nicht so – lief sie neben Ed her und hörte ihm zu. Springstunde, die nicht gut lief. Ihre nicht gut laufenden Springstunden hatten eher so geendet, dass sie nicht mal in die Nähe eines Sprunges kam, ohne vorher mehrfach den Boden zu küssen. „Vielseitigkeitsturnier. Letzte Prüfung, war ein Sprung der Berg ab ging. Er blieb stehen, ist dann doch gesprungen und ich bin runter, er dann auf mich. Hab das nicht auf Video, erinner mich aber noch daran. Ich war noch nie so froh über mein Helm und die aufblasbare Weste.“, erzählte sie leise und besann sich darauf, nicht zu schnell zu laufen. Immerhin war einer von beiden nicht sehr flott unterwegs.
„Beides schöne Namen.“, sagte Ophelia dann und sah zu ihm. Treppen laufen würde ja mal gut gehen. Also lief sie immer eine Stufe mehr als er, damit sie ihn zur Not halten konnte. Bei Stufe vier, beziehungsweise fünf, blieb sie stehen. „Schau – positiv. Du bist erst nach vier Stufen außer Atem. Vielleicht sind es nächste Woche ja fünf.“


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#503

RE: start

in One of us is lying 28.04.2019 17:27
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Edward Düster
@ home
with Ophelia


Vorhin wolltest du noch den Kontakt abbrechen.
„Jaja“, winkte direkt ab. Sie versuchte auch noch einmal, mir zu erklären, dass es wirklich okay sei. Nein, es war nicht okay. Ich hatte heute nicht mitbekommen, dass sich eine Rothaarige gegen jemanden gewehrt hatte, der sie mit Essen beworfen hatte. Also würde ich das für sie nachholen und basta. „Ich find auch ohne dich raus, wer dich beworfen hat.“
Wollte ich ja nur mal anmerken. Es wäre einfacher, wenn sie einfach mit der Sprache herausrücken würde. Wenn jemand Mik mit Essen bewerfen würde, hätte derjenige auch schneller einen Stock zwischen den Beinen als er gucken konnte. Gleiches würde ich für das rothaarige Teufelchen hier tun. Auch wenn ich sie noch nicht so lang kannte. Blut war dicker als Wasser. Das war nun mal so.
„Du kannst es ja versuchen“, schlug ich vor, als sie fragte, ob sie mich unter Drogen setzen durfte. Die meiste Zeit des Tages stand ich eh mehr oder minder unter Drogen. Kam vielleicht drauf an, wie man Drogen definierte. Aber so abwegig war das gar nicht. Wenn ich sie mit Mik bekannt machte, könnte der ihr sogar bei der Beschaffung helfen. Vielleicht sollte ich die beiden doch nicht miteinander bekannt machen.
„Bei solchen Stürzen ist das Goldwert“, meinte ich und nickte. Die Vielseitigkeit war ja auch schon um einiges sicherer geworden. Ich versuchte nicht weiter darüber nachzudenken, diese Gedanken bei Seite zu schieben, wieder zu verschließen und sie gerade jetzt nicht heraus zu holen. Aber dann hatte sie ja auch schon Ablenkung parat: Positivität.
„Ich komm… die… verkackte… Treppe… auch… im Ganzen… hoch!“, keuchte ich sauer, krallte mich ins Geländer und versuchte mich verzweifelt an der fünften Stufte fiel dabei jedoch fast hin. Das war zum Verrück werden. Sie hatte einfach keine Ahnung, wie das war. Ich konnte da jetzt in diesem Moment nichts positives drin sehen und wenn sie das noch mal sagen würde, würde ich durchdrehen. Es war ja nicht so, dass ich nicht wusste, wie man Treppen stieg. Ich wusste, wie das ging. Und es war auch nicht so, dass nur meine Kondition daran Schuld war. Ich bekam die Füße nicht sortiert. Und beim Gehen auf geradem Boden war das nicht ganz so tragisch, wenn ich da stolperte und viel, schlug ich mir vielleicht das Knie auf. Wenn ich die Treppe runter fiel, sah das schon anders aus.
„Komm mir bitte wann anders… mit positiv Denken“, murrte ich.
Nach einer gewissen Pause, schaffte ich mit Mühen noch zwei Stufen und legte wieder eine Pause ein. So quälte ich mich die Treppe hinauf und es dauerte. Es dauerte wirklich. Ein paar mal schwankte ich gefährlich und einmal dachte ich schon fast, ich würde hinten über die Treppe runter fallen. Aber das passierte zum Glück nicht. Wenn ich ehrlich war hätte ich auch mehr Pausen gemacht, wenn Ophelia nicht dabei gewesen wäre. Oben angekommen stand mir Schweiß auf der Stirn, mir war schlecht ohne Ende und ich war nur froh endlich oben zu sein. Ich wühlte den Wohnungsschlüssel hervor. Schloss die rote metallene Tür mit dem Spion auf und wir traten beide in den Flur. Die Wohnung war hell und gemütlich eingerichtet. Die Möbel waren nicht super modern oder neu. Aber es war sauber und ordentlich. Ich wurde den Rucksack los und stürmte für meine Verhältnisse geradeaus durch ins Bad, um mich zu Übergeben. Ich hatte es mit der Treppe doch zu sehr übertrieben. Ich wusch mich hinterher, ehe ich wieder zurück zu meiner rothaarigen Halbschwester trat. Ich hatte mit Absicht nicht in den Spiegel gesehen. Vermutlich sah ich völlig fertig aus. Heute war halt einfach scheiße.
„Sieht du, die Tür funktioniert“, meinte ich und deutete auf die Wohnungstür.


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#504

RE: start

in One of us is lying 29.04.2019 00:58
von Lea • Member | 881 Beiträge | 54500 Punkte




@ Edwards – Ed



Jaja. Er würde das also wohl nicht so schnell nochmal sagen. Welch ein Glück! Ed würde nichts sagen, nicht den Kontakt abbrechen, den sie gerade erst aufgenommen hatten. Was anderes würde er allerdings nicht abbrechen - Rache an den Kerl von heute Mittag. "Erfahrungsgemäß machst du es damit nur schlimmer." Immerhin konnte er nicht 24/7 auf sie aufpassen und das war das Problem. Irgendwann würde alles noch mehr auf sie zurück kommen. Es war nicht sein Ding, sondern ihres. Sie musste das selbst herausfinden und meistern.
Sie könnte es ja versuchen. Kurz lachte Ophelia auf. "Klar. Weil ich auch weiß woher ich Drogen bekomme." Gut, sie müsste einfach nur in seiner Nachbarschaft klingeln. Die Chance, dass hier einer was nahm, war dann doch höher als man denken konnte. Und wenn nicht wüsste man wer. So einfach wäre das. Oder man raubte sie aus und hielt ihr eine Knarre an den Kopf. Beides Möglichkeiten die in einem realistischen Rahmen lagen, so böse es sich anhörte.
"Hab mir dennoch Schlüsselbein und fünf Rippen gebrochen. Und nen Wirbel fast raus geschoben." Dennoch mehr Glück als Ed gehabt hatte. Die Sache mit der Schulter war was anderes und kam ja nicht direkt von dem Überschlag sondern eher von ihrem sehr intelligenten Aufprall, bei dem die Weste nicht viel hätte verhindern können. Ganz rutschsicher waren sie auch nicht, leider. "Zwei Jahre später hatten wir in der gleichen Prüfung Gold. War schon nen gutes Gefühl." Als wäre all das andere es wert gewesen. Und es war das letzte Turnier von Ophelia und Midnight gewesen. Keine zwei Monate später hieß es Abschied nehmen.
Dass er die Treppe auch in einem mal schaffte ließ sie so stehen. Sollte er sich seinen Atem lieber sparen für den Weg anstatt mit ihr zu diskutieren, auch wenn es sie in den Fingern juckte. Stattdessen machte sie Platz für seine Füße, als er die nächste Stufe in Angriff nahm. Und das ging so weiter, immer in Bereitschaft ihn zu schnappen, falls er doch das Gleichgewicht verlieren würde. Viel mehr könnte sie auch nicht tun, ansonsten würde er das ja hoffentlich sagen. Es war schließlich egal wie lange die beiden brauchten, Hauptsache, es würde nicht morgen früh um sechs sein. Aber sie schafften es noch heute zur Tür, wo sie geduldig wartete, bis diese auf ging und sie in die Wohnung treten konnten. Drinnen war es gemütlich, man konnte direkt die Gegend draußen vergessen.
Ed verschwand allerdings auch im Bad und als sie die Würgegeräusche hörte, wusste sie warum. Es tat ihr extrem leid für ihn, aber viel machen konnte sie nicht. Wollte er sicher auch nicht.
Schlussendlich trat er wieder zu ihr in den Flur. Ja, die Türe funktionierte. Das beruhigte sie dann doch wirklich. Allerdings sagte sie nichts, trat lediglich auf ihn zu und viel ihm in die nicht ausgebreiteten Arme. Vielleicht keine so brilliante Idee jemand mit Stock doch so stürmisch zu umarmen, aber sie wollte das jetzt einfach. Deshalb tat sie das auch, ohne großen Sinn dahinter. "Ich bin froh, dass ich dich hab.",flüsterte sie ihm zu, dachte aber gar nicht dran, die Umarmung aufzulösen. Nein, das würde in den nächsten 10 Sekunden auch nicht großartig anders werden.


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zuletzt bearbeitet 29.04.2019 00:59 | nach oben springen

#505

RE: start

in One of us is lying 29.04.2019 20:52
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte



Artur
draußen ; Eliott


Jetzt, sagt er, jetzt musst du aufstehen, Artur.
Artur tut es, er hat es schon getan, und jetzt steht er Eliott gegenüber und hält dessen Hand in seiner. Eine ist warm, die andere ist es nicht. Hier trifft kein Feuer auf Eis, aber Kühle auf Wärme. Das ist genauso, nur nicht extrem. Das sind keine Unterschiede wie Tag und Nacht, sondern Temperaturen, die etwas gemeinsam haben, aber sich in ihrer Struktur auch wieder unterscheiden.
So wie Eliott und Artur, denkt er sich kurz, dann schüttelt er den Gedanken wieder ab.
Der Deutsche zuckt mit den Schultern, „weiß nicht.“ Er murmelt, es ist ihm peinlich, dass er zu seiner Tat Worte lassen musste.
Hätte er nichts gesagt, dann hätte Eliott sich wohl auch nichts dabei gedacht. Oder?
Es ist schwer, sagt er sich selbst, um die eigenen Gedanken rechtfertigen zu können. Eliott weiß doch nichts, während Artur regelrecht explodiert.
Würden Gefühle an der Oberfläche sichtbar sein, dann brenne er auf der einen und erfriere auf der anderen Seite. Artur würde gleichzeitig schwitzen und frieren, so als hätte er sich erkältet, und er wüsste nicht mehr, wer er ist. Das wäre wenn, aber es ist nicht so.
Artur ist an der Oberfläche ruhig. Er zieht das Handy aus der Hosentasche und lässt es noch auf die Couch fallen, noch gar nicht wissend dass es gut ist, wenn er es nicht mitnimmt, und dann lässt er sich von Eliott mitführen, wie auch seine Gefühle ihn immer wieder leiten.
Artur würde ihm blind folgen und genau das tut er, wobei seine Augen doch offen sind.
Seine Jacke hängt an der Garderobe und er zieht sie über das dünne T-Shirt, schlüpft in die Schuhe, die einmal teuer waren und jetzt nur noch getragen aussehen, während sich seine Augen am liebsten verschließen würden.
Nicht vor Eliott, aber vor den Wahrheiten. Der Blonde schüttelt den Kopf, spürt lieber das warme Innenfutter seiner Jacke auf der nackten Haut und nimmt dann auch Eliotts Jacke vom Jacken, um sie ihm über die Schultern zu legen. Nicht, dass er sie vergisst. Es ist kalt draußen, selbst, wenn es nicht mehr regnet. Artur will ihn nicht mit T-Shirt und ohne Jacke herumlaufen lassen, er will nicht, dass er sich erkältet.
Eliott nimmt seine Hand wieder, er macht das viel selbstverständlicher als der Deutsche es getan hat und er fragt auch nicht nach, ob er das denn darf. Ob es ok ist. Eliott müsste auch nicht fragen – diese Nähe ist alles, nach dem Artur sich gerade sehnt, alles, das er gerade spüren will.
Ihrer beiden Schritte hallen laut im Treppenhaus, das Licht geht auf Bewegungssensor automatisch an – Dinge, die Artur so schon kennt. Ungewohnt ist nur, dass der Griff der Haustür kalt ist, und dass die Luft draußen humid riecht. Die letzten Tage über war es trocken und angenehm sonnig, den Tau am Morgen und am Abend hat Artur nicht mitbekommen.
Sein Auto glänzt im Licht der Straßenlaterne, er wirft einen Blick darauf, als die beiden vorbeigehen.
An den Händen halten sie sich, als wäre es etwas ganz alltägliches: als würden Männer in den Staaten hierfür nicht noch immer schief angesehen werden, ganz so, als wäre nicht einer davon in einer Beziehung zu jemand ganz anderem.
Artur geht nah an Eliott. Falls ihnen jemand entgegen kommt, was bei Uhrzeit und Wetter ungewöhnlich wäre, kaschiert er die Hände der beiden. Er will das alles für sich behalten: sein kleines süßes Geheimnis, etwas, das er mit niemandem teilen will.
Der Boden raschelt unter seinen Jordans, aber das ist nichts zu dem Knacks, den es in seinem Kopf macht, als Eliott den magischen Satz ausspricht. Artur bemüht sich, dass er nicht allzu irritiert aussieht: er behält den Blick weiter nach vorne gerichtet, er hustet nicht, verschluckt sich nicht. Das einzige das er tut, was eine Gefühlsregung seinerseits zeigt, ist dass er Eliotts Hand kurz drückt.
„Happy End, huh?“, hakt er nach. Artur dachte, happily forever after sind nur Zeilen, von denen er träumt, nichts, das Eliott erpicht. Er kennt ihn schlecht, mag man meinen, oder vielleicht kennt er ihn auch gut und will nur verhindern, dass er sich Hoffnungen macht, das hier könnte gut werden.
Immerhin hat er gerade gesagt, er will mit Zeta Schlussmachen. Er will die Hexe in den Wind schießen, denkt Artur sich innerlich, und dann hebt er endlich den Blick um Eliott anzusehen.
Ein leichtes Lächeln umspielt seine Mundwinkel, viel sieht er vom Gesicht seines Gegenübers nicht. Die beiden wandern durch verborgene Pfade, irgendwohin, worüber der Blonde gerade keinerlei Orientierung besitzt. „… ich?“, presst er hervor, sein Herz bleibt ihm fast stehen.
Vergessen, dass er sagen wollte, dass er Zeta ohnehin nicht leiden konnte, dass er die Entscheidung gut fände: zweitrangig ist das alles. Er atmet ein, er weiß nicht so ganz, ob er etwas sagen soll.
Ob ist die falsche Frage. Artur muss etwas sagen, er weiß nur nicht, was.
Mit der freien Hand kratzt er sich im Nacken, er schürzt die Lippen. Sein Herz rast, es würde ihn nicht wundern, spränge es gleich aus seiner Brust. „Also, äh, ich“, stammelt er, will sich vergraben und redet, bevor er weiter nachdenken kann, „…es gibt da jemanden. Aber… das ist unwichtig, gerade zumindest.“


