#1

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in 𝔽𝕒𝕜𝕖 07.11.2019 20:32
von Alex • Senior Member | 5.845 Beiträge | 1040224 Punkte

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#2

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 07.11.2019 20:54
von Alex • Senior Member | 5.845 Beiträge | 1040224 Punkte



Kichernd und sich aufgeregt unterhaltend liefen zwei junge Frauen durch die Straßen der Upper East Side in New York. Beide fielen den anderen Passanten sofort ins Auge. Nicht nur, dass die Rothaarige und die Schwarzhaarige perfekt miteinander harmonierten und die Ballettkostüme, die beide noch trugen, waren auffällig. Nein, die Aufmerksamkeit der Menschen richtete sich vor allem auf die Rothaarige. Ruby Catherina Sinclair war mit ihren jungen 20 Jahren in New York bekannt wie ein bunter Hund. Ihre gleichaltrige Freundin Amira ging beinahe unter neben dem Sinclair Spross. Als Tochter des Politikers Robert Sinclair und der Bürgermeisterin Miranda Sinclair war diese Frau im Rampenlicht aufgewachsen. Vielleicht gab sie deshalb nicht viel auf die Fotografen, deren Kameras im Sekundentakt blitzten. Für Ruby war dies ihr alltägliches Leben und auch die Araberin an ihrer Seite hatte sich im Laufe der Zeit daran gewöhnt. Ruhiger wurde es erst, als die beiden Freundinnen in die Straße zu ihrem Lieblingscafé einbogen. Man kannte die Tänzerinnen dort schon und es gab immer ein Plätzchen für sie. So auch heute. Mit einer überschwänglichen Umarmung wurden sie von Doro, der Besitzerin des gleichnamigen Cafés, empfangen und zu dem runden Tisch in der Mitte des Raumes geführt. Ruby lächelte ihre langjährige Bekannte dankend an und bestellte direkt zwei Stücke Kuchen und zwei Tassen heiße Schokolade. Ruby und Amira waren wirklich eine Attraktion in dem niedlichen Café. Doro kannte ihre beiden Stammgäste schon und wusste, dass diese jeden Samstag um diese Zeit direkt nach ihrem Auftritt zu ihr kamen, um sich dafür zu belohnen. Die regelmäßigen Besuche im Café Doro sah man den Freundinnen allerdings nicht an. Ganz im Gegenteil. Die knallengen Tutus ließen keinen Spielraum für Spekulationen. Man sah jede Speckfalte, die in diesem Fall eben gar nicht erst vorhanden waren. Die Journalisten hatten mittlerweile ein neues Opfer gefunden und das Weite gesucht. Ruby atmete erleichtert auf und zwinkerte ihrer Freundin verschwörerisch zu. Die Mädchen kannten sich schon seit vielen, vielen Jahren und verstanden sich blind. Beinahe wirkten Ruby und Amira wie Schwestern, wäre da nicht das komplett voneinander abweichende Aussehen. Ruby hatte rote Haare und blasse Haut, Amira hingegen hatte schwarze Haare und einen olivfarbenen Teint. Hübsch waren beide, das stand außer Frage. Es war wohl lediglich Geschmackssache, ob man sich für die exotische Rothaarige oder für die rassige Schwarzhaarige entschied. Doch für Ruby konnte sich sowieso keiner entscheiden - der fette Klunker an ihrem linken Ringfinger sprach Bände. Trotz ihres jungen Alters war Ruby bereits verlobt. Von Liebe konnte jedoch keine Rede sein. Ihr Verlobter war Liam Henstridge, Sohn eines schmierigen Unternehmers, der zeitgleich Partner und bester Freund von Ruby's Vater war. Nachdem Ruby zur Welt gekommen war, hatten die beiden Männer schon damals ausgemacht, dass ihre Kinder eines Tages den Bund zwischen den Familien besiegeln sollten. Liam und Ruby waren diesbezüglich gar nicht erst gefragt worden. Zu ihrem 16. Geburtstag wurde die Beziehung der Beiden öffentlich gemacht, zu ihrem 20. Geburtstag vor etwa einem Monat wurde dann die Verlobung bekannt gegeben. Nächstes Jahr im Sommer sollte die große Hochzeit stattfinden. Ruby selbst wollte das alles nicht, doch ihr wurde keine Wahl gelassen. Hätte es etwas geändert, wenn sie ihren Eltern von Liam's wechselnden Launen erzählt hätte? Schon seit vier Jahren prügelte der ein Jahr Ältere seine Freundin regelmäßig grün und blau. Das dies bisher keinem aufgefallen war, grenzte beinahe an ein Wunder. Selbst Amira ging davon aus, dass Ruby und Liam das perfekte Vorzeigepärchen waren. Zumindest gaben sich die Beiden so, sobald jemand Anderes anwesend war. In ihrem Penthouse ein paar Straßen weiter flogen beinahe täglich die Fetzen. Doch daran wollte Ruby nicht denken, zumindest nicht jetzt und heute. Stattdessen wollte sie einfach den Nachmittag mit Amira genießen und die erfolgreiche Vorführung feiern. Noch bevor überhaupt die bestellten Kuchenstücke und die Getränke serviert wurden, erhob sich Ruby jedoch, um sich auf Toilette zu verabschieden. Mit einem breiten Grinsen lief die junge Frau also durch das Café in die Richtung der WC's. Sie musste wirklich ein ulkiges Bild abgeben. Oben herum das weiße Ballettkostüm,unten herum ein paar weiße Chucks. Es passte eigentlich so gar nicht zusammen und vor allem war Ruby hier fehl am Platz. Doch die junge Frau hatte sich noch nie viel aus der Meinung anderer Menschen gemacht. Sie fühlte sich wohl so und nur das zählte. Ihre Gedanken wurden jäh unterbrochen, als Etwas - oder eher Jemand - sie plötzlich anrempelte. Aufgrund der unerwarteten Wucht kam die Rothaarige ins Taumeln und konnte sich nur aufgrund ihres guten Gleichgewichtssinns auf den Beinen halten. Etwas genervt hob sie den Blick ihrer bernsteinfarbenen Augen und blickte direkt in das Gesicht eines Mannes, vielleicht etwas älter als sie selbst. Und verdammt gut aussehend.



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#3

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 07.11.2019 23:02
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es sind schon einige Wochen vergangen, seit Jon in New York angekommen war. Sein Auftrag war nicht ganz einfach, daher gab es bisher weder wirkliche Fortschritte noch irgendwelche großen Aktionen. Zunächst einmal hatte er sich Alibikunden für seine offizielle Arbeit gesucht. Einige Firmen hatten angenommen und mussten nun also nebenher auch noch bespaßt werden. Wirkliche Recherche fiel dann schwer und war noch nicht so ergiebig gewesen, aber das war okay. Seine Aufträge waren immer eher diejenigen, die Zeit in Anspruch nahmen und ein gutes Setting abverlangten, damit die Tarnung perfekt war. Das FBI untersuchte sonst ja gerne schnell mal Vielreisende, die zufällig immer dann in einer Stadt waren, wenn dort ein Mord geschah, der von öffentlichem Aufsehen begleitet war. Das konnte Jon nicht gebrauchen. Vermutlich war er nämlich einer von einer Handvoll Auftragsmördern, die nur eine und dann auch noch eine echte Identität hatten. Und er hatte nicht vor, langfristig aufzufliegen. Daher war sein Bruder im Hintergrund. Sie waren eineiige Zwillinge, niemand konnte sie unterscheiden. Und damit alles glatt lief, hatten sie sich gut abgesprochen. Solange Jon öffentlich sichtbar agierte, war Michael unsichtbar, ein Phantom. Wenn es darum ging, die Zielperson zu töten, dann erst wurde er aktiv. Denn eine Tatzeit verlangte ein Alibi, wenn er mal von einer Behörde befragt werden würde. Allerdings kam das noch nie vor. Er war ein Freund von Scharfschützengewehren, war daher nie sichtbar für Zeugen und gleichzeitig holte er sich die Zeugen gerne ganz woanders. Es war ein ausgeklügeltes System, es verlangte Disziplin und Ordnung. Das waren auch die Dinge, die ihn nicht mehr aus der Ruhe brachten. Jemanden zu töten, berührte ihn nicht mehr oder zumindest konnte er das gut unterdrücken.
Nun ging es aber darum, sich erst Informationen zu beschaffen, und zwar über eine Person, die nicht viel Privates preisgab. Man wusste zwar ein paar grobe Dinge, aber nicht wirklich etwas, was einen Skandal auslösen konnte oder was den Auftraggeber glücklich machen würde. Wer genau das war, wusste Jonathan nicht, aber es musste ein Großunternehmer sein, der sich in New York ein neues Standbein ohne große Konkurrenz aufbauen wollte. Denn er wollte Informationen aus dem Unternehmen und dann den Tod des Bosses. Vermutlich, weil die Firma dann erst an den vermutlich nicht so kompetenten Sohn geben würde. Die Aktien brechen ein, vor allem wenn dann Geheimnisse ans Licht kommen und voila, der andere Unternehmer hat freie Bahn. So funktionierte moderne Marktwirtschaft.
Und die Basis all dessen, was noch passieren musste, war ganz weit weg von der Wallstreet und befand sich laut aktuellem Stand jeden Samstag in diesem kleinen süßen Café. Es hatte schon jemand vor Jon angefangen, die kleine Ruby Sinclair zu beschatten. Aus der Ferne und unauffällig, aber das war auch nicht sehr schwer. Das Mädel war so auffällig mit ihren roten Haaren und dem Paparazzischwarm um sich herum. Und sie war ein offeneres Buch als der große Unternehmer. Jon wusste bereits, an welcher Uni sie eingeschrieben war, dass sie verlobt war, wo sie zum Ballett ging und zu welchen Zeiten. Und eben, dass sie danach hier herkam mit ihrer besten Freundin. Die war lästiges Beiwerk, aber nicht so störend wie Paparazzi, die dazwischen grätschen würden, weil sie sich mit einem Kerl unterhielt, der doch definitiv besser aussah als ihr Verlobter. Vielleicht war das eitel und arrogant so zu denken, aber der junge Mann konnte das nun mal einfach zu recht behaupten.
Jon war schon vor den beiden Mädels in dem Café gewesen mit Unterlagen eines Unternehmens, um da schon einmal drüber zu schauen. Beide Jobs zu vereinen war das klügste, was er machen konnte. Als er sah, dass die beiden reinkamen, beobachtete er sie kurz, ehe er aufstand, um am Tresen einen neuen Kaffee zu bestellen. Er hätte natürlich auch warten können, bis die Kellnerin zu ihm kommt, aber se war ja eben beschäftigt. Und er konnte sich so kurz einen unverfänglichen Flirt mit der Angestellten am Tresen leisten. Als er aus dem Augenwinkel sah, wie Ruby aufstand, verabschiedete er sich von der Dame am Tresen, nur um dann den größten Trottel zu spielen. Er trat Ruby beabsichtigt in den Weg, drehte sich dabei und stieß mit ihr zusammen. Weil er der ‚geborene Gentleman‘ war, ließ er aber den Kaffee nur über sein eigenes Shirt schwappen. Er wollte zwar mit ihr gerne ein paar Worte wechseln, aber sicher nicht so, dass sie ihn anbrüllte und dazu aufforderte, ihr ein neues Ballettdress zu kaufen oder die Reinigung zu bezahlen. Auch wenn es bei ihm an Geld nicht mangelte.
„Oh Mist“, fluchte er leise, während er die Tasse wieder ins Gleichgewicht brachte – auch wenn er das ja alles beabsichtigt hatte. Und auch wenn er schon den Schmerz von einer Schusswunde überstanden hatte, so brannte doch der heiße Kaffee auf der Haut. Dann blickte er mit einem verlegenen Lächeln, das unglaublich charmant aussah, in Rubys Gesicht. Er hatte vorher ja schon gewusst, wie sie aussah, aber er war doch kurz ein bisschen überrascht, wie hübsch ihre Augen waren. „Sorry. Hast du etwas abbekommen? Ich hätte vorher gucken sollen, wohin ich trete“, gestand er zu, machte dann erst einen halben Schritt zurück um ihr ein bisschen Freiraum zu gewähren.


