#151

RE: Boston High School Start

in Boston High School 25.12.2019 21:46
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte


IVIE
- Eliott


Eliotts Stimme am anderen Ende der Leitung zu vernehmen, lässt Ivie erleichtert nach Luft schnappen. Ihn zu hören tut gut und es hilft ihr dabei, sich auf etwas zu fokussieren, das greifbar ist:
Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen.
Eliott ist nicht hier und trotzdem fühlt es sich an, als könne sie sich an seiner Stimme festhalten.
„I-ich bin schon fast im Bus“, murmelt sie – die Linie fährt gerade ein. Acht Haltestellen sind es dann von hier aus bis zu Eliott, auf der Hälfte der Strecke wechselt der Bus die Linienbezeichnung und einige Meter Fußweg stehen danach noch an.
Ivie kennt den Weg auswendig. Sie hat ihn oft genug zurückgelegt und könnte ihn sich auch halbblind in Erinnerung rufen. Ganz blind traut sie sich nicht: einmal muss sie die Straße nämlich überqueren.
Das Verkehrsmittel hält direkt vor Ivie – der Bus ist beinahe komplett leer. Der Busfahrer sitzt ganz vorne, in der zweiten Reihe eine ältere Dame und im hinteren Ende noch drei Jugendliche, deren Wurzeln schätzungsweise in Lateinamerika liegen. Das entnimmt sie zumindest der Musik, die ihr im Bus aus dieser Richtung entgegen schallt, und eindeutig Spanisch ist. Der Busfahrer grummelt irgendetwas unverständliches, während sie ihren Fahrausweis herauskramt und herzeigt, dann schließt er auch schon wieder die Tür hinter ihr.
Das Fahrzeug setzt sich in Bewegung, noch bevor das Mädchen sitzt, und sie hat alle Mühe sich in die Sitzgruppe fallen zu lassen, gleichzeitig aber Handy und Papier nicht aus der Hand zu lassen. „Ich bin in zwanzig Minuten da…- falls… ist das überhaupt okay?“
Eliott klingt nicht abweisend und nicht so, als würde sie ihn stören, aber Ivie kann das nie deuten. Nicht, wenn der Kopf zu viel arbeitet. Sie schiebt den Gedanken beiseite, dass er vielleicht gar keine Zeit für sie hat und sie vielleicht sogar stört: das kann sie nicht brauchen, das würde ihren Kopf kaputtmachen. „Danke“, hängt Ivie dann noch gar im Flüsterton ins Telefon, bevor sie schließlich auflegt.

Ivies Finger zittern, als sie auf die eckige Taste neben dem Klingelschild drückt.
Die Minuten an der frischen Luft haben eine natürliche Röte, bedingt von der Kälte, auf Ivies Wangen getrieben. Sie geht für gewöhnlich gerne, aber heute ist es die Hölle.
Von der Dunkelheit umhüllt hat die Siebzehnjährige sich nicht unbedingt wohl gefühlt, zumal auf der Hälfte des Weges die Tränen angefangen haben zu laufen: vor Frust über sich selbst, Verwirrung und Ärger über Silas, vor Unwissenheit und Angst vor dem, wie es jetzt weiter geht.
Ob Ivie die Zeit nicht doch irgendwie zurückdrehen kann?
Es wäre schön, durchzieht der Gedanke ihren Kopf, aber leider ist die Realität der Rotblonden anders.
Sie hört, wie das Schrillen der Glocke im Haus hallt und beinahe zuckt sie zusammen, als der Summer ihr endlich die Tür öffnet und sie sich zu Eliotts Wohnungstür vorarbeiten kann.


So I will keep you day and night, here until the day I die
I'll be living one life for the two of us
I will be the best of me, always keep you next to me

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#152

RE: Boston High School Start

in Boston High School 25.12.2019 22:30
von Mivaka • Member | 1.116 Beiträge | 79550 Punkte