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zuletzt bearbeitet 29.04.2019 20:52 | nach oben springen

#506

RE: start

in One of us is lying 29.04.2019 22:56
von yulssi • Junior Member | 178 Beiträge | 8900 Punkte

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𝗘𝗟𝗜𝗢𝗧𝗧 𝗗𝗔𝗩𝗘𝗡𝗣𝗢𝗥𝗧

mit artur - erwähnt fynn, jonah, ivie, zeta

Eigentlich hatte Artur doch überhaupt nicht aufstehen gemusst, wenn er es auch nicht gewollt hatte, hätte seinem Gegenüber sagen können, wo er wirklich hatte bleiben, sitzen, oder auch liegen wollen und es wäre kein Problem für ihn gewesen. Er hätte immerhin alleine gehen können. Irgendein kleiner, minimaler Teil in ihm. Vielleicht. Vielleicht wünschte sich gerade dieser undefinierbar kleine Teil, welcher irgendwo in dem Inneren seines Körpers steckte sich, dass auch mal der Deutsche die Stimme gegen ihn erhob. Ihm mitteilte, was er von ihm wollte. Wann er es wollte. Wie er es wollte. Wie er welche Dinge fand und wie er für manche Sachen empfand, ohne dabei Rücksicht auf den Älteren zu nehmen. Eliott konnte auf sich selber aufpassen. Na gut, womöglich nicht immer perfekt, gar so, dass er somit gute Laune verbreitete oder sich zu einem Lächeln zwingen konnte, aber so, dass es für Eliott alleine ausreichte und er eine eventuell müde, mal von Diversitäten gestresste Stimmungen vorspielen konnte. Artur und andere nicht damit verletzte, sich verstellte, um nicht komisch herüberzukommen. Er mochte seinen besten Freund. Seine Freunde. Seine Familie. Alleine und zusammen zu sein, nicht zusammen, aber gemeinsam aufzukreuzen. Spaß zu haben, frei zu sein. Keine Gedanken an unangenehme Situationen und Vorstellungen verschwenden zu müssen. Und doch sprach da immer wieder diese kleine, miese und einfach nur gemeine Stimme in den menschlichen Verstand des Franzosen hinein, verdrehte und vergnietschelte diesen, machte ihn unmenschlich und unbrauchbar. So, dass es aufhören sollte.
Artur schaffte dies. Ließ den Neunzehnjährigen die ganzen Stimmen für einige Momente und doch noch länger vergessen, vergessen, wer er gerade war, vergessen, wo er gerade war, vergessen, was er gerade machen wollte, vergessen, wie er es gerade machen wollte. Eliott hatte Angst vor dem Fakt, dass es auf das Gleiche hinauslaufen würde, indem er sich erneut in etwas verrannte, das im Anschluss nicht der Realität entsprach und ihm am Ende einen Strich durch die Rechnung zog. Einmal hatte er gedacht, dass er Fynn toll fand. Hatte diesen ab einem Punkt nicht gerade sanft und schüchtern geküsst. Manchmal bildete der Franzose sich ein, dass ihn Menschen anblickten, etwas von ihm wollten, mit welchen er noch nie auch nur ein Wort gewechselt hatte. Eliott hatte Jonah für so zwei Wochen toll gefunden. Ivie zu interessant, um diese in Ruhe zu lassen. War letzten Endes aber immer wieder zu Zeta zurückgekehrt, um sich bei ihr Trost und andere Dinge zu holen. Er erzählte ihr Sachen, von denen verschiedene Menschen nicht profitieren würden. Es machte ihn langsam verrückt und doch brachte es ihn immer wieder dorthin zurück, wo er angefangen war. -an den Rand einer Klippe, über dessen Rand Eliott nicht hinüberblicken wollte, obwohl er hier und da an der Kante mal balancierte und sich wünschte, nicht abzurutschen.
Das gemurmelte "Weiß nicht." Arturs ließ ihn noch immer darüber nachdenken, was der Blonde damit gemeint hatte. Na klar, es nicht zu wissen war eben, wenn man etwas nicht wusste. Manchmal aber wollte man etwas einfach nicht wissen. Gedanken über Gedanken und doch keine Lösung, außer der Temperaturunterschied beider Hände, die noch immer ineinander verschränkt verblieben. ,,Glaubst du etwa nicht daran ? Das sich irgendwann alles zum positiven dreht, man zusammen zurückbleibt und sich lachend den Sonnenuntergang ansieht ?…. Gut, ich nämlich auch nicht." ,kam es kurzerhand aus dem Inneren des Größeren heraus, die Mundwinkel zu einem schmalen Lächeln verzogen, kaum seh- ,jedoch spür- und hörbar. Natürlich hatte er es ernst gemeint, was auch sonst ? Jeder wünschte sich sein ganz persönliches Happy End, auch wenn wahrscheinlich nicht immer alles exakt nach Plan verlief, man mal eine Kurve nach links und eine nach rechts machen, einen anderen Pfad einschlagen, oder stehen bleiben musste, um sich wieder im Klaren zu werden, zu verstehen und zu komprimieren. ,,Die Sache ist die- klar wäre ich gerne in einer Beziehung, wer denn bitte nicht ? Muss ja auch nicht einmal eine Frau sein… vielleicht auch einfach ein… lassen wir das." ,nun musste er doch lachen. Konnte nicht verhindern, dass die kleinen Fältchen sich an den Rändern seiner Augen bildeten und somit freudige Spuren hinterließen. Lieber nicht zu viel reden, als alles auszuplaudern. Arturs Gesicht erschien ihm ebenfalls als "nicht gerade negativ" ,die kleinen positiven Aspekte kamen heraus, hinterließen ihre Spuren.
,,… ich ?" , ,,Nein, du." ,ein kleiner Scherz am Rande, womöglich auch verborgene Spannung, was noch alles herauskommen konnte, wenn man einfach mal neugierig war, Nachfragen stellte, wenn man sich für etwas, für jemanden interessierte. Denn es war nunmal Artur. Immerhin sein bester Freund, über den Eliott irgendwie viel zu wenig und gleichzeitig zu viel wusste. Dessen Körper er kannte, jedoch nicht seinen Sinn. Den er auswenig kannte, aber noch nie von innen heraus erlebt hatte. Ein Rätsel ohne Lösung, die gleiche Kippe wie immer und doch mit einem Fallschirm ausgestattet. Es gab da jemanden, der unwichtig war. Eliott durfte nicht wissen, wer. Wer dem Anderen wichtig war. Wen er gerade mochte. Der Fallschirm ging auf. Kaputt. Egal, wie sehr er überlegte, Eliott wurde gerade nicht schlauer. ,,Wie kann das unwichtig sein, wenn du mir nicht unwichtig bist ? Artur, komm'. Ich bin dein bester Freund und du erzählst mir solche Sachen nicht, hm ?…. Okay…. du musst es nicht sagen, wenn du's nicht willst. Deine Sache, dein Bier. Wenn was ist, komm' einfach j-." ,hakte er ab, vor einem Tor stehen geblieben, auf welches die hellen Iren fixierten. ,,Kannst du klettern ?" Der Blick zurück zu Artur, fragend und gleichzeitig wissend.

ʙᴜᴛ ᴡᴇ ᴅʀᴇꜱꜱ ᴜᴘ ᴀɴᴅ ᴘʟᴀʏ ᴘʀᴇᴛᴇɴᴅ
ᴛʜᴇɴ ᴡᴇ ᴀᴄᴛ ʟɪᴋᴇ ᴡᴇ'ʀᴇ ɢᴏᴏᴅ ᴀɢᴀɪɴ

ɪ ᴅᴏ ᴛʜɪɴɢꜱ ɪ ᴄᴀɴ'ᴛ ᴅᴇꜰᴇɴᴅ


"𝙻𝚎𝚝'𝚜 𝚛𝚞𝚗 𝚊𝚠𝚊𝚢 𝚝𝚘𝚗𝚒𝚐𝚑𝚝"


zuletzt bearbeitet 30.04.2019 00:02 | nach oben springen

#507

RE: start

in One of us is lying 30.04.2019 14:31
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte

IVIE
bei Connor


Ein Teil in Ivie ist bereit, die Flucht anzutreten, während der andere gar in den Boden gemeißelt ist. Stopp, weg, hier, fort. Sie kann sich für nichts entscheiden, weiß nicht, ob sie den Anker werfen oder einholen soll, und zuckt deswegen dann nur unschlüssig mit den Schultern.
Connor will, dass sie bleibt.
Mit einem weiteren Schritt tritt er auf sie zu, die Hände legt er an ihre fragile Statur. „Ok“, sagt sie, dann – nach einem weiteren Moment Stille – nickt sie noch. Sie zu überreden hat nicht lange gedauert. Connor hat für sie entschieden, dass sie den Anker wirft, dass sie bleibt. Zumindest so lange, bis sie gegessen haben. Sich von den Handlungen anderer so naiv einlullen zu lassen passiert ihr öfters. Ivie lässt sich manipulieren – in Momenten, in denen sie gar nicht weiß, was ihre eigene Meinung eigentlich ist, ist das ein noch einfacheres Spiel für andere.
Man kann Ivie gut für seine eigenen Zwecke benutzen, ohne dass sie davon auch nur das kleinste Bisschen mitbekommt.
Leise seufzt sie und legt dabei den Kopf zur Seite, mit Mundwinkeln, die sie gesenkt hält. Ivie bewegt sich ansonsten aber keinen Millimeter, lässt Connor seine Hände über ihren Rücken wandern lassen. „Tut mir Leid dass ich… so bin.“
Sie flüstert die Worte, bevor sie sie stoppen kann fliegen sie über ihre Lippen. Ivie würde sich dafür gerne selbst schlagen. Es passt nicht, wieso sagt sie so etwas?
Leicht schüttelt sie den Kopf, sodass die wirren Locken wackeln – auch wenn sie noch hochgebunden sind. Ivie macht in den letzten Tagen ganz schön viele dumme Fehler.
„Musik wäre… schön.“