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#4

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 07.11.2019 23:24
von Alex • Senior Member | 5.845 Beiträge | 1040224 Punkte

Ob es gut war, dass der Fremde sich den Kaffee über das eigene Shirt geschüttet hatte und nicht über Ruby? Vermutlich ja. Auch wenn die Rothaarige nicht zu der Art von Mensch gehörte, die deswegen eine große Szene machte - auf heißen Kaffee auf ihren Kostüm konnte die 20-Jährige dann doch verzichten. Die Augen des Übeltäters zogen Ruby für einige Sekunden in ihren Bann und ließen sie beinahe vergessen, dass der Kerl sie über den Haufen gerannt hatte. Wie konnte jemand so schöne Augen haben? Dieses Blau...da konnte auch Ruby mit ihren bernsteinfarbenen Augen nicht m ihr halten. Nur langsam wanderten genau diese Augen über das markante Gesicht ihres Gegenübers bis hinab zu seiner Brust, die recht muskulös zu sein schien. Zumindest wirkte das, was Ruby sehen konnte, sehr danach. Für nur eine Sekunde schloss die Studentin ihre Augen und atmete tief durch. Jeder hier würde denken, sie würde einfach nur versuchen, nicht auszurasten. Tatsächlich musste sich Ruby aber von dem gut aussehenden Kerl losreißen. Männer waren für sie tabu und Liam verstand in dieser Hinsicht genauso wenig Spaß wie in allen anderen Bereichen seines Lebens. Ein falscher Blick von Ruby genügte, um den reichen Amerikaner zur Weißglut zu bringen. Er ließ es sich zwar in der Öffentlichkeit nie anmerken, doch sobald die Beiden alleine waren, zeigte Liam sein wahres Gesicht. Würde jetzt einer der Reporter ein Bild machen und es Liam unter die Nase halten...Ruby wollte den Gedanken gar nicht weiter ausführen. Liam konnte sich alles leisten. Finanziell als auch rechtlich. Niemals würde es etwas bringen, den 23-Jährigen zur Rechenschaft zu ziehen. Vermutlich würde man der Rothaarigen sowieso nicht glauben. Denn wieso würde jemand wie sie mit einem brutalen Schläger zusammen bleiben und diesen sogar im folgenden Jahr heiraten? Nachdem sich Ruby‘s Herzschlag allmählich verlangsamte, hob sie den Blick wieder an und blickte direkt wieder in das charmante Gesicht des Fremden. Warum musste er sie so anlächeln?! Ruby wäre es tausendmal lieber gewesen, angeschnauzt zu werden. Als der Fremde das Wort ergriff, schluckte die 20-Jährige leicht. Natürlich war auch seine Stimme perfekt. Warum musste ausgerechnet sie kurz nach ihrer Verlobung solch einem Mann über den Weg laufen? Hätte er nicht Amira über den Haufen rennen können? À propos Amira. Kurz wanderte Ruby‘s Blick zu ihrer Freundin, welche sich jedoch auf ihr Handy konzentrierte und von dem Malheur gar nichts mitbekam. Antworten. Ruby sollte endlich antworten. Aber was hatte der Typ gleich nochmal gesagt? Sie biss sich nachdenklich auf die Unterlippe, sah dabei gewohnt sexy aus, auch wenn das nicht ihre Absicht war. Zumindest nicht jetzt gerade. „Alles gut.“, kam es ihr irgendwann mit brüchiger Stimme über die Lippen. War das diese Liebe auf den ersten Blick, von welcher Amira ständig sprach? Wohl kaum. Ruby glaubte nicht an Liebe auf den ersten Blick. Der Fremde hatte sie lediglich überrumpelt und dadurch ein wen ich durcheinander gebracht. Mittlerweile hatte auch Amira bemerkt, dass ihre beste Freundin nicht wie angekündigt auf der Toilette war, sondern sich mit einem gut aussehenden Kerl unterhielt. Mit einem breiten Grinsen kam die Dunkelhaarige also langsam auf die Beiden zu und fixierte den Kaffeefleck auf dem Shirt des Fremden. „Das sollte schleunigst gewaschen werden. Sonst bekommst du das nicht mehr raus.“, stellte die Araberin mit einem frechen Grinsen fest und zwinkerte Ruby kurz zu. „Du wohnst doch nur ein paar Straßen weiter, Süße. Anhängsel ist doch eh noch auf Geschäftsreise. Nimm den netten Mann hier doch mit zu dir und wasche ihm sein Shirt. Immerhin hat er sich den Kaffee lieber selbst drüber gekippt als dir zu schaden.“
Ja, Amira war ab von immer sehr vorlaut und frech gewesen. Die Freundinnen ergänzten sich charakterlich einfach perfekt. „Amira...“, kam es warnend über Ruby‘s Lippen und sie warf der Freundin einen bösen Blick zu. Diese hatte Liam noch nie gemocht und nannte ihn nur Anhängsel. Ihr kam dieser Vorfall mit dem Fremden hier ganz gelegen und natürlich würde sie es so gut es eben ging unterstützen. „Ich muss jetzt sowieso weg. Hab noch ein Tinderdate. Ciao!“
Bevor Ruby noch reagieren konnte, war Amira auch schon abgerauscht. „Tinderdate...“, wiederholte sie kopfschüttelnd und lachte leise. Auch so etwas gab es in ihrem Leben nicht. Nachdenklich sah sie wieder zu dem jungen Mann. Der Kaffeefleck sah wirklich nicht gut aus. Doch sie konnte doch keinen Fremden mit zu sich nach Hause nehmen. Sie wusste nichts über den Blauäugigen. Er konnte ein Spion sein, ein Mörder, ein Erpresser. Sofort ratterten einige Horrorszenarien durch Ruby‘s Kopf. So schwieg die Tänzerin einfach nur unbeholfen und verschränkte die Arme vor der beinahe nackten Brust, die nur nur den dünnen Stoff des Ballettkostüms verdeckt wurde. Gerade fühlte sich Ruby doch etwas unwohl.



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#5

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 08.11.2019 02:07
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Das einzig gute an dieser abgepassten Situation war, dass er durch das vorige Gespräch mit der Tresenfrau zum Glück keinen brühendheißen Kaffee abbekommen hatte. Dennoch war der Kaffee unangenehm heiß auf der Haut. Heiß und nass. Jon merkte, wie sich der Stoff an seine Haut klebte und etwas schwerer wurde. Hätte er die Hände freigehabt, hätte er den Fleck gerne ein Stückchen von der Haut weggezupft, damit es nicht mehr so brannte, aber was sollte er schon groß machen, wenn er die Tasse noch festhielt und den Unterteller auch noch balancierte, damit der Rest der Flüssigkeit nicht auch noch umschwappte. Und das alles während er seiner ersten Zielperson dieses Auftrags in die Augen blickte. Wenn er ihre Gedanken hören könnte, würde er widersprechen. Klar, seine Augen waren sehr stark, bildeten einen starken Kontrast mit ihrer Helligkeit zu seinem gebräunten Teint. Aber ihre Augen waren wie ein klarer Edelstein, rein und von einem schönen warmen Ton. Allein in ihrer Iris lag trotz ihrer genervten Mimik so eine Wärme, wie er sie niemals haben könnte. Es kam selten vor, dass etwas ihm so viel Aufmerksamkeit abverlangte und so viel Raum seiner Wahrnehmung einnahm wie dieser kurze Augenblick. Zum Glück brach sie dann den Augenkontakt indem sie die Augen schloss.
In dem Moment sammelte sich der junge Mann wieder, besann sich auf seine Ausbildung. Wie viele Stunden war er in einem Labyrinth eingesperrt gewesen und musste sich befreien, während verschiedene Gefahren auf ihn lauerten, hatte sich in gestellten Alltagssituationen unvorbereitet mit Angriffen auseinandersetzen müssen. Er hatte gelernt, seine Umgebung immer zu scannen, die Personen einzuschätzen und Fluchtwege in petto zu haben. Jeder seiner Aufenthaltsorte, die er einplante, waren zumindest grob vorher bedacht. Und je nachdem wohin er wollte, fiel seine Wahl einer mitgeführten Waffe aus. In der Regel reichte ihm ein Messer, wie auch jetzt. Ein Klappmesser. Von außen sah es aus, wie ein Erbstück. Die Nieten etwas rostig, eine Gravur mit dem Familiennamen. Aber er konnte es aufspringen lassen und dann kam eine unglaublich stabile, extrem scharfe Klinge hervor. Er könnte sich auch ohne Waffe verteidigen, aber es war ihm einfach lieber, eine dabei zu haben für den Notfall. In seiner Branche wusste man nie, wann man doch mal auf jemanden traf, der viel Geld dafür bekam, das Kollegium ein wenig auszudünnen. Es kam immer mal vor, dass ein Auftragskiller auf einen anderen angesetzt wurde, wenn auch eher auf die, die einfach zu viel wussten oder zu viel Fragen gestellt hatten.
Kurz huschte ein kleines Schmunzeln über seine Mundwinkel, als sie mit so brüchiger Stimme meinte, dass alles gut wäre. Er hätte nicht gedacht, so einen starken Eindruck auf sie zu machen und sie so aus der Bahn zu werfen. Er wusste noch nicht ganz, woran es lag. Da er auch nur das perfekte Bild von ihr mit ihrem Verlobten kannte, würde er zumindest nicht vermuten, dass ihre Hormone wegen ihm durchdrehten. Vielleicht hatte er sie wirklich einfach so aus dem Konzept gebracht. Konnte ja nicht jeder ein solches Training absolvieren, dass man mit jeder Situation und mit jedem Menschen umgehen kommen müsste. Scheinbar hatte es ganz kurz bei ihm auch einen Aussetzer gezeigt, aber immerhin war es ein Zeichen dafür, dass er irgendwie noch Mensch und nicht nur Maschine war. Er sah ihre Freundin kommen, aber sie schlich sich auch nicht gerade an. Lediglich tat sie so, als würde sie sich anpirschen auf seinen Kaffeefleck. Auch wenn es ihn nicht wirklich überraschte oder betraf, gab er sich leicht überrumpelt. Als hätte er nicht damit gerechnet, dass ihre Freundin sich dazu gesellte. Es war zwar nicht Teil seines Plans gewesen, aber es war jetzt auch nicht dramatisch. "Oh..meinst du?", murmelte er, als sie ihn darauf hinwies, dass das schnell gewaschen werden sollte. Doch bevor er noch einen lockeren Spruch hätte bringen können, plapperte sie schon weiter und versuchte den beiden anzudrehen, zusammen zu Ruby zu gehen. Mit hochgezogener Augenbraue sah er sie an, jetzt doch etwas überrascht. Es fiel ihm zwar in die Hände, selbst wenn daraus nichts wurde, aber wenn er bedachte, wie offenherzig sie so daher redete... Er merkte eindeutig, dass er aus einer Welt kam, wo man sich Gedanken machte, was man sagte. Sie hatte ihm in wenigen Sekunden gerade erzählt, dass sie nahe dran wohnte und dass ihr Verlobter - so interpretierte er - gerade nicht da war. Er schüttelte leicht den Kopf mit einer irritierten Miene. "Ach was, ich komm schon klar", wiegelte er ab, doch da verabschiedete sich ihre Freundin auch schon zu einem Date. Das sie über Tinder kennengelernt hatte. "Eh.. okaay", Er blickte ihr nun doch wirklich leicht überfordert nach. Auch Ruby lachte leise.
"Deine Freundin ist echt interessant. Ist sie immer so auf dem Sprung? Und geht in einem Ballettkostüm auf Dates?", schmunzelte Jonathan, als sein Blick wieder auf Ruby fiel, die etwas unbeholfen vor ihm stand. "Also.. du musst mich natürlich nicht mitnehmen nur um ein Shirt zu waschen. Ich werde einfach gemütlich meinen Kaffee austrinken, bevor noch ein zweiter Fleck drauf kommt und gab das dann im Hotel zur Reinigung, die schaffen das schon. ", erklärte er locker, wendete sich leicht in Richtung seines eigentlichen Tisches, der noch immer mit Unterlagen bestückt war. Er hegte ein bisschen die Hoffnung, dass sie drauf ansprang und zumindest fragte, was er in New York machte oder in welchem Hotel er war. Wenn er ein bisschen langweiliges Zeug von sich erzählen konnte, würde sie ihm vielleicht schneller vertrauen. Und der beste Bonus wäre, wenn sie ihrem Verlobten erzählen würde, was er beruflich macht und er dadurch an die Firma dessen Vaters gelangt. Dann wäre das hier schnell abgefrühstückt. Wenn er mehr mit ihr zu tun haben musste, schaffte er das aber sicher auch irgendwie. "Du kannst dich aber sonst auch gern zu mir setzen. Immerhin ist dir deine Freundin gerade weggelaufen", schlug er mit einem Zwinkern vor.


