#101

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 10.12.2016 03:11
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Anders als Maddie machte ich mir vermutlich viel mehr Sorgen um das, was die anderen dachten. Ich war immer lieber auf der Hut und konnte einfach nicht so unbeschwert in den Tag hineinleben. Ich zweifelte immer, wie andere es wohl sahen, wenn ich mit Maddie durch die Gänge ging, nahe an ihrer Seite. Immerzu kam sie in meine Zelle oder ich aus dieser wegen ihr heraus. Ein paar der Insassen, die mitbekamen, dass die Wachen mich dafür schon hassten, gönnten es mir aus Mitleid. Aber das waren die wenigsten, die auch nur wegen Banalitäten eine Weile absitzen mussten. Die sah ich allerdings auch nicht so oft, da ich in einem anderen Zellenblock saß. Und da hatte ich viele Feinde, allein schon, weil ich einer Gang angehörte, die nicht gerade den besten Ruf hatte. Nicht weil wir besonders schlimm waren, sondern eher weil wir einfach nervig waren. Man hatte keinen Respekt vor uns und das zeigten sie mir deutlich. Ich wollte auch gar nicht wissen, wie meine ärgsten Feinde sich mir gegenüber verhalten würden, wenn sie wüssten, weshalb ich hier war. Ein paar wussten, dass ich wegen versuchtem Mord einsaß, das war das, was ich auf Fragen hin nämlich gesagt hatte. Mehr würden sie nicht erfahren, zumindest nicht von mir und ich hoffte auch, dass die wenigsten Wärter etwas wussten und rumposaunen würden. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich dann nicht mehr lange zu leben hätte und wenn Maddie es wusste, wäre ich auch sicherlich wieder auf mich alleine gestellt. Keine Frau wollte mit einem Sexualstraftäter Zeit verbringen. Und da wir gerade fast im Bett gelandet waren, würde sie sich höchstwahrscheinlich auch ausgenutzt fühlen. Als hätte ich es nur darauf abgesehen. Es war eine totale Zwickmühle. Ich wusste nicht, wohin uns das alles führen würde. Gefühle verkomplizierten doch einfach alles. Sie hatte gesagt, sie hätte sich bereits verliebt. Aber es war unmöglich eine Beziehung hier zu führen unter all den Voraussetzungen, zumal ich bezweifelte, dass ich wirklich beziehungstauglich war. Ich hatte gerne meinen Freiraum. Den hatte ich hier so schon nicht und dann auch auf diesem engen Raum für jemanden wichtig sein zu müssen, war etwas völlig fremdes. Und ich wusste nicht, ob mir die Aussicht so wirklich gefiel. Ich hatte zwar irgendwie Gefühle für sie und sie war ein tolles Mädchen, aber es war nicht so einfach.
Ich warf ihr einen kurzen Blick zu, als wir in der Mensa standen und ein kleines Lächeln auf ihren Lippen erschien bei der kleinen Handberührung. Immerhin lächelte sie wieder, nachdem wir vorher ja fast so etwas wie unseren ersten Streit gehabt hatten.Mit ihr zusammen ließ ich mich an einem der Tische nieder, setzte mich auf die unbequeme Bank und seufzte bei einem Blick auf das Essen. Wie gut, dass ich schon gelernt hatte, meine Geschmacksnerven zu ignorieren. Lustlos begann ich also zu essen und lauschte ihrer Antwort. Ich wollte erst enttäuscht seufzen, doch da kam sie mir schon näher und flüsterte mir ins Ohr. Ein leichtes Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus, während ihre Lippen meine Wange streiften. Zu schade, dass ich sie nicht hier einfach küssen konnte. Also ich könnte ja schon, aber es wäre wohl ein großer Skandal mit Strafen und Hass für mich. Für Maddie gäbe es vermutlich nur einen Tadel von ihrem Vater, mit Pech ein Verbot wieder hier aufzutauchen. Das galt ja auch zu vermeiden. "Liebend gerne. Der Gentleman genießt und schweigt, heißt es doch so schön"; meinte ich mit einem Lächeln, während ich sie ansah, ehe ich weiter aß. Ich mochte nicht unbedingt lange hier herumsitzen, denn die Mensa füllte sich immer mehr. Die Gespräche im Hintergrund waren laut und vulgär, die Blicke immer kritisch, die Atmosphäre einfach angespannt


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#102

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 10.08.2017 21:41
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Es war schon verrückt. Ich hätte niemals damit gerechnet, durch meinen Nebenjob im Gefängnis jemanden wie Nate kennenzulernen. Er war etwas ganz besonderes und ich war froh, dass wir uns begegnet waren. Doch ob wir uns im Leben da draußen in der wirklichen Welt auch getroffen hätten oder geschweige denn ins Gespräch gekommen wären? Ich bezweifelte es stark. Ich bei meiner nicht vorhandenen Vorgeschichte was Männer anging, hätte ihn vielleicht kurz mal für eine Sekunde angeschaut und wäre dann schleunigst weiter gelaufen. Und er? Er machte auf mich jetzt nicht den Eindruck, dass er ein eindeutig reiches Blondchen mitten auf der Straße anspricht. Und selbst wenn sicher nur für eine kurze Affäre. Ein bisschen Spaß im Sinne von Sex und mehr nicht. Definitiv nicht das, was ich oder meine Familie für mich wollte. Und dennoch saßen wir jetzt hier. In einer Mensa eines Gefängnisses dessen Leiter zufällig mein Vater war. Und Nate war nicht einfach einer seiner Angestellten, sondern ein Häftling. Ich konnte echt stolz auf mich sein. Der erste Mann, dem ich näher kam und für den ich doch schon einiges übrig hatte, war ein Verbrecher. Zwar wusste ich nach wie vor nicht, was er genau getan hatte, doch es musste schon etwas schlimmer gewesen sein. Sonst saß man nicht in diesem Ding. So viel stand fest. Es wäre für mich leicht gewesen, einfach die Akten zu durchsuchen. Doch das wollte ich nicht. Nate sollte es mir selbst beichten. Wirklich wohl fühlte ich mich hier in der Mensa nicht. An unserem Tisch saßen zwar nur wir beide, doch es waren genug andere Männer anwesend, die mich alle anstarrten. Sogar die Wärter. Ich verdrehte die Augen und rutschte unauffällig etwas näher an den jungen Mann heran. War er der einzig normale hier? "Würden sie können, würden sie ohne zu zögern direkt alle über mich herfallen. Gleichzeitig.", stellte ich mit gedämpfter Stimme fest und schluckte. Ich fühlte mich hier nicht sonderlich sicher, nur Nate's Anwesenheit beruhigte mich. Hoffentlich aß er seine Mahlzeit, die garantiert alles andere als normales Essen war, schnell auf. Lieber verbrachte ich mit ihm Zeit in seiner kleinen Zelle, da waren wir wenigstens alleine und ich musste mich nicht fürchten. "Wie läuft dein Unterricht so?", erkundigte ich mich neugierig und hoffte, dass er sich Mühe gab. Ich konnte ihn nur so gut es für mich eben ging dabei unterstützen, doch vielleicht würde er hier einen guten Abschluss machen können und dann draußen einen Job finden können. Meine Familie hatte sicher Kontakte, die nützlich sein könnten. Doch ob die dazu bereit waren, war eine ganz andere Sache.


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#103

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 12.08.2017 03:25
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Nach wie vor konnte ich nicht nachvollziehen, weshalb Maddie ihre wertvolle Zeit mit mir verbrachte. Ich war nur ein einfacher Mann, ein Kleinkrimineller, der einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen war und nun hier festsaß. Ich war vor meiner Zeit hier wesentlich asozialer gewesen, mir hatte das Gefängnis insofern etwas gebracht. Ich war von meinem hohen Ross, dass ich glaubte, die Stadt gehöre mir, heruntergekommen und war nun einfach bedacht darauf, nicht zu viel aufzufallen. Das war zwar wahrlich schwer mit einer hübschen Blondine an der Seite, noch dazu in einem reinen Männergefängnis. Auch sie veränderte mich. Am Anfang hatte ich nur verbissen geschwiegen, nichts preisgegeben, während sie locker und freundlich zu mir war. Ich verstand es nicht wirklich, aber ich genoss es. Wenn gleich ich auch keine lange Verwendung dafür haben könnte. Wie lange konnte ich sie schon noch halten. Irgendwann würde es ihr sicher nicht mehr genügen. Oder wir würden uns ernsthaft streiten oder sie erfuhr, was ich angeblich getan hatte und würde mich für einen grausamen Psychopathen halten. Und sie würde mir die Todesstrafe wahrscheinlich sogar gönnen oder selbst wenn nicht, sie würde den Kontakt sicher abbrechen, weil sie sich das nicht antun wollte. Niemand wollte jemanden liebgewinnen und dann zusehen, wie er starb.
Die Geräusche der Mensa verschwammen kurz im Hintergrund, während ich sie betrachtete, als könnte heute der letzte Tag sein, an dem ich sie sah, während sie dichter an mich rutschte. Bei ihrer düsteren Vorstellung seufzte ich leise. "Da hast du recht. Anstand ist hier ein Fremdwort. Aber wehe du wirst wegen Vergewaltigung eingebuchtet - da bist du hier ganz schnell Feind Nummer Eins für alle. Scheiß Doppelmoral", brummelte ich zurück, sprach damit ja auch meine insgeheimen Befürchtungen aus. Wenn irgendjemand hören würde, dass ich eine junge Frau vergewaltigt und fast umgebracht habe auf brutalste Weise, dann wäre ich ganz schnell tot oder zumindest näher am Tod. Ich würde nicht eine Nacht mehr ruhig schlafen können und das konnte ich jetzt schon kaum trotz Einzelzelle. Unruhig glitt mein Blick durch die Mensa, die sich langsam füllte, während ich das Essen herunterzwang. Verkocht, versalzen, nicht sehr appetitlich. Bei ihrer Frage nach dem Unterricht zuckte ich leicht mit den Schultern. "Es ist anstrengend, aber ich geb mir Mühe", hielt ich es recht schwammig. Wie sollte ich es auch selbst wirklich beurteilen, ob es gut oder schlecht lief. Es gab sicher Dinge, die ich immer noch nicht konnte, aber ich übte und gerade Mathematik machte mir erstaunlicher Weise recht viel Spaß. Missmutig verzog ich die Miene, als eine kleine Gruppe Männer am Tisch stehen blieb und uns ernst musterte. "Wir sind schon weg", gab ich nur von mir, knurrte schon fast. Die Männer vor uns waren von einer eher feindlich gesinnten Gang, die kein Problem damit hatten, sich zu prügeln. Ich stand bereits, alles in der Hand um es wegzubringen, auch wenn ich noch nicht komplett aufgegessen hatte, als der größte der paar Häftlinge ein abfälliges Geräusch von sich gab. "Du sprichst schon für euch beide? Wie süß", meinte er abfällig, während sich die anderen lachend schon einmal setzten und abfällig lachten. Ich presste die Zähne zusammen, bis meine Zähne knirschten, klammerte meine Finger um das Tablett und zwang mich dazu, keinen blöden Kommentar abzulassen. Etwas, was wohl auffiel an mir war doch wirklich, dass ich anderen Insassen gegenüber nach wie vor nicht freundlich gesinnt war, sondern abweisend und einzelgängerisch.