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zuletzt bearbeitet 30.04.2019 14:31 | nach oben springen

#508

RE: start

in One of us is lying 30.04.2019 14:55
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte



LUCIEN DE CLERMONT
bei Adrian


Adrian korrigiert ihn. „Wer zum Fick ist Wilhelm Busch?“, runzelt Lucien die Stirn, zieht die Nase kraus. Den kennt er nicht, dessen Name sagt ihm nicht im Geringsten etwas. G. W. Bush, den kennt er – nicht persönlich, nicht was ihn eigentlich ausmacht. Er kennt den Namen.
Geschichte und Politik haben ihm noch nie gefallen. Mühselig ist das, qualvoll trocken. So geht es ihm mit beinahe jedem Fach. Französisch und Sport, dabei glänzt er.
Seine Mama spricht zuhause viel Französisch. Wann immer er ihr Englisch hört, dann weiß Lucien auch wieso. Die beiden sind in Amerika eingewandert, da war er noch ein Baby. Geld hatten sie nie und wieso sie dann über den großen Teich geflogen ist, irgendwohin wo die Landessprache von beiden nur mühselig gesprochen wird, ist ihm ein Rätsel.
Lucien hat sie nie nach dem großen Warum gefragt. Er hat nicht den besten Draht zu ihr. Eigentlich, wenn man die beiden so zusammen sieht, haben sie gar keinen. Nicht einmal arg ähnlich sehen sie sich.
Beide haben Löckchen, aber während er brünett mit braunen Augen und vor allem hochgewachsen ist, ist seine Mutter auf der anderen Seite klein und fragile, sie hat rotblondes Haar, helle Augen.
Lucien massiert sich die Schläfe, bevor er wieder zu lange nachdenkt, ist froh, dass Adrian das Essen endlich vom Grill nimmt. Täte er es nicht, würde der Franzose länger hungrig sein. Dann fräße er Adrian noch – nicht wortwörtlich, nur metaphorisch. Er ist schnell gereizt, kann aggressiv auftreten. Nicht jeder kann mit der Seite an ihm umgehen.
Lucien angelt stillschweigend nach den beiden Bierflaschen, öffnet sie mit dem Hals der jeweils anderen. Not macht erfinderisch, hat er das früher genannt – heute heißt es: wer kann, der kann.
Lucien angelt sich ein Steak, statt sich aber gleich darüber herzumachen, stochert er lieber daran herum. „Fragst du dich eigentlich manchmal, wieso genau du so lebst wie du lebst? Also…“, Lucien spricht etwas schnell, was auch zur Folge hat, dass sein französischer Akzent besser hörbar ist als sonst. Meistens hört man den nämlich nicht: immerhin hat er das Englisch hier von klein auf gelernt, war zwar später dran als alle anderen, weil er erst im letzten Kindergartenjahr damit angefangen hat.
„… ich meine, wieso genau du das gezogen hast und nicht jemand anderes? Weil… ach vergiss es, irgendwie klingt das dumm.“


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zuletzt bearbeitet 30.04.2019 14:56 | nach oben springen

#509

RE: start

in One of us is lying 30.04.2019 16:50
von Lea • Member | 881 Beiträge | 54500 Punkte


Daheim – Ivie

Ivie machte nichts, sie stand einfach da und atmete. Connor hingegen beobachtete sie, versuchte aus diesem Verhalten schlau zu werden. Zwar würde er sie nicht mit einem Enigma gleichsetzen, denn, seien wir mal ehrlich, so kompliziert war sie dann auch nicht, aber sie glich einem Rätsel dessen Antwort sich für ihn immer änderte, bis er den Grund für alles erfahren hatte. Bis dahin, falls er überhaupt so lange durchhielt, würde er wohl mit diesem ständigen Hin und Her leben.
Allerdings stimmt sie zu, sie würde hier bleiben. Wie lange stand außer Frage, wahrscheinlich wäre sie schneller wieder weg als das er schauen könnte. Außer, er könnte sie dazu bringen, länger zu bleiben, aber er wollte sie auch nicht bedrängen. Das alles war einfach eine viel zu verwirrende Angelegenheit, mit der beide Parteien klar kommen mussten.
Tut mir leid, dass ich… so bin.
Für einen Augenblick ratterte es in seinem Oberstübchen, die Augenbrauen zogen sich zusammen. Wieso entschuldigte sie sich jetzt? Mit einem leisen Seufzen begab er sich vor ihr in die Hocke, nahm ihre Hände in seine. „Jemand hat mir mal beigebracht, dass man sich nie dafür entschuldigen soll, wer man ist. Egal was andere sagen. Es gibt einen Grund, warum du so bist, wie du bist und das ist vollkommen in Ordnung. Du bist eine wundervolle, junge Frau, Ivie, dafür musst du dich nie entschuldigen, okay?“, erklärte er ihr leise, führte ihre Hände zu seinen Lippen, um diese sanft zu küssen. Niemand sollte sich für irgendwas entschuldigen, weil man anders war oder sonst was. Hätte sie jetzt ein Glas kaputt gemacht, wäre es was anderes. Aber sie war nun mal sie selbst, da gab es nichts, wofür man sich entschuldigen oder rechtfertigen müsste. Nicht mal schämen müsste sie sich dafür.
Ihren Wunsch nach Musik befolgte er dann gerne, weshalb er sich wieder aufrichtete und ihre Hände los ließ. „Na hoffentlich hab ich noch Musik, die du auch hören würdest.“, sagte er, während er sein Handy aus der Hosentasche zog. Sicher könnte sie nichts mit Metal, Rock und Co anfangen, sie sah zumindest eher aus wie der Mensch, der Taylor Swift oder Justin Bieber hörte. Beides Interpreten, die er ihr zwar nicht wünschte, aber eher zutrauen würde.
Auf seinem Handy fand Connor dann doch noch eine Playlist, die eher ihrem Geschmack entsprechen würde. Als er frisch her gekommen war, hatte er sie rauf und runter gehört, hatte Lieder raus geschmissen, die ihm nicht gefallen hatten und andere hinzugefügt. Somit stellte er eine Verbindung mit der Musikanlage im Wohnzimmer her, ehe er auf Shuffle drückte, damit auch schon die ersten Töne von What am I to say ertönten. Ein wenig drehte er am Rad, damit die Lautstärke angenehm wurde. Erst dann trat er zurück ins Esszimmer, zurück zu Ivie. „Kennst du die Band? Sum 41?“, fragte er nach und sah zu ihr. „Ich weiß nicht, ob dir das teilweise zu depri ist… ansonsten musst du dein Handy anschließen, ich bin flexibel.“ Solange kein Justin Bieber lief.


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#510

RE: start

in One of us is lying 30.04.2019 18:20
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte



Artur
draußen - Eliott


Er glaubt daran.
Artur glaubt an Happy Ends, glaubt an das Glück, an die eine und ewige Liebe – auch, wenn letzteres nichts ist, das er mehr erreichen wird. Er hat schon einmal jemanden geliebt und hat gelitten, als er denjenigen verloren hat. Das war eine Liebe, aber nicht die einzige. Zeiten haben sich geändert, das Blatt hat sich gewendet, er fühlt nicht mehr so.
Artur ist nicht dieser besondere Mensch, der einmal jemanden trifft und dann sofort merkt, dass er nur diese Person will. Er ist eher der Mittelwert aller, der sich schnell in Personen verliert, aber sich nicht öffnen kann. Ein jemand, der Affektionen schnell entwickeln kann, sich aber im Umkehrschluss Probleme damit hat, sich selbst auszuleben.
Artur denkt zu viel nach und kaschiert damit seine Gefühle. Etwas anderes macht er doch auch Eliott gegenüber nicht. Er will schlichtweg nicht wieder auf einer weichen Wolke landen, um am Ende zu merken, dass diese verpufft und er am Boden aufprallt – mit einer Wucht, die ihm das Leben aus den Knochen zieht. Er will das nicht, kann das nicht. Er hält es nicht aus, von seiner kompletten Familie verurteilt und verstoßen zu werden, von anderen schief angeguckt zu werden.
Wer findet den Jungen denn nicht lächerlich, der hatte was alle wollen, aber zerfließen hat lassen für einen seinesgleichen? Wie sehr seine Eltern ihn doch gehasst haben. Adrian hat gelacht und gespottet, er hat Artur viel mehr gebrochen, als die ganze Situation es schon vor ihm getan hat. Der viele Druck ist nichts im Gegensatz dazu, dass dir die Person in den Rücken fällt, die als einzige deine Welt verstanden hat.
Menschen wie er, die verdienen das glückliche auf ewig einfach nicht. Andere tun es dagegen schon. Viel mehr, viel unbändiger.
„Es ist einfach nur kompliziert“, sagt er, weil es stimmt.
Schön ist es auch und wert ist es es in seinem Kopf noch viel mehr, aber allen voran ist es verdammt abgekartert, ein Spiel, in dem er einfach nur verlieren kann. Das sieht er doch gerade wieder.
Eliott betont, dass Artur ihm nicht unwichtig ist, dass es also auch nicht nebensächlich ist, was in seinem Kopf vorgeht: oder, was in seinem Herzen vorgeht.
Artur bleibt stehen, was zur Folge hat, das auch Eliott stehen bleibt. Oder bleibt Eliott zuerst stehen?
Er weiß es nicht, weiß nur, dass sich vor ihnen ein Tor auftut. Ein Hindernis kann man es auch nennen. Kannst du klettern?, fragt ihn der Größere und aus dem Kontext gerissen beginnt Artur mit dem Kopf zu nicken. „Ja…?“, entgegnet er, was viel eher wie eine Frage klingt. Er kann es und wie als hätte er auf diese Bestätigung gewartet, kraxelt der Franzose vor ihm das Tor empor.
Arturs Lippen stehen leicht offen, als er ihm mit dem Blick folgt. „Eliott“, raunt er, guckt dann um sich herum. Hier ist niemand, man hört nichts, sieht nichts und allen voran fühlt Artur nichts bei dem Gedanken, dem Brünetten dort hinüber zu folgen.
Er erwartet, dass sein Herz rast, dass er laut Protest verübt. Das ist Einbruch, will er sagen, will die Hand ausstrecken und ihn zurück neben sich holen. Das sollte er auch tun: er tut es nur nicht. Sein Kopf ist zu wirr und zu durcheinander, um sich daran zu stören. Artur ist normal doch so korrekt, doch jetzt ist sein Kopf woanders.
Er hat Watte darin, die es ihm verbietet, etwas einzuwenden.
Vielleicht lässt es ihn lebendig fühlen? Könnte ihn ablenken von allem, das ihn so taub macht, das all seine Gedanken auf genau eines lenkt: Artur liebt Eliott.
Ein Tor trennt die beiden voneinander.
Artur tut es Eliott langsam gleich, festigt seinen Griff, um den Körper dann mühelos empor zu heben. Muskeln und Kraft hindern ihn in den seltensten Fällen an etwas, der Kopf ist es, von dem Artur ausgebremst wird.
„… es würde nie funktionieren, weil… Weil ich dafür etwas aufs Spiel setzen müsste, das mir mehr wert ist, weißt du? Würd’s eh nur vermasseln, hab ich bisher immer. Ich bin einfach nicht für sowas gemacht, schätze ich.“ Artur stößt sich ab, was vielleicht ein bisschen leichtsinnig ist. Beim Landen strauchelt er leicht, hält sich an Eliott fest, um nicht zu fallen – als hinge sein Leben von ihm ab.
„Was machen wir hier eigentlich?“


So I will keep you day and night, here until the day I die
I'll be living one life for the two of us
I will be the best of me, always keep you next to me


zuletzt bearbeitet 30.04.2019 18:21 | nach oben springen

#511

RE: start

in One of us is lying 30.04.2019 20:48
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Edward Düster
@ home
with Ophelia