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#6

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 08.11.2019 14:19
von Alex • Senior Member | 5.845 Beiträge | 1040224 Punkte



Die bernsteinfarbenen Augen wanderten Gedanken verloren zurück auf den sich ausbreitenden Kaffeefleck, welcher nun die Brust des Fremden zierte. Trotz des Stoffes musste das Getränk doch verdammt heiß auf der Haut sein, oder etwa nicht? Ruby legte die Stirn in Falten und stellte erneut fest, wie froh sie darüber war, dass der Inhalt der Tasse nicht auf ihr gelandet war. Der Verursacher schien noch immer damit zu kämpfen, nicht noch den Rest zu verschütten. Schmunzelnd zog die Rothaarige die Augenbrauen leicht nach oben und fragte sich, warum er die Untertasse samt Tasse nicht einfach auf dem nächstbesten Tisch abstellte.
Zumindest schien er genauso überfordert mit Amira zu sein wie Ruby selbst. Die Dunkelhaarige ließ den jungen Mann gar nicht erst zu Wort kommen, was ihrer besten Freundin ein leises Kichern entlockte. Amira war schon...sehr einnehmend. Doch Ruby liebte sie unter anderem genau dafür. So schnell wie die Araberin aufgetaucht war, so schnell war sie auch schon wieder verschwunden. Nach wie vor in dem schneeweißen Ballettanzug mit dem buschigen Tutu. Lächelnd sah Ruby ihr für eine Sekunde nach, ehe der Fremde endlich wieder das Wort ergreifen konnte. Interessant. Dieses Wort beschrieb Amira sehr gut. Ruby zuckte nur mit den schmalen Schultern und sah wieder zu ihm auf. "Amira ist...ein sehr lebensfroher und quirliger Mensch. Langweilig wird mir mit ihr nie.", erklärte die 20-Jährige nach kurzer Überlegung und zuckte dann ein weiteres Mal mit den Schultern. "Amira würde vermutlich auch nackt auf ein Date gehen.", warf sie lachend ein und fuhr sich durch die roten Haare. Ruby selbst konnte bei solchen Dingen nicht mitreden. Für sie hatte es schon immer nur Liam gegeben. Beziehungsweise geben müssen. Sie hätte es nicht einmal in Betracht gezogen, sich auf ein Date mit einem anderen Mann einzulassen. Nicht, dass sie dazu nicht die Möglichkeit gehabt hätte. Schon zu Schulzeiten hatte sie haufenweise Verehrer gegeben. Doch beinahe täglich war Ruby von ihren Eltern darauf hingewiesen worden, dass nur Liam in Frage kam. Der guten Verbindung wegen. Ruby wurde schon schlecht, wenn sie nur daran dachte. Natürlich sah der Unternehmer verdammt gut aus und war auch verdammt wohlhabend. Doch sein Charakter war einfach zum kotzen. Schon wieder schweifte Ruby mit ihren Gedanken so ab, dass sie den jungen Mann beinahe vergessen hätte. Seine Worte ließen sie leicht schmunzeln. "Ich hätte auch keinen fremden Mann mit zu mir in die Wohnung genommen.", stellte die Amerikanerin grinsend fest. Für Amira stellte das vielleicht kein Problem dar, aber bei Ruby...Nein. Auch wenn Liam nicht da war, würde er es garantiert herausfinden. Früher oder später kam bekanntlich alles ans Licht. So würde Ruby kein Risiko eingehen. Selbst wenn die Gefahr nicht von ihrem Verlobten ausging, war es ziemlich gefährlich. Nicht nur weil Ruby eine junge, hübsche Frau war. Auch die Tatsache, aus welcher Familie sie kam, spielte hierbei eine große Rolle. So war die Rothaarige Fremden gegenüber lieber vorsichtig und zurückhaltend. Auch wenn es sich dabei um verdammt heiße Männer handelte. Zu ihrem Glück hatte sich der Fremde bereits dazu entschlossen, sein Shirt einfach in die Reinigung zu geben. Doch Hotel? Ruby hielt inne. Wenn er in einem Hotel lebte, war er vermutlich nur zu Besuch in der Stadt. Also war er für sie sowieso aus dem Schneider. Amira konnte ihn ja haben, den die Dunkelhaarige gab nicht viel auf Entfernungen. Ruby's Blick folgte dem des Mannes. Ein Tisch voller Unterlagen. Also war er wohl geschäftlich in New York. Warum es ihn aber ausgerechnet ins Doro's verschlagen hatte, konnte sie sich nicht erklären. Sein Angebot ließ Ruby aufhorchen. Er hatte Recht. Amira war gerade abgehauen und hatte sie hier alleine gelassen. Hatte sie heute noch etwas Wichtiges vor? Nein. Also was sprach dagegen, wenn sie sich noch ein wenig zu dem Fremden setzen würde? "Solange mein Verlobter nichts davon mitbekommt...", stimmte sie also mit gedämpfter Stimme zu und setzte sich in Bewegung, um ihre Sachen von dem einen zu dem anderen Tisch zu räumen und sich dort auf den gemütlichen Sessel zu setzen. "Was treibst du denn hier in New York?", erkundigte sich die Rothaarige mit einem leichten Nicken auf die Unterlagen, ehe sie sich ein Stück Kuchen in den Mund schob und dieses zufrieden kaute.



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#7

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 08.11.2019 22:57
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Manchmal würde Jonathan wirklich gerne auch mal so normal sein wie all diese normalen Leute. Er hatte vorhin ja schon so einige Gesprächsfetzen aufgeschnappt, sah in den Einkaufspassagen die ganzen Werbungen, in den Nachrichten die neusten Berichte über das Pärchen Von und Zu Berühmtheit. Es war alles so belanglos, aber die Menschen hatten nichts, worum sie sich sonst Sorgen machen mussten. In dieser medialen Zeit verbreiteten sie so viele Informationen über sich ohne nachzudenken. Denn das Böse existierte nur in den Nachrichten. Entweder über einige wenige böse Menschen, das Klima oder Gewaltkrisen weit weg von dem eigenen wohlbehüteten Heim. Natürlich waren nicht alle so gutgläubig, aber manchmal war es doch einfach nur zum Kopf schütteln. Wenn er sich auf Entführungen spezialisiert hätte, dann könnte er sicher im Handumdrehen ein Mädel finden, dessen reicher Vater viel Geld für sie zahlen würde und wüsste durch Social Media sicherlich auch sehr schnell, wann er sie am besten wo aufgabeln konnte.
Bei Ruby war das etwas schwieriger gewesen. Es gab keinen Twitter-Account auf dem sie alle drei Sekunden ein neues Statusupdate gab oder häufige Instagram-Postings über das Essen, die Umgebungen, die Freunde und so weiter. Er musste sie behutsam kennen lernen. Sie war nicht der einzige Weg an das Unternehmen des zukünftigen Schwiegervaters ranzukommen, aber der unauffälligste, galanteste. Wenn es nicht funktionierte, würde es körperlich und taktisch sehr viel schwieriger werden. Und er müsste Michael in die Stadt holen, damit er ihm laufend Alibis geben könnte für etwaige Einbrüche und Hack-Angriffe auf die Firma, damit seine offizielle Weste rein blieb. Bisher war der nämlich in der [ii]SI[/i] auf Abruf oder erledigte irgendwo einen anderen Auftrag, der auch ohne viel Drumherum funktionierte.
Jon lachte auf, als sie meinte, dass Amira auch nackt auf ein Date gehen würde. Vielleicht hätte er sogar noch eine Ecke weiter weg vom Unternehmer ansetzen sollen und sich Amira angeln sollen. Wobei er das immer noch könnte. Dann könnten sie auf Doppeldates gehen, er würde fadenscheinige Gemeinsamkeiten mit ihm finden und dann langsam aber sicher immer mehr abgreifen an Daten und Informationen. "Das heißt also, dass man entweder definitiv oder definitiv nicht dabei sein möchte", sagte er mit einem frechen Grinsen, während er aufmerksam ihrer Geste folgte, wie sie sich durchs Haar fuhr. Es war wirklich ein fast unwirklicher Rotton. Sollte sie jemals Ziel eines Attentats sein, würde es nicht schwer fallen, ihren Kopf von anderen zu unterscheiden. Allein dieser Gedanke, zusammen mit einer bildlichen Vorstellung dazu, war mal wieder Beweis dafür, wie sehr er sich von den anderen unterschied. Sie waren für ihn nur potentielles Opfer oder Mittel zum Zweck.
"Ist auch besser so. Ich mein, ich tu dir zwar sicher nichts, aber das kann halt auch jeder sagen", antwortete er bekräftigend auf ihre Aussage, dass sie keinen Fremden mitnehmen würde. Er kam sich dabei leicht ironisch vor. Immerhin war er das Böse, vor dem sie sich sorgte, das Böse, das er gerade behauptete nicht zu sein. Andererseits hatte er ja wirklich nicht vor, ihr etwas zu tun. Zumindest würde es dabei bleiben, wenn der Auftraggeber sich nicht dazu entschied oder wenn sie nicht zufällig eine gefährliche Zeugin wurde. Bei ihrer etwas leisen Aussage, dass ihr Verlobter nichts mitbekommen durfte, neigte er leicht den Kopf schief, zog die Brauen etwas zusammen. "Wow, so jung schon verlobt?", er gab sich überrascht. "Aber.. ist er denn so schnell so eifersüchtig?", fragte er vorsichtig. Es deutete weiter darauf hin, dass er sich lieber an Amira hätte heften sollen. Wenn sich die Frage bestätigte, konnte es schwierig werden, dass Ruby mit einer guten Empfehlung an ihn treten würde, sodass Jon einfaches Spiel hatte.
Schließlich setzte er sich mit ihr an seinen Tisch, nippte kurz an seinem Kaffee, ehe er die Tasse beiseite stellte. Dann folgte er ihrem Wink zu den Unterlagen, rieb sich mit einer Hand durch den Nacken und gab ein leicht verlegenes Lachen von sich. "Ach das ist geschäftlich, langweilig. Ich berate Firmen in den Bereichen Marketing und Management, erstelle ihnen Konzepte, Websites und so weiter. Ich hab hier einige Großkunden bekommen, werde also sicher eine Weile im Big Apple bleiben", erklärte er und musterte sie leicht. Er war gedanklich schon einige verschiedene Schritte weiter, wog Alternativen ab. Würde sie ihn fragen, wie er hieß, würde sie ihm vorschlagen die Stadt zu zeigen? Vermutlich nicht von sich aus. Sie war vorsichtiger als ihre Freundin. Und auffälliger in der Öffentlichkeit, weil sie bekannte Eltern hatte und war verlobt. Nun ja. Je länger er brauchte um diesen Job zu erledigen, desto weniger Menschen musste er töten und desto weniger musste er rumreisen. Es hatte zwar auch Vorteile, die ganze Welt zu sehen, aber jede seiner Reisen war nun mal durch blutige Taten überschattet.


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#8

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 08.11.2019 23:10
von Alex • Senior Member | 5.845 Beiträge | 1040224 Punkte



Der Fremde hatte mit seiner Aussage definitiv Recht. Niemand hätte wohl zugegeben, etwas Böses im Schilde zu führen. Fingen die schlimmsten Geschichten nicht genau so an? Person A erschlich sich das Vertrauen von Person B, um diese Person B irgendwann aus dem Weg räumen zu können. Unbemerkt, ohne Hinweise und Spuren. Bei dem Gedanken daran verzog Ruby das Gesicht. Sie beschäftigte sich definitiv viel zu viel mit solchen Fällen. Doch gerade erst hatte sie in der Uni eine Vorlesung zu genau diesem Thema gehabt. Oder zumindest einem ähnlichen Thema. Was macht einen Serienmörder aus? Die 20-Jährige interessierte sich sehr für die Psyche der Menschen, immerhin studierte sie nicht umsonst Psychologie. Angeblich schlummerten in jedem Serienmörder die so genannten Killer-Gene. Erneut verzog die Rothaarige das Gesicht und seufzte kaum hörbar auf. Lediglich ein leichter Luftstoß verließ ihren Mund durch die leicht geöffneten Lippen. Ihre Verlobung schien für den jungen Mann doch etwas überraschend zu kommen. Hilflos zuckte Ruby mit den schmalen Schultern und lächelte unschuldig. "Du hast dir wohl die falsche Freundin ausgesucht.", warf sie schmunzelnd ein und lachte leicht auf. Bei Amira hätte er definitiv bessere Karten gehabt. Amira kam zwar au seinem sehr konservativen Land, ihre Familie war aber sogar moderner eingestellt als die Sinclairs. Beinahe beneidenswert. Eifersüchtig. Dieses Wort beschrieb Liam ganz gut. Erneut zuckte Ruby mit den Schultern und seufzte dieses Mal lauter auf. Warum sollte sie mit dem Kerl hier überhaupt über ihren Verlobten reden? "Er möchte halt einfach, dass ich ihm alleine gehöre. Er weiß zwar, dass ich niemals auch nur auf die Idee kommen würde, ihn zu betrügen, aber Angst hat er dennoch. Aber jeder Mensch hat doch negative Eigenschaften, nicht?", redete sich die Studentin geschickt aus der unangenehmen Situation heraus. Viel lieber unterhielt sich Ruby mit dem Fremden, der ihr nach ihrer Frage bezüglich der Unterlagen etwas von seinem Job erzählte. Klang auf jeden Fall interessant. Für Ruby war es vermutlich nichts, denn bei ihr funktionierte Marketing sowieso von alleine. Damit brauchte sie sich also nicht weiter zu beschäftigen. Also nickte die junge Rothaarige nur leicht und ein Anflug eines Lächeln erschien in ihrem hübschen Gesicht als der Fremde ihr offenbarte, dass er wohl länger hier sein würde. "Dann kannst du ja noch ein paar weitere Frauen anrempeln und dich mit Kaffee bekleckern, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.", stellte die 20-Jährige amüsiert fest und deutete mit einem Nicken auf den dunklen Fleck auf seiner Brust. "Aber wie wäre es, wenn du mir jetzt erst einmal deinen Namen verrätst, geheimnisvoller Fremder.", fiel es Ruby dann grinsend ein, ehe sie ihm auch schon die Hand hinstreckte und sich mit einem freundlichen "Ruby." vorstellte.



