#51

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 31.03.2015 04:09
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ihr leiser Beschluss klang nicht so selbstsicher, wie sie sonst war und entlockte mir ein kleines aufmunterndes Lächeln. Sie sah noch immer ein wenig fertig aus, aber nach so einer Nachricht und dem gestrigen Zusammenbruch war das auch kaum zu erwarten. Vielleicht sah sie auch nur noch so aus, weil sie eben nicht zuhause war, wo sie all die Verzweiflung in einer warmen Dusche abspülen und sich Selbstbewusstsein aufschminken konnte. Ich fand es aber eigentlich ganz gut, dass sie sich jetzt nicht vor mir versteckte und versuchte mir etwas vorzumachen. Ich mochte sie ja so, wie sie war, mir musste sie nicht durch Make-Up weis machen, dass es ihr super ging. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass all ihre Zweifel auf einmal weg waren, dass sie jetzt keine Angst mehr hatte. In diesem Moment war sie immer noch sie selbst, wenn auch nicht in ihrer üblichen Fassung, in der ich sie letzte Woche fast ausschließlich erlebt hatte. Es überraschte mich nur ein wenig, dass sie so hier bleiben wollte, was eigentlich zwangsläufig bedeutete, dass sie mit mir zum Unterricht kam, den ich eigentlich besuchen wollte. Wir hätten natürlich auch in der Zelle bleiben können, aber ich wollte ja eigentlich auf dem Stand bleiben und vielleicht wenigstens einen Abschluss schaffen und sei es das letzte schöne, was ich in meinem Leben schaffte. Okay, ich würde auch gerne schaffen, dass sie den Mut nicht verlor und weiter für ihre Gesundheit kämpfte. Ihr eher erzwungenes Lächeln sah ich noch, kommentierte es aber nicht. Ich wollte und musste mich umziehen, wenn ich zum Unterricht wollte. Bei ihren Worten lachte ich leise auf und sah kurz über meine Schulter zu ihr bei dem Kompliment, schenkte ihr ein verschlagenes Grinsen. "Unfair?", hakte ich nach, als sie herumjammerte, lachte dann bei ihrer rhetorischen Frage. "Ziemlich geil", gestand ich ihr dann ehrlich zu mit einem frechen Zwinkern, ehe ich mich daran machte, mich doch wieder anzuziehen. Grinsend schlenderte ich die paar Schritte zu ihr, als ich mir den Schulordner unter den Arm klemmte. Sie war rot geworden und schien ertappt inne zu halten und bekam kein Wort sondern nur das 'eeh' zustande. Es war wirklich niedlich und ich würde mich wirklich sehr geschmeichelt fühlen, sollte sie wirklich so reagieren, nur weil sie meine nackte Kehrseite betrachten durfte. Vielleicht reagierte sie aber nur so stark darauf, weil sie wenig Erfahrungen hatte, was das reale anging. Ob sie sich Nacktfotos reinzog, konnte ich ja nicht beurteilen. Live wäre dann immer noch was anderes, aber eigentlich schätzte ich sie jetzt nicht so ein, dass sie ihre Unerfahrenheit so kompensierte.
Ich versuchte echt, nicht zu lachen, als sie immer noch ein wenig wortkarg versuchte die Situation zu lösen. Dennoch schmunzelte ich ein wenig amüsiert, aber keineswegs spöttisch. Ich fand es einfach irgendwie bezaubernd, nicht lächerlich. Es war eine genauso sympathische Eigenschaft wie auch ihre gestrige Schwäche. Ich lernte sie gerade eben ein wenig mehr kennen und das gefiel mir. Ich hatte lange schon nichts mehr mit Menschen so am Hut gehabt, hatte mich nicht eingelassen auf niemanden und Vertrauen war lange ein Fremdwort. Ich wusste auch immer noch nicht, ob ich ihr völlig vertrauen konnte, ob ich mich auf sie verlassen konnte, aber ich hielt mich einfach unabhängig, viel zu verlieren hatte ich auch nicht. Auf jeden Fall mochte ich sie und ich war zugegeben schon fast ein wenig überfordert damit, dass sie sich mir anvertraute und scheinbar wirklich nur mir. Dass ich mit niemandem reden sollte, war nicht das Problem, ich redete kaum mit den Leuten hier. Bei den paar, die ich hatte, musste ich immer sehr aufpassen. Der eine war fast immer high, mit dem konnte ich auch nur reden, wenn ich auf Drogen war, damit ich mit seiner Logik klar kam. Und bei den anderen beiden war es halt immer so eine Sache. Persönliche Probleme waren zum größten Teil irrelevant oder gar unerwünscht und viel Zeit hatten wir auch nicht unbedingt. Eigentlich nur beim Essen und der Freizeit am Abend. Und mit ihr konnte ich ungehindert sprechen, wann immer sie da war. Okay, es sei denn sie arbeitete gerade in der Mensa, da konnte ich dann auch nicht ewig da rum stehen. Aber ansonsten schrieb ihr keiner vor, wann se mit mir zu reden hatte und wann nicht. Nur ich wurde dann skeptisch beäugt oder ermahnt, mir nicht zu viel zu erlauben. Oder sie nahmen mich in die Mangel, aber das hatte ich bisher noch überstanden.
Bei ihrem kleinen Befehl, den sie gab, nachdem sie sich die Schuhe übergezogen hatte, salutierte ich ironisch, beobachtete sie dennoch herum stehend, wie sie sich vorsichtig an den Augen rieb und an sich herum zuppelte und sich durch die Haare fuhr. Es musste komisch sein, einfach mal nichts zur Hand zu haben, was man sonst so hatte. Normale Kleidung und Kosmetika oder gar nur normale Utensilien wie eine Bürste. Tja, ich fühlte mich so jeden Tag. Keine Jeans, keine vernünftigen Schuhe, alles in tristen Farben und schlabbernd. Nur, dass ich sowieso keine Schminke oder Bürste brauchte. Ich folgte ihr schließlich aus der Zelle, wartete, bis sie die schwere Tür wieder schloss. Gemütlich schlenderten wir dann den Gang entlang, langsam in Richtung des Beschäftigungs-Bereiches, wenn man es so nennen wollte. "Echt?", grinste ich. "Würde es auffallen, wenn ich dich nach draußen bringe und einfach mitkomme?", neckte ich, aber ich wusste, dass jeder abwegige Plan dumm war. Hier würde ich nur tot rauskommen. Als zwei Männer uns entgegen kamen und Maddie dichter an mich heran trat, fixierte ich die beiden mit hartem Blick. Ich würde nicht ausweichen. Wer einen Schritt zur Seite trat, der unnötig war, war schnell als schwacher abgestempelt und ich hatte gerne mein unnahbares Image. Als ich sie dicht an meiner Seite spürte, hob ich einen Arm, legte ihn um ihre Taille und ließ besitzergreifend meine Hand an ihrer Hüfte ruhen. Nicht, dass ich sie wirklich beanspruchte, aber ich würde sie im Notfall wirklich hinter mich ziehen und verteidigen, auch wenn sie sich wahrscheinlich selbst verteidigen konnte. Zumindest gegen einen von ihnen. Beide wurden vielleicht schwierig. Ich war ein wenig überrascht darüber, dass sie überhaupt Schutz bei mir zu suchen schien und auch darüber, dass sie ihren Blick senkte und scheinbar unsicher war. "Sie sind allesamt untervögelt. Geil wäre das falsche Wort. Aber so lockere Kleidung bietet auf viel Spielraum für Fantasien", klärte ich sie schmunzelnd auf, nahm irgendwann wieder meine Hand von ihr, weil ich befürchtete, dass kein Wächter das tolerierte.
Schließlich erreichten wir den Unterrichtsraum und ich lächelte ihr kurz zu - nun unsicher, wo sie gerade wieder sicherer zu werden schien - und ließ mich auf meinem Sitzplatz nieder, nachdem ich mir Stifte und Blöcke und Bücher geholt hatte, die man nicht mit auf die Zellen nehmen dürfte. Nur der Sammelordner war erlaubt. Es senkte ja das Risiko. Ich beobachtete, wie sie sich mit dem Lehrer unterhielt, ehe sie zu mir kam und sich auf einem Platz neben mir niederließ. Ihren Blick erwiderte ich ein wenig angespannt, musste jetzt vor ihr meiner Schwäche ins Auge sehen. Nachdem sie bescheiden abgewehrt hatte, dass sie hoher Besuch wäre, und der Unterricht los ging, bemühte ich mich mehr als letzte Woche noch, damit ich nicht lächerlich viele Fehler machte und dabei am besten nicht so angespannt wirkte. Ich war der Neuste in der Klasse, hatte seit über zehn Jahren nicht mehr konzentriert gearbeitet und geschrieben. Natürlich bemerkte sie es trotzdem und zog sich einen Stuhl heran. Bei ihrer Frage schenkte ich ihr nur einen eher zweifelnden Blick, ehe ich ihn auf mein Papier senkte. Es war mir unangenehm, dass sie in einer sozusagen 'führenden Position' war während andere dabei waren. So befürchtete ich, bloßgestellt zu werden, nur weil sie sich um mich kümmerte. Es wäre nicht einmal ihre Schuld, aber ich machte mich eben selbst so verrückt. Angespannt versuchte ich den Knoten in meinem Kopf zu lösen, der mir gerade alles verbaute, aber ich schaffte es einfach nicht wirklich. So angestrengt, wie ich grübelte über ein paar dumme verdammte Worte und scheiß Grammatik zuckte ich schon fast etwas zusammen, als sie ihre Hand an meine Legte. Ich bemühte mich, meine Hand etwas zu entspannen, ließ sie meine Haltung korrigieren und mir helfen. Als wir eigentlich fertig waren und meine Laune deshalb ein wenig gebessert war, sie aber noch meine Hand festhielt, sah ich sie mit einem dankbaren Lächeln an. Sie fing meinen Blick auf, hielt ihn. Wahrscheinlich wollte keiner von uns beiden wegsehen, warum auch immer, aber auch ich sah einfach weiterhin in ihre schönen Augen. Ich vergaß schon fast unsere Umgebung, ehe mein Lehrer wieder das Wort erhob und es langsam auf den Mathestunde zuging. Ich lehnte mich mit einem leisen Räuspern zurück, ein wenig überfordert von dem langen Blick eben und war irgendwie schon froh über eine kleine Ablenkung. Vor allem war es entspannter als Sprachen. Die einfachen Matheregeln hatten wir bereits besprochen und eine schöne Liste bekommen, die uns half bei den Anwendungsaufgaben. Ich kam mit Mathe besser klar als mit den Sprachen. Auch wenn das Niveau natürlich eher dem eines Grundschülers entsprach.


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#52

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 06.04.2015 11:29
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Nachdem die Deutschstunde vorbei war und der Lehrer seine Schüler anwies die Mathesachen hervorzuholen, löste ich mich wieder von Nathan. Dies geschah jedoch nur widerwillig. Am liebsten wäre ich direkt mit dem jungen Mann auf Kuschelkurs gegangen auch wenn das etwas merkwürdig klang. Lächelnd beobachtete ich wie der Lehrer die Bücher für die nächste Stunde austeilte. Interessiert griff ich nach dem welches vor Nathan abgelegt wurde und blätterte durch die Seiten. Ich konnte mir ein amüsiertes Grinsen nicht verkneifen. Die Aufgaben waren in meinen Augen rein gar nichts. So etwas hatte ich wahrscheinlich bereits in der fünften Klasse im Schlaf beherrscht. Dennoch schwieg ich einfach und sah aufmerksam zu der kleinen Tafel nach vorne, auf welcher der Mann gerade einige Aufgaben schrieb. "In den letzten Stunden haben wir das Theoretische besprochen. Daher macht ihr heute mal ein paar Aufgaben.", erklärte und ernetete dafür nicht gerade viel Begeisterung. Schmunzelnd schlug ich die passende Seite auf und legte das Buch wieder vor Nathan hin. "Dann mach mal.", wies ich ihn grinsend an und erhob mich lächelnd. Die Trauer von letzter Nacht war inzwischen aus meinem Gesicht verschwunden und ich sah viel glücklicher aus. Ob das echt war oder nicht war wieder eine ganz andere Sache. Nachdenklich schenkte ich dem jungen Sträfling noch einen letzten Blick ehe ich auch schon nach vorne schlenderte. "Ich bin mal eben bei meinem Vater.", informierte ich den Lehrer leise und verschwand dann auch schon aus dem Klassenzimmer vor welchem zwei bewaffnete Polizisten standen und mir freundlich zunickten. Erfreut blieb ich stehen und brachte ihnen mein Anliegen näher. Ich hatte leider keine Ahnung wie ich zu den Räumlichkeiten gelangte in denen mein Vater seinen Sitz hatte. Ich wusste nur, dass es ein eigenes Gebäude etwas abseits war. Einer der Polizisten riff dann einen weiteren jungen Mann, welcher mich anschließend zu meinem Vater brachte. Abwartend stand ich dann vor der Tür und beobachtete die Menschen, welche die Gänge entlang liefen. "Maddie? Was machst du um die frühe Zeit schon hier?", erklang plötzlich die überraschte Stimme von Matthew und ich hob lächelnd den Blick. "Ich habe mir ein paar Tage freigenommen von der Uni. Ich fühle mich nicht so gut und dann macht das auch keinen Sinn. Deswegen bin ich heute schon recht früh hier her gefahren.", erklärte ich ruhig und log dabei geschickt. Schließlich musste mein Vater und auch sonst niemand außer der Wärter vom Morgen von meinem Aufenthalt bei Nathan in der letzten Nacht wissen. Grummelnd schob Matthew mich in sein Büro und drückte mich auf den Stuhl auf der einen Seite seines Schreibtischs. "Und lass mich raten. Du hast deine Zeit bisher wieder bei diesem Kerl verbracht. Richtig?", kam mein Vater direkt zum Thema und sah mich eindringlich an. "Was? Ja. Also nein. Ich habe mir den Unterricht angesehen und da war Nathan dann auch.", antwortete ich peinlich berührt und starrte auf ein Bild, welches auf dem Schreibtisch stand. Es zeigte mich. Lächelnd widmete ich mich wieder meinem Vater und seufzte leise. "Maddie-Kindchen. Ich habe dir angeboten hier nebenbei zu arbeiten, damit du als Jurastudentin einen Einblick hinter die Mauern bekommst. Aber wenn du dich jetzt so mit diesem Mann anfreundest, muss ich meine Entscheidung noch einmal überdenken.", tadelte mein Vater mich aufgebrahct und ich sah ihn entgeistert an. "Was? Wieso denn? Nathan ist nicht so ein schlechter Typ! Ich habe meine letzten Tage hier im Gefängnis immer mit ihm verbracht und er ist wirklich ein anständiger Kerl!", versicherte ich ihm flehend und zu meinem Glück knickte mein Vater wieder ein. Seinem kleinen Engel konnte er nunmal nicht widersprechen. Lächelnd verabschiedete ich mich also wieder von ihm und kehrte zurück ins Klassenzimmer. Vorerst wollte ich Nathan erst einmal nicht mehr meine volle Aufmerksamkeit schenken. Stattdessen schlenderte ich zwischen den Tischen entlang und blieb immer wieder bei einem der Schüler stehen. Meine Tipps und Ratschläge kamen bei allen Häftlingen gut an. Wahrscheinlich besuchten die ganz bösen Kerle auch nicht den Unterricht hier. Irgendwann führte mich mein Weg doch wieder zu Nathan. Hinter ihm blieb ich stehen, schlang die Arme um ihn und warf einen flüchtigen Blick auf sein Blatt. Überrascht überflog ich das Geschriebene und nickte leicht. "Wow. Nicht schlecht. Mathe kannst du wohl, mhm?", stellte ich erfreut fest und strich dem jungen Mann kurz über die muskulöse Brust ehe ich mich wieder auf den Stuhl neben seinem fallen ließ. Bei den ganzen Aufgaben konnte ich keinen einzigen Fehler entdecken. Zufrieden schenkte ich Nathan ein stolzes Lächeln.