Erfahrungsgemäß. Außerdem hatte ich überhaupt nicht gesagt, dass ich etwas gegen das Mobbing tun würde. Nur gegen das Essenwerfen. Und das würde wohl kaum schlimmer werden. Gegen das Mobbing konnte ich nichts tun. Jedenfalls vorerst. Wobei ich das sowieso erst einmal abwarten würde. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand nach zwei Tagen schon direkt gemobbt wurde und noch nicht mal scheiße aussah oder schielte.
Klar. Weil ich auch weiß, woher ich Drogen bekomme.
Ich schmiss ihr einen vielsagenden Blick zu. Ich hatte ihr gerade die perfekte Gegend dazu gezeigt. Sie bräuchte nur beim Nachbarn freundlich nachzufragen. Einmal mit den Äugelein klimpern ein paar Scheinchen hinhalten und schon wäre sie ausgestattet. Oder sie machte einfach meinen Rucksack auf. Oder den von Mik. So doof war sie nicht. Sie wusste, wo wir hier waren.
Ehrlich gesagt hörte ich dann auch nicht wirkte weiter bei dem Verletzungen aufzählen Marathon zu. Und bei dem Rest dann auch nicht mehr so recht. Ich wollte mit dem Reitsport nichts mehr am Hut haben und da auch jetzt nicht mehr drüber nachdenken. Das war nicht mehr meine Welt. Das musste nicht jetzt sein.
„Glückwunsch“, war meine trockene Antwort. Was sollte ich auch sagen? Schön dass sie in der Prüfung Gold geholt hatte. Würde mich sicherlich auch freuen, wenn es mich wirklich interessieren würde. Aber es freute mich gerade herzlich wenig. Und es interessierte mich auch nicht. Ich hatte auch oft Gold geholt. Ich hatte mir auch einige Verletzungen zugezogen. Verletzungen waren kein Wettbewerb. Das sollten sie nicht sein. Ich war da nicht stolz drauf. Das waren Stürze – Fehler, die ich nicht hätte tun dürfen. Genauso wie der letzte. Ich hatte ein ganzes Leben verloren und hinter mir gelassen. Wegen diesem Scheiß.
Ich stand hier in diesem Flur und zeigte meiner Halbschwester eine funktionierende Wohnungstür anstatt stolz durch einen Stall zu gehen und von meinem Herzenpferd zu erzählen. Meinem besten Freund. Oder sie zu fragen, ob sie es reiten will. Nein, ich steh hier und rede von der blöden Tür.
Sie trat auf mich zu und umarmte mich plötzlich. Keine Ahnung, wieso sie das tat. Ich ertappte mich dabei, wie ich ihr doch zugehört hatte. Wie ich doch darüber nachgedacht hatte. Wie ich mich doch in den Gedanken verloren hatte. Ich ertappte mich. Wusste nicht, was ich tun sollte und stand dann einfach nur da. Wusste im ersten Moment auch mit der Umarmung nichts anzufangen. Legte dann doch den einen, freien Arm vorsichtig um sie.
Ich bin froh, dass ich dich hab.
Ich schloss die Augen, strich sachte mit der Hand über ihren Rücken, ehe ich die Hand einen Moment in ihrem Nacken liegen ließ. Ich musste stinken wie ein Schwein. Ehrlich. Ich musste dringen Duschen. Diese Treppe – dieser ganze Tag war anstrengend gewesen. Aber ich ließ sie jetzt trotzdem nicht los. Ich hatte eine Halbschwester. Meine Mutter war gar nicht tot. Die dumme Kuh hatte einfach eine andere Familie. Die wollte mich nicht.
„Willst du mein… Pferd… reiten?“, flüsterte ich zurück und ließ sie immer noch nicht los. Ich wollte nicht über die Pferde sprechen. Ich wollte auch eigentlich nicht über dieses eine Pferd sprechen. Ich wollte nicht einmal darüber nachdenken. Aber hatte ich denn eine Wahl? Doch die hatte ich! Man hatte immer eine Wahl! „…Vergiss es.“
Ich ließ sie doch los, befreite mich aus ihrem Griff und schob mich an ihr vorbei; versuchte, zu verhindern, dass sie mein Gesicht sah. Mir ging das nah, okay?!
„Willst du Kaffee?“, fragte ich und machte mich schon auf den Weg in die Küche. „Ich bring dir was zu trinken. Willst du was Essen? Wir haben auch Tee.“


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#512

RE: start

in One of us is lying 30.04.2019 21:48
von Lea • Member | 881 Beiträge | 54500 Punkte



@ Edwards – Ed

Da kannte man sich keine 24 Stunden und schon hatte man einen Bruder-Schwester-Moment. Das ging wirklich schnell. Dennoch genoss sie seine sanften Berührungen, war doch froh, jemand zu haben, der beim Anfassen nicht ausflippte und zu schreien anfing. Mittlerweile wehrte sich Jonathan auch nur noch gegen die Berührungen von Fremden, wozu auch leider jegliche andere Familienangehörige zählten, welche nicht im direkten Umfeld zu ihm standen. Sprich Tanten, Paten und Großeltern. Selbst bei Ophelia hatte es lange gedauert, bis sie ihn hatte umarmen dürfen und selbst das war an manchen Tagen doch ein wenig zu viel.
Somit fand sie es umso schöner, dass Ed es zu ließ, es ihm nicht unangenehm war, seine Halbschwester im Arm zu halten. Nur als er ihr dann was zuflüsterte zuckte sie kurz zusammen. Fragte er gerade wirklich, ob sie sein Pferd reiten wollte? Das war wahrscheinlich der größte Vertrauensbeweis den man als Pferdebesitzer jemand entgegen bringen konnte. Natürlich würde sie jetzt sagen, dass Ed auch Midnight reiten könnte, aber das wäre eine glatte Lüge. Zum einen war das Tier nicht mehr unter den Lebenden und zum Anderen wollte sie ihm die Blamage und die Stürze ersparen. Jedoch konnte sie auch nicht auf die Frage antworten, da verwarf er sie schon wieder und schob erst sie von sich weg, dann sich an ihr vorbei.
Wollte sie Kaffee? Die Frage war eher: Wollte er sie in den Selbstmord treiben? Verwirrt stand Ophelia im Gang, sah Ed einfach nur an, schüttelte den Kopf. „Edward.“, sagte sie leise und versuchte aus ihm schlau zu werden. Klar, sie könnte sich schnell vor ihn stellen, er konnte nicht so schnell humpeln, aber das wäre falsch. „Ed, was ist los?“, fragte sie schlussendlich. Themenwechsel war nicht gelungen. Dass sie nichts trinken wollte vergaß sie dann auch zu erwähnen. Immerhin war es ihr gerade wichtiger, die Launen ihres Bruders zu verstehen.


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#513

RE: start

in One of us is lying 30.04.2019 22:37
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Edward Düster
@ home
with Ophelia


Vergessen. Wegschieben. Wegschließen. Runterschlucken. Ich hatte die Wahl. Man hatte immer eine Wahl. Ich hatte meine Wahl schon oft getroffen. Eine schützende Mauer errichtet. Ich musste doch funktionieren, nicht wahr? Ich würde auch gleich wieder funktionieren. Ich musste nur lang genug ablenken. Erst sie und dann mich. Oder anders herum? Ich musste mein Gesicht in den Griff bekommen. Ich musste mich in den Griff bekommen. Beschäftigung. Beschäftigung war immer gut. Die half. Die würde helfen. Ablenkung.
Edward.
Ich schloss die Augen, biss die Zähne kurz aufeinander. Es sollte sofort aufhören, mir so viel auszumachen. Es war nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Nun wirklich nicht. Ich war Ikarus. Und gerade war ich der Sonne verdammt nahe gekommen. Viel zu nahe.
„Gar nichts“, meinte ich und zuckte mit den Schultern. „Möchtest du Tee? Ich kann dir auch was zu essen machen. Wir müssten hier auch irgendwo noch was zu essen haben…“
In der Küche angekommen, machte ich Schränke auf und wieder zu, den Kühlschrank auf und wieder zu. Holte zwei Tassen raus. Wozu auch immer. Ich wusste gar nicht so recht, was ich hier überhaupt tat. Ich machte noch einen Schrank auf und hielt in der Bewegung inne. Ich hätte ihn fast schon wieder geschlossen. Aber zwischen den Packungen Nudeln, Fertigsoße und Kekse versteckte sich ein Zipfel grünes Plastik. Ich starrte es eine Weile an, ehe ich den Schrank doch zu machte. Aus der Wohnung über uns kamen plötzlich recht laute Geräusche, als wenn jemand Möbel verrücken würde. Aber das war tatsächlich mehr oder weniger normal um diese Uhrzeit. Was mit den Nachbarn nicht stimmte, wusste ich manchmal auch nicht so ganz. Ich machte den Schrank von eben wieder auf und holte die grüne Tüte Minzbonbons heraus, zu welcher der grüne Zipfel gehört hatte. Sie war angebrochen und alt und verstaubt. Abgelaufen. Bestimmt über zwei Jahre alt. Die waren für die Pferde gewesen.
Ich dachte, er hätte alles weggeworfen. Die musste er vergessen haben. Die haben zu meinem Leben gehört. Nein. Die haben zu Williams Leben gehört. Zu meinem nicht mehr. Ich sollte sie einfach nur wegwerfen. In den Müll. Aus den Augen. Aus dem Sinn. Aber ich schaffte das nicht. Stattdessen verschwamm mir die Sicht. Mir durfte das jetzt hier aber nicht passieren! Es war doch niemand hier! Mein Dad nicht. Mik nicht. Nur meine Halbschwester und sie hatte doch keine Ahnung. Ich konnte diesen Schmerz nicht zulassen. Das durfte ich nicht. Das konnte ich einfach nicht. Ich griff wütend nach der Packung – „Fuck man!“ – und schleuderte sie von mir. Die Packung krachte auf den Boden, gegen den Schrank. Einige Bonbons flogen heraus und sprangen über den Boden. Ich stützte die Ellenbogen auf die Arbeitsplatte und das Gesicht in die aufgeschürften Hände.
„Willst du wissen was los ist?!“, richtete ich mich gereizt auf. Wut war gut. Besser als alles andere, was in der Tiefe auf mich warten würde. Ich betrieb hier gerade Selbstschutz. Ich konnte dabei nicht lieb und nett sein, damit sie sich nicht angegriffen fühlte. Ich musste mich selbst irgendwie retten. „Die Pferde; der Reitsport… das war Williams Leben. Jede freie Sekunde, alles hat er dafür geopfert. Olympia war das Ziel. … Das habe ich alles verloren. Ich will nicht mit dir über Pferde reden. Die gehen mir am Arsch vorbei.“
Und wie sie das tuen. Nicht. Deshalb wandte ich ihr auch wieder den Rücken zu. Um mir über die Augen zu wischen. Reiß dich zusammen, Edward!


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#514

RE: start

in One of us is lying 01.05.2019 00:32
von Lea • Member | 881 Beiträge | 54500 Punkte



@ Edwards – Ed

Gar nichts war los. Das Gar nichts sah aber nicht nach nichts aus. Vielleicht war Edward einfach nur eine Frau, die gerade ihre Tage hatte und dann eben auch gar nichts – die schlimmste Form von allen. Meistens war Frau dann sauer, ohne jegliche Chance auf Erbarmen. Und Ed? Ed stellte sich gerade perfekt dafür an, er suchte sogar Beschäftigung.
Mittlerweile war Ophelia auch in der Küche angekommen, stand im Türrahmen und sah ihm beim Schränke öffnen und schließen zu. Das sah wirklich total nach gar nichts aus. Für einen Oskar reichte die Darstellung nicht, aber vielleicht für die goldene Himbeere? Für die schlechteste Lüge die sie je gesehen hatte. „Edward.“, sagte sie erneut, auch wenn sie wusste, dass sie nicht zu ihm durchdringen würde. Was würde helfen? Eine ordentliche Ohrfeige vielleicht? Wer weiß. Vielleicht würde ihn das nur noch wütender machen und sie wollte nicht, dass er sie hasste. Das hatte sie ja vorhin schon beinahe geschafft.
Dann sah sie Bonbons fliegen. Na da war einer ja gut gelaunt. Vorsichtig lief sie auf ihn zu, wollte ihre Hand auf seine Schulter legen, um ihn zu beruhigen. Nur wendete er sich dann wieder direkt an sie, war wütend. So viel zu gar nichts. Sein – oder Williams – Ziel war Olympia gewesen. Die Paralympics könnte er jetzt erreichen, jetzt, als Edward mit Gehstock. Für Ophelia war das eh die beindruckendstere Sportlergruppe. Gesund konnte jeder Sport machen, Rekorde aufstellen, aber mit Behinderung war das alles eine Ecke schwerer.
Dann drehte er ihr auch schon den Rücken zu. Somit konnte sie endlich das tun, was sie vorhin hatte tun wollen. Zwei Schritte mehr und schon lag ihre Hand auf seiner Schulter. „Erzähl mir keine Lügen, Ed. Wir wissen beide, dass sie dir nicht egal sind.“ Sie wusste, wie riskant diese Worte waren, auf was für einem dünnen Eis sie sich bewegte. Aber sie mussten ausgesprochen werden. „Du hast es verloren, ja, aber sie sind dir nicht egal. Du willst es bloß nicht einsehen.“ War das zu viel? Vielleicht. „Komm, lass es raus. Es ist okay. Ich bin für dich da, immer.“ Ob er wollte oder nicht. Wie er das sah, als Drohung oder Versprechen, konnte sie nicht sagen. Wahrscheinlich war es beides.