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#104

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 28.09.2017 16:19
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Komisch. Unrealistisch. Gefährlich. Nur drei der wahrscheinlich vielen Worte, die meine Situation hier im Gefängnis bezüglich Nate beschrieben. Tausend Fragen beschäftigten mich. Wieso saß der junge Mann hier? Wie lange würde er in Haft sein? Hatten wir eine gemeinsame Zukunft? Ich hatte inzwischen eindeutige Gefühle für Nate, dies konnte und wollte ich nicht mehr bestreiten. Wir verbrachten so viel Zeit gemeinsam und ich lernte ihn immer besser kennen. Ich mochte den Häftling sehr gerne und er war der erste Mann, der wirklich mein Interesse nach mehr weckte. Ich hatte ja noch keine Erfahrungen im Bezug auf Männer. Ich hatte nie viel mit ihnen zu tun gehabt. Ich wurde jäh aus meinen Gedanken gerissen als einer der anderen Gefangenen mit einem abfälligen Ton an unseren Tisch kam und sich seine Gruppe an besagtem Tisch verteilte. Ich spürte wie wütend Nate augenblicklich wurde und hörte das Knirschen seiner Zähne. Seine Fingerknöchel nahmen eine blasse Farbe an, während er das Tablett fest umklammerte. Sanft legte ich meine kleine Hand auf die seine und lächelte ihn beruhigend an, ehe ich mich dem Mann zu wendete. "Die Männer mit den kleinsten Schwänzen haben bekanntlich immer die größte Klappe.", stellte ich extrem trocken fest und starrte meinen Gegenüber mit einem eisernen Blick an. Ich war zwar größtenteils die zarte Prinzessin und eine zerbrechliche Porzellanpuppe, doch ich konnte auch anders. In meinem künftigen Beruf und auch hier in meinem Nebenjob musste ich auch hart sein. Ich merkte, wie mein Kommentar den Sträfling wütend machte. Die Wärter hatten uns mittlerweile im Visier, daher würde der Mann wohl kaum die Beherrschung verlieren. Also drückte ich Nate einfach nur von dem Tisch weg, wir waren sowieso fertig mit essen. Kurz warf ich einen Blick auf meine Armbanduhr. Es war Freigang. "Willst du ein bisschen raus?", schlug ich vor und deutete zu der geöffneten Tür, welche in den offenen Bereich des Gefängnisses führte. Dort gab es Sportmöglichkeit, Sitzmöglichkeiten und sogar einen kleinen Garten, für den eine Truppe der Gefangenen zuständig war. Kurz entschlossen steuerte ich besagte Tür an, nickte einem der Wärter freundlich zu und schloss für einen Moment die Augen, um die Sonnenstrahlen zu genießen. So schlimm war es hier draußen nicht einmal. Man konnte glatt vergessen wo man eigentlich war. Nachdenklich zog ich mein Handy aus der Gesäßhosentasche, hielt meinen Finger auf den Homebutton und checkte kurz alle Nachrichten. Party hier, Veranstaltung da, Treffen mit Freunden dort. Genervt verdrehte ich die Augen, löschte kurzerhand alle Benachrichtigungen und verstaute das IPhone wieder sicher an seinem ursprünglichen Platz. "Nate? Kommst du?!", rief ich in die Richtung des jungen Mannes, ehe ich besagten Garten ansteuerte, um dort ein paar Beeren zu pflücken und es mir im vor neugierigen Blicken geschützten Bereich im grünen Gras gemütlich machte. Von außen konnte man uns hier nicht sehen und ich war ganz froh darüber, mal nicht den Blicken der Männer ausgesetzt zu sein.


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#105

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 31.10.2017 22:32
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Gefährlich war ich nun definitiv nicht. Zumindest nicht für Maddie. Ich hatte mich auf der Straße durchgeschlagen, ja. Aber meistens nur um irgendwie durchzukommen, um zu überleben und mir den nötigen Respekt zu verschaffen. Wenn man in der Innenstadt in einer Gang existieren wollte, musste man sich nun einmal einen Namen machen. Und mit meinen im Vergleich doch eher banalen Vorstrafen, die dafür aber eben sehr viele waren, war ich sicher nicht der große Fisch, den man eigentlich gerne aus dem Verkehr gezogen hätte. Nur die dumme Tatsache, dass sie überhaupt einfach die Straße säubern wollten und ich in diese miese Situation geraten war, hatten mir das Genick gebrochen. Oder hätte es wohl vor ein paar Hundert Jahren. Inzwischen waren wir ja bei den tollen Giftspritzen angekommen. Ich wusste nicht, ob ich das besser finden sollte. Bei Fehldosierung ist es vermutlich die schlimmste Qual überhaupt, aber vor einem elektrischen Stuhl hätte ich vermutlich mehr Angst. Was ein Glück aber, dass ich noch ein paar Jahre Zeit hatte, mich darauf vorzubereiten. Außer sie würden wieder irgendwie aufgrund einer neuen Gesetzeslage das vorzeitig durchdrücken oder mein Leben verschonen. Nur dass sich niemand, außer Maddie vielleicht solange sie nicht wusste, wieso ich hier saß, für mich einsetzen würde. Eine kleine unabhängige Zeitung würde vielleicht noch eine Randzeile für mich übrig haben, in der sie sich darüber beklagen, wie furchtbar unmoralisch die Todesstrafe ist, auch wenn sie keine Antwort auf die Frage wüssten, wohin man mit schlimmen Straftätern sollte, die sonst ja nur auf Kosten des Staates lebten. Wobei ein paar sich ja auch einfach gegenseitig abstachen mit irgendwelchen superkreativen Waffen. Zugegebener Maßen würde ich da vermutlich langsam auch mitmischen oder Opfer einer solchen Attacke werden, wenn nicht Maddie wäre. Ich war so unglaublich frustriert hier drinnen, oft genervt und schnell sehr wütend. Ich hasste diese respektlosen, herrischen Kerle hier drinnen einfach. Sie erinnerten mich zu häufig an die Art meines Vaters. Gegen den hatte ich mich nie wehren können, hier nutze ich es gerne aus, dass ich es konnte. Auch wenn ich selbst dafür einsteckte und mit Konsequenzen zu rechnen hatte. Aber was sollte mich hier noch groß schocken? Ob ich nun morgen in einer Schlägerei mit einer Waffe starb oder in ein paar Jahren. Es änderte kaum etwas.
Mein starrer Blick auf den Kerl, der zu unserem Tisch getreten war um sich diesen Platz zu verschaffen, wandte sich kurz ab, als Maddie ihre Hand auf meine angespannten Finger legte. Gut, sie machte den Unterschied. Es war irgendwie schon echt traurig, dass sie mein einziger sinnvoller Lebensinhalt war. Und es wurde immer schwieriger für mich. Je mehr sie mir bedeutete, desto größer wurde die Angst sie zu verlieren. Aber ich würde sie definitiv verlieren, wenn sie mich für einen Sexualstraftäter halten würde. Und das würde sie, wenn ich es erklären würde. Sie würde mich sicher auch nicht zu Ende erklären lassen und mir nicht glauben. Alle Beweise sahen doch so perfekt gegen mich aus. Alle Aussagen waren gegen mich. Von Polizisten, die mich ja "auf frischer Tat ertappt" hatten. Das hieß, ich musste etwas vor ihr verheimlichen. Mein Urteil und meine Strafe. Und das wollte ich nicht. Ich musste mir ein Lachen verkneifen bei Maddies trockenen Worten und blickte sie schmunzelnd an, wie sie den Mann fixierte. Ich wusste schon, warum sie mich immer wieder beeindruckte. Ich folgte ihrem leichten Druck weg vom Tisch. Ich wollte den Mann lieber auch nicht weiter provozieren. Selbst wenn die Wachen und sicherlich auch die Tatsache, dass Maddie die Tochter des Leiters war, ihn davon abhielten, auszurasten, könnte man ihn sicher mit ein zwei weiteren stichelnden Kommentaren dazu bringen. Ich selbst hätte mich mit ihm geschlagen, aber niemals würde ich wollen, dass Maddie dazwischen geriet. Auch wenn sie sagte, dass sie sich wehren könnte. "Oh ja. Raus aus dem Gefängnis wäre heute ausnahmsweise mal schön", meinte ich ironisch, während ich das Tablett zurück brachte. Es war klar, dass das nicht so einfach wäre, wirklich raus zu kommen. Ich hatte auch nur noch einen minimalen Funken, dass ich irgendwann eine neue Anhörung bekommen würde, wenn ich vielleicht irgendwann noch mal einen guten Anwalt finden würde, der mir glauben und mich verteidigen würde.
Ich folgte Maddie schließlich in den Garten des Gefängnisses, da sie ungeduldig zu warten schien, und blickte einen Moment in den klaren Himmel, sobald ich das Gebäude verließ. Das einzige, was man ein wenig unbeschränkt ansehen konnte ohne die Mauern oder Gitter oder Stacheldraht vor der Nase zu haben. "Und gab es interessante Nachrichten?", fragte ich interessiert nach. Immerhin hatte ich gesehen, dass sie aufs Handy geschaut hatte. Auch wenn sie irgendwie ein wenig genervt gewirkt hatte. Ich wüsste gerne, wieso und was es so in ihrem Leben generell gab. Alles außerhalb des Gefängnisses musste eigentlich so viel spannender und besser sein als das hier. Ich wunderte mich eh, warum sie immer wieder hier auftauchte mit einem Lächeln im Gesicht. Sie war wahrscheinlich die einzige, die gerne hier war. Selbst die meisten Wärter waren nicht gerne hier. Gemütlich schlenderte ich mit ihr um die Ecke und setzte mich zu ihr ins Gras, ließ mich mit einem Seufzen nach hinten fallen und genoss kurz die warme Sonne und die kurze Friedlichkeit. Es war immerhin kein Geschrei, keine Sirene, keine Schlägerei zu hören. Unbeobachtet waren wir zudem auch noch. Mit einem leichten Schmunzeln richtete ich mich kurz halb auf um einen Arm um Maddie legen zu können, zog sie an mich und ließ mich wieder auf den Rücken fallen, drückte ihr einen Kuss aufs Haar. Ein kurzer Moment der Losgelassenheit, sehr selten innerhalb der öffentlichen Mauern des Gefängnisses. Normalerweise war ich immerhin auf der Hut, falls mal jemand um die Ecke kommen könnte.