Silas


Im ersten Moment nimmt sie das kribbelnde Gefühl nicht wahr, welches sich durch die Berührung ausbreitet. Vielleicht ist sie selbst zu verwirrt davon, dass sie tatsächlich nach seinem Arm gegriffen hat. Denn wo besteht hier der Sinn? Eigentlich wollte Carly ihn doch nie wieder sehen. So sehr hat sie vorhin noch gehofft, dass sein Auftauchen lediglich Illusion gewesen ist. Und jetzt will er gehen und die Blondine will es nicht. Eigentlich sollte sie ihn längst wieder loslassen. Ihre Finger bewegen sich aber keinen Zentimeter, verweilen einfach auf seiner Haut und das Gefühl welches die Berührung auslöst ist einfach zu schön. Es hat etwas vertrautes an sich, weckt Erinnerungen die längst vergessen sind.
Silas ist nicht ganz der Typ Kerl für Fotos. Hat es nie für nötig gehalten, dass man durch Bilder irgendwelche Momente festhält. Das hat es Carly einerseits leichter gemacht, als es vorbei gewesen ist, andererseits verfliegen die schönen Erinnerungen einfach. Erinnerungen die sie vielleicht nicht vergessen wollte. Weil es Dinge sind, die ihr Leben für eine zeit lang lebenswerter gemacht haben. Die ihr ein Funkeln in die Augen gezaubert haben, ein Lächeln auf die Lippen und ihr ein klopfendes Herz verschafft haben. Momente in denen sie sich geliebt und zuhause gefühlt hat. Gefühle die sie von ihren Eltern nicht wirklich bekommen hat.
Und vielleicht vermisst sie auch einfach nur die Vorstellung von genau diesen Erinnerungen, vielleicht steckt mehr dahinter. Weder sie weiß es, noch irgendwer anders. Und so genießt sie die Nähe zu ihm wahrscheinlich mehr als sie es sollte. Mehr als es ihr wirklich gut tut. Es erweckt eine Sehnsucht in ihr, die sie lange nicht mehr so gespürt hat. Wie auch? Carly ist fest davon ausgegangen, dass sie den Braunhaarigen erfolgreich vergessen hat, dass er einfach der Vergangenheit angehört.
Vielleicht verleitet genau das sie dazu, dass sie sich dem Braunhaarigen nicht entzieht. Dass sie Silas einfach dabei beobachtet, wie er dicht vor ihr steht, sich zu ihr vor beugt und seine Lippen auf die Ihren legt. Schon bevor er das tut, ist Carly sein Vorhaben klar. Und dennoch wehrt sie sich nicht dagegen, lässt die Nähe zu und das Gefühl von seinen Lippen auf den Ihren ist wie ein rettender Anker an dem sich Carly festhält. Vielleicht erwidert sie deswegen den Kuss, selbst wenn es zögerlich ist und eher zurückhaltend, so sehnt sich die Blondine vielleicht einfach zu sehr nach dem Gefühl. Gerade nach dem stressigen und nicht ganz unkomplizierten Umzug und den Dingen die dem Umzug vorausgingen. Und so handelt auch die Blondine in einer gewissen Weise egoistisch. Denn es ist weder für ihn, noch für sie gut. Aber gerade in diesem Moment braucht sie das Gefühl. Ansonsten hat sie das Gefühl zu ertrinken.
Und so sehr sie es auch braucht, so wird Carly viel zu schnell bewusst was gerade passiert.
Erinnerungen kommen hoch und die Blondine kann nicht anders als sich dem Kuss zu entziehen, beinahe schon peinlich berührt auf seine Brust zu starren und einen halben Schritt nach hinten zu treten. Ihr Herz hämmert gegen ihre Brust und bei den aufkommenden Erinnerungen verschwindet das wohltuende Gefühl. Das letzte Mal als sie Silas so nahe war, ist alles schief gegangen.


you gave it all away
didn't even let me in
you gave the worst goodbye
and people ask me how I've been

so let me tell them
friday nights got me feeling lonely
saturdays when the bottles empty
why'd you have to leave me

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#153

RE: Boston High School Start

in Boston High School 26.12.2019 18:05
von Zonya • Junior Member | 502 Beiträge | 36500 Punkte














• • •



JAKE RILEY
- Rainn




Rainn hat ihm seine Bitte angesehen, bevor er sie überhaupt ausgesprochen hat.
Sie lässt ein leises Lachen erklingen und seine Augenwinkel legen sich in Falten. Für einen kurzen Augenblick hat er das Gefühl, sie würde ihn auswendig kennen, bis in den hintersten schmutzigen Winkel seines Lebens. Dabei gibt es so vieles, dass sie nicht über ihn weiß. Angefangen damit, dass die dunklen Straßen Dorchester die einzigen Bilder sind, welche sie über sein Zuhause hat. Jakes Blick wandert zu ihrem Nachttisch und dem alten Handy, welches er zuvor dort abgelegt hat. Das Display ist schwarz und von Rissen durchzogen, die einem Spinnennetz ähneln. Keine Nachricht, kein Anruf. Niemand sorgt sich darum, warum er am Abend nicht nach Hause gekommen ist und es überrascht ihn nicht. Jake kennt es nicht anders.
Seine Augen gleiten zurück zu Rainn, die ihre Beine über die Bettkante geschoben hat. Er möchte die Arme nach ihr ausstrecken und sie festhalten, doch anstattdessen beobachtet er nur, wie sie auf leichten Füßen zu dem großen Kleiderschrank schwebt und einen grauen Pullover über ihren Kopf stülpt.
Er ist ihr viel zu groß, genauso wie der Schrank, vor dem sie steht. Jake würde