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#515

RE: start

in One of us is lying 01.05.2019 09:40
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Edward Düster
@ home
with Ophelia texting Mik


Wieso konnte sie nicht einfach so tun, als wenn sei die Lüge keine? Wieso konnte sie das nicht einfach für mich tun? Wieso musste sie mir sagen, dass sie erkannt hatte, dass es eine Lüge war? War es verwerflich, dass ich mir wünschte, dass Mik hier wäre anstatt sie? Es war ja nicht weil ich sie nicht mochte. Aber wie lange kannte ich sie? Ein paar Stunden vielleicht? Mik kannte ich gefühlt mein ganzes Leben. Mik wusste, wie sich Verlust anfühlte. Der würde verstehen, wieso ich versuchte mich davor zu schützen. Es gab Menschen, die konnten mit Trauer nicht umgehen und ich gehörte dazu. Ich würde das nicht überleben. Also wieso konnte sie nicht einfach so tun, als sei diese Lüge die Wahrheit?! Ich fummelte mein Handy aus meiner Hosentasche, entsperrte es. Keine Nachricht. Nicht von Mik. Von niemanden. Ich tippte auf den Chatverlauf mit Mik: ~ SOS ~ Sendete und sperrte das Handy wieder. So viel dazu. Er war mein bester Freund. Und der ging mir verdammt noch mal schon den ganzen Tag aus dem Weg. Irgendwas war doch da auch im Busch. Ein bisschen beschlich mich das Gefühl, dass er bei seinem Onkel in der Wohnung lag und jede Hilfe zu spät kommen würde und ich hier mit einer Rothaarigen über befellte Vierbeiner quatschte. Wenn das wirklich so wäre, würde ich mir das niemals verzeihen.
„Nichts ist okay“, sagte ich zynisch und straffte die Schultern für einen kurzen Moment. „Ich geh nicht in den Kaninchenbau runter… ich komm da nie wieder raus. Also lass mich meine Lüge glauben.“
Ich konnte auch eigentlich nicht mehr stehen, also setzte ich mich vorsichtig einfach auf den Boden zwischen die Bonbons und lehnte mich mit dem Rücken gegen die Schränke. Ich legte den Kopf in den Nacken, schloss die Augen.
„Ich hätte einfach sterben sollen“, sagte ich leise. „Du hast ja keine Ahnung, wie anstrengend das ist. Wie anstrengend jede Minute ist. Und dann sagst du, ich sei faul.“
Ich streckte langsam die Beine vor mir aus. Ja, das beschäftigte mich noch immer, wenn ich ehrlich war. So etwas ließ einen doch auch nicht einfach los, oder?
„Ich hab Tom das erste Mal gesehen, da war er schon 7 Monate alt… Ich hab einfach alles verpasst. Und das wird auch so bleiben. Weil ich irgendwas Selbstverständliches nicht machen kann oder erst lernen muss. Aber ich bin faul. Ich komme aus der Hölle und werde jetzt ganz bestimmt nicht die nächste aufmachen, Ophelia. Nichts für ungut, aber dafür kennen wir uns noch nicht lang genug.“
Ich öffnete die Augen wieder. Sah in ihre Richtung. Keine Ahnung, ob sie das jetzt verstehen würde. Wenn ich sie jetzt verletzt hatte, dann wäre das so. Ich musste mich selbst schützen.


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#516

RE: start

in One of us is lying 01.05.2019 12:40
von Sissi • Junior Member | 70 Beiträge | 4450 Punkte


Dylans Zuhause - Dylan

Er konnte ihm nicht verübeln, dass er etwas überrascht war. Immerhin war es nicht alltäglich, dass der Partner einem sagte, dass er kein Problem hätte mit anderen Partnern in der Zukunft. Was da genau in ihm vorging wusste er selbst nicht so recht. Nur konnte er sich eben vorstellen, dass es vielleicht eine gute Methode war, um wirkliches Fremdgehen zu verhindern. So würde es nie langweilig werden. Zumal er sich das selbst auch durchaus spannend vorstellen konnte. Was ihn vermutlich auch komisch machte. Er nickte also nur zustimmend, zuckte mit den Schultern. Dann war es eben so. Normalität war eh langweilig.
Hätte er gewusst, dass es so wenig brauchte, um Dylan derartig glücklich zu machen, hätte er das Thema schon wesentlich früher angesprochen. Zufrieden schmiegte er sich an ihn und genoss die Liebkosungen, sein Lächeln verlor er dabei noch nicht. Die Freude war zu frisch. "Ich habe zu danken", erwiderte er einfach, denn so war es. Dass dieser wundervolle junge Mann vor ihm tatsächlich vorhatte, sein ganzes kommendes Leben mit ihm zu verbringen, war ein Geschenk, wofür er sich zu bedanken hatte.
Und wenn der Preis dafür, mit ihm zusammen zu sein, war, seine Haare nicht betatschen zu können, dann konnte er damit leben. Dennoch nutzte er die Gelegenheit jetzt, seine Frisur ein wenig zu zerstören. Es sah einfach schrecklich süß aus. Liebevoll erwiderte er den Kuss, der ihm gleich darauf zu teil wurde.
Küsse konnten doch letztendlich alles irgendwie besser machen. Selbst jetzt war es irgendwie gut, zu wissen, dass doch nicht alles verloren war. Tatsächlich schien sich hier eine Art normale Konversation anzubahnen, was, gemessen an den Umständen, wirklich nicht schlecht war. Aufmerksam hörte er zu und nickte dann langsam. Das war ja furchtbar. Er könnte ihm nie irgendetwas schenken? Niemals? Klar, was schenkte man auch einer Person, die alles schon hatte? Nur würde er sich leider jedes Mal schlecht fühlen, wenn der Andere Geburtstag hatte. Oder es Weihnachten war. Oder Chanukka. Oder irgendetwas in die Richtung. Fest biss er sich auf die Lippe, sagte jedoch nichts weiter dazu. Jetzt war nicht der richtige Augenblick dafür. Stattdessen hörte er sich die Fragen seines Freundes an und überlegte kurz. "Naja, also wie du dir vorstellen kannst, bin ich nicht wirklich Schüler. Ich bin schon 21, habe angefangen Jura zu studieren und bin dann zur Polizei gegangen, weil-", kurz zögerte er, "ich gemerkt habe, dass sich das Leben als Anwalt nicht mit meinen moralischen Standarts verinbaren lässt. Außerdem heiße ich Charles Fitzgerald, Chuck genannt. Ehm...das war's dann auch schon. Alles andere stimmte." Einen Moment schwieg er und rieb sich nachdenklich die Schläfen. "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie du damit umgehen kannst. Ich meine...daran habe ich nie gedacht, zumindest nicht, bis ich mich in dich verliebt habe. Aber ich finde keine Lösung. Außer natürlich, dass du mich Charles nennst wenn wir allein sind und Nate wenn andere dabei sind, aber das kann ich dir nicht antun." Konnte er wirklich nicht, das wäre zu viel verlangt. Leider folgte eine unangenehme Frage der nächsten und tatsächlich überlegte er sich einen Moment lang, einfach wieder zu lügen. Nur, dass er das nicht konnte. Nicht schon wieder. "Ja. Großen sogar. Es war mir strickt untersagt so etwas anzufangen, weil es das ganze Unterfangen beeinträchtigen könnte. Ich mein, stell dir nurmal vor, du wärst der Mörder. Wohin würde uns das führen? Ich werde versuchen, die Situation zu erklären und im besten Fall verstehen sie es. Im schlimmsten Fall bin ich anschließend arbeitslos." Wie das eben so war, wenn man alle nur erdenklichen Regeln brach.
Leise seufzte er und schüttelte den Kopf. "Nein. Wenn ich dir nichts schenken darf, kann ich mit Sicherheit auch keine Geschenke von dir annehmen. Schon gar nicht solchen teuren", antwortete er und meinte es ziemlich ernst. So könnte er kaum die Reise genießen, einfach, da er sich durchgehend schlecht fühlen würde. Das mit dem Maßanzug konnte er akzeptieren. Wenn sein Vater darauf bestand, beugte er sich lieber, er wollte nicht von Anfang an für Unstimmigkeiten sorgen. Wobei er das vermutlich schon längst getan hatte. Er nickte also einfach. Bestensfalls war das Thema damit vergessen. Nur, dass es das nicht war. Stattdessen zeigte sein Freund ihm seinen Kontostand. Einen Moment starrte er einfach nur darauf, war mehr oder weniger regungslos. War es gesund, so viel Geld zu besitzen? Und was könnte Dylan alles mit dem Geld erreichen, wenn er es für andere ausgab, statt für sich? Schnell schüttelte er den Gedanken ab, jetzt war wirklich nicht der richtige Zeitpunkt. Dennoch wurde ihm irgendwie ganz anders. Er kannte Leute, die gestorben waren, weil sie nicht genug Geld gehabt hatten, für Medizin oder gutes Essen. Und dann gab es solche Leute. Natürlich war ihm das schon immer klar gewesen, nur hatte er es noch nie derartig direkt vor Augen geführt bekommen. Etwas perplex nickte er erstmal einfach, ohne wirklich über die Konsequenzen nachzudenken. Diese waren gerade irgendwie in den Hintergrund gerückt.
Er erwiderte den Kuss und rümpfte minimal seine Nase, sah schließlich leicht lächelnd zu seinem Freund und summte zustimmend. "Das habe ich mir schon fast gedacht", erwiderte er sanft. Was sonst war zu erwarten, dass er einfach alles vergaß und so tat, als wäre nichts gewesen? Mit Sicherheit nicht. Niemand konnte das erwarten. Was gerade hier geschehen war, war schon wesentlich mehr, als er sich hätte erhoffen können.


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#517

RE: start

in One of us is lying 01.05.2019 13:02
von Lea • Member | 881 Beiträge | 54500 Punkte



@ Edwards – Ed



Sie wusste nicht, was er da rumfummelte, aber es war okay. Sie musste nicht alles wissen. Vielleicht schrieb er ja auch nur seinem Vater oder sonst wem, es ging sie ja nichts an. Eigentlich ging sie das gar nichts an.
Was sie sich aber heimlich für sich dachte, war, dass widersprechen wohl sein neues Hobby war. Zumindest wenn es um ihre Aussagen ging. Er würde nicht den Kaninchenbau runter gehen, weil er nie wieder raus kommen würde. War er jetzt Alice und folgte einem Kaninchen mit Zeitdruck ins Wunderland, wo eine bekiffte Raupe auf ihn wartete oder was war los? "Ich lass nicht zu, dass du da nie wieder raus kommst.", versprach sie ihm. Runter musste er, aber sie würde ihn nicht alleine lassen. Nicht mal, wenn er es wollte. Für sie würde immer alles gut gehen, egal auf welche Weise man es sah. Irgendwas positives gab es immer. Man musste nur lange genug danach suchen.
Bei seinen nächsten Worten, zuckte sie kurz zusammen und setzte sich schlussendlich neben ihn. Er hätte einfach sterben sollen. Hatte er denn schon so viel aufgegeben? Hatte er nicht die zweite Chance gesehen, die ihm zuteil geworden war? Für die manche Leute alles geben würden? Selbst die, die schon sechs Fuß unter der Erde lagen?
Ophelia hörte ihm nur auf einem Ohr zu, war immer noch zu sehr mit diesem einen Satz beschäftigt. Erst als eine Weile Stille herrschte, merkte sie, dass er noch weiter geredet hatte und versuchte sich krampfhaft an das andere zu erinnern. "Du hast eine zweite Chance bekommen, ist das nicht mehr wert? Du kannst bei Tom sein, ein halbwegs normales Leben führen, glücklich werden und du redest davon, dass du besser tot wärst.", sagte sie leise, legte den Kopf auf seine Schulter. "Werd ich dich jemals verstehen, Ed?"
Fangfrage - die Antwort war nein. Sie würde ihren Halbbruder nie verstehen, nie. Es war zum Mäuse melken, aber okay. Vielleicht würde er sich ihr irgendwann öffnen.
Ihr Blick fiel auf die Bonbons, die auf dem Boden lagen. Kurz verzog sie das Gesicht, sie hasste diese Marke. Hatten ihr nie geschmeckt, niemanden in der Familie außer ihrem Vater. Weiß der Teufel warum.
Leise seufzte sie und nahm den Kopf wieder von seiner Schulter. "Kann ich dir noch irgendwo helfen? Oder willst du mich los werden?", fragte sie ihn vorsichtig, sah zu ihm rüber. Bonbons einsammeln könnte sie sicher machen, dann müsste er sich nicht so sehr bücken.