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#9

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 09.11.2019 00:16
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Also Jonathan wusste zwar, dass Ruby Psychologie studierte, aber die genauen Inhalte des Studiums kannte er natürlich nicht. Er konnte ja auch schlecht für jeden Job, den er annahm, die ganze berufliche Laufbahn der Leute nachvollziehen. Er war zwar sehr intelligent, aber in so kurzer Zeit konnte er nicht immer alles lernen. Er hatte eine grobe Idee davon, was Thema ihres Studiums war, aber er kannte ja nicht die Modulpläne der einzelnen Semester. Wobei er vermutlich recht einfach an ihren Seminarplan kommen würde, nur hatte er sich bisher damit noch nicht auseinander gesetzt. Sonst hätte er vermutlich auch mit ihr zusammen sein eigenes Leben analysieren können. Wenn er mal erwischt werden würde, wäre er sicher ein spannendes Forschungsobjekt der Behörden und psychologischer Gutachter. Immerhin musste er sich seine Identität mit einer anderen Person teilen - wobei sein Bruder es noch schwerer hatte, denn er war im Prinzip nie er selbst -, er war mit Gewalt, Härte und dem blanken Überlebenskampf aufgewachsen. Er hatte nie elterliche Liebe erfahren und hatte nie etwas anderes gemacht als Leute auszuspionieren, zu benutzen oder zu töten. Vermutlich war er psychisch krank, anders würde er das alles nicht überstehen. Aber es war ja nie eine eigene, freie Entscheidung gewesen, Mörder zu werden. Er hatte im Prinzip keine andere Wahl gehabt und war nun mal einfach extrem gut in dem, was er tat, konnte sich emotional zum Glück einfach so weit davon abgrenzen, dass er damit leben konnte.
"Ach Quatsch. Wenn ich sowas wollen würde, würde ich meine Wochenenden sicher nicht in einem Café vertrödeln, sondern wäre auf so einem Date", meinte er schulternzuckend. Wenn man wusste, was er wirklich war und tat und was er dagegen aber sagte und wie er das auch so glaubhaft darstellte, könnte man echt denken, dass er zwei Persönlichkeiten hatte. Er hatte nämlich durchaus schon öfter solche Dates gehabt, die schlicht und einfach auf Sex hinausliefen. Er war eben auch nur ein junger Mann mit Bedürfnissen. Aber Ruby sollte ihn nicht für einen Arsch halten, der gerade nur versuchte sie aufzureißen. Er wollte ein normaler Kerl für sie sein, mit guten und schlechten Eigenschaften, der ein Freund oder zumindest ein guter Bekannter sein konnte. Und während er darüber nachdachte, sprach sie genau das an. Negative Eigenschaften gehörten nun mal dazu. "Da hast du recht", meinte er, wollte eigentlich noch hinzufügen, dass es vielleicht einfach ein zu starkes Zeichen für seine Liebe war, aber er konnte Ruby ansehen, dass sie sich etwas unbehaglich fühlte. Er hatte vielleicht nicht die statistischen und wissenschaftlichen Aspekte der menschlichen Psyche gelernt, aber er hatte gelernt, wie man sie las und manipulierte. Wenn er recht drüber nachdachte, könnte er vielleicht doch ein Sozio- oder Psychopath sein. Aber das konnte er nicht diagnostizieren und würde sicher auch niemanden an seinem Verstand rumdoktoren lassen.
Ein kleines Schmunzeln lag auf seinen Lippen, als sie vorschlug, weitere Frauen anzurempeln. "Also ich verzichte auch gerne auf das Rempeln und den heißen Kaffee auf der Haut, aber in einer fremden Stadt neue Leute kennenzulernen ist schon eine gute Idee", erwiderte er, tippte sich kurz an die Brust auf den nassen Fleck. Inzwischen war der abgekühlt, klebte deshalb nun kalt auf der Haut. Besser fühlte es sich also auch nicht unbedingt an. "Jonathan, hi", stellte er sich dann ebenfalls vor, lehnte sich leicht zu ihr und ergriff mit einem freundlichen, vernünftigen Druck ihre Hand. "Und ich bin gar nicht so geheimnisvoll", setzte er dann mit einem Zwinkern hinzu. Eine glatte Lüge.


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#10

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 09.11.2019 13:50
von Alex • Senior Member | 5.845 Beiträge | 1040224 Punkte



Hätte Ruby gewusst, wie viel der Fremde schon über sie wusste und das ihr Kennenlernen schon lange geplant worden war, hätte sie vermutlich auf der Stelle ihre Kontaktperson bei der Polizei gerufen und den Mann verhaften lassen. Doch so ahnte die junge Tänzerin nicht einmal, dass ihr netter Gesprächspartner etwas Böses im Schilde führte. Klar, Ruby war aufgrund ihrer sozialen Stellung immer vorsichtig. Gegen ein nettes Gespräch sprach aber in der Regel nichts. In diesem Fall zwar doch, aber das konnte die 20-Jährige ja nicht ahnen. So musterte Ruby ihren Gegenüber wieder lächelnd und nickte grinsend. "Dates bekommen solltest du aber schon, wenn du es darauf anlegst. New York ist voll mit Singlefrauen.", stellte die Rothaarige kichernd fest. Sie selbst hätte sich nur allzu gerne auf ein Date mit dem Fremden eingelassen. Allerdings hatte sie ja Liam. Der Liam, dessen extra eingestellter Klingelton nun aus ihrem Handy ertönte. Genervt verdrehte Ruby die Augen und lächelte entschuldigend, ehe sie den Anruf annahm. "Hi, Schatz.", gab sie mit lieblicher Stimme von sich und ließ sich äußerlich nicht anmerken, dass ihr Verlobter sie gerade am Telefon anschrie und beleidigte. Zwar hatte Ruby nichts getan, doch Liam brauchte für seine Launen auch gar keinen Grund. Nach nur wenigen Sekunden legte der Unternehmer schon wieder auf. "Er wollte mir nur sagen, dass er am Montag zurückkommt.", log Ruby geschickt und zuckte mit den Schultern. Es ging den Fremden ja auch nichts an, vermutlich würden sie sich eh nie wieder sehen. Dessen Worte brachten sie wieder zum lachen. Ein echtes Lachen, was man nicht allzu häufig aus ihrem Mund hörte. "Neue Leute kennen lernen ist im Big Apple absolut kein Problem. Einmal die Straße rauf und runter laufen und man hat fünf neue Kontakte in seinem Telefonbuch." Ruby sprach hier aus Erfahrung, auch wenn sie meist auf diese Art von Gespräch gar nicht einging. Der Fremde stellte sich ihr nun als Jonathan vor. "Freut mich, Jonathan., meinte die Amerikanerin mit einem sanften Lächeln und grinste dann. Er war also nicht geheimnisvoll? Gut zu wissen. "Ich weiß ja nicht, wie lange du an so einem schönen Samstag noch arbeiten willst, aber wenn du auf deine Arbeit verzichten kannst, kann ich dir gerne die Stadt ein wenig zeigen. Oder zumindest die Upper East Side.", schlug die Studentin zuvorkommend vor und winkte Doro zu sich. "Der Kuchen war auch heute wieder vorzüglich, Doro.", lobte Ruby die etwas ältere Dame, holte ihren Geldbeutel aus der Tasche und steckte der Besitzerin des Cafés einen großen Schein zu. "Das sollte für Amira's, meine und die Bestellung des jungen Herren hier reichen., gab Ruby mit einem Zwinkern von sich. Vermutlich hätte die Summe auch noch drei weitere Bestellungen finanzieren können. Erwartungsvoll ruhten die bernsteinfarbenen Augen dann auf Jonathan.



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#11

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 09.11.2019 22:09
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es war ein bisschen amüsant, mit einer Frau darüber zu diskutieren, ob er schnell an Dates kommen könnte oder nicht. Sicher konnte er sogar auf dem Land schnell einen schnellen Treff organisieren. Denn das Schicksal hatte es zumindest bei seinem Aussehen sehr gut gemeint. Nur die Narben machten es ein wenig kaputt, das Bild des normalen lässigen Sunnyboys. Aber das war in Ordnung, Frauen standen doch bekannter Weise auf Heldennarben und er musste ja nicht erzählen, wie sie wirklich entstanden waren, solange er eine alternative Geschichte parat hatte. Und die hatte er. Natürlich wirklich Heldengeschichten, in denen er zwischen eine Messerstecherei ging oder dramatische Geschichten, wie er angegriffen wurde. Man mochte es von außen betrachtet zwar etwas schwieriger glauben, denn er arbeitete ja immerhin auch in einem sehr offiziellen Business, wo alles auf ein ordentliches Leben und Auftreten ausgelegt war, aber wer konnte seinen unschuldigen blauen Augen schon vorwerfen, dass er lügen würde oder das etwas in seinem Leben nicht zusammenpasste.
"Es darauf anzulegen ist aber glaube ich der falsche Weg. Auf der Suche zu sein und etwas zu erzwingen führt doch zu nichts als Frust", erwiderte er. Er klang fast so, als hätte man ihm mal einen Stoß vor den Kopf gegeben und sein Herz verletzt. Aber so etwas hatte es nie gegeben. Er hatte vielleicht mal einen Korb bekommen, aber er war deshalb nie verletzt gewesen. Gewissen und Gefühle steckten in der selben staubigen Schublade ganz weit vergraben im Unterbewusstsein. Es würde nicht ans Licht kommen, sicher nicht. Und wenn, dann war das sicher der Tag, an dem er zerbrechen würde. Sein Blick huschte kurz zu ihrem klingelnden Handy und er gab ihr eine abwinkende Geste. Sie sollte bloß drangehen. Er wollte sie ja nicht stören und außerdem konnte er so vielleicht etwas nebenher erfahren. Leider war die Lautstärke ihres Telefons aber nicht für Rentner eingestellt und er konnte nicht verstehen, was da gesprochen wurde. Jonathan nippte also lieber an seinem Kaffee, lehnte sich entspannt zurück und nickte dann, als sie erklärte, dass ihr Verlobter Montag wieder da sein wollte. "Naja aber sind das dann auch gute Kontakte oder nur Nummern von irgendwelchen dubiosen Vertretern oder oberflächlichen Leuten, die einen dann nach zwei Tagen ghosten?", hinterfragte er ihren Kommentar.
Kurz sah Jon sie dann verdutzt an, als sie vorschlug, ihm die Stadt zu zeigen. Damit hatte er tatsächlich nicht gerechnet. Sie hatte nicht gewollt, dass ihr Verlobter etwas mitbekam, wirkte ein bisschen vorsichtig, wollte ihn nicht mit zu sich nehmen. Aber durch eine so große Stadt zu laufen, die durch die Menschenmassen schon so anonymisiert war, dass im Zweifel auch keiner wirklich mitbekam, sollte er sie irgendwo zur Seite ziehen, das schien für sie okay. Vielleicht verließ sie sich auf die öffentliche Aufmerksamkeit, die sie von Mitmenschen und Presse bekam und dass sie genug auffiel. Er war sich sicher, dass er es trotzdem schaffen könnte, ohne Konsequenz irgendwo umzulegen. Er war immerhin schon ein knapp zwei Wochen in der Stadt und die hatte er nicht nur mit Kundensuche verbracht. Aber das musste er ihr ja nicht sagen, dass er sich schon auskannte. Wobei sie vielleicht ein paar Geheimtipps an netten Restaurants und Cafés hatte. Er kannte ja nur die Stadtpläne, U-Bahnpläne und einige Zugänge zum Kanalsystem. Damit bekam man nicht unbedingt ein Gefühl für die Stadt und wie das Leben hier war, sondern nur, wie man am sichersten und schnellsten unbeobachtet von A nach B kam. "Also.... wenn das so ist...", fing er an, schlug dann die eine offene Auftragsmappe zu. "..bin ich bereit", ergänzte er und grinste sie an. Er räumte gerade die Sachen in seine Tasche, während Ruby die Bedienung und Inhaberin des Cafés ansprach und ihr viel Geld hinschob. "Danke. Aber du hättest mich wirklich nicht einladen müssen", sagte er überrascht, als Doro weiterging. "Jetzt schulde ich dir wohl was", fügte er dann mit einem gespielt strengem Blick hinzu, der verhieß, dass er sie das nächste mal einladen würde. Sie konnte zumindest über diese Option nachdenken und es würde ihm sehr zu Gute kommen. "Wir können los." Dann erhob er sich, schulterte seine Tasche und schob sich an den vollen Tischen vorbei und hielt seiner rothaarigen Begleitung dann mit einer spielerisch galanten Geste die Tür auf.


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#12

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 10.11.2019 19:31
von Alex • Senior Member | 5.845 Beiträge | 1040224 Punkte



Ruby konnte bei solchen Themen nicht mitreden. Hatte sie auch noch nie gekonnt. Von klein auf war ihr eingetrichtert worden, dass es nur einen Mann an ihrer Seite geben durfte. Liam Henstridge. Bei dem Gedanken daran verzog die Rothaarige kurz ihr Gesicht und seufzte deprimiert auf. Leicht zog sie die Schultern ein wenig nach oben. Natürlich hatte Jonathan mit seinen Worten Recht. Man durfte es nicht darauf anlegen und danach suchen. Die Liebe traf einen unerwartet, wenn man gerade absolut nicht damit rechnete. Zumindest hatte Amira ihr das erzählt. Doch auch die Araberin war für sowas wohl die falsche Ansprechpartnerin. Schließlich war Mira auch kein Beziehungsmensch und sammelte lieber weitere Namen auf ihrer Liste, welche sie tatsächlich führte. Mit seiner Feststellung, die etwas als Frage getarnt war, lag der junge Mann nicht falsch. Ruby selbst wurde meist nur von Fans oder Paparazzo angesprochen. Doch jeder Normalo hatte tagtägliche mit diesen dubiösen Pick Up Artists zu tun. Mit einer Einladung zur Tour durch die Stadt hatte er wohl nicht gerechnet, zumindest sagte ihr das der verdutzte Gesichtsausdruck. Dennoch klappte er die Mappe zu und stimmte dem Vorschlag zu. Zufrieden lächelte Ruby und erhob sich. Zwar würde sie im Ballettkostüm durch New York laufen müssen, aber sie störte das herzlichst wenig. "Ach, meine Familie schwimmt in Geld. Da kann ich auch mal eine mir fast fremde Person einladen.", winkte die 20-Jährige locker ab. Geld spielte in ihrem Leben ja keine Rolle. Ob Jonathan wusste, mit wem er es zu tun hatte? Eigentlich sah man Ruby ja oft genug in der Presse. Also lebte er entweder hinter dem Mond oder er wollte es vertuschen. Nur zu gerne ließ sie sich die Tür des Cafés öffnen und trat hinaus auf die volle Straße. Kurz überlegte Ruby, was sie ihm zeigen konnte, beschloss dann aber, einfach mal die gängigsten Orte der Stadt abzulaufen.



