#26

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 03.02.2015 15:18
von Alex • Senior Member | 5.831 Beiträge | 1037624 Punkte

Aufmerksam lauschte ich Nathan's Worten und konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. "Nun ja. Ich könnte niemals klauen. Dafür bin ich viel zu ungeschickt und tollpatschig.", stellte ich lächelnd fest. "Aber es ist gewiss ein Talent. Auch wenn es kein besonders gutes ist.", fügte ich hastig hinzu und zuckte mit den Schultern. "Straßenkämpe sind in dem Sinne gut, weil du deine Freundin sehr gut verteidigen kannst und darauf stehen Frauen doch.", fuhr ich nachdenklich fort und überlegte zeitgleich, ob er vielleicht außerhalb dieser Mauern jemanden hatte. Gut genug sah Nathan aus und sein Charakter schien auch nicht schlecht zu sein. "Das reine Überleben am Rande der Gesellschaft ist ebenfalls nicht schlecht. Du kannst auch mit wenig Hab und Gut umgehen und brauchst keine Luxusvilla über dem Kopf.", erklärte ich zuversichtlich. Ich fand auch in diesen eigentlich negativen Aspekten einen Hoffnungsschimmer. Letztendlich konnte man wirklich alles irgendwann mal gebrauchen. Auch wenn es dich dabei um stehlen, kämpfen und überleben drehte. Ich erzählte also einfach munter vor mich hin und achtete gar nicht darauf, ob es meinen Gesprächspartner überhaupt interessierte. Ich wollte ihn ablenken und wieso sollte ich Nathan dann nicht meine halbe Lebensgeschichte erzählen? Immerhin lenkte es ihn ab und mehr wollte ich gar nicht. Auch wenn es im Vergleich zu seinem Leben etwas dick aufgetragen war und ich es gut nachvollziehen konnte, wenn er etwas eifersüchtig auf mich war. Schließlich hatte ich stets alles gehabt und von allem auch nur stets das Beste vom Besten. Da konnte Nathan natürlich nicht mithalten, auch wenn ich es ihm nicht übel nahm. Wieso denn auch? Ich war absolut offen gegenüber den Menschen, die es nicht so gut hatten. Für mich zählte der gesellschaftliche Stand, das Vermögen oder die Berufe der Eltern nicht. Solange der Charakter passte und man sich wenigstens ein wenig um die Körperpflege kümmerte, gab ich mich auch mit einem armen Schlucker ab. Solange dieser dann auch kein Problem damit hatte, wenn ich die meisten Rechnungen übernahm. So etwas war doch eigentlich voll normal. Es musste nicht jeder für sich zahlen und es musste auch nicht unbedingt der Mann zahlen. Entweder übernahm eben die Person mit dem höheren Einkommen die Bezahlung oder man wechselte sich ab. Eine andere Möglichkeit war noch, das gesamte Geld zusammen zu legen. Allerdings war das dann wohl eher etwas für Paare, die schon länger zusammen waren und auch zusammen wohnten. Von diesem Umstand konnte ich bisher nur träumen. Mir fehlte ja sogar noch der passende Mann. "Immer schön lächeln.", murmelte ich beruhigend und konnte gut verstehen, dass Nathan nicht viel von meiner Wohnungssuche wissen wollte. Er verbrachte Tag für Tag in einer kleinen Zelle, die wahrscheinlich sogar kleiner als die Abstellkammer war, welche man über die Küche meines Vaters erreichte. Als einer der Polizisten Nathan ziemlich scharf musterte, zog der junge Mann sofort die Hände vom Tisch. Ich seufzte leise und schenkte dem Bullen einen genervten Blick, ehe ich überrascht zur Tür sah. Da stand tatsächlich mein Vater im Türrahmen und musterte mich mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen. Ich hob grüßend die Hand und lächelte, als mein Vater sich zu uns gesellte und mir kurz über die blonden Wellen strich. "Hallo, Maddie.", begrüßte er mich und musterte Nathan interessiert. "Nathan, darf ich dir meinen Vater vorstellen?", murmelte ich und senkte peinlich gerührt den Blick, als Matthew meinem Gegenüber doch tatsächlich die Hand entgegen streckte. Musste er sich denn unbedingt so verhalten? Ansonsten hatten wir auch kein besonders enges Verhältnis und plötzlich spielte er sich auf wie der fürsorgliche Papa, welcher gerade den Freund seiner Tochter kennen lernte. Nachdem mein Vater den jungen Mann begrüßt hatte, schenkte er wieder mir die Aufmerksamkeit. "Wir gehen heute Abend mit deinem Bruder essen, Maddie. Also sei bitte um 18 Uhr entweder in unserem Stammrestaurant oder halt gegen kurz vor daheim, dann nehmen wir dich mit.", befahl mir mein Vater mit strenger Stimme und ich seufzte. "Und welcher von Dylan's merkwürdigen Freunden ist dieses Mal dabei?", informierte ich mich mit ironischem Unterton und erhielt auch sofort eine Antwort. "Ein 25-jähriger junger Mann aus einer wohlhabenden Familie. Er verdient schon jetzt Millionen und seine Villa liegt auch bei uns in der Gegend.", erklärte mir mein Erzeuger und ich verdrehte die Augen. "Klar. Hauptsache er ist erstmal sieben Jahre älter als ich. Und es ist besonders wichtig, dass er so viel Geld verdient und ne eigene Villa hat. Oder? Und wahrscheinlich ist er wieder so ein Lackaffe. Nein, danke. Meinen Zukünftigen suche ich mir wirklich lieber alleine aus!", stellte ich selbstbewusst klar und funkelte meinen Vater schon beinahe wütend an. Dieser hob beschwichtigend die Hände und trat vorsichtshalber ein paar Schritte zurück. "Also klingeln demnächst hier die Glocken und du heiratest diesen jungen Mann?", fragte er mich mit einem bissigen Unterton und nickte in Nathan's Richtung. Ich zog beide Augenbrauen nach oben und sah zu dem jungen Mann, ehe ich mich erhob und etwas aufbaute. "Wieso nicht? Wäre doch mal ne schöne Abwechslung, so eine Hochzeit.", stimmte ich ihm zu und stolzierte zu Nathan, legte mit gespielt verliebtem Gesichtsausdruck die Arme von hinten um seinen Hals und lächelte Matthew scheinheilig an. Er rümpfte nur die Nase, ließ sich von mir noch versichern, dass ich heute Abend auftauchte, und verschwand dann wieder so schnell wie er zuvor gekommen waren. Erst als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, löste ich mich von Nathan und setzte mich dieses Mal mit überschlagenen Beinen auf den Tisch. Mit einem kleinen Nicken und hervor geschobener Unterlippe nickte ich langsam. "Verstehst du jetzt, wieso ich mit meinem Bruder und meinem Vater nicht so klar komme? Mindestens einmal die Woche gehen wir abends essen und jedes Mal bringt Dylan einen neuen Freund mit, der natürlich single ist.", informierte ich den jungen Mann und verdrehte die Augen. "Und du solltest diese Kerle mal sehen. Die sehen aus wie ein aufgespritzter Ken und erwarten von mir dann, die Rolle der Barbie zu übernehmen. Fürchterlich! Und die Gesprächsthemen erst...Politik, Geld, Macht, Einfluss und sonst noch irgendwelche Dinge, die mich nicht interessieren. Beim letzten Abendessen habe ich mich kurz entschuldig und vorgetäuscht, aufs Klo zu müssen. Dort bin ich dann aus so einem kleinen Fenster geklettert und abgehauen.", erzählte ich und lachte fröhlich. Anschließend sah ich Nathan nachdenklich von oben herab an und lächelte gut gelaunt.


nach oben springen

#27

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 04.02.2015 22:55
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es war schon fast amüsant, wie sie versuchte meine einzigen Talente, die ich kannte, ins Positive verwandeln. Ich hing hier in meiner deprimierten Stimmung und sie lächelte und fand auch daran noch etwas gutes. Es war faszinierend, wo sie sich noch was aus den Fingern saugte, wo es doch schon gar nichts mehr zu finden gab. Ich schmunzelte schon fast darüber, dass sie meinte, dass ich ja eine Freundin gut verteidigen könnte, schüttelte aber leicht den Kopf. "Keine Frau möchte einen Kleinkriminellen, der keine Wohnung und keine Arbeit hat", meinte ich und dachte kurz wieder an die Frau, die in der Gasse angefallen worden war, an das ganze Blut und ihren panischen Blick, als sie aufwachte und mich biss, damit ich von ihr abließ. Ich nickte zu ihrer Bemerkung, dass ich mit wenig auskommen konnte. "Das stimmt. Ich schaffe wahrscheinlich viel mit wenig", stimmte ich zu, wenn auch mir bewusst, dass ich die Chance kaum noch haben würde. Meine Chancen lagen bei Null, auch wenn sie es nicht wusste und versuchte mir zu helfen, mir sagen zu können, was mir später behilflich sein konnte. Ich haderte noch immer mit mir, ob ich es ihr vielleicht sagen sollte, vielleicht würde sie sich dann nicht mehr so bemühen. Nicht, dass ich das schlecht fand, aber ich wollte ja auch nicht, dass sie sich umsonst bemühte. Sie war garantiert enttäuscht oder schockiert, wenn sie davon erfuhr, aber ich wollte nicht, dass sie sich von mir abwendete aufgrund dessen, was ich -nicht- getan hatte. Die Zeit, die sie hier war, die ich hier war, wollte ich noch wenigstens ein bisschen genießen können. Ein kleines bisschen.
Sie ließ nicht locker, als es darum ging, mich zum Lächeln zu bringen und ich konnte nicht anders, als sie wirklich anzulächeln. "Man, du gibst aber auch nicht auf, hm?", fragte ich mit einem kleinen Kopfschütteln. Sie hätte mir das wahrscheinlich noch eine halbe Stunde gesagt, bis ich darüber grinste, weil es total bescheuert war, aber nun gut. Lange konnte meine gebesserte Laune aber nicht halten wegen der Wächter. Ich entzog ihr meine Hände, platzierte diese auf meinen Oberschenkeln unterm Tisch, unzugänglich für Maddie. Normaler Weise wäre mir der Blick gerne am Arsch vorbeigegangen, aber ich wollte heute Nacht schlafen können. Auch ich sah zur Tür, wie automatisch, als sie sich öffnete. Ich erkannte den Gefängnisleiter, Maddies Vater, und fragte mich schon fast, ob es noch schlimmer kommen könnte, glaubte nicht, dass er es so gut fand, dass sie sich gerade mit mir unterhielt. Ich beobachtete, wie er zu uns kam und Maddie väterlich über den Kopf strich. Ich fühlte mich etwas fehl am Platze, als er seine Tochter begrüßte und sie uns einander vorstellen wollte. Überrascht war ich davon, dass er mir die Hand reichte. Aus Höflichkeit erhob ich mich kurz, als ich seine Hand nahm und den Händedruck erwiderte. "Nathan Cheers, hallo", murmelte ich ein klein wenig überfordert, vor allem weil alle Polizisten mich alarmiert ansahen. Ich ließ mich also brav wieder auf meinem Stuhl fallen. Also auch nicht mehr höflich sein, gut. Bloß nicht berühren, nicht auf Kuschelkurs gehen. Dann war ich wieder still, hörte den beiden zu. Ich war ein wenig verwundert von der Strenge ihres Vaters ihr gegenüber, wo es nur um ein Abendessen ging. Ich sah dann zu Maddie, als sie nach irgendwelchen Freunden fragte und lauschte dem Wortwechsel etwas verblüfft. Ich sollte hier nicht daneben sitzen. Das ging mich nichts an und ich fand es ein wenig merkwürdig, dass ihr Vater sie verkuppeln wollte. Zumindest scheinbar. Zu gerne wollte ich mich zurückschieben und gehen, aber der Stuhl würde laut über den Boden scharren und das wollte ich nun auch nicht. Mich noch immer wundernd sah ich dann, wie ihr Vater die Hände hob und ein paar Schritte von ihr wich, ehe er auf einmal mich ins Spiel brachte. Verdattert sah ich ihn an, sah den angespannten Kiefer und sein Ton war eben so deutlich gewesen. Dann sah ich zu Maddie, ein klein wenig hilflos, aber sie schien gerade einfach nur noch bissig ihrem Vater gegenüber zu sein. Warum redeten sie eigentlich gleich von Heirat? Ich beobachtete Maddie, wie sie aufstand und hinter mich trat, ehe sie ihre Arme um mich legte. Ich riss mich zusammen nichts zu sagen oder zu tun, während ich es schon irgendwie genoss. Sie roch gut, sehr fein und weiblich, nach einer guten Dusche und nicht nach muffigen Handtüchern. Aber dennoch gefiel mir das nicht, denn die Diskussion zog alle Augen auf sich und ich war so was wie ein Gesprächsgegenstand und das gefiel mir nicht so unbedingt. Bei dem Naserümpfen ihres Vaters seufzte ich leise, was wohl nur Maddie mitbekam, weil ihre Arme um meinen Hals lagen. Er hielt genau so wenig von mir wie die Wachen. Ich fühlte mich, als wäre ich so viel wert wie eine Küchenschabe. Er wirkte ziemlich hart beim Rest des Gesprächs, bis er schließlich verschwand. Ein wenig schade war es schon, dass die Wärme ihrer Umarmung mich verließ und sie sich neben mir auf den Tisch setzte. "Ja. Das ist dann doch ein wenig merkwürdig. Erinnert an die Antike, wo Frauen noch verheiratet wurden. Tut mir leid, dass du das ertragen musst - aber hey, da kann ich wohl mal froh sein, das auch Nicht zu haben, hm?", meinte ich schmunzelnd, erwiderte ihren nachdenklichen Blick etwas fragen. "Und, wirst du hingehen oder dich wieder rausreden?", fragte ich mit einem frechen Zwinkern, während sich die Spannung im Raum sichtlich legte. Ich war recht froh, dass ihr Vater wieder weg war. Und ich hatte keine Anweisungen gehört oder gesehen, die verheißen könnten, dass man mir das zur Last legte, dass Maddie sich um mich kümmerte. Vielleicht kam ich sogar gut davon, weil ich wenigstens höflich gewesen war und es nun schon zwei Leuten auffallen könnte, wenn mein Zustand sich sichtlich änderte.


nach oben springen

#28

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 05.02.2015 16:06
von Alex • Senior Member | 5.831 Beiträge | 1037624 Punkte

Nachdenklich legte ich den Kopf schief und seufzte leise. "Woher willst du das wissen?", fragte ich vorsichtig und mit einem sanften Lächeln nach. Ich jedenfalls brauchte keinen reichen Mann mit drei Villen, doppelt so vielen Autos und Millionen auf dem Konto. "Außerdem kann man sich immer ändern. Das Leben bietet viele Möglichkeiten.", erklärte ich leise und zuckte mit den schmalen Schultern. Meinem Vater stellte sich Nathan anschließend freundlich vor, was mich etwas stutzig stimmte. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass der junge Mann sich so gut verhalten konnte. Anscheinend war bei ihm noch nicht die Hoffnung verloren. Ich lächelte also und diskutierte dann auch schon wild mit meinem Vater, welcher mal wieder übertreiben musste. Wieso tat er eigentlich alles dafür, mich mit einem von Dylan's Freunden zu verkuppeln? Es hatte ihn noch nie wirklich interessiert, wie ich mein Leben gestaltete, solange ich nicht zu diesen Absturzkindern gehörte. Und seit ich hier war stand es beinahe jedes Wochenende an, mit ihm, Dylan und einem neuen Kerl in das schicke Restaurant zu gehen, welches sich einige Straßen entfernt von seinem Haus befand und in welchem zumindest er bereits seit Jahren Stammkunde war. Auch mich kannte man dort mittlerweile gut und eine nette rothaarige Kellnerin warf mir jedes Mal aufs Neue mitleidige Blicke zu, wenn ein neuer Schnösel bei mir war. Ich analysierte das Verhalten von Nathan ganz genau, als ich hinter ihm stand und die Arme um ihn legte. Anscheinend war ihm die Situation durchaus unangenehm. Beruhigend strich ich Nathan also unauffällig über die muskulöse Brust und lächelte stumm vor mich hin, während mein Vater wieder weiter redete. Es war echt zum Mäuse melken. Ich nahm mir vor, unbedingt noch einmal auf Wohnungssuche zu gehen. Nachdenklich biss ich mir auf die Unterlippe und war wirklich erleichtert, als Matthew endlich aus dem Besucherraum verschwand und ich mich von Nathan lösen konnte. Letzteres hätte nicht unbedingt sein müssen, käme aber durchaus komisch bei den anderen Leuten im Raum an. "Denkst du hier ist eine Zelle frei für mich?", erkundigte ich mich schmunzelnd und dekorierte in Gedanken den kleinen Raum bereits nach meinen Wünschen. Als Nathan bemerkte, es erinnerte ihn an die Antike, lachte ich auf. "Nun ja, wahrscheinlich hast du recht.", gab ich ehrlich zu und zuckte mit den Schultern. "Aber ich verstehe einfach nicht, wieso es meinem Vater so wichtig ist, mich auf einmal an den Mann zu bringen. Sonst war es meinen Eltern sogar immer ganz recht, dass ich nichts mit Jungs zu tun habe.", stellte ich schmunzelnd fest und seufzte. "Vielleicht liegt es an meinem Nebenjob hier und er hat Angst, dass ich etwas mit einem Sträfling anfange. Und deswegen sucht er jemand anständigen aus seinen Kreisen für mich, damit ich als Hausfrau in so einer verdammten Villa ende.", überlegte ich laut und seufzte ein weiteres Mal. "Ich würde niemals daheim bleiben können. Ich muss arbeiten, Abenteuer erleben. Und nicht in der Küche stehen, putzen und Kinder gebären.", stellte ich klar und grinste frech. Bei seiner nächsten Frage überlegte ich kurz, bevor ich mich von dem Tisch abstieß und ein wenig hin und her lief. "Ich werde hingehen. Manchmal ist es echt lustig, mich in dieser gehobenen Sprache auszudrücken.", beschloss ich schmunzelnd. "Außerdem...was soll ich denn sonst machen?", fragte ich nach und gähnte kurz. "Mein Leben hier in Phoenix besteht irgendwie nur aus in der Uni die Schulbank drücken, den praktischen Teilen in der Kanzlei, hier im Gefängnis arbeiten und bei meinem Dad im Haus für Ordnung sorgen.", beschwerte ich mich beinahe genervt und rollte mit den blau-grauen Augen. "Naja und dann halt noch mein Pferd. Freunde? Fehlanzeige. Ich habe gar keine Zeit, richtige Kontakte zu knüpfen.", beichtete ich beschämt. "Aber jetzt habe ich ja dich. Du wirst mein schwuler bester Freund, ja?", beschloss ich kurzerhand sogar zwei Dinge. Gut gelaunt fuhr ich mir mit einer Hand durch die Haare und nickte kurz einem jungen Mann zu, welcher den Raum betrat. Ich hatte ihn direkt an meinem ersten Tag hier kennen gelernt und er saß nur noch für einige Monate seine Haftstrafe ab. Ein kleiner Einbruch ohne Diebstahl, nur der Eigentümer des Juweliergeschäfts hatte etwas abbekommen. Es gab also durchaus schlimmeres, wenn man mich fragte. Mit ihm hatte ich auch vor etwa zwei Wochen ein Projekt ins Leben gerufen, welches prima lief. Immer wieder fuhr ich mit einem Sträfling zu dem Hof, auf welchem meine Stute stand. Die Gefangenen genossen die Abwechslung und ich hatte das Gefühl, dass es ihnen auch gut tat. Nachdenklich sah ich Nathan an und grübelte, ob ich auch für ihn einen Antrag stellen sollte. Ich würde es probieren und mein Vater würde sicher zustimmen, wenn der heutige Abend positiv verlief. Zufrieden mit meinem Plan warf ich einen Blick auf meine geliebte Michael Kors Uhr, welche ich von meiner Mädelsclique zum 18. bekommen hatte und zog überrascht die Luft ein. "Oh. Ich bin viel zu spät dran, Nathan. Mademoiselle Chateaubriand muss sich doch hübsch machen für den Gentleman heute Abend.", murmelte ich scherzend und verdrehte genervt die Augen. "Morgen bin ich nicht hier. Ich habe ein Turnier. Aber Montag komme ich sicher nach der Uni vorbei, ja?", versprach ich ihm mit ruhiger Stimme, lächelte ihn noch einmal zuversichtlich an und verließ dann auch schon das Zimmer und anschließend auch das Gefängnis.