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#106

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 26.02.2018 22:19
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Mal wieder fragte ich mich, wie Nate's Leben vor seinem Aufenthalt hier im Gefängnis gewesen war. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er ein ordentliches Leben geführt hatte. Selbst wenn er vielleicht nicht so privilegiert aufgewachsen war wie ich -was sowieso selten der Fall war-, hätte er zumindest ein schönes Zuhause haben können. Wenn es auch nur ein kleines Apartment am Stadtrand gewesen war. Doch irgendwie traute ich ihm das nicht zu. Hatte er auf der Straße gelebt? Wie hatte er sich durchgeschlagen? Es musste grausam sein. Für mich hatte das nie eine bedeutende Rolle gespielt. Wir hatten auf der ganzen Welt unsere Wohnungen und Häuser und Geld im Überfluss. Leise seufzte ich und senkte für einen kurzen Moment den Blick. Warum war das Leben so unfair? Die Kluft zwischen arm und reich entsetzte mich immer wieder. Ich tat viel, um den ärmeren Menschen zu helfen. Aber man konnte nicht jeden armen Menschen aus seiner Armut befreien. So gerne ich es auch täte. *Sei nicht so sensibel, Madeleine. Dieser Abschaum führt das Leben, das er verdient.*, hörte ich die tiefe Stimme meines Vaters. *Jeder ist seines Glückes Schmied.*, erklang die zierliche Stimme meiner geliebten Mutter. Erneut seufzte ich. Der Gedanke an meine Mama machte mich traurig. Seit ich hier war, hatte ich sie nicht gesehen. Der tägliche schriftliche Kontakt auf WhatsApp und hin un wieder ein Telefonat reichten einfach nicht aus. Doch sie war viel zu beschäftigt, um mich zu besuchen. Zwar konnte ich jeder Zeit in den Flieger zu ihr steigen, doch so leicht war das nun auch wieder nicht. Der Grund saß direkt hier bei mir. Nate. Ich wollte nicht, dass ihm etwas geschah. Solange ich hier regelmäßig erschien, würde es niemand wagen, meinem Nate auch nur ein Haar zu krümmen. Dafür war die Angst zu groß. Also blieb mir wohl keine andere Wahl. Es schockierte mich, dass ich den jungen Mann in dieser Situation meiner Mutter vorzog. Sie kannte ich mein Leben lang. Ihn seit ein paar Monaten. Doch irgendetwas verband mich mit Nate. Ich fühlte mich bei ihm wohl und sicher. Im Gefängnisgarten angekommen und auf Nate's Nachfrage hin gab ich ein "Nur mein stressiges Leben." von mir. Ich brauchte vor ihm wohl nicht anfangen, meine Luxusprobleme aufzuzählen. Er wäre sicher froh über so ein soziales Leben. In der Welt da draußen hätte ich ihn sicher schon ein paar Leuten vorgestellt, ihn auf die ein oder andere Party mitgenommen und und und. Aber nein. Er war hier eingesperrt. Er konnte nicht einfach tun und lassen was er/ich/wir wollte(n). Es gab da draußen so viele Typen, die mir sicher zu Füßen lägen. Und was tat ich? Ich verbrachte beinahe meine gesamte Freizeit mit einem Sträfling. Und wenn das nicht schon reichte, verliebte ich mich auch noch in ihn. Der erste Mann, für den ich überhaupt mehr als nur freundschaftliche Gefühle aufbringen konnte, war ein verurteilter Straftäter. Für was überhaupt? Nach wie vor hatte ich keinen blassen Schimmer. "Ich schmuggel dir bei meinem nächsten Besuch irgendwas mit rein. Nen Gameboy oder so. Vielleicht irgendein Handy. Dann können wir auch Kontakt haben, wenn ich nicht hier bin.", überlegte ich laut und war mir eigentlich gar nicht bewusst darüber, welche Folgen vor allem so ein Handy haben könnte. Bei so einem Vergehen würde selbst mein Vater wohl kaum noch hinter mir stehen und mich schützen. Aber irgendwie wollte ich Nate etwas gutes tun. Es musste furchtbar öde sein. Tag ein, Tag aus. Immer das selbe. Als wir nebeneinander im Gras lagen, zog Nate mich in seine Arme und küsste meine Haare. Ich lächelte zaghaft. "Ist das nicht krass. Wir könnten ein ganz normales Pärchen sein, was an einem sonnigen Sommertag im Park liegt und Beeren nascht.", stellte ich fest und schüttelte den Kopf. Hier war tatsächlich nichts von diesem berüchtigten Gefängnisflair zu spüren. Es fühlte sich normal an. Nachdenklich aß ich eine Himbeere und strich mit einer zweiten über Nate's Lippen. Jedes Mal als er sie gerade schnappen wollte, zog ich meine Finger weg und die süße Frucht landete in meinem eigenen Mund. Ein bisschen Spaß musste sein und ich wollte den jungen Mann zumindest über einen kurzen Zeitraum hinweg ablenken.


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#107

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 27.02.2018 00:44
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Mir war klar, dass ich eigentlich kaum mit Maddie sprach. Natürlich redete ich mit ihr, aber nicht über mich. Es fiel mir einfach schwer, mich zu öffnen. Sie wäre die erste Person, der ich etwas offenlegen würde, was sie vielleicht nicht verstand. Ich kannte ja eigentlich nur das schlechte Leben, das arme Leben. Und darin kannte man eben keine reichen Leute, die gut aufwuchsen. Denen musste man seine Lebensgeschichte nicht erklären. Ihr vielleicht schon und davor hatte ich irgendwie Angst. Angst, dass sie es nicht verstehen würde und dass sie mir am Ende sagte, dass ich einfach nur die falschen Entscheidungen getroffen hatte. Dennoch wollte ich mit ihr reden, mich öffnen. Während wir so da lagen im Garten, die leichte Sonne im Gesicht, hatte ich schon fast das Gefühl, als würde es aus mir heraussprudeln wollen. Allerdings hielt ich mich zurück. Hier war nicht der richtige Ort dafür, egal wie friedlich der Schein war, während ich die Augen geschlossen hielt. Außerdem hielt mich so viel davon einfach noch ab. Wir kannten uns noch nicht lange, ihr Vater war hier der Boss und meine Geschichte war insgesamt eigentlich so abgedreht, dass sie klang wie erfunden. Sie würde mir nicht glauben und mir nie wieder trauen. Und wenn sie es tat, würden wir uns trotzdem verlieren. Schmerzlich wurde mir mal wieder bewusst, dass ich sterben würde und ich das nicht wollte. Mein Leben war zwar noch nie glänzend verlaufen und gut gewesen, aber ich hatte endlich jemanden gefunden, bei dem ich mich leichter fühlte.
Ich lachte leise auf, als sie meinte, ihr Leben wäre stressig. "Gib mir mal ein bisschen was ab. Hier drinnen ist es todlangweilig, wenn es nicht gerade um Prügeleien geht", seufzte ich. Bei ihrem nächsten Vorschlag blickte ich sie mit hochgezogener Augenbraue an. "Dann wäre ich ja Teil deines stressigen Lebens...", schloss ich daraus, mal abgesehen davon, dass ich mich dann sicherlich nicht mehr freuen könnte auf die Zelldurchsuchungen. Wobei die noch nie Spaß gemacht hatten. Inzwischen waren sie zwar stressfreier, weil ich seit Maddies Umgang kaum noch Drogen zu mir nahm, aber sie gefielen mir trotzdem nicht. Erst im nächsten Moment fiel mir auf, dass es fast ein wenig nach was Festem klang, als ich gesagt hatte, ich wäre Teil ihres Lebens. Eine kleine Gefühlswelle mitsamt kurzer Überforderung machte sich in mir breit, aber och versuchte es einfach nicht zur Schau zu stellen. Vielleicht war es für sie auch gar nicht so rübergekommen. Lieber überspielte ich es einfach durch kleine Liebeleien. "Hmmmh...", brummte ich leise. "Belassen wir es einfach bei dem Gedanken und schalten die Realität aus", schlug ich leise vor. Und es schien wirklich so. Abgesehen davon, dass ich irgendwie keine Beeren abbekam, weil Maddie lediglich mit mir spielte. "Du bist wirklich gemein", warf ich ihr vor, ehe ich mich halb über sie rollte, stützte mich ab, damit mein Gewicht nicht auf ihr lastete. Mit der freien Hand fing ich ihre ein und klaute ihr nun meinerseits eine Beere und steckte sie mir triumphierend in den Mund. Das hatte sie jetzt davon. Festgenagelt und beraubt.


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#108

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 01.03.2018 21:44
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Nur zu gerne hätte ich Nate wirklich etwas Stress abgegeben. Nur leider war das natürlich nicht möglich. Bei seiner nächsten Aussage musste ich grinsen. "Teil meines Lebens also.", wiederholte ich die Worte mit warmer Stimme und lächelte verträumt. Das klang so schön, wenn auch in der Realität quasi unmöglich. Der junge Mann wechselte aber dann recht schnell das Thema und begann, um die leckeren Beeren zu kämpfen. In Anbetracht der Tatsache, dass er natürlich um einiges stärker war als ich, hatte er schon bald gewonnen. Also lag er halb auf mir, schnappte sich eine der Beeren und führte sie zu seinen Lippen. Schmollend sah ich ihn an und runzelte die Stirn. "Autsch.", murrte ich und versuchte, ihn von mir zu schieben. Jedoch ohne Erfolg. Ich verdrehte die Augen, lächelte aber recht schnell wieder. Kurz glitt mein Blick auf meine Armbanduhr. "Ich muss bald los..", stellte ich bedrückt fest und seufzte. Am liebsten wäre ich einfach hier geblieben, doch ich hatte einfach ein Leben außerhalb dieses Gefängnisses. Also verabschiedete ich mich schweren Herzens von dem jungen Mann und brachte ihn noch brav zurück ins Gebäude, ehe ich mich selbst auf den Heimweg machte.

Die nächsten Wochen vergingen wie im Flug und langsam wurde es auch wieder wärmer. Ich verbrachte den Großteil meiner Zeit mit Nate und wir wuchsen immer enger zusammen. Immer wieder entführte ich ihn in meine Wohnung im Gebäudekomplex auf dem Gelände. Oft vergaß ich, wo wir uns eigentlich befanden. Die anderen Häftlinge waren uns gegenüber sehr zurückhaltend, aber man sah ihnen ihre Abneigung deutlich an. Meinem Vater war Nate ebenfalls ein Dorn im Auge und er versuchte mehrmals mich mit irgendwelchen Bekannten zu verkuppeln. Ich hatte jedoch zu seinem Bedauern kein Interesse an anderen Männern. Langsam zog der Juni ins Land und mein 19. Geburtstag rückte immer näher. Die Nacht vom 21. auf den 22. verbrachte ich mit reinfeiern, den frühen Nachmittag hatte ich aber für eine besondere Person reserviert. Wobei diese bisher nichts von ihrem Glück wusste. Ich hatte ewig mit meinem Vater darüber diskutiert, bis ich schließlich die Erlaubnis erhalten hatte. Bevor ich mich also auf den Weg ins Gefängnis machte, ging ich eine Runde shoppen. Nate's Größen wusste ich zum Glück dank seiner tristen Gefängniskleidung. Ich besorgte schlichte beige Chinos, dazu einen dunkelbraunen Gürtel und ein weißes Hemd. Natürlich gab es auch noch Socken und ein paar edle Schuhe dazu. Da es sehr warm war verzichtete ich auf eine Jacke. Ich selbst trug ein blau-weißes kurzes Off-Shoulder Kleidchen, dezenten Schmuck und High Heels. Mein Gesicht war nur dezent geschminkt, meine Haare hatte ich mir zu einem lockeren Dutt hochgesteckt. Ich hoffte wirklich, dass mein Plan aufging. Nate wusste nichts von seinem Glück. Ich wollte ihn damit überraschen. Der junge Mann wusste nicht einmal, dass heute mein Geburtstag war. Im Gefängnis angekommen stand ich recht schnell vor seiner Zellentür. Zwar hatte ich den Schlüssel, wollte aber nicht einfach ungefragt reinplatzen. Also klopfte ich erst einmal an, ehe ich die Tür öffnete. "Nate?", rief ich gut gelaunt und betrat mit der Einkaufstüte in der Hand die kleine Zelle.


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#109

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 01.03.2018 22:42
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Sie hatte die Worte also nicht überhört. Aber zum Glück schien sie nicht in Panik auszubrechen, weil sie noch bindungsphobischer war als ich, sondern schien sogar etwas verträumt. Ich verlor mich leicht in ihrem Lächeln. Es war wirklich ein Segen für mich, sie kennengelernt zu haben. Ohne sie wäre ich vermutlich inzwischen tot geprügelt worden, hätte mich mit einer Überdosis abgeschossen oder sonst irgendwie den Tod gefunden. Ich wartete doch eh nur ab, bis es soweit war. Aber sie gab der Wartezeit einen Sinn. Und auch etwas Spaß, wie zum Beispiel bei der Jagd nach Beeren. Ich schmunzelte leicht, als sie schließlich unter mir lag und leicht murrte. "Das hast du jetzt davon", neckte ich sie, lachte als sie versuchte mich wegzustemmen. Auch wenn sie vielleicht Selbstverteidigung beherrschte. Körperliche Kraft hatte sie nun einmal nicht genug um sich zu befreien. Leider musste ich sie aber schon bald wirklich gehen lassen und mich zurück in den tristen Alltag begeben.
Für mich verstrichen die Tage und Wochen nur sehr langsam insgesamt betrachtet. Jede Nacht war kurz, Frühstück und Abendbrot wirklich geschmacklos und die Stunden ohne Maddie sehr langweilig und öde, selbst wenn ich mich weiterhin dazu zwang, zum Unterricht zu gehen. Sobald Maddie aber da war, ging es mir jedes Mal viel besser. Sie gab mir wirklich etwas wie Hoffnung. Jedes Mal konnte ich etwas vergessen, wo ich war und wie ausweglos alles war. Ich konnte die Zeit genießen und all die Privilegien, die sie mit sich brachte. Aber ich wollte sie nicht ausnutzen, ich empfand wirklich etwas für sie. Es machte mir manchmal auch ein wenig Angst, denn ich sah dem Ende entgegen und meine Vergangenheit hatte ich immer noch im Nacken. Immer wieder zweifelte ich, ob es eine gute Idee war, Maddie weiterhin zu treffen und dennoch, sobald sie da war, verflog das alles. Und so schließlich auch an diesem Tag. Es klopfte an der Zellentür und herein kam Maddie. Ein Lächeln erschien auf meinen Lippen und ich stand von meinem dürftigen Bett auf. "Hey"; begrüßte ich sie mit sanfter Stimme, ehe ich sie musterte. "Du siehst heute aber besonders fröhlich aus", meinte ich mit einem leichten Schmunzeln. Zumindest wirkte sie auf mich so, als würde sie besonders strahlen.