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#53

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 08.04.2015 04:16
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich merkte, dass Maddie gerne Zeit mit mir verbrachte. Ich konnte mir nicht ganz vorstellen warum, immerhin war ich immer noch nur ein einfacher Typ mit einem schlechten Leben, gar nicht auf ihrer Ebene und dann auch noch im Gefängnis. Gut, sie wusste nicht, was ich getan hatte oder eigentlich, was gerade nicht. Ich stellte mein Licht wahrscheinlich einfach unter den Scheffel, weil ich nicht enttäuscht werden wollte. Lieber ging ich davon aus, dass alles scheiße lief um mich vom gegenteiligen überraschen zu lassen. Außerdem kam mir sowieso alles außerhalb des Drogenrausches inzwischen eher schlecht vor. Die Drogen schwirrten mir sowieso viel zu häufig im Kopf herum und ich wippte nervös mit dem Knie, wenn ich mich nach ihnen sehnte. Ich war wegen Maddie bisher nicht wieder dazu gekommen, sie zu nehmen, dabei wäre es doch so ein schöner Start in den Tag gewesen. Der Start mit einer Pistole am Kopf war nicht gerade widerholungswürdig. Es sei denn, es würde auch gleich abgedrückt werden, dann müsste ich diese Scheiße hier nicht mehr erleben. Auch wenn ich eigentlich viel zu viel Lust auf das Leben hatte. Ich wollte leben, wollte frei sein, die Welt entdecken oder etwas tun, was Leute vielleicht irgendwie erreichte. Ich war aber nur ein Straßenkind, ein Niemand. ein Nichts. Ich konnte nichts erreichen, außer maximal den Schulabschluss. Dafür war ich lange genug hier und dann würde ich sterben. Was könnte ich schon tun um jemanden zu beeindrucken. Gut, außer Maddie. Sie hing irgendwie ein wenig an mir, hatte ich das Gefühl. Aber ich war ja auch eigentlich ganz korrekt zu ihr, wie mir vorkam. Zumindest war ich noch nicht unfreundlich geworden und ich hatte sie im Arm gehalten, als sie es brauchte, obwohl ich noch nie so etwas gemacht hatte auf persönlicher Ebene. Körperliche Nähe war bisher für mich gleichbedeutend mit Sex gewesen. Mit jemandem in einem Bett schlafen ebenso. Und doch war die Kleine noch Jungfrau, weil ich ihr nie etwas tun könnte.
Ich beobachtete Maddie, als die Bücher verteilt wurden und sie sich meines griff. Sie blätterte darin herum, grinste dabei. Meine Miene wurde etwas härter, weil sie so belustigt schien. Ich konnte bisher das, was wir machten, aber dennoch war es nicht lustig. Ich konnte mir vorstellen, dass sie ja alles konnte, aber es war nichts, worüber sie lachen sollte. Es war ja nicht so, als würde ich mich doch sowieso schon schämen, dass ich mit über 20 gerade mal mit Ach und Krach aus der Grundschule gekommen bin und sonst keinen Abschluss habe und keinen Plan vom Leben hatte. Meine Aufmerksamkeit richtete ich aber wieder nach vorne, wo der Lehrer Aufgaben anschrieb und ich schlug zufrieden den Karoblock auf und nahm mir meinen Stift. Ich erwartete mein Buch zurück und bekam es dann auch von Maddie zurück. Ich lächelte sie kurz an, ehe ich ihr kurz nachsah, weil sie sich zum Lehrer begab, ehe ich mit den Aufgaben anfing. Ich war ein wenig enttäuscht, dass sie einfach ging, aber ich wollte und konnte sie nicht zwingen zu bleiben. Zumal ich sowieso Aufgaben hatte und die machten Spaß, weshalb ich sie flugs durcharbeitete. Erfreut bemerkte ich, dass Maddie wieder auftauchte und machte aber weiter meinen Kram, bis ich irgendwann Arme spürte, die sich um mich legten. Nachdem ich kurz angespannt meine Schultern etwas anzog, lehnte ich mich wieder zurück und entspannte mich, strich ihr kurz unauffällig über den Arm aus einem kurzen Instinkt heraus. Gestern hatte ihr sowas immerhin auch geholfen. "Ja, ich weiß nicht, macht irgendwie Spaß", meinte ich mit einem leichten Schulternzucken, grinste sie an und genoss die kurze Berührung, ehe sie sich ja wieder neben mich setzte und alles durchsah, ehe sie mich stolz anlächelte. Ich erwiderte dieses Lächeln, wandte mich dann nach vorne. Der Unterricht sollte schließlich noch irgendwie beendet werden und wir bekamen noch wenige kleine Aufgaben zum Vorbereiten, nachdem wir die Aufgaben verglichen hatten, woran ich mich auch gut beteiligt hatte. Es machte mir immerhin Spaß und es war schön, mal etwas zu können. Nachdem die Mathe Stunde beendet war, stand eigentlich noch wieder Englisch an, doch dafür hatten wir einen anderen Lehrer. Wir machten kurz Pause, während der Lehrer die Bücher wieder einsortierte und kurze Zeit später den Raum verließ. Auch die Wachen tauschten durch, achteten scheinbar in ihrem Gespräch nicht darauf, dass der neue Lehrer noch fehlte. Die Tür stand offen und jeder wusste, dass Beamte nicht fern waren, eigentlich schien auch alles ruhig. Ein paar Leute unterhielten sich entspannt und mehr war nicht. Einer schlenderte schließlich näher, grinste schleimig arrogant und lehnte sich etwas vor. "Sag mal... ist das deine Knastkleidung. Wurdest du jetzt eingesperrt wegen unerlaubten Waffenbesitz?" Sein Blick taxierte sie deutlich. "Weißt du, wir könnten uns da zusammen tun und du spielst ein wenig mit meinem Schlagstock, ich mit deinen Granaten", meinte er, packte sie ganz unvermittelt nach ihren Brüsten. In dem Moment legte sich bei mir ein Schalter um. Ausdruckslos, sowohl vom Spruch als auch von der Handlung entrüstet und wütend stand ich auf, sodass der Stuhl laut ein Stück zurück schabte. "Nimm sofort deine ekligen Finger von ihr", knurrte ich, stieß ihn an der Schulter weg, ehe ich mich an Maddie vorbei schob und mich vor ihr aufbaute. "Und das hast du zu bestimmen? Ich glaube meine Finger würden ihr ganz woanders noch gut tun. Nur weil du Schleimer das nicht kannst..", meinte er provozierend und anzüglich. Wütend ballte ich die Fäuste, starrte den Insassen vor mir an. "Ich habe es nur nicht nötig, jemanden zu unterdrücken um einen auf dicke Hose zu machen. Ich weiß nämlich was ich habe. Du brauchst scheinbar eine Schwanzprothese", begab ich mich auf sein Niveau hinab und überlegte kurz, ob das so eine gute Idee war, bevor ich mich auch schon lieber den Schlag blockte, zu dem er ausgeholt hatte. Dafür bekam er mich am Kragen gepackt. Der Lärmpegel nahm zu, als er mich niederzwang auf einen der Tische. "Du kleines Aas. Willst du wirklich wissen, was ich in der Hose habe, hm?", drohte der Kerl dicht über meinem Gesicht, während er mich mit seinen Pranken würgte. Ich bekam keine Luft mehr, versuchte mich gegen den Kerl zu wehren, während applaudiert und gejohlt wurde. Langsam hörte man Geräusche von der Tür, dass Wachen versuchten alle zur Ruhe aufzufordern, doch sie kamen nicht durch. Ich versuchte mir also selbstzuhelfen, schlug nach ihm, was ihn nicht beeindruckte. Tritte erreichten ihn nicht und die Luft ging mir aus. Sterne flimmerten vor meinen Augen. Verzweifelt griff ich schließlich nach irgendetwas, was mir helfen könnte, bekam einen Stift zu fassen. Mit aller Kraft, die ich besaß, rammte ich ihm den Stift in die Hand an meinem Hals. Er brüllte auf, sein Griff lockerte sich ein wenig und ich holte keuchend Luft, riss den Stift aus der Wunde und stach wieder zu, bis er schließlich los ließ. Keuchend befreite ich mich, stieß ihn von mir, griff nach einem weiteren Stift, weil der erste noch in seiner Hand steckte. Wütend drängte ich ihn zurück, holte aus. Während ich zustach, packte mich jemand und riss mich am anderen Arm zurück. Ich traf dennoch, erwischte ihn aber nicht mehr wie geplant und riss mit der spitzen Mine eine lange Furche über seinen Brustkorb, anstatt ihm den Stift ins Herz zu rammen. "Lassen sie die Waffe fallen!", schrie mich der Polizist an, drehte meinen Arm, den er bereits eingefangen hatte auf meinen Rücken, bis ich vor Schmerz nachgab und den Stift fallen ließ. Er rang mich schließlich völlig nieder, legte meine Handgelenke in Ketten. Ich hörte weitere Handschellen klicken ein Stück hinter mir über das Fluchen und die Drohungen hinweg. Gleichzeitig rief ein Polizist zur Ruhe auf, forderte Kollegen an um den Raum so weit zu sichern. Die ganze Zeit lang wurde ich zu Boden gedrückt, spürte nur das Blut meines Gegners an meiner Hand und an meinem Kragen, nutzte die Momente um wieder zu Atem zu kommen. Schließlich wurde ich unsanft auf die Beine gezogen, wurde darüber aufgeklärt, dass das aufgenommen werden musste. Nur kurz sah ich zu Maddie, noch immer in diesem wütenden Modus ohne wirklichen Ausdruck auf dem Gesicht, ehe ich den Blick abwendete und auf den Weg vor mir starrte, während ich aus dem Raum geschoben wurde und bis in ein Verhörzimmer begleitet wurde. Dort wurde ich auf einen Stuhl gesetzt und alleine gelassen. Scheinbar musste man sich erst einmal beraten, was nun passierte und sich um den anderen kümmern, der als einziger Verletzungen davon getragen hatte.


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#54

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 09.04.2015 15:24
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Es schien Nathan zu gefallen, dass ich ihm so viel Aufmerksamkeit schenkte. Doch für mich war das selbstverständlich. Ich hatte den jungen Mann seit unserer ersten Begegnung gemocht. Merkwürdigerweise mochte ich ihn einfach sehr gerne, auch wenn ich damit wohl vor allem bei meinem Bruder und meinem Vater aneckte. Doch meine beiden Männer hatten hier nicht viel mitzureden. Wieso denn auch? Meinen Bruder hatte ich seit der Scheidung nur selten gesehen und er hatte daher nichts zu melden. Bei meinem Vater war ich über die Jahre hinweg zwar oft gewesen, aber ein enges Verhältnis pflegten wir nach wie vor nicht. Ich war einfach ein Mamakind. Ob meine Mutter mit Nathan einverstanden wäre? Nachdenklich legte ich die Stirn in Falten und seufzte leise. Meine Maman war nicht so eine voreingenommen wie die männlichen Mitglieder meiner Familie. Ich war mir daher sicher, dass sie nichts gegen den jungen Mann haben würde. Doch vorerst lag ein Treffen der beiden Leutchen in weiter Ferne. Nachdem der Matheunterricht beendet wurde und der Lehrer den Raum verließ, blieben die Schüler zu meinem Erstaunen relativ ruhig. So böse konnten die Gefangenen also nicht sein. Doch ich wurde recht schnell vom Gegenteil überzeugt, auch wenn keiner der jungen Männer dafür sorgte. Stattdessen kam ein Wächter mittleren Alters auf uns zugeschlendert und grinste ziemlich arrogant. Als er mich ansprach, zog ich die Augenbrauen verwirrrt nach oben. "Bitte was?", fragte ich und warf Nathan einen verstörten Blick zu. "Das ist eine ganz normale Jogginghose und ein Pulli. Auch ich bin nicht immer top gestylt. Waffenbesitz? Was denken Sie denn von mir?", klärte ich den Mann aufgebracht auf und schüttelte schockiert den Kopf. Seine Blicke prallten von mir ab, da ich dies bereits von hier und außerhalb kannte. Nur seine nächsten Worte ließen meine Kinnlade nach unten klappen. "Was bilden Sie sich eigentlich ein? Und außerdem bin ich für Sie immer noch Frau Chateaubriand!", zischte ich und stieß einen grellen Schrei aus als dieser unverschämte Kerl mir doch tatsächlich an meine Brüste fasste. Dann geschah es eigentlich recht schnell. Ich konnte gar nicht so schnell reagieren, da stieß Nathan schon knurrend irgendetwas aus und stieß den Wächter mit enormer Kraft von mir. Schützend baute sich der junge Mann anschließend vor mir auf. Als der Mann wieder seinen Mund aufmachte, ertönte natürlich erneut nur Scheiße. Wütend streckte ich meinen Kopf hinter meinem Beschützer hervor und funkelte den Mann an. "Nathan kann das sehr wohl!", zischte ich und mir war es egal, dass wahrscheinlich nun alle davon ausgingen, dass die Tochter des Chefs bereits mit einem Gefangenen im Bett war. Mit einem schnippischen Unterton setzte ich dann noch einen drauf. "Und nach Nathan will ich nie wieder einen anderen Mann haben.", fügte ich also trocken hinzu und grinste frech. Als Nathan die Fäuste ballte, versuchte ich ihn mit Streicheleinheiten an seinem Oberarm zu beruhigen. Ohne Erfolg. Der junge Mann konnte sein Maul nicht halten, was ich ihm natürlich nicht verübeln konnte. Doch der Wächter schien nun entgültig die Schnauze voll zu haben und holte zu einem Schlag aus. Dieser wurde zwar von Nathan abgeblockt, doch kurz darauf umfasste der Mann den armen Nathan bereit am Hals. "Lassen Sie ihn los, verdammt!", schrie ich entsetzt und versuchte die beiden Männer zu trennen. Erfolglos. Die anderen Gefangenen fingen an zu klatschen und zu johlen. "Sonst geht es euch gut?", meinte ich fassungslos. Vielleicht waren diese Kerle doch nicht so nett. Von der Tür aus hörte ich die Rufe der anderen Wachen, welche allerdings die Menge nicht durchbrechen konnten. "Verdammt, jetzt kommen Sie doch!", rief ich ihnen panisch zu. "Ihr Kollege bringt Nathan noch um!" Aus dem Augenwinkel konnte ich beobachten wie Nathan nach einem Stift griff und diesen seinem Angreifer in die Hand rammte. Dann kam endlich ein Polizist, wobei dieser sich nur auf den doch unschuldigen Nathan konzentrierte. "Was soll das?", stieß ich entrüstet aus und sah entgeistert zu wie der Polizist seine Handgelenke in Ketten legte. Der Blick, den Nathan mir dann zuwarf, jagte mir einen kalten Schauer über den Rücken. Was passierte hier eigentlich gerade? Der arrogante Wächter presste seine gesunde Hand auf die Wunde und warf mir unauffällig einen gewinnerischen Blick zu. Ich wollte dem Polizisten und Nathan folgen, wurde jedoch von einem weiteren Mann aufgehalten. Also blieb mir keine andere Wahl als Nathan nur noch geschockt nachzusehen und mich dann schleunigst auf den Weg zu meinem Vater machte. Dort stürmte ich ungefragt in das Büro und unterbrach ein Telefongespräch. "Maddie? Was soll das?", knurrte Matthew wütend und legte auf. "Du musst sofort deine scheiß Polizisten zurück pfeifen!", schrie ich aufgebracht und mein Vater hob beschwichtigend die Hände. "Was ist das für eine Ausdrucksweise? Und warum?", frage er und erhob sich aus seinem schwarzen Ledersessel. "Was los ist? Einer von ihnen hat mich höchst unpassenden angesprochen und mich sogar angefasst! Dann ist Nathan dazwischen gegangen und wollte mich beschützen. Dann ist der Wächter auf ihn losgegangen und hätte ihn fast erwürgt. Nathan musste sich natürlich verteidigen und hat ihm einen Bleistift in die Hand gerammt. Dann kamen Polizisten und haben Nathan Handschellen angelegt und ihn mitgenommen! Er hat mir nur geholfen, Matt!", erklärte ich panisch die Situation. Überrascht nickte mein Vater, legte einen Arm um mich und schob mich dann auch schon über das Gelände. Mit kaltem Gesichtsausdruck betrat Matthew dann das Verhörzimmer, in welchem ein Polizist gerade den armen Nathan in die Mängel nahm. "Lassen Sie mich mit dem Gefangenen allein.", wies mein Vater ihn an und wartete bis der Mann den Raum verlassen hatte. Dann ließ Matthew sich auf dem Stuhl gegenüber von Nathan nieder und schaltete das Diktiergerät aus. "Meine Tochter hat mir die Situation bereits erklärt. Und da Madita niemals lügen würde, glaube ich ihr und somit auch Ihnen, Nathan.", fing mein Vater ruhig an und musterte seinen Gegenüber eingehend. Ich lächelte erfreut und trat neben Nathan. "Nur leider kann ich die Sache nicht einfach vergessen. Vor allem nicht bei Ihnen. Doch da es ja so oder so keine anderen Auswirkungen auf den Ablauf ihrer Strafe hat, werde ich es nur in Ihrer Akte notieren.", erklärte mein Vater zuvorkommend und ich sah verwirrt zu ihm. Von was sprach er? Seine Wortwahl klang gewählt und vorsichtig. Nachdenklich seufzte ich deutlich erleichtert als mein Vater sich wieder erhob. "Trotzdem will ich nicht, dass so etwas erneut passiert. Und auch wenn Sie meine Tochter beschützt haben. Maddie kann sich zum einen selbst verteidigen und zum anderen gibt es hier genügend zuverlässige Mitarbeiter.", brachte Matthew es auf den Punkt und ich verdrehte die Augen. "Also somit ist die Sache jetzt geklärt und Sie können zurück in den Unterricht.", beschloss mein Vater und nickte mir und Nathan noch kurz zu, ehe er zur Tür lief und diese öffnete. "Lassen Sie Nathan gehen.", gab er den knappen Befehl und drehte sich noch einmal zu mir um. "Und Maddie. Es gibt da einen jungen Mann, der auf deinen Anruf wartet.", warnte er mich mit ernster Stimme und verschwand dann. Ich wusste ganz genau, worauf Matthew hinauswollte. Er hatte bei Nathan beide Augen für mich zugedrückt und erwartete jetzt, dass ich mich bei dem Kerl meldete, mit dem wir letztens essen waren. Ich stöhnte genervt und holte mir dann die Schlüssel für die Handschellen. Vorsichtig öffnete ich diese, warf sie auf den Tisch und griff nach Nate's Hand. "Komm. Du solltest deinen Unterricht nicht verpassen.", murmelte ich leise und zog ihn hinter mir her.


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#55

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 12.04.2015 03:49
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Maddie versüßte einem wirklich den Tag, war seit der ersten Begegnung für Überraschungen gut. Sie hatte ihm einfach Vertrauen entgegengebracht oder es schien zumindest so, weil sie sehr selbstbewusst war. Ihr Selbstbewusstsein hatte letzte Woche nur leider sehr nachgelassen und ich hatte sie nicht mehr gesehen - erstaunlich wie schnell es mich demotiviert hatte, obwohl sie doch eigentlich auch nur ein Mensch wie jeder andere auf meinem Weg zum Tod sein sollte. Ich war ihr dankbar für ihr Vertrauen, auch wenn ich es ihr nicht zeigte. Ich hatte das Gefühl sie gut zu kennen, obwohl das doch gar nicht stimmte, auch wenn sie viel von sich erzählte und immer noch befürchtete ich auch genau das. Meine Vernunft sagte mir, dass er sie gar nicht so gut kennen sollte, ich sollte sie nicht weiter kennen und mögen lernen. Ich konnte ihr nicht das gleiche Vertrauen entgegenbringen, konnte ihr einfach nicht sagen, warum ich hier im Gefängnis saß, in dem Trakt für die härteren Fälle und was mich erwartete. Sie hatte vielleicht auch einen Leidensweg vor sich, vielleicht musste sie auch sterben, das hatte sie mir gestern unter Tränen erzählt und ich war zu feige ihr zu sagen, dass mich das gleiche erwartete. Aber es war gleichzeitig vielleicht auch die bessere Motivation ihr zu sagen, dass sie das in die Hand nehmen konnte. Wobei ich das beste Negativbeispiel war. Ich sah meinen Tod vor mir, quälend langsam näher rücken und konnte nichts tun. Zumindest nicht genug. Meine Anträge waren abgewiesen worden und ich hatte schon mehrere Pflichtverteidiger gehabt, die mich aufgegeben haben. Sie hingegen konnte für sich kämpfen. Und das würde sie. Und sie würde ihre Zukunft leben, ohne mich. Nicht, dass das schlimm wäre, mein Herz würde nicht daran verloren gehen, aber ich ging nicht davon aus, dass es sich lohnte, ihr meine Geschichte zu unterbreiten, so ewig würde sie sicher nicht herkommen um mich zu besuchen und sich um mich zu kümmern, zumal das anderen gegenüber auch unfair war, dass sie mir persönlich helfen wollte. Andere hatten vielleicht auch so viel Unglück im Unglück gehabt, dass sie hier zu Unrecht saßen. Wobei dann konnte ich gleich den Unterricht sein lassen und jemandem anderen den Platz lassen. Da sah es später eben schön aus in der Akte, dass so ein asozialer, gewaltbereiter, frauenhassender Kerl aus einer Gang seinen Schulabschluss nachgeholt hatte. Bravo, ich würde in die Weltgeschichte eingehen. Ich seufzte leise, schüttelte den Gedanken ab, während ich Maddie beobachtete. Ich war doch bereits in mein Verderben gerannt, mochte sie zu sehr und gab meine Prinzipien zu schnell auf. Nur konnte ich sie doch nicht verletzen, wann und wie sollte ich ihr also klar machen, dass ich sterben würde und nichts mehr einen Sinn für mich machte. Nun, garantiert nicht in der Pause, die wir hatten. Da saß ich einfach nachdenklich da, froh, wenigstens Mathe zu können um nicht ganz so dumm zu wirken und unterhielt mich mit Maddie.
Bis dieser Idiot auftauchte. Ich kannte den Wächter vom Sehen, wusste, dass er die Sorte Wächter war, die man hier lieber mied, weil sie einem alles vermiesten. Er war ein Arsch, der immer doofe Sprüche brachte und sich gerne als etwas sehr viel besseres darstellte. Seine Worte zeigten es mal wieder. Er hatte keinen Respekt vor jüngeren und auch nicht vor Frauen. Schade nur dass Maddie beides war. Ich hatte mich zurückhalten können, während er sie so dumm anmachte, hatte mir gedacht, dass sie sich selbst verteidigen konnte, immerhin hatte sie mal verschiedene Kampfkünste gelernt, hatte sie erzählt. Trotzdem war ich ein Kerl mit Beschützerinstinkt, vor allem bei Mädchen, die ich mochte und Maddie zählte definitiv dazu. Ihre Worte, die sie in den verbalen Kampf einwarf, irritierten mich ein wenig für den Bruchteil einer Sekunde, ehe ich einfach mitspielte und ein selbstherrliches Lächeln aufsetzte und eine Augenbraue hochzog um ihn noch weiter zu provozieren. Ihr Tätscheln hingegen missachtete ich, war einfach zu wütend und vielleicht auch zu mutwillig. Und den Lohn bekam ich sofort, kämpfte um meinem Atem, während ich das Gefühl hatte, er würde meinen Kehlkopf zerquetschen. Egal wie sehr ich an seinen Händen zerrte und kratzte, er ließ nicht los. Ich hörte Maddies verzweifelte Rufe, aber es ging um mich und ich konnte weder ihr noch mir helfen. Zumindest nicht ohne Gewalt. Dass ein weiterer Polizist sich natürlich nur auf mich konzentrierte, war mir schon klar gewesen. Aber ich sah ja auch aus wie der Böse, hatte den Mann zuerst gestoßen und sobald ich diesen Stift als Wache hatte, gleich zweimal auf seine Hand eingestochen, damit er losließ und ein weiteres Mal nach ihm ausgeholt, rasend vor Wut und Atemlosigkeit im Adrenalinrausch. Ich war einfach nur froh, wieder Luft zu bekommen, war gleichzeitig immer noch geladen, während ich mehr röchelte als sauber atmete. Doch durch das Adrenalin konnte ich schnell denken und das brachte mir wenige Schlüsse. Der Kerl hasste mich jetzt noch mehr, ich hatte ihn verletzt und damit bloßgestellt. Dazu noch das Gerücht, das Maddie soeben in die Welt gesetzt hatte. Während ich sie so ansah, dachte ich mir für einen Moment, dass sie auch mein Tod sein konnte. Ein weitaus qualvollerer als die Giftspritzen. Der Hass aller würde mich noch mehr treffen. Oh Maddie, was sollte das nur....
Ich ließ mich also abführen, die Hände mal wieder auf dem Rücken wie sooft und immer noch mit Schmerzen am Hals. Meine Hoffnung, dass das hier auch nur ansatzweise glimpflich hätte ausgehen können, war so gering, wie ein Tropfen Wasser, der in einen Vulkan fiel. Ich machte mich darauf gefasst, dass ich wieder in den Keller gebracht werden würde, sobald das Aufsehen geringer war und Maddie nicht mehr hier war. Und das Wochenende stand bevor, es war Freitag. Wenn sie das Wochenende wieder nicht da war, dann würde ich definitiv ein Problem haben. Ich wurde in ein Verhörzimmer gebracht, drangsaliert mich hinzusetzen und wurde dabei so auf den Stuhl gestoßen, dass meine Arme zwischen Lehne und Körper schmerzhaft einklemmten, ehe ich mich anders hinsetzte. Der Polizist stellte sich auf die andere Seite des Schreibtisches, knallte lautstark seine Handflächen auf den Tisch. "Du glaubst auch, dass du dir alles erlauben kannst, hm?", schnauzte er mich an. "Ich habe mich nur verteidigt, als ihr werter Kollege versucht hat mich umzubringen", knurrte ich zurück. "Ach ja? Und wer außer Maddie wird das bezeugen, hm?", zischte er mir zu. "Niemand wird dir beistehen außer das Fräulein. Und auch die wird dich fallen lassen, wenn sie weiß, was du angerichtet hast", setzte er dann siegessicher obendrauf. Erst dann schaltete er das Diktiergerät ein, versuchte mir die Schuld zuzuweisen indem er ganz blöd die Fragen stellte. Ich hatte das Gefühl, dass alle Leute im Bereich des Rechts das als erstes lernten. Einem die Worte im Munde umzudrehen. Vor allem führte der Kerl sich dabei auf, als wäre er ein ganz großer Hecht und würde das höchste aller Gefühle erleben, während er mich immer tiefer in die Scheiße ritt. Er wurde jäh unterbrochen, als die Tür auf einmal aufging. Ich blickte auf, sah in das steinerne Gesicht von dem Gefängnisdirektor und wurde ein wenig bleicher. Na super. Unruhig saß ich da, während der Polizist den Raum verließ und der mächtigste Mann hier sich vor mich setzte. Ein wenig irritiert verfolgte ich, wie er das Diktiergerät ausschaltete und sah ihn an, ehe ich Maddies Blick suchte. Bei seinen Worten entspannten sich meine Schultern merklich. "Danke", sagte ich leise, erleichtert. Bei seinen nächsten Worten nickte ich nur leicht, blickte in eine unbestimmte Richtung und war froh, dass er das nicht direkt aussprach und dass ich Maddie nicht ansehen musste. Ich wollte einfach nicht darüber reden. Als er meinte, dass das nicht wieder vorkommen sollte und sie sich ja selbst verteidigen konnte und er anständige Mitarbeiter hatte, verbiss ich mir jeden Kommentar dazu. Es war vielleicht die Hälfte anständig und die arbeitete nicht in meinem Flügel. Da waren es vielleicht dreißig Prozent, die okay waren. Ich nickte nur, als er meinte, ich könnte zurück zum Unterricht und atmete dann tief durch. als er Maddie ein weiteres Mal ansprach, blickte ich zu ihr und lächelte leicht über ihre genervte Reaktion. Ich stand langsam auf, als Maddie die Schlüssel hatte, wartete bis sie die gelöst hatte und rieb mir dann kurz die Handgelenke. "Danke.. für deine Hilfe... mal wieder", meinte ich leise, lächelte sie kurz an, ehe sie auch schon meine Hand ergriff und mich aus dem Raum zog. Meine Motivation wieder zum Unterricht zu gehen, war gerade nicht so groß, aber ich stimmte zu. "Sag mal.. bist du am Wochenende da?", fragte ich dann ganz ungeniert, wollte es einfach wissen und damit meine Chancen abschätzen können.