nach oben springen

#29

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 06.02.2015 01:12
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich zuckte leicht mit den Schultern, als sie fragte, woher ich das wissen sollte. "Ich habe so meine Erfahrungen gemacht", meinte ich. Es war nichts, was mich jetzt unbedingt irgendwie tief bewegte und bedrückte, aber es war nun einmal eine Tatsache. Da fanden die Weiber es cool, dass du in einer Gang warst oder störten sich zumindest nicht daran und wenn sie sich dann der Ausmaße bewusst wurden, dass ich mit den anderen zusammen in einer leerstehenden Werkstatt hauste und das Geld, das ich hatte, durch Drogendeal verdiente oder stahl, verschwanden sie meistens sehr schnell. Oder sie wollten sich Drogen abgreifen, aber das hielt nie lange. Aber vielleicht lag das auch eher daran, dass ich auch nicht so wirklich vertrauen konnte und vielleicht auch einfach nicht dran glaubte, dass sowas gut gehen könnte. Es war makaber, dass sie meinte, dass Leben hielt einem vieles offen und es könnte sich noch alles ändern. Ich hatte keine Möglichkeit mehr. Aber ich lächelte sie an und nickte. "Schauen wir mal, erst einmal muss ich ja hier bleiben", meinte ich mit einem schiefen Grinsen, als wäre ich schon fast wieder zuversichtlich. Aber wer weiß, vielleicht würde ich das hier auch überleben. Dann müsste ich aber wirklich auf ihre Hilfe zurück kommen, aber vielleicht funktionierte das auch. Als ich so angespannt war und sie mich von hinten umarmte und sie mir über die Brust strich, war ich ein wenig überrascht. Es war eine langsame ruhige Geste, vielleicht um meine Anspannung etwas zu lösen, aber dennoch war es wahrscheinlich auch sichtbar auch für ihren Vater und vielleicht ging es ja auch nur darum. "Frei ist hier garantiert was, aber zugelassen sind Frauen hier ja nicht", meinte ich mit einem Grinsen. Ich nickte leicht bei ihren Überlegungen zu den Gründen, die ihr Vater haben könnte. "Kann gut sein. Ich versteh sowas auch nicht. Ich mein, ich kann es vielleicht verstehen, dass deine Eltern es nicht so gut finden, dass du deine Zeit gerade hier verbringst, aber zuhause fällt einem doch irgendwann die Decke auf den Kopf", fand ich ein Kompromiss und beobachtete sie, wie sie anfing auf und ab zu laufen. Ich schmunzelte leicht darüber, dass sie sich über die gehobene Sprache amüsierte und verdrehte innerlich die Augen darüber, dass sie nicht wusste, was sie sonst tun sollte. Sie hatte noch nicht im Gefängnis gesessen. Ich fragte mich das den ganzen Tag, machte aber trotzdem nichts und fragte mich nur immer, ob es Sinn machte, irgendetwas anzufangen. Erst als sie meinte, sie hätte ja mich, wo sie doch sonst keine Kontakte knüpfen könnte, und ich ihr neuer bester Freund werden sollte, sah ich sie ein wenig erschrocken an. "Ich bin nicht schwul", zischte ich schon fast, während ich mich unruhig umblickte. Es war ja nicht so, dass ich was gegen Schwule hatte, aber man sollte niemals das Wort in einem Atemzug mit irgendwelchen Namen nennen. Als Schwuler hätte man nämlich schnell zu kämpfen. Entweder mit Fäusten um sich am Leben zu halten oder mit Schwänzen, die einfach in einen getrieben wurden. Und ich hatte bisher so gut überstanden ohne etwas dergleichen. Und sie wusste doch, dass ich auf Frauen stand, das durfte sie ja feststellen, als sie sich den Pudding von den Fingern geleckt hatte. Als sie meinte, sie musste los, sah ich zu der Uhr im Raum. Es war nach vier, ich saß also schon eine gute Stunde hier, ab 15 Uhr wurde ja Besuch zugelassen bis 17 Uhr. Leise seufzte ich, scheinbar brauchte sie Zeit. Wenn sie um 18 Uhr im Restaurant sein wollten, konnte ich das vielleicht verstehen, man hörte ja viel davon, dass Mädchen ewig im Bad und bei der Suche nach dem perfekten Outfit brauchten. Es überraschte mich nur ein wenig, dass sie mir versprach, Montag wieder da zu sein, als wäre es ihr wichtig, mich wieder zu sehen. Vielleicht war es auch Einbildung. "Klar. Viel Spaß auf deinem Date", meinte ich mit einem frechen Grinsen und erhobener Augenbraue. Ich sah ihr nach, als sie den Raum durch die Tür verließ, die ein Häftling nicht benutzen durfte. Es war natürlich geteilt in dem öffentlichen und dem Haftbereich. Mit einem leisen Seufzen wandte ich den Blick von der Tür zur Freiheit ab, starrte vor mich hin und sah immer wieder zu ihr hin, wenn jemand rein oder raustrat, bis die Besuchszeit vorbei war und wir auf unsere Zellen geschickt wurden.
Die Zeit verbrachte ich vor mich hin grübelnd, dachte über ihre Worte nach. Vielleicht sollte ich versuchen mithilfe einer richtigen, fairen und engagierten Anwältin wieder raus zu kommen. Vielleicht sollte ich Maddie darum bitten, meine Familie ausfindig zu machen. Und vielleicht sollte ich einen Schulabschluss machen und sei es nur um mir die Zeit zu vertreiben. Dieses Mal verlief das Abendessen ohne Probleme, was hieß, dass ich welches bekam und nicht wieder weggeholt wurde. Die Nacht durfte ich auch in meiner Zelle verbringen und schlief wie ein Stein, nachdem ich die vorige Nacht kaum ein Auge zugetan hatte. Der Sonntag war immer ein zu Tode langweiliger Tag. Es war der Tag, der keine Beschäftigung anbot, außer abends Sport und morgens so etwas wie ein Gottesdienst, aber da ich nicht religiös war, verbrachte ich bis auf zu den Essenszeiten meine Zeit auf der Zelle und machte abends nur noch etwas Sport, auch wenn meine Muskeln von der Nacht in der Kammer immer noch ziemlich lädiert waren, weil ich die ja nur sitzend verbracht hatte, aber das war keine Ausrede um sich gehen zu lassen und Muskeln zu verlieren. Danach wurde geduscht, was übrigens anders war, als im Klischee. Es gab einzelne Kabinen, auch wenn man sie nicht abschließen konnte und es gab immer einen Wächter, der aufpasste, auch wenn das nichts hieß, da hier die allermeisten bestechlich waren. Aber bisher war mir noch nie etwas passiert und ich betete dennoch jeden Tag aufs Neue, dass das auch so blieb.

Am Montagmorgen entschied ich mich dann für einen vielleicht entscheidenden Schritt. Nach dem Frühstück ging ich zu dem Trakt, wo der Unterricht stattfand und ließ mich eintragen, wohnte dann der ersten Unterrichtsstunde nach fast zehn Jahren bei. Es erschlug mich schon fast. Ich bekam alles, was man so brauchte - wenn auch immer in den Versionen, die baby-tauglich und bloß unmöglich als Waffe einzusetzen wären, abgesehen von den Stiften, wo das nicht funktionierte. Bewacht wurde die kleine Gruppe Schüler durch ein paar Polizisten und der Lehrer machte seinen Unterricht, nachdem er mich erfreut gegrüßt hatte. Er schien in Ordnung, ein offener Typ. Er erzählte viel und er schrieb genau so viel. Mit den Notizen machen kam ich kaum hinterher, wusste nicht, wie ich dieses oder jenes schrieb, aber das sah ja niemand. Der Englisch- Unterricht schlauchte mich total, Geschichte war in Ordnung und Mathe fand ich gut. Mit Zahlen konnte ich was anfangen, sie gehorchten Regeln und waren logisch. Sprache und Interpretation war immer variabel. Vergangenes war auch okay, denn es änderte sich nicht mehr, damit kam ich auch klar. Schließlich war der Vormittag mit dem Unterricht vorbei, Mappen für die verschiedenen Fächer durfte ich anlegen und mitnehmen, Stifte und Bücher blieben immer in den Unterrichtsräumen in einem Fach, das jeder Schüler hatte. Es wäre sonst zu viel, was man mit auf die Zelle nahm und 'gefährlich'. Nur schon geschriebenes durfte man mitnehmen um es noch mal anzusehen.
Dass das Mittagessen mal wieder ziemlich fad war, störte mich heute sogar nicht mal so, dafür war ich zu gut gelaunt und das nur, weil ich mal etwas unternommen hatte, was mich aus dem tristen Alltag rausgeholt hatte, wie Maddie es vorhergesagt hatte. Für eine Nachmittagsaktivität hatte ich mich noch nicht entschieden, hatte mir die Liste aber angesehen, ehe ich mich in meine Zelle zurückzog. Erst zum Abendessen kam ich dann wieder heraus, ging zur Mensa und schnappte mir ein Tablett. Ich war zwar früh dran, aber es gab immer ein paar, die ebenfalls früh da waren. Schließlich öffnete ich die Mensa und man konnte sich sein Abendessen schön zusammenstellen aus einem kalten Buffett. Hinter der Theke wurde gewerkelt um alles immer parat zu haben. Maddie war auch wieder dabei, was mich freute. Ich wartete, bis ihr Blick mich fand, grinste sie an. "Ich hab mich für den Unterricht gemeldet und war heute schon da", erzählte ich ihr leise, aber euphorisch, hörte neben mir schon ein genervtes Seufzen, weil ich stehen geblieben war in der Reihe.


nach oben springen

#30

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 07.02.2015 16:21
von Alex • Senior Member | 5.831 Beiträge | 1037624 Punkte

Nachdem ich mit dem Auto das Gelände des Gefängnisses verlassen hatte, steuerte ich den schicken Wagen erst einmal noch kurz in Richtung Stall, damit ich mich versichern konnte, dass es Cerise gut ging. Zehn Minuten später stieg ich aus meinem Auto und pfiff schon einmal leise, damit meine Stute mich hörte. Sofort bekam ich eine erfreute Antwort und sah die Schwarze über die Koppel in Richtung Zaun jagen, an welchem sie abrupt stoppte. Ich lief glücklich zu Cerise und kraulte ihr erst einmal liebevoll den Kopf, ehe ich beschloss, sie schon einmal in den Stall zu holen. "Hallo meine Süße.", murmelte ich und drückte der Stute einen Kuss auf die Nüstern. Schmunzelnd griff ich nach dem roten Führstrick, welcher an einem Haken hing und hakte ihn gewissenhaft und mit schnellen Handgriffen in das ebenfalls rote Halfter, öffnete das Tor und führte Cerise von der Koppel in ihre Box. Der Stall war recht klein und bestand aus insgesamt drei Stallgebäuden. Eines beherbergte zwanzig Privatpferde, das Zweite stand den Turnier- und Zuchtpferden zur Verfügung und das Dritte war für die Schulpferde, welche der Hofinhaber für seinen Schulbetrieb nutzte. Nachdenklich betrat ich die Stallgasse und führte meinen Liebling zu ihrer Box, in welcher ich sie ablieferte und sowohl Halfter wie auch Führstrick abnahm. Leise vor mich hin murmelnd steckte ich Cerise noch eine Karotte als Leckerli zu und verabschiedete mich dann auch schon von ihr. "Morgen komme ich länger. Versprochen!", murmelte ich traurig und entschuldigend, als die Rappstute mich wehleidig ansah, als die Boxentür ins Schloss fiel. Hastig verließ ich den Stall, grüßte noch kurz eine andere Einstellerin und fuhr dann auch schon in die wenige Kilometer entfernte Stadt, erreichte fünfzehn Minuten später die Villa meines Vaters und parkte den Wagen in der Garage, in welcher auch weitere Autos standen. Diese gehörten allerdings alle meinem Vater. Drei Autos besaß der gute Mann. Ich hatte noch nie verstanden, wieso er drei Autos brauchte. Zwei Stück konnte ich ja noch irgendwie nachvollziehen, aber alles was dadrüber lag? Nein. Doch ich hatte keine Zeit, mir weitere Gedanken darüber zu machen. Seufzend sperrte ich die Haustür auf und machte mich zugleich auf ins Bad, duschte mich hastig und föhnte direkt danach meine Haare trocken, damit ich sie noch ein wenig glätten konnte. In Windeseile legte ich noch etwas Make-Up auf und wählte dann auch schon eines meiner schicken Abendkleider aus. Bodenlang, beige mit einigen Strasssteinchen und trägerlos. Eines meiner Lieblingsstücke, da es recht schlicht war. Mit Schmuck und Parfüm machte ich meinen Look perfekt, griff nach einer schwarzen Clutch und lief dann auch schon nach unten ins Wohnzimmer, in welchem ich meinen Vater vermutete. "Sehr schön, Maddie.", lobte er mich zufrieden und wir machten uns auf den Weg. Der Abend zog sich endlos lang hin und ich war immer wieder mal kurz davor, einfach zu flüchten. Weit nach Mitternacht fiel ich endlich in mein Bett und stellte fluchend fest, dass ich um neun Uhr schon wieder aufstehen musste. Den nächsten Tag verbrachte ich von Mittag bis Abend im Stall. Zuerst gönnte ich Cerise eine komplett neue Einstreu und wusch den Boden der Box sogar noch extra aus und ließ ihn trocknen, während ich Cerise vor dem Stall anband und sie ordentlich putzte. Während ich die Stute kurz draußen in der Sonne stehen ließ, gab ich neue Einstreu in ihre großzügig bemessene Box und kehrte beladen mit dem Sattelzeug, natürlich maßgeschneidert, zurück zu meiner süßen Maus. Geschickt sattelte und trenste ich mein Pferd auf und führte sie anschließend zum Reitplatz, da ich erst einmal ein wenig arbeiten wollte. Nach 45 Minuten beendete ich das heutige Training und lenkte den Rappen gut gelaunt durch das Hoftor ins Gelände, damit sie sich noch einmal auspowern konnte. Weitere 70 Minuten später erreichte ich wieder den Hof, versorgte Cerise und stellte sie auf die Koppel. Schnell richtete ich noch ihr Futter für den Abend her, schrieb der Reitbeteiligung einen Zettel und mistete noch einige weitere Boxen des Privatstalls aus, da wir Einsteller ein sehr gutes Verhältnis untereinander hatten. Gegen 17 Uhr kam meine Reitbeteiligung, weswegen sich die Sache mit dem Zettel erledigte und ich direkt mit ihr sprechen konnte, dass sie heute etwas ruhiger mit Cerise arbeiten sollte. Wir unterhielten uns ein wenig und ich longierte noch ein wenig eine trächtige Stute, die nur noch in der Box stand, damit sie wenigstens etwas Bewegung hatte.

Den Montagmorgen verbrachte ich erst einmal produktiv in der Uni von Phoenix, eilte von einem Vortrag zum anderen und fuhr nach der Mittagspause in die Kanzlei. Dort holte ich noch ein paar Informationen für Nathan, verstaute die Mappe in meiner Handtasche und machte noch etwas Papierkram, ehe es auch schon Zeit war, zu gehen. Gut gelaunt und mit lauter Musik fuhr ich zum Gefängnis, parkte den Wagen und stolzierte in einem typischen Alltagsoutfit in Richtung Mensa, da ich heute wieder bei der Zubereitung des Abendessens helfen wollte. Schließlich bekamen die Sträflinge sonst nur Mist und mit meiner Hilfe ernährten sie sich wenigstens gesünder. Also bereitete ich das kalte Buffett sehr bewusst vor und fügte noch Obst und Gemüse hinzu. Als ich dann den Blick hob und mich gerade nach Nathan umsehen wollte, stand der junge Mann schon vor mir. Ich grinste gut gelaunt zurück und stellte eine Platte auf der Theke ab, ehe ich mich etwas absützte und dem jungen Mann zuhörte. "Super, Nathan.", lobte ich ihn zufrieden. "Und wie war es?", erkundigte ich mich interessiert und griff nach meiner Handtasche, welche an einem Haken hing. Schnell zog ich die Mappe hervor, stöckelte zurück zur Theke und reichte sie Nathan. "Ich habe heute doch mal mit Maja über deinen Fall gesprochen und da drinnen sind paar Tipps und Tricks und so.", erklärte ich grinsend und hielt ihm die schwarze Mappe über die Theke hin.


nach oben springen

#31

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 08.02.2015 19:57
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es freute mich total, Maddie wieder zu sehen. Sie war echt ein liebes Mädchen, hübsch noch dazu und brachte mir einfach gute Laune, weil sie nicht argwöhnisch war und einen verurteilte. Sie fragte nicht, warum ich hier war und wie lange ich noch bleiben musste. Sie nahm es hin, wenn ich nicht sicher war und versuchte nicht, mir Dinge aufzuzwingen, sondern schlug einfach etwas vor und versuchte zu motivieren. Und vielleicht war sie ja auch ein wenig stolz, dass ich mich beim Unterricht angemeldet hatte. Sie hatte es mir immerhin vorgeschlagen. Wobei es mir schon reichen würde, wenn sie mir dafür ein schlichtes Lächeln schenkte. Hauptsache, sie würde mich nicht dafür auslachen oder es einfach als selbstverständlich abtun, wo ich doch gerade so euphorisch darüber war. Zufrieden lächelte ich sie an,nahm mir etwas von dem Gemüse, das sie auf einer Platte gerade noch bereitgestellt hatte und legte es auf meinen Teller, während ich ihr stolz sagte, dass ich mich beim Unterricht angemeldet hatte, wenn auch leise. So cool war es für die Insassen ja nicht, sich den Regeln zu unterwerfen und gute Miene zu bösem Spiel zu machen. Wenn man beim Sport Gewichte stemmte und zwar viel, dann war man cool. Wenn man die kleinen Nieten fertig machte, Leute einschüchterte und verprügelte, dann war das cool. Schule war aber nur für Nerds und die, die so tun wollten, als würden sie sich bessern. Ich machte es vielleicht aus beiden Gründen, ich lernte gerne was neues und musste zeigen, dass ich mich auch der Gesellschaft und deren Vorstellungen anpasste.
Als Maddie mich dafür lobte, grinste ich sie breit an. "Eigentlich sogar echt ganz gut", antwortete ich auf ihre Frage, als sie dann auch schon fast abhaute. Verdutzt sah ich ihr nach, als sie ein Stück in der Mensa verschwand. Ein wenig fragend sah ich sie an, als sie wiederkam und mir eine Mappe in die Hand drückte. Kurz sah ich hinein, blätterte schnell ein wenig durch, während sie mir erklärte, was es damit auf sich hatte. Ich schmunzelte leicht, denn viel hatte ich ihr ja gar nicht gesagt, wie viel hatte sie Maja schon erzählen können. "Danke. Ich schau das mal durch", sagte ich mit einem Lächeln, ehe ich mit einem entschuldigenden Blick mein Tablett weiterschob und zur Seite trat, weil der Typ neben mir sich räusperte und seine Fingerknöchel knacken ließ, eine nonverbale Drohung. Und wo mein Veilchen gerade doch wenigstens ein wenig blasser wurde, wollte ich nicht schon wieder ein neues bekommen. "Wir sehen uns garantiert später noch oder so", murmelte ich noch, sammelte mir noch ein bisschen Essen zusammen, ehe ich mein Tablett nahm und zu einem Platz am Rande trug. Gemütich machte ich mich über das Essen her, das doch größtenteils sogar frisch war und nicht nur als labberigen Obst und Gemüse bestand. Während ich also aß, mühte ich mich mit den Hilfssätzen, Chancengleichungen und Verhaltenstipps ab. Lesen strengte mich ziemlich an, zu wenig beschäftigte ich mich dafür mit Lesen und Schreiben.


nach oben springen

#32

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 09.02.2015 18:15
von Alex • Senior Member | 5.831 Beiträge | 1037624 Punkte