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zuletzt bearbeitet 01.05.2019 21:11 | nach oben springen

#518

RE: start

in One of us is lying 01.05.2019 13:52
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Edward Düster
@ home
with Ophelia


Ich lass nicht zu, dass du da nie wieder raus kommst.
Leere Worte. Gut gemeinte Worte. Aber wie wollte sie das bitte anstellen. Sie hatte doch keine Ahnung. Und das hatte sie noch immer nicht begriffen. Jenny hatte so etwas seit dem nie zu mir gesagt. Jenny kannte mich auch mindestens so lange wie Mik. Sie wusste, wie schlimm das alles war. Sie wusste, dass es für mich nicht so leicht war, irgendetwas Positives darin zu sehen. Eigentlich hatte ich darin noch gar nichts Positives gesehen und würde das auch nie. Und das war auch für alle okay. Nur für Ophelia ja anscheinend nicht. Es gab nun mal nicht in allem etwas Positives. Das Leben war manchmal auch mal scheiße. Es waren leere Worte. Sie hätte besser sagen sollen, dass sie mir alles dafür tun würde, mir zu helfen, wieder raus zu kommen, wenn ich irgendwann man hinabsteigen würde. Man konnte versprechen alles einem mögliche zu tun. Aber man sollte einfach nicht sagen, dass man etwas niemals zulassen würde. Solche Worte wurden fast immer gebrochen. Genauso wie eine Mutter, die sagt Ich bin immer für dich da, dann abhaut und lieber eine andere Familie hat. Ich war´s eh nicht Wert.
Ich weiß nicht, ob ich mich schon mal so unverstanden gefühlt habe. Vielleicht aber hatte ich bisher auch einfach nur nicht mit so positiven Leuten zu tun gehabt. Sie hatte sich neben mich gesetzt und lehnte ihren Kopf gegen meine Schulter. Vielleicht hatte ich mir auch nur eine Entschuldigung erhofft, die ich nicht bekommen hatte. Die ich einfach nicht bekam. Stattdessen bekam ich eine Predigt nach der nächsten zu hören. Ich würde gerne wissen, wie sie drauf wäre, wenn sie so viel Zeit in Krankenhäusern verbracht hätte wie ich. Wenn sie Prognosen gehört hätte wie ich. Wenn sie die Rückschläge erlebt hätte, die ich erlebt hatte. Wenn sie in diesem verdammten Bett aufgewacht wäre. Wäre sie dann jetzt auch noch so positiv?
„Stell dir vor, du wirst wach und siehst nur auf einem Auge etwas, kannst dich nicht bewegen, nicht sprechen und liegst dann eine gefühlte Ewigkeit so da und siehst eigentlich nur Licht. Weißt nicht, wo du bist. Fragst dich, ob du tot bist. Dann spricht jemand mit dir. Sagt dir, dass du einen Unfall hattest, dass du momentan beatmet wirst, deshalb auch nicht sprechen kannst. Dass du vermutlich gelähmt bist. Eine Zeitlang war unklar, ob ich je wieder selbstständig atmen würde können. Klar ist das alles eine Chance, aber tut mir leid, dass ich das nicht immer so gesehen habe und nicht immer so sehen werde. Überleben ist nicht immer eine Chance. Du bist naiv, wenn du glaubst, dass es in allem etwas Positives gibt“, sagte ich leise und ignorierte ihre letzten beiden Fragen. Ich wusste nicht, wobei sie mir helfen sollte. Und wieso sie immer wieder fragte, ob ich sie loswerden wollen würde, wusste ich ehrlich gesagt auch nicht. Wenn sie das noch mal machte… Das nervte irgendwie ein wenig. Aber wenigstens redeten wir nicht mehr, über das andere Thema. Den Kaninchenbau.
„Ich bin Gefangener in diesem Körper. Weißt du wie die Leute gucken, wenn ich um zehn Uhr morgens wie ein Besoffener klinge? Weißt du wie sich das anfühlt? Ich bin klar im Kopf dabei, Ophelia. Ich bin nicht blöd. Ich weiß, wie die Worte eigentlich klingen müssen. Wie die Sätze eigentlich klingen müssen. Ist nur scheiße, wenn deine Zunge nicht das macht, was du willst. Ist scheiße, wenn man sich nicht ausdrücken kann. Was ist daran positiv?“


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#519

RE: start

in One of us is lying 01.05.2019 21:03
von Lea • Member | 881 Beiträge | 54500 Punkte



@ Edwards – Ed

Stell dir vor, du wirst wach und siehst nur auf einem Auge etwas, kannst dich nicht bewegen, nicht sprechen und liegst dann eine gefühlte Ewigkeit so da und siehst eigentlich nur Licht. Weißt nicht, wo du bist. Fragst dich, ob du tot bist. Dann spricht jemand mit dir. Sagt dir, dass du einen Unfall hattest, dass du momentan beatmet wirst, deshalb auch nicht sprechen kannst. Dass du vermutlich gelähmt bist. Eine Zeitlang war unklar, ob ich je wieder selbstständig atmen würde können. Klar ist das alles eine Chance, aber tut mir leid, dass ich das nicht immer so gesehen habe und nicht immer so sehen werde. Überleben ist nicht immer eine Chance. Du bist naiv, wenn du glaubst, dass es in allem etwas Positives gibt. Ich bin Gefangener in diesem Körper. Weißt du wie die Leute gucken, wenn ich um zehn Uhr morgens wie ein Besoffener klinge? Weißt du wie sich das anfühlt? Ich bin klar im Kopf dabei, Ophelia. Ich bin nicht blöd. Ich weiß, wie die Worte eigentlich klingen müssen. Wie die Sätze eigentlich klingen müssen. Ist nur scheiße, wenn deine Zunge nicht das macht, was du willst. Ist scheiße, wenn man sich nicht ausdrücken kann. Was ist daran positiv?
„Es gibt genügend Leute, die sich dein Leben wünschen würden. Und du? Statt froh zu sein, dass du überhaupt lebst, dass du deinen Sohn aufwachsen sehen kannst, bist du ein verbitterter Krüppel.“ Das war das Wort zum Sonntag. Mit ihm zu diskutieren würde eh nichts bringen, einsehen würde er es eh nie. Dafür lebte er zu sehr in der Vergangenheit, hing an dem, was er vor dem Unfall gehabt hatte, anstatt sich mit den neuen Begebenheiten zu arrangieren. Nach vorne zu schauen. Das, was ihm gegeben wurde, zu genießen. Nein, er sah nur die Vergangenheit, all das was ihm nicht passte. Machte ihn das glücklich? Ungemein, dieses Strahlen in seinem Gesicht war ja unglaublich intensiv. Nicht. „Ich hoff, du wirst mit deiner Einstellung glücklich.“
Ophelia entfernte sich von ihm, blieb aber immer noch auf dem Boden, um die Bonbons einzusammeln, die auf dem Boden lagen. Vielleicht sah er ja jetzt, dass sie keine Lust hatte, mit ihm weiter darüber zu diskutieren. Eigentlich hatten sie ja jetzt das Ganze immer weiter durchgekaut, immer aufs Neue. Anscheinend war es das einzige, was er zu sagen hatte. Seine Krankengeschichte beherrschte sein Leben. Solange er das nie los lassen würde, würde das immer so weiter gehen. Nur ihm das direkt so zu sagen, würde sie nicht. Ansonsten dürfte sie sich das nochmal anhören. Wenigstens hatte er sie jetzt von der Idee eines Medizinstudiums abgebracht. Wahrscheinlich würde sie Veterinärmedizin studieren, da musste sie zumindest nicht solch wunderbar gelaunten Patienten behandeln. „Mülleimer?“, fragte sie dann einfach, mit einer Hand voll Bonbons in der Hand.


But seriously, though. Some of you people need to go to church. I don't want you in hell with me.
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#520

RE: start

in One of us is lying 01.05.2019 22:06
von yulssi • Junior Member | 178 Beiträge | 8900 Punkte

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𝗘𝗟𝗜𝗢𝗧𝗧 𝗗𝗔𝗩𝗘𝗡𝗣𝗢𝗥𝗧

mit artur


Er glaubte nicht mehr daran, hatte es womöglich so oder so nie getan. Eliott glaubte zwar an viele Sachen, viele Dinge, Geschichten, manche Gerüchte, Erzählungen und Wikipedia- Einträgen, wenn es darum ging, ein Referat oder sonst was für die Schule machen zu müssen. Jedoch nicht an alles. Er glaubte einfach nicht daran, dass es Happy Endings und damit zusammenhängende Zufälle gab, welche man ohne eigene Arbeit geschenkt bekam. Daran, dass sich irgendwann alles schlagartig drehen, zum Guten wenden, positiv werden und ihm zugute kommen würde, nein, das gab es so nicht. Es war nicht real und egal wie man es sah, aus welchem Winkel man es betrachtete- das Leben war nicht einfach, da es einem keine unzähligen Chancen gab, kein Glück zukommen ließ. Einem verschiedene Beziehungen zu diversen Personen nicht rettete, verschönerte, es nicht besser machte, wenn man darum bat. Die Welt war real und gleichzeitig so unglaublich falsch, wenn nicht gemein zu einem. Denn wenn das Leben auch nur in irgendeiner Weise fair wäre, dann würde der Neunzehnjährige nicht darüber nachdenken und sich den von dichten braunen Wuschelhaaren umgebenen Kopf zerbrechen müssen. Würde nicht so ein Leben führen, wie er es tat. Würde nicht mehr mit seiner jetzigen Freundin zusammen sein und würde sich auch nicht beschweren, wenn es nichts zum aussetzen gab.
"Es ist einfach nur kompliziert." ,Eliotts Kopf protestierte lautstark, gab keine Ruhe und wollte Wörter aus seinem Munde kommen lassen, für welche er sich am Ende würde erschießen wollen. ,,Gibt es denn zu komplizierte Dinge ? Bis auf Mathe natürlich." ,scherzte er deshalb etwas herum, stieß den neben ihm Verweilenden dabei leicht mit dem Ellenbogen, um die ausgesprochene Ironie zu unterstützen, musste anschließend sogar ein wenig grinsen, da Artur teilweise einfach zu niedlich aussah. Am liebsten hätte er diesem gesagt, dass nichts kompliziert war. Das man auch einfach darüber reden konnte, wenn man Probleme besaß, die einen unnötig schwer belasteten. Das Artur ihm die Sätze anvertrauen konnte, von denen auch andere nicht wissen durften. Das es keinen Grund für ihn gab, sich Schwierigkeiten auf den Rücken zu binden. So viele Gedanken und doch kein einziges Wort, da er doch nicht einen Deuten besser darin war. Eliott schwieg lieber, ließ sein aufmunterndes Lächeln die Arbeit machen, anstatt mal selber den Mund zu öffnen. Nicht den Mund, aber seine eigene Person zu erklären. Zu erklären, warum er manchmal so merkwürdig war. Warum er sich so dämlich verhielt und warum er Artur so behandelte, wie er es manche Male tat. Vielleicht ein wenig zu nett und an Tagen so auf Distanz war, sich Entschuldigungen und Ausreden zusammenreimte, damit er nicht nur ihn nicht treffen musste... Aus Angst, oder Schutz ? Er wusste es ja nicht einmal selber.
Ob Artur klettern konnte ? Worüber ? ,,Ja als Frage oder ja als Antwort ?" ,entgegnete der Ältere diesem, wartete aber gar nicht erst ab, sondern suchte sich seinen eigenen Weg über das hochgebaute Tor hinweg, kraxelte und bohrte seine schlanken Finger in die freien Kuhlen ein, um den nötigen Halt entspringen zu lassen, obwohl es eigentlich sogar einfacher war, als es aussah. Man musste halt nur wissen, wie und wo man anfassen musste, seine Beine und Füße richtig positionieren, um nicht abzurutschen. Fand sich im Anschluss auf der anderen Seite wieder und musste seinen Namen mit anhören, welchem er ebenfalls ein ,,Artur." entgegenbrachte, sich wunderte, fragte, ob der Deutsche bereit dazu war, ihm zu folgen. Das Hindernis zu überqueren, zu überwinden. Sich zu überwinden, ihm zu folgen und somit etwas zu begehen, was ganz und gar nicht nach dem Deutschen klang. Im Gegenzug erklang nichts. Er hatte gewonnen, Artur würde ihm nicht folgen und Eliott einen Rückzieher machen. Hatte schon die Hoffnung aufgegeben, als erneut die typischen Geräusche aller Illegalitäten ertönten, gemischt mit anderen Worten und einem Absprung, welcher damit endete, dass sich der Jüngere an dem Anderen festhielt, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, Eliott ihn aus Reflex halb auffing.
Ein schwaches Lächeln seinerseits. ,,Für was, Liebe ? Artur, ganz ehrlich ? Sieh dich doch mal an, wie kannst du bitte etwas vermasseln ? Klar, wenn es dir mehr wert ist, dann vielleicht mit vorheriger Überlegung, aber ist es dir so viel mehr wert, als die Wahrheit zu sagen ?….Wie willst du etwas falsch machen, ohne es zu versuchen ?" ,erklärte Eliott, das Lächeln verschwand allmählich gänzlich von seinen Lippen, als er den neben ihm Stehenden mit den Pupillen heimsuchte, die hellen Iren auf die des Kleineren trafen, Explosionen verursachten, welche man im tiefen blau erkennen konnte, wenn man es sich nur tief genug einbildete. Er konnte nicht mehr wegschauen, ließ sein Gesicht heranwandern, damit der Franzose diese vielen Farben noch näher erblicken, auswerten und beobachten konnte. Es ratterte. Blieb gänzlich stehen, bis ein Knacks ertönte, der ihn aufsehen und sich räuspern, weckblicken ließ. Was genau sie hier machten ? Das wüsste er selber gerne. Was wollten sie hier ? Warum waren sie überhaupt hier ? ,,Was wir hier machen ? Ich vermute mal ein wenig schwimmen und… gleichzeitig einbrechen… wobei- einbrechen ist jetzt etwas übertrieben, eher… ausprobieren und genießen."
Und die gute Laune war zurück, der Blick Richtung Wasser gerichtet. Ja klar, es war November, aber gab es denn Bäder, die wirklich völlig verschlossen waren ? Wohl kaum. Immerhin konnte man die Wassertemperaturen hochkurbeln und wohl nicht jede Nacht das Außenbecken, Nebenbeckendings oder was auch immer eines Schwimmbades verschließen. War vielleicht ein wenig kalt, aber sonst ? Wurde ja am nächsten Morgen wieder warm gemacht. Nachtschwimmen war außerdem auch eine (legale) Option. Und wer war denn bitte noch nie als Jugendlicher oder auch Erwachsener in einem Bad eingebrochen ? Eliott jedenfalls nicht das erste Mal, auch wenn er schon manche andere Male dabei erwischt, von der Security herausescortiert und seinen enttäuschten Eltern übergeben wurde. Wahrscheinlich enttäuscht, aber nicht wirklich wütend. Nicht gerechtfertigt, da sie es wussten. Er dachte nicht daran, sondern zog seine Begleitung einfach hinter sich her, benutzte dabei die Taschenlampe seines Telefons als Lichtquelle, damit sie überhaupt etwas erkennen konnten, machte folglich vor der gesuchten Stelle halt, aber ließ die Hand des Anderen nicht los. Artur hatte ihn in seiner Wohnung doch so schön gefragt gehabt. War warm. Wohlig. Angenehm. ,,So, du oder ich zuerst ? Rechts oder links ?" Zwei Fragen und noch keine Antworten, jedoch ausgestreckte Hände, mit welchen der Franzose letztere Frage und die daraus entstehende Wahl verdeutlichen wollte. ,,Deine Entscheidung."