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#56

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 01.05.2015 18:53
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Besorgt beobachtete ich Nathan, welcher sich die Handgelenke rieb. Ich konnte mir gut vorstellen, dass Handschellen kein besonders schmerzfreies Schmuckstück waren. Leise seufzte ich und zuckte mit den Schultern. "Kein Ding. Irgendwas muss es dir doch bringen dir die Tochter vom Chef zur Freundin zu machen, mhm?", stellte ich nachdenklich fest und band mir hastig meine Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen. Bisher hatte ich eigentlich nie darüber nachgedacht warum sich Chace mir gegenüber so lieb verhielt. Doch langsam beschlich mich doch ein mulmiges Gefühl. Was wenn der junge Häftling mich nur ausnutzte? Misstrauisch presste ich die Lippen aufeinander und musterte Nate von oben bis unten neugierig. Ich traute es ihm nicht zu mich auf diese schreckliche Art und Weise zu hintergehen. Allerdings saß er bestimmt nicht umsonst im Knast seine Strafe ab. Ich wollte mich nicht weiter mit diesem Thema beschäftigen und schlenderte gemütlich vor ihm her zurück zu dem Klassenzimmer. Seine Frage riss mich wieder aus meinen Gedanken. Überrascht hob ich den Blick und blieb an Ort und Stelle stehen. Nathan's Tonlage ließ mich stutzig werden und ich starrte ihn verwirrt an. "Normalerweise hatte ich vor hin und wieder vorbeizuschauen. Wieso?", hakte ich vorsichtig nach und machte mir direkt wieder Sorgen. Wahrscheinlich würde diese kleine Aktion noch Folgen haben. Zumindest für den jungen Mann.Ich lächelte zaghaft und zuckte mit den schmalen Schultern. "Vielleicht sollte ich aber das gesamte Wochenende bei dir in deinem Kammerchen verbringen und ein Auge auf dich werfen.", schlug ich fürsorglich fest und musste schmunzeln. Ich wollte nicht, dass irgendein Wärter den armen Nathan am Wochenende richtig zur Schnecke machte. Also blieb mir wohl keine andere Wahl als die Zeit nicht mit Freunden außerhalb dieser Mauer zu verbringen sondern hier drinnen bei Nate zu sein. "Weißt du was? Ich glaube der Unterricht kann mal auf den kleinen Streber verzichten.", meinte ich grinsend und schlug einen anderen Weg ein. Ohne mit der Wimper zu zucken, zog ich den Sträfling hinter mir her über das Gelände. Hin und wieder sah ein Polizist uns argwöhnisch an und auch die anderen Gefangenen starrten misstrauisch in unsere Richtung. Mich juckte es nicht und Nate war ein mehr oder weniger harter Knacki. Vor dem Verwaltungsgebäude machte ich halt und öffnete die Tür hinter welcher zwei Bullen Wache hielten. "Was wird das, Frau Chateaubriand?", fragte der eine mich alarmiert und sein Griff wanderte sofort an den Lauf seiner Pistole. Ablehnend hob ich beide Hände und lächelte ihn engelsgleich an. "Keine Sorge. Ich habe alles im Griff.", beschwichtigte ich die Männer und zog meine Begleitung dann auch schon wieder achtlos hinter mir her die Treppe nach oben. Kurz warf ich einen Blick in das Büro meines Vaters, da die Tür offen stand. Keine Spur von ihm. Ich lief noch einige Meter weiter, griff dann nach meinem Schlüsselbund und öffnete die Tür. "Willkommen in meinem Reich.", lud ich Nathan lachend ein und betrat den großen Raum, welchen mein Vater mir als Wohn- und Schlafzimmer eingerichtet hatte. Außerdem gab es ein Bad und eine kleine Kochecke. "Mein Vater hat mir das hier ermöglicht. Damit ich nach einem langen Arbeitstag oder bei einer Nachtschicht trotzdem in Luxus leben kann.", erklärte ich beinahe genervt und rollte mit den Augen. "Ich war hier bis jetzt kaum.", fügte ich noch schmunzelnd hinzu und legte die Schlüssel auf einem Sideboard ab. "Fühl dich wie zuhause. Kann ich dir irgendwas anbieten?", fragte ich und deutete mit einem Nicken in Richtung Kochecke. "Du kannst es dir gerne im Bett oder auf der Couch bequem machen. Uns stört hier niemand.", versprach ich lächelnd und schlüpfte aus meiner Jacke.


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#57

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 02.05.2015 06:11
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich versuchte einfach über Maddies besorgten Blick hinweg zu sehen. Ich sollte mich nicht daran gewöhnen, dass sie mir ständig aus der Patsche half und mich vertröstete, dass alles besser werden würde, wenn ich mich bemühte. Ich hatte es drei Monate ohne sie geschafft und die Wahrscheinlichkeit, die nächsten viereinhalb Jahre ohne sie verbringen zu müssen, schien mir höher als die, dass sie die ganze Zeit meine Betreuerin spielte oder gar, dass ich hier früher raus kam und das lebend. Eigentlich sollte ich lieber gar nicht erst anfangen, wieder weicher zu werden. Ich sollte einfach meinen Weg weiter gehen und mich selbst abhärten, mir hier einen Ruf verschaffen. Und zwar nicht gerade den des 'Leiters Tochters Liebling'. Der Ruf machte mir ja jetzt schon Probleme von allen Seiten. Die Wächter sahen das mit Skepsis oder Neid, dass ich ein Schwerverbrecher mehr Zuwendung von ihr bekam als sie, die doch die starken Helden des Alltags waren und Gefangene bändigen konnten mit Waffen und Schlagstöcken und Handschellen, während wie unbewaffnet uns dem ausliefern mussten. Ich hatte wirklich eigentlich den Mistkerl nicht verletzten wollen, aber wenn der mich fast erwürgte, dann durfte ich ja wohl um mein Leben kämpfen. Nachdenklich hob ich eine Hand an meine Kehle, an der die roten Abdrücke noch deutlich zu sehen waren. Vielleicht hätte ich einfach aufgeben sollen. Dann hätte ich damit verhindern können, dass Maddie und ich uns noch näher kennen lernten und mögen würden und ich hätte mir Jahre des Leids erspart. Und eine demütigende Todesspritze. Ich hätte mir alles ersparen können. Warum nur war mein Wille zu leben nur stärker als meine Vernunft? Bei ihren Worten grinste ich leicht, auch wenn ich mich nicht zu Scherzen aufgelegt fühlte. Es stimmte schon, was sie sagte, dass es Nutzen hatte, mit ihr sich anzufreunden. Aber es musste keinen Sinn haben und ich mochte sie auch so. Die Formulierung, sie mir als Freundin zu machen, war auch etwas unglücklich. Es klang, als hätte ich es darauf angelegt und als hätte ich gesagt, sie sei mit mir zusammen. Ich hatte dem Kerl vielleicht gesagt, er sollte seine Finger von ihr nehmen und ihn etwas provoziert, aber im Endeffekt hatte Maddie noch eine Schippe oben drauf gelegt und vor allen gesagt, dass ich ihr Freund wäre. Ein wenig irritiert begegnete ich ihrem Blick, als sie mich so musterte, tat es ihr gleich, betrachtete ihre sonst so schönen Lippen, die sie nun aufeinander presste. Ich fragte mich, was nicht stimmte. Aber vielleicht hatte es sie auch nur genervt, dass ich mal wieder in Schwierigkeiten gesteckt hatte. Ich zog das nun mal so an. Konnte ich auch nichts für, wenn der Kerl so eklig mit ihr umging. Ich hatte da eingreifen müssen. Ich begnügte mich aber damit, es schweigend hinzunehmen, als wir uns wieder auf den Weg zu den Klassenräumen machten, folgte ihr mit den Gedanken an das bevorstehende Wochenende. Als sie auf einmal stehen blieb, seufzte ich innerlich auf, während ich auch zum Stehen kam. Bei ihrem sorgsamen Ton und ihrer Frage zuckte ich wie unbekümmert mit den Schultern. "Nur so. Letztes Wochenende warst du ja nicht da und.. ich muss doch wissen, ob ich mich für Besuch schick machen soll oder nicht", meinte ich, grinste leicht. Eigentlich war ich froh, dass sie sagte, sie würde vorbei kommen, ich traute dem Wärter nicht, traute hier kaum jemandem, aber ich wollte nicht, dass sie sich übermäßig Sorgen machte oder wieder bei ihrem Dad auf der Matte stand und sich beschwerte oder eben all ihre Zeit hier verbrachte, nur damit ich sicher war, dass ich nicht in dem Keller verrottete. Bei ihrem Vorschlag schüttelte ich leicht den Kopf. "Ich komm schon klar. Ich freu mich nur über nette Gesellschaft. Aber du sollst nicht dein Wochenende für mich hinwerfen. Warum solltest du auch?", meinte ich mit einem leichten Lächeln. Ich müsste mich eigentlich an ihren Vorschlag klammern und alles dafür tun, dass sie blieb, aber die Zusicherung, dass sie wenigstens mal vorbei schaute, war für mich genug. Denn dann würde ich nicht elendig zugrunde gehen und das reichte.
Bei ihrem total unvermittelten Vorschlag sah ich sie irritiert von der Seite an, folgte ihr aber dann in die andere Richtung, da sie mich einfach mit sich zog. "Wohin entführst du mich?", fragte ich mit einem leichten Lachen. Ich versuchte aus dem Weg schlau zu werden, fragte mich, was sie vorhatte und beobachtete genau die patrouillierenden Polizisten, die uns ebenfalls immer im Blick hatten. Meine Stirn legte sich nachdenklich in Falten, als wir uns dem Verwaltungsgebäude näherten. Was wollte sie denn da mit mir? Meine Akte anschauen? Meine Akte vernichten und mit mir durchbrennen? Wohl kaum. Und ich hatte auch eigentlich keine Lust darauf in dem vollüberwachten Gebäude herumzustreunern, auch wenn sie auf mich aufpasste. Die ganzen Polizisten und Mitinsassen würden das nicht so locker nehmen. Seufzend ließ ich sie aber machen, folgte ihr durch die Tür, nur um sofort stehen zu bleiben, als der Polizist Maddie ansprach und seine Hand zur Waffe wanderte. Ich blieb mit locker hängenden Händen stehen, mein Blick huschte zwischen den Männern hin und her. Bei Maddies 'Ausrede' war ich wirklich verblüfft, dass sie keine weitere Erklärung brauchten. Widerstrebend ließ ich mich dann weiter ins Gebäude von ihr ziehen, folgte ihr die Treppe hoch und bekam kurz wirklich ein wenig Panik, dass sie meine Akte wollte, als wir vor dem Büro stehen blieben, das eindeutig ihrem Vater gehörte. Aber der war weder da, noch wollte sie ins Büro. Erleichtert entspannte ich meine Schultern wieder, folgte ihr dann in den Raum, den sie aufschloss und blickte mich ein wenig sprachlos um. Ich hätte nicht gedacht, dass es hier auf diesem Grundstück so etwas schönes gab. Nicht mal der kleine 'Park' war schön, er war ungepflegt und schlicht gehalten. Und das hier war für mich purer Luxus. Ich bin aber eben auch in armen Verhältnissen aufgewachsen und hatte dann entweder auf der Straße oder in einer alten Werkstatt zwischen alten Autoteilen gelebt. "Wären doch mal die Zellen so. Da würde man dann ja gerne hier bleiben um wenigstens ein Dach überm Kopf zu haben", murmelte ich leise, eher für mich und sah mich schlendernd ein wenig um. Bei ihren Worten, dass sie kaum hier war, schnaubte ich entrüstet. War ihr das nicht gut genug? Luxus war sie gewohnt, ich nicht ein bisschen. Dabei wäre es doch für sie auch schön nicht mehr mit ihrem komischen Vater, der sie verkuppeln wollte, unter einem Dach zu leben. Und sie wäre ständig hier. Was für mich toll wäre, aber für sie auch nicht besser als bei sich zuhause zu leben mit ihrem Bruder und Vater und mittelalterlichen Bemühungen sie an den Mann zu bekommen. Unschlüssig stand ich noch immer herum, fühlte mich total deplatziert mit meinen lockeren, tristen grauen Gefängnisklamotten. Ich passte hier nicht rein, nicht ein Stück. Mit verschränkten Armen blickte ich umher, konnte es immer noch nicht fassen, wie viel Wert hier war neben so viel Elend. Und ich konnte auch nicht so wirklich was mit mir anfangen. "Ich habe kein Zuhause. Wie fühl ich mich dann?", fragte ich ein wenig trocken, einfach überfordert und fuhr mit einer Hand über die Lehne der Couch. Modern und garantiert teuer. Zu teuer, als dass ich mich mit diesen Sachen da hin setzen wollte. "Wir hatten kein Frühstück... Hast du was zu Essen hier? Oder nicht, weil du ja nicht oft hier bist?", fragte ich, stand immer noch einfach im Raum herum, schmunzelte leicht bei ihrem letzten Satz. "Ist das ein Versprechen oder eine Drohung", fragte ich frech, lockerte mich langsam ein wenig.


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#58

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 03.05.2015 21:12
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Nathan schien diese Art von Einrichtung wohl nicht bekannt zu sein, anders konnte ich mir seine Reaktion nämlich nicht erklären. Der junge Mann schien aus dem Staunen gar nicht mehr herauszukommen. "Frag mich bitte nicht wieso mein Vater so viel Geld für so ein scheiß Zimmer ausgegeben hat.", murmelte ich beschämt und schlüpfte aus der Jacke, welche ich achtlos auf den Boden warf. Kümmerte doch eh niemanden, da nur ich den Schlüssel für dieses Zimmer hatte. "Ich hätte so etwas nicht einmal gebraucht. Aber naja. Wie Väter so sind.", fuhr ich leise fort und rollte mit den blauen Augen. "Wahrscheinlich kostet allein die Ledercouch schon ein paar Tausend.", beschwerte ich mich stöhnend. "Mir hätte die kleine Kochecke und ein Schlafsofa in einem 12qm Raum wirklich gereicht. Stattdessen bekomme ich natürlich wieder so eine Übertreibung.", beschwerte ich mich weiter und öffnete das Fenster. Das Verwaltungsgebäude lag sehr weit von den anderen Gebäuden entfernt und lag hinter der ersten Mauer von innen aus gesehen. Daher konnte man von meinem Zimmerchen schon ein wenig der Straße und umliegenden Häuser erkennen. Von hier aus war die Flucht auch um einiges leichter und sogar machbar. Schließlich hatten die Häftlinge normalerweise keinen Zutritt. Doch Nate war jetzt hier und konnte mich wahrscheinlich spielerisch leicht aus dem Gefecht setzen. Dann aus dem Fenster die paar Meter hinunter springen und innerhalb von wenigen Minuten hatte er das Gelände verlassen. Misstrauisch sah ich in seine Richtung und lächelte zaghaft. "Ich vertraue dir. Bitte merke dir das.", murmelte ich flehend und senkte kurz den Blick. Ich traute es dem jungen Mann nicht zu, doch wollte es nur noch einmal angemerkt haben. "Du kannst dich auch gerne setzen.", bot ich an und deutete auf das Sofa, welches Nate streichelte. Als er auf das verpasste Frühstück zu sprechen kam, musste ich lachen. "Essen habe ich natürlich hier. Daddy sorgt natürlich dafür, dass seine Prinzessin imemr gut versorgt ist.", antwortete ich lachend und lief zu der kleinen Küche. "Auf was hast du Lust?", erkundigte ich mich und öffnete einige Schranktüren. "Ich habe Aufbacksemmeln, sämtliche Müslisorten, verschiedene Brotsorten...Wurst, Käse, Nutella, Marmelade. Orangensaft. Multivitaminsaft. Cola. Volvic. Kaffee. Kakao. Espresso. Latte.", zählte ich schmunzelnd auf und schnappte mir selbst eine Scheibe Brot, welche ich mit etwas Butter und Nutella bestrich. Währendessen machte ich mir mit meiner Kaffeemaschine einen leckeren Kakao. "Komm doch einfach zu mir und gucke selbst was du willst. Kannst richtig reinhauen.", bot ich an und lächelte Nathan freundlich an. Als mein Kakao fertig war, griff ich die Tasse und meinen Teller und machte es mir schon einmal auf der Couch bequem. "Willst du fernsehschauen?", fragte ich neugierig und deutete auf den Flachbildfernseher, welcher an der dafür gedachten Stelle in einem Sideboard stand. "Ich hab sogar eine PS4 und Spiele. Ich kann zwar kaum FIFA oder diese Ballerspiele, aber für dich opfere ich mich doch gerne und mache mich zum Gespött der Menschheit.", stellte ich amüsiert fest und schnappte mir die Fernbedienung, um erst einmal desinteressiert durch die Kanäle zu zappen. "Vielleicht entführe ich dich zukünftig öfters hier her. Das nächste Mal kaufe ich davor noch zwei Babypuppen und dann spielen wir kleine Familie. Was hälst du davon?", fragte ich scherzend und warf einen Blick aus dem Fenster. Wunderschönes Wetter. Der Raum hatte auch noch einen kleinen Balkon mit zwei Liegestühlen. "Und wenn du willst, kannst du dir auch im Bad die Badewanne einlassen und plantschen. Ich denke die Gemeinschaftsduschen hier sind nicht gerade sehr...wie soll ich sagen? Entspannend?", bot ich an und strahlte Nate an als wäre er ein normaler Kumpel der zu Besuch war und kein Inhaftierter.