Nathan's erfreuter Gesichtsausdruck sprach für sich, was dafür sorgte, dass die Küchenchefin verächtlich grunzte. Angewidert sendete ich einen Blick in ihre Richtung und widmete mich lieber wieder dem jungen Mann, welcher Aufmerksamkeit meiner Meinung nach bitter nötig hatte, damit er in der Öde der Gefängnismauern nicht verrottete. "Das klingt doch prima, wenn es echt ganz gut war.", meinte ich erfreut und lächelte etwas. Es bereitete mir tatsächlich sehr viel Freude, dass Nathan den Unterricht besucht hatte und es ihm anscheinend auch Spaß machte. "Es ist was viel besseres, den Morgen sinnvoll zu nutzen, mein Lieber. Außerdem kommt es immer gut an, wenn man sich Mühe gibt.", erklärte ich und reichte ihm dann auch schon die Akte, welche zwar nicht voll war, aber zumindest einige Blätter enthielt, welche Nathan sicher weiterhelfen konnten. Ich hatte Maja nicht allzu viel über den Fall erzählen können, da ich selbst kaum etwas wusste. Wie gesagt, ich interessierte mich für diese Dinge nicht, da ich so oder so jeden Menschen gleich behandelte. "Tu das. Es ist zwar nicht viel, aber immerhin etwas. Und vor allem die Tipps und Tricks solltest du dir merken. Damit kommt man immer weiter. Maja hat sich echt Mühe gegeben, alles zusammen zu stellen. Obwohl sie dich nicht einmal kennt. Aber mir kann halt niemand wiederstehen.", scherzte ich und nickte Nathan kurz verabschiedend zu, als er sich aufgrund des Drängens des Kerls hinter ihm aus dem Staub machte. Nachdenklich sah ich ihm nach, verteilte gut gelaunt das restliche Essen und half danach noch kurz in der Küche mit, ehe ich meine Tasche ergriff und durch die Mensa spazierte. Irgendwann erkannte ich auch den jungen Mann an einem der Tische. Alleine. Seufzend ließ ich mich neben ihm fallen und sah ihn mit schief gelegtem Kopf tadelnd an. "Ein paar Kontakte solltest du hier aber trotzdem pflegen. Du kannst doch nicht immer alleine sein. Das schadet.", schimpfte ich mahnend und holte einen dicken Ordner aus meiner Tasche, welche ich aufgrund der Größe vor allem für die Uni nutzte. Nach dem Ordner landete noch mein Federmäppchen auf dem Tisch. Außerdem kramte ich noch eine Weile in der Tasche herum, bis ich ein in Alufolie verpacktes Päckchen auf Nathan's Tablett legte. "Da, iss mal. Ich hatte heute irgendwie keine Lust auf Brot.", erklärte ich und zuckte mit den Schultern. Nathan würde sich sicher über das Vollkornbrot mit Frischkäse und Gurkenscheiben freuen. Interessiert schwenkte mein Blick dann ein wenig ab. Meine Augen überflogen das Blatt, welches vor dem jungen Mann lag, aufmerksam. "Schon fleißig am lernen, hm?", stellte ich lobend fest, wobei es mir nicht entging, dass er anscheinend wirklich Probleme hatte. "Wenn du willst, kann ich dir helfen. Erst einmal vorallem lesen und schreiben. Und später bei allem, was dir Probleme bereitet.", schlug ich hilfsbereit vor. "Du musst dich auch nicht schämen. Eine meiner ehemaligen Klassenkameradinnen konnte bis zum Abitur nicht richtig lesen.", beruhigte ich Nathan gelassen. "Ich habe auch ganz viele Bücher. Ich kann dir mal mein Lieblingsbuch mitbringen. Dann lesen wir zusammen und in deiner Zelle kannst du es jeden Abend wiederholen.", bot ich außerdem zuvorkommend an und schlug den Ordner stöhnend auf. "Oder du machst mir meine Aufgaben.", murmelte ich wenig begeistert und starrte den Papierkram aus der Uni an, welchen ich lernen musste. Gähnend griff ich nach meinem geliebten Füller und legte mir meinen Block auf den Tisch, damit ich einige wichtige Details aufschreiben konnte. Hin und wieder sah ich zu Nathan, lächelte und wickelte mir gelangweilt von meinem Studium blonde Haarsträhnen um den Finger.


nach oben springen

#33

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 10.02.2015 23:45
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Auch ich bemerkte durchaus den verächtlichen Laut der Mensatante. Ich mochte sie aber auch nicht, wie fast alle, die hinter der Theke standen. Ich hatte aufgegeben, mich zu beklagen über irgendetwas. Sie waren alle hart und abfällig jedem gegenüber, der auf meiner Seite um Essen bettelte. Ich hatte ein paar mal gesagt, dass es nicht schmeckte, hatte mal von dem einen Bestandteil des Essens mehr verlangt und wollte dafür was anderes nicht und da wurde einem auch nur gesagt, dass es kein Wunschkonzert war und mal wurde auch der Witz gerissen, man solle sich woanders was bestellen oder selbst kochen mit der Pointe - Ach ja, kannst du ja nicht, weil du im Knast sitzt. Es war immer wieder ermutigend. Wahrscheinlich hatte jeder inzwischen seinen Geschmack aufgegeben, nahm hin, wenn es total zerkocht war, angesetzt hatte, zu viel oder gar kein Salz hatte. Man aß auch das, was man absolut nicht mochte oder musste es stehen lassen, sollte man eine Allergie haben. Bisher hatte ich zum Glück noch keine bei mir festgestellt und ich war auch froh, dass ich keine hatte, weil ich wirklich nicht elendig verrecken. Ein leichtes Lächeln huschte über mein Gesicht, als ich sag, wie Maddie ihr einen abwertenden Blick schenkte und sich dann wieder mir zuwendete. "Ich denke auch. Schlimmer als in der Zelle zu sitzen, kann es ja aber auch kaum sein", meinte ich lächelnd. Bei ihrem Scherz lachte ich leise auf. "Das stimmt wohl. Du hast mir auch den Anstoß zum Unterricht gegeben", meinte ich und zwinkerte ihr zu, ehe ich schließlich den anderen auch Platz machte.
Ich bemerkte Maddie gar nicht, weil ich so versunken in das war, was sie mir gegeben hatte, weil ich mich so sehr da rein lesen musste, um es zu verstehen und mir einzuprägen. Ich zuckte also fast zusammen, als sie auf einmal neben mir saß und seufzte. "Ich bin doch gar nicht immer allein. Ich habe doch jetzt dich", meinte ich mit einem halben Grinsen und griff ja ihren Satz von gestern auf. Ich hatte zwar ein paar Leute mit denen ich mich verstand, aber der Junkie war noch ängstlicher in der Öffentlichkeit, der Dealer wollte auch nicht in Verbindung gebracht werden können, weshalb man ihn eher selten sah und der Killer, der war auch mit der Gruppe befreundet, die mich zusammengeschlagen hatte, weshalb er sich seit dem auch eher von mir fernhielt. Bevor Maddie hier gewesen war, hatten wir durchaus das Essen mal gemeinsam verbracht. Ich beobachtete Maddie, wie sie einen Ordner und Schreibzeug herausholte und wandte mich gerade zum dritten mal dem gleichen Satz zu, als auf einmal ein Alu-Bündel auf dem Tablett erschien. Ich sah verwundert auf, als sie es auch schon erklärte. "Bin ich so mager, dass du mich zufüttern musst?", fragte ich, während ich aber lächelnd nach dem Paket griff und es auspackte. Man aß, was man kriegen konnte. Besonders falls man wieder im Keller landete. Ich fing also an es zu essen, erfreut von dem frischen Geschmack. Sowas wie Frischkäse gab es hier nur sehr selten. Während ich aß, las ich weiter. Oder viel mehr: entzifferte. Die Schrift war deutlich, keine Frage, aber ich konnte kaum lesen und schreiben ohne Probleme. Und es war mir unangenehm, das zu zeigen, weshalb ich vorerst aufgab und doch lieber Maddie beobachtete, damit sie nicht merkte, wie lang ich an einer Stelle hing. "Ja, halbwegs", antwortete ich auf ihre feststellende Frage, sah sie kurz unsicher an, ehe ich die Mappe doch zuschlug und mich ganz dem restlichen Brot widmete. Scheinbar hatte sie aber schon bemerkt, dass ich Probleme hatte. Ihr erster Satz ließ es ja noch nicht so ganz anklingen, aber deutlich wurde es dann leider doch. Ich senkte meinen Blick, wischte die letzten Krümel von meinen Fingern. Dass sie sagte, dass ich mich nicht schämen, machte es nicht viel besser. Sie saß da, gut gebildet, reich. Und ich konnte nicht einmal vernünftig lesen. Natürlich schämte ich mich gerade. Sie war das Gegenteil von mir. Ich war ein Niemand, der so wenig wert war. dass er entsorgt wurde um der Gesellschaft nicht zu schaden und sie? Sie würde irgendwann eine gute Anwältin werden mit einem großen Herzen. Sie würde Menschen retten. "Meinst du wirklich, dass ich Besuch auf der Zelle empfangen darf?", zweifelte ich, vielleicht wollte ich ihr auch einfach ausweichen, weil es mir unangenehm war. Andererseits würde es mir vielleicht wirklich helfen. Ich schenkte ihr also einen unentschlossenen Blick mit einem leichten Lächeln, während ich in ihren Ordner spähte. Bei ihrem zweiten Vorschlag lachte ich auf. "Klar, weil dir das auch sicher weiterhelfen wird", meinte ich ironisch und beobachtete sie ein wenig, wie sie den Füller bewegte und eine anmutige Schrift auf ihrem Block bildete. Ich wandte mich irgendwann wieder der Mappe zu, die sie mir gegeben hatte, aber so recht wollte ich mich nicht mehr konzentrieren können. "Ich weiß noch, wie meine Mum mir das Alphabet zu Abend vorgesungen hat, wie sie mir ein paar einfache Regelmerksätze erklärte und ein paar Bilderbücher mit kleinen Texten ansah..", sagte ich leise, während ich doch die Mappe schloss. Das 'bevor sie verschwand' ließ ich lieber weg. Das war sowieso klar. Ich seufzte leise, stützte mein Kinn auf eine Hand und sah auf ihren Block. Selbst ihre Schrift war das Gegenteil von meiner, aber ich hatte auch seit fast zehn Jahren keinen Stift mehr zum Schreiben in der Hand gehabt. Alles in ähnlicher Größe war eher ein hohles Röhrchen gewesen um mir das Koks in die Nase zu ziehen. Ich fing leicht an mit dem Fuß zu wippen bei dem Gedanken, wollte auf meine Zelle und mir mit den Drogen die Zeit beschönigen und zum anderen wollte ich mich Maddie unterhalten.


nach oben springen

#34

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 14.02.2015 17:00
von Alex • Senior Member | 5.831 Beiträge | 1037624 Punkte

Lächelnd beobachtete ich Nathan und lauschte andächtig seinen Worten. Mich freute es sehr, dass er jetzt den Unterricht besuchte. Der junge Mann würde wohl sicher nur den Hauptschulabschluss machen, doch es war ein Anfang. Und weiterbilden konnte er sich danach immerhin auch noch, so war es ja nicht. Bei seinen nächsten Worten kicherte ich ein wenig und errötete. "Naja...aber ich bin doch auch nicht immer da, Nathan.", stellte ich leise fest und grinste ein wenig. "Wobei ich auch gerne immer bei dir sein würde, so ist es nicht. Aber erstens kann ich als Frau nicht mit in deine Zelle ziehen und zweitens muss ich mein Studium fortsetzen.", erklärte ich schmunzelnd und zuckte mit den Schultern. "Aber ich werde natürlich so oft es geht kommen, versprochen.", versicherte ich Nathan zuversichtlich. Über mein Brot war er natürlich wieder sehr erfreut, auch wenn seine Frage mich zum nachdenken brachte. "Mager?", wiederholte ich seine Frage kurzgefasst und lachte, während meine graublauen Augen seinen Körper musterten. Ich schüttelte wenig überzeugt den Kopf. "Nein, mager bist du nicht. Eher sehr gut gebaut.", stellte ich fest und nickte anerkennend. Tatsächlich hatte Nathan eine sehr gute Figur und ich konnte mir denken, dass er bei Frauen immer gut angekommen war mit diesem Aussehen. Sein Charakter schien auch mehr als in Ordnung zu sein, jedenfalls hatte ich bisher nur seine gute Seite kennengelernt. Natürlich war man im Knast auch etwas härter drauf, doch in meiner Gegenwart benahm sich der junge Mann stets vorbildlich. Vielleicht erhoffte er sich auch einige Vorteile, wenn er die Tochter des Leiters auf seiner Seite hatte. Dabei konnte er möglicherweise auch richtig liegen. Ich sah zu wie Nathan mein Brot aufaß, sich noch eine Weile auf die Mappe konzentrierte und diese dann aufgebend zuklappte. Ich runzelte die Stirn und seufzte leise. Ich hatte schon früh mit dem Lesen angefangen und geschrieben hatte ich auch schon immer gerne. Doch ich kam schließlich auch aus ganz anderen Verhältnissen als Nathan. Bei seiner Frage zuckte ich zuerst ahnungslos mit den Schultern. "Wohl eher weniger. Aber ich denke, dass ich die Erlaubnis schon bekomme.", stellte ich zuversichtlich fest. "Dieses Date da am Wochenende verlief bestens und mein Vater hat seitdem so gute Laune, der würde mir jetzt wahrscheinlich alles erlauben.", erklärte ich und dachte an das Abendessen im Restaurant. Die Erinnerung jagte mir einen Schauer über den Rücken. Der Kerl war nicht hässlich gewesen, doch sein schlechter Charakter machte ihn zu einem schrecklichen Monster. Angewidert verzog ich das Gesicht. Er hatte mir seine Nummer gegeben und mir schon beinahe befohlen, ihn anzurufen. Bisher hatte ich die Nummer noch immer auf meinem Schreibtisch liegen. Ich wollte diesen Kerl einfach nicht anrufen und wiedersehen. Schmunzelnd ließ ich weiter meinen Füller über die Blätter wandern, obwohl ich gedanklich ganz woanders war. Daher passierten mir auch einige kleine Fehler. Als Nathan begann von seiner Mutter zu erzählen, klappte ich den Ordner zu und stopfte ihn wieder in die Tasche. Genug gearbeitet. Den Rest konnte ich auch noch am Abend erledigen. Oder morgen. Irgendwann einfach. So wichtig war es nun auch wieder nicht, da ich eine der besten Jurastudentin des Jahrgangs war. Doch wundern tat mich diese Tatsache kaum. "Tja. Sei froh. Schon vor der Scheidung waren meine Eltern nie zuhause. Ich hatte zwar immer die Kindermädchen, die mit mir gespielt, gesungen und gelernt haben...Aber ich weiß noch, dass ich in der Nacht richtig oft geweint habe. Und nach der Scheidung war es noch schlimmer, ich habe meine Mum teilweise ein halbes Jahr nicht gesehen.", erzählte ich traurig und lächelte schwach. "Also war es sowohl für mich wie auch für sie sehr gut, dass ich zur fünften Klasse in die Schweiz aufs Internat bin. Sie musste sich nicht mehr ständig um die Kindermädchen kümmern und konnte ihrem Job weltweit nach gehen und ich bekam die besten Möglichkeiten, mir meine Zukunft zu sichern. Nachdenklich beobachtete ich den jungen Mann. "Wobei letztendlich wäre ich lieber in einer kleinen Wohnung mit wenig Geld aufgewachsen und dafür mit meiner Mama.", stellte ich traurig fest und senkte kurz betroffen den Blick. "Das perfekte Leben habe ich also gewiss nicht. Auch wenn es für dich so scheint.", fügte ich hinzu und zwinkerte Nathan zu.


nach oben springen

#35

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 15.02.2015 21:23
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ein ironisch-anzügliches Lächeln erschien auf meinen Lippen, als Maddie doch wirklich scheinbar verlegen kicherte und dabei etwas rot wurde. Wie niedlich. Und das obwohl ich doch eigentlich nur ihren Spruch von gestern aufgegriffen hatte. Sie war aber auch einfach ein viel zu liebes und unschuldiges Ding, wenn sie sich nicht gerade mit Wächtern oder anderen Insassen anlegte. Aber dennoch, ihr konnte man ja auch nichts übel nehmen, wenn sie einmal mit den Augen klimperte. Vielleicht war sie nur deshalb so 'erfolgreich' hier, weil sie einen Niedlichkeitsbonus hatte und dazu noch den 'Tochter-von'-Bonus und konnte sich alles erlauben. So viel hörte ich aber nicht über sie von anderen, aber sie verbrachte ja auch Zeit mit ihr, da sprach man ja kaum mit mir über sie. Naja, ein paar hatten mir mal zugeflüstert, ob ich sie klarmachen wollte. Niemand hatte eine hübsche Frau, die mit ihm ins Bett steigen würde, aber jeder hatte Vorstellungen. Deshalb waren sie alle ziemlich neugierig. Und auch eifersüchtig. Vielleicht gab ich aber auch manchmal gerne damit an, dass sie sich mit mir abgab und nicht mit den anderen. Es war aber auch einfach mal was total ungewöhnliches, dass man hier irgendwelche Vorzüge genießen konnte und sie war doch wirklich mal als Vorzug zu bezeichnen. Sie versüßte einem die Zeit. "Aber bisher kommst du immer wieder", sagte ich schon fast wie verliebt, auch wenn das natürlich nur eine kleine Spielerei war. Ich würde mich nicht verlieben, durfte ich nicht. Ich könnte es ihr nicht antun, wo zum einen eine Beziehung im Knast ziemlich schwierig war und zum anderen sowieso enden würde, weil ich starb. Es würde nichts werden und nur Herzen brechen, weshalb ich aber vielleicht auch ein wenig lockerer mit ihr umging. Sie war ein unschuldiges Mädchen. Sehr süß und auch sexy, aber ich eiferte dem nicht nach und ich würde sie nie ernst versuchen zu umgarnen, zumindest nicht bewusst. "Das ist schon klar, ich will dir da auch nicht im Weg stehen und mein Bett wäre sowieso etwas eng. Aber ich freu mich, wenn ich dich ab und an mal zu Gesicht bekomme", meinte ich mit einem aufrichtigem Lächeln.
Bei ihrem Kompliment lachte ich leise. "Na das wollte ich doch gehört haben", meinte ich dann und zwinkerte ihr zu, ehe ich mich ja wieder etwas der Mappe widmete, auch wenn ich die Konzentration nicht mehr aufbringen konnte um mir alles einzuprägen oder zu lesen und immer sofort zu verstehen, was man da von mir wollte. Ich kannte manche Redewendungen und Ausdrücke nicht, in meiner Schicht lernte man nicht so viele Höflichkeitsfloskeln, die mehr oder weniger Mitleid erweckten oder Achtung hervorriefen. Ich drückte mich nicht gewählt aus, sondern direkt, war nicht feinfühlig mit Briefen. Und dazu kam, dass ich von hier wohl kaum vom Computer aus einen Antrag stellen konnte, meine Schrift sehr unschön war und dazu noch tausende Fehler zu finden waren. Und ja, das war mir peinlich, es war mir schon peinlich genug, dass ich nicht mal das hier nur lesen konnte. Ob ich es gut finden sollte, dass sie sich die Erlaubnis einfach holen wollte, wusste ich nicht. Ich würde mich vor ihr einfach nur dumm fühlen. Als sie vom gut gelaufenen Date erzählte, dachte ich erst, dass der Kerl vielleicht ganz anständig gewesen wäre und ihr vielleicht etwas gab, was sie erfüllte, aber dann sah ich ihren angewiderten Gesichtsausdruck und musste lachen, obwohl sie mir auch ein wenig leid tat. Es war trotzdem irgendwie amüsant, wie sie guckte. Auch wenn ich ihr wirklich gegönnt hätte, mal jemanden zu treffen, der ihr gerecht wurde und ihr etwas bieten könnte und zu Gefühlen fähig war. Sie war ein gutes Mädchen und hätte einen anständigen Kerl verdient. Einen, der nicht auf ihr Geld sah, weil er selbst genügend hatte, einen, der sie auf Händen trug und sie unterstützte, der sie liebte und Zeit für sie hatte und schätzte, was er an ihr hatte. Mir würde es auch noch etwas bringen, ich würde wahrscheinlich lockerer sein im Umgang, weil sie sich selbst abschrieb oder etwas der Art. Jedenfalls würde sie nicht mehr auf dem Markt sein und ich würde automatisch gar nicht mehr darüber nachdenken, auch wenn ich jetzt auch versuchte, nicht über sie nachzudenken.
Bei ihren Erzählungen nickte ich leicht, tätschelte kurz ihre Hand auf dem Tisch, weil sie so traurig wirkte. "Ja, dein Leben scheint mir ziemlich gut. Ich denke aber, dass alles seine Nachteile hat und ich kann sie auch bei dir verstehen. Jedes Kind braucht seine Mum", meinte ich leise, sah auf den Tisch, ehe mein Blick still durch die Mensa glitt. Kurz blieb sie an meinem Killer-Kumpel hängen und wir nickten uns kurz unauffällig zu, ehe er sich wieder seinen Leuten und seinem Essen zuwandte. "Ich... ich glaube", setzte ich an, zögerte aber, rieb unruhig meine Finger aneinander. "Vielleicht.. vielleicht möchte ich sie doch treffen..", sagte ich leise, wenn auch nicht wirklich sicher. Mein Blick huschte kurz zu ihr, ehe ich ihn wieder abwandte und versuchte mich zu stärken nach außen hin. Ich wusste nicht, ob meine Mutter mich sehen wollte, ob meine Schwester überhaupt von mir wusste. Aber wenn ich nichts probierte, dann wurde da auch nie etwas draus. Auch wenn es wahrscheinlich besser wäre. wenn sie nicht her kämen. Sie sollten mich nicht in ihr Herz schließen. Aber die Wahrscheinlichkeit war vielleicht auch gering. Wer wollte sowas wie mich schon als Sohn oder Bruder oder mich öfter besuchen, als es einfach nur höflich war.