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#110

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 02.03.2018 00:31
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Immer noch strahlend trat ich auf Nate zu und legte die Arme um seinen Hals. "Hi.", flüsterte ich und küsste ihn sanft auf die Lippen. In der Welt da draußen wären wir wohl schon längst ein Paar gewesen. Doch unter diesen Umständen...Wir hatten auch noch nie darüber gesprochen, was zwischen uns war. Ich hielt es auch nicht für nötig. Ich war sehr glücklich und das zählte. Bei seiner Feststellung zuckte ich mit den Schultern. "Vielleicht...", gab ich geheimnisvoll von mir und drückte ihm die Tüte in die Hand. "Ich hab dir da was besorgt.", erklärte ich und lächelte weiter. Ich war mir sicher, dass das ausgesuchte Outfit ihm super stehen würde. Geschmack hatte ich schließlich. Seinen irritierten Blick überging ich einfach mal. "Ich habe mir nämlich zum Geburtstag selbst ein Geschenk gemacht.", fing ich an und erwähnte meinen Geburtstag nur ganz nebenbei. "Beziehungsweise mein Vater hat mir einen besonderen Wunsch erfüllt zu diesem Anlass.", erklärte ich weiter und ließ mich auf dem Bett nieder. "Zieh' dich um, mach dich bisschen schick.", wies ich ihn an. In der Tüte waren auch noch eine Tube Haargel, ein edles Parfüm und eine schicke Armbanduhr. "Wir machen nämlich heute einen kleinen Ausflug.", klärte ich Nate schließlich doch zwinkernd auf und ließ ihn keinen Moment aus den Augen. Ich konnte es kaum abwarten, ihn mal in anderen Klamotten zu sehen.


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#111

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 02.03.2018 03:24
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Wenn ich Maddie so ansah, konnte ich wirklich gar nicht anders, als auch zu lächeln. Und das obwohl heute ein leicht schwerfälliger Tag war. Ich hatte nun einmal wirklich schlechte Laune manchmal, vielleicht waren es Depressionen, aber ich würde hier nicht zu einem Psychologen gehen. Ich hatte genug Beschäftigung und der Tagesablauf zwang einen so oder so aufzustehen und was zu machen. Und das war regelmäßig essen, Schule und irgendwelche Hobbywerkstätten. In einer hatte ich einige Nachmittage inzwischen schon verbracht, wenn Maddie leider doch nicht konnte, weil sie ja auch noch außerhalb dieser Mauern ein Leben hatte. Aber so hatte ich wenigstens Zeit gehabt, etwas zu erarbeiten. Ich war in einer Holzwerkstatt ein paar Tage gewesen und es hatte mir tatsächlich Spaß gemacht. Kreatives Arbeiten, alleine, still. Ich konnte da super abschalten. Heute hätte ich wieder hin gekonnt, aber Maddie zog ich vor als Gesellschaft. Ich erwiderte glücklich ihren sanften Kuss. Ich schenkte ihr einen gespielt tadelnden Blick, als sie mich nicht aufklärte, was los war, sondern geheimnistuerisch blieb. Im nächsten Moment hatte ich auch schon ihre Tüte in der Hand. Überrascht sah ich sie an. "Mir?", hakte ich nach, senkte den irritierten Blick auf die Tasche und hob sie etwas an. Als ich sie öffnete, sah es aus wie... Klamotten. Und Schuhe und Stylingzeug. Bei ihren nächsten Worten war ich noch etwas verwirrter, konnte ja nicht wissen, worauf es hinauslief. "Dein Geschenk von dir und deinem Vater an dich, ist dass ich mich einmal schick machen kann?", fragte ich etwas ungläubig.Ich hatte die Tüte schon auf dem Schreibtisch abgelegt und mein Shirt halb über den Kopf gezogen, als sie auf einmal sagte, wir würden einen Ausflug machen. Ich zog in einer schnellen Bewegung mein Shirt von meinem Kopf, sah sie verständnislos und mit verwuschelten Haaren an. "Bitte was?!" Ich fühlte mich dezent verarscht. Das konnte ich ihr nicht abkaufen. Die würden mich doch niemals einen Ausflug machen lassen. Und sie hatte Geburtstag. "Warum hast du denn nichts gesagt? Ich hätte... ", Es war ein kleiner Vorwurf und ein eigentlich unsinniger. Ich hatte ihr nichts backen können oder irgendwas tun können - außer einer Kleinigkeit, später. Ich kam kurz zu ihr, bereits Oberkörper frei, hauchte ihr einen zärtlichen Kuss auf die Lippen. "Ich wünsche dir alles Gute", flüsterte ich dann an ihren Lippen. Das 'Gute' beinhaltete eigentlich nicht unbedingt mich, aber das würde ich ihr jetzt nicht sagen. Mit ihr darüber zu diskutieren, dass das hier alles irrational und bescheuert war, würde zu nichts führen.
"Und du verarschst mich", meinte ich skeptisch, ließ mein Shirt auf dem Stuhl neben mir fallen. Auch wenn ich nicht wusste, was hier wirklich auf mich zukam, zog ich mich erst einmal weiter aus. Dann griff ich nach den neuen Klamotten und zog sie mir an. Sie waren vermutlich teurer als alles, was ich je besessen hatte zusammen, aber ich fragte lieber nicht nach dem Preis. Ich wollte nur kurz das Gefühl genießen, nicht so grau zu sein. Unauffällig holte ich aus dem Schubfach meines Schreibtischs einen Kettenanhänger und ließ ihn in meiner Hosentasche verschwinden. Den würde sie später dann definitiv als Geschenk bekommen. Auch die Armbanduhr legte ich an, griff dann nach dem Parfum und Haargel. "Du hast dir echt was gedacht, hm?", meinte ich. Wie gut, dass ich am Morgen geduscht und meinen Bart getrimmt hatte. Ich betrachtete mich in dem billigen unzerbrechlichen Spiegel über meinem Waschbecken, werkelte dann mit dem Haargel an meiner Frisur herum. Es war ewig her, dass ich das mal benutzt hatte. Zu guter letzt das Parfum. Roch gut, Maddie hatte definitiv Geschmack. Schließlich stand ich da, neu eingekleidet, durftend, gestylt. Und fühlte mich wie ein neuer Mensch. Ich verdrängte nur den Gedanken, dass ich dieser Mensch niemals sein konnte, in keiner Realität. Es würde nur die Stimmung verderben. Lieber also lächelte ich Maddie an, hob leicht die Arme. "Du hast mich fast zu einem anderen Menschen gemacht", schmunzelte ich, drehte mich einmal elegant um meine eigene Achse.


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#112

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 02.03.2018 11:06
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Warum hatte ich nichts gesagt? Das war eine sehr gute Frage. Für gewöhnlich machte ich mir einfach nichts aus meinem Geburtstag. Leicht zuckte ich mit den Schultern. "Keine Ahnung.", gab ich also nur von mir. Vielleicht lag es auch daran, dass ich Nate kein schlechtes Gewissen machen wollte bezüglich eines Geschenks. Hier drinnen würde er wohl kaum an etwas kommen, was er mir schenken konnte. Wobei ich mich sowieso mehr über liebevolle Kleinigkeiten freute, die zeigten, dass man sich wirklich damit auseinandergesetzt hatte und nicht einfach in einem Laden einen Gutschein besorgt hatte. Ich seufzte kurz und beobachtete Nate dabei wie er aus dem Oberteil schlüpfte. Meine Augen wanderten seinen Oberkörper entlang. "Mir gefällt, was ich da sehe.", stellte ich fest und lachte leise als der junge Mann auf mich zukam und mir seine Glückwünsche an die Lippen hauchte. "Vielen Dank.", antwortete ich liebevoll und strich mit einer Hand kurz über seine Brust hinweg nach unten bis zum Hosenbund. Wir kannten uns jetzt doch schon einige Wochen, doch abgesehen von kuscheln, küssen und etwas anfassen war nicht sonderlich viel passiert. Neugierig beobachtete ich Nate anschließend dabei wie er sich fertigmachte. Als er sich schließlich einmal um sich selbst drehte, erkannte ich ihn fast nicht wieder. "Wow...", murmelte ich schon fast fassungslos und erhob mich. "Du siehst...umwerfend aus.", stellte ich fest und legte kurz die Arme um seinen Hals. "Da muss ich ja glatt aufpassen, dass du mir nicht von einer anderen Dame geklaut wirst.", knurrte ich drohend und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. "Bereit?", fragte ich nach und ergriff seine Hand. Zielstrebig stolzierte ich durch die Gänge nach draußen bis hin zu dem großen Tor. Die Wachposten zogen skeptisch die Augenbrauen hoch. Natürlich waren sie über den Ausflug informiert. Begeistert schienen sie aber nicht zu sein. Ich verdrehte die Augen, während sich das hohe schwere Tor öffnete. Nate würde nun zum ersten Mal seit langem das Gefängnis verlassen. Ich vertraute ihm und vor allem darauf, dass er bei mir bleiben würde und keinen Fluchtversuch startete. Wenn das passierte, war ich wirklich am Arsch. Auf dem Parkplatz standen vor allem die Autos der Angestellten. Nur ein Wagen stach förmlich heraus. Ich deutete also auf den schwarzen Audi R8. "Ich hoffe du kannst Autofahren.", meinte ich grinsend und drückte Nate die Schlüssel in die Hand. Der Wagen gehörte mir natürlich nicht, ich hatte ihn für 24 Stunden gemietet. Männer standen im Normalfall immer auf solche krassen Teile und ich fand es eigentlich auch ziemlich cool. Kurz sah ich auf meine Uhr. Ich hatte den Tag heute genau geplant. Den Nachmittag wollte ich mit Nate einfach ein bisschen durch die Gegend fahren. Er sollte sich frei fühlen. Am Abend hatte ich einen Tisch in meinem absoluten Lieblingsrestaurant reserviert. Verdammt teuer. Verdammt nobel. Quasi das komplette Gegenteil von dem was Nate kannte. Doch er würde sich schon anständig benehmen. Hoffte ich zumindest inständig. Ich ließ mich entspannt auf den Beifahrersitz nieder. "Wir haben knapp drei Stunden Zeit. Du kannst entscheiden, was du machen willst. Einfach bisschen durch die Gegend düsen, spazierengehen oder was auch immer.", erklärte ich ihm nun endlich den Plan. "Am Abend haben wir einen Tisch in meinem Lieblingsrestaurant und für die Nacht eine Suite im Hotel.", fuhr ich fort und lächelte zufrieden mit meiner Planung. Das Restaurant war Teil des Hotels und ich war dort echt regelmäßig. Auch im Wellnessbereich. "Morgen muss ich dich zur Mittagszeit wieder zurückbringen, aber bis dahin wollen wir nicht weiter daran denken."