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#59

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 04.05.2015 21:17
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ja, ich verstand es wirklich nicht. Zum Einen, warum so viel Luxus neben so viel Leid existierte. Immerhin schon auf diesem Grundstück existierten zwei Welten. Hier drinnen sah nichts nach dem Leid aus, das es dafür um so schlimmer im Keller sah. Von hier konnte man nur draußen die unwirkliche Wirklichkeit sehen. Natürlich auf die schöne Seite gucken, wo der reißende Fluss war, das Abschussfeld davor, welches jeden Flüchtigen zerfetzen würde, weil sicher auch Tretminen dort versteckt waren. Und weit dahinter die Häuser der Stadt, die friedlich da lagen, der Alltag und die Sorgen normaler Bürger. Ich gehörte hier nicht her. Ich gehörte zurück in den Gefängnistrakt oder zurück ins Ghetto der Stadt. Noblesse und Luxus war nichts für mich. Ich war doch zu einfach hier für. Ich war zu arm. Zu ungebildet und zu kriminell. Ich war es nicht wert, hier zu stehen und es mir hier gemütlich zu machen. Das hier war einfach nicht meine Welt. Ich wusste doch gar nichts damit anzufangen. "Wer's hat, wirft einfach an den falschen Stellen damit um sich", murmelte ich leise, als sie meinte ich sollte nicht fragen, warum es hier so gut aussah. Warum konnte er nicht so viel Geld mal in vernünftige Dinge investierte, zum Beispiel in vernünftiges Personal, bessere Kissen oder Matratzen. Bei ihren Worten schnaubte ich leicht. "Schön wär's. Dann wäre ich vielleicht nicht hier", grummelte ich in wütender Erinnerung daran, dass mein Vater das ganze Geld für seinen Alkohol ausgegeben hatte und ich sogar Schulsachen hatte klauen müssen. Wenn er sein Geld in mich investiert hätte, dann hätte ich vielleicht einen Schulabschluss geschafft. Er wäre nicht so aggressiv-betrunken gewesen ständig. Ich hätte vielleicht sogar mit ihm auskommen können und meine Mam wäre nicht weggelaufen und meine Schwester hätte ich auch noch. Wehmütig starrte ich ins Leere, schüttelte bei ihren Beschwerden leicht den Kopf. "Es ist schön, was du so für Probleme hast", seufzte ich. Es war mal Abwechslung. Sowohl negativ als auch positiv. Zum einen dachte ich nämlich nur an all meinen Dreck, an die Zeiten, in denen ich mich gefreut hatte, beim Sperrmüll von irgendjemandem eine abgeranzte Matratze zu finden. Andererseits war es wirklich irgendwie amüsant und süß und es lenkte einen ab von all dem Mist, wenn man sich etwas lockerte. Ich beobachtete sie, wie sie das Fenster öffnete, blickte aus diesem auf die Straße, die zur Stadt führte. Wie gerne würde ich doch einfach nur dort lang laufen. Nur dass mir dann von hinten in den Kopf geschossen werden würde. "Ich bin nicht lebensmüde, keine Sorge", seufzte ich leise , lächelte sie schmerzlich an. Die Freiheit war hier nah wie nie. Und immer noch unerreichbar, dafür aber sichtbar und das machte es schwer für mich. Ich war froh davon ablenken zu können mit dem Thema Essen. "Ich weiß nicht. Ich ess in letzter Zeit ja einfach nur, was mir vorgesetzt wird. Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich wirklich mag", murmelte ich, während ich ihr in die Kochecke folgte und auch dort Abstand von allem hielt. Das Angebot war aber auch einfach zu groß für mich. Ich aß seit Kind an eigentlich eher das, was mir vorgesetzt wurde. Auf der Straße war es nur in den Zeiten besser gewesen, wo ich Geld gestohlen hatte oder durch Drogendeal verdient hatte. Zögerlich suchte ich mir ein Glas, nahm mir was vom Multisaft. Dann sammelte ich mir Schüssel und Löffel zusammen und schnappte mir ein Schokomüsli, das wir früher ganz selten mal gehabt hatten. Versonnen lächelte ich, als ich damit losstapfte, lächelte ich Maddie an, passte auf, nichts zu verschütten und setzte mich dann vorsichtig zu ihr, als hätte ich Angst, alles zu verschmutzen. Als sie fragte, ob ich fernsehen wollte, dachte ich nach. Wollte ich mir den Luxus gönnen, nur um im Gefängnisalltag doch mehr zu versauern, weil ich Langeweile nicht mehr gewöhnt war? Als sie meinte, sie hätte auch Spiele und wäre aber schlecht grinste ich. "Weißt du, ich hatte so selten etwas hochwertiges in der Hand, ich kann das auch nicht. Die meiste Zeit, die ich mit eine Konsole verbracht hatte, war auf der Flucht vor ihrem Besitzer", murmelte ich, seufzte leise. "Fernsehen wäre aber erst einmal interessant. Ich habe ja lange nichts mehr von der Welt da draußen mitbekommen", meinte ich, trank genüsslich mal vernünftigen Saft, ehe ich mich über das Müsli hermachte. Bei ihrer Zapperei wurde ich fast kirre, kannte ich doch kaum noch was, weil ich schon vor der Haft mehr als selten irgendwas gesehen hatte. Bei ihrem Vorschlag hustete ich, weil ich mich fast verschluckt hätte. "Familie spielen? Warum denn das?", fragte ich, dachte zu sehr daran, wie sie die letzte Nacht in meinem Arm eingeschlafen war, wie sie mich berührt und umarmt hatte, wie sie meine Hand nahm und lächelte. "Klingt sogar ganz gut", erwiderte ich mit einem Lächeln bei ihrem freudigen Gesichtsausdruck. So ein Bad wäre der Himmel, aber erst einmal wollte ich aufessen. Und dann mal sehen.


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#60

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 05.05.2015 10:28
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Schmunzelnd senkte ich für eine Sekunde den Blick und seufzte leise. "Nur mein Vater und mein Bruder sind so, Nate. Meine Mutter ist das komplette Gegenteil und da ich die meiste Zeit bei ihr gelebt habe, bin ich auch so wie sie.", erklärte ich beschämt und wäre am liebsten im Boden versunken. Es musste für den jungen Häftling ziemlich schwer sein. Nachdenklich legte ich den Kopf schief und seufzte erneut. Was sollte ich denn jetzt nur sagen? "Wir wissen wohl beide, welche Probleme ich momentan habe.", stellte ich stattdessen trocken fest und warf dem Häftling kurz einen kühlen Blick zu. "Nicht lebensmüde? Du müsstest dir nur hier im Haus andere Klamotten suchen und könntest das Gelände ungestört verlassen.", antwortete ich shcon wieder besser gelaunt und schlug mir auf die Stirn. "Ich sollte dir vielleicht nicht alles unter die Nase reiben, oder? Am Ende flüchtest du noch wirklich und ich bin schuld.", meinte ich geschockt und sah Nate mit großen Augen an. Als es dann eh um das Essen ging, musste ich schlucken. Das Zeug in der Mensa sah schon grauenhaft aus. Als ich in der Küche geholfen hatte, war das für mich eine völlig neue Erfahrung gewesen. Immernoch bekam ich es nicht in meinen Kopf, wieso es hier nicht wenigstens etwas bessere Nahrung gab. "Deswegen bist du ja jetzt hier. Du kannst alles haben was dein Herz begehrt. Zwar habe ich jetzt sicher nicht alles hier, aber ich kann demnächst einkaufen und dich das nächste Mal anständig bekochen.", schlug ich grinsend vor und beobachtete Nathan wie er sich Geschirr zusammensuchte und sich dann ein Müsli machte. Lächelnd machte ich auf der Couch etwas mehr Platz und musste lachen. "Du bist gerade echt viel zu vorsichtig. Als wärst du ein Elefant im Porzellanladen.", stellte ich amüsiert fest und schüttelte den Kopf. Nachdem Nate mir versicherte, dass auch er kaum Erfahrungen mit Konsolen hatte, atmete ich erleichtert auf. "Zum Glück. Also keine Playstation, sondern einfach fernsehen.", beschloss ich und biss von meinem Brot ab. Als sich der junge Mann beinahe verschluckte, schlug ich ihm hilfsbereit auf den Rücken. "Ist doch schön. Papa Nate, Mama Maddie und eine kleine Prinzessin und ein kleiner Prinz. Wer weiß wie lange es bei uns beiden dauert bis wir wirklich eine echte Familie haben können. Beziehungsweise ob wir es jemals haben können."; stellte ich bedrückt fest und senkte kurz den Blick. "Also isst du jetzt schön fertig und dann gehen wir bisschen plantschen.", meinte ich zielstrebig und aß mein Brot auf. Nachdem ich einen Nachrichtensender gefunden hatte, legte ich die Fernbedienung zurück auf den Tisch. Aufmerksam verfolgte ich die Neuigkeiten und schielte immer wieder unauffällig zu Nate. Er war wirkich süß. Irgendwann erhob ich mich und steuerte die Badtür an. "Du kannst das Geschirr einfach in die Spüle stellen.", wies ich den Sträfling noch hastig an und öffnete die Tür. Kurz darauf hörte man schon das Wasser, welches in die große Badewanne einlief. Ich fügte noch reichlich Duschgel für eine gute Portion Schaum hinzu und drehte die Heizung ein wenig auf. Ich war nunmal eher weniger hier und daher waren die Heizungen immer aus. Nachdenklich sah ich mich um und durchwühlte ein bisschen den Spiegelschrank. "Was braucht so ein Kerl wie du alles im Bad?", rief ich lauthals und entschied mich vorerst einfach für Duschgel, Shampoo, Rasiergel und Rasierer. Dann legte ich Nate noch ein großes beiges Handtuch hin und betrachtete mich einen Moment im Spiegel. Dafür, dass ich eine Nacht im Knast verbracht hatte und es mir eigentlich scheiße ging, sah ich echt gut aus. Lächelnd lehnte ich mich im Türrahme an und beobachtete meinen Besucher einige Sekunden lang seelig, ehe ich wieder das Wort ergriff. "Ihr Bad ist eingelassen, eure Hoheit.", säuselte ich und machte einen Knicks.


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#61

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 08.05.2015 03:23
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Wahrscheinlich sollte ich endlich mal lernen, dass ich nicht alles beklagen sollte. Ständig war ich ja irgendwie am Zetern und am Motzen, nur weil Maddie etwas hatte, was mir verwehrt blieb. Sie war ja im Prinzip nicht Schuld daran, dass ihr Vater ihr soviel bieten konnte und es auch tat. Sie war nicht Schuld daran, dass sie eine Familie hatte, die sich um sie kümmerte, wenn auch ihre Beziehung zu ihnen leider nicht so gut war. Dass sie nun mal eben viele tolle Geschichten erzählen konnte und das Leben ganz anders kennen gelernt hatte, war doch normal. Und ich? Ich gab ihr einen Seitenhieb, nur weil sie einmal pauschalisierte, dass Väter sich ja kümmerten. Ich hatte meinen aber nun mal auch zu hassen gelernt. Es war einfach zu viel scheiße gelaufen und ich hatte es nie einfach verarbeitet und hinter mir gelassen. Immer suchte ich darin die Gründe dafür, dass es mir so schlecht ging, dass ich deshalb jetzt hier war, suchte mir da den Grund dafür meine Drogen zu nehmen. Ich war einfach wütend, dass er so verantwortungslos zugelassen hatte, dass ich auf der Straße landete. Aber nur weil es mir damit so scheiße ging, sollte ich es nicht immer wieder an Maddie ablassen. Ich schenkte ihr ein entschuldigendes Lächeln, als sie doch schon fast bedrückt klang um das zu erklären. Sie war mir keine Erklärung schuldig, nur weil ich sie dazu trieb. Ich hatte eben unüberlegt gesprochen und das einfach fortgesetzt, weil ich mich nicht selber zügelte. Bedrückt begegnete ich kurz ihrem Blick, als sie mich ermahnte, dass ich doch wusste, was für Probleme sie derzeit wirklich hatte. Ich wandte kurz den Blick ab, wich ihrem lieber aus und sah aus dem Fenster mit glasigem Blick. "Ich weiß. Tut mir leid, hab nicht nachgedacht", meinte ich etwas kurz angebunden. Ich war aber auch einfach ein Idiot. Hatte immer ihre scheiß Luxusprobleme vor Augen, über die ich mich eher freuen würde und konnte meine Klappe nicht einfach halten. Ich hatte es keineswegs böse gemeint, hatte ihre Krankheit und den harten Kampf, den sie mit sich selbst führen musste, einfach nicht bedacht Ich hoffte, dass sie den durchstand und das packte und sich nicht doch wieder selbst aufgab wie am Abend zuvor. Sie so hoffnungslos zu sehen war schon beunruhigend gewesen und echt nicht schön. Ich mochte das Selbstbewusstsein und die Stärke, die sie sonst ausstrahlte. Als sie mir sagte, wie einfach es doch wäre, verzog ich meine Lippen zu einem schmerzlichen Grinsen, musste dann aber beherzt lachen, als sie sich eine Hand vor die Stirn schlug und bemerkte, wie naiv sie mit der Tatsache eigentlich umging. "Ich komm schon klar. Meine Sorge, dass sie mich dann öffentlich suchen lassen und ich wieder hier her komme und einen noch schlechteren Stand habe, ist groß genug mich davon abzuhalten", meinte ich nachdenklich, auch wenn es wirklich ziemlich nervenaufreibend war, hier drinnen zu stehen und die Stadt im Hintergrund zu haben. "Außerdem zieh ich sicher nicht deine Sachen an", scherzte ich dann, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie wirklich Männerklamotten hier hatte. Und das bedeutete, dass ich erst einen Uniformierten niederringen musste, um hier sicher und unauffällig raus zu kommen. Nur das würde wieder auffallen und nicht gut enden. Wobei in diesem Gebäude vielleicht auch Spinde waren mit Uniformen. Das wäre das beste überhaupt. In Uniform würde niemand hinterfragen, wer da lang ging. Man würde denken, ich wäre zu Fuß auf dem Weg nach Hause oder lief Patrouille. Wehmütig seufzte ich, ertränkte meine Sehnsucht nach Freiheit einfach in dem leckeren Müsli, erinnerte mich dabei an meine Mutter, die immer gepredigt hatte, dass ich das nur ausnahmsweise bekam, weil es mir ja so schmeckte, es aber eben nicht so gesund war. Ich vermisste die Zeit, zu gerne wäre ich wieder einfach fünf Jahre alt. Es war zwar nicht mehr schön gewesen in der Zeit, weil mein Vater da schon seinen Frust an uns abgelassen hatte, aber immerhin war meine Mom noch da gewesen und hatte meine Tränen getrocknet und mich in den Schlaf gewiegt. Als sie vorschlug, mich mal zu bekochen, lächelte ich sie an. "Gerne. Erwarte aber keine Wünsche, ich weiß nicht, was ich will.. Aber.. bist du dir sicher, dass du mich einfach wieder hier her entführen darfst? So gern ich auch Zeit mit dir verbringe, wenn mir das dafür als Haftverlängerung angehängt wird, weiß ich nicht, ob sich so gut macht", meinte ich nachdenklich. Viel würden sie mir wahrscheinlich nicht anhängen. Vielleicht würden sie es sogar eher kürzen. Theoretisch waren die 5 Jahre, die ich absitzen mussten nur ganz hypotherisch und obligatorisch da für den Fall, dass ich aufgrund guter Führung ja doch in einem weiteren Verfahren entlassen werden könnte. Das haben die Staatsanwälte gut gelegt, so waren die ganzen Jury-Mitglieder, die die Todesstrafe doch eher kritisch sahen, besänftigt. Und über die paar Jahre würde man mich vergessen, man würde meine Akte verstauben lassen und wenn ich dann exekutiert war, würde man vielleicht noch einmal drauf schauen und sagen: Oh wie schade, ein weiterer Verbrecher, der seine Chancen nicht ergriffen hatte und mit den Konsequenzen gestorben war.
Bei ihrem Kommentar zu meinem Verhalten in dieser Wohneinheit grinste ich sie leicht an. "So fühl ich mich auch", erwiderte ich und versuchte ein wenig mich zu lockern, auch wenn sowas nicht mit bewussten Handlungen möglich war. Ich war es aber eben auch nicht gewohnt in so einer Umgebung zu sein, damit konnte ich nicht einfach so umgehen. Ich hatte einfach das Gefühl, nicht wirklich willkommen zu sein, weil ich so fehl am Platze war. Ich war doch unter der Würde von diesem Raum, ich war doch nicht auf Maddies Ebene. Uns trennten Welten, auch wenn wir nebeneinander saßen. Es war einfach unwirklich. Noch schlimmer war wohl aber ihre Vorstellung von einer Familie. Ich war nicht der Typ für Familie. Ich hatte selbst keine Ahnung von Kindern, wüsste nicht, wie ich was machen sollte und ich glaubte nicht, dass ich familientauglich war. Ich war ein Freigeist, wahrscheinlich würde ich nicht einmal heiraten, wenn ich könnte. Aber das würde sowieso nie der Fall sein. Zum einen, weil ich hier drinnen festsaß und hier drinnen auch sterben würde und zum anderen, selbst wenn ich hier raus kam, dann war ich immer noch auf der Straße und da wollte einen doch niemand und leisten konnte man es sich auch nicht. Aber so traurig war das nicht. Ich und eine Familie, Verantwortung, Gebundensein. Das funktionierte nicht. "Bei dir wäre es verdammt schade, wenn du keine Mom wirst. Das wird schon", meinte ich versucht aufmunternd, berührte kurz zur Bestärkung ihren Arm und lächelte sie an, hoffte einfach, dass sie mich außen vor ließ und nicht nachhakte. Wobei ich immer ausweichen konnte, dass ich einfach bindungsphobisch war und deshalb wohl eher keine Familie haben würde. Ganz sicher sagte ich ihr nicht, dass ich drauf gehen würde. Das war Tabu-Thema Nummer 1. Bei ihren nächsten Worten horchte ich auf. "Wir?", hakte ich nach, grinste sie frech an. Ich hätte ja nichts dagegen, wenn sie mit mir zusammen in die Wanne stieg, auch wenn ich nicht wüsste, wie sie das sah, wo sie doch scheinbar noch Jungfrau war und keine Erfahrung mit Männern hatte. Insofern war das ja kein Hindernis, aber sollte ich wirklich der erste sein? Wahrscheinlich keine gute Idee und was besseres hätte sie auch verdient. Oder eher wen besseres, meine Qualitäten wollte ich dann doch nicht infrage stellen. Ich schob die Gedanken lieber beiseite, wandte mich den Nachrichten zu und verfolgte es mit Spannung. Ich hatte immerhin seit über drei Monaten wirklich nichts mehr von der Außenwelt mitbekommen, da war jede Neuigkeit interessant, egal wie langweilig andere sie finden würden. Kurz sah ich ihr nach, als sie zum Badezimmer schritt, betrachtete ihren knackigen Hintern und seufzte leise, ehe ich mir Gedanken zu ihr wieder verbat und mich dem Fernseher zuwendete. Es wurde über irgendwelche Juristereifälle berichtet, was mich wieder nachdenklich stimmte. Ich hatte noch vier einhalb Jahre. In denen konnte viel passieren. Wenn ich durchhielt, vielleicht wurde die Todesstrafe abgeschafft. Es würde mir das Leben retten und gab es nicht genug Leute, die gegen die Strafe protestierten? Dennoch, ich war leider nicht so geduldig, ich war auch nicht so optimistisch. Ich würde zumindest nicht meine Hoffnung daran klammern. "Okay", murmelte ich, als sie meinte, ich könnte die Schüssel einfach in die Spüle stellen, aber wahrscheinlich war ich zu leise, als dass sie es hören könnte. Nachdem nur noch über das Wetter berichtet wurde, stand ich schließlich auf, brachte das Geschirr zur Spüle und wusch es auch gleich ab. Ich vertraute mal der Wasserverteilung, dass das Badewasser nicht sofort eiskalt wurde, und ich wollte einfach nicht, dass Maddie nur noch für mich werkelte und ich mich darauf ausruhte. Ich stellte das Geschirr zum Trocknen auf die Fläche neben der Spüle, hörte dann Maddies Rufen und zögerte. Wann hatte ich denn schon das letzte Mal gebadet. In einer Wanne, im Fluss zählte ja wohl kaum. "Ich weiß nicht. Nicht viel?", erwiderte ich für sie hörbar. Ich wusste ja nicht, was sie sowieso schon mit einplante. Im Notfall würde ich eben nachfragen. Ich begab mich dann wieder auf die Couch, machte mich mit der Fernbedienung vertraut und zappte ein wenig durch, wollte sehen, was es so im Fernsehen gab. Ich hatte nun mal lange nicht geschaut und selbst wenn, dann auch nur in Einkaufspassagen, wo irgendwelche Elektronikhändler sowas im Schaufenster ausstellten und da irgendwas lief. Dass Maddie mich beobachtete, bemerkte ich dabei nicht, erst als sie mich ansprach, hob ich den Blick, schmunzelte leicht. "Danke sehr, holde Maid", bedankte ich mich, nickte ihr dabei ehrwürdig zu und erhob mich wieder, schlenderte dann zu ihr herüber mit einem Grinsen auf den Lippen. Ich wollte zu gerne bei ihr stehen bleiben, irgendetwas sagen oder machen, zwang mich aber einfach weiter zu gehen, schenkte ihr nur ein Zwinkern. In der Tür des Badezimmers blieb ich dann aber noch einmal stehen, lugte aus der Tür und sah sie an. "Also ich hab nichts dagegen, wenn du mitkommst", bot ich ihr mit einem frechen Blick an, auch wenn ich mich im nächsten Moment innerlich selbst verfluchte. Ich sollte es ihr nicht anbieten und mir nicht einmal vorstellen. Ich sollte ihrer Schönheit nicht verfallen und sie nicht mögen. Schon gar nicht beides und ich war drauf und dran dabei. Ich riss mich schließlich von ihrem Anblick los und schob mich ins Bad, ließ die Tür hinter mir angelehnt. Zum einen, weil sie mir dann noch folgen könnte und zum anderen, weil ich es gut hassen gelernt hatte, eingesperrt zu werden. Entspannt atmete ich durch, betrachtete alles, was sie mir bereit gelegt hatte und entledigte mich schließlich meiner Sachen.