nach oben springen

#36

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 17.02.2015 09:26
von Alex • Senior Member | 5.831 Beiträge | 1037624 Punkte

Anscheinend fand Nathan es sehr amüsant, dass ich kicherte und rot wurde. Natürlich fanden Männer dies meistens sehr niedlich und vor allem bei meinem zumeist recht unschuldigen Erscheinungsbild war es mir doch gar nicht übel zu nehmen, wenn ich hin und wieder mal errötete und ein Kichern ausstieß. Davon ging ich jedenfalls aus, da es bei mir noch nicht so häufig vorgekommen war. Wie denn auch? Der junge Mann war einer der wenigen Kerle, mit denen ich mehr Kontakt hatte. Klar, ich hatte auf Facebook auch männliche Freunde und auf WhatsApp schrieb ich nicht nur mit Mädchen. Aber wirklich mit Jungs etwas unternommen hatte ich in den letzten Jahren nur selten, da man auf einem Mädcheninternat eben – wie der Name schon sagt – nur Mädchen findet. Ausgenommen die männlichen Lehrer, welche allerdings überwiegend über 50 gewesen waren. Und einen alten Sack wollte ich nun wirklich nicht haben. Ich lächelte nur stumm vor mich hin und dachte nach. Eigentlich war ich gar nicht so lieb und brav, wie ich fast immer vorgab zu sein. Nathan hatte doch mittlerweile sogar das ein oder andere Mal mitbekommen, dass ich eine ganz schön große Klappe haben konnte und mir die auch nicht verbieten ließ. Selbst wenn mein Gesprächspartner zwei Meter groß und einen Meter breit war. Mich kümmerte es nicht groß was meine Mitmenschen über mich dachten. Natürlich war es mir wichtig ein gutes Image zu haben und nicht das Opfer sämtlicher Lästerattacken zu sein. Doch bei meinem Verhalten musste ich nicht befürchten, jemals fertig gemacht zu werden. Ich war eine wohl erzogene junge Frau, die immer zuerst an die Anderen dachte. Ich konnte mir beim besten Willen gar nicht vorstellen, dass jemand mich abgrundtief hasste. Selbst hier hinter den Mauern hatte ich mich schnell in die Herzen der Sträflinge gekämpft, auch wenn es natürlich den Ein oder Anderen gab, der mich am liebsten vergewaltigt und umgebracht hätte. Nicht umsonst saßen manche Männer hier seit Jahren in Isolationshaft. Doch da ich mich so oder so eher mit den 'Normalen' abgab, war ich unbesorgt. Vielleicht behandelten mich aber alle nur so gut, da ich die Tochter des Leiters war. Mit Matthew wollte es sich eben niemand verscherzen, da mein Vater manchmal echt hart werden konnte. Glücklicherweise hatte ich die meisten Charaktereigenschaften von meiner Mutter, auch wenn wir dennoch unterschiedlich waren. Nathan riss mich leider wieder aus meinen Gedanken, weswegen ich kurz die Stirn runzelte, damit ich wieder in das Thema hinein kam. "Also ich glaube, ich bevorzuge dann doch eher mein eigenes, großes Bett zuhause. Sei mir nicht böse, aber ich brauche meinen Schlaf wirklich unbedingt.", erklärte ich lachend und sah zu, wie der junge Sträfling sich wieder der Mappe widmete, auch wenn es so schien, dass seine heutige Konzentration aufgebraucht war. "Wir können die Mappe gerne morgen zusammen durchgehen, wenn du willlst. Ich glaube als Laie versteht man nur wenig von diesem ganzen Zeug.", schlug ich ahnend vor und zwinkerte Nathan an. Traurig gab ich ihm dann mit einem Nicken zu verstehen, dass ich bezüglich der Nachteile seiner Meinung war. "Ich hatte sie ja irgendwie. Es war nicht so, dass sie mich alleine gelassen hat oder tot war oder so. Aber trotzdem war sie nie da und ich denke, wenn man eigentlich genau weiß, dass die Mutter einen liebt und nur das Beste für einen will, ist es noch härter.", stellte ich meine Meinung leise klar. Als Nathan einen Satz anfing und zögerte, lächelte ich ihn aufmunternd an und wartete, bis er den Satz zu Ende brachte. Ein erfreutes Grinsen breitete sich dann auf meinem Gesicht auf als er mir sein Anliegen näher brachte. Andächtig nickte ich und zog mein Handy hervor, tippte auf die Notizenapp und hielt das Iphone Nathan unter die Nase. "Schreib bitte den Namen deiner Mutter und deiner Schwester auf. Eventuell auch eine knappe Aussehensbeschreibung. Zumindest von deiner Mutter. An deine Schwester wirst du dich wohl kaum so erinnern und außerdem hat sie sich gewiss verändert.", bat ich den jungen Mann zuversichtlich und lächelte leicht.


nach oben springen

#37

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 19.02.2015 01:07
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Immer noch glitt mein Blick immer mal wieder zu den verschiedenen Ausgängen und zur Mensa. Überall standen ja Beamte, Hände vor der Brust verschränkt mit einem breitbeinigen Stand, die Blicke kühl und abschätzend. Handschellen und den Teaser hatten sie immer im Repertoire und wenn man mich fragte, dann würde ich sagen, dass sie das alles viel zu schnell einsetzten. Sie urteilten zu schnell und zu sehr nach dem, was sie über die Person dachten und das unreflektiert, wie sie sich verhielt. Sie wurden ja eingeweiht, wer was verbrochen hatte, damit sie die Gefahr kalkulieren konnten und mich mochten sie nicht. Ich fragte mich, ob sie die Bilder von dem Fall gesehen hatten, da konnte ich dann jeden verstehen, der mich hasste. Es war abscheulich, wie die Frau ausgesehen hatte. Blaue Flecke, Schwellungen, verprügelt und Verletzungen überall. Im Keller hatte ich zumindest ja mir anhören dürfen, was für ein Schwein ich war. Und auch wenn ich wusste, dass ich nichts getan hatte, fühlte ich mich schlecht. Durch Maddie war es etwas besser, sie redete einfach mit mir und versuchte mich aufzubauen und abzulenken, forderte dafür aber keine Geschichten und Weisheiten von mir. Sie war einfach ein netter Mensch und ein schöner Umgang, auch wenn sie die Tochter der meist gefürchteten Person hier war. Auch wenn die Wächter schlimm waren, man wusste nie, was der Leiter machen würde. Sie als Chance sah ich allerdings nicht. Nur weil sie die Tochter des Leiters war, glaubte ich nicht, mir Vorteile erspielen zu können, wenn ich charmant war und sie anflirtete. Bisher brachte es mir ja eher Probleme. Insassen waren neidisch oder einfach wütend und die Wächter sahen das auch nicht gerne, wie ich mehr Kontakt zu jemandem aus der Außenwelt hatte, als eigentlich geplant beziehungsweise erlaubt. Nicht umsonst gab es nur den Samstag für privaten Besuch. Und ich redete hier schon wieder mit ihr und bekam Unterstützung bei etwas, was mir niemand gönnen würde. Ich würde wirklich nicht gerne mit Maddie über die Anschuldigungen reden, aber wenn ich Revision einleiten wollte, müsste ich es wohl, weil ich ja meine berechtigten Zweifel an der Beweisführung äußern musste. Es war mir wirklich unangenehm, weil ich nicht sagen konnte, ob sie mir glauben würde. Wenn sie meine Akte in die Hand bekam, dann würde sie doch dem Gericht glauben und nicht mir. Man glaubte immer eher den Urteilen und wenn man über ein paar Dinge einfach nicht nachdachte, dann stand ich dar, wie der schlimme, skrupellose Verbrecher. Sie würde mich hassen und fallen lassen und ich würde sterben. Einsam.
Bei ihren Worten schmunzelte ich leicht. "Kann ich gar nicht verstehen. Wer schläft nicht gerne auf einer schmalen, harten Matratze um am nächsten Morgen verspannt aufzuwachen?", fragte ich ironisch, seufzte leise, als sie auf ihre Hilfe für mich zurück kam und nickte leicht. "Es ist schwer", gestand ich dann, schob die Mappe noch ein Stück weiter weg von mir, während ich ihr ein bemüht entspanntes Grinsen schenkte, auch wenn sie wohl trotzdem ahnen konnte, dass es mir unangenehm war und schwer fiel. Wenigstens band sie mir es nicht auf die Nase, wie leicht für sie alles war und wie schnell sie doch einen fehlerfreien Text fertig hatte. Sie erzählte mir zwar auch von den positiven Seiten ihres Lebens, aber sie ließ mich nicht absichtlich dumm dastehen und das rechnete ich ihr an, weil ich es eigentlich immerzu erwartete, dass sie mich nicht mochte, mich verarschte oder ähnliches. Ich hatte nun mal kein tolles Bild von der Menschheit und verstand diese Toleranz und Selbstlosigkeit nicht. Ich handelte eigentlich eher zu meinem besten. Und momentan war sie ein Weg, wenn sie mir raushelfen konnte, auch wenn ich erst einmal im Fokus der Wächter stand. Ich musste nur durchhalten, irgendwie. Und irgendwann würde ich es schaffen hier raus zu kommen. Oder es wurde irgendwann durch meinen Tod beendet. "Das stimmt schon. Weil man weiß, was man haben könnte und es einem doch verwehrt ist", murmelte ich nachdenklich, während ich über meine Mutter nachdachte. Ich erinnerte mich noch an sie, an ihre liebevollen Blicke. Und das machte es so schlimm. Ich wusste nicht, warum sie mich einfach zurück gelassen hatte, wo sie mich doch sonst so gut behandelt hatte. Sie hatte mich geliebt und dann verlassen. Nie hatte sie sich gemeldet. Warum ich jetzt auf die Idee kam, Maddie loszuschicken, wusste ich nicht, aber vielleicht wollte ich einfach eine Bestätigung, dass meine Mutter mich nicht haben wollte. Dann konnte ich diese halbe Hoffnung, dass sie mich auch vermisste, einfach vergessen. Ich zögerte trotzdem noch, sah Maddie zweifelnd an. Was würde ich denn tun, wenn sie herkam? Was sollte ich sagen? Sie würde mich hassen. Ich war für sie wahrscheinlich wie mein Vater. Kein guter Mensch. Und was sagte man so nach 17 Jahren? Wohl kaum einfach 'Hi, wie gehts?' Ich wollte schon fast abwinken, als ich ihr aufmunterndes Lächeln sah und doch weiter sprach. Nur kurz sah ich ihr Lächeln, ehe ich auch schon meinen Blick von ihr abwandte um meine Zweifel, Sorgen und Trauer zu verbergen und meine Fassade etwas zu stärken.
Ein wenig irritiert sah ich auf das Smartphone, das sie mir dann unter die Nase hielt. Ich hatte schon ewig kein Handy mehr in der Hand gehabt. Kurz sah ich sie an, als sie mich um die Informationen bat. Langsam nickte ich. "Ich weiß nur nicht, ob der Nachname noch stimmt. Wenn sie sich nicht mehr an meinen Vater erinnern will, hat sie vielleicht wieder ihren Mädchennamen kennengelernt, aber den kenne ich nicht", sagte ich, während ich den Namen, das ungefähre Alter und das Aussehen eingab. Wobei ich davon nicht mehr viel wusste. Ich wusste, dass meine Mum Locken hatte und helle Augen. Volle Lippen. Und dass sie recht klein war, was ich mir nur im Nachhinein erschließen konnte, wenn ich sie vor meinem geistigen Auge mit meinem Vater verglich. Von meiner Schwester kannte ich noch die hellen blauen Augen. Die hatte sie damals zumindest gehabt und zwar zu lange, als dass sie noch dunkel geworden sein könnten. Ein wenig resigniert über die eigene Unwissenheit, schob ich ihr nach einer Weile, als ich endlich fertig geschrieben und ihre Autokorrektur mich in den Wahnsinn getrieben hatte, das Handy wieder hin und lächelte sie unsicher an. "Tut mir leid, dass ich nicht mehr habe. Ich glaube nur, dass sie weit weg gezogen ist. Sie kannte meinen Vater und er hat sie gesucht und nicht gefunden. Ich glaube nicht, dass sie noch nahe von Phoenix ist", vermutete ich mit einem leichten Schulternzucken. Außerdem hätte sie sonst von meinem Fall gehört, der in der Presse zerrissen worden war, als besonders abscheulicher. Oder aber sie wollte mir deshalb nicht einmal mehr eine Chance geben und würde nicht vorbei kommen.


nach oben springen

#38

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 22.02.2015 00:44
von Alex • Senior Member | 5.831 Beiträge | 1037624 Punkte

Schmunzelnd beobachtete ich Nathan und zuckte mit den schmalen Schultern. "Klar, so eine Zelle ist ein echtes Nobelhotel, oder?", scherzte ich und dachte darüber nach, wirklich mal eine Nacht in so einem kleinen Raum hinter einer schweren Metalltür zu verbringen. Ich stellte es mir wirklich hart vor. Nathan schien sich kaum noch daran zu erinnern wie man mit einem Handy umging. Wahrscheinlich hatte er auch nie ein teures Iphone in der Hand gehalten. "Ich werde mein Bestes geben, Nathan. Versprochen.", versicherte ich ihm lächelnd und mir war bewusst, dass es wirklich schwierig werden würde, seine Frauen zu finden. Ich nahm das Handy wieder an mich, da es auch den Wärtern wohl ein Dorn im Auge war. Ich wollte keinen Stress verursachen. "Ich bin viel in der Welt rumgekommen. Ich werde sie finden.", meinte ich leise und lächelte aufmunternd. Wieso machte ich ihm eigentlich Hoffnungen? Wahrscheinlich fand ich niemals seine Mutter und seine Schwester. Er lag schon richtig damit, dass sie ihren Namen eventuell geändert hatte. Entweder in ihren ursprünglichen Nachnamen oder vielleicht hatte Nathan's Mutter auch erneut geheiratet. Man konnte sich nicht sicher sein. Eventuell wollten die beiden Frauen auch gar nichts mehr mit ihrem Sohn, beziehungsweise Bruder zu tun haben. Ich seufzte leise und erhob mich. "Und was steht bei dir noch so an?", erkundigte ich mich schmunzelnd und lächelte etwas, während ich mein Handy zurück in das Seitenfach der Handtasche steckte und die Menschen beobachtete, welche uns ebenfalls nicht aus den Augen ließen. "Hier bleibt nichts unbemerkt, oder?", flüsterte ich leise und lehnte mich an der Tischkante an. Nachdenklich senkte ich kurz den Blick, wurde allerdings von einer Stimme aus meinen Gedanken gerissen. "Maddielein.", ertönte der laute Ruf vom Eingang der Mensa aus und ich starrte den jungen Mann an, welcher langsam und selbstsicher in einem maßgeschneiderten Anzug auf uns zu kam. "Dylan.", begrüßte ich meinen älteren Bruder kühl und abweisend. "Nathan, darf ich dir meinen Bruder vorstellen?", meinte ich gezwungen freundlich und setzte ein gekünsteltes Lächeln auf. "Was verschafft mir die Ehre, dass Mister Oberchecker hier aufkreuzt?", erkundigte ich mich interessiert und musterte meinen Bruder. Er war ein schicker Typ. Hatte viel Erfolg bei Frauen. "Unser Vater schickt mich. Ich war eben bei ihm. Wir mussten etwas klären wegen der Sicherheit hier. Er ist der Meinung, dass man sie mal wieder abchecken müsste und ich sehe mich hier jetzt etwas um. Und ich habe außerdem den Auftrag, dir auszurichten, dass du dich endlich bei deinem Date melden sollst, Liebes.", informierte mich mein Bruder knurrend und sah Nathan stechend an. "Aha.", antwortete ich knapp und rollte mit den blauen Augen. "Und wenn ich an diesem Mann nicht interessiert bin?", erkundigte ich mich anschließend vorsichtig und sah Dylan prüfend an. "An wem bist du denn sonst interessiert? An dem Knasti?", erwiderte mein Bruder kalt und nickte abwertend in Nathan's Richtung. Mein Lächeln verschwand ganz und ich stellte mich schützend vor den jungen Mann. "Halte ihn da raus. Es hat nichts damit zu tun! Ich will mir den Mann einfach selbst aussuchen.", knurrte ich wütend und schob Dylan bestimmt etwas von uns weg. "Und jetzt erledige deinen Job.", wies ich ihn sauer an und sah ihm nach während er lachend verschwand. "Dreckskerl.", murmelte ich und sah Nathan entschuldigend an.


nach oben springen

#39

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 23.02.2015 01:36
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