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#113

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 03.03.2018 19:08
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Scheinbar hatten wir beide so unsere Geheimnisse voreinander. Aber wie sollten wir auch offen über alles reden, wenn wir keine gemeinsamen Nenner hatten in unserem Leben. Vermutlich würden wir uns manchmal einfach nicht verstehen. Deshalb redete ich nicht über meine Vergangenheit und sie nicht über ihren Alltag. Ich wusste, dass sie mir damit nur ersparen wollte, dass ich darunter litt, keine Freiheit zu besitzen. Was ihren Geburtstag anbelangte, hatte sie vielleicht wirklich Sorge, dass ich enttäuscht war, kein Geschenk für sie zu haben. Sie konnte ja nicht wissen, dass ich etwas für sie hatte. Bei ihrem Kompliment und ihrer Hand an meinem Oberkörper brummte ich leise zufrieden. "Hmmh, mir auch", erwiderte ich. Sie sah immer bezaubernd aus. Auch wenn sie nicht nackt war. Wobei ich den Anblick natürlich noch mehr genießen würde. Erst einmal war ich aber viel zu gespannt auf die neue Kleidung. "Danke", meinte ich, als sie sagte, ich würde umwerfend aussehen. Ich fühlte mich auch wirklich gut darin. Meine Arme schlang ich um ihre Taille, lachte bei ihrem Knurren. "Mach dir keine Sorgen. Ich gehöre ganz dir"; schmunzelte ich, erwiderte ihren Kuss. Ein wenig aufgeregt nickte ich dann, verschränkte meine Finger mit ihren. Mir fiel es zwar etwas schwer den Stolz zu zeigen, weil ich wusste, dass ich immer noch ein Insasse war, aber etwas aufrechter ging ich doch, als ich tatsächlich durch alle Sicherheitstüren kam. Mein Herz schlug mir trotzdem bis zum Hals. Ich hätte nie gedacht, dass ich einen Fuß raussetzen durfte. Die Tochter des Leiters zu sein, schien wirklich einiges an Macht mit sich zu bringen.
"Kann ich"; bestätigte ich, auch wenn ich keinen Führerschein hatte, hatte im nächsten Moment die Schlüssel zu dem R8 in der Hand. Ein breites Grinsen erschien auf meinen Lippen. "Was glaubst du wer bei illegalen Straßenrennen auch der Polizei davongefahren ist? Ich hoffe du hast keine Angst vor Geschwindigkeit", schmunzelte ich. Oh wie hatte ich es vermisst. Womit ich es verdient hatte, wusste ich zwar immer noch nicht, aber ich freute mich wie ein Honigkuchen. Vermutlich sah man das auch. Ich ließ mich schließlich auf dem Fahrersitz nieder, sog einmal den Geruch nach noch recht neuem Auto ein und seufzte glücklich. Als sie den groben Plan mit all meinen Freiheiten erläuterte, sah ich sie etwas sprachlos an. "Ich darf über Nacht draußen bleiben? Wie hast du das geschafft... und womit hab ich das verdient?" Meine Stimme klang ein wenig tonlos, meine Gedanken rasten. Hatte ihr Vater das wirklich erlaubt und ihr nicht gesagt, dass das für mordende Sexualstraftäter einfach nicht machbar war? Wusste sie wirklich nach all der Zeit immer noch nichts? Und wieso vertraute sie mir nur so. Sie gab mir ein schnelles Auto und einen Freifahrtschein bis morgen. Ich könnte sie bewusstlos schlagen und abhauen. Wenn ich mich klug anstellte, würde man mich nie wiederfinden. Ich könnte leben. Allerdings sperrte ich die Gedanken alle wieder beiseite. Ich würde Maddie nicht in den Rücken fallen können. Ich würde nicht glücklich leben können in dem Wissen, ihr das Herz gebrochen und sie verraten zu haben. Egal wie schwer die andere Alternative war. Wenigstens musste ich mir keine Sorgen um meine Rente machen.
Kurz lehnte ich mich zu ihr rüber, küsste sie sanft. "Sag mal, du hast aber nicht so einen tollen Zettel, der es mir erlaubt, alle Verkehrsregeln zu brechen, oder? Rote Ampeln und langsamer Stadtverkehr sind mir echt zuwider", überlegte ich dann schelmisch, während ich den schnurrenden Motor startete. Kurz ließ ich ihn im Leerlauf aufheulen, genoss einfach das Vibrieren des Wagens und das Geräusch des Motors. Bis zur Schranke fuhr ich natürlich noch angemessen im Schritttempo, bis diese für uns geöffnet wurde. Dann gab ich Gas. Die einsame Brücke, die von der Gefängnisinsel führte, wollte ich wirklich einfach nur schnell verlassen. Die Stadt wollte ich auch verlassen. Vermutlich durften wir den Staat nicht verlassen, aber das mussten wir auch nicht. Alles, was über die Stadtgrenzen hinausging war mehr, als ich je gesehen hatte. Also suchte ich mir meinen Weg durch den Stadtverkehr bis zur nächsten Autobahn. Raus aus Phoenix und das schnell. Ich genoss das Autofahren und das Gefühl von Geschwindigkeit wirklich sehr, brachte uns raus aus der überfüllten Stadt in den Tonto National Forest. Ich wollte einfach einmal in die Natur, den Blick schweifen lassen können ohne auf Stacheldraht und Mauern zu schauen. "Durch die Gegend düsen können wir abhaken. Wollen wir jetzt spazieren gehen?", fragte ich. Ich wusste zwar nicht, ob es vielleicht etwas heiß war hier draußen, aber wenigstens schien es etwas windig zu sein, was uns vielleicht etwas Abkühlung verschaffen konnte. Wir müssten auch nicht zu lange bleiben. Wir waren etwas über eine Stunde gefahren, gleiche Zeit brauchten wir noch für den Rückweg. Dazwischen konnten wir einfach entspannt ein bisschen Zeit verbringen.


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#114

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 03.03.2018 22:36
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Illegale Straßenrennen also. Ich zog die Augenbrauen nach oben und lächelte unsicher. "Hmmm.", machte ich. Angst vor Geschwindigkeiten. Hätte ich Angst vor Tempo, dann hätte ich wohl kaum den Wagen besorgt. Dieser schien Nate wirklich zu gefallen. Ich lachte leicht und nickte als er mich sprachlos ansah. Er hatte wohl gedacht, nur wenige Stunden Freigang zu haben. Pustekuchen. ich hatte zwar ewig gebraucht meinen Vater zu überreden, aber letztendlich konnte er seiner kleinen Prinzessin ihren einzigen Geburtstagswunsch nicht abschlagen. Er wollte, dass ich mich hier wohlfühlte. Und ich fühlte mich nun mal mit Nathan an meiner Seite am wohlsten. Den kurzen Kuss erwiderte ich, wobei ich ihm dann eine spielerische Ohrfeige gab. "Nein, Nathan Cheers. Ich habe keinen Zettel, der dir sowas erlaubt.", gab ich angespannt zurück. Bei sowas verstand ich keinen Spaß. Ich seufzte leise und sah aus dem Fenster. Auf dem Parkplatz fuhr Nate noch relativ entspannt und hielt sich an das Tempolimit. Doch kaum waren wir hinter der Schranke angekommen, drückte er bereits aufs Gas. Ich war gespannt wo der junge Mann hinwollte. Unser Weg führte uns aus der Stadt raus. Schnell erkannte ich, dass wir auf dem Weg in den Tonto National Forest waren. Ich lächelte leicht und genoss die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut, während ich meine Sonnenbrille aus der Handtasche zog und sie mir auf die Nase schob. "Spazieren gehen klingt gut.", stimmte ich zu und deutete auf eine kleine Wiese. "Da können wir den Wagen abstellen.", schlug ich vor und stieg wenig später aus. Zwar hatte ich jetzt nicht unbedingt die passenden Schuhe für so einen Spaziergang an, aber das würde schon werden. So hatte ich wenigstens einen Grund dazu mich an Nate zu kuscheln. Also hakte ich mich bei ihm unter und gab ihm einen leichten Kuss auf die Wange. "Dann mal los.", meinte ich glücklich und lief los. Der Weg führte erst an einer Wiese entlang, welche von Blumen übersäht war. Es sah wunderschön aus. Kurzerhand zückte ich mein Handy und schoss ein paar Bilder von der Landschaft, ehe ich mich noch für ein paar Selfies entschloss. Immerhin hatte ich noch keine gemeinsamen Bilder mit Nate und heute sah er so verdammt gut aus. Nachdem ich ein paar Bilder hatte, landete das Smartphone wieder in der Handtasche und ich lief weiter in Richtung Wald.


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#115

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 05.03.2018 00:33
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ein leichtes Grinsen lag auf meinen Lippen, als sie die Augenbrauen so hochzog. Ob sie jetzt vermutete, dass ich deshalb einsaß? Wäre vielleicht besser so. Wobei ich dafür eindeutig im falschen Trakt saß, was sie sich wohl sicherlich auch denken konnte. Ich saß nicht bei denen, die fahrlässig jemanden gefährdet oder getötet hatten. Ich saß bei den kriminellen Hirnen, die töten oder quälen würden, sobald sie die Chance bekamen, weil ich auch so eingeschätzt wurde. Einzelhaft, jahrelang, wartend auf den Tod. In meinem Zellentrakt war die Stimmung nicht gerade blendend. Denn normalerweise kam niemand von uns auch nur einmal vor die Tür. Freigang gab es für uns nicht. Wenn, dann nur um dem Gericht vorgeführt zu werden und das dann in Fußketten und Handschellen und viel Bewachung. Ich konnte wirklich immer noch nicht glauben, dass ich mit Maddie einfach so herausspazieren konnte. Nicht einmal eine Fußfessel mit Peilsender hatte ich bekommen. Es war wirklich als wäre ich frei und das scheinbar für 24 Stunden.
Bei ihrer spielerischen Ohrfeige schmunzelte ich, drehte schnell den Kopf und hauchte ihr einen Kuss in die Handinnenfläche. "Das ist aber schade. Gut. Ich werde mich benehmen... einigermaßen", erwiderte ich dann seufzend. Es war sowieso alles eigentlich sicher nicht ganz legal. Wenn wir von der Polizei angehalten werden würden, würde es sicherlich irgendwie Probleme geben, weil ich eigentlich im Gefängnis sitzen müsste und eigentlich ja nicht mal einen Führerschein hatte. Immerhin kostete der viel Geld, was ich nie gehabt hatte. Ich fragte mich kurz, ob das Maddie bewusst war, aber irgendwie sprach ich es lieber nicht an. Nicht dass deshalb dann alles ins Wasser fiel. Außerdem sah ich dank des Umstylings tatsächlich sogar so aus, als würde mir der Wagen gehören können. Hätte ich meine Gefängnissachen an, würden wir vermutlich genau eine Straße weit kommen, bevor wir umstellt wären. Aber so kamen wir einfach raus aus der Stadt und ungestört bis zum Park. Als ich schließlich an der Wiese geparkt hatte und ausstieg, blieb ich kurz einfach regungslos stehen. Ich sah über die weite Wiese, die Canyon Gebirge im Hintergrund, den weiten blauen Himmel. Ich genoss den lauen Wind und die Sonne auf meiner Haut, vergaß alles um mich herum. Erst nach einem tiefen Durchatmen wandte ich mich an Maddie, lächelte sie wahrhaft glücklich an und ließ sie bei mir unterhaken. "Du weißt gar nicht, wie glücklich du mich machst", meinte ich irgendwann in die Stille. Das Schweigen zwischen uns war aber nicht unangenehm. Es war schön einfach mit ihr zu sein. Für sie ließ ich sogar eine Selfie-Session über mich ergehen. Vermutlich konnte sie nun endlich ihren Freundinnen ein ansprechendes Bild von mir zeigen. Ob sie wohl überhaupt über mich sprach, wusste ich zwar nicht, aber jetzt konnte sie. Sie müsste sogar nicht mal erklären, warum ich Gefängnissachen trug. Ich sah aus wie einer ihrer Klasse. Als könnte ich ihr würdig und gerecht werden.
Während wir durch den Wald gingen und der Schatten uns vor der heißen Sonne schützte, musterte ich sie. "Weißt du... ich hatte nie Geld und keine eigenen Autos.. Die Straßenrennen habe ich für die Proleten gefahren, die nur die Autos hatten und nicht den Mumm ihr Leben zu riskieren. So hab ich mir ein bisschen Kohle verdient", erklärte ich. Dass ich das Geld für Drogen ausgegeben hatte, ließ ich lieber unerwähnt. "Ich bin nie aus der Stadt rausgekommen. Ich hab immer nur in den Ghettos meine Runden gezogen, hatte nicht mal eine eigene Wohnung. Mein Traum war eigentlich immer mal da raus zu kommen. Was von der Welt zu sehen, weil sie so viel Schönes zu bieten hatte. Naja zumindest sah man das immer in den Schaufenstern von den Reisebüros", meinte ich, lächelte kurz ein wenig unsicher. Ich kam mir - wie so oft - ein wenig dumm vor. Nicht weil ich keinen Intellekt besaß, sondern weil ich einfach nur diese naive Vorstellung von der Welt hatte, während ich im tiefsten Abschaum festgesessen hatte.