𝙸'𝚖 𝚜𝚌𝚊𝚛𝚎𝚍 𝚝𝚘 𝚐𝚎𝚝 𝚌𝚕𝚘𝚜𝚎 𝚊𝚗𝚍 𝙸 𝚑𝚊𝚝𝚎 𝚋𝚎𝚒𝚗𝚐 𝚊𝚕𝚘𝚗𝚎
𝙸 𝚕𝚘𝚗𝚐 𝚏𝚘𝚛 𝚝𝚑𝚊𝚝 𝚏𝚎𝚎𝚕𝚒𝚗𝚐 𝚝𝚘 𝚗𝚘𝚝 𝚏𝚎𝚎𝚕 𝚊𝚝 𝚊𝚕𝚕



"𝙻𝚎𝚝'𝚜 𝚛𝚞𝚗 𝚊𝚠𝚊𝚢 𝚝𝚘𝚗𝚒𝚐𝚑𝚝"

zuletzt bearbeitet 02.05.2019 01:07 | nach oben springen

#521

RE: start

in One of us is lying 01.05.2019 22:23
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Edward Düster
@ home
with Ophelia


War Arschlochsein erblich? Wenn ja, war unsere Mutter schuld. Ich wusste, dass ich ein Arschloch war. Ophelia war gerade auch ein Arschloch. Wusste sie was Empathie war? Oder kannte sie irgendeine Droge, von der ich noch nichts gehört hatte?
Das konnte doch nicht ihr beschissener Ernst sein, oder? Aber klar. Dann war es ihr eben egal. Warum zum Teufel hatte ich überhaupt versucht, ihr das ganze verständlich zu machen? Sie wollte mich ja anscheinend nicht verstehen, so lange ich es nicht super toll fand, dass ich ein beschissener Krüppel war.
„Hab ich dir ja gleich gesagt“, gab ich trocken wieder, zuckte mit den Schultern und zog mein rechtes Bein ein Stück an, um meinen Arm auf dem angewinkelten Knie abzulegen. Ich hatte ihr gesagt, dass ich nicht von der Sorte feucht fröhlicher Behinderter war. „Und ich ändere mich nicht, nur weil du das gern hättest.“
Hab ich im Übrigen eh schon getan. Das musste jetzt nicht schon wieder sein. Und vor allen Dingen auch nicht einfach für irgendeine daher gelaufene Person. Wer dachte sie bitte, wer sie ist? Der Mittelpunkt der Universums? Also bitte.
Sie begann die Bonbons aufzusammeln und mir war das nur Recht. Dann musste ich das nicht machen. Und ich brauchte die Dinger nicht noch mal anfassen. Sie fragte nach dem Mülleimer und ich deutete auf den Schrank unter der Spüle.
„Bekommst du eigentlich immer, was du willst?“, harkte ich nach. Ich hatte schlechte Laune. Ich war angepisst von vielen Dingen. Mir ging einiges gegen den Strich. Und jetzt würde sie die andere, nicht nette Seite von mir kennenlernen. So wie ich eigentlich war. „Oder warum plötzlich so pissig?“
Mein Blick lag auf ihr. Meine nächsten Worte würde ich sicherlich bereuen. Ich war gut darin, Leute von mir zu stoßen. Das war auch gar nicht so schwer.
„Prinzessin kriegt ihren Willen nicht.“


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#522

RE: start

in One of us is lying 01.05.2019 22:51
von Lea • Member | 881 Beiträge | 54500 Punkte



Daheim – Nathaniel


Schmunzelnd beobachtete er seinen Freund. Hatte da jemand Probleme, sich etwas kaufen zu lassen? Wusste er überhaupt, wie gut er aussah, wenn er sich auf die Lippe biss? Vielleicht würde er ihm das noch irgendwann mal sagen. Irgendwann, wenn er es wieder machte. Denn jetzt war erst mal das Aufklären der Ungereimtheiten an der Reihe.
Deshalb hörte er ihm zu, hoffte auf vielleicht neue Informationen zu seiner Person. Nur gab es nicht wirklich was, denn das meiste hatte er ihm wohl selbst erzählt, das andere kam von seiner Großmutter. „Das einzig neue ist gerade dein Alter. Und Chuck. Nur weiß ich nicht, welchen Namen ich schlimmer finden soll: Charles oder Chuck.“ Zum einen hatte Dylan einfach eine große Abneigung gegen jegliche Spitznamen. Aber auch der Name Charles war nicht gerade unter den Top 50 Vornamen, die man einem jungen Mann geben könnte. Zumal da auch ein alter Hauslehrer nicht ganz unschuldig war. Er hatte diesen Mann, der den gleichen Vornamen wie sein Freund trug, mehr als nur ein wenig gehasst. Nur war sein Freund nicht dieser Mann, aber die Erinnerung an ihn blieb bestehen.
„Wieso kannst du mir das nicht antun?“, fragte er dann verwirrt nach. Das war ja nichts wie Spring von der Brücke oder ähnliches, nichts, wobei er einen länger wehrenden Schaden erleiden würde. Nur etwas, was ihn viel Konzentration kosten würde, es nicht zu vermasseln. Wahrscheinlich wollte er ihm das nicht antun. „Vielleicht sollte ich anfangen, dich Schatz oder so zu nennen. Aber ich hasse Spitznamen.“ Ein Glück konnte man seinen Vornamen nur bedingt abkürzen. Es würde natürlich immer so Trottel geben, die es dennoch machen würden, aber ehrlich gesagt war er heilfroh, dass er wenn dann doch nur bei seinem Nachnamen gerufen wurde. „Nebenbei… es ist irgendwie schön zu hören, dass du dich in mich verliebt hast. Oder auch, wenn du sagst, dass du mich liebst. Ich hätte echt nicht gedacht, dass ich sowas mal gerne höre.“ Und wie gerne er es hörte, vor allem wenn es aus dem Mund seines wundervollen Freundes kam.
Dieser redete auch gleich weiter, redete von dem Ärger, den er wegen ihm bekommen würde. Na, da hatte er sich wohl einen kleinen Rebell angelacht. Einen Moment schwieg er, spannte dabei immer wieder seinen Kiefermuskel an. „Was wäre, wenn wir uns schon vorher gekannt hätten?“, begann er dann und sah zu ihm. „Meine Großeltern kennen deine Eltern von der Kirche. Mich haben sie auch schon einige Male mitgenommen. Was wäre, wenn du ihnen erzählst, dass ich dich daher kenne? Dass ich von vornherein gewusst hab, dass du Polizist bist und dass es dann einfach passiert ist?“ Wahrscheinlich würden sie nicht um eine Lüge herum kommen, wenn sie die Chancen der Arbeitslosigkeit verringern wollten. „Oder du bringst deinen Job so schnell wie möglich zu Ende und wir fangen für deine Vorgesetzten erst dann an, uns zu sehen. Also.. so als Paar.“ Wahrscheinlich würde Charles das nie auf die Reihe bekommen, die Leute anzulügen, auch wenn er es erfolgreich bei ihm getan hatte. Nur wollte Dylan nicht schuld daran sein, dass sein Freund wegen ihm seine Stelle verlor.
Charles war anscheinend auch echt ein wenig eingefahren, wenn es um Geschenke ging. Leise seufzte er, war vielleicht auch ein wenig genervt von ihm. „Dann schenk mir gemeinsame Momente, schöne Erinnerungen von uns. Von mir aus auch Blumen oder koch was Schönes zum Abendessen. Schalt morgens meinen Wecker aus und geh mit Cloé laufen und komm anschließend ins Bett zum kuscheln.“ Vielleicht war er nicht genervt, sondern einfach verzweifelt. Aber er verstand auch nicht so ganz, warum sein Freund sich nichts schenken ließ. „Ich brauch nichts außer dich um glücklich zu sein, Charles. Und dich lächeln zu sehen ist das größte Geschenk.“ Und gleichzeitig auch die Bestätigung, dass er als Freund kein wandelnder Fehler war.
Seine Reaktion auf den Kontostand war… irgendwie normal. Was hätte er auch anderes erwartet? Dass er vor Freude im Dreieck sprang? Garantiert nicht. Stattdessen riss er sich zusammen und fuhr ihm durch die Haare. „Zwei verschiedene Welten, hm?“, fragte er nach, weil er nicht wirklich wusste, was er sagen sollte. „Denkst du, du kommst mit meiner klar?“ Immerhin hatten die beiden einen sehr unterschiedlichen Erziehungsstil erfahren, falls man das bei Dylan Erziehung hatte nennen können. Er hatte alles bekommen, was er wollte und noch viel mehr, weil man mit Geld alles kaufen konnte. Alles. Und Charles war das Gegenteil davon, würde er mal sagen.
Wenigstens hatte er sich das mit dem Vergeben schon gedacht. Da konnte er ja in Ruhe die Nudeln kochen, währenddessen den Tisch decken und noch mal beim Gulasch probieren, wo er sich wie üblich die Zunge verbrannte. Scheiße, war das heiß. Lange konnte er sich nicht darauf konzentrieren, da die Nudeln fertig waren und aus dem Wasser wollten.
Seine Anrichtekünste ließ er auch mal im Schrank gesperrt, weshalb es dann doch sehr rustikal aussah – wenn man es nett sagte. Nudeln auf den Teller, Gulasch drauf. Fertig. Die Teller stellte er dann auf den Tisch, füllte Wasser in die Gläser. „Kommst du dann?“, fragte er seinen Gast ein wenig lauter, damit er auch wirklich gehört wurde. Dylan für seinen Teil setzte sich schon mal hin und trank einen Schluck, wartete bis alle am Tisch saßen. „Jó étvágyat.“, wünschte er ihm dann lächelnd.