"Total. Mit All-Inclusive Angeboten und Freizeitaktivitäten", imitierte ich einen Werbefritzen, der versuchen könnte, für das 'Knast-Hotel' zu werben. Aber mein künstliches Lächeln fiel recht schnell wieder. Es war hier alles andere als schön. Das Außenleben sah man nur durch Gitter. Und Außenleben hieß dann wirklich im Endeffekt nur die Mauern von innen. Der Garten war zwar ganz nett, aber so wahnsinnig berauschend war der auch nicht und die einzigen nicht vergitterten Fenster waren in dem Kirchraum, dem Raum, wo sonntags ein Gottesdienst besucht werden konnte oder man auch sonst mal zum Beten hin durfte. Allerdings betrat ich den Raum nie. Gott konnte mich mal gepflegt am Arsch lecken. Wo war er denn bitte? Der gütige Vater, jaja, klar. Deshalb war es also okay, dass mein Vater mich schlug und fertig machte, mich einsperrte oder rauswarf, so wie es ihm gerade passte. Es war also für ihn gut, dass meine Mutter mich einfach zurück ließ, niemand sich um mich kümmerte und ich mit 5 Jahren erwachsen werden musste, um mich zu ernähren und all das. Und es war okay, dass ich jetzt hier saß, dass ich 5 Jahre hier absitzen musste, die garantiert nicht immer glimpflich verlaufen würden und dann würde ich sterben. Wofür? Was hatte ich denn falsch gemacht, dass ich das verdiente? Von Anfang an habe ich doch nur Ungerechtigkeit erfahren. Und ich dachte durchaus auch darüber nach, wie es den anderen Leuten ging. Ich kannte viele, die auf der Straße saßen und viel Scheiße durch hatten und dann kam noch die dritte Welt. Wo war denn Gott nun, hm? Frustriert seufzte ich, ehe ich auch schon Maddies Handy vor der Nase hatte. Es war mir fremd, damit umzugehen, auch wenn eine Notiz schreiben noch ging. Ich musste ja nur tippen und dann half mir die Autokorrektur auch noch über Peinlichkeiten hinweg. Es war nur merkwürdig, das Telefon wieder los zu lassen. Alles, was ich an Handys bisher in der Hand gehabt hatte, hatte ich gestohlen. Entweder hatte ich es dann behalten und benutzt oder verkauft.. Es war einfach noch nie vorgekommen, dass ich etwas wertvolles jemandem zurückgab, der der eigentümliche Besitzer war. Es war halt eine gewohnte Sache, das einfach zu behalten und alles sträubte sich in mir, das materielle Geld wieder loszulassen, auch wenn es Schwachsinn war. Ich wusste doch, dass es mir hier drinnen sowieso nichts brachte. Ihr Lächeln erwiderte ich kurz, wenn auch nicht so überzeugt. "Danke", sagte ich, lehnte mich leicht zurück und betrachtete sie von der Seite, schüttelte leicht den Kopf. "Ich weiß gar nicht, warum du dir die Mühe machst", sprach ich dann meine Bedenken aus. Ich fragte mich wirklich, warum sie das tat. Selbst wenn sie ein sehr lieber, freundlicher Mensch war, warum nahm sie das auf sich? So viel konnte ich ihr nicht bedeuten und sie musste doch ihr Studium hinter sich bringen. Das war doch Arbeit genug. Aber aus dem Grund steckte ich auch keine großen Hoffnungen in ihr Versprechen. Ich war schon oft genug enttäuscht worden, wenn ich nichts erwartete, konnte sie das nicht.
Ich beobachtete sie, wie sie aufstand, zuckte bei ihrer Frage leicht mit den Schultern. "Ein bisschen Sport, dann weiter gammeln bis zum Morgen", meinte ich dann mit einem leichten Grinsen. Ich war froh, dass man hier wenigstens einen Fitnessraum hatte und ich dadurch nicht völlig auseinander fiel. Bei ihrem Flüstern seufzte ich leise, schüttelte den Kopf. "Nein. Wer nichts zu tun hat, sucht sich was zu tratschen. Oder zu provozieren", meinte ich kühl, während mein Blick über die Gesichter glitt, die teilweise uns zugewandt waren. "Vor allem, weil es hier eher um dich geht", setzte ich dann noch hinzu und wackelte anzüglich mit den Augenbrauen, grinste sie dabei frech an. Und im nächsten Moment wurde sie bei einem Kosenamen gerufen. Ich folgte dem Ruf und erblickte einen jungen Mann. Im gleichen Moment beneidete ich ihn auch schon. Er war nicht hässlich und er war reich. Er strotzte nur so vor Geld und Macht, wie er da so in Ruhe auf uns zu stolzierte in einem perfekten Anzug. So etwas hatte ich noch nie getragen. Nur in Schaufenstern. Ich war noch nicht mal in so einen Laden reingekommen. Ich hatte es durchaus probiert, aber ich wurde sofort wieder rausgeworfen, weil man mir angesehen hatte, dass ich sowieso kein Geld für sowas hatte. Das teuerste, was ich besaß, war eine Lederjacke. Und die hing in der Verwahrung irgendwo im Verwaltungsbereich hier auf diesem Gelände. Zusammen mit Messern und meinem Outfit, das ich angehabt hatte, als ich hergekommen war. Es sei denn sie hatten sowieso alles verbrannt, weil sie doch wussten, dass ich nie wieder hier raus kam, außer im Leichensack. Ich würde nicht einmal ordentlich bestattet werden können, weil ich es mir nicht leisten konnte. Ich schüttelte den Gedanken aber lieber wieder ab um nicht noch grimmiger drein zu blicken, als der junge Mann bei uns stehen blieb. Ein wenig prüfend musterte ich ihn, fragte mich, ob es ihr Date oder ihr Bruder war. Aber ich schätzte eher ihr Bruder. Leichte Ähnlichkeit war da, wenn man es wusste und ich glaubte kaum, dass ein so feiner Typ hier für sein Date auftauchte. Außer sie war seine ganz große Liebe.
Ihre kühle Tonlage verwunderte mich ein wenig. Ich hatte sie bisher sehr direkt erlebt bei den Wachen und freundlich bei mir. Aber so kühl hatte ich sie noch nicht gehört und ich musste es auch nicht unbedingt haben. Ihre Stimme konnte so schön melodisch klingen, aber so war sie einfach nur schneidend. Ich setzte mir ein Memo, dass ich sie nicht gegen mich aufbringen sollte. Sie war kampferprobt, direkt, würde wohl auch über Grenzen gehen und kämpfte eigentlich mit unfairen Mitteln. Immerhin war sie eine Frau. Bei ihrer gezwungenen Freundlichkeit, sah ich sie kurz an, ehe ich dem jungen Mann schon fast andächtig zunickte. Aufstehen und die Hand reichen, wäre gerade zu viel. Dafür war die Stimmung zu kühl und es lag zu viel Aufmerksamkeit auf uns, als dass ich noch schleimen wollte, auch wenn ich es nur als höflich empfand. Ich fühlte mich unwohl, mal wieder, während sie mit einem Familienmitglied sprach und fixierte die Mappe, als könnte sie mich hier weg beamen und hörte dennoch zu. Fast amüsierte es mich, welchen Titel sie ihm verpasste. Seine Worte fand ich aber recht interessant. Es gab Sicherheitslücken? Ach was. Schlägereien auf dem Hof gegen Bezahlung, dass niemand etwas sah? Drogen, die hier reingeschmuggelt wurden? Keller-Gruselgeschichten? Dezente Lücken, ja. Ich war schon fast froh, dass er hier war. Wenn auch er solchen Einfluss hatte, hielten vielleicht alle mal eine Weile die Füße still und ich könnte ein paar Tage entspannen. Andererseits, wenn keine Drogen mehr reinkamen, dann wäre ich in ein paar Tagen aufgeschmissen. Schon fast nervös verschränkte ich meine Arme, hob den Blick, als ich mich angesehen fühlte und traf auf den Blick ihres Bruders. Anstatt ergeben wieder wegzusehen, hielt ich seinem Blick hart und ein wenig trotzig stand. Ich würde mich ihm nicht unterwerfen, nur weil seine Schwester Zeit mit mir verbrachte, anstatt sich bei irgendeinem Lackaffen zu melden. Frustriert seufzte ich auf, als es auch mit ihrem Bruder zu dem Thema kam, dass sie sich nicht für ausgesuchte Typen interessierte und der Fokus schon wieder auf mich rutschte. Ich schenkte ihrem Bruder ein wunderbares "Fick-Dich"-Lächeln als Antwort auf seinen abwertenden Blick, als sich dann auch schon Maddie vor mich schob und ich eher ihren Hintern beobachtete anstatt zu versuchen ihrem Bruder den Mittelfinger zu zeigen. Nett war ihr Hintern ja schon. Und sie auch, wie sie mich verteidigte. Ich hätte ihm auch garantiert nur eine rein hauen können, das hätte genau das gleiche ausgesagt. Aber da er scheinbar ein Sicherheitstyp war, brach er mir dann wahrscheinlich doch schneller den Arm, als ich reagieren könnte. Ein kurzes Lächeln hob meine Mundwinkel, als sie schon fast maulig wirkte, als sie ihn zur Arbeit schickte. Bei ihrer Beleidigung hob ich leicht die Augenbrauen. "Na na, so spricht man doch nicht über Geschwister", tadelte ich schmunzelnd. "Deine Familie ist mir sehr sympathisch. Alle hassen sie mich und sind trotzdem überzeugt, dass du was von mir willst. Ist wirklich sehr beruhigend", meinte ich ironisch und lächelte bei ihrem entschuldigenden Blick. Sie konnte ja nichts dafür.


nach oben springen

#40

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 26.02.2015 12:09
von Alex • Senior Member | 5.831 Beiträge | 1037624 Punkte

Immerhin hatte Nathan seinen Humor behalten, auch wenn er doch ziemlich sarkastisch klang. Dennoch musste ich lachen und zuckte mit den Schultern. "Na dann sage ich meinen bereits gebuchten Luxusurlaub mal lieber ab und buche mir hier für drei Wochen ein Zimmer.", erklärte ich kurzerhand und grinste den jungen Mann frech an. Tatsächlich hätte ich natürlich niemals einen meiner geliebten Urlaube abgesagt, wenn man nicht gerade von irgendwelchen Tragödien ausging. Nachdenklich schwelgte ich in Erinnerungen meiner letzten Reise und hatte dabei ein glückliches Lächeln auf den Lippen. Ich liebte es sehr die Welt zu erkunden und nutzte normalerweise jeden freien Tag für zumindest eine Stadttour. Seit ich Nathan kannte, war ich allerdings kaum noch irgendwo gewesen. Wie denn auch? Den Großteil meiner Zeit verbrachte ich normalerweise mittlerweile tatsächlich nur noch mit Nathan. Schmunzelnd musterte ich den jungen Mann und lächelte stumm vor mich hin. Ich war gerne bei ihm, so war es nun wirklich nicht. Da verzichtete ich auch mal gerne für ihn auf eine Reise. Bei seinen ausgesprochenen Bedenken wurde ich stutzig und sah Nathan mit großen Augen an. "Bitte?", murmelte ich erstaunt und schüttelte den Kopf. "Warum ich mir die Mühe mache?", wiederholte ich nun die Frage des Sträflings und zuckte mit den Schultern während meine Augen ihn genau musterten. "Inzwischen solltest du doch wissen, dass ich ein herzensguter Mensch bin. Und außerdem bist du wirklich nett. Ich verstehe auch gar nicht, warum du hier irgendeine Strafe absitzt, aber egal.", erklärte ich gelassen und lächelte etwas. "Freu dich doch einfach, dass ich mich um dich kümmer, Nathan.", schlug ich schmunzelnd vor und strich mir eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht hinters Ohr. Dabei fiel mir auf, dass ich unbedingt mal wieder zum Friseur musste. Ich war kein Fan von besonders langen Haaren, da sie meiner Meinung nach nur störten. Jedesmal wenn meine Freundinnen duschen, Haare föhnen oder sonst was mit ihrer Mähne machen mussten, stieß ich nur Dankesgebete aus, da ich diesen Ärger nicht hatte. Meine Haare waren normalerweise schulterlang, mittlerweile gingen mir die Spitzen allerdings schon bis zur Brust. Nathan's Tagesablauf klang in meinen Ohren alles andere als spannend, weswegen ich kurz mitleidig seufzte. "Du Armer. Es muss wirklich doof sein wenn man den ganzen Tag nur gewisse Dinge machen kann...darf...und dabei immer diese merkwürdigen Männer einem auf die Finger schauen.", stellte ich eine vorsichtige Vermutung an und zuckte mit den schmalen Schultern. "Ganz ehrlich...Ich fühle mich hier nach wie vor unwohl. Egal wo ich hier bin, jeder Kerl glotzt mich an wie sonst was. Ich warf Nathan kurz traurige Blicke zu und lächelte allerdings daraufhin schon wieder. "Aber ich verstehe es ja. Wahrscheinlich haben manche Gefangenen schon seit 50 Jahren keine Frau mehr gesehen. Beziehungsweise keine schöne Frau.", scherzte ich amüsiert und legte nachdenklich den Kopf in den Nacken. "Vielleicht sollten wir eine Verlosung starten. Ein Tag mit Maddie. Ohne irgendwelche Grenzen. Klingt doch gut, oder?", kam mir eine Idee, welche natürlich nicht ernst gemeint war. "Wobei ich dann sicher dafür sorgen würde, dass du gewinnst.", ergänzte ich und warf Nathan einen verschwörrerischen Blick zu. Nachdem Dylan wieder verschwunden war und Nathan zum Glück einigermaßen ruhig gelieben war, entspannte ich mich langsam wieder und seufzte deprimiert. "Tut man nicht?", fragte ich auf die Frage des jungen Mannes hin desinteressiert und biss mir auf die Unterlippe. "Dann war ich wohl ein böses Mädchen. Werde ich jetzt bestraft?", fragte ich grinsend und sah mich ein wenig um. Die Mensa leerte sich allmählich und die Lautstärke, welche Männer nunmal verursachten, verstummte immer mehr. Die Ruhe tat gut und ich entspannte mich noch etwas mehr, da ich nun nicht mehr die Angst hatte, in jedem Moment von einem Kerl vergewaltigt zu werden. Auch wenn das wahrscheinlich nicht so leicht machbar war. Aber richtig schlimme Männer fanden immer einen Weg. "Dylan und ich haben kein enges Verhältnis. Wir haben uns nach der Scheidung kaum gesehen. Er lebte hier bei unserem Vater. Ich in Frankreich bei unserer Mutter. Und wenn dann mal getauscht wurde, haben wir uns höchstens kurz am Flughafen gesehen. Nur in den Ferien in Urlauben waren wir länger zusammen.", erzählte ich schulterzuckend. Er bedeutete mir nicht viel, war aber dennoch eine wichtige Person in meinem Leben. "Sie hassen dich nicht. Sie haben nur Vorurteile, welche ich nicht habe. Und selbst wenn ich etwas von dir wollen würde, kann es denen doch egal sein. Oder etwa nicht?", fragte ich interessiert und lächelte leicht. "Mein Liebesleben geht wirklich niemanden etwas an. Davon abgesehen, dass ich nichtmal ein Liebesleben habe.", stellte ich lachend fest und entblösste dabei meine perfekten Zähne.


nach oben springen

#41

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 26.02.2015 17:49
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ihr Lachen besserte meine Laune ein wenig, auch wenn es mir ziemlich unpassend vorkam, darüber zu scherzen, dass die Zellen hier ein Urlaubsziel sein könnten. Es war makaber. Jede Motel-Absteige wäre besser als das hier. Nur wenige Quadratmeter, kalte Wände, ein schmales Bett, ein Tisch, ein Schrank und die kleine Ecke mit Toliette und Waschbecken. Nach außen gab es nur das vergitterte kleine Fenster und das Personal hier war auch unterste Schublade. Zu gerne würde ich meiner Wut über den Mist hier Ausdruck verleihen, ich würde so gerne jemandem, der was zu sagen hatte, mal erzählen, wie das hier alles lief, wie man sich hier fühlte. Klar war das hier nicht auf Luxus ausgelegt, aber es war ja auch nicht Sinn und Zweck, dass man von den Wächtern fertig gemacht wurde, bestenfalls nur unter Scherzen litt oder darunter, dass sie einem zum Essen nicht aus den Zellen ließen. Der Keller war da schon die härtere Nummer. Und den Blicken nach zu urteilen, die zum Teil auf uns lagen, rutschte ich in der Warteliste zur Bespaßung der Wachen einiges nach oben. Das schlimmste war nur, dass ich mich nicht dagegen wehren konnte. Was sollte ich schon tun? Nein sagen? Das interessierte die doch nicht. Die waren immer noch mit Handschellen, Knüppeln und Teasern bewaffnet und setzten das zu gerne ein. Und wenigstens den Weg wollte man noch selbst laufen können, damit man nicht die Treppe runter getreten wurde. Und Maddie bot den Gegensatz zu all dem. Sie hatte mir Handschellen abgenommen und sich um mich gekümmert, wollte sich die Mühe machen um meine Familie zu finden. Dass sie nicht verstehen konnte, dass ich das nicht begriff, kam mir deshalb etwas komisch vor, aber für sie schien es schon fast selbstverständlich zu sein. Bei ihrer Erklärung und ihrem Rat, es einfach anzunehmen, nickte ich leicht, schenkte ihr ein schiefes Grinsen. "Ich weiß. Ich kenn sowas nur nicht. Ich habe gelernt, dass man sich nur auf sich selbst verlassen kann", meinte ich und beobachtete, wie sie hier Haar zurückstrich. Ich hätte ihr mal wieder sagen können, dass sie hübsch war und es ziemlich hart war, so ruhig neben ihr zu sitzen. Sie sah so schön unschuldig, unterbewusst sexy und das brachte hier jeden um den Verstand. Und ich bemerkte es am meisten, weil ich viel Zeit mit ihr verbrachte. "Ja. Die Männer sind schlimmer als die Langeweile"; murmelte ich leise, sah sie dabei aber nicht an. Zu deutlich war noch die Vorstellung in meinem Kopf von dem Abend, wo sie mich geschnappt, geschlagen und gedemütigt hatten, eingesperrt und fast ertränkt hatten. Bei ihren nächsten Worten schmunzelte ich leicht. "Ja. Du bist hier wie eine Zirkusattraktion. Eine unmögliche. In etwa wie ein pinkes Zebra mit Horn, das singt", meinte ich grinsend, ehe im nächsten Moment meine Miene etwas bröckelte. "Das wäre die schlechteste Idee. Außer ich wäre der einzige, der Lose sammeln kann", meinte ich mit einem verführerisch frechen Lächeln.
Ihr Desinteresse gegenüber meines leichten Tadels beobachtete ich etwas genauer, sah, wie sie sich mal wieder auf die Unterlippe biss und seufzte leise. Konnte sie nicht einfach aufhören, so sexy zu sein? "Das müsstest du den werten Herren am Tresen fragen, der schmachtet dich schon die ganze Zeit an und hat Handschellen und Schlagstock dabei. Der versohlt dir garantiert den Hintern", wehrte ich ihr Flirten leicht ab, beobachtete ein wenig unruhig, wie die anderen langsam gingen. "Ja, vielleicht kling ich blöd, weil ich meine Schwester einfach nur mal sehen will, aber meinst du nicht, dass du versuchen könntest, dich mit ihm anzufreunden? Er muss dafür zwar von seinem hohem Ross runterkommen, aber.. in kleinen Schritten kann man gehen", murmelte ich, vielleicht etwas schwammig, aber ich würde es auch als letzte Chance sehen, lag vielleicht aber auch am Umstand. Als sie davon sprach, dass es ihnen egal sein könnte, wenn sie was von mir wollte, lächelte ich ein wenig unruhig. "Schon. Aber ich bin wohl kaum die beste Wahl für dich", meinte ich und musterte sie, wie sie lachte. Selbst dabei war sie viel zu schön und schon das Lachen an sich war schön. Ich konnte mich nicht erinnern, dass ich so offen und frei gelacht hätte in meinem Leben. Mein Lächeln gefror dann aber recht schnell, als ich sah, wie die Wachen anfingen, die letzten Jungs hochzuscheuchen und der, der Maddie so angeschmachtet hatte, näher kam. Ich lehnte mich leicht zurück, zog die Mappe an mich heran. "Nathan. Willst du nicht auch auf deine Zelle und dich ausruhen?", fragte der Mann süffisant, lächelte dabei aber sogar noch fast freundlich. "Klar, war gerade dabei mich zu verabschieden", sagte ich monoton, beobachtete den Mann, wie er sich setzte. "Viel Spaß", murmelte ich leise zu Maddie, ehe ich mein Tablett nahm und schnell aufstand, während schon ein weiterer Mann auf mich zu kam. Ich brachte das Tablett an die Rückgabestelle zurück und spürte dabei die Blicke in meinem Nacken. Nur kurz sah ich noch einmal zu meinem Blondchen, das von dem jungen Wärter in ein Gespräch verwickelt wurde, ehe ich dem Räuspern des anderen folgte und mich auf den Weg machte zu meiner Zelle. Der Wärter blieb dabei die ganze Zeit hinter mir. Bei meiner Zelle angekommen, wollte ich gerade eintreten, als er mich wieder zurück in den Gang zog an der Schulter. Dabei nahm er mir die Mappe weg und blätterte durch die Zettel. "Ach, will der Her uns verlassen, ja? Nutzt die arme Kleine aus um rauszukommen. Ekelhaft", meinte er, schmiss sie achtlos in meine Zelle auf den Boden. Ich schloss gequält die Augen, wusste ich doch, dass der Abend nicht mehr schön werden würde. Schnell schnappten die Handschellen um meinen Gelenken zusammen und hielten meine Hände auf dem Rücken. Hart dirigierte mich der Mann die Treppe hinunter bis in den großen Raum. Eine Weile sagte er gar nichts, was er verlangte, was mich nervös machte, während andere eintrudelten mit Pizza-Kartons. Gut, ich würde also die Belustigung beim Abendbrot sein. Schön. "Auf die Knie", zwang mich einer schließlich, trat mir in die Kniekehle, ehe ich reagieren konnte. Ich fiel hin, zum Glück nur auf die Schulter, weil ich reagierte. Mühselig stützte ich mich ohne Hände wieder hoch. "Mach dich mal klein, so wie du in Wirklichkeit bist", blaffte ein Schrank von Typ , der neben mir auf dem Tisch saß, der da stand. Schneller als ich gucken konnte, knallten seine schweren Hacken auf meinen Rücken. "Ah. Als Hocker macht der Idiot sich gut", lachte der Typ. Und weiter beachtet wurde ich dann nicht. Schnell schmerzten meine Knie und mein Rücken, zumal es einfach nur demütigend war, sich so abstellen zu lassen, aber ich wagte es nicht, etwas zu sagen. Ab und an versuchte ich mein Gewicht etwas zu verlagern, bekam dann sofort einen Tritt mit der Hacke auf den Hinterkopf und wurde beschimpft, dass ich mich nicht bewegen sollte. Ich konnte die Zeit nicht abschätzen, ehe er endlich seine Füße von mir nahm. Als er an mir vorbei ging, trat er mir ganz aus Versehen gegen den Fußknöchel. "Oups", machte er nur unschuldig, ehe er mich auf die Beine riss. Ich konnte kaum stehen, so sehr schmerzten meine Knie und meine Muskeln waren steif geworden. "Kann mal jemand den Dreck entsorgen?", fragte er und so wurde ich die Treppe wieder hoch gezerrt bis in meine Zelle. Da wurden endlich meine Hände befreit und ich wurde eingesperrt. Eine Uhr hatte ich hier nicht, also wusste ich immer noch nicht, wie spät es war. Ich sammelte nur angestrengt die Mappe wieder auf und ließ mich auf meine Pritsche fallen. Sport würde ich nicht mehr machen. Sie würden mich aber auch nicht noch einmal raus lassen. Deprimiert blieb ich also einfach so liegen, während meine Gelenke protestierten und überall Schmerz pulsierte.


nach oben springen

#42

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 26.02.2015 18:35
von Alex • Senior Member | 5.831 Beiträge | 1037624 Punkte

Ich biss mir etwas verlegen auf die Unterlippe und lächelte entschuldigend als ich realisierte, dass es etwas unangebracht war über diese Dinge zu scherzen. Schließlich saß Nathan wohl schon längere Zeit hier und ich machte mich über sein Zimmer lustig. Ich seufzte leise und schlug mir die Hand auf die Stirn. "Tut mir leid.", meinte ich ehrlich und lächelte unbeholfen. "Manchmal vergesse ich einfach wo wir hier sind und wer du bist.", erklärte ich. "Also ich meine, dass du nicht einfach so wie ich hier rausspazieren kannst.", fügte ich eilig hinzu und seufzte. "Vielleicht sollte ich einfach die Schnauze halten.", stellte ich deprimiert fest und verdrehte die blauen Augen. Seine nächste Aussage machte mich stutzig, dennoch nickte ich zustimmend. "Ja....Man sollte wirklich niemanden vertrauen. Zumindest nicht vollkommen.", erklärte ich leise und dachte kurz nach. "Ich habe zumindest schon oft den falschen Leuten vertraut. Leider. Jetzt bereue ich es. Aber naja, so ist das.", stellte ich mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen fest. "Ich bin froh, dass ich hier nur einen Nebenjob habe. Jeden Tag von früh bis spät hier arbeiten könnte ich nicht.", stellte ich leise fest und musste lachen. "Die Zirkusattraktion?", wiederholte ich interessiert und schmunzelte nachdenklich. "Du bist ja nett.", stellte ich fest und zuckte mit den Schultern. "Dann bin ich mal die Attraktion, mhm? Ich würde ja Geld verlangen, aber ich gehe nicht davon aus, dass es hier Geld gibt. Zumindest nicht für eine einfache Zirkusattraktion. Es gibt hier wichtigere Dinge. Nicht?", fragte ich neugierig und spielte damit auf Bestechung und Drogen an. "Natürlich. Lose gibt es nur für dich, mein Lieber.", flüsterte ich Nathan zwinkernd zu und grinste etwas. Als er mich auf einen der Polizisten aufmerksam machte, hob ich den Blick und sah zum Tresen. "Pfui.", stellte ich angeekelt fest und schüttelte wenig begeistert den Kopf. "Der darf meinen süßen Po sicher nicht versohlen. Man muss es sich schon verdienen, Nathan.", murmelte ich lachend und ging auf die Geschwistersache einfach nicht weiter ein. Ich wollte nicht darüber nachdenken, da Dylan und ich selbst vor der Scheidung unserer Eltern in keinem besonders engen Verhältnis zueinander gestanden hatten. Für mich war die Sache also einfach erledigt, doch ich konnte Nathan dennoch verstehen, da er seine Schwester sicher noch immer sehr liebte. "Bist du nicht die beste Wahl für mich? Meinte ich nicht eben, ich kann das selbst entscheiden? Wieso entscheidest du das denn jetzt auf einmal?", tadelte ich den jungen Mann mit erhobenem Finger. "Sag sowas nie wieder, Nathan. Du bist ein toller Kerl , ja?", versicherte ich ihm ehrlich und sah erschrocken auf als die Wachen auf uns zu kamen und Nathan anwiesen die Mensa zu verlassen. Gequält sah ich ihm nach und lächelte aufmunternd. "Schlaf gut. Ich habe morgen nach der Uni einen Arzttermin. Routineuntersuchung. Aber ich werde morgen nicht kommen.", rief ich Nathan noch informierend nach und wurde dann auch schon von dem einen Mann abgelenkt und in ein Gespräch verwickelt wurde. Genervt verabschiedete ich mich bereits nach wenigen Minuten und trat den Heimweg an.