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#62

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 14.06.2015 21:00
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Lächelnd beobachtete ich den jungen Sträfling und seufzte. Er schien wirklich schneller zu reden als er überhaupt denken konnte. Doch irgendwie gefiel mir das. "Nicht schlimm. Ich kann mit Direktheit leben.", beschwichtigte ich Nate vorsichtig. "Ja, wir.", bejahte ich anschließend seine Frage und grinste frech. "Wir bedeutet du und ich.", fügte ich noch erklärend hinzu und lachte leise. Erst als ich das Bad nach einigen Minuten wieder verließ, antwortete ich Nate auch mal wieder. Jedenfalls nachdem ich ihn zuvor noch beobachtet hatte. Als er zu mir schlenderte, hatte ich kurz den Eindruck, dass er bei mir stehen bleiben würde. Innerlich spannte ich mich bereits an, doch Nate stolzierte einfach vorbei ins Bad. "Ist das so?", fragte ich nachdenklich nach und musste lachen, als seinem frechen Blick ein eher betroffener Ausdruck folgte. Dann zog der junge Mann jedoch auch schon die Tür hinter sich zu, ließ sie allerdings angelehnt. Ich zog beide Augenbrauen nach oben und blieb einige Sekunden unschlüssig stehen. Sollte ich ihm folgen? Vorsichtig trat ich näher an die Tür heran und spähte durch den Spalt. "Oh mein Gott.", entfuhr es mir dann als ich Nate's inzwischen nackten Körper zu Gesicht bekam. "Du bist verdammt nochmal der heißeste Typ, den ich jemals gesehen habe.", stellte ich ehrlich fest und strich mir eine blonde Haarsträhne hinters Ohr. In mir kribbelte es tierisch und es fühlte sich komischerweise sehr gut an. Was war nur los mit mir? Ich konnte mich doch nicht in einen Straftäter verlieben. Was er wohl verbrochen hatte? Es interessierte mich irgendwie schon, da ich Nate als eigentlich recht lieben Kerl einschätzte. Ich schluckte nervös und machte wie ferngesteuert einen Schritt ins Bad rein. Meine Augen ruhten dabei die ganze Zeit über auf seinem nackten Oberkörper. Nachdenklich schob ich mich an dem trainierten Körper vorbei und ließ mich auf dem Klodeckel nieder. "Jetzt geh mal ins Wasser bevor es kalt wird...", stotterte ich abwesend und wäre am liebsten im Erdboden versunken. Was machte ich da bloß? Normalerweise machten mich Jungs nicht so nervös. "Sorry für mein Verhalten.", fing ich dann mit roten Wangen an und senkte den Blick. "Ich war nur noch nie wirklich alleine mit einem Jungen.", gab ich zu und lächelte unsicher.


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#63

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 18.06.2015 05:58
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich war echt erleichtert, dass Maddie nicht so schwierig war, wie ich es von einer eher reichen Frau erwartet hatte. Man hörte und sah ja genug, die sehr penibel waren und feministisch für ihre Gleichberechtigung kämpften und eigentlich schon männerfeindlich darüber hinaus gingen. Maddie war da definitiv anders, eine Sorte Mensch, die mir zuvor noch nie unter gekommen war und das war schön, allerdings nicht wirklich beruhigend. Ich zweifelte noch immer daran, dass sie das alles ohne Hintergedanken tat. Jeder kämpfte für sich, andere kamen zum Schluss. Vielleicht sah sie es einfach als Spaß, Unterhaltung und Zeitvertreib, der sich toll im Lebenslauf machte. Es fiel mir einfach schwer, ihr zu vertrauen, auch wenn ich ihr vielleicht glaubte, was sie sagte. Es war irgendwie kompliziert, wie alles, was mit Frauen zu tun hatte. Dem Klischee nach. Bisher war Maddie eben einfach anders. Nicht kompliziert. Sie war irgendwie süß und herzerwärmend in ihrer aufmunternden, lockeren Art, überraschte mich immer wieder, wenn sie irgendwie frech wurde ihrem Vater oder ihrem Bruder gegenüber, die seitdem ja glaubten, dass sie was mit mir hätte, und es hatte mich irgendwie berührt, dass sie mir ihre größte Schwäche und ihre Verzweiflung dargelegt hatte und mir vertraute. Ich hatte das gar nicht verdient, die Zuwendung und ihr Vertrauen, den Luxus, den ich gerade in dieser 'Wohnung' erlebte. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte, ohne dass ich mich schlecht fühlte und ihr etwas schuldig war. Sie tat ja irgendwie viel für mich, rettete mich vor den Wachen, kümmerte sich um mich und wollte mir helfen was meine Bildung anbelangte. Und ich? Ich hatte sie eine Nacht neben mir gehabt, hatte sie im Arm gehalten bis sie schlafen konnte und das kam mir nicht wirklich ausgleichend genug vor. Vor allem, weil ich ihr immer wieder deutlich machte, wie sehr ihre Worte mich verstimmten - wenn auch nur im ersten Moment. Und sie nahm auch das einfach hin. Ich seufzte leise mit einem kleinen Schmunzeln, als sie meinte, dass sie mit Direktheit leben konnte und lächelte sie leicht an. "Ist auch besser, als sich etwas vorzumachen"; meinte ich dann, auch wenn ich mir gleich selbst in den Arsch beißen könnte, weil ich ihr vormachte, wieder heraus zu kommen, ich machte ihr vor, dass alles wieder okay werden würde, auch wenn sie mir nicht hier raus helfen könnte. Ich war wirklich nicht fair, auch wenn es nicht helfen würde, wenn ich ihr ihren Mut nahm, indem ich ihr sagte, dass ich sterben würde.
Ich schnaubte leise, als wäre ich überrascht und entrüstet, dass sie wirklich meinte, dass wir beide zusammen in die Wanne gingen. Ich bezweifelte es eigentlich doch eher. Wir kannten uns nicht lange und sie war eigentlich noch ein unschuldiges Mädchen, was ihre Erfahrungen anbelangte. Ich bezweifelte einfach, dass sie direkt mit mir in die Wanne kletterte und meinen Körper direkt erforschen wollte. Und bevor es deshalb merkwürdig zwischen uns werden würde, würde ich sie sicher nicht dazu drängen und darauf verzichten können. Lieber hatte ich sie noch ein paar Monate um mich, in denen sie sich irgendwie um mich scherte als ein paar Wochen, in denen sie vielleicht unsicher war und sich dann zurück zog, weil es ihr zu schnell ging und als erste Beziehung total untauglich war. Zumal ich für eine Beziehung total untauglich war, auch wenn ich ihr nicht fremdgehen könnte. Eine Beziehung war so verpflichtend und Vertrauenfordernd, bindend. Nichts für mich.
Und trotzdem war ich immer noch ich selbst, gab mich frech und selbstbewusst und überspielte meine ernsten Sorgen, dass sie meine Angebote wirklich annehmen könnte. Ich sollte in ihrer Gegenwart nicht immer daran denken, wie gut es mir gefallen würde, wenn sie sich auszog, mit mir in heißes Wasser glitt und sich an mich schmiegte. Ich riss mich schnell von dem Gedanken los, während ich ihr aber schon mein Begehr geäußert hatte. Auf ihr Nachhaken sagte ich lieber nicht, dass sie das gerne herausfinden durfte, brachte lieber wenigstens halbwegs die Tür zwischen uns um einen Moment in einem stummen Fluch das Gesicht zu verziehen und den Kopf zu schütteln. Warum musste sie auch nur so große Reize auf mich ausüben? Warum konnte sie nicht einfach vergeben sein, durchschnittlich aussehen und mich so direkt in die Friendzone werfen, dass ich nicht mal daran dachte, wie ihr Körper sich an meinem anfühlen würde. Mit einem leisen Seufzen entledigte ich mich endlich der ausgewaschenen, tristen und einfach erdrückenden Kleidung, räumte sie wenigstens nicht ganz schlampig zur Seite, zuckte dann leicht erschrocken zusammen, als auf einmal Maddies Stimme von der Tür erklang. Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass sie mir zum Bad folgen würde. Aber ich beruhigte mich schnell wieder. Ich musste mich nicht für meinen Körper schämen und meine Vernunft hatte sich gerade verabschiedet, da sie mir ja freiwillig gefolgt war. Bei ihrem Kompliment schenkte ich ihr ein unwiderstehliches, verruchtes Grinsen. "Vielen Dank", erwiderte ich, während ich schmunzelnd ihren Blick musterte, der auf mich geheftet war, während sie ins Bad eintrat. Ich hätte mir fast gewünscht, dass sie mich berührte, bei mir stehen blieb und... ich sollte aufhören mir weitere Vorstellungen in den Kopf zu pflanzen. Bei ihren leicht unsicheren Worten lächelte ich sie an. "Stimmt", murmelte ich, stieg dann in die Wanne und ließ mich zufrieden ins Wasser niedersinken, lehnte mich zurück und genoss einfach die Wärme und den frischen Duft. Wie lange hatte ich denn bitte schon nicht mehr gebadet? Ich musterte Maddie leicht, wie sie da saß mit rotem Kopf und gesenkten Blick, lächelte sie an bei ihrer kleinen Entschuldigung und Erklärung. "Keine Sorge, ist alles okay. Auch wenn ich mich nicht gerade als 'Jungen' bezeichnen würde", meinte ich schon fast fürsorglich, nur den letzten Teil frech, wobei ich eher entrüstet hätte sein sollen. Ich war doch nun wirklich kein Kind mehr. Ich war ein Mann, stattlich gebaut und erwachsen. Mit einem leisen Seufzen sank ich noch etwas tiefer ins Wasser hinab, schloss die Augen und lehnte meinen Kopf zurück. "Du glaubst gar nicht, wie schön das gerade ist. Ich habe keine Badewanne mehr gesehen, seit ich von zuhause abgehauen bin. Und genutzt habe ich sie da eigentlich nie. Warmes Wasser war eine Glückssache und sie war oft versifft mit alten Zigaretten oder sonstigem Mist", brummelte ich leise. "Und hier fühle ich mich auch ständig dreckig. Auch wenn man duschen kann. Es ist eben was anderes", murmelte ich weiter. Ich entspannte mich gerade zum ersten mal seit langem. Besonders dafür, dass jemand daneben saß, war das erstaunlich. Sonst war entspannen einfach nie möglich gewesen. Die Betten unbequem, die Atmosphäre immer angespannt und überwacht. Kein Ausschlafen, kein Selbstbestimmen. Überall Testosteron gefüllte Mistkerle. Stressige Essenszeiten, stressige Duschzeiten, kaum Freizeit und die sowieso nie draußen verbringen, immer zusehen den Erzfeinden aus dem Weg zu gehen und den Wachen alles rechtmachen. Und das, wenn man Freiheit gewohnt war. "Du glaubst gar nicht, wie grausam das ist, immer eingepfercht zu sein", seufzte ich leise. Ich gönnte es jedem, der wirklich Mist gebaut hatte, einem Mörder, Vergewaltiger, Schläger, Wiederholungstäter. Aber ich wusste, dass ich hier war ohne etwas getan zu haben und das machte es unerträglich.


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#64

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 09.07.2015 19:07
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Hin und wieder überkam mich ja doch die Frage, was Nathan nun eigentlich genau von mir hielt und wollte. Nutzte er mich nur für seine Zwecke aus? Nachdenklich legte ich die Stirn in Falten. Ich war sehr naiv und leichtgläubig. Ich sah gut aus und war reich. Und noch dazu gehörte meinem Vater dieses Gefängnis. Ich war daher für den jungen Mann mehr als nur eine gute Partie. War ich wirklich so dumm und fiel auf ein falsches Spiel rein? Mein Bruder und auch mein Vater hatten mich vor Nate gewarnt. Nicht nur vor Nate, sondern auch vor allen anderen Inhaftierten. Nach wie vor war ich auch nicht heiß darauf, durch eine Vergewaltigung entjungfert zu werden. Hier auf diesem Gelände gab es außerdem nur eine Person, die ich am ehesten rangelassen hätte. Und diese Person lag gerade entspannt in der Badewanne. Es schien dem jungen Mann nicht unangenehm zu sein, denn er zeigte keinerlei erschrockende Reaktion auf mein Erscheinen im Bad. Lediglich etwas überrascht sah der Sträfling aus. Ich musterte Nate leicht und stellte enttäuscht fest, dass der Schaum sehr viel verdeckte. Doch vielleicht war es besser so. Ic war noch nie einem Mann sonderlich nahe gekommen, mehr als flüchtige Küsse gab es in meiner Vergangenheit nicht. Einen nackten Kerl hatte ich auch noch nie gewollt gesehen. Ich war also die Unschuld in Person, ein kleiner Engel. Und Nate? Er war dann wohl der Teufel, der mich verderben würde. Schmunzelnd räusperte ich mich leicht und beobachtete den jungen Mann weiterhin. Er schien das heiße Bad wirklich zu genießen, was mich sehr freute. Auf seinen leichten Tadel zuckte ich mit den schmalen Schultern. "Bist du etwa kein Junge?", fragte ich und deutete mit dem Kinn auf den Schaumberg, unter welchem sich sein bestes Stück verbarg. "Wie alt bist du denn?", erkundigte ich mich dann neugierig und wollte nun doch mal mehr über Nate erfahren. Aufmerksam und andächtig lauschte ich dann seinen Worten. Ich wollte für ihn da sein, ich wollte eine Bezugsperson für ihn sein. Warum auch immer, dieser Kerl hatte mich einfach in seinen Bann gezogen. "Oha. Ich bin voll die Badenixe. Meine Mum hat sich immer beschwert, weil wir so enorm viel Wasser verbraucht haben.", erzählte ich lachend. "Verstehe ich. Würde mir auch nicht gerade taugen", stellte ich leise fest und seufzte. "Ich kann es mir sicher nicht vorstellen und ehrlich gesagt will ich auch gar nicht daran denken wie es ist, eingesperrt zu sein.", beteuerte ich und erhob mich langsam. Mit vorsichtigen Bewegungen steuerte ich dann die Badewanne an und ließ mich auf dem Rand nieder. Meine Finger glitten sanft über die Wasseroberfläche und berührten hin und wieder Nate's nackte Haut. "Du kommst hier raus. Ich verspreche es dir. Auch wenn es das Letzte ist was ich tue.."