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#116

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 08.03.2018 19:32
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Wir kamen wirklich aus verschiedenen Welten. Ich war die privilegierte Prinzessin aus sehr gutem Hause, ohne jemals Geldprobleme gehabt zu haben. Geld hatte ich immer mehr als genug zur Verfügung gehabt und hatte mir somit nie Gedanken über irgendetwas gemacht. Nate war da ganz anders. Er erzählte mir gerade ein wenig aus seiner Vergangenheit, was mich traurig stimmte. "Hm...", gab ich leise von mir und schluckte betroffen. "Das tut mir leid, Nate. Wirklich.", flüsterte ich liebevoll und schmiegte mich kurz an ihn. "Ich kann mir sowas ehrlich gesagt gar nicht vorstellen. Ich hatte von allem immer nur das beste. Häuser, Wohnungen, Urlaube, Autos..Einfach shoppen gehen ohne auf die Preise achten zu müssen.", erklärte ich nachdenklich und seufzte leicht. Allein das Kleid welches ich heute trug hatte eine hohe dreistellige Summe gekostet. Designerkleid eben. Dazu kamen die hochwertigen High Heels, der Schmuck, die Handtasche und und und. Mein Blick wanderte über Nate's Körper beziehungsweise das neue Outfit, welches ihm so verdammt gut stand. "Jetzt bereue ich es fast, so viel Geld in diese Klamotten gesteckt zu haben. Ich hätte einfach was günstiges bei H&M oder so kaufen sollen und dir den Rest geben...", stellte ich trocken fest und beschloss, ein Konto für den jungen Mann anzulegen. Er brauchte Geld. Für den Knastladen, für Anwälte, für sein Leben nach der Haft. Er selbst würde es sicher nicht haben und somit schnell wieder in seine alten Muster zurückfallen. Das wollte ich vermeiden, auch wenn er mein Geld vielleicht nicht unbedingt annehmen würde. Aber mir würde sicher etwas einfallen. Anonyme Spende oder so. Kopfschüttelnd vergaß ich diese Gedanken und konzentrierte mich auf das Hier und Jetzt. Wir waren inzwischen ein ganzes Stück gelaufen, weswegen wir uns auf den Rückweg machten. "Ich hoffe, du hast Hunger.", stellte ich grinsend fest und nahm wieder meinen Platz auf dem Beifahrersitz ein. Schnell tippte ich die Adresse ins Navigationssystem ein und sah auf die Uhr. Wir hatten noch genug Zeit. "Heute erwartet dich der pure Luxus.", warnte ich ihn vor und begann vorsichtshalber schon einmal damit, ihn ein bisschen über die passende Etikette aufzuklären. Er sollte sich im Restaurant nicht komplett blamieren. Am Restaurant angekommen dirigierte ich Nate auf den Parkplatz und stieg schließlich aus. Am Eingang wurde ich direkt von dem Oberkellner begrüßt. "Guten Abend, Henry.", meinte ich lächelnd und ergriff schützend seine Hand, damit er sich nicht zu unwohl fühlte. Henry führte uns an einen abgelegenen Tisch im Lokal und reichte uns die Karten. "Wir bekommen schon mal eine Flasche von eurem besten Wein und dazu eine Flasche Wasser.", beschloss ich kurzerhand und hoffte einfach mal, dass Nate damit kein Problem haben würde. Ich wusste eigentlich schon was ich essen wollte. Ich war so oft da, dass ich die Karte auswendig kannte. "Wenn du etwas nicht verstehst, dann frag ruhig.", meinte ich mit sanfter Stimme mit einem Nicken auf die Karte.


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#117

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 10.03.2018 04:19
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Manchmal wüsste ich gerne, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn meine Mutter nicht verschwunden wäre. Vermutlich wäre es mit meinem Vater genauso schlimm gewesen, nur dass nicht nur ich alles abbekommen hätte, sondern sie und meine Schwester ebenso. Nachdenklich schaute ich in die Ferne. Die Armut wäre nicht das Problem gewesen. Vielleicht sah ich es auch zu verträumt, aber in meiner Vorstellung hätten wir das als Familie vielleicht durchgestanden oder zumindest ohne meinen Vater zu dritt. Wehmut machte sich kurz in mir breit. Ich hatte kaum konkrete Erinnerungen an meine Mutter, meine Schwester kannte ich nur als Kleinkind. Wir hätten so viel zusammen erleben können, ich hätte auf sie aufpassen sollen als großer Bruder. Ihren ersten Freund vertreiben, sie bei Liebeskummer trösten, bei den Hausaufgaben helfen. Das alles hatte aber nie stattgefunden. Ich hatte keine Familie gehabt, nur einen Vater, der mich nicht wollte und dann war ich allein gewesen. Maddie war nun wieder die einzige, die ich irgendwie in mein Leben ließ, aber auch sie wusste wenig und ich tat mich schwer damit, sie näher an mich heranzulassen. Ich hatte auf der Straße gelernt, dass jeder nur für sich selbst lebte und alle anderen nur eine Schwäche werden konnten. Bei ihrer liebevollen Stimme lächelte ich Maddie leicht zu, verschränkte meine Finger mit ihren. "Es ist auch ganz gut so, dass sich nur wenige Leute mit den Sorgen herumschlagen müssen", erwiderte ich. Ich gönnte es wirklich kaum jemandem, am Existenzminimum herumzukratzen. Es war ein hartes Leben und es formte einen nicht gerade positiv. "Ach Quatsch - Es ist perfekt so, wie es ist. Du sollst mir kein Geld schenken. Ich kann damit im Gefängnis eh nicht sehr viel anfangen. Außer Zigaretten kaufen und ich habe doch gerade angefangen allen Drogen zu entsagen", meinte ich. Es war ein halbes Geständnis, dass ich auch anderweitig Drogen konsumiert hatte, aber ich bezweifelte, dass sie mich was das anbelangte wirklich komplett für ein Unschuldslamm hielt. Jeder musste irgendwie seine Dämonen loswerden. Die einen konnten das in Therapiesitzungen oder in Gesprächen mit Freunden verarbeiten, ich hingegen hatte mir lieber das Gehirn anders ausgeschaltet. Und sparen für später war komplett sinnlos. Ich würde kein Geld mehr brauchen. Ich würde in einem anonymen Grab ohne Namen landen, wo alle diejenigen hinkamen, die ohne Angehörige hingerichtet wurden. Es würde mir reichen, was sollte ich mit einem großen Grabstein, wenn ihn niemand besuchte. Ich konnte mir zumindest nach wie vor nicht vorstellen, dass Maddie noch mehrere Jahre mit einem Häftling zusammensein wollte. Vielleicht wollte ich das auch gar nicht, allein schon aufgrund dessen, dass ich nicht wollte, das ihr Herz daran vielleicht zerbrechen würde. Vermutlich würde ich es so oder so brechen, ich sollte es auch, damit es nicht so schlimm am Ende wurde. Nur noch konnte ich es einfach nicht. Ich war viel zu egoistisch, genoss die Zeit mit ihr einfach zu sehr.
Ich versuchte nicht zu sehr an die unvermeidliche düstere Zukunft zu denken und mehr im Jetzt zu leben, den Tag einfach zu genießen. "Oh ja, du weißt ja, wie mein Frühstück immer ausfällt", meinte ich mit einem ironischen Lächeln. Freudig ließ ich mich wieder hinter das Lenkrad fallen und startete den Motor. Kurz fiel mein Blick auf die Tanknadel. Vermutlich mussten wir am Ende unserer Tour tanken fahren. Ich konnte mir zwar vorstellen, dass Maddie das mit eingeplant hatte und alles ohne mit der Wimper zu zucken zahlen würde, aber ich würde das nie wieder gut machen können. Ich konnte ihr gar nichts entgegenbringen um meinen Dank zu zeigen. "Ich hab es fast befürchtet", lachte ich, als sie meinte, dass heute Luxus für mich bereitstand. Ich wäre auch schon glücklich mit einem billigen Burger einer Fastfood-Kette, aber ich würde keinen Zweifel ihrer Pläne äußern. Aufmerksam lauschte ich ihren Erklärungen zu der Etikette, während ich dem Navi folgte. Ich war wirklich etwas nervös, als wir schließlich das Restaurant betraten. Ich grüßte den Oberkellner freundlich, folgte ihm dann an Maddies Hand, während ich mich etwas umsah. Es sah wirklich hochklassig aus. Normaler Weise wären das die Läden, die die Polizei riefen, sobald sie uns Gesindel am Ende der Straße sahen. Und heute betrat ich ein solches Restaurant um dort zu essen. Vor einem Jahr hätte ich eher überlegt, ob es sich eher lohnen würde, so ein Restaurant auszurauben. Kellner trugen immer ein Portemonnaie mit sich herum mit viel Geld und selten gab es Überwachungskameras. Wie gut, dass ich das aber nicht fertig gebracht hatte, wobei ich dann vielleicht eher wegen Raub eingesperrt worden wäre und ich nicht in das Dilemma gestolpert wäre, in dem ich jetzt steckte. Ich unterdrückte ein leises Seufzen, als ich die Karte bekam. Ich hatte in letzter Zeit ja zum Glück viel geübt, weshalb mir das Lesen an sich schon nicht mehr ganz so schwer fiel, aber die Auswahl war gigantisch und es gab so viele Bezeichnungen, die ich nicht kannte. Nachdenklich blickte ich auf die Karte. Selbst wenn ich wüsste, was das alles war, kannte ich meinen Geschmack ja gar nicht wirklich. Ich aß doch alles, damit ich einfach leben konnte. "Zugegeben, die feinen Titel rufen viele Fragezeichen hervor. Ich glaube es würde zu lange dauern, mir das alles zu erklären. Und ich kenne meinen Geschmack doch gar nicht. Vielleicht.. kannst du mir etwas empfehlen. Oder mich überraschen", schlug ich vor und sah sie ein wenig hoffend an. Das hier war nun einmal nicht mein Fachgebiet, sondern ihres. Sie durfte mir sehr gerne einfach etwas mitbestellen und ich würde es genießen.


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#118

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 10.03.2018 20:35
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Es war definitiv eine merkwürdige Situation und ich wusste nicht, was ich nun davon halten sollte. Ich hätte niemals erwartet, dass meine erste Liebe ein Häftling sein würde. Meiner Mutter war es relativ egal, sie wollte einfach nur, dass ich glücklich war. Nur mein Vater war davon alles andere als begeistert und ich konnte froh sein, dass er es dennoch irgendwie akzeptierte. Ich seufzte leise und folgte Nate's Blick. Der Tank würde bald leer sein. "Mal sehen, ob wir damit morgen noch zurück ins Gefängnis kommen. Sonst musst du wohl bei mir bleiben.", stellte ich amüsiert fest. Die Vorstellung war zu schön. Einfach nicht mehr dorthin zurückkehren. Gemeinsam die Zeit hier draußen verbringen. Wir könnten einfach abhauen. Nach Europa. Spanien. Italien. Frankreich. Deutschland. Einfach weg von hier. Irgendwo hin, wo uns niemand kannte. Ich seufzte erneut und mein Blick wanderte an Nate auf und ab. "Du siehst so gut aus, Nate.", stellte ich mit einem sanften Lächeln fest und führte ihn dann schließlich durch das Restaurant. Ich hatte bereits damit gerechnet, dass der junge Mann mit der Karte überfordert sein würde. "Hm.", überlegte ich und überflog die Karte schnell. "Wie wäre es mit einem Steak und dazu Kartoffeln und Salat?", schlug ich vor und beschloss, dass ich ebenfalls diese Mahlzeit essen würde. Kurz darauf tauchte der Kellner wieder mit den bestellten Getränken auf und ich bestellte unser Abendessen. "Dann mal auf eine schöne Nacht.", meinte ich liebevoll und hob das Weinglas leicht an, um mit Nate anzustoßen.