Am nächsten Tag verlief alles wie gewohnt, nur dass ich nach der Uni direkt zum Arzt und nicht zu Nathan fuhr. Die Untersuchung verlief relativ normal, doch bei dem Gespräch mit meinem Arzt offenbarte sich etwas, was bisher niemand gewusst hatte. Ich fiel in ein tiefes Loch und meldete mich für den Rest der Woche in der Uni krank, da ich mein Zimmer nicht verlassen wollte. Ich erzählte niemanden von der furchtbaren Diagnose. Dylan war es sowieso scheiß egal und er freute sich sogar, dass ich nicht mehr ins Gefängnis fuhr. Mein Vater machte sich zwar Sorgen, ließ sich aber mit der Begründung, dass ich bald meine Tage bekommen würde und deswegen in einem Tief war, abwimmeln. Doch irgendwann hielt ich es einfach nicht mehr aus. Mit Trauermiene ging ich schnell duschen, zog mir frische Klamotten an und verließ dann auch schon gegen 22 Uhr das Haus meines Vaters. Bis ich im Gefängnis ankam, dauerte es eine Weile. Die Straßen waren dunkel und das Gelände lag doch etwas außerhalb, weswegen ich vor allem bei den unbeleuchteten Straßen meine Probleme hatte. Irgendwann parkte ich meinen Wagen allerdings endlich auf dem Parkplatz und spazierte unbemerkt durch die Gegend. Die Schlüssel von allen Schlössern hatte ich glücklicherweise schon lange, auch wenn ich darüber nicht sprach. Abends war hier nicht viel los. Der Großteil der Angestellten war schon lange nicht mehr hier und die Nachtwachen nahmen es mit ihren Schichten nicht sehr genau, da jeder wusste, dass eine Flucht der Gefangenen unmöglich war. Also schlich ich mich einfach auf Zehenspitzen an dem Raum der Nachtwachen vorbei, welche sich volllaufen ließen und pokerten. Hastig sperrte ich dann eine schwere Tür nach der anderen auf und suchte lange vergebens nach Nathan's Zelle. Während meiner Suche hallten immer wieder die Worte meines Arztes durch meinen Kopf. Leukämie. Ich hatte Leukämie. Ich würde höchstwahrscheinlich sterben. Schon wieder traten mir die Tränen in die Augen und suchten sich ihre Bahnen über meine Wangen. Als ich beinahe gegen Mitternacht vor seiner Zelle stand, atmete ich noch einmal tief ein und steckte dann den Schlüssel in das Loch, drehte ihn einige Male nach rechts und entriegelte die Tür, welche mit zusätzlichen Sicherheitsschlössern versehen war. Den Schlüsselbund ließ ich dann wieder in meiner Handtasche verschwinden, während ich mich gegen die schwere Tür drückte und eintrat. "Nathan?", flüsterte ich leise und rechnete fest damit, dass der junge Mann schlief. Vorsichtig drückte ich die Tür wieder zu und tappte durch die Dunkelheit, bis ich irgendwann das Bett fand. Wenn man dieses Ding überhaupt Bett nennen konnte. Schluchzend ging ich auf die Knie und tastete nach dem jungen Mann. "Nate. Bitte wach auf.", flehte ich leise und schniefte. Mit einer Hand zog ich mein Handy hervor, machte die Taschenlampe an und legte mein Iphone dann auf den Tisch. So hatten wir genügend Licht. Wahrscheinlich sah ich schrecklich aus. Ungeschminkt, die Augen rot und angeschwollen. Ich musste mit jemanden darüber reden und ich hatte mich für ihn entschieden. Wieso auch immer. Mein Outfit war ausnahmsweise mal sehr schlicht. Vans, Jogginghose und ein dicker Pulli. Mehr nicht. Sehr sexy.


nach oben springen

#43

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 27.02.2015 19:39
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ein sanftes Lächeln erschien auf meinen Lippen, als sie so verlegen und entschuldigend dreinblickte und sich dann allen ernstes die Hand vor die Stirn schlug. Ich lachte leise auf, ehe sie dann zu ihrer Entschuldigung ansetzte. Bei ihrer Erklärung schüttelte ich leicht den Kopf. Erst sagte sie, dass sie nicht wusste, warum ich hier sein sollte und prompt folgte nun, dass sie vergaß, wo wir waren. Nur das, wer ich war, war auch etwas falsch zu verstehen. Es klang so, als würde sie mich auch nur als Straftäter definieren, wo sie das doch sonst immer gegen alle Vorurteile war und nichts von ihnen akzeptierte. "Ich bin ich, auch wenn ich hier bin und nichts absitze"; murmelte ich leise, redete es mir vielleicht auch einfach selbst mal wieder ein. Ich durfte nicht vergessen, dass ich meine Fassung bewahren wollte. Egal, was Insassen cool fanden oder nicht, egal wie sehr die Wachen mich terrorisierten, ich würde darauf beharren unschuldig zu sein. Ich würde nicht irgendwann nachgeben, damit es dann einfacher wurde. Wenn ich gestand, dann würden sie mich garantiert schon früher hinrichten. Ich wollte aber nicht sterben. Ich wusste zwar nicht, wie ich das abwenden sollte, weil bisher jeder Versuch einen besseren Anwalt zu bekommen oder in Berufung zu gehen scheiterte. Aber vielleicht wurde die Todesstrafe auch einfach abgeschafft und ich hatte eine Chance zu überleben. Auch wenn ich hier über kurz oder lang draufgehen würde. Sei es, weil andere doch mal ein Messer reingeschmuggelt bekamen vom Besuch und es gut versteckten, oder weil ich es nicht mehr aushielt. Ich würde es auch irgendwie schaffen, mich umzubringen, wenn ich es nur wollte. Ich müsste nur die erste Mauer erklimmen, dann würde ich schon halb im Stacheldraht hängen und dazu von irgendeinem Wachturm erschossen werden. Oder ich schoss mich mit Drogen ab. Egal was ich tun würde, ich würde es schaffen zu sterben. Ihren Zusatz nickte ich mit einem Lächeln ab, dachte an die schon fast zahlreichen Türen, die nach draußen führten. Der Trakt, wo man angemeldet wurde und alle Formalien liefen. Dann der Eingang für Besucher, die Tür zum Besuchsraum. Es war ein schöner Weg nach draußen, ich wünschte, ich könnte jemals die Schwelle überschreiten. Die Eingangstür. Nach draußen und dann runter von diesem Grund, zurück in die Stadt. Ins Leben, auch wenn das kaum besser war als hier. Hier hatte ich ein sicheres Dach über dem Kopf und bekam regelmäßig was zu essen, es sei denn den Wächtern war gerade nicht danach. Die ganzen Schikanen machten es nur so schlimm hier zu sein. Diese geballte Aggression, die hier überall unter den Gefangenen herrschten kamen ja noch dazu. Auf der Straße konnte man sich wenigstens aus dem Weg gehen. Ich löste mich von dem Gedanken, schüttelte den Kopf und lächelte sie an. "Ach was. Ist schon okay", beschwichtigte ich sie. Ich wollte ja nicht, dass sie mich wieder einfach nicht beachtete, damit ich nicht wieder vereinsamte. Nur weil es manchmal etwas schwer war, weil ich nicht viel mit ihren Anekdoten eines reichen Lebens anfangen konnte und es mich trübsinnig stimmte, dass ich nichts hatte, nichts konnte und keine Familie hatte in dem Sinne. Es war schon okay, dass sie nicht jedes Wort fünf mal überdachte, immerhin war eine Unterhaltung dadurch immer locker. Und wenn ich gar nicht mehr klar kommen würde, dann würde ich ja auch schon bescheid sagen.
"Wer macht die Erfahrung nicht. Ich hab deshalb mal alles Erspartes verloren und fast einen D.. Bandenring auf mich gehetzt", murmelte ich. Ich hätte fast Drogenclan gesagt, aber ich wollte irgendwie nicht über meine Drogengeschichten reden. Ich war nicht stolz darauf, dass ich welche nahm, dass ich damit gedealt hatte. Und eine Lüge war es immer noch nicht. Es war eine Bande. Ein Ring aus Leuten, die mehr als angepisst gewesen wären, wenn ich den Anteil des Gewinns nicht gezahlt hätte. Und das wäre eine riesige Drogenjagd geworden. Und zwar auf mich. Ich hätte richtig leiden müssen. Da hatte ich nur mehr als Glück gehabt und den Arsch zu fassen bekommen. Der hätte mich mutwillig ausgeliefert. Aber ich war besser gewesen. Die diversen Male, die man über den Tisch gezogen wurde, brauchte man daneben noch nicht einmal nennen. Ich hatte gelernt, dass jeder an sich dachte, man musste seinen eigenen Arsch durchbringen, an andere dachte man erst, wenn man sich selbst mehr als abgesichert hatte und der andere einem dann einen Gefallen schuldete und auch einlösen würde. "Ist aber schade, dass du nicht den ganzen Tag hier bist", meinte ich, grinste dann. "Ich hab es ja nur verallgemeinert", rechtfertigte ich mich dann, seufzte leise. "Ja. Geld ist hier flüssig. Kaum bekommen, schon ist es wieder weg. Oder wird gesammelt und dann auf einmal ausgegeben, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand plant, von hier etwas mit raus zu nehmen"; meinte ich ausweichend. Dass ich mein Geld, an das ich rankam, auch direkt wieder für Drogen rausschmiss, musste ich ja nicht sagen, oder? Es war meine Sache, wie ich diese Scheiße hier überstand oder eben auch nicht überstand. Ich lachte leise, als sie sich über den Wächter ausließ und dass man es sich verdienen müsste ihren Hintern zu versohlen. "Wieso, der sieht doch ganz nett aus", scherzte ich, auch wenn ich wohl weniger glaubte, dass das ein feiner Typ war, als sie es vielleicht hoffte. Er wäre zu ihr wahrscheinlich sogar wirklich nett, aber wie war das wohl, mit jemanden zusammen sein, von dem man wusste, dass er in seiner Freizeit Insassen folterte. Ob wohl die Frauen der Wächter jemals Wind davon bekamen? Überrascht sah ich sie an, als sie doch wirklich den Zeigefinger hob und mich belehrte, dass sie das entscheiden würde, was das beste für sie war. Ich verstand nur nicht, warum sie es nicht einfach annahm. Es war mehr ein gut gemeinter Ratschlag als alles andere. Ich war nicht gut für sie. Ich war ein Kleinkrimineller. Der zu Tode verurteilt wurde. Auch wenn ich nett war, ich konnte ihr nichts bieten, ihr nicht zu hundert Prozent vertrauen, also was sollte das werden? Ein schon fast verlegenes "Danke" rang ich mir mit einem Lächeln noch ab, ehe die Wachen uns dann störten und verhinderten, dass ich ihr noch ein Kompliment machte. Als sie mir etwas hinterher rief, drehte ich leicht den Kopf, hob dann zum Abschiedsgruß die Hand, damit sie sah, dass ich sie gehört und verstanden hatte. Und damit war ich allein mit dem Wächter.

Ich hatte den Abend ja noch ganz gut überstanden, wenn man mal von viel zu roten Flecken an den Knien absah und den Schmerzen im Rücken, die auch noch am nächsten Tag blieben. Ich raffte mich trotzdem hoch zum Unterricht am nächsten Morgen, heftete fleißig Zettel in meinen Ordner, auch wenn alles voll mit Fehlern war. Daran konnte ich nicht von jetzt auf gleich etwas ändern. Immerhin ging ich hin und machte mit, auch wenn es anstrengend war. Es war schade, am Abend nicht mit Maddie darüber reden zu können, aber wo sie doch immer sagte, ich sollte nicht vereinsamen, setzte ich mich zu Lester und Drake, meinen Drogenfreunden. Der eine dealte auch, der andere nahm nur und hatte irgendjemanden zusammengeschlagen, als er keinen Stoff bekommen hatte und saß deshalb hier, wegen Drogendelikten und der Körperverletzung. Lester war ein ruhiger Typ, älter als ich und bald würde er auch wieder rauskommen. Drake hingegen war ein eher nervöser Typ mit einem kleinen Knacks. Er hatte zwei Menschen getötet, aber hey. Ich war froh, dass er gerade auf Drogen war, dann war er erträglicher, wenn er zu lange keine gesehen hatte, dann wurde er aggressiv. Ich unterhielt mich ein wenig mit ihnen, dann trieb der Tag auch schon weiter vor sich hin. Ich nutzte den Abend für Sport und hätte mich gerne entspannt, wenn nicht die Wachen es mehr als lustig finden würden, mich aus meiner Zelle zu holen um mich zu demütigen. Und sei es nur dadurch, dass sie mich im Keller in eine Ecke stellten und mit irgendetwas nach mir warfen, sobald ich mich bewegte. Die nächsten Abende wurden nicht besser. Einmal behielten sie mich wieder eine ganze Nacht unten, allerdings nur in einer Isolationszelle und nicht in der Dunkelkammer. "Tja, ein Schoßhündchen sollte man nie alleine lassen"; lachte einer, als er mich am Donnerstag Morgen wieder rausholte. Zum Frühstück hatte ich es nicht geschafft, aber zum Unterricht, auch wenn ich dabei fast einschlief. Ich hoffte jeden Tag darauf, dass Maddie wieder auftauchte, aber das war nicht der Fall. Jeden Abend stand ich bei der Mensa, wartete und niemand kam. Das Essen war wieder schlecht, schlampig zubereitet. Maddie brachte hier einiges an Motivation rein. Und jetzt war sie weg. Würde sie überhaupt noch wieder kommen? Vielleicht hatte sie sich doch mit ihrem Date angefreundet oder mit den Wünschen ihrer Eltern, dass sie nun einfach fern blieb.

Der Freitag zog sich auch ohne ihr Lächeln dahin. Den Abend verbrachte ich lustlos beim Sport, ging aber früher, weil mir jemand das Trainingsgerät streitig machte. Nach einer kurzen, kühlen Dusche ging ich dann in meine Zelle, mühte mich mit der Mappe ab. Sie hatte mit mir üben wollen, hatte sie gesagt und war nicht wieder aufgetaucht. So viel dazu, dass man niemandem vertrauen sollte. Ich hatte wohl recht auch ihr nicht einfach alles abzukaufen. Schließlich wurde ich irgendwann zu müde, legte die Mappe auf dem Tisch ab und kroch in mein Bett, deckte mich zu und schlief irgendwann ein. Mein Schlaf war hier im Gefängnis noch nie entspannt gewesen. Also ich konnte schlafen, auch tief, aber erholsam war etwas anderes. Das Entriegeln der Tür bemerkte ich nicht, es holte mich nur etwas aus dem Tiefschlaf. Aber ich lag weiterhin mit dem Rücken an der Wand und bis zu den Ohren zugedeckt. Bei ihrem Flüstern brummte ich leise, beunruhigt, irgendwie wach, aber ich kam erst zu mir, als ich eine Lichtveränderung wahrnahm. Schlagartig riss ich die Augen auf, setzte mich auf, presste mich an die Wand mit angezogenen Knien und hielt meine Hände an den Hinterkopf. Es war eine reine Schutzhaltung, aus der ein Wächter sofort die Hände in Handschellen legen konnte. Ich erwartete, dass mich jemand packte, das Klicken der Handschellen, doch nichts passierte und es stand auch niemand vor mir. Ich senkte also wieder meine Arme, sah dann zu der Person neben meinem Bett. Ich hörte das leise Schniefen, erkannte die blonden Haare. Nur die Kleidung war untypisch. "Maddie?", fragte ich ein wenig verschlafen, als ich mich wieder entspannter hinsetzte und der erste Schreck verflogen war. Ich blinzelte leicht, musterte sie und sah Tränenspuren und die Rötung ihrer Augen. "Hey, was ist denn los?", fragte ich ein wenig überfordert. Ich hatte noch nie jemanden getröstet, wusste nicht was los war und der nächtliche Besuch irritierte mich sowieso. Und vor allem, dass sie so verheult war. Unbeholfen rückte ich aufs Kopfende, klopfte dann neben mich , damit sie sich mit aufs Bett setzten konnte und schlug die Decke zurück, falls sie mit darunter wollte.


nach oben springen

#44

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 27.02.2015 20:50
von Alex • Senior Member | 5.831 Beiträge | 1037624 Punkte