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#65

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 11.07.2015 06:28
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich machte mir wahrscheinlich ähnliche Gedanken wie sie. Ich grübelte darüber nach, ob sie mir wohl wirklich traute oder sich immer nach dem Grund fragte, weshalb ich sie angeblich gerne ja um mich hatte und all sowas. Warum ich darüber nachdachte? Weil sie sich diese Zweifel zu Herzen nehmen könnte, weil diese Zweifel normal waren und wahrscheinlich noch gut gefüttert wurden durch die Meinung ihres Vaters und ihres Bruders. Wahrscheinlich entsprach es aber der Meinung eines jeden, dass sie sich fern von mir halten sollte. Inklusive mir, nur lag es bei mir nicht daran, dass ich dachte, dass ich sie ausnutzen würde. Und wenn sie entgegen ihrer merkwürdigen selbstlosen Nächstenliebe ihrer Vernunft folgte, wäre ich schnell wieder alleine. Natürlich grübelte ich deshalb darüber, wann der Fall wohl eintreffen würde, denn ich bezweifelte eigentlich nicht wirklich, dass sie irgendwann vernünftig werden würde. Auch wenn sie gerade nicht unbedingt wie das naive Unschuldslamm aussah, wie sie da saß und mich musterte. Natürlich bemerkte ich es, aber ich hielt es nicht für nötig mich zu bedecken. Zum einen tat das der Schaum sehr großflächig, zum anderen störte ich mich auch nicht an ihren Blicken. Ich schämte mich nicht für meinen Körper, hatte auch nicht all zu viele Narben, die ich Wortesuchend erklären müsste. Von Messerstechereien oder Schießereien und deren Milieus hatte ich mich eher ferngehalten und versucht zu überleben. Nachdenklich betrachtete ich mein Tattoo auf meinem linken Unterarm, fragte mich, wie es wäre, wenn ich wirklich wie auch immer irgendwann wieder raus kommen würde. Gangs waren auch immer im Wandel und ich war gerade weg. Vielleicht war ich schon ersetzt worden, vielleicht warteten sie auf Rückkehr, auch wenn sie mitbekommen haben dürften, wie mein Urteil ausgefallen war. Und vielleicht versuchten sie mich noch aus dem Weg zu räumen, da ich ja Geheimnisse ausplaudern konnte. Über die Fädenzieher, über die Drogenlieferanten und unsere Gebiete, in denen wir dealten. Ich könnte unser Lager verpfeifen und kleinere Rückzugsorte. Oh ja, ich sollte mir wirklich genau ansehen, wenn neue Inhaftierte hier ankamen, wie sie auf mich zugingen, wie sie sich verhielten. Wobei ich mir eigentlich schon genug Feinde hatte, die auch hier ihre Strafe absaßen. Einen kleinen Teil kannte ich von der Straße, den anderen hatte ich mir hier zum Feind gemacht, oder andere hatten sie gegen mich aufgehetzt.
Als sie nachhakte, ob ich kein Junge war und mir diese deutliche Geste schenkte, lachte ich auf. "Oh keine Sorge, schon. Aber für einen 'Jungen' bin ich wohl zu alt und habe zu viel erlebt", meinte ich mit einem Schmunzeln. Dass sie direkt nachfragte, wie alt ich war, hatte ich schon fast erwartet. Und es hieß auch, dass sie wirklich nicht in die Akte geschaut hatte, sonst hätte sie es gewusst. Wobei sie das Interesse natürlich auch heucheln konnte, aber irgendwie glaubte ich das nicht. "Zweiundzwanzig", antwortete ich schlicht, aber mit einem Lächeln, runzelte leicht die Stirn. "Auch wenn ich mich manchmal ziemlich alt fühle, wenn ich so über mein Leben nachdenke", setzte ich hinzu. Übers Leben nachdenken war aber nie eine gute Idee, es war ja alles einfach irgendwie ein riesiges Mysterium, das ziemlich schlecht lief und am Ende fühlte ich mich nur noch schlechter. Ich schmunzelte leicht mit entspannt geschlossenen Augen über ihre Erzählung, was ihren Wasserverbrauch betraf, stellte mir vor, wie ein kleines süßes blondes Mädchen die Lehne der Badewanne runterrutschte, viel Wasser verschüttete und immer wieder frisches heißes Wasser nachlaufen ließ und so mindestens 2 Stunden im Wasser verbrachte, brummte leise als kleines Zeichen der Reaktion, um zu zeigen, dass ich zugehört hatte, auch wenn ich nichts dazu sagen konnte. Ich öffnete meine Augen wieder, als sie sagte, dass sie es sich nicht wirklich vorstellen konnte, wie es wäre, so eingesperrt zu sein. Es entlockte mir ein sanftes Lächeln, weil ich es mehr als gut fand, dass sie nicht mit falschem Verständnis davon redete. Nichts war schlimmer als ein 'Ich versteh das', wenn man gar nichts darüber wusste. Mit einem leicht fragenden Blick beobachtete ich sie, wie sie aufstand, fragte mich, ob sie sich jetzt doch gehen wollte, doch sie setzte sich zu mir auf den Rand. Mit leicht in den Nacken gelegtem Kopf sah ich sie an, genoss stillschweigend die kleinen, zufällig wirkenden Berührungen. Leichte Sorge stahl sich auf mein Gesicht bei ihren Worten. Mit einem leisen Seufzen zog ich den Arm aus der Wanne, strich mit den nassen Fingern sachte über ihren Unterarm, ehe ich kurzzeitig ihre Hand hielt und sie ernst ansah. "Du kümmerst dich erst einmal um dich selbst und wirst nicht zu viel für mich aufs Spiel setzen, okay?", meinte ich dann nachdrücklich. Sie sollte sich nicht für mich opfern. Ihre Gesundheit ging vor, ich hatte wahrscheinlich mehr Zeit.


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#66

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 12.07.2015 21:24
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Schmunzelnd sah ich Nate von oben herab an und lachte etwas. "Dann bist du eben ein Mann.", verbesserte ich mich amüsiert und wartete seine Antwort ab. Dachte er etwa, ich wusste bereits alles über ihn? Nach wie vor hatte ich keine einzige Akte hier angehört, auch nicht seine. Obwohl mich vor allem Nate sehr interessierte, wollte ich mir selbst ein Bild machen und nicht vorschnell urteilen. Als die Antwort des jungen Mannes endlich kam, zog ich leicht schockiert eine Augenbraue nach oben. "22? Schon so alt?", fragte ich scherzend und nickte etwas. "Nicht schlecht. Dann bist du ja schon in sämtlichen Ländern volljährig.", stellte ich grinsend fest. "Du kannst dich auch ruhig alt fühlen, Opa.", fügte ich noch frech hinzu. Meine zufälligen Berührungen schien der Häftling zu genießen und als ich kurz die Augen schloss, spürte ich plötzlich warme Wasserstropfen und Fingerspitzen auf meinem Unterarm. Als Nate dann nach meiner Hand griff, schlug ich erschrocken die Augen wieder und rutschte zeitgleich auf ihn ins Wasser. Ich stieß einen leisen Schrei aus und sah entgeistert an mir herunter. Stöhnend rollte ich mit den Augen und seufzte deprimiert. Meine gesamte Kleidung war nass und der Boden im Bad sah nicht viel besser aus. Auf seine Bitte hin nickte ich nur perplex. Scheu verschränkte ich die Arme vor der Brust, da mein Shirt durch die Nässe durchsichtig geworden war und den zartrosanen Spitzenbh sichtbar machte. Ich fühlte mich sichtlich unwohl in dieser Situation, rührte aber dennoch keinen Muskel. Ich saß mit meinem Hintern knapp über seinem Intimbereich und konnte etwas spüren, was ich eigentlich lieber nicht spüren wollte. Mit einem unschuldigen Blick sah ich den jungen Mann unter mir einfach nur schweigend an und wartete verzweifelt auf eine Reaktion seinerseits. Von mir konnte Nate jedenfalls nichts erwarten. Ich saß hier gerade zum ersten Mal auf einem komplett nackten Mann. Noch dazu in der Badewanne. Zwar war ich angezogen, aber das half mir gerade nicht viel. "Ähhhm...", fing ich irgendwann doch leise an und meine Stimme überschlug sich. Daher hustete ich kurz und schluckte die Anspannung hinunter. "Wie du siehst, haust du mich einfach nur um.", gab ich dann doch lachend von mir und klang dabei wohl ziemlich danach, als würde ich mit dem jungen Mann flirten wollen. Langsam richtete ich mich dann in der Badewanne auf, was gar nicht so leicht war, denn Nate nahm mit seiner Größe und Breite beinahe jeden Zentimeter Platz weg. Ich geriet also ins Stolpern und landete ein weiteres Mal auf ihm. Das Wasser spritzte über den Rand hinaus und ich konnte mich gerade noch links und rechts von seinem Kopf mit meinen Händen abstützen, um nicht ganz auf den armen Kerl zu fliegen. Meine Lippen waren dabei nur wenige Millimeter von seinen entfernt. In einer Schockstarre drehte ich den Kopf ein wenig zur Seite und gab dem Widerstand meiner Arme langsam nach, bis ich ganz auf dem Sträfling lag. Was tat ich da eigentlich? Falls das mein Vater oder mein Bruder sehen würde...Andächtig lauschte ich jedoch dann Nate's Herzschlag, der etwas unregelmäßig war. "Mache ich dich nervös?", flüsterte ich leise an seine Brust und beobachtete die zuckenden Muskeln. Wahrscheinlich würde es der junge Mann nicht mehr lange aushalten und mich einfach vergewaltigen. Sicher hatte er nämlich schon lange keinen Sex mehr gehabt und die Nähe meiner Wenigkeit war für seine Triebe noch dazu wohl echt förderlich.


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#67

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 13.07.2015 00:41
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

"Besser", bestätigte ich mit einem Nicken und schmunzelte leicht. Es waren manchmal Kleinigkeiten, die einem doch wichtig waren. Wenn sie mich als Jungen bezeichnete, würde ich mich fühlen, als würde sie mich als naiven schwachen Schlaks bezeichnen. Selbst ein paar Worte konnten einem Ego schaden. Zumindest wenn man auf eine Meinung wert legte - auch wenn das jetzt natürlich nicht bedeuten sollte, dass ihre Worte mich wirklich verletzten oder beeinflussten. Okay, ich hatte versucht mich zu ändern, als sie es vorgeschlagen hatte, versuchte mich an erneuter Schule, weil sie es für gut befunden hatte. Ich hörte eindeutig zu viel auf sie. Vielleicht war ich doch nur ein Junge. Oder eben auch nicht. Ihr leicht geschockter Blick und ihre Worte waren ja fast verletzend, wären sie nicht so ironisch gewesen. Ihrer Feststellung plichtete ich mit einem Seufzen bei. "Ja. Sonst würde ich wahrscheinlich auch nicht hier sitzen, sondern mein Leben im Jugendknast versüßt bekommen", brummelte ich, bemerkte erst dann, dass es mal wieder sehr unschicklich war, was ich so von mir gab in Gegenwart eines Mädchens, die doch so unschuldig war und sowas vielleicht nicht in ihrem Umgang haben wollte. "Opa..:", wiederholte ich spöttisch und schnaubte entrüstet. "Na du hast Nerven", meinte ich dann mit einem Grinsen, musterte sie aber mit Sorge. Sie hatte nur Nerven, was mich und alles andere beinhaltete, nur stellte sie sich selbst total zurück. Ihre Hand hatte ich eigentlich genommen um meinen Worten nur etwas sanften Nachdruck zu verleihen. Scheinbar hatte ich sie damit nur ziemlich schockiert. Ich zog meine Hand zurück, weil sie zusammenzuckte, aber da rutschte sie auch schon. Ich konnte sie weder stützen noch irgendwas sagen, sah mir einfach ein wenig erschrocken an, wie sie mir wortwörtlich in den Schoß fiel, zuckte bei ihrem kleinen Schrei zusammen. Dennoch nickte sie, scheinbar wie als Antwort, und sprang auch nicht gleich wieder auf und rannte weg. Ich hatte aber weniger Blick für ihre stille Antwort, konnte mich nicht aufhalten meinen Blick kurz über sie wandern zu lassen. Dadurch dass ihr Shirt so nass war, war es so gut wie durchsichtig geworden. Natürlich hefteten sich meine Augen auch auf ihren feinen BH, der zu sehen wurde. Als ich merkte und sah, wie sie ihre Arme hob, räusperte ich mich leicht, atmete einmal unauffällig durch und wandte meinen Blick leicht ab, als ich ihren Blick bemerkte, der stark danach aussah, dass sie sich nicht wohl fühlte. Wirklich viel mehr konnte ich auch nicht tun. "Tut mir leid. Ich wollte dich nicht erschrecken", murmelte ich leise, war ein wenig angespannt, weil ich nicht wusste, was ich machen sollte. Dennoch musste ich ebenfalls lachen, als ihre Stimme sich etwas überschlug und sie die kleine Peinlichkeit mit dem Spruch wieder wettmachte. Ich bedachte sie mit einem sorgsamen Blick,als sie versuchte wieder aufzustehen. Ich sah das erste Taumeln, versuchte ihr irgendwie eine Hand zur Hilfe zu reichen. "Vorsicht", sagte ich noch, aber da fiel sie schon wieder der Länge nach auf mich. Ich schnappte leicht nach Luft, ehe ich auf einmal direkt in ihre Augen blickte. Mein Verstand fing an ein wenig auszusetzen, mein Herz spielte ein bisschen verrückt, während ich das Gefühl hatte, kaum atmen zu können, was nun definitiv nicht von ihrem Gewicht kam, sondern eher von ihrer Nähe, ihrem zarten Duft, ihren strahlend blauen Augen, die ihn in ihren Bann zogen und nicht zuletzt von ihren Lippen, die nur wenige Millimeter von ihm entfernt waren. Wie leicht es wäre, den Abstand zu überbrücken und sie zu küssen, aber das wäre eine dumme, eine wirklich dumme Idee. Sie brach diesen Moment schließlich , als sie den Kopf leicht zur Seite drehte. Nun wieder mehr atmend schloss ich kurz die Augen, ehe ich auch schon merkte, wie sie auf mich hinabsank. Ich versteifte mich ein wenig, mein Herz klopfte immer noch wild, während sämtliche Szenarien vor meinen inneren Augen abliefen. Ein wenig unsicher, was ich tun sollte, schob ich meine Arme auf den Badewannenrand. Wahrscheinlich hätte ich sonst meine Hände an ihre Taille gelegt und ich schätzte, dass es irgendwie zu viel wäre, weil sie schon gezuckt hatte, nur weil ich ihre Finger in meine genommen hatte. Bei ihrer Frage fühlte ich, wie kurz Hitze in mein Gesicht schoss, ehe ich meine Aufregung versuchte zu verdrängen. Die würde sie aber sowieso eher spüren als an dem kurzen Moment sehen. "Vielleicht ein wenig", meinte ich, versuchte mich an einem lockeren Lächeln, aber ich konnte mich und sie nicht belügen. Diese Nähe zu einem Mädchen hatte ich lange nicht mehr gehabt und sie war wirklich hübsch. Trotz der störenden Kleidung fühlte ich ihren Körper an mir, konnte nicht aufhören darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn sie so auf mir lag ohne Kleidung und das brachte Erregung mit sich. Und tatsächlich war es mir unangenehm, weil ich wusste, dass sie ein Unschuldslamm war und ich nicht einschätzen konnte, wie sehr bedrängt sie sich fühlte. Und mehr als sie nicht anfassen konnte ich eben nicht und das war schon schwer genug.


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#68

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 14.07.2015 15:43
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Anscheinend gefiel Nate meine Verbesserung, denn er kommentierte sie zufrieden mit einem knappen Wort, einem Nicken und einem Schmunzeln. Ich zog die Augenbrauen amüsiert etwas nach oben und legte den Kopf für einen Moment in den Nacken. Doch dann war ich auch schon auf den jungen Mann geplumst und saß überrascht plötzlich auf ihm im Wasser. Auch Nate konnte gar nicht so schnell reagieren und zuckte nur kurz zusammen. Sein Blick entging mir eindeutig nicht, weswegen ich ja auch die Arme vor der Brust verschränkte. "Hättest du wohl gerne, junger Mann.", tadelte ich den jungen Mann unter mir mit Schmollmund. "Du hast mich nicht erschreckt. Also doch schon, aber es ist nicht schlimm!", versicherte ich ihm hastig und schenkte Nate ein aufrichtiges Lächeln. Dann kam aber auch schon mein zaghafter Versuch, die Badewanne zu verlassen. Dieser scheiterte jedoch kläglich und binnen Sekunden befand ich mich in einer noch weniger passenden Lage. Als ich die Augen öffnete, hatte ich direkt vor mir ein männliches Gesicht. "Oups.", murmelte ich leise und biss mir beschämt auf die Unterlippe. Was war nur heute mit mir los? Ich erinnerte mich daran, das Atmen nicht zu vergessen und ließ meine blauen Augen unauffällig über das Gesicht wandern. Ich war kurz davor, den jungen Mann einfach zu küssen. Wieso auch immer. Doch im letzten Moment drehte ich den Kopf zur Seite und spürte, wie Nate sich unter mir anspannte. "Bin ich zu schwer?", nuschelte ich undeutlich und beobachtete, wie seine Arme sich bewegten. Ich rechnete fest damit, dass er sie um mich legen würde, wurde aber bitter enttäuscht. Ich stieß einen kleinen Seufzer aus, als die kräftigen Arme auf den Rändern der Badewanne landeten. Meine Frage schien Nate zusätzlich zu verunsichern. "Ein wenig nur?", wiederholte ich seine Antwort und musste hämisch lachen. "Tut mir leid, aber ich glaube, dass ist mehr als nur ein wenig.", stellte ich trocken fest. "Mach dich nicht verrückt, Nate.", warnte ich den jungen Mann vorsichtig und fuhr mit den Fingerspitzen seine muskulöse Brust nach. Was redete ich denn da? Eigentlich war ja eher ich diejenige, die Nate gerade um den Verstand brachte. Zweifelnd kaute ich auf meiner Unterlippe und lauschte seinem Herzschlag. Noch einige Minuten verweilte ich schweigend in dieser Position, ehe ich ihm einen leichten Kuss auf die Brust drückte und dieses Mal die Badewanne tatsächlich verlassen konnte. Grummelnd sah ich an mir herunter. "Du hast mich nass gemacht.", stellte ich beleidigt fest und zwinkerte Nate zu. Böse gemeint war diese Feststellung nicht. Zum Glück hatte ich einige Wechselklamotten hier. Misstrauisch immer wieder in seine Richtung blickend, schälte ich mich also zuerst aus Oberteil und Hose und anschließend auch aus meiner Unterwäsche. "Tu mir einen Gefallen. Wenn du schon schaust, dann bitte unauffällig.", rief ich lachend in seine Richtung und griff eilig nach einem großen Handtuch, welches ich mir um den Körper wickelte. Mit einem zweiten Handtuch trocknete ich den Boden ab, ehe ich nach meinen nassen Sachen griff und sie ins Waschbecken warf. "Shampoo, Duschgel und so ist da. In der Kommode neben der Badewanne sind ganz oben Einwegrasierer, falls du einen brauchst.", murmelte ich noch schnell und wankte dann mit weichen Knien aus dem Bad. Was war das denn bitte eben gewesen? Ich konnte mich doch nicht auf einen Verbrecher einlassen. Zwar hatte ich noch keine Erfahrungen mit Männer, aber Verliebtheit kam mir dann doch bekannt vor. Ich war doch nicht dabei, mich in den jungen Mann zu verlieben? Nachdenklich trocknete ich mich ab, schlüpfte in dunkelblaue Shorts und in ein weißes Top und widmete mich dann meinen Haaren, welche zum Glück nicht allzu nass waren.


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#69

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 15.07.2015 23:36
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich genoss die Momente, die ich gerade mit Maddie verbringen konnte. Eigentlich war es mir gar nicht vergönnt, ich müsste in meiner Zelle hängen und vor mich hin gammeln oder irgendeine Arbeit oder Therapie machen um nicht zu versauern. Das hier war um einiges besser. Wer genoss sonst schon so einen Luxus in einem Gefängnis. Wahrscheinlich rettete es mir aber auch irgendwie den Hintern, ich wäre nach der ersten Prügelei sonst wahrscheinlich vollends abgestürzt, weil sich da wirklich viele gegen mich gewendet hatten Und das würden sie wieder tun, wenn sie wüssten, dass es Maddie nicht mehr kümmern würde und sie somit sicherer vorm Direktor waren. Vorerst behielten sie ihre dreckigen Finger und Worte bei sich, hassten mich im Stillen und beneideten mich gleichermaßen. Und ich war wenigstens dankbar und entspannte mich, auch wenn ich trotzdem das Gefühl hatte, zu undankbar zu wirken, weil ich mich über Nichtigkeiten aufregte, wenn das Gesprächsthema Familie fiel. Aber das war so unerheblich, dass ich das Thema einfach beiseite schob. Es war mein wunder Punkt und ich musste nicht selbst darin herumstochern. Leise seufzte ich, fragte mich wie ich nach all dem Mist, den ich verbockt hatte, dieses Bad verdient hatte, auch wenn es vielleicht einfach ausgleichende Gerechtigkeit war für meine Wochen im Knast, die ich zu unrecht absaß. Zu gerne würde ich hier raus kommen, wollte einfach nur weg von hier und ras aus diesem Bundesstaat. In anderen würde nicht so schnell verfolgt werden und unter Beobachtung stehen. Eigentlich sollte ich mir einfach eine neue Identität anlegen und auf Nimmerwiedersehen irgendwohin abhauen. Vielleicht nach Europa, wenn ich denn nur das Geld hätte.
Die Sorgen verlegte ich aber lieber auf später, wenn ich wieder einsame Stunden in meiner Zelle verbringen musste. Momentan war es viel interessanter, wie sie so ungalant in die Wanne platschte und versuchte sich zu verbergen, weil mein Blick natürlich auf ihren Körper fiel. Bei ihrem Tadel grinste ich sie verschmitzt an. "Da hast du recht", meinte ich, immerhin hätte ich das wirklich gerne. Sie halbnackt oder lieber ganz nackt ganz nahe bei mir. Aber genau so würde ich es auch niemals erzwingen. Maddie war ein gutes Mädchen und ich wollte sie weder verderben noch wollte ich ihr wehtun. Ich würde also schön meine Finger von ihr lassen ... oder es eben zumindest versuchen. "Gut..", sagte ich nur leise, als sie mir zusicherte, dass ich sie nicht wirklich so schlimm erschreckt hatte. Wobei dann immer noch die Frage aufkam, warum sie so gezuckt hatte, wenn nicht wegen meiner Berührung. Ihr leises 'Oups', welches sie schon fast an meine Lippen wisperte, weckte in mir das Bedürfnis, sie endlich zu küssen. Nur mühsam hielt ich mich zurück, entspannte mich aber erst, als sie ihr Gesicht abwandte. Bei ihrer Frage dann lachte ich auf. "Nein, auf keinen Fall", meinte ich aufrichtig, wenn auch belustigt. Nur weil ich angespannt war, war sie doch noch lange nicht schwer. Die Nähe zu ihr war schwer für mich, weil ich einfach zu lange keine Frau mehr berührt hatte und Maddie wirklich verdammt hübsch war.Mit einem leichten Stirnrunzeln nahm ich ihr Seufzen zur Kenntnis, als ich die Arme auf den Rand legte. Tja, da dachte ich, das eine wäre okay und es war zu viel und dann dachte ich, etwas anderes wäre das auch und sie war enttäuscht, weil ich es dann ließ? Es versteh mal einer die Frauen. Ich musste ebenfalls auflachen, als sie darüber lachte, dass ich untertrieb. Wir wussten es doch beide, wie schön. Es machte mich nämlich wirklich kirre. Als sie anfing, ihre Finger über meine Brust wandern zu lassen, nahm ich einen tiefen Luftzug, schüttelte leicht den Kopf. "Ich mach mich nicht verrückt. Du machst mich verrückt", betonte ich, schloss aber wieder die Augen und genoss die Zuwendung, auch wenn es meine Nerven ein wenig aufrieb, weil ich sie nackt vor meinem inneren Auge sah. Der Kuss, den sie mir auf die Brust hauchte, überraschte mich dann doch sehr, hob den Kopf wieder leicht und sah sie an, beobachtete, wie sie sich, triefend vor Wasser, erhob und aus der Wanne kletterte ohne sich den Hals zu brechen. "Oh ja, ich bin schuld. Kannst mich ja dafür ins Gefängnis sperren", meinte ich ironisch, musterte dann, wie sich ihre nasse Kleidung an ihren Körper klebte, ehe sie begann sich dieser zu entledigen. Ihre Blicke störten mich gar nicht und hielten mich auch nicht ein Stück ab. Als sie Anstalten machte, die Unterwäsche auszuziehen, versuchte ich, den Blick abzuwenden, doch eigentlich drehte ich nur minimal den Kopf zurück und musterte sie immer noch aus dem Augenwinkel. Als sie mich wieder tadelte, lachte ich verlegen. "Tut mir leid. Das ist nicht so leicht"; meinte ich unbekümmert, blickte enttäuscht drein, als sie sich in das große Handtuch schlang. Ich beobachtete, wie sie sich ein wenig um das Chaos kümmerte, nickte dann bei ihren Worten. "Danke", lächelte ich, sah ihr schon fast besorgt hinterher, weil sie nicht so fest auf den Beinen wirkte. Mit einem leisen Seufzen machte ich mich schließlich daran, mein schönes Bad zu beenden, aber so langsam wurde es auch kühl. Ich wusch meine Haar noch einmal richtig, spülte mich ab und kletterte schließlich auch tiefenentspannt aus der Wanne. Ich ließ mir Zeit mit dem Abtrocknen, ehe ich mich leider wieder in meine Gefängnissachen werfen musste. Sofort fühlte ich mich wieder um einiges schlechter. Ein klein wenig missmutig tappte ich aus dem Bad, suchte wieder nach Maddie. Im Türrahmen blieb ich stehen, lehnte mich mit entspannt verschränkten Armen an den Rahmen und beobachtete sie, wie sie ihr Haar ein wenig entklettete und in Form brachte, lächelte dabei sanft vor mich hin und bewunderte einfach ihre Schönheit und wie süß sie bei all ihrer charakterlichen Stärke war.


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#70

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 17.07.2015 12:11
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Zunächst bemerkte ich es gar nicht, dass ich beobachtet wurde. Wie denn auch? Ich stand mit dem Rücken zur Wand und konzentrierte mich voll und ganz auf meine geliebten blonden Haare. Erst als ich leise Geräusche wahrnahm, drehte ich mich langsam um und strahlte Nate dann zufrieden an. Er sah gleich ganz anders aus, auch wenn er nun wieder die triste Gefängniskleidung trug. "Und wie fühlt es sich an, endlich mal wieder gebadet zu haben?", fragte ich lächelnd und griff nach meinem Handy. Entgeisterung machte sich auf meinem Gesicht breit. "Schlechte Neuigkeiten. Ich fahre mit meinem Studiengang am Montag, also morgen, für fünf Tage weg.", berichtete ich Nate dann in Kurzform von der Nachricht, die mir eine Studienkollegin eben gesendet hatte. "Also werde ich dich erst wieder Freitag oder vielleicht auch erst am Samstag mit meiner Anwesenheit beglücken können.", fügte ich hinzu und lächelte den jungen Mann wehleidig an. Das kam mir gerade recht. Als hätte ich nichts besseres zu tun. Ich seufzte leise und zuckte mit den Schultern. Was sollte ich machen? Diese Fahrten waren Pflicht und wenn ich daran nicht teilnahm, hatte das negative Folgen, welche ich vermeiden wollte. "Ich denke, ich muss dich jetzt irgendwo abliefern. Was ist denn jetzt um die Zeit? Mittagessen, oder?", fragte ich und schnappte mir mein Zeug. "Tut mir echt leid. Ist echt scheiße, dass ich einen Tag vorher davon erfahre. Jetzt muss ich noch zur Bank, dann zum Drogeriemarkt, dann darf ich noch packen..", stellte ich stöhnend fest. "Du magst nicht zufällig an meiner Stelle diese Reise antreten? Ich übernehme in der Zeit deinen Platz hier.", schlug ich scherzend vor. Natürlich war mir klar, dass dieser Vorschlag in der Realität unmöglich war. Doch etwas Spaß musste sein. "Hast du alles?", erkundigte ich mich bei Nate und steuerte die Tür an, welche ich kurz darauf öffnete. Vorsichtig sah ich links und rechts den Gang entlang. Niemand da. "Beeil dich. Es sollte niemand mitbekommen, dass wir zusammen hier mein kleines Reich verlassen.", rief ich Nate zu und schloss anschließend die Tür hinter ihm ab. "Und ein kleiner Tipp: Brüste dich nicht mit dem hier und schweige einfach darüber. Kommt bei niemanden gut an. Weder bei den anderen Gefangenen, noch bei den Wärtern. Und ich würde dann auch Ärger bekommen.", riet ich Nate leise und schlenderte dann gemütlich neben ihm her zur Mensa. Vor dem Gebäude blieb ich stehen. "Also ich muss dann mal. Bleib anständig.", verabschiedete ich mich lächelnd und kam ihm näher. Dann stellte ich mich auf Zehenspitzen, legte die Arme um seinen Hals und drückte ihm einen sanften Kuss auf die Wange. "Ich komme, sobald ich kann. Versprochen.", versicherte ich dem jungen Mann noch und lief dann mit zügigen Schritten über das Gelände, um kurz darauf in mein Auto zu steigen und die Heimreise anzutreten. Nur zu gerne wäre ich weiterhin bei dem Sträfling geblieben, da er mir sehr ans Herz gewachsen war.


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#71

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 20.07.2015 04:05
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Als Maddie mich so anstrahlte, stahl sich unbemerkt ein kleines Lächeln auf mein Gesicht. Wie könnte man bei ihrem Anblick aber auch verdrossen aussehen und Frust mit sich herumtragen. Ihr Lächeln war einfach herzerwärmend, ihre Art im allgemeinen erweichte doch wirklich jeden noch so harten Kerl. Und so hart war ich dann noch nicht mal. Also schmolz ich einfach bei ihren leuchtenden blauen Augen, auch wenn ich es nicht so zeigte. Wenn ich könnte, würde ich sie wahrscheinlich einfach entführen und sie bei mir halten, damit sie einfach meinen Tag versüßen konnte. Wobei sie natürlich dann wieder unfreiwillig da wäre und wohl eher beleidigt oder angesäuert in der Ecke hocken würde. Zumal ich sie nie meinen Verhältnissen aussetzen würde. Schon gar nicht, weil es ihre Gesundheit aufs Spiel setzte. "Ich fühl mich fast wie neu geboren", schmunzelte ich dann, auch wenn ich lieber nicht erwähnte, wie kalt und bedrückend nur meine Kleidung schon wieder auf mich wirkte. Aber den kleinen eher missmutigen Ausdruck bekam sie scheinbar gar nicht mehr mit, da sie auf ihr blinkendes Handy schaute. Ihr Gesichtsausdruck verunsicherte mich und im nächsten Moment tat ich alles, um meine Fassade aufrecht zu erhalten. Es könnte doch nicht besser sein. Einen Wächter verletzt und gegen mich aufgebracht und fast direkt verschwand Maddie. Das war mein Todesurteil. Also ein verfrühtes. "Ist doch gut, wohin geht's? Ich werde schon klar kommen"; meinte ich, versuchsweise mal fast optimistisch, auch wenn es tief in mir ganz anders aussah. Ich sollte meine Todesängste aufgeben. Sie durften mich nicht töten, das wäre zu auffällig und strafrechtlich mehr verfolgbar als ein paar 'Hirngespinste und Kratzer aus Prügeleien', wie sie die Folterspuren gerne vertuschten. Ihr wehleidiges Lächeln brachte mich doch fast dazu, wieder weich zu werden. Manchmal war es schlimmer Mitleid zu bekommen, weil man dann erst recht verzweifelte, als wenn sie es einfach so hinstellte. Aber ich hielt mich einfach mal tapfer und sagte mir, dass ich es schon überstehen würde. Bei ihren folgenden Worten seufzte ich leise. "Ja... und du hast nicht mitgekocht. Wehe es schmeckt nicht", warf ich ihr ironisch vor, beobachtete, wie sie schon fast ein wenig hektisch ihre Sachen zusammen suchte. "Entspann dich doch. Es ist noch früh.. Und wahrscheinlich musst du eher zur Tankstelle oder haben Drogeriemärkte sonntags auf?", meinte ich schmunzelnd. "Und ich würde wirklich gerne fahren... wenn du deine Noten alle versaut haben möchtest und hier drinnen mit dem ganzen Männersaustall klar kommst..." Ich zuckte mit den Schultern. Ich würde wirklich gerne wieder raus, warf einen sehnsüchtigen Blick aus dem Wohnzimmerfenster auf die Brücke, die über den Fluss in die Freiheit führte. Nur eine Kontrolle und ich wäre weg, wenn es denn so einfach wäre. Direkt hinter diesem einen Kontrolleurhäuschen mit dem einen großen Tor war ja das Überleben um so einiges schwieriger. Bewacht von Schützentürmen, Stolperfallen, Bewegungssensoren. Hunde, die wirklich scharf darauf waren, Menschen zu Boden zu reißen, Stacheldraht an hohen Mauern. "Ich habe doch gar nichts", seufzte ich leise. Ich konnte mich nicht mit Handy und Geld zudecken und es mit ins Gefängnis nehmen. "Es sei denn du wolltest hören, dass ich das Fleischermesser aus der Küche eingesteckt habe...", meinte ich dann. Tatsächlich hatte ich nicht darüber nachgedacht, bis auf jetzt um darüber Scherze zu machen. Hätte ich das mal wirklich mitgenommen. Es wäre eine schöne Verteidigung. Nur leider auch etwas, für das ich in Isolationshaft kommen könnte oder aus Selbstverteidigung würde man mich doch aus Versehen erstechen. "Keine Sorge, ich hatte nicht vor, dass das hier bekannt wird", erwiderte ich ebenso leise und sah mich misstrauisch um, ob irgendjemand in der Nähe wäre und uns gleich in die Arme lief. ich genoss die letzten paar Minuten, die wir über den Hof schlenderten, ehe wir stehen blieben. "Ich doch immer", erwiderte ich, schlang nach einem kurzen Zögern meine Arme um sie. Ich lächelte sie seicht an, als sie meinte, dass sie bald wiederkam. "Pass auf dich auf", sagte ich noch, blickte ihr kurz nach, ehe ich die Mensa betrat. Unter Blicken, die ich ignorierte, holte ich mir ein Tablett und versuchte mich so hinzusetzen, dass ich niemandem zu nahe kam, aber auch nicht am Rande Opfer der Wächter werden könnte. Ich hatte mich da aber wohl verschätzt. Zwei breite, kräftige Hände stützen sich vor mir auf den Tisch, die eindeutig zu dem Körper in Uniform gehörten. "Na, turtelst wirklich rum mit der Kleinen, was?" Ich sah auf. Der dreckige Ton gefiel mir nicht und nur zu gut erinnerte ich mich an Maddies schnippischen Worte, dass ich Ahnung von ihr hätte, als ich sie vor dem Beamten beschützt hatte. "Vielleicht solltest du sie lieber an Mike abtreten, dann hat er vielleicht etwas Nachsicht mit dir", setzte der Typ selbstgefällig hinzu. "Mike heißt er also? Soll ich auf seinem Verband mal unterschreiben? Mit einem Stift?", ich sah den Mann vor mir provokant mit einem Grinsen an, aß dann weiter. "Oh klar. Er hat dich schon vermisst. Wo warst du denn mit der Kleinen?" - "Das geht dich gar nichts an, aber wenn du es wissen willst: Auf dem Gelände", meinte ich ein wenig respektlos. "Du hättest in deiner Zelle sein müssen.", knurrte der Typ. "Wo warst du?" - "Scheinbar nicht da, wo ihr wart", meinte ich flapsig. "Es reicht!", zischte der Typ, schlug mit der Hand auf den Tisch. "Du kannst nicht davon laufen. Versuch es gar nicht erst", knurrte er weiter. Ich zwang die letzten Bissen herunter. "Ich laufe nicht weg. Und selbst wenn. Bin ich so wichtig, dass ihr mit hinterher rennt, Groopies?", kalt musterte ich den Mann. Hach, es war doch toll, wenn man seine Klappe nicht halten konnte und sie auf kleinste Widerworte schon wütend reagierten und unter dem leichten Gelächter der Nebentische ausflippten. "Das reicht! Aus deiner Frechheit solltest du lernen. Eine Woche Isolationshaft!", schimpfte der Mann, griff nach meinem Unterarm und drehte ihn mir auf den Rücken. Ich versuchte dem schmerzhaften Druck nachzugeben ohne mich in die Schüssel zu lehnen. In Handschellen wurde ich schließlich grob abgeführt in den abgelegenen Trakt der Isolationshaft. Es war klug mich dahin zu verlegen. Niemand würde fragen. Ich dürfte weder zum Unterricht, noch zum Essen. Es hieß ja nicht umsonst Isolation.
Die Quälerei ging schon da los. Die Zellen waren von außen einsehbar und ich hatte immer mindestens zwei Arschlöcher vor der Tür stehen, die nur Mist reden konnten ohne Verstand. Ich fragte mich die ganze Zeit, was das hier bezweckte, stand eine Weile einfach starr unter dem kleinen vergitterten Fenster, ehe ich mich auf die Pritsche schmiss. "Nene Arschloch, geschlafen wird nicht. Du sollst wach bleiben, bis Mike hier ist", klärte mich einer der Typen auf. Und ich hatte ja keine Ahnung, wie lange das dauern konnte. Genau genommen saß ich den ganzen Tag rum, immerzu bewacht, beschäftigte mich nur damit die Unebenheiten der weißen Wand zu zählen. "Hat der Herr auch gesagt, wann er sich her bequemt?", grummelte ich, bekam aber nur Gelächter als Antwort. Und das hielt sich bis zur Nacht. Auch da ließ man mich nicht schlafen. Der Besuch saß inzwischen in der Zelle an dem Tisch und spielte Karten. Für ihre eigene Sicherheit musste ich natürlich Handschellen tragen. Wenigstens nicht auf dem Rücken. Müde dämmerte ich irgendwann auch schon im Sitzen ein, ehe mich eine schallende Ohrfeige traf. Fluchend rutschte ich zur Seite, starrte den Mann hasserfüllt an. "Nicht schlafen", lachte er nur. Ich sah mich also vor, nicht wieder einzuschlafen, hielt sogar den Schichtwechsel der Männer durch. Doch je öfter ich eindöste, desto härter wurden die Schläge. Am nächsten Morgen erreichte mich endlich eine Hochphase, bei der der Körper gegen die Müdigkeit aufdrehte. Ich war trotzdem unter Dauerbewachung. Tatsächlich waren sie aber fast noch fair, abgesehen von den Schlägen, die teilweise mit den Stöcken in die Nieren gingen. Ich durfte kalt duschen, ich bekam was zu trinken und mittags wirklich was zu essen. Aber das Abendbrot fehlte, das Frühstück auch. Und das ging bis Mittwoch so. Ich war über 72 Stunden wach, drei Tage durchgehend, wenn auch inzwischen mehr im Geiste schlafend als wach. Striemen der Schläge waren unter meinem Shirt schon nicht mehr nur sichtbar, wenn man es anheben würde, sondern man konnte leichte Schwellungen auch schon spüren. Mir war schon fast schwindelig vor Müdigkeit und Schmerzen, trotzdem zwang ich mein Mittagessen herunter, da ich sonst nichts bekommen würde. Ein kurzes Mal hatte ich noch Privatsphäre um die sanitären Einrichtungen zu nutzen, ehe mit einem freudigen, kalten Lachen mein wahrscheinlich größter Feind da stand, sich demonstrativ über den Verband der Hand fuhr. "Und? Irgendwas zu sagen?", fragte er. Erwartete er einen Kniefall? Sicher nicht von mir. "Nein. Ich will nur endlich schlafen", knurrte ich gereizt. "Oh das wirst du", erwiderte er kühl. "Hast du den Keller vermisst?" Ich sah ein wenig erstarrt in sein kaltes Lächeln. "Da darfst du schlafen", meinte er dann lachend, packte mich und zerrte mich hoch. Mich sträubend, stieß er mich aus der Zelle, zum hinteren Treppenhaus und die Treppe hinunter, so fest, dass ich mich nicht mehr fangen konnte. Schon gar nicht im gefesselten Zustand. Ich schlitterte die Stufen hinunter, blieb keuchend unten liegen, bekam keine Luft mehr. Erst nach wenigen Augenblicken legte sich das Gefühl wieder, auch wenn meine Seite weh tat. Ich spuckte Blut aus, das sich in meinem Mund gesammelt hatte, weil ich mich selbst so fest gebissen hatte, ehe ich auch schon auf die Beine gerissen wurde. "Na du siehst ja jetzt schon scheiße aus. Und ich dachte vorher schon, schlimmer geht's nicht", lachte Mike, stieß mich vorwärts in den hinteren Bereich des Kellers, auf eine unscheinbare Tür zu. Mein Herz zog sich zusammen, während ich den Kopf schüttelte. "Reicht es nicht?", fragte ich mürbe. "Nö. Der Spaß fängt doch jetzt erst an", meinte der Typ, nahm mir wenigstens die Handschellen ab, ehe er die Tür aufzog und mich in die Dunkelheit stieß. Wie gelähmt stand ich da, als die Tür sich schloss und das letzte Licht ausgeschlossen wurde. Es gab kein Licht. Es war die pure Schwärze. Und es war eng. Ich konnte in jede Richtung gerade so meine Arme ausstrecken. Mehr war hier nicht. Ich und enge Dunkelheit. Und es war egal, wie erwachsen ich war, wie sehr ich wusste, dass ich hier alleine war und man mich hier drin nicht noch mehr verprügelt wurde, so erfasste mich trotzdem Panik. Ich sank auf den Boden, versuchte in der stickigen warmen Luft zu atmen und nicht durchzudrehen. Lange hielt das aber nicht. Ich wusste, dass es nicht half, trotzdem schrie ich nach Hilfe, stemmte mich gegen die Tür, doch es brachte natürlich nichts. Nach gefühlten Stunden, die ich damit verbrachte, den Raum auf irgendwelche Lücken im recht weichen Wandmaterial zu finden, hatte ich die Orientierung verloren, wusste nicht mehr, wo die Tür war. Meine Finger schmerzten, meine Panik saß tief, meine Schmerzen lähmten mich und mein Kreislauf schwächelte wegen der schlechten Luft und wenig Schlaf. Ich dämmerte also weg, aber ich konnte nicht wirklich schlafen. Immer wieder schlief ich ein, nur um kurze Zeit später in Panik aufzuschrecken und mich in eine Ecke zu drücken. Ich hatte das Gefühl die Dunkelheit würde mich erdrücken. Und das Gefühl wurde nicht besser. Je länger ich hier saß, desto mehr hatte ich das Gefühl den Verstand zu verlieren, hatte Wahnvorstellungen und konnte nicht mehr einschätzen, wie spät es war oder welcher Tag überhaupt war. Und das Gefühl hielt viel zu lange an, bis ich mich schon fast verdurstet fühlte, meine Lippen spröde wurden und ich immer noch apathisch auf der Suche nach einer Lücke oder einem Luftzug, der mir etwas verraten könnte. Am Ende hatte ich aber nur noch mehr Schmerzen, meine Fingerkuppen waren aufgerissen, die Nägel zum Teil abgebrochen. Mein Kopf schmerzte, was vor allem vom Wassermangel kam und weil ich mir bei einem Nervenzusammenbruch die Seele aus dem Leib geschrieen hatte und Tränen unausweichlich gewesen waren. Und nun hatte ich einen andauernden Zustand erreicht. Erschöpft, schmerzerfüllt, verzweifelt aber einfach nur matt und apathisch, verschwitzt und dreckig hing ich zusammengekauert auf dem Boden in einem schon fast fibrigen Wahn.


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RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 06.08.2015 13:19
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Die Woche der Studienfahrt war sehr schön gewesen, auch wenn ich gedanklich die meiste Zeit bei Nate gewesen war. Es war merkwürdig, was dieser Sträfling mit mir anstellte. Desto glücklicher war ich als wir Freitagmittag die Heimreise antraten und ich spät abends zuhause ankam. Natürlich fiel ich dort erst einmal übermüdet in mein Bett, schließlich war es bekannt, dass auf Klassenfahrten jeglicher Art nie viel geschlafen wurde. Am nächsten Morgen weckte mich das Gezwitscher der Vögel und die warmen Sonnenstrahlen, die durch die Fenster in den Raum drangen. Gähnend streckte ich mich und richtete mich ausgeschlafen auf, warf einen kurzen Blick auf mein Gepäck, welches ich am Vorabend nicht mehr ausgepackt hatte, und erhob mich dann langsam, nur um leicht torkelnd in das Bad zu tapsen, wo ich mich doch noch etwas müde auszog und mir erst einmal eine kalte Dusche gönnte, denn sonst konnte man mit mir wohl nur wenig anfangen. Zurück in meinem Zimmer schlüpfte ich summend in ein lockeres Sommerkleid im Matrosenstil, wählte farblich passende Schuhe mit zehn Zentimeter Keilabsatz und nahm dann vor meinem Schminktisch Platz. Lächelnd betrachtete ich mein Spiegelbild, während ich mir die blonden Wellen kämmte. Dann pinselte ich mir die Augenringe mit etwas Concealer weg, trug großflächig transparenten Puder auf und tuschte mir dezent die Wimpern. Mehr brauchte ich heute nicht. Gut gelaunt föhnte ich mir die Haare noch ein wenig trocken, machte mir dann einen geflochtenen Zopf und griff auch schon nach der Handtasche, um den Weg zu Nate anzutreten. Ich hatte ihm versprochen, schnellstmöglich wieder zu kommen und daran hielt ich mich auch. Also eilte ich die Treppe nach unten, hechtete in die Garage und schleuderte meine Handtasche achtlos auf den Beifahrersitz, während ich auch schon das Garagentor öffnete und den Wagen anschließend die Straße Richtung Gefängnis lenkte.

Kurze Zeit später stellte ich das Auto auf dem Parkplatz ab und steuerte das kleine Häuschen an, welches die einzige Möglichkeit war, auf das Gelände zu kommen. Der Eingang bestand aus dem Haus, einem kleinen Tor für Fußgänger und einem großen Tor für die Autos, um beispielsweise Häftlinge zu transportieren. Der Portier kannte mich schon und ließ mich ohne großartig mit mir zu reden durch das Tor. Es war wohl noch viel zu früh. In meiner Handtasche hatte ich noch zwei Muffins, welche ich für Nate auf dem Weg hier her in einer Bäckerei gekauft hatte. Doch als ich fünf Minuten später bei seiner Gefängniszelle ankam und durch den Schlitz spähte, war sie leer. Argwöhnisch runzelte ich die Stirn und steuerte die Mensa an, in welcher einige Insassen schon frühstückten. Doch auch hier war weit und breit nicht der junge Mann, den ich suchte. Also steuerte ich aufgewühlt das Büro meines Vaters an, fragte ihn nach Nate. Doch er schien wirklich genauso wenig Ahnung zu haben wie ich. Also lief ich dann neben meinem Vater durch die endloslangen Gänge und lauschte den Gesprächen, welche er mit seinen Angestellten führte. Ein älterer Herr erzählte uns schließlich mit gedämpfter Stimme, dass er im Aufenthaltsort der Mitarbeiter gehört hatte, dass einige Angestellte einen jungen Mann im Kellergeschoss gefangen hielten. Das Gesicht meines Vaters wurde rot, meines verlor sämtliche Farbe. Mit großen Schritten hastete mein Vater daraufhin die kalte Steintreppe nach unten in den großen Keller, ich konnte ihm kaum mehr folgen. Hin und wieder sperrte er eine Tür auf und ich fragte mich, was hier unten wohl alles geschah. In einer Art Halle blieb er stehen und sah sich um. Es grenzten sechs Stahltüren an und nur eine davon war ganz verschlossen. Mein Vater sperrte die Tür also auf, betätigte von Aussehen den Lichtschalter und betrat schockiert den winzigen Raum. Ich sah vorsichtig an ihm vorbei und stieß einen erschrockenen Schrei aus, als ich ein zusammengekauertes Etwas auf dem Boden liegen sah. "Nate?!", schrie ich mit rauer Stimme und drängte mich an meinem Vater vorbei, fiel neben dem jungen Mann auf die Knie und starrte ihn entsetzt an. Auch mein Vater setzte sich in Bewegung, wobei er doch etwas den Kopf einziehen musste. Auf der anderen Seite des Sträflings ging er in die Hocke und musterte Nate einige Sekunden lang, ehe auch er sich zu Wort meldete. "Wie lange sind Sie hier bereits und wer ist dafür verantwortlich?", fragte er professionell, doch ich konnte ihm ansehen, dass auch er zutiefst schockiert war. "Kannst du laufen, Nate?", stotterte ich leise und starrte ihn nun bereits mit Tränen in den Augen an. Wer tat nur sowas? Und vor allem warum?


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RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 08.08.2015 02:02
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich glaubte nicht mehr wirklich daran, dass mich hier irgendjemand irgendwann wieder rausholte, aber ich konnte auch einfach nicht einschätzen, wie spät es war oder wie lange ich hier schon drin war. Ich konnte nur sagen, dass Hunger und Durst mich quälten und ich wohl in meinem Dreck versauerte, wenn ich hier noch länger saß. Starr war mein Blick ins schwarze nichts gerichtet, während ich einfach abwartete. Die Panik war inzwischen ein Dauerzustand geworden, doch weil ich ihr nicht entkommen konnte, fühlte ich mich einfach nur gelähmt. Es hatte aber auch alles nichts gebracht. Ich hatte versucht mich zu befreien, hatte versucht um Hilfe zu rufen und mich gegen die Wände zu werfen. Die Folge war wohl, dass die Schmerzen das einzige waren, was ich noch wirklich wahrnahm. Meine Finger schmerzten, waren vermutlich angeschwollen und die Fingerkuppen zerschunden, meine Schultern und Seiten schmerzten vom Versuch irgendeine nicht zu erkennende Tür aufzustemmen. Ansonsten schmerzte einfach nur mein Magen vor Hunger und meine Kehle vor Durst. Ich hörte noch meinen Atem und mein Magenknurren. Mehr konnte ich nicht wirklich wahrnehmen. Ich hatte das Gefühl blind zu sein, meine Orientierung hatte ich verloren und wenn ich mich dann doch mal bewegte, was eigentlich nur vorkam um mich irgendwie in einer Ecke zu erleichtern um wenigstens nicht völlig zu versauern, wurde mir schwindelig. Das kam durch den Reizentzug. Ich hatte nichts, womit mein Gehirn wirklich arbeiten konnte und wenn ich hier nicht bald raus kam, könnte es auch bleibende Schäden nach sich ziehen. Die Frage war nur, wann denn bald war. Ich fühlte mich wie in einer endlosen Zeitschleife gefangen, in der nichts passierte und wieder nichts passierte und wieder nichts passierte. Irgendwann glaubte ich nur, dass etwas passierte, meinte entfernt und dumpf Stimmen zu hören, sah irgendwelche Gebilde vor mir und doch irgendwie nichts. Es quälte mich, besonders wenn ich doch mal in einen unruhigen Schlaf fiel. So wirklich erholsam war es nicht und gefallen tat es mir auch nicht, aber ich konnte mich gegen die Müdigkeit von mehreren Tagen ohne richtigen Schlaf nicht wehren. Auch wenn ich nach ein paar Minuten - oder doch Stunden - immer wieder aufwachte.
Kraftlos hing ich in einer Ecke, versuchte mich wachzuhalten und die Hirngespinste abzuschütteln. Da meinte ich doch glatt, ein Klacken eines Schlosses zu hören. Vielleicht verabschiedete sich aber auch einfach mein Gehör, das zu wenig zu tun gehabt hatte. Im nächsten Moment aber ging doch die Tür auf. Ein Schwall kühler Kellerluft drang in diese Zelle und schon das Licht des Kellers blendete mich tierisch. Als dann auch noch ein Licht angemacht wurde, von dessen Existenz ich nicht mal gewusst hatte, schrie ich gequält auf, vergrub mein Gesicht in der Armbeuge und bedeckte meine tränenden Augen. Das Licht schmerzte ziemlich, war viel zu grell dafür, dass ich so ewig nichts mehr gesehen hatte. Im nächsten Moment zuckte ich wieder zusammen, hatte das Gefühl mein Trommelfell würde bersten, als Maddies Stimme erklang. Oder war es nur Wunschdenken? "Licht aus bitte! Oh Gott...", flüsterte ich stotternd mit heiserer Stimme, als ich versuchte den Arm von den Augen zu nehmen. Nur unter größten Anstrengungen konnte ich kurz meine Augen offen halten, erspähte die offen stehende Tür, als die männliche Stimme neben mir erklang. "Ich weiß es nicht", brachte ich leise hervor, versuchte mich trotz Schmerzen im ganzen Körper von so langer gekrümmter Haltung aufzurichten. Maddies Frage registrierte ich nur am Rande, stolperte einfach in blinder Panik und Sehnsucht aus dem Raum, immer noch mit gereizten Augen, stürzte außerhalb der Zelle wieder auf die Knie. Ich hatte keine Kraft mehr, zumal alles gerade einer Reizüberflutung glich und sich alles in mir drehte. Mühselig kroch ich noch ein bisschen weg von der Zelle, ehe ich mich zu Boden sinken ließ. "Wasser.. bitte,, ich brauch Wasser", murmelte ich leise, wahrscheinlich kaum verständlich, so trocken war mein Hals. Wasser war auch eigentlich nicht das einzige was ich brauchte. Ich brauchte was zu essen, ich brauchte sehr viel zu trinken, war ja eigentlich schon ziemlich dehydriert, und definitiv eine heiße Dusche und Schlaf. Ich schlief auch gerade nur nicht ein, weil mein Körper viel zu gestresst auf die neuen Reize reagierte.


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#74

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 14.08.2015 21:30
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Nate schien wohl länger kein Licht mehr gesehen zu haben, denn anders konnte ich mir diese komische Reaktion nicht vorstellen. Wieso beschlich mich gerade das düstere Gefühl, dass er über den Zeitraum meiner Abwesenheit hier unten gewesen war? Ich runzelte besorgt die Stirn und betätigte den Lichtschalter der Zelle, damit es wenigstens etwas dunkler wurde. Mein Vater nahm das ganze eher streng. "Sie wissen es nicht?", wiederholte er misstrauisch und sah kurz zu mir. Ich zuckte mit den schmalen Schultern und sah wehleidig mit an, wie der junge Mann aus dem kleinen Raum stolperte und im Flur auf den Boden fiel. Auf seine Bitte reagierte ich sofort. Zum Glück ging ich nie ohne einer Wasserflasche aus dem Haus. Hastig fischte ich die Flasche also aus meiner Handtasche und ging neben Nate in die Hocke, hielt ihm vorsichtig die bereits geöffnete Flasche an den Mund. "Trink...", murmelte ich liebevoll und strich ihm vorsichtig über den Rücken. Er sah fürchterlich aus und während mein Gesicht blass war, war das von meinem Vater rot vor Wut. Ich merkte, wie er nach seinem Handy griff und eine Kurzrufnummer wählte, mit welcher er sofort alle Angestellten erreichen konnte. "In zehn Minuten findet ein Meeting im Besprechungszimmer statt. Anwesenheit für alle abgesehen vom Putz- und Kochteam und dem Sicherheitsdienst. Die Anwesenheit wird von mir persönlich geprüft, wer nicht auftaucht, wird sofort entlassen.", gab er bekannt und ließ das Handy sinken. "Maddie, du kümmerst dich um ihn, ja?", bat er mich und ich nickte leicht. Nate sah wirklich schlecht aus und ich machte mir dementsprechend große Sorgen. Auch mein Vater schien zu merken, wie schlimm es um den jungen Mann stand. "Bring ihn ins Krankenhaus. Ich denke nicht, dass er dir Ärger machen wird.", befahl mir mein Vater dann und sah Nate warnend an, ehe er mit großen Schritten verschwand. Überrascht sah ich ihm nach und schluckte. Krankenhaus also. Das nächste war um die 20km entfernt. Sollte ich Nate wirklich dorthin bringen? Es war doch schon irgendwie gefährlich. Doch wenn mein Vater als Leiter dieser Einrichtung es so wollte, okay. "Schaffst du es zu meinem Auto?", fragte ich vorsichtig und lächelte zaghaft. "Sonst hol ich schnell jemanden vom Sicherheitsdienst. Die Wärter sind ja jetzt alle in der Besprechung...", schlug ich vor und kam langsam auf die Beine. Er tat mir so wahnsinnig leid. Vorsorglich griff ich dann doch nach meinem IPhone und rief im Krankenhaus an. "Guten Tag. Madita Ivory Chateaubriand hier.", begrüßte ich meinen Gesprächspartner freundlich und realisierte zu spät, dass der Verbrecher nun meinen vollständigen Namen kannte. Bisher war ich ihm immerhin nur als Maddie bekannt. Doch das war jetzt unwichtig. "Ich werde in etwa 45 Minuten mit einem Sträfling aus dem Gefängnis kommen. Mein Vater ist der Chef der Einrichtung und hat es mir so aufgetragen. Ich wollte Sie dennoch vorwarnen, auch wenn der junge Mann keine Gefahr darstellt.", erklärte ich hastig und legte nach einem kurzen Gespräch auf, sah fragend zu Nate.


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#75

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 15.08.2015 03:35
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Erleichtert sank ich ein wenig in mich zusammen, als Maddie das Licht ausschaltete und die Tortur ein wenig nachließ. Es hätte mir gefühlt zumindest echt die Augen zerstört, wenn ich versucht hätte, mich an das Licht zu gewöhnen. Zumindest hätte ich die Schmerzen nicht ertragen ohne wahnsinnig zu werden. Aber andererseits hätte mich vielleicht endlich einfach mein Bewusstsein verlassen. Ich hatte so lange Zeit in dieser Kiste verbracht, meine Hände waren so zerschürft und geschwollen und kaputt, dass sie nur noch aus Schmerz bestanden. Jeden Herzschlag spürte ich in den Fingern, jede Bewegung oder Berührung schmerzte. Ich hatte nichts getrunken oder gegessen in der letzten Zeit, warum war ich noch wach und konnte nicht einfach schlafend vor mich hin vegetieren. Ich versuchte mich irgendwie mit der Frage von Maddies Vater zu befassen, aber an sich war ich schon froh, dass ich ihn und sie überhaupt erkannt hatte. Meine Konzentrationsspanne war aber wirklich nicht so groß, als dass ich antworten könnte. Ich sah nur den Ausweg in den großen Raum und konnte an nichts anderes mehr denken. Und an trinken. Und Essen, egal was. Und Duschen, eine saubere Toilette und ein Bett. Ich war total am Ende. Als die rettende Flasche Wasser hervorgeholt wurde, sah ich Maddie dankbar an, trank dann die erlösende Flüssigkeit, die meine gereizte Kehle hinunterrann. Wahrscheinlich war es gut, dass sie ein wenig auf mich aufpasste. sonst hätte ich das Wasser viel zu schnell hinuntergestürzt. Mein Magen schmerzte aber dennoch, weil er auf einmal doch etwas bekam, worauf er schon so lange wartete und scheinbar verlernt hatte, damit umzugehen. "Wie.. wie spät ist es? Und.. was für ein Tag?", fragte ich schließlich, immerhin hatte ihr Vater wissen wollen, wie lange ich da drin gewesen war. "Ich war da seit Mittwoch Abend drin..", murmelte ich fahrig. Mehr wollte ich nicht sagen, schon gar nicht wer das war. Sie hatten zu viele Verbündete, sie waren zu viele, zu mächtig. Ja verdammt, ich hatte Angst. Ich wollte auch nicht sagen, wie sie vorher schon mein Essen rationiert hatten und dass sie mich wachgehalten hatten. Seit Montag hatte ich keinen erholsamen Schlaf mehr gehabt. "Ich war nicht beim Unterricht", faselte ich entschuldigend, als wäre es wichtig. "Tut mir leid." Ich drehte mich auf den Rücken, blieb einen Moment einfach liegen und hoffte, dass es mir einfach ein bisschen besser gehen konnte, Mein Hirn war maßlos überfordert mit Bewegung, Trinken und Reizen. Mir war schlecht und schwindelig geworden, zudem war die Müdigkeit jetzt, wo ich mehr oder weniger in Sicherheit war, ziemlich bleiernd. Was ein Fortschritt. Dennoch nickte ich leicht bei ihrer Frage. "Mit Sonnenbrille ja.. oder irgendwas über den Augen.." meinte ich dann, setzte mich vorsichtig auf, ohne mich abzustützen. Ich hatte wirklich bedenken, wusste ja nicht wie hell es draußen war. Strömender Regen und ein Weltuntergangshimmel wären super. Nur die beleuchteten Flure wären dann noch zu bewältigen. Ich beobachtete mehr oder minder fokussiert, wie sie ihr Handy griff, lauschte ihrer schönen Stimme. Ich verstand sogar, dass sie ihren vollen Namen nannte, versuchte ihn mir einfach mal zu merken. Nicht, dass ich etwas schlimmes damit vorhätte. Sie klang so fürsorglich und dennoch gehetzt, es erinnerte mich an früher. "Ich vermisse meine Mom", murmelte ich, abwesend in Gedanken, ehe ich versuchte mich loszureißen und vorsichtig auf die Beine kam. Mir war definitiv schlecht und schwindelig, aber noch blasser könnte ich wahrscheinlich nicht werden, weshalb ich Maddie, zumindest die zwischen den schemenhaften anderen beiden, tapfer anlächelte und vorsichtig vorwärts ging gen Rettung aus dem Keller mit kleinen Schritten, Raus kommen. Es wäre der Himmel. Ich könnte glücklich sterben. An Maddies Seite, im Auto, mit Fahrtwind. Draußen. Es wäre ein schöner Tod, schöner als das, was mich danach hier wieder erwarten würde.


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