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#119

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 18.03.2018 04:01
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Fast wünschte ich mir, dass alles nur der Traum nach der Giftspritze war. Ich wollte nicht zurück zurück ins Gefängnis, zurück in diese enge Zelle und die graue Gefangenschaft. Auch wenn Maddie mir erst einmal beistand, sie konnte nichts daran ändern, dass ich meinen eigenen Tod fürchtete. Ja, ich hatte Angst, auch wenn ich es nicht zugeben konnte und wollte. Ich hatte heute schon vergleichsweise viel ausgepackt, das musste fürs Erste reichen. Sonst würde ich Maddie sicherlich doch verschrecken, wenn ich alles auf einmal auspackte. Sie würde einfach rückwärts taumeln und dann verschwinden. Wäre besser für sie, aber ich konnte mich nicht dazu überwinden, mir wirklich alles vor Augen zu führen. Es war einfacher mir einfach den Kopf frei davon zu halten. Ich wollte nicht die Gedanken rauskramen, wie meine Mutter und meine Schwester mich verlassen hatten und wie ich bei meinem Vater ausharren musste - ich sagte mir lieber selbst, dass ich von Anfang an ein Einzelgänger war. Die Stadt, die ich nie verlassen hatte, war eben meine Stadt gewesen. Ich hatte mir genommen, was ich wollte und mich keinen Gesetzen gebeugt. Die Welt hatte mir gehört, auch wenn ich immer mal wieder eine Vorstrafe kassiert hatte. Es war mir egal gewesen. Nur jetzt hatte ich den Schlamassel.
"Oh na dann sollte ich wohl extra einen Umweg fahren", schmunzelte ich. In der Vorstellung wäre es so schön. Auch wenn es sehr unrealistisch war. Wahrscheinlich würden dann einfach Einsatzfahrzeuge alles umstellen und mich wieder zurückbringen. "Das Kompliment kann ich nur erwidern", meinte ich mit einem ebenso sanften Lächeln Diese junge Frau hatte mir echt den Kopf verdreht. Für sie zog ich mich schick an, ging in ein Restaurant, dessen Klasse ich eher fürchtete und dessen Kundschaft ich eher meiden würde, wenn ich sie nicht gerade bestehlen würde. Ich war ein wenig angespannt, als wir schließlich dort saßen. Ich war so eine Umgebung einfach nicht gewohnt und fühlte mich fehl am Platze. Also ich sah aus, als würde ich hier reinpassen, aber ich war einfach Abschaum und keine wichtige Persönlichkeit. "Das klingt gut. Warum nur steht es nicht auch genau mit den Worten auf der Karte", schmunzelte ich, ehe Maddie das Essen bestellte. Ich erhob ebenfalls das Weinglas, stieß dann leicht mit Maddie an. "Und auf dich", fügte ich hinzu. Dann nippte ich leicht an dem Wein. Das erste alkoholische Getränk seit Ewigkeiten. Normaler Weise diente mir der Alkohol nur zum Betrinken und Weinkenner war ich erst Recht nicht, aber der feine Tropfen war doch wirklich gut annehmbar.
"Ich muss dir ja was gestehen", setzte ich mysteriös an, stellte das Weinglas wieder sorgsam an seinen Platz. Ich lehnte mich leicht zurück, schob meine Hände in die Hosentaschen und holte die hölzernen Puzzleteile hervor, die als Anhänger oder einfache Glücksbringer fungieren konnten. "Ich wusste ja, dass du irgendwann Geburtstag hast. Ich wusste nur nicht wann. Also habe ich etwas vorbereitet - zum Glück. Vor zwei Wochen war es erst fertig", erklärte ich verschwörerisch. Mit meiner linken Hand griff ich über den Tisch hinweg nach ihrer rechten und drehte sie so, dass ihre Handfläche nach oben zeigte. Dann hob ich meine rechte Hand über ihre, die ich bis dahin geschlossen gehalten hatte und legte die Puzzleteile in ihrer Hand ab. "Ich durfte natürlich keine Kette einfädeln, aber man könnte sie als Anhänger tragen. Sie passen sogar ineinander. Sie sind also gedacht für dich und eine Person, die dir wichtig ist", erklärte ich. Ich war fast ein bisschen nervös, weil ich Angst vor ihrem Urteil hatte. Und auch wenn ich es nicht unbedingt vermutete, wünschte ich mir fast, dass sie mir ein Puzzlestück zurückgab, weil ich ihr wichtig war. Hoffnungslos romantisch. Dabei hatten wir keine Chance.


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#120

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 02.09.2018 20:47
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Ich genoss die Zeit mit Nate wirklich sehr. Es war schön, mit ihm außerhalb der tristen Gefängniswelt etwas Zeit zu verbringen. Ich rechnete es meinem Vater wirklich hoch an. Er musste mir schon sehr vertrauen, dass er Nate einfach so für einen Tag und eine Nacht raus ließ. Und ich vertraute dem jungen Mann. Er könnte ganz einfach abhauen. Mir etwas antun. Oder sonst was. Doch ich wusste, dass er es niemals tun würde. Sein neues Outfit stand ihm gut. Nate war ohnehin ein gut aussehender Kerl, doch das Gefängnisoutfit war nun mal weder heiß noch sexy. Ich konnte gar nicht die Augen von ihm lassen. Tatsächlich kam ich mir vor wie 15-jähriges pubertierendes Mädchen, welches endlich ein Date mit ihrem Schwarm ergattert hatte. Als Nate jedoch meinte, er müsse mir etwas gestehen, runzelte ich kurz besorgt die Stirn, während ich ihn fragend ansah und seinen Händen folgte, die in die Hosentaschen wanderten. "Hast du ne Waffe besorgt, bedrohst mich jetzt damit und haust ab?", scherzte ich nachdenklich und legte dann den Kopf schief als der junge Mann nach meiner Hand griff und etwas hinein legte. Unsicher zog ich meine Hand zurück und öffnete diese. Mein Blick fiel auf hölzerne Puzzleteile. Nate's Erklärung hörte ich nur noch so halb auf einem Ohr. Ich war überwältigt. "Nate...ich weiß nicht, was ich sagen soll.", murmelte ich total überfordert und starrte abwechselnd die Anhänger und ihn an. "Das ist das schönste Geschenk, was ich jemals bekommen habe, Nate.", fügte ich schluchzend hinzu und kämpfte mit den Tränen. Lachend wischte ich mir einmal mit der freien Hand unter den Augen entlang. "Die sind wundervoll.", fügte ich noch hinzu und fuhr mit dem Finger über das Holz. Eine Person, die mir wichtig ist? Bei seinen Worten musste ich schmunzeln. Nachdenklich legte ich die zwei Teile auf den Tisch, damit ich beide Hände frei hatte. Mit einem geübten Griff öffnete ich den Verschluss meiner Halskette und zog den Anhänger runter, um eines der Puzzleteile aufzufädeln und mir die Kette dann wieder umzuhängen. Dann hielt ich nachdenklich das andere Teil in der Hand und sah wieder zu Nate. "Eine Frage...", fing ich leise an und bewegte meine Hand mit dem Puzzleteil in seine Richtung. "Wieso hast du mir beide Teile gegeben, Nate?", fragte ich und ergriff nun seine Hand, um ihn das zweite Puzzleteil zurückzugeben. "Du solltest doch wissen, dass eins sowieso wieder bei dir landet..", flüsterte ich liebevoll und hatte das Gefühl, dass das ganze Restaurant mein Herz schlagen hörte.


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#121

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 07.11.2018 23:13
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es war alles so abstrakt. Mein Leben war so ein wirrer Haufen. Das hier war wohl gerade die Nadel im Heuhaufen namens Glück - ein kleiner glänzender Moment, der aber sicher einen Stich im Herzen hinterlassen würde, wenn ich wieder hinter Gitterstäben und nur von engen weißen Wänden umgeben war. Kurz blickte ich auf meine Hände hinab. Sie passten nicht zu den feinen Klamotten, die ich trug. Vom Arbeiten mit dem Holz und dem vielen körperlichen Training waren sie rau und breit. Es waren nicht die Hände eines feinen Geschäftsmannes, den ich hier mehr oder weniger mimte. Wenn auch nur ein Mensch in diesem Restaurant abgesehen von Maddie wissen würde, was für ein Typ Mensch ich eigentlich war, würde ich sofort rausfliegen. Ich war mit der feinen Etikette nicht bekannt, ich stahl und betrog, trank Alkohol um zu vergessen und nicht um die zarte Note des Fisches mit leichter Säure zu unterstützen oder was auch immer der Typ am nächstliegenden Tisch da faselte. Ich wusste gerade so eben, wie ich das Besteck am besten hielt, wie ich das Glas heile lies und dass ich besser gerade sitzen und nicht schlingen sollte. Ich gab mir Mühe für Maddie, auch wenn das alles für mich fremd war und keine Gewohnheit. Es war nichts selbstverständlich für mich, nicht einmal ihre bloße Anwesenheit.
Bei ihren scherzhaften Worten schenkte ich ihr ein ironisches Lächeln. "Ich glaube ich bedrohe dich eher damit, dich zu blamieren. Das ist vermutlich einfacher und effektiver", meinte ich, während ich ihre Hand griff. Mein Herz klopfte vermutlich hörbar, während sie neugierig in ihre Hand spähte und mein Geschenk erblickte. Ich hatte mir viel Mühe damit gegeben und war oft fast verzweifelt. Immerhin sollten die Teile zusammenpassen und das war gar nicht so leicht gewesen. Eine sehr feine Arbeit für jemanden wie mich, der reine Konzentration schon sehr schwierig fand. Ich versuchte, sie nicht zu sehr anzustarren auf der Suche nach ihrer Beurteilung im Blick. Bei ihren Worten fiel mir dann ein Stein vom Herzen, gefolgt davon, dass ich einen Kloß im Hals bekam, weil sie aussah, als würde sie weinen. Mit so viel Gefühl konnte ich gar nicht wirklich umgehen. Ich sah sie ein wenig erstarrt und verdutzt an, während sie lachend das Schimmern in ihren Augen wegwischte. Gebannt verfolgte ich dann, wie sie die Anhänger ihrer Kette gegen ein Puzzleteil austauschte. Es löste ein Gefühl in mir aus, das ich kaum kannte. Ich war gerührt. Aufgeregt. Vielleicht ein bisschen zu verknallt und ein bisschen zu stolz darüber, dass sie es sofort tragen wollte. Ich glotzte kurz ein bisschen zu unsubtil wieder auf ihren Ausschnitt, als die Kette dort wieder baumelte, bis sie mich wieder ansprach. Ich riss meinen Blick also nach oben zu ihren Augen und lehnte mich ihr wieder etwas entgegen. Bei ihrer Frage wurde ich ein wenig verlegen, schloss meine Hand wieder um das zweite Teil. "Naja.. also.. ich.." stotterte ich kurz, ehe ich einmal tief durchatmete. "Ich bin nicht davon ausgegangen, dass du wirklich so viel für mich empfindest, wie ich für dich. Ich weiß, du magst es nicht, wenn ich das sage, aber ich bin so wenig im Vergleich zu dir. Du hast viel bessere Menschen als mich um dich. Familie, Freunde - viele die ein solches Geschenk sicher gerne mit dir teilen würden und es mehr verdient hätten als ich. Ich wollte nicht, dass du dich verpflichtet fühlst, etwas mit mir zu teilen", erklärte ich schließlich, sah dabei etwas verlegen auf den Tisch. Für Außenstehende sahen wir sicher aus wie Teenager, die einander anschwärmten ohne es endlich konkret auszusprechen, ein bisschen peinlich, ein bisschen süß und auf alle Fälle etwas unbeholfen.