Erleichtert atmete ich auf als Nathan endlich aufwachte und sich sofort in eine merkwürdige Position begab. Verwirrt runzelte ich die Stirn und musste trotz meiner Stimmung etwas grinsen. Zuerst überlegte ich, mich bei ihm danach zu erkundigen, doch dann kam mir die Idee, dass ich es gar nicht so genau wissen wollte. Nachdem der junge Mann scheinbar bemerkt hatte, wer ihn mitten in der Nacht aus dem Schlaf riss und verschlafen meinen Namen murmelte, nickte ich leicht und schluckte. "Tut mir leid, dass ich die letzten Tage nicht da war...", fing ich leise an und schlüpfte aus den dreckigen Schuhen. Hastig ergriff ich noch mein Handy, schaltete die Taschenlampe aus und leuchtete nur mit dem erleuchteten Sperrbildschirm den kleinen Raum. Unsicher beobachtete ich dann den jungen Mann, welcher mir etwas Platz machte und auf die Matratze klopfte. Kurz überlege ich und drehte den Kopf in Richtung Tür. Von hier drinnen konnte man sie nicht mehr öffnen, also musste ich wohl oder übel warten bis am Morgen einer der Wärter aufkreuzte. Na toll. Ich seufzte und war sauer auf mich selbst, dass ich daran nicht zuvor gedacht hatte. Nun saß ich also mit einem Verurteilten in einer Zelle. Doch Nathan war anders. Ich wusste, dass er mir nichts antun würde. Also nahm ich auf dem Bett Platz, drehte mich auf die Seite und blickte dem jungen Mann unglücklich in die Augen. "Der Arzt...er...es war eine normale Untersuchung. Eigentlich nichts schlimmes. Aber dann hat er irgendetwas entdeckt und bei der Nachbesprechung...", erzählte ich stockend und zitterte am ganzen Körper. "Ich...ich bin krank, Nathan. Sehr krank. Ich habe Leukämie.", brachte ich es endlich hervor, rutschte gleichzeitig noch näher an ihn heran und drückte mich an Nathan wie ein kleines Kind. Die Tränen liefen über meine bereits nassen Wangen und hinterließen ebenfalls nasse Flecke auf seinem Shirt. "Ich war die letzten Tage nur in meinem Zimmer. Ich konnte mit niemanden darüber reden.Ich lag nur im abgedunkelten Zimmer in meinem Bett. Habe ein neues Meer geweint. Weder gegessen, noch viel getrunken.", stotterte ich am Boden zerstört. "Ich weiß nicht wie ich es irgendjemanden erzählen soll. Meine Familie wird sich solche Sorgen machen und mich behandeln wie ein rohes Ei. Ich werde es wahrscheinlich nicht überleben, Nate. Ich werde sterben.", heulte ich weiter und drückte meinen Körper noch mehr an den des jungen Mannes. Wieso war ich zu ihm gekommen und vertraute ihm diese Sache an? Ich war total verwirrt und wusste gar nicht mehr was ich tun sollte. "Ich will nicht sterben...Ich hatte doch noch so viel vor. Mein Studium, eine Karriere als Anwältin. Ein eigenes Haus bauen. Mich verlieben. Mein erstes Mal erleben...Ein Haus bauen, heiraten, Kinder kriegen. Das ist alles nicht mehr möglich, Nate. Oh Gott, wie soll ich das nur meiner Familie und meinen Freunden erklären? Ich will kein Mitleid. Niemand soll irgendetwas erfahren. Ich habe nicht die Kraft, eine Therapie anzufangen. Wie soll ich das denn hinbekommen? Ich bin noch so jung und hatte noch nie ernsthafte Probleme...und auf einmal bricht alles über mir zusammen. Der Arzt meinte, ohne einer Behandlung hätte ich nur noch ein paar Monate. Maximal ein Jahr...Und selbst wenn ich mich behandeln lassen würde...Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich es schaffe. Dafür ist das schon zu ausgeprägt...", erzählte ich stockend. "Ich weiß wirklich nicht was ich machen soll, Nate. Ich habe mich noch nie so beschissen gefühlt. Es kommt mir vor als hätte man mir etwas weggenommen. Die Lebensfreude, die ich immer hatte...Sie ist einfach weg. Ich fühle mich leer. Kraftlos. Ich sehe überhaupt keinen Sinn mehr in meinem Leben. Ich werde mit maximal 19 Jahren sterben. Dabei habe ich doch noch gar nicht richtig angefangen zu leben. Ich wollte so viel erleben...reisen, Menschen helfen...Das alles werde ich nie machen können.", flüsterte ich und mein zierlicher Körper bebte mittlerweile wie ein Erdbeben. "Ich weiß nicht, wieso ich dir ausgerechnet diese Sache erzähle. Ich kenne dich kaum. Du bist ein Gefangener. Ich sollte nicht hier sein. Ich dürfte dir nicht vertrauen. Aber du bist anders, Nathan. Ich kann es fühlen, wenn ich bei dir bin. Du bist kein böser Mensch. Nur dein Schicksal hat dich geprägt. Ich wollte dir helfen, Nate. Ich wollte dir deine Mutter und deine Schwester zurückgeben. Dich hier rausholen. Dich dabei unterstützen ein neues Leben aufzubauen. Wie soll ich das denn machen? In ein paar Wochen bis Monaten werde ich mein Bett nicht mehr verlassen können. Ich werde abmagern, mir werden die Haare ausfallen, ich werde schwach sein. Ich will dich doch nicht im Stich lassen, verdammt. Seit ich dich kennengelernt habe, verstehe ich wieso ich Jura studieren wollte seit ich ein kleines Mädchen bin. Weißt du..meine Freundinnen in Frankreich meinten immer sie werden Millionärin oder Prinzessin. Die typischen Mädchenträume eben. Für mich stand schon früh fest, dass ich Anwältin werden will. Selbst an Faschin habe ich mich als Anwältin verkleidet. Strenge Hochsteckfrisur, erwachsenes Make-Up. Schwarzer Rock, Bluse und Blazer. Schuhe mit einem kleinen Absatz. Eine Fake-Brille und eine Perlenkette meiner Mutter...Ich wurde manchmal sogar ausgelacht. Aber mein Traum stand fest.", schwelgte ich traurig in Erinnerungen und schlang einen Arm um seine Hüfte.


nach oben springen

#45

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 28.02.2015 03:04
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Um ihr dezentes Grinsen bemerken zu können, hätte ich sie ansehen müssen. Doch ich kauerte eher in einem leichten Schreck und viel zu müde in der Position, in der ich durch meine Beine meinen Körper schützte und gleichzeitig meine Handgelenke so frei hatte, dass sie gepackt werden könnten. Gerade nachdem die Nachtwachen sich die vorletzte Nacht diesen Spaß erlaubt hatten, war es ein reiner Ablauf einer Reaktion ohne dass ich darüber nachdachte. Meine Augen hatten sich sowieso noch nicht an das Licht gewöhnt, als dass ich Maddie hätte erkennen können. Ich sah aber erst zu ihr und hörte auf mir sonst was auszumalen, als nichts weiter passierte und ich mich langsam an das Licht gewöhnte, das nicht mal wirklich auf mich gerichtet war. Wächter wären da anders. "War doch auch nicht deine Pflicht. Es ist schon okay", beschwichtigte ich sie leise, als sie doch wirklich anfing sich zu entschuldigen. Dabei sah sie aus wie ein Hääufchen Elend, ausgezehrt, müde und verheult. Da sollte sie aufhören sich zu entschuldigen, ich wollte sie eher trösten, auch wenn ich nicht wusste, wie ich das am besten anstellte. Ich war es aber auch nicht gewohnt, mich um andere zu kümmern, war nun mal nicht so selbstlos wie Maddie. Ihren Blick zur Tür bemerkte ich durchaus und es bedrückte mich ein wenig. Da kam sie vorbei, weckte mich und weinte und wollte dann doch wieder gehen? Doof nur, dass diese Türen schwer waren und wieder zu fielen. Naja, Luxushotel Knast, hatten wir ja schon mal besprochen. Im Notfall würde ich sogar nicht mehr schlafen und mich einfach auf den Stuhl meiner Zelle setzen und warten bis zum nächsten Morgen, wenn es ihr half, wo sie doch ihren Schlaf brauchte. Und ich konnte morgen tagsüber noch schlafen, da Samstag wäre und da keine Schule war.
Als sie sich schließlich zu mir begab, lächelte ich sie besorgt an. Ihre Augen warne wirklich zu gequollen. Es musste ihr echt schlimm gehen, wenn sie so geweint hatte.. Ich wusste nicht, ob ich fragen sollte, ob es wegen Problemen mit ihrer Familie war, aber ließ es lieber bleiben. Eigentlich griff es sie ja nicht so sehr an, wenn sie Stress mit ihnen hatte, aber vielleicht war etwas schlimmeres vorgefallen, als dass ihr ein Date angedreht wurde. Bei ihrem unglücklichen Blick hob ich zögernd meine Hand, legte sie an ihre Schulter und rieb ihr sanft über den Arm. Noch besorgter wurde mein Blick, als sie begann zu zittern und vom Arzt zu erzählen. Als sie ihre Diagnose aussprach, sah ich sie fassungslos an. "Oh mein Gott", hauchte ich, schlang meinen Arm um sie, als sie an mich rückte. Als sie weiter erzählte und dabei so stotterte und zitterte und heulte, strich ich ihr sanft über den Rücken. "Shh", versuchte ich sie sanft zu beruhigen und bettete mein Kinn über ihrem Kopf. "Du wirst schon nicht sterben", murmelte ich leise und stockte kurz, als sie sagte, dass sie keine Therapie machen wollte. "Natürlich wirst du eine Therapie machen, Maddie. Du kannst dich doch nicht aufgeben, nur weil es einmal scheiße läuft. Du hast mir das selbe geraten, aber an deine Ratschläge musst du dich auch halten", meinte ich bestimmt, rieb ihr weiter sanft den Rücken und ich wusste gar nicht, was ich machen sollte, wusste gar nicht, wie ich damit umgehen sollte. Es schockierte mich wirklich, das war nicht mal eben so verdaut. "Es rührt mich wirklich, dass du mich nicht im Stich lassen möchtest. Aber ich laufe nicht weg", scherzte ich wenn auch ohne Belustigung. "Du kümmerst dich erst einmal um deine eigene Gesundheit. Danach kannst du weiter helfen, aber du kannst dich doch nicht einfach aufgeben und dich um mich kümmern. Ich habe jetzt 17 Jahre ohne meine Familie ausgehalten, ich schaffe auch noch weitere Monate und seien es zwei Jahre ist es auch okay. Ich würde es mir nicht verzeihen, wenn du stirbst wegen so etwas banalem", meinte ich bestimmt. Mir wurde klar, dass ich sie vielleicht lange nicht mehr sehen würde, vielleicht gar nicht mehr, aber ich würde nicht damit klar kommen, wenn sie meine Mutter zu mir brachte und dafür dann selbst starb. "Die Medizin ist das einzige, woran ich glauben würde. Du musst es auch. Du musst kämpfen für dein Leben und dann kannst du für andere kämpfen. Du bist ein starker Mensch, du musst es dir nur selbst noch einmal beweisen. Und selbst wenn die Ärzte dir die Wahrscheinlichkeit schlecht reden. Ich würde auch ab 1% Genesungswahrscheinlichkeit glauben für dich, okay? Also gib dich nicht auf. Ich werde dich doch irgendwann noch brauchen", meinte ich, hob meine Hand an ihre Wange um ihr die Tränen weg zu streichen, auch wenn ich gegen das Meer kaum eine Chance hatte. Zuversichtlich lächelte ich sie an, auch wenn ich eigentlich viel zu pessimistisch war. "Du schaffst das schon", sagte ich leise, drückte ihr einen Kuss auf die Stirn, dachte gar nicht weiter darüber nach.


nach oben springen

#46

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 28.02.2015 19:07
von Alex • Senior Member | 5.831 Beiträge | 1037624 Punkte

Für mich war es selbstverständlich, dass ich mich bei Nathan entschuldigte. Schließlich schien ich wirklich etwas Freude in sein Leben zu bringen, weswegen es sicher schlimm für ihn gewesen war die Woche ohne mich zu überstehen. Nachdenklich seufzte ich leise auf und zuckte etwas zusammen als der junge Mann mich fassungslos anstarrte. Punkt für mich, ich hatte Nathan ziemlich schockiert. "Ich will aber nicht. Genau deswegen habe ich niemandem von der Diagnose erzählt. Jeder würde wollen, dass ich diese scheiß Therapie mache, Nate. Aber ich will das nicht. Ich kann das auch nicht. Verstehe es bitte. Du solltest es doch am besten wissen wie es ist, die Hoffnung verloren zu haben...", flehte ich leise und schluckte. "Ich werde dich auch nicht im Stich lassen, Nate. Niemals. Ich werde für dich weiterkämpfen und nach deiner Mutter und deiner Schwester suchen. Ich werde dich hier rausholen. Auch wenn es das Letzte ist was ich in meinem Leben mache.", flüsterte ich überzeugt und hustete kurz. Jedesmal wenn ich weinte, konnte ich irgendwann kaum noch atmen. "Du glaubst nur an die Medizin?", wiederholte ich etwas überrascht und runzelte die Stirn. "Interessant. Mein Glaube ist jedenfalls viel höher. Aber was soll man anderes erwarten von einem Mädchen, das ihre Schulzeit in einem katholischen Mädcheninternat verbracht hat...Auch wenn viele Mädels dort auch Muslime und co waren. Eigentlich echt merkwürdig, ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht. Eine meiner besten Freundinnen ist Türkin. Eine wundervolle, junge Frau. Sie macht ein freiwilliges soziales Jahr in Afrika. Ihre Eltern wissen nichts davon. Eigentlich sollte Ilay nach dem Abschluss zu ihnen in die Türkei kommen und irgendeinen entfernten Verwandten heiraten. Da hat meine Kleine aber nicht mitgemacht und ist kurzerhand nach Afrika. Ihre Eltern wissen nichts davon und wir mussten ihr versprechen, ihnen nicht Bescheid zu geben. Früher fand ich es krass, dass es noch immer ausgemachte Zwangsehen gibt. Mittlerweile kann ich es dank Dylan und Matthew nachvollziehen. Es ist ein grausames Gefühl für mich und ich werde nicht einmal gezwungen, unbedingt zu heiraten. Wahrscheinlich haben die beiden nur Angst, dass ich an jemand Falschen gelange. Jetzt, wo ich hier im Knast arbeite. Sie sehen in dir eh schon meinen Künftigen. Witzig, nicht? Ich werde wahrscheinlich als Jungfrau sterben. Wer kann das heutzutage eigentlich noch von sich behaupten? Eisern verschlossen bis zum Tod. Meine Religionslehrerin, eine Nonne, wäre wahnsinnig stolz auf Maddielein, ihre Lieblinsschülerin. Von Anfang an...seit meinem ersten Tag dort in der Schweiz...war ich ihr Liebling. Sie hat mich immer bevorzugt und mir zum Geburtstag oder zu Weihnachten immer christliche Geschenke geschenkt. Eine vergoldete Bibel, eine Kette mit einem Kreuz...Die trag ich heute immer noch gerne. Es fühlt sich immer so an als würde jemand auf mich aufpassen.", redete ich einfach sinnlos darauf los und lachte heiser. "Die Genesungswahrscheinlichkeit ist höher als nur ein Prozent. Aber die Therapie ist hart. Mein Arzt hat mir alles erzählt was auf mich zukommen könnte. Ich habe ihm am Ende gar nicht mehr zuhören können. Und selbst wenn ich es schaffe, kann der Krebs jederzeit zurückkommen und noch härter zuschlagen. Wieso sollte ich jetzt kämpfen, wenn es in ein paar Jahren wieder losgeht? Ich werde wahrscheinlich nie ein eigenes Kind gebären können, weil die Gefahr zu groß ist. Es war doch immer mein Traum zwei oder drei Kinder zu haben. Seit der fünften Klasse plane ich mit meinen Mädels unsere Zukunft. Wir haben uns geschworen den Kontakt nie aufzugeben und selbst jetzt schreiben wir uns regelmäßig und wollen unsere gemeinsamen Urlaube fortsetzen.", murmelte ich traurig und schüttelte den Kopf. "Nein, Nate. Ich werde es nicht schaffen. "Du hast bisher nur meine starke Seite kennengelernt. Aber ich bin schwach, Nathan. Auch wenn du mich für eine Kämpferin hälst...Ich kämpfe nur für meine Ziele, die ich seit Jahren auf meiner imaginären Liste habe. Und Leukämie besiegen steht da bedauerlicherweise nicht mit drauf...", schluchzte ich und war etwas überrascht als der junge Mann mir einen Kuss auf die Stirn drückte. "Und ausgerechnet jetzt werde ich meine erste Nacht mit einem Kerl verbringen.", stellte ich mit viel Ironie in der Stimme fest und musste grinsen. "Du vergewaltigst mich doch nicht, oder? Wobei es mir eh egal wäre. Es gäbe dann nur den Unterschied, dass ich nicht als Jungfrau sterbe und du wohl lange hier sein wirst...Wobei ich mich ja eigentlich zu dir geschlichen habe. Aber eine kranke, unschuldige, junge Frau wird wohl kaum jemand bestrafen.", stellte ich sarkastisch fest und drückte mich noch mehr an den jungen Mann.


nach oben springen

#47

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 01.03.2015 17:29
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Natürlich schockte mich die Diagnose. Ich hatte ja nie irgendwie mitbekommen, dass es ihr schlecht ging. Und dann kam die Diagnose Blutkrebs? Hieß es nicht eigentlich, dass man das erst so spät bemerkte, weil man laufend eine Immunschwächung hatte und Wunden nicht mehr so gut verschlossen? Nun gut, ich hatte auch keinen Kratzer bei ihr entdeckt und es gab immer individuelle Abläufe. Trotzdem war es erschreckend. Sie schien auf mich ein sehr lebenslustiger Mensch zu sein, stark und munter mit vielen Eindrücken, die sie bereits erlebt hat. Ihr Leben schien einfach gut zu sein, auch wenn ihre Eltern sich auch getrennt hatten und sie nicht immer bei ihrer Mutter war, sondern in einem Internat gewesen war. Aber sie hatte es trotzdem gut gehabt. Sie war intelligent und hatte genug Geld. Sie war unabhängig und eigenständig, hatte einen tollen Charakter. Verdient hatte sie diese Krankheit auf keinen Fall. Es gäbe viele andere, die es verdient hätten, zu leiden und zu sterben, aber sie doch nicht. Ihr Flehen für mein Verständnis bekümmerte mich etwas. Ich hatte auch das erwartet, was sie nicht wollte. Aber für mich schien es auch klar, dass man versuchte sein Leben zu retten. Gut, meine Versuche waren auch gescheitert und meine Hoffnung hatte ich aufgegeben, hier noch mal raus zu kommen, aber das war doch nicht mit einer Krankheit zu vergleichen. "Das kann man doch nicht vergleichen. Meine Haft ist so oder so irgendwann vorbei", murmelte ich leise, auch wenn ich es nicht übers Herz brachte, ihr zu sagen, dass ich auch nur noch auf meinen Tod warten konnte, wenn mir niemand half. Das würde ich ihr allerdings nicht vorhalten wollen, denn ich war der Meinung, dass es sie nur davon überzeugen würde, sich um mich zu kümmern, statt um sich selbst. "Und für mich willst du dich im Stich lassen? Maddie, das könnte ich mir nicht verzeihen, wenn du dich dafür aufgibst", meinte ich ein wenig gequält. Dass wir dann zum Glauben kamen, frustrierte mich ein wenig. Ich wusste nicht, ob ich überhaupt glauben sollte, dass es einen Gott gab, aber selbst wenn, ich hasste ihn. Aber es verwunderte mich auch, dass Maddie gläubig war und sich dann so aufgab. Ich lauschte ihrer Geschichte und strich ihr gedankenverloren mit einer Hand über den Rücken. Ich unterdrückte einen abfälligen Laut, als sie meinte, sie fühlte sich, als hätte jemand ein Auge auf sie. Wo wäre der denn bitte und ließ ausgerechnet sie krank werden? "Beschäftigt dich das wirklich so sehr, dass du noch Jungfrau bist?", schmunzelte ich, bot aber lieber nicht einfach an, das zu ändern. Ein wenig makaber wäre das wahrscheinlich und unangebracht. Sie war ein anständiges Mädchen und ihr wollte ich kein unmoralisches Angebot machen und wenn, dann nicht in dieser Situation. Als sie von den Risiken erzählte, dass der Krebs wiederkommen könnte und sie vielleicht keine Kinder bekommen könnte, verstand ich ihre Mutlosigkeit ein wenig besser. Als sie mir von ihrer Liste erzählte, seufzte ich nachdenklich. "Eine Liste ist doch dafür da, erweitert zu werden. Sie ist imaginär, du kannst also hinzufügen, was du willst", versuchte ich es vorsichtig, während ich sie leicht in meinem Arm wiegte um sie zu beruhigen. Bei ihrer vor Ironie triefenden Feststellung schmunzelte ich leicht. Bei ihrer Frage dann schüttelte ich den Kopf. "Nein. Ich würde dir nie etwas antun", meinte ich dann und schnaubte leise. "Ich wäre nicht lange hier. Ich würde sofort in den Todestrakt kommen", murmelte ich leise. Eine kleine Weile wiegte ich sie einfach ein wenig hin und her, nachdenklich. "Ich weiß, das möchtest du wahrscheinlich nicht hören, aber... vielleicht solltest du eine Therapie versuchen. Ich glaube daran, dass du das packen kannst. Du.. bist etwas besonderes und ich mag dich. Und brauchen tue ich dich auch noch, wenn ich hier raus komme. Ich weiß doch gar nicht, wie ich mein Leben auf die Reihe bekomme. Und es ist zwar nicht das selbe, aber man kann später auch ein Kind adoptieren. Damit würdest du vielleicht ein Kind sogar vor der Straße bewahren. Und du hättest noch mehr Zeit für deine Freundinnen. Ich kann dich aber nur darum bitten. Aber egal, wie du dich entscheidest, du kannst immer her kommen und mit mir reden, wenn du möchtest. Nur, bitte, wenn du keine Therapie machst, opfer nicht all deine Energie für andere auf, sondern mach mit deinen Freundinnen noch einmal richtig schön Urlaub und erfülle die Ziele deiner Liste. Bei beiden Möglichkeiten kannst du dir noch eine schöne Zeit machen", meinte ich und sah sie mit einem aufmunterndem Lächeln an und strich ihr eine wirre Strähne zurück, und versuchte ihre Tränenspuren ein wenig zu beseitigen. "Aber ich erwarte eine Postkarte, wenn du wegfährst", fügte ich dann noch spaßhaft mahnend hinzu.