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#13

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 10.11.2019 21:00
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es gab viele Dinge, die Jonathan von Ruby schon durchaus wusste. Aber einige Sachen gab es, die der Öffentlichkeit natürlich verborgen blieben. Es gab nur das Bild der perfekten politisch engagierten Familie. Wobei Ruby ja nicht Politikwissenschaften, sondern Psychologie studierte. Ob ihre Eltern das wohl befürworteten oder nur nach außen hin ganz glücklich über ihr Interesse am Menschen waren? Vielleicht würde er irgendwann in der Position sein, sie zu fragen. Jedenfalls kannte er natürlich nicht die Tatsache, dass sie niemals die freie Wahl hatte für ihren Lebenspartner. Wahrscheinlich war es auch besser so, sonst hätte er sich ihr noch verbunden gefühlt. Immerhin hatte er auch nie die freie Entscheidung für sein Leben treffen können. Er hatte sich am Leben gehalten und machte das beste draus. Andererseits hatte er vielleicht sogar die Möglichkeit sie aus dieser Verlobung zu retten, wenn er den zukünftigen Schwiegervater tötete und die Firma schädigte. Dann war Liam nämlich nicht mehr der perfekte Typ. Aber das stand alles unbedacht und ungeahnt in den Sternen.
"Ich würde ja sagen, dass man das lieber nicht so laut einem Fremden sagen sollte, aber wie gut, dass ich ja scheinbar nur noch 'fast fremd' bin", meinte er ironisch, während sie das Gebäude verließen. Sofort schallten Verkehrsgeräusche einem entgegen, während viele Leute auch zu Fuß vorüber liefen. "Wenn wir Richtung Central Park laufen, könnte ich kurz meine Tasche wegbringen... und ein frisches Shirt anziehen. Ich komm momentan im Surrey unter, aber ich überlege vielleicht ein vorübergehendes Apartment zu suchen. Ich glaube, ich werde ein paar Monate hier sein. Und trotz guter Bezahlung ist das Hotel dann doch etwas teuer", plauderte er als wäre er in einem Anflug von Redseligkeit ganz unbefangen. Für ihn war Geld auch kein Problem. Er bekam sehr viel Geld für die Tötungsaufträge. Und da sein offizielles Unternehmen nicht nur eine Scheinfirma war, bekam er dort tatsächlich auch noch ordentlich Geld, denn er hatte wirklich große Kunden. Anfangs hatte das nur durch die Kontakte im Hintergrund funktioniert. Welcher Firmenboss wollte auch einen solchen Jungspund an sein Management lassen, aber inzwischen kannte man ihn in der Branche und seine Gage war wirklich sehr annehmbar. Vielleicht versuchten sie sich aber auch ein bisschen seine Resultate schön zu kaufen, damit er ihnen mehr Honig um den Bart schmierte und weniger die hohen Tiere der Firmen kritisierte, weil sie eigentlich nur faul rumsaßen.


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#14

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 10.11.2019 22:11
von Alex • Senior Member | 5.845 Beiträge | 1040224 Punkte

Ruby lief in einem recht gemütlichen Tempo durch die Straßen der Stadt, steuerte wie verlangt erst einmal die Richtung zum Central Park an, damit Jonathan sein Zeug im Hotel verstauen konnte. Kurz spielte sie sogar mit dem Gedanken, ihn in das Hotelzimmer zu begleiten. Doch das war nun wirklich ausgesprochen dumm und naiv. Er konnte dort sonst was mit ihr machen. Wobei Ruby zugeben musste, dass sie die Vorstellung reizte, dass er sein versautes Shirt vor ihr auszog. Irritiert biss sich die Rothaarige auf die Unterlippe und nickte leicht. Hotels waren definitiv keine billige Angelegenheit, vor allem wenn man über mehrere Monate dort blieb. Das Surrey zählte auch mehr zu den Luxushotels dieser Welt, aber selbst ein einfaches Hostel wäre auf Dauer teuer geworden. "Ich hätte dir ja angeboten, zu mir zu ziehen. Aber da hätte mein Verlobter vermutlich was dagegen.", stellte Ruby lachend vor und fuhr sich durch die langen Haare. "Aber wenn du Tipps bei der Wohnungssuche brauchst...ich kenne viele Immobilienbesitzer hier in der Stadt und kann dir sicher ne geile Wohnung besorgen.", schlug die 20-Jährige zwinkernd vor und blieb vor dem Hotel stehen. "Ich warte hier, ja?", erklärte sie und ließ sich auf einer Bank nieder. So lange würde Jonathan ja wohl kaum brauchen, um die Aktentasche in sein Hotelzimmer zu bringen und dort ein anderes Shirt anzuziehen. Dennoch wanderte ihre Hand zu ihrer Handtasche, um das IPhone hervor zu ziehen. Zwei verpasste Anrufe von Liam. Ruby verdrehte genervt die Augen, rief ihren Verlobten dann aber zurück. "Liam? Was ist?" Sofort wurde sie angeschrien. Anscheinend war ihr bisher noch kleiner Ausflug mit dem Fremden nicht unbemerkt geblieben. "Ernsthaft? Du hast einen verdammten Privatdetektiv auf mich angesetzt? Du bist so ein krankes Schwein, Liam!", raunte die Rothaarige so, dass es niemand der anderen Leute vor dem Hotel mitbekommen würde. Wütend legte sie einfach auf, machte ihr Handy aus und versenkte es wieder in den Tiefen ihrer Handtaschen. Liam wusste also, dass sie mit einem Mann unterwegs war. Wundervoll. Doch wenn er nun eh schon Bescheid wusste, brauchte sie daraus wenigstens kein großes Geheimnis mehr zu machen. Dennoch sahen sich die bernsteinfarbenen Augen leicht nervös um. Irgendjemand hier bespitzelte sie also im Auftrag ihres Verlobten. Dämliches Arschloch.



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#15

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 11.11.2019 00:35
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Wenn der Typ wirklich so eifersüchtig war, konnte sich Jonathan durchaus vorstellen, dass eine spontane WG nicht unbedingt die Idee des Jahrhunderts wäre. Er wollte das aber auch gar nicht. Wie sollte er denn in Ruhe seine Recherchen betreiben? Waffen wären nicht das Problem. Eine einfache Pistole durfte er tatsächlich offiziell mit sich führen, weil er dafür den richtigen Schein hatte. Aber damit erschoss er eher selten Leute. Er hatte natürlich noch mehrere andere Waffen. Die waren aber über die SI organisiert und in ein Lager gebracht worden. Er hatte natürlich Zugang dazu und es war nicht weit weg, aber nichts illegales lief über seinen Namen. Wobei das auch nicht ganz richtig war, denn er nutzte sein Unternehmen natürlich um sehr gerissen Gelder zu waschen, die er mit den illegalen Aufträgen bekam. "Und dabei bin ich sogar pflegeleichter als ein Hund", gab sich Jon gespielt traurig und ironisch. "Danke. Ich denke darauf würde ich tatsächlich zurückkommen. Dann muss ich keinen komischen Maklern vertrauen", meinte er mit einem freundlichen Lächeln. Dann standen sie auch schon vorm Hotel. "Nicht weglaufen, ja?", vergewisserte er sich mit einem Grinsen. Das wäre das neuste Level des Ghostings, wenn ein Mädel einfach mal weglaufen würde, sobald sie die Chance hatte.
Dann trat er ins Hotel, verlangsamte seinen Schritt und sah sich unauffällig über die Schulter. Ihm folgte ein Mann, der so tat, als würde er alles andere spannend finden und dann zur Rezeption gehen. Nachdenklich runzelte Jon die Stirn, entschied sich in den Fahrstuhl zu steigen, aber den Knopf für zwei Etagen über seiner zu drücken. Er fuhr hoch, lief dann durchs Treppenhaus in seine Etage und dort huschte er in sein Zimmer. Vielleicht hatte er sich auch geirrt und der Typ folgte ihm nicht. Wenn er ihm doch folgte, würde die Rezeption ihm aber hoffentlich nicht verraten, wo genau er unterkam. Eigentlich war Privatsphäre aber etwas, was ihm zugesichert worden war. Schließlich warf er seine Tasche beiseite, griff sich nur Handy und Portemonnaie daraus und steckte das in die Hosentaschen. Dann wechselte er das Shirt gegen ein frisches und machte sich auch schon wieder auf den Weg. Dabei war er besonders aufmerksam, nahm wieder nur das Treppenhaus und als er unten ankam, sah er erneut den Typen. Der so tat als würde er Broschüren lesen, aber eigentlich beobachtete er den Fahrstuhl. Amateur also. Jon schüttelte leicht den Kopf, ehe er einfach an dem Kerl vorbei ging und das Hotel wieder verließ.
"Du bist noch da. Schön", freute er sich lachend, als er Ruby da sitzen sah. Er bot ihr seine Hand an zum Aufstehen an, zog sie auf die Beine und lief dann die ersten Schritte sehr dicht neben ihr, sah sich erneut leicht über die Schulter. "Entweder du oder ich werden verfolgt. Der in dem dunklem Blazer und der schwarzen Jeans, dunkelblond, 8 Meter hinter uns. Der war vorhin schon da. Und war gerade in der Lobby bis ich wieder raus bin. Deshalb hab ich so lang gebraucht. Ich wollte sicher gehen"; sagte er ihr leise. "Ist das normal bei dir? Oder ist das so eine Art Security für dich? Oder wollen wir ihm seine Arbeit mal ein bisschen schwer machen?", fragte er, grinste sie leicht an.


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#16

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 12.11.2019 13:28
von Alex • Senior Member | 5.845 Beiträge | 1040224 Punkte

Genervt konzentrierte sich Ruby auf ihr Handy und tippte mit flinken Fingern auf dem Bildschirm herum, um Amira über die neuste Idee ihres Verlobten zu informieren. Dabei verdrehte die Rothaarige genervt ihre Augen. Wie krank musste Liam im Kopf bitte sein, um einen Detektiv auf sie anzusetzen? Was dachte er bitte von ihr? Dass sie während seiner Abwesenheit direkt irgendwelche Männer zu sich in die Wohnung holte und sich von diesen vögeln ließ? Allein die Tatsache, wie eifersüchtig ihn ihre Bekanntschaft mit Jonathan schon machte, war wohl ein KO-Kriterium jeder Beziehung. Nur hatte Ruby leider keine Wahl. Selbst wenn ihre Familie von der dunklen Seite des jungen Henstridge erfuhr, würde es ihr egal sein. Sie würde sich nur anhören dürfen, einfach nach außen hin den perfekten Schein zu wahren. Leise seufzte die Studentin auf. Sie hatte nicht umsonst zusätzliche, freiwillige Seminare in der Uni belegt und gab zusätzlich Kindern zwischen 3 und 8 Jahren Ballettunterricht. So war Ruby nur selten zeitgleich mit Liam in der Wohnung. War wohl auch besser so, denn privat stritten sich die Beiden quasi rund um die Uhr. Eine Stimme riss die junge Tänzerin dann aber aus ihren Gedanken und sie zuckte erschrocken zusammen. Allerdings war es nur Jonathan, welcher ihr charmant die Hand hinhielt und sie auf die Beine zog. Ruby lächelte unsicher und wollte ihn gerade über den Verfolger informieren, als er jedoch schon selbst darauf zu sprechen kam. Woher hatte er das so schnell gemerkt? Der Rotschopf runzelte verunsichert die Stirn, nickte dann aber langsam. "Ich.", kam es ihr leise über die Lippen und folgte unauffällig seinem Blick. Das war der Spast also, den ihr dreckiger Verlobter bezahlte. Wie tief konnte man eigentlich sinken. "Ich wurde gerade schon von meinem wundervollen Verlobten angerufen. Der ist wohl der Meinung, dass ich einen Wachhund brauche. Und das ist der Typ da hinten. Liam war auch nicht gerade begeistert, dass sein Wachhund ihm erzählt hat, dass ich mit einem fremden Mann unterwegs bin.", erzählte sie mit gedämpfter Stimme und überlegte kurz. Normal war das definitiv auch nicht und privat hatte Ruby auch keine Security in ihrer Nähe. Höchstens bei offiziellen Events. Sein Vorschlag klang doch eigentlich ganz lustig. Liam wollte sich mit ihr anlegen? Dafür war Ruby definitiv die Falsche. So setzte sie sich langsam in Bewegung und steuerte ein großes Kaufhaus an, welches auf der anderen Seite der Straße lag. In ihrem Ballettoutfit würde sie nur unnötig auffallen, also brauchte sie dringend was Neues. Da die 20-Jährige quasi Stammkundin in dem Kaufhaus war, kannte sie dort alle Mitarbeiter und auch alle Schleichwege. Kichernd lief Ruby also mit schnellen Schritten durch die Reihen der Kleiderstangen und Regale in Richtung Umkleide. Auf dem Weg dorthin hatte sie sich schon ein Set, dazu passende Schuhe und eine schwarze Cap. Alles Dinge, die jemand wie Ruby niemals tragen würde. Der Verfolger war erst einmal nicht zu sehen und hatte sich vermutlich im Kaufhaus verlassen. Lachend zog Ruby Jonathan, welchem sie auch einige Kleidungsstücke besorgt hatte, in eine der Umkleiden und zog dann den Vorhang zu. "Jetzt müssen wir nur noch unbemerkt raus auf die Straße kommen.", stellte sie lachend fest und schlüpfte bereits aus den Schuhen. Gerade machte sie sich gar keine Gedanken darüber, dass die enge Umkleidekabine vielleicht nicht der richtige Ort für sie und ihren neuen Bekannten war. Stattdessen drehte sie ihm vor dem großen Spiegel den Rücken zu. "Kannst du mal den Reißverschluss aufmachen? Ich komme da nicht wirklich hin.", bat die Rothaarige ihren Begleiter gut gelaunt. Selten hatte sie so viel Spaß gehabt. Während sich der junge Mann also an dem Kostüm zu schaffen machte, band sich Ruby bereits die rote Mähne zu einem lockeren Dutt nach oben und setzte sich die Cap auf. Nun war das Rot nicht mehr zu sehen und sie fiel sofort weniger auf. Nachdem der Reißverschluss offen war, schlüpfte sie aus dem weißen Kostüm und hängte dies desinteressiert über einen Haken. Es wäre sowieso nach dem Auftritt auf den Dachboden gekommen und dort vergammelt. Vielleicht freute sich ja jemand über das Überbleibsel. Nur in Unterwäsche stand Ruby dann für einen Moment da, ehe sie in die Hose und das bauchfreie Oberteil schlüpfte. Darüber noch eine schwarze Outfit und ihr Look war mit den Stiefeln perfekt. Beinahe hätte sich die doch ziemlich mädchenhafte junge Frau nicht mehr erkannt. Jetzt musste sich nur noch Jonathan umziehen und die Beiden konnten die Flucht ergreifen. Ruby hatte bereits auf dem Weg zu der Umkleide der Abteilungsleiterin Bescheid gegeben, dass sie die Sachen bei ihrem nächsten Besuch bezahlen würde. Da man sie kannte und als Kundin nicht verlieren wollte, war das für alle in Ordnung.