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#122

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 19.11.2018 19:54
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Nachdenklich sah ich Nate an und lächelte eine Weile stumm vor mich hin. "Ich empfinde sogar sehr viel für dich, Nate.", meinte ich schließlich ruhig und senkte kurz beschämt den Blick. Wären die Umstände anders gewesen, wären wir vielleicht schon längst ein Paar. Natürlich konnten wir auch so zusammenkommen, doch ich wusste ja nicht einmal, wie lange mein Auserwählter noch absitzen musste. Darüber sprachen wir nie. "Klar, wir kommen aus zwei verschiedenen Welten.", gab ich leise zu und aß einen Bissen. "Aber das hat nichts zu bedeuten. Ich bin nicht die oberflächliche High Society Tussi, für die man mich schnell hält. Und du bist nicht der grausame Bad Boy, auch wenn du so tust. Zumindest bei anderen.", erklärte ich und zuckte mit den Schultern. "Ich will nur dich, Nate. Bitte glaub mir das..:", murmelte ich und erhob mich dann. "Ich bin gleich wieder da.", teilte ich ihm mit, schnappte mir meine Tasche und verschwand in die Richtung der Toiletten. Dort erleichterte ich mich kurz, frischte den Lippenstift auf und machte auf dem Rückweg noch kurz an der Bar halt, um die Rechnung direkt zu begleichen. Nate sollte das nicht sehen. Das Abendessen kostete einige hundert Dollar. Geld, was Nate wohl eigentlich einen Monat lang über dem Wasser hielt. Nach kurzer Zeit kehrte ich wieder zu unserem Tisch zurück und setzte mich. Ich hatte bereits aufgegessen. "So. Was willst du noch unternehmen?", fragte ich schließlich lächelnd und spielte mit einer Hand an dem schönen Anhänger. "Wir können uns einen gemütlichen Abend im Bett machen oder auch noch ausgehen.", schlug ich vor und sah kurz in Richtung Tür. Ich rechnete jeden Moment damit, dass mein Vater oder die Polizei hier aufkreuzen würden, um Nate mir wegzunehmen.


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#123

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 25.11.2018 01:38
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Wenn uns jemand zuhören würde, der ein normales Leben führte, würden sie sicherlich ausgelacht werden. Wir drucksten herum wie Teenager, die Angst hatten vor den wichtigen und großen Worten. Aber ich wusste auch nicht, ob ich bereit wäre, sie auszusprechen. Ich wusste nicht, ob es dafür nicht schon zu früh wäre und ich hatte außerdem auch Angst, dass sie es nicht erwidern würde oder dass es dann real wurde und deshalb wirklich zerbrechen konnte. Und ich wollte nicht, dass das hier zerbrach. Es war gerade so, als wäre ich einmal wirklich am Leben. Keine Droge der Welt hatte mir so ein gutes Gefühl geben können wie ihre Worte gerade, wie diese Zeit, die ich mit ihr verbringen durfte. Mein Lächeln wurde fast ein wenig verlegen, als sie sagte, dass sie nur mich wollte. Ich war gefangen in einer Welt, wo diese Worte das schönste überhaupt waren, aber genau deshalb auch so schnell verloren gehen konnten. Wieder war ich am Überlegen, ob ich ihr endlich erzählen sollte, was mir vorgeworfen wurde und was mir blühte. Aber es wäre etwas, was unseren perfekten Moment kaputt machen würde. "Ich werde warten", murmelte ich leise mit einem kleinen Lächeln, als sie meinte, dass sie kurz ging. Ich könnte abhauen, mit dem schnellen Auto verschwinden auf Nimmer Wiedersehen. Ich hatte auch nach wie vor sicherlich Kontakte, die mir beim Untertauchen helfen würden. Aber ich würde bleiben. Für ein wenig Zeit mit Maddie. Während sie weg war, aß ich den Rest auf, sah mich dabei immer wieder etwas ungläubig um. In mir war eine Mischung aus beiläufiger Akzeptanz, als wäre alles normal und gut so, und andererseits setzte sich immer wieder ein Hauch Panik dazu. Ich gehörte hier nicht her. Ich war so fehl am Platze. Und wann immer mich ein schiefer Blick eines älteren Herren oder einer feinen Dame traf, hatte ich Angst, dass mich jemand enttarnen konnte oder dass ich auf einmal wieder meine Gefängnissachen anhatte. Zum Glück kam Maddie bald zurück und nahm mir die Unruhe mit einem Blick. "Gemütlich klingt gut. Aber erst noch eine Runde spazieren. Ich glaube du kannst verstehen, dass ich die frische Luft so lange wir möglich genießen will", meinte ich mit einem schiefen Lächeln. Klar konnte man im Gefängnis auch draußen sein, aber das hatte nichts mit Freiheit zu tun. Dieser Abend hingegen schon. Ich trank den letzten Schluck des vermutlich viel zu teuren Weins und griff erneut nach Maddies Hand, ließ meine Finger über ihre Hände streichen. "Du hast mir wirklich einen schönen Abend beschert, du hast mir deine Welt gezeigt und ich finde sie super. Ich hätte ja gesagt, dass ich dir auch gerne meine Welt zeigen würde, aber das stimmt nicht. Sie ist weder schön, noch glamourös", murmelte ich und lächelte sie gezwungen an.


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#124

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 25.11.2018 14:15
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Nate hätte natürlich nun die Möglichkeit gehabt, einfach abzuhauen. Niemand hier wusste, dass er eigentlich im Gefüngnis saß und nur ausnahmsweise Freigang hatte. Man würde denken, wir hätten ein Date gehabt und ihm war die Lust darauf oder auf mich vergangen. Innerhalb von wenigen Minuten könnte er verschwinden. Dennoch saß der junge Mann noch an Ort und Stelle, als ich von der Toilette zurück kam. „Na!“, begrüßte ich ihn nach meiner Rückkehr lächelnd und auch erleichtert, wobei ich letzteres gut kaschierte. Immerhin war ich für Nate verantwortlich und haftete für ihn, solange er hier in der wirklichen Welt war. „Das können wir machen.“, stimmte ich seinem Vorschlag spazieren zu gehen zu und erhob mich wieder. Bei seinen Worten errötete ich deutlich. „Dennoch würde ich deine Welt auch irgendwann gerne sehen und kennenlernen“, murmelte ich leise und verschränkte meine Finger mit seinen, um das Restaurant zu verlassen. „Wir werden heute in meiner Wohnung schlafen, wenn es dich nicht stört. Wir können zu Fuß gehen, es ist nicht weit. Und der Weg führt durch einen Park.“, schlug ich vor und warf dem Auto einen kurzen Blick zu. Darum könnte ich mich auch noch morgen kümmern. Also setzte ich mich wieder in Bewegung und steuerte den Park an, welcher um die Uhrzeit fast leer war. „Genieß die Luft..“, meinte ich und atmete tief ein und aus. Es war wunderschön hier. Die Blumen blühten, das Wasser des kleinen Adresse plätscherte ruhig vor sich hin und hier und da konnte man ein Tier hören. Wir hatten es nicht eilig, weswegen wir ganz gemütlich den Weg entlang schlenderten und immer wieder stehen blieben. Es war Mitternacht als wir schließlich vor dem modernen Haus ankamen, welches ich bewohne. „Hereinspaziert.“, begrüßte ich Nate und führte ihm zum Aufzug, welcher uns direkt in meine Wohnung brachte. Im Flur schlüpfte ich aus den Schuhen und bedeutete Nate, es mir gleich zu tun. „Also das ist meine Wohnung..“, meinte ich verlegen und führte Nate herum. Die Tour endete im Schlafzimmer. „Und hier werden wir die Nacht verbringen. Insofern du dir das Bett mit mir teilen willst.“, erklärte ich grinsend und fuhr mir durch die langen Haare, stand ein wenig planlos im Raum. Ich hatte noch nie männlichen Besuch gehabt, geschweige denn über Nacht. Es war für mich eine Premiere und zugegebenermaßen hatte ich ein wenig Angst vor dem, was passieren würde. „Wenn du willst, kannst du noch duschen..“, bot ich Nate also erst einmal an und deutete auf die offene Badtür. Die Zeit konnte ich dann auch ganz gut dafür nutzen, mich abzuschminken und umzuziehen.



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#125

RE: Unfair Justice | Dodo & Alex

in Unfair Justice | Dodo & Alex 25.11.2018 23:13
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Maddie konnte sicherlich nachvollziehen, wie es mir gerade erging, während ich wartete. Sie kannte mich besser als jede andere Person und war zudem auch wirklich eine empathische junge Frau. Sie hatte Herz, viel zu viel für meine kaputte Welt. Und während ich hier alleine kurz zurückblieb, hatte ich die Wahl. Ich hätte fliehen können in diese kaputte Welt, untertauchen, nie wieder kommen oder ich blieb und richtete mich nach den Regeln, die mich morgen wieder ins Gefängnis und in absehbarer Zeit zur Giftspritze bringen würden. Ich schreckte ein wenig auf, als Maddie mich wieder ansprach, kaschierte meine düsteren Gedanken schnell mit einem sanften Lächeln. Ein leichtes Lachen entwich meiner Kehle, als sie errötete. Sie sah auch so unglaublich aus. "Ich glaube wirklich, dass das keine gute Idee wäre. Meine 'Freunde' sind nicht so nett und zuvorkommend. Und so gutes Essen gibt es da auch nicht, sondern nur einen Drogencocktail", meinte ich mit einer leichten Ironie in der Stimme, auch wenn es die Wahrheit war. Ich stimmte ihrem Plan zu ihrer Wohnung zu laufen zu. Ich war neugierig wie sie wohnte. Sicher war es gemütlich und ordentlich bei ihr. Und warm. Alles Eigenschaften, die ich damals schon nicht hatte. Ihrem Rat, die Luft zu genießen, kam ich nach. Ich genoss alles an dem Spaziergang und ich hielt unser Tempo auch gerne so entspannt, damit ich so lange wie möglich noch an der frischen schönen Nachtluft war. Zusammen mit Maddie. Hand in Hand durch den Park zu schlendern mit ihr war wunderschön. Sie schien sich immerhin genau so wohl zu fühlen wie ich - oder war eine sehr gute Schauspielerin.
Als wir bei ihr ankamen, ließ ich mich neugierig herumführen, nachdem ich sorgsam die guten Schuhe zur Seite stellte. Ich hörte ihre leichte Verlegenheit, aber ich sprach sie nicht darauf an. "Du hast es schön hier. Ein Wunder wie oft du das Gefängnis bevorzugst", witzelte ich. Als sie schließlich indirekt fragte, ob ich bei ihr schlafen wollte, beschleunigte sich mein Puls etwas. Ich hatte Bilder im Kopf, die mehr als nur ein neben einander liegen mit einschlossen. Das hatten wir aber immerhin auch schon einmal erprobt, als sie Tränen überströmt bei mir in der Zelle aufgetaucht war und über Nacht bei mir geblieben war. Das hier konnte ähnlich unverfänglich bleiben, aber wenn sie mutig genug wäre, mehr zu wagen, dann sicher eher hier als in meiner Zelle oder der Arbeitswohnung des Gefängnisses. Drängen würde ich sie aber nicht. Dafür war sie mir zu wichtig, als dass ich sie verschrecken wollte - zumal sie schon mal gesagt hatte, dass sie keine Erfahrung mit Männern hatte. "Duschen klingt gut. Es wird die erste Dusche seit langem, nach der ich mich wirklich gut fühlen werde"; meinte ich und trotz fröhlicher Stimme waren die Worte natürlich nicht für die beste Stimmung gemacht. Allerdings war der Sinn einer Dusche für uns beide auch einfach Entspannung. Sie konnte sich so kurz akklimatisieren, wenn ich sie kurz alleine ließ und ich ebenso. Nach einem ganz kurzen Zögern kleidete ich mich bis auf die Boxershorts aus und legte die Kleidung sorgfältig zur Seite. Dann verschwand ich im Bad um duschen zu gehen.


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