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#523

RE: start

in One of us is lying 05.05.2019 15:19
von Zonya • Junior Member | 502 Beiträge | 36500 Punkte



A D R I A N • M A R Q U A R D T

Trailerpark ; Lucien


Adrian zuckt mit den Schultern, "keinen blassen Schimmer". Der Name ist alles was er sich gemerkt hat, doch wer dahinter steckt, dass weiß er nicht, kann genau so wenig damit anfangen, wie Lucien selbst. Der Junge nimmt dem Französen eine der Flaschen ab und setzt sie so gleich an seine Lippen, lässt die nicht mehr allzu kalte Flüssigkeit seine Kehle entlang rinnen. Der Kühlschrank funktioniert schon seit Wochen nicht mehr richtig, vielleicht hat er es auch noch nie. Nicht seit Adrian ihn besitzt. Ein weiterer Grund, warum man niemals die Milch von ihm annehmen sollte. Sie braucht garnicht lange offen herum stehen um schlecht zu werden.
Der Deutsche tut es dem braunhaarigen gleich und beläd auch seinen Teller mit einem Steak, dass ähnlichkeit mit einer Schuhsohle aufzeigt. Lucien hätte seinen Platz am Grill niemals aufgeben dürfen. Es ist nicht das erste mal und warum Adrian es noch immer nicht verstanden hat, ist ihm ein Rätsel. Doch ist er sich auch nicht sicher, ob sein Freund es besser gemacht hätte.
Während Adrian mit einem viel zu stumpfen Messer versucht sein durch und durch gares Steak zu schneiden, schnell feststellt, dass er so nicht sonderlich weit kommt und es kurzerhand einfach mit der Gabel aufspießt, um vom großen und ganzen abzubeißen, stochert Lucien einfach nur darin herum.
"Hat dir denn niemand begebracht, dass man mit Essen nicht spielt?" fragt der Junge und das Steak wackelt gefährlich auf seiner Gabel, die er in einer Geste hin und her schwenkt.
"Scheint dir wohl nicht zu schmecken" stellt er kurzerhand fest.
Adrian schmunzelt, will noch hinzufügen, dass Lucien sich nicht so anstellen soll, als auch er bemerkt, dass die Stimmung umgeschlagen ist. Dieses tiefsinnige passt dem Deutschen nicht in den Kram, dafür hat er keinen Nerv. Adrian mag es oberflächlich. Er mag es, wenn alle gut drauf sind, einfach lustig.
Dennoch hört er ihm zu, unbricht Lucien nicht, auch als er eine Pause macht, die er bestens hätte nutzen können.
Adrian nickt, "weißt du was? Ja, das hört sich dumm an. Ich frage mich nicht wieso ich genau so leben, weil ich es mir ausgesucht habe... Weil ich selbst entschieden habe, weil ich nicht auf irgendeine göttliche Fügung gewartet habe und das scheiß Schicksal mich mal kreuzweise kann".
Der Junge lacht auf, doch klingt es wie ein lautes Bellen.
"Jeder kann sich selbst dafür entscheiden, wie er lebt.. die Frage ist nur.. ob man zu feige ist".
Adrian macht eine kurze Pause, nimmt einen Schluck von seinem Bier.
"Also De Clermont, bist du? .. bist du zu feige?".


ᴡᴇ ᴀʀᴇ ʟɪᴀʀs, ᴡᴇ ᴀʀᴇ ʙᴇᴀᴜᴛɪғᴜʟ ᴀɴᴅ ᴘʀɪᴠɪʟᴇɢᴇᴅ, ᴡᴇ ᴀʀᴇ ᴄʀᴀᴄᴋᴇᴅ ᴀɴᴅ ʙʀᴏᴋᴇɴ. ᴀ ᴛᴀʟᴇ ᴏғ ʟᴏᴠᴇ ᴀɴᴅ ʀᴏᴍᴀɴᴄᴇ, ᴀ ᴛᴀʟᴇ ᴏғ ᴛʀᴀɢᴇᴅʏ.
ᴡʜɪᴄʜ ᴀʀᴇ ʟɪᴇs? ᴡʜɪᴄʜ ɪs ᴛʀᴜᴛʜ. ʏᴏᴜ ᴅᴇᴄɪᴅᴇ

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#524

RE: start

in One of us is lying 08.05.2019 22:00
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte



LUCIEN DE CLERMONT
bei Adrian


„Hm“, macht Lucien und ist dann nochmal einige Zeit still.
Adrian spießt das Steak einfach auf und beißt davon ab, was Lucien eine gute Idee scheint. Das Messer ist wahrscheinlich stumpfer als es aussieht, die Zähne helfen mehr als alles schneiden und säbeln.
Lucien legt das Besteck neben den Teller. Obwohl sein Magen noch kurz vorher geknurrt hat, hungert ihn nicht mehr wirklich. Dass man mit dem Gericht nicht spielt, das hat ihm tatsächlich niemand beigebracht. War immer schon klar, weil die Portionen so klein waren, das man ohnehin wenig zum Spielen hat.
Das Einzige, das seine Kehle leicht hinunterrutscht ist das Bier, von dem er jetzt den dritten Schluck nimmt. Der Franzose lehnt sich in seinem Stuhl zurück, das klapprige Ding quietscht und er hebt zweifelnd die Augenbraue. Wiegen tut der Footballer nicht wenig und er hat keine Lust, am Boden zu landen, weil Adrians Stuhl unter ihm nachgibt.
Leise will er auflachen und vor allem eines tun: gegen Adrians Worte protestieren. „So einfach ist das nicht“, meint er vage, schiebt sich eine wirre Locke aus der Stirn. So wie der Deutsche das sagt klingt es wie schwarz und weiß. Entweder du tust es, wählst schwarz, oder du lässt es, bleibst unbeschrieben weiß. Lucien sieht es als Grauzone.
Er kann nicht einfach, ganz ohne Rücksicht auf Verluste, sagen dass er hier einen Cut setzt. Es hängt so viel mehr dahinter. Er hat Verantwortung zu tragen, hat Verpflichtungen – Lucien kann sich nicht so einfach aus dem Staub machen.
Zumal er gar nicht wüsste, wie man das anstellt. Ein neues Leben beginnen, irgendwie oder irgendwo, wo ihn niemand kennt. „Wahrscheinlich bin ich das“, antwortet er schließlich. „Wahrscheinlich bin ich zu feige.“
Der Junge zuckt mit den Schultern, sieht Adrian an, als warte er darauf welch heilvolle Nachricht er ihm nun überbringt. Er stellt seine Bierflasche auf dem Tisch ab, verschränkt die Arme hinter dem Kopf. „Was machen feige Menschen? Die, die nicht die Möglichkeit haben, einfach alles umzukrempeln? Warten, bis sie versauern und eingehen?“


So I will keep you day and night, here until the day I die
I'll be living one life for the two of us
I will be the best of me, always keep you next to me


zuletzt bearbeitet 08.05.2019 22:01 | nach oben springen

#525

RE: start

in One of us is lying 10.05.2019 00:11
von Sissi • Junior Member | 70 Beiträge | 4450 Punkte


Dylans Zuhause - Dylan

Es war kaum verwunderlich, dass sein Freund die meisten Dinge letztendlich doch wusste. Aktiv gelogen hatte er schließlich noch nicht, mal ganz abgesehen von den grundsätzlichsten Daten. Danach hatte er versucht, das meiste irgendwie zu umgehen, um Lügen aus dem Weg zu gehen. Also nickte er nur, schüttelte dann minimal schmunzelnd den Kopf. "Charmant." Aber wirklich. Zwar wusste er, dass er einen durchaus altmodischen Namen trug und sein Spitzname zudem gewöhnungsbedürftig war, so direkt wurde er darauf jedoch noch nie angesprochen. Nicht, dass es ihn störte. Er wusste Ehrlichkeit zu schätzen, auch wenn es in diesem Moment vielleicht schwer zu glauben war.
"Naja, es wäre viel Hin- und Her, würde viel Konzentration erfordern", murmelte er nachdenklich und zögerte einen Moment. "Nenn mich einfach weiter Nate. Wenn die Mission dann zu Ende ist können wir das ja überdenken." Wenn er Charles sowieso nicht mochte, dürfte ihm das recht einfach fallen. Zumal es unerwünschte Missverständnisse verhindern würde. "Oder ich ändere einfach meinen Namen", fügte er dann scherzhaft hinzu. Aber mal ehrlich: So abwegig war es nicht. Nur, dass seine Familie ihn wohl ernsthaft hinterfragen würde. Wobei sie das in naher Zukunft vermutlich sowieso tun würden. Er würde es ihnen schließlich sagen müssen. Er liebte den jungen Mann vor sich einfach, würde es nicht nur ihm, sondern auch seiner Familie sagen. Und das vielleicht sogar gern. Er lächelte also verzückt und sah zu ihm, legte den Kopf leicht schräg. "Du hast ja keine Ahnung, wie glücklich es macht, das zu hören", murmelte er, mehr zu dem anderen als zu sich selbst, "ich liebe es ebenfalls, das zu hören." Und es zu sagen. Weswegen er es wohl immer und immer wieder tun würde. Weswegen er dazu stehen würde. Gegenüber jedem. Irgendwann auch seiner Familie. Aber nicht jetzt. Noch nicht.
Jetzt hatte er erstmal ganz andere Probleme, mit denen er sich beschäftigen müsste. Dylan hatte diesbezüglich ganz eigene Ideen, über die er einen Moment nachdenken musste. Nachdenklich rieb er sich über die Stirn, schwieg. Nickte dann. "Ich denke, wir sollten zweiteres versuchen. Verstecken sollten wir uns nicht, aber ich werde auch nicht konstant überwacht, weswegen das kein Problem darstellen sollte. Wenn sie es dann doch rausfinden, werde ich mal schauen, wie sie reagieren und zur Not deine Idee als Rechtfertigung einsetzen. Das dürfte die Wut wohl etwas lindern." Und mit etwas Glück müsste er auch gar nicht lügen. Denn vielleicht, nur ganz vielleicht könnte er ja bis dahin den Mörder identifiziert haben und dann gäbe es keinen guten Grund mehr, ihn zu feuern. Vermutlich war es Wunschdenken, aber gerade jetzt war das alles, was er brauchte.
Nun war er es, der seufzte. Was er da sagte war fast schon zu kitschig um wahr zu sein und ließ ihn zudem im Zwiespalt zurück. Nach dieser Theorie wäre es tatsächlich okay, einfach dieses riesige Geschenk anzunehmen, was ihm da angeboten wurde. Nur ging das gegen seinen Stolz und all seine Prinzipien. Andererseits wäre es vielleicht okay, diese Prinzipien mal bei Seite zu räumen, wenn es Dylan glücklich machte. Fraglich wäre nur, ob er selbst die Reise dann auch nur um Ansatz genießen könnte. Unsicher biss er sich auf der Lippe rum und sah dann zu seinem Freund rüber, um diesem ein Lächeln zu schenken, was er redlich verdient hatte. "Du bist echt süß, weißt du das?" Kurz schwieg er, nickte anschließend. "Okay. Okay, du hast mich überzeugt."
Er könnte ihn wohl zu ausnahmslos allem überzeugen. Weswegen er nur lächelnd nicken konnte. "Für dich immer", meinte er ehrlich, wobei ihm dann etwas in den Sinn kam. "Glaubst du, du kannst mit meiner auskommen?" Hundertprozentig könnte er sich schließlich nicht angleichen. Egal, wie gern er es tun würde. Dazu wurde er zu gut erzogen. Zumal Dylan irgendwann auch seine Familie kennenlernen würde und dazu musste er bereit sein, zumindest auf einer gewissen Ebene.
Wobei er ihm dazu ersteinmal verzeihen müsste und das würde wohl noch etwas brauchen. Aber solang sie diese Zeit zusammen verbrachten war alles gut. Sobald zum Essen gerufen wurde begab er sich in die Küche und sah neugierig auf die Teller. Es roch wunderbar und würde sicherlich auch so schmecken. Also setzte er sich und sah etwas verunsichert zu seinem Freund, als dert etwas auf einer fremden Sprache - vermutlich ungarisch? - meinte. "Dir auch?", meinte er zögerlich fragend - hoffentlich hatte er ihm gerade einen guten Appetit gewünscht. "Vielen Dank fürs Kochen", meinte er dann ersteinmal und begann schließlich, zu essen, wobei er gleich nach dem ersten Bissen ein wohliges Summen von sich gab. "Das schmeckt köstlich." Tat es wirklich. Gott, er würde allein für dieses Essen bei Dylan einziehen. Höhe hin oder her.


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