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#17

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 12.11.2019 18:38
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Der junge Mann war nicht sehr überrascht, als Ruby ihm antwortete, dass sie verfolgt wurde. Dass der Typ mit ins Hotel gekommen war und es nach ihm auch direkt wieder verlassen hatte, hieß halt nicht unbedingt, dass der Typ auch Jon wirklich verfolgte. Er hatte vermutlich nur raus bekommen wollen, mit wem sie unterwegs war. Und Jon wollte wetten, dass er nicht erfolgreich gewesen war. Dafür war dieser Kerl dann doch ein bisschen zu auffällig, als dass er wirklich richtig gut sein konnte. Er lauschte ihrer Erklärung, weshalb sie von dem Typ bewacht wurde und wie ihr Verlobter darauf reagiert hatte. Kurz runzelte er leicht die Stirn. Das ging über normale Eifersucht definitiv hinaus. Und sie wirkte wütend. Vielleicht war die Beziehung gar nicht so toll, wie sie sonst nach außen hin präsentiert wurde. Aber er wollte nicht unbedingt nachfragen. Er wollte nicht, dass sie das Gefühl bekam, er würde sie ausquetschen.
Als sie dann in ein Kaufhaus abbog, folgte er ihr und musste tatsächlich ehrlich schmunzeln, als sie begann vor sich hinzukichern. Er war eigentlich erstaunt, dass sie auf diesen spontanen verrückten Vorschlag gleich so reagierte und es nicht weiter hinterfragte. Sie zeigte Eigeninitiative und das hätte er nicht gedacht. Sie war doch eigentlich das gut erzogene Püppchen von Tochter, das sich zu benehmen hatte. Oder war sie privat wirklich so anders? Er würde es herausfinden. Aber zunächst einmal war er damit beschäftigt, sich Kleidungsstücke in die Hand drücken zu lassen. "Hast du sowas schon öfter gemacht, dass du so schnell Outfits zusammenstellen kannst?", lachte er, während er einfach nicht ihre Seite verließ. Als sie die Umkleide ansteuerte, wäre er fast gestolpert, weil sie ihn so unvermittelt mit in die Kabine zog. Er hätte sonst die nächste angesteuert, aber so stand er auf einmal mit bei ihr drin und sie zog den Vorhang zu. "Eh, okay", kommentierte er die Situation. Als sie ihm den Rücken zudrehte und ihn aufforderte, den Reißverschluss zu öffnen, schenkte er ihr durch den Spiegel einen Blick mit erhobenen Augenbrauen. "Klar", meinte er und konnte es kaum fassen, dass er so viel überrascht werden konnte. Dann ließ er seine Finger zu ihrem Reißverschluss wandern, zog ihn in einer geschmeidigen Bewegung auf. Dadurch dass das Kostüm so eng anlag, legte es Stück für Stück immer mehr ihrer blassen zarten Haut frei. Er musste sich ein wenig zusammenreißen, damit er sich nicht zu erotische Szenarien ausmalte. Er lehnte sich zurück an eine der Wände, während sie sich umzog. Durch die Enge konnten sich nicht beide gleichzeitig umziehen, ohne dass sie sich gegenseitig umwerfen würden. Daher wartete er. Und vielleicht auch, weil er sie ein klein bisschen beobachten wollte, auch wenn er es nur diskret tat und sie nicht angaffte wie ein Arsch. Als sie fertig war, war er nun dran. "Ich hätte es mir eigentlich sparen können, ein frisches Shirt im Hotel anzuziehen. Ich hätte auch gleich oberkörperfrei hierher mitkommen können", schmunzelte er, zog sich sein Shirt über den Kopf aus. Er hoffte, dass sie ihn nicht auch zu offen anstarren würde und er dann jetzt schon Fragen zu seinen Narben beantworten musste. Er beeilte sich daher damit, sich das neue Oberteil anzuziehen, ehe er dann auch die Hose wechselte. Er hatte sich ja schon oft schnell umgezogen, aber nicht mit einer Frau zusammen in einer kleinen Umkleidekabine. Und schon gar nicht wäre er auf die Idee gekommen, das mit einem seiner Ziele durchzuziehen. "Bereit?", grinste er dann, zog den Vorhang ein kleines Stück zur Seite und scannte den Laden nach dem Kerl ab. "Ich sehe ihn nicht. Mit Pech bewacht er aber den Eingang", meinte er, während er dann den Vorhang ganz zur Seite zog.


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#18

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 14.11.2019 14:35
von Alex • Senior Member | 5.845 Beiträge | 1040224 Punkte

Ihre schnelle Tour durch die Klamottenabteilung ließ wohl vermuten, dass Ruby in dieser Sache schon etwas Übung hatte. Tatsächlich war es nicht das erste Mal, dass die Rothaarige vor einem Verfolger flüchten musste. Sonst waren es halt Fotografen und Journalisten, die die Politikertochter erbarmungslos verfolgten und ihr absolut keine Ruhe ließen. Was denn nun letztendlich schlimmer war, konnte Ruby auch nicht sagen. Beides hatte seine Schattenseiten. Doch Liam würde vermutlich ausrasten, sobald er auf seine Verlobte traf. Diese stellte sich jetzt schon auf einen neuen Wutanfall ein, bei welchem wieder einiges zu Bruch gehen würde und auch ihr Körper in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das, was Liam der jungen Studentin antat, waren definitiv Taten, für die jeder normale Mensch zumindest für ein paar Jahre in den Bau gewandert wäre. Aber nicht Liam Henstridge. Die 20-Jährige war sich sogar sicher, dass dieser Skandal die Öffentlichkeit gar nicht erst erreichen würde. Man würde die Sache einfach unter den Tisch kehren und fertig. Deprimiert seufzte die Tänzerin auf und nickte dann. "Ich bin ein modebewusster Mensch.", kam es ihr schmunzelnd über die Lippen. Jonathan schien nicht damit gerechnet zu haben, sich mit seiner neu gefundenen Freundin eine Umkleide teilen zu müssen. Ihre bernsteinfarbenen Augen hafteten kurz an ihm, ehe sie sich auch schon aus dem Kostüm schälte und dabei auf seine Hilfe angewiesen war. Seine Finger auf ihrer warmen Haut hinterließen ein angenehmes Kribbeln. Eine Art von Kribbeln, die Ruby in den letzten gemeinsamen Jahren mit Liam nie gespürt hatte. Wieso versetzte ein Fremder sie in solch eine Lage, aber ihr eigener Verlobter nicht? Jonathan versuchte solange, seine Blicke nicht allzu auffällig an ihr kleben zu lassen, sondern beobachtete sie aus dezenter Entfernung. Er schien echt einer von den Guten zu sein. Nachdem sie ihr neues Outfit an hatte, schlüpfte auch schon Jonathan aus seinem gerade erst getauschten T-Shirt. Bei seiner Feststellung lachte der Rotschopf auf. "Dagegen hätten wohl zumindest die Frauen in New York nichts einzuwenden."
Über den Spiegel beobachtete sie ihren Begleiter, dessen Oberkörper mit einigen Narben versehen war. Ruby ging jedoch gar nicht darauf ein, sondern ließ ihre Augen stattdessen langsam über die muskulöse Brust wandern. Davon konnte Liam nur träumen. Nachdem sich auch Jonathan umgezogen hatte, schob er den Vorhang auf und sah sich um. Ruby nickte nur leicht, deutete dann aber auf eine Tür mit der Schrift 'Stuff only'. Diese steuerte sie auch schon an, öffnete sie und fand sich im Lager des Kaufhauses wieder. Als wäre sie jeden Tag dort lief die junge Frau durch die Reihen der meterhohen Regale, bis sie an einer schweren Eisentür stehen blieb. Diese schob sie langsam auf und trat dann hinaus ins Freie. Hier würde der Detektiv gewiss nicht auf sie warten. Triumphierend lachte Ruby auf, blieb dann aber stehen. Und jetzt? Zu Jonathan ins Hotel konnten sie nicht und das Penthouse wurde ebenfalls überwacht. Die Rothaarige fuhr sich nachdenklich durch die Haare und warf einen Blick auf die Uhr. Langsam wurde es Zeit fürs Abendessen. "Ich kenne ein ziemlich bescheidendes Hostel am Stadtrand. Wir können uns ein Mietauto holen, uns dort ein Zimmer für die Nacht mieten und dann Pizza bestellen.", schlug die 20-Jährige lachend vor und schnappte sich ihr Handy, um in der entsprechenden App nach einem Auto zu suchen, welches in Reichweite war. Jonathan hatte wohl gar keine andere Wahl als sie zu begleiten, denn der Verfolger hatte es nun sicherlich auch auf ihn abgesehen. Woher Ruby die Idee mit dem Hostel hatte? Sie hatte dort schon einige Male Zuflucht gesucht, wenn die Situation zuhause mal wieder eskaliert war. Niemand würde eine Ruby Sinclair dort vermuten und somit war sie dort in Sicherheit. So nutzte sie auch jedes Mal eine andere Identität und spielte dem schmierigen Betreiber vor, eine Prostituierte aus Russland zu sein, die der Tochter der Bürgermeisterin von New York sehr ähnlich sah und sich daher die braunen Haare rot gefärbt hatte. Also würde dieser Typ auch denken, dass Jonathan lediglich ein Kunde von ihr war. Es war der perfekte Plan und morgen würde die Welt schon wieder ganz anders aussehen. Doch gerade genoss Ruby es, aus den Mauern ihrer Welt ausbrechen zu können und hatte zum ersten Mal seit Jahren auch mal wieder richtig Spaß. Schade eigentlich, dass es dafür einen Geschäftsmann aus der weiten Welt gebraucht hatte.



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#19

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 14.11.2019 17:09
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Shopping war etwas, was für Jonathan nur ein nötiges Übel war. Oft bekam er aber auch das, was er brauchte, einfach durch seine Institution und zwar entweder, weil sie ihm etwas vorschrieben oder empfahlen, oder weil er einschätzen konnte, was er für einen Job benötigte. In seinem Hotelzimmer derzeit waren zum Beispiel größtenteils Business-Kleidung, aber auch entspannte Shirts und Hosen, für Gegebenheiten wie diese. Wo er sich freizeitlich unschuldig daran zu schaffen machte, sich in Rubys Bekanntenkreis zu integrieren. Falls das überhaupt noch möglich war, wenn ihr Verlobter jetzt schon von ihm wusste und das eher kritisch sah. Oder aber genau das würde dazu führen, dass er irgendwie herausfand, wer Jonathan war und wenn er dann ein Treffen einforderte um ihn unter die Lupe zu nehmen, würde Jon es sicher schaffen, ihn doch von sich zu überzeugen oder zumindest irgendetwas hilfreiches erfahren oder in die Wege leiten. Er war offen für alles, solange er noch so entspannt Zeit hatte. Ihm war gesagt worden, es sollte noch dieses Jahr passieren, aber ansonsten gab es nicht den festen Tag. Wobei ein medienwirksamer Tod natürlich wünschenswert wäre. Aber gerade vor Weihnachten würde das recht leicht werden. Da gab es doch genug Charity-Events. wo große Firmenbosse scheinheilig auftraten, nur um mit ein paar Groschen um sich zu werfen. Wenn der Herr Henstridge Senior dort auftrat, wäre das ein perfekter Zeitpunkt. Aber vorerst musste sich Jon um seine Begleitung kümmern, die scheinbar wirklich Spaß bei der Sache hier hatte. "Okay. sollte ich mal schnell ein neues Outfit brauchen, ruf ich einfach dich an", antwortete der junge Mann schmunzelnd, als sie meinte, dass sie modebewusst wäre. Er war sich bewusst, dass er ihre Nummer nicht hatte. Er fragte auch nicht direkt danach, sondern stellte es einfach so in den Raum. Ein kleiner psychologischer Kniff. Sie würde vielleicht selbst drauf kommen, ihm ihre Nummer zu geben, dann war es die beste Variante, die er hätte bekommen können. Wenn sie ihm nichts dazu sagte, konnte sie zumindest drüber nachdenken und dann feststellen, dass er sie ja nicht bedrängte. Vertrauensfördernde Maßnahme. Ein leises Lachen drang aus seiner Kehle, als sie dann erklärte, dass die Frauen der Stadt sich freuen würden. "Vielleicht nächstes Mal. Und für jedes Foto Geld kassieren. Self-Marketing", kommentierte er trocken, zwinkerte ihr dabei durch den Spiegel frech zu.
"Dürfen wir da durch?", fragte er schließlich, als sie die Tür, die nur für Mitarbeiter war, aufstieß und sie sich im Lager wiederfanden. Er sah sich um, in einer leicht unsicheren, hektischen Manier, als würde er das hier als eine Grenzüberschreitung empfinden und sich bloß immer an alle Regeln halten wollen. er würde ja niemals etwas böses oder verbotenes tun. Das sollte sie zumindest denken. Er folgte ihr, musterte dabei die Umgebung, als würde er sich hier echt unwohl fühlen und Sorge haben, sollte ein Mitarbeiter sie erwischen. Sobald sie draußen waren, entspannte er seine Schultern ein wenig, atmete durch. Bei ihrem Vorschlag war er dann erneut überrascht. "Du wolltest mich nicht mit zu dir nehmen, aber du vertraust mir genug, um dich mit mir in ein Auto zu setzen und weg von deinem normalen Umfeld zu fahren, um da die Nacht zu verbringen? Oder hast du hier vor, mich zu entführen", hakte er verwundert und scherzhaft nach. Wobei er natürlich nachts auch einfach zurück zu seinem Hotel könnte. Es würde sicher einfach nur ein entspannter unterhaltsamer Abend werden. "Aber die Pizza ist zu verlockend. Ich kann nicht nein sagen", schmunzelte er dann und warf einen Blick zur Straße. Sie standen zwar noch in der Lieferanteneinfahrt, aber er hielt trotzdem Ausschau nach dem Schnüffler.


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#20

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 15.11.2019 20:33
von Alex • Senior Member | 5.845 Beiträge | 1040224 Punkte

Ruby kaufte es Jonathan wirklich ab, als dieser seine Bedenken zu dem von ihr gewählten Fluchtweg äußerte. Grinsend zuckte die Rothaarige mit den Schultern und klärte ihn dann doch auf. "Ich bin hier Stammkundin und kenne alle Angestellten. Ich darf das." Dennoch schienen ihre Worte den jungen Mann nicht zu beruhigen. Leise seufzte sie auf, hatte irgendwie nicht damit gerechnet, dass Jonathan doch so eine Memme war. Selbst draußen sah er sich noch immer ängstlich um. "Beruhig dich mal. Es passiert nichts, keine Sorge. Außerdem...meine Mutter ist die verdammte Bürgermeisterin von New York und mein Vater ein angesehener Politiker. Ich könnte vermutlich jemanden umlegen ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen.", gab Ruby von sich. Insofern Jonathan bisher nichts von ihren Eltern gewusst hatte, so wusste er es nun. Doch irgendwie vertraute Ruby ihm. Allerdings schien er doch darüber überrascht zu sein, als sie die Nacht im Hostel vorschlug. "Nun ja. In meiner Wohnung wohnt auch mein Verlobter. Vor dem habe ich Angst, nicht vor dir.", verteidigte sich die 20-Jährige grinsend und lachte dann los. "Klar, ich will dich entführen und dann halte ich dich als meinen...Sexsklaven."[/b], schlug die Studentin noch immer lachend vor und winkte dann ab. "Quatsch. Ich will einfach nur Liam eine reinwürgen. Du bist nur ein Mittel zum Zweck."[/b] Ob das nun besser oder schlechter war als eine Entführung, blieb Jonathan überlassen. Dieser hatte sich dann von der Pizza überzeugen lassen. "Du bist so schwach, Jonathan.", murmelte Ruby kopfschüttelnd und reservierte sich dann auch schon einen grauen Mercedes GLA, welcher nur ein paar Straßen weiter geparkt war. Mit einer Handbewegung, die sagte, dass er ihr folgen sollte, setzte sich die Rothaarige also in Bewegung und achtete sogar darauf, weniger feminin zu laufen wie sonst. Hieß konkret: Kein Modelwalk, sondern eher ein breiterer Laufstil. Sie kam sich vor wie irgendeine Gangsterbraut aus dem Ghetto. Wenige Minuten später entsperrte Ruby den Wagen und hielt ihrer Begleitung den Schlüssel hin. "Magst du fahren? Ich fahre selbst nur, wenn es wirklich sein muss. Jemand wie Ruby war es ja gewöhnt, gefahren zu werden. Ihr wurde immer die Tür der Rücksitzbank geöffnet. Einen anderen Platz gab es für die Tochter der Sinclairs gar nicht. Heute nahm sie jedoch auf dem Beifahrersitz Platz und gab Jonathan immer wieder Anweisungen. Die App lief über einen falschen Namen und Ruby ging allgemein kein Risiko ein. So würde sie auch niemals die Adresse des Hostels in das Navigationssystem eingeben. Sicher war sicher. Die Fahrt durch die Stadt dauerte schon gute dreißig Minuten und bis die Beiden an dem abgelegenen Hostel ankamen. Ruby ließ Jonathan auf dem Parkplatz parken und stieg dann aus, um das Haupthaus anzusteuern. Dort wurde sie direkt von dem schmierigen Besitzer begrüßt. "Wendy. Schön, dich wieder zu sehen. Selbes Zimmer wie immer?" Ruby alias Wendy nickte leicht, nahm den Schlüssel entgegen und schob einige Scheine über die Theke. Jonathan hatte wohl draußen gewartet. War vielleicht auch besser so. "Vamos.", meinte die Rothaarige gut gelaunt und steuerte eines der vier Gebäude an, welche alle auf vier Stockwerke verteilt 25 Zimmer hatten.Ihr Zimmer lag in Gebäude C in Stockwerk 3 und hatte die Nummer 222. Ruby sperrte die kaputte Holztür auf und öffnete diese mit einem Quietschen. "Na dann...fühl dich wie zuhause.", gab sie lachend von sich und warf die Cap über einen Kleiderhaken. Ihr Magen knurrte bereits. Zum Glück lag auf dem Tisch bereits der Prospekt einer nahe gelegenen Pizzeria. Diesen ergriff Ruby auch sofort und blätterte durch die Seiten.



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#21

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 16.11.2019 17:05
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ihre Erklärung war recht interessant. Selbst als Stammkunde durfte man ja nicht automatisch immer alles. Wäre ja zu schön. Aber andererseits war er sich recht sicher, warum man ihr nichts abschlug. Er wusste ja, wer sie war, und dazu hatte er vorhin noch gesehen wie nett sie mit anderen Leuten, insbesondere Angestellten umging und wie viel Geld sie einfach so auf den Tisch legte. Sie teilte also gerne ihren Reichtum und trat nicht auf 'dem niederen Volk' herum. Eigentlich wirklich eine sehr angenehme Art, damit umzugehen. Und außerdem war ihr Lächeln zusammen mit den großen klaren Augen ein Garant dafür, dass ihr jede Tür geöffnet wurde, wenn sie nur lieb bitte sagte. Jon hatte mit seiner charmant unschuldigen Art auch oft Glück, verschaffte sich als "der neue Nachbar" oder "der Freund von jemandem im Haus" oft Zutritt zu einem Haus. Bei ihren nächsten Worten sah er sie an. Scheinbar war er zu sehr die Schiene der absolut regelkonformen Erziehung gefahren. Aber das war nicht schlimm. Je weniger sie ihn für einen Draufgänger hielt, desto mehr würde sie ihm sicher vertrauen. Denn was sollte er denn schon anstellen, er der gut erzogene, gut aussehende, charmante Typ mit der weißesten Weste Amerikas. "Ich wusste doch, irgendwoher kamst du mir bekannt vor. Ich glaub ich hab im Hotel eine Zeitung, wo du mit abgebildet bist", überlegte er, grinste sie dann aber mit einem leichten Schulternzucken an. Wobei sein Grinsen zum Teil auch daher rührte, dass sie ja keine Ahnung hatte, wie sehr sie schon die ganze Zeit in seine Falle lief. Sie war wie ein zerbrechlicher Schmetterling in seiner Gewalt. Es würde ihn keine Mühe kosten, ihr die Flügel zu brechen. Ihre Erklärung dann erstaunte ihn. Sie hatte wirklich Angst vor ihrem Verlobten? Merkwürdig. Sie wirkte ja nicht gerade, als wäre sie schnell eingeschüchtert. Und nach außen sah doch immer alles so perfekt aus. Und von Minute zu Minute erfuhr er gefühlt immer mehr, was diesen besagten Verlobten doch etwas unsympathisch machte. Jonathan verfolgte zwar keinen moralischen Ehrenkodex, er hatte auch schon Frauen getötet. Aber er verstand nicht, warum man sich langfristig einer Situation aussetzte, die einem nicht behagte, wenn man doch eigentlich die Wahl hatte. "Das sollte aber eigentlich anders rum rein", erwiderte er, halb scherzhaft. Natürlich sagte er das nicht als Drohung, aber einfach als freundschaftlich verwirrten Hinweis.
"Oh wow. Sexsklave … Mittel zum Zweck.. klingt fast identisch. Aber ich weiß mich zu wehren", lachte er, auch wenn er es widerlegte, als er so auf ihr Pizza Angebot ansprang. "Mist. Ertappt", schmunzelte er, als sie ihn als schwach bezeichnete. Und die ganze Zeit war da der eine Gedanke in seinem Kopf: Wenn sie wüsste" Doch sie würde niemals wissen. Sie würde nichts wissen. Er war der artige Typ, ein paar Monate hier. Dann war er mal kurz zu einem geschäftlichen Notfall außerhalb oder so und zufällig starb dann ihr zukünftiger Schwiegervater. Dann war er noch mal ein paar Tage hier, aber dann würde er auch wieder gehen. So oder so ähnlich würde es laufen.
"Klar, ich fahr gern", erwiderte Jonathan, schnappte sich die Schlüssel und ließ sich hinter Steuer fallen. Nach einem kurzen Check, dass die Spiegel richtig eingestellt waren, fädelte er sich in den Stadtverkehr und befolgte artig ihre Wegbeschreibungen. Er kannte sich zwar noch nicht super gut aus, aber das Prinzip von New Yorks Straßen war recht einfach. Es war zwar voll, aber Jon ein routinierter, geduldiger und reaktionsschneller Fahrer, der sich hier und da galant durch ein paar Lücken mogelte und sie dabei sicher manövrierte.
Schließlich parkten sie auf einem ruhigen Parkplatz. Die Gegend wirkte ein wenig zu still um wirklich noch Teil von New York zu sein, aber das sollte ihn nicht stören. Als sie sich in der Rezeption anmelden ging, bekundete Jonathan kurz ein wenig die Gegend, sowohl einfach durch ein kurzes Beine Vertreten, als auch durch ein paar Infos, die er sich übers Handy raussuchte. Wobei er doch stark bezweifelte, dass ihn hier irgendetwas spannendes erwarten sollte. Schließlich kam Ruby wieder raus, als er lässig am Wagen lehnte. Er stieß sich davon ab, folgte ihr dann. Skeptisch betrachtete er die Tür. Spanplatte, billig verarbeitet und scheinbar schon einige Male mehr oder weniger erfolgreich aufgebrochen worden. Dann sah er in das Zimmer und lachte leise auf. "Der Qualitätsabfall vom Surrey zu dem hier ist... interessant. Aber Hauptsache die Pizza war keine Finte. Ich hab Hunger. Lass uns eine Partypizza mit vier verschiedenen Belägen holen und die ganze Nacht essen", schmunzelte er, während er sich die Schuhe auszog und aufs Bett sprang und leicht auf und ab hüpfte. Es quietschte etwas zu seinen Füßen, aber das war ihm egal. Er fühlte sich gerade merkwürdig unbedarft und frei. Vielleicht weil diese Situation so verrückt war.


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#22

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 16.11.2019 19:52
von Alex • Senior Member | 5.845 Beiträge | 1040224 Punkte

Jonathan schien nicht zu verstehen, dass Ruby in dem Kaufhaus einen besonderen Status genoss. Sie konnte es dem jungen Mann nicht verübeln. Vielleicht kam er aus einer ganz anderen Welt und konnte diese Privilegien gar nicht richtig einschätzen. Für Ruby war das das normalste der Welt und sie kannte es nicht anders. Schon immer waren sämtliche Kaufhäuser froh gewesen, wenn die Rothaarige sich dort blicken ließ. Denn sie ließ dort nicht nur eine Menge Geld, sondern war auch die perfekte Werbung für jedes Unternehmen. Da war es in Angestellten natürlich egal wenn Ruby sich durch die Bereiche, welche nur für Mitarbeiter waren, bewegte. Außerdem besaß die junge Frau zum Großteil der Zeit einen sehr angenehmen Charakter und war überall ein gern gesehener Gast. Seine Worte ließen sie dann aufhorchen. Sie kann ihm also bekannt vor? Interessant. Also wusste Jonathan doch irgendwie wer Ruby war. „Ja, mein Gesicht ist in vielen Zeitungen zu sehen.“, erwiderte die Rothaarige mit ruhiger Stimme und lachte leise auf. Die Tatsache, dass sie Angst vor ihrem Verlobten hatte, schien Jonathan zu irritieren. Vermutlich hörte man solche Aussagen auch nicht jeden Tag, da man bei einer Verlobung in der Regel davon ausgehen dass sich beide Parteien liebten. Doch bei Ruby und Liam war dies anders. Sie liebte ihn nicht und er liebt sie nicht. Doch ihren Eltern zuliebe und des Geldes wegen spielten die beiden einfach ihre Rollen. Als der junge Mann jedoch von sich gab, dass es eigentlich anders herum sein sollte, lachte die Studentin auf. Von ihrem Vorschlag, dass er ihr Sex Sklave oder ein Mittel zum Zweck werden konnte schien auch nicht allzu begeistert zu sein. beinah enttäuscht zog Ruby einen Schmollmund und zuckte mit den schmalen Schultern. Die angebotene Pizza schien jungen Mann aber vom Gegenteil überzeugt zu haben und er entschied sich dazu, die Rothaarige in das Hostel zu begleiten. Sie lächelte triumphierend und war wenig später froh, dass nicht sie den Wagen fahren musste.
Einige Zeit später hatten die beiden das Zimmer betreten und Jonathan sah ich skeptisch um. Anscheinend war er nicht sonderlich begeistert über die Ausstattung, denn das heruntergekommene Hostel konnte definitiv nicht mit dem Hotel mithalten. Doch zumindest würde niemand Ruby hier vermuten und die beiden Konten die Nacht beruhigt hier verbringen. Beinahe fühlte es sich so an als hätte die junge Frau eine Affäre mit dem neuen Bekannten, welcher bereits von einer Partypizza träumte. Seufzend beobachtete Ruby ihn dabei, wie er die Schuhe auszog und es sich gemütlich machte. Dann warf sie im die Karte zu, damit er die geforderte Pizza bestellen konnte. In der Zwischenzeit zog auch die Studentin ihre Schuhe aus und machte es sich neben ihm bequem. Ihr eigenes Bett war ihr zwar eigentlich lieber, doch damit verband sie nichts Gutes.



zuletzt bearbeitet 16.11.2019 19:54 | nach oben springen

#23

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 19.11.2019 00:17
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Der junge Mann sah es nicht als taktisch falsch an, ihr zu sagen, dass er ihr Gesicht kannte. Sie kannte vermutlich öfter Leute, die schon mal was von ihr gesehen oder gehört hatten als völlig unbelastete Leute. Sie lebte in der Öffentlichkeit und nun scheinbar sogar mit einem über Umwege stalkenden Verlobten. Davon mal ganz abgesehen, dass sie auch mit einem Killer rumlief. Aber das war okay. Immerhin war er ja dieser Killer. Die Tatsache konnte ihn also gar nicht beunruhigen. Er war die Gelassenheit in Person. Und das obwohl er sich im New Yorker Stadtverkehr befand und versuchte recht zügig vorwärts zu kommen neben all diesen Idioten, die manchmal auf der Straße unterwegs waren. Jedenfalls glaubte er nicht, dass sie argwöhnisch wurde, nur weil sie nun wusste, dass er sie mal irgendwo gesehen hatte. Immerhin gab es keine Skandale über sie. Das wusste er inoffiziell sehr sicher, denn er hatte sch ja schon intensiv mit ihr beschäftigt. "Immerhin ein hübsches Gesicht. Aber vermutlich gibt es dann schon zu viele Bilder, als dass man sie noch stolz ausschneidet und in einem Erinnerungsbuch sammelt, hm?", kombinierte er Scherz mit Kompliment. Gut, dass sein Portfolio über sie, wo im Prinzip genau so etwas existierte, in einem Lagerhaus und nicht im Hotel war. Sollte sie jemals sein Zimmer auf den Kopf stellen oder jemand anders, würde niemand so etwas finden. Das Hotel war wirklich nur mit Sachen bestückt, die sein Alibi-Leben rechtfertigten. Bei ihrem Schmollen lachte Jonathan schon beinahe ehrlich herzhaft auf. "Na gut, dem Blick kann man nicht widerstehen. Ich bin also ab sofort dein Mittel zum Zweck und Sexsklave - solange du mich mit Pizza bezahlst", meinte er, zwinkerte ihr frech zu. Und unter der Prämisse checkten sie dann also in das Hostel ein.
Ein Wunder, dass es dieses Haus noch gab und dass es überhaupt noch Geld verdiente, so wie es hier aussah. Das Außenlicht des Haupthauses flackerte hier und da, der Parkplatz hatte ein paar Schlaglöcher. Die Tür des Zimmers hatte Blessuren und das Bett quietschte. Die Matratze wollte man vermutlich gar nicht ansehen und generell vielleicht lieber nicht alles so genau erkunden. Er griff den Flyer der Pizzeria, als Ruby ihm den zuwarf und blätterte fix durch. Dann zog er sein Handy hervor und wählte die Nummer um zu bestellen. Er blickte sie zwischendurch beim Bestellen fragend an, damit sie ihm sagen konnte, was sie wollte. Er nannte die Adresse des Hostels und legte schließlich auf. "So. Jetzt gehöre ich wohl eine halbe Stunde dir, bis die Pizza dann mir gehört. Was machen wir in der Zeit? Betthüpfen? Kissenschlacht? Einfach gammeln?", fragte er mit einem Grinsen, griff neben sich nach einem der Kissen und warf es Ruby locker auf den Bauch.


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#24

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 19.11.2019 10:59
von Alex • Senior Member | 5.845 Beiträge | 1040224 Punkte

Nun gut, das Hostel war wirklich keine Augenweide und hier kamen größtenteils Menschen unter, denen es nichts ausmachte. Huren, die ihre Kunden hier empfinden. Drogendealer und Drogensüchtige. Aber jemand wie Ruby an diesem Ort? Das passte einfach nicht. Sie war jemand, der sonst in 5* Hotels zu Gast war und dafür auch mal mehrere tausend Dollar pro Nacht bezahlte. Doch das Hostel hier war wirklich unter ihrem Niveau. Niemand würde Ruby Sinclair hier vermuten. Genau deswegen war es ja auch ihre Zufluchtsstelle. Lächelnd beobachtete sie Jonathan dabei, wie er den Flyer durchlas und dann die Nummer der Pizzeria wählte. Schweigend lauschte Ruby dem Gespräch und nickte nur immer wieder leicht. Sein Vorschlag mit der Partypizza war gut und die Cola dazu auch absolut in Ordnung. "Eine ganze halbe Stunde also?", wiederholte die Rothaarige fragend und grinste frech. Was sollte sie mit dieser Zeit nur anfangen? Lachend fing sie das Kissen auf und schleuderte es zurück zu Jonathan, ehe sie nachdenklich die Unterlippe leicht einzog und ihn musterte.
Die Sache mit dem Sexsklaven war natürlich nur ein Spaß gewesen. Ruby hatte schließlich Liam. Beim Gedanken an ihren Verlobten seufzte sie innerlich auf und legte den Kopf nachdenklich schief. "Hm.", gab sie schmunzelnd von sich. "Vielleicht sollten wir tauschen. Ich bin deine Sexsklavin. Ich bleibe ein paar Tage hier, du fickst mich immer wieder und richtest mich bisschen übel zu und irgendwann tauche ich heulend und halb nackt bei meinen Eltern und meinem Verlobten auf und erzähle, dass ich entführt und vergewaltigt wurde. Dann will Liam mich bestimmt nicht mehr heiraten, wenn ein anderer Mann mich angefasst hat.", überlegte die Studentin laut und blickte Jonathan kurz relativ kühl an. Eine ziemlich krasse Maßnahme, doch Ruby wollte ihren Verlobten einfach nicht heiraten. Doch wie sollte sie die Hochzeit abbrechen? "Oder wir türmen einfach und machen uns ein schönes Leben irgendwo in der Karibik.", änderte die Rothaarige ihre Taktik und lachte leise auf, ehe sie sich wieder aufrichtete und sich im Schneidersitz neben Jonathan platzierte. Ihr Bauch knurrte bereits und Ruby war wirklich erleichtert, als es nach weniger als ein halber Stunde an der Tür klopfte. "Pizzaservice.", erklang von draußen eine männliche Stimme. Die Studentin sprang zufrieden auf, lief zu ihrer Handtasche und zog ein paar Scheine hervor, ehe sie die Tür öffnete und den dampfenden Karton in Empfang nahm. "Danke...Passt so. Schönen Tag noch.", murmelte sie hastig und schlug dem jungen Mann die Tür vor der Nase zu. Bewaffnet mit dem riesigen Karton und den zwei Flaschen setzte sie sich dann wieder ins Bett und zwinkerte Jonathan an. Es gab wohl definitiv schlimmeres als das hier. Hungrig öffnete Ruby den Pizzakarton und stellte erleichtert fest, dass die Pizza bereits geschnitten worden war. "Na dann, guten Appetit!", gab sie von sich und griff bereits nach dem ersten Stück beziehungsweise der ersten von vier Sorten.



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#25

RE: Start

in 𝔽𝕒𝕜𝕖 19.11.2019 20:35
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Jonathan war davon überzeugt, dass Rubys Nicken während des Telefonats dafür standen, dass er das richtige bestellte. Sie würden aber sicher zu zweit auch definitiv satt werden und sich nicht streiten müssen, wenn ihr das eine mehr oder weniger schmeckte. Es würde definitiv ein sehr interessanter Abend werden. Es war sowieso schon einer der spannendsten Abenden, die er bisher so verbracht hatte. Also abgesehen von Abenden natürlich, an denen er Menschen getötet hatte. Aber sie wollte er nicht töten. Nur kennen lernen und ihre Sozialstrukturen nachvollziehen. Er hatte bereits viel gelernt, was sicher nicht geklappt hätte, wenn sie ihm absolut nicht vertraute. Aber das hier war eine Entwicklung, die hätte er so nie für möglich gehalten. Er hatte schon Zielobjekte verführen müssen, aber die Flucht vor einem Privatdetektiv, kostenloses Shopping, die Fahrt an ein Hostel zum Stadtrand - das waren alles ungeplante Sachen. Klar, er musste immer irgendwie auf spontane Dinge gefasst sein, aber er hatte doch eigentlich schon jegliche Kontrolle über die Entwicklung des Abends abgegeben. Und es tat ihm auch mal ganz gut. Er konnte nach wie vor kontrollieren, was er sagte und wie er es sagte. Aber er fühlte sich viel freier als sonst.
Schmunzelnd fing er das Kissen wieder auf, als sie es ihm entgegen schleuderte, knautschte es dann zusammen um die Arme bequem drauf abzulegen. Er musterte sie dann ein wenig schockiert bei ihrem Vorschlag. Dieses Mädel war wohl doch mehr kaputt als zuvor gedacht. "Also bis zu dem Punkt, wo ich dich übel zurichte, klingt es ja noch richtig gut, aber ich kann leider nicht riskieren, dass Justiz und Politik mich verfolgen und ich im Knast lande", meinte er mit hochgezogener Augenbraue und einem halben Grinsen. "Türmen und Karibik wäre aber auch eine Idee. Wenn ich nur nicht arbeiten müsste... Ich möchte nicht der Hausmann sein, der sich durchfüttern lässt. Und deine Eltern würden dir dann sicher auch den Geldhahn zudrehen, wenn du einfach abhaust", überlegte er lachend. Als es an der Tür klopfte, war Ruby schneller als er aufgesprungen. Er blieb also sitzen und blickte ihr erwartungsvoll entgegen, als sie mit dem Karton wieder zum Bett kam. Er rieb sich die Hände vor Freude. "Guten Appetit", erwiderte er und griff sich dann auch sein erstes Stück. Genussvoll biss er hinein. Ungesundes Essen gönnte er sich nicht sehr oft, aber dafür war es dann um so besser sich mal eine fettige Pizza zu gönnen. Und diese hatte echt schön viel Käse, war schön heiß. "Erstaunlich dass es so weit draußen noch so gute Pizza gibt"; murmelte er zwischen zwei Bissen. "Die ist so gut, danach kannst du mich wirklich für alles, was du willst benutzen", meinte er mit einem frechen Zwinkern, ehe er sich ein neues Stück einer anderen Sorte nahm.


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