nach oben springen

#48

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 01.03.2015 19:45
von Alex • Senior Member | 5.831 Beiträge | 1037624 Punkte

Es schien Nathan wirklich getroffen zu haben was ich ihm anvertraut hatte. Ich seufzte leise und zuckte hilflos mit den Schultern. "Was willst du denn von mir hören, Nate?", fragte ich deprimiert und wischte mir die Tränen von den Wangen weg. Bei ihm klang alles so einfach, als würde ich einfach mit den Fingern schnippen und alles wäre wieder gut. Was erhoffte sich der junge Mann nur davon mich zu überzeugen eine Therapie zu machen? Lag ihm etwas an mir als die Person Maddie oder wollte er mich einfach nur am Leben erhalten damit ich ihn hier rausholte? Schließlich sollte ihm wohl klar sein, dass ich die nötigen Mittel dazu hatte ihn zu retten. Wobei ich noch immer nicht wusste warum Nathan hier saß. Was hatte der Gefangene nur getan? Immerhin konnte man deutlich den Hass sehen, welchen ihm sowohl Mitsträflinge wie auch Polizisten entgegen brachten. Noch dazu entdeckte ich ständig neue Blessuren an Nathan. Woher kamen die nur? Ich ging nicht davon aus, dass der junge Mann sich ständig prügelte. So schätzte ich ihn einfach nicht ein. Doch was sollte ich machen? Wir wussten beide von meiner Einstellungen zu Vorurteilen, welche ich ihm gegenüber einfach nicht haben wollte. Hätte ich ihn vielleicht nie kennengelernt wenn ich von der Haftursache wusste? Konnte dieser Kerl etwas angestellt haben was ich einfach nur abgrundtief abscheulich fand? Dieses Gefängnis hier war dafür bekannt viele schlimme Männer zu haben. Die Straftäter, welche sonst kein Knast aufnehmen wollte. Zu niedrige Sicherheit war nur eine der Begründungen. Kein Wunder, dass mein Vater sich damals für diesen Beruf und gegen meine Mutter entschieden hatte. Mir war die Scheidung nach wie vor egal. Es interessierte mich schlicht und ergreifend nicht. Ich liebte meine Maman über alles und mein Erzeuger war einfach nur...ein Mann, der einer meiner Erziehungsberechtigten war. Ich mochte ihn, ich akzeptierte ihn. Doch hatte ich für meinen Vater solche Gefühle wie für meine Mutter? Andächtig lauschte ich seinen Worten und nickte hin und wieder nachdenklich. Dieser junge Mann hatte tatsächlich Recht und es war schwer für mich es einzusehen. Ich seufzte und lächelte etwas. "Okay. Überredet.", stimmte ich seinen Bitten zu und schluckte nervös. "Ich werde diese Therapie machen. Für dich. Aber du musst mir versprechen, dass du kein Wort über meine Krankheit verlierst. Ich will nicht, dass es jemand erfährt, ja?", bat ich Nathan leise und sogar etwas verzweifelt. "Ich werde dich nach wie vor so oft es mir möglich ist besuchen kommen und mich für dich einsetzen. Ich werde dich auch immer über mich informieren. Wie es mir geht. Ob die Therapie hilft. Aber du musst schweigen wie ein Grab.", flüsterte ich leise. "Das wird unser kleines Geheimnis und wenn du dich bei irgendjemanden verplapperst..sei es auch nur ein kleines Wort, wirst du es bereuen. Verstanden?", murmelte ich weiter und sah den Gefangenen eindringlich an, bevor ich müde gähnte. Kurz lächelte ich ihn noch liebevoll an, schloss dann aber die Augen und war wenige Minuten später auch schon in seinen Armen in dem schmalen, unbequemen Bett eingeschlafen.

Eine laute, panische Männerstimme und das Quietschen der schweren Tür ließen mich in den frühen Morgenstunden urplötzlich hellwach im Bett sitzen, nachdem ich Nathan's Arm, welcher mich wohl die ganze Nacht umklammert hatte, von mir geschoben hatte. "Was zur Hölle...?", murmelte ein Mann in Uniform alarmiert und richtete sofort seine Pistole auf Nathan. Beschwichtigend hob ich die Arme nach oben und stand zeitgleich auf. "Nicht. Es ist meine Schuld, Sir.", flüsterte ich ängstlich und lächelte unsicher. "Mir ging es letzte Nacht nicht so gut. Ich habe alle Schlüssel und da Nathan für mich ein sehr guter Gesprächspartner ist, bin ich zu ihm. Und dann muss ich wohl eingeschlafen sein. Es tut mir wahnsinnig Leid, aber glauben Sie mir, er hat nichts gemacht. Ich allein trage die Schuld.", verteidigte ich den Gefangenen und der Bulle ließ die Waffe sinken. "Ist schon gut, Maddie.", meinte er lächelnd und ich merkte, dass er zu den Guten gehörte. "Dein Gesprächspartner hat allerdings gleich Unterricht. Du kannst sicher daran teilnehmen.", schlug er vor. "Du weißt, wo der Raum ist. Bringe ihn doch dorthin.", bat er mich und verließ die Zelle wieder, allerdings blieb die Tür offen. Überrascht sah ich ihm nach und drehte mich zu dem Bett um.


nach oben springen

#49

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 06.03.2015 01:44
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Sie war so ein hoffnungsloses Häufchen Elend, wie ich es nie von ihr erwartet hätte. Für mich war sie die starke, lebenslustige und unternehmerische Frau, oder doch eher Mädchen. Jedenfalls hätte ich nicht gedacht, sie mal so aufgelöst zu sehen und vor allem mal ungestylt. Sie war zwar keine, die sich auftakelte wie eine billige Nutte - gut auch nicht wie eine teure -, aber schön war sie immer und hatte immer ein tolles Outfit an. Sie jetzt in Jogginghose und Pulli zu sehen, war schon irgendwie was neues. Aber es machte sie sympathisch, dass sie sich nicht verstellte, sondern ganz war, wie sie sich gerade fühlte und nicht versuchte eine Fassade durch ein tolles Outfit und wasserfestes Make-Up zu erstellen. "Ich weiß nicht. Dass du den Mut hast, das durchzuziehen?", meinte ich leise, als sie fragte, was ich denn hören wollte. Auf jeden Fall wollte ich nicht hören, dass sie ihre Lebensenergie in die Suche meiner Familie steckte, die vielleicht sowieso nichts bringen würde, sollte meine Mum total enttäuscht oder wütend sein und meine Schwester auch von mir fernhalten. Ich wollte, dass sie sich an die Regeln der Straßen hielt und sich verdammt nochmal um sich kümmerte und das sollte die ersten fünf Punkte auf einer Prioritätsliste in Anspruch nehmen. Erst danach sollte irgendetwas anderes kommen. Und zwar erst, nachdem sie sich dann auch noch ausgeruht hatte.
Natürlich wollte ich irgendwie, dass sie mir half und mich hier raus brachte. Wahrscheinlich hing mein Leben an ihr oder Maja, die aber auch nur durch sie auf meinen Fall aufmerksam werden würde und sich meiner annahm. Wenn überhaupt. Ich konnte nicht beurteilen, wie sie die Chancen einschätzte. Da ich es schon mehrfach versucht hatte, sah ich meine Chancen bei null Prozent und ich brauchte Maddies Optimismus um das hier zu überstehen. Ich hatte es gemerkt an der Zeit, die sie nicht da war. Ich hatte mich die paar Mal, die sie dagewesen war, wirklich bedeutend besser gefühlt und sobald ich sie nicht mehr gesehen hatte und nicht erzählt hatte, wie es im Unterricht lief, hatte ich innerhalb von ein paar Tagen wieder Zweifel entwickelt, ob ich das weiter verfolgen sollte oder nicht. Ich hatte öfter nach den Drogen gegriffen um mich besser zu fühlen, besonders nachdem ich diese Woche kaum Schlaf bekommen hatte, weil mich die Wachen jeden Abend gedemütigt hatten. Ich war mehr als erleichtert, dass sie da war, auch wenn der Schock tief saß. Warum ich mich so darum scherte, dass sie hier war und wie es ihr ging. Vielleicht, weil sie einfach ein liebes Mädchen war und sich zu ihrem eigenen Vorteil nicht mit mir abgeben würde, weil es ihr gar nichts brachte. Ich würde zwar nicht sagen, dass ich ihr vertraute und Hoffnung an sie hängte, aber ich misstraute ihr nicht und das war sehr viel für mich. Ein leichtes Lächeln bildete sich auf meinen Lippen, als sie schließlich leise sagte, dass sie überredet war. Ich atmete etwas durch und entspannte mich ein wenig. Bei ihrer Bitte sah ich sie beruhigend an. "Keine Sorge, ich werde es niemandem sagen. Aber du wirst diese Therapie für dich machen", erklärte ich überzeugt und nickte leicht. "Du darfst auch jederzeit nachts herkommen. Und ich werde brav still sein. Ich will mich ja nicht mit dir anlegen", meinte ich mit einem leichten Grinsen. Als sie gähnte, schmunzelte ich leicht. Ich konnte verstehen, dass sie müde war. Es war immerhin Nacht und dazu kam dann noch dass sie viel geweint hatte und das an sich irgendwie anstrengend war. Ich erwiderte ihr Lächeln sanft, ehe sie auch schon die Augen schloss. Sie würde also bleiben. Der Gedanken an den nächsten Morgen beunruhigte mich ein wenig, aber ich war zu müde um mich bewegend aufzuregen, weshalb die Decke einfach über uns beide zog und auch bald einschlief.

Das Aufwachen in der Nacht und der generelle Schlafmangel sorgten dafür, dass ich von den Rufen des Mannes nicht wirklich aufwachte. Den morgendlichen Lärm auf den Gängen aber auch gewohnt und das an sich bedeutete nicht immer etwas schlechtes, sondern primär nur eine weitere überlebte Nacht. Ich war noch in einem eher tiefen Schlaf gefangen, als die Tür aufging und ein Mann hereintrat. Ich seufzte nur leise, als sie meinen Arm bewegte und schlief ungerührt weiter. Erst als Maddie sprach, kam ich zu mir, blinzelte müde und verwirrt, bis ich den Wächter entdeckte. Ich starrte auf den Lauf der Pistole, der noch auf mich gerichtet war und wurde blass. Ich wagt mich dieses Mal nicht einmal meine Hände an den Kopf zu heben, wo er sie sehen konnte. Eine Bewegung konnte immer ein Grund sein abzudrücken und ich konnte ihn nicht einschätzen. Doch Maddie verteidigte mich gut und er schien ihr zu glauben, senkte die Waffe wieder. Ich holte wieder tiefer Luft, merkte da erst, wie verkrampft ich geatmet hatte. Erst als er die Zelle verließ, rieb ich mir die Müdigkeit aus den Augen und fuhr mir mit einer Hand durchs Haar. Als Maddie sich zu mir drehte, lächelte ich sie müde an. "Geht es dir ein bisschen besser? , fragte ich, während ich mich aufsetzte. Den Worten des Wächters nach zu urteilen, hatten wir das Frühstück bereits verpasst beziehungsweise wurden nicht geweckt. War wahrscheinlich auch besser so, wenn man daraus rück schloss, dass einer der Arschlöcher vorm Frühstück Dienst gehabt hatte. Ich streckte meine müden Muskeln, die es nicht so sehr toll gefunden hatten, sich den wenigen Platz auch noch zu teilen. Ich hatte dadurch ja kaum Bewegungsfreiheit gehabt zwischen Wand und Maddie. Ich war es aber sowieso absolut nicht gewohnt, neben einer Frau einzuschlafen. Ich hatte nur eine Beziehung gehabt, der Rest meiner Erfahrungen bestand aus Affären, bei denen man nicht bis zum Frühstück blieb. Und nur schlafen in einem Bett, ohne dass was gelaufen war, hatte ich auch noch nie gehabt. Langsam stand ich schließlich auf, streckte mich und begutachtete die offen stehengelassene Tür. Wäre das doch nur eine Möglichkeit zur Flucht. Aber von hier bis draußen hielten mich noch zwei Sicherheitskontrollen und mindestens drei Traktabtrennungen durch Gittertüren fern. Leise seufzend wandte ich mich also zu der kleinen Sanitärecke, klatschte mir kaltes Wasser ins Gesicht und putzte mir die Zähne. Wenigstens etwas, was ich uneingeschränkt tun konnte. "Möchtest du bleiben oder fährst du heute wieder zur Uni?", fragte ich dann, als ich nach dem Handtuch griff und drehte mich zu ihr um, lächelte sie kurz an, ehe ich zu meinem Schrank ging um frische Wäsche raus zu holen. Ich legte sie auf den Tisch, schenkte Maddie einen bedeutungsschweren Blick. Ich hatte kein Problem damit, mich vor ihr umzuziehen. Nur wusste ich nicht, ob sie damit ein Problem hatte. Ich zog aber schließlich mein Schlafshirt einfach aus, warf es zurück aufs Bett, ehe ich mir das für den Tag anzog. Auch Hose und Unterwäsche wechselte ich, stand dabei aber mit dem Rücken zu ihr. Ich musste ja nicht provozieren sie zu schockieren. Zumal die Tür offen stand. Als ich fertig umgezogen war und die Unterwäsche vom Vortag in dem Wäschekrob landete, zog ich meinen Schulordner vom Regal und sah Maddie abwartend an. Immerhin sollte ich bald zum Unterricht und sie sollte mich da hinbringen. Vielleicht wollte sie sich aber auch lieber noch frisch machen, wobei ich nur mit Wasser, Zahnpasta und meiner Zahnbürste dienen konnte. Und einem Rasierer, auf welchen ich aber heute mal wieder verzichtete.


nach oben springen

#50

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 17.03.2015 20:27
von Alex • Senior Member | 5.831 Beiträge | 1037624 Punkte

Nachdenklich beobachtete ich den jungen Mann, welcher sich langsam und sichtlich erleichtert erhob und in den Sanitärsbereich der Zelle dackelte. "Ich bleibe hier.", beschloss ich leise und schluckte kurz. Was trieb ich eigentlich hier? Welche Frau fuhr mitten in der Nacht in den Knast und verbrachte die Nacht bei einem Sträfling in der Zelle? Nathan hätte mir sonst was antun können, doch daran hatte ich keine einzige Sekunde gedacht. Wieso auch? Für mich erweckte Nate keinen gefährlichen Eindruck, aus welchen Gründen auch immer. Also beobachtete ich den Sträfling nur weiterhin mit einem gezwungen Lächeln im Gesicht und legte den Kopf schief, während er sich seinen Klamotten entledigte. "So fängt Frau ihren Morgen doch gerne an.", stellte ich trocken fest und konnte nicht verhindern, dass meine Augen über seine Haare, seinen Nacken und Rücken zu seinem Arsch wanderten. Anerkennend nickte ich leicht, auch wenn Nathan es nicht sehen konnte. "Nicht schlecht.", stieß ich beinahe schon schwer atmend hervor und schluckte leicht. Der junge Inhaftierte war wirklich nicht von schlechten Eltern, auch wenn er seine Eltern, vor allem aber seinen Vater, eventuell als Monster ansah. Doch von irgendwem musste Nate doch dieses verdammt gute Aussehen haben. Vielleicht war sein Vater damals ein schicker Kerl gewesen und nur vom Leben gefickt worden? Nachdenklich runzelte ich die Stirn und versuchte irgendwie die Gedanken aus meinem Kopf zu bekommen. Wieso schlug ich mich eigentlich mit diesen Überlegungen herum? Schmunzelnd starrte ich Nate weiterhin an wie eine Zirkusattraktion und seufzte gequält. "Du bist unfair.", stellte ich vorwurfsvoll fest und schüttelte tadelnd den Kopf. "Wie würdest du es finden wenn ich mich einfach eiskalt vor dir nackt auszieh?", erkundigte ich mich interessiert und sah enttäuscht zu wie Nate sich wieder in Stoff hüllte. Schade. Meinetwegen hätte er gerne noch länger nackig in der Zelle stehen können. Ich war bestimmt die letzte Person in diesem Gebäude, die davon gestört wurde. Als er einen Ordner aus dem spärlichen Regal zog und sich wieder mir zuwandte, zuckte ich ertappt zusammen und errötete. "Ehmm....", zog ich das Wort ungewohnt lang und schnappte gedanklich panisch nach Luft, da mir die Worte fehlten. "Joa..Ehm. Also. Dann mal ab in den Unterricht.", stotterte ich dann ein wenig perplex und wäre am liebsten im kalten Zellenboden versunken. Doch ich hatte meine Fassung schnell wieder und schlüpfte hastig in meine Schuhe. "Weniger rumstehen, mehr lernen.", befahl ich mit mahnendem Blick und grinste frech. Ich sah zwar wahrscheinlich aus wie ein Penner, doch gerade interessierte mich das herzlich wenig. So würde ich wenigstens weniger Blicke der Männer auf mich ziehen. Mit den Fingerspitzen wischte ich mir die letzten vertrockneten Tränen aus den Augenwinkeln weg, fuhr mir noch einmal kurz durch die blonden Haare und zupfte abschließend an meinem Gammeloutfit herum, ehe ich mich elegant umdrehte und gespielt gut gelaunt und fröhlich wie immer aus dem kleinen Raum spazierte. Hinter Nate schloss ich die Tür und schlenderte dann neben ihm her. "Ich muss mal wieder zugeben, dass ich keine Ahnung vom Weg habe und dir vertrauen muss.", stellte ich fest und zuckte hilflos mit den Schultern. Als uns zwei gefährlich aussehende Kerle entgegen kamen, trat ich direkt einen Schritt näher an Nate heran und drückte mich letztendlich sogar an seine Seite, als die Fremden an uns vorbeiliefen und mich lüstern musterten. Geschockt senkte ich den Blick und schluckte. "Sehe ich selbst so noch geil aus oder sind die Männer hier einfach so extrem untervögelt?", fragte ich leise und schlenderte fassungslos dicht an dem jungen Mann die Gänge entlang. Nach einigen Minuten erreichten wir den Klassenraum und ich löste mich erst von Nate als ich den Lehrer am Pult erblickte. Erleichtert entließ ich den jungen Mann von meiner Obhut und steuerte den älteren Herrn an, welchem ich mich freundlich vorstellte und darum bat, dem Unterricht beiwohnen zu dürfen. Ich hatte zwar schon mein Abi in der Tasche, doch ich wollte zum einen behilflich sein und zum anderen mehr Zeit mit Nate verbringen. Wieso auch immer. Lächelnd ließ ich mich dann an einem der vielen Einzelplätze neben Nate nieder und schenkte ihm einen sanften Blick, bevor ich die anderen Schüler interessiert musterte. "Wie Sie alle gewiss erkennen können, haben wir heute hohen Besuch.", fing der Lehrer grinsend an und nickte in meine Richtung. "Die Tochter des Chefs höchstpersönlich ist heute bei uns und wird Sie unterstützen. Also benehmen Sie sich gefälligst gut.", wies der Mann seine Schüler streng an und ich musste lachen. "So hoher Besuch bin ich nun aber wirklich nicht.", verteidigte ich mich vorsichtig und lauschte dann andächtig dem Unterricht. Irgendwann erhob ich mich und schlenderte von Tisch zu Tisch um einigen der Männer unterschiedlichen Alters zu helfen. Immer wieder ging meine Aufmerksamkeit in Nate's Richtung und als ich erkannte, dass er wohl wieder Probleme hatte, war ich sofort bei ihm. Gutmütig zog ich einen Stuhl neben seinen und ließ mich fallen. "Alles okay?", fragte ich vorsichtig im Flüsterton und warf einen Blick auf das Blatt. Rechtschreibung. Armer Nate. Langsam bewegte ich meine Hand zu seiner, welche ziemlich verkrampft war. "Locker lassen.", murmelte ich beruhigend und umfasste die große Männerhand etwas mühsam mit meiner deutlichen kleineren. "Du schaffst das, ja? Ich glaube an dich und werde dir so oft es geht Einzelunterricht geben.", versprach ich und bewegte zielsicher seine Hand über das Blatt. Es dauerte zwar eine Weile, doch irgendwann war jede Aufgabe bearbeitet. Noch etwas länger als nötig hielt ich Nate's Hand umklammert, konnte meine Augen nicht von seinen abwenden und hatte ein glückliches Lächeln auf den Lippen. Erst die Stimme des Lehrers riss mich aus meinen Gedanken. Mathe. Mochte ich Mathe? Sprachen interessierten mich eindeutig mehr. Der Mann teilte die Bücher aus und ich blieb nach wie vor neben meinem erklärten Liebling sitzen, da er wohl am meisten Hilfe benötigte.


nach oben springen



Besucher
0 Mitglieder und 1 Gast sind Online

Besucherzähler
Heute waren 6 Gäste und 4 Mitglieder, gestern 40 Gäste und 21 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 454 Themen und 57327 Beiträge.

Heute waren 4 Mitglieder Online:




disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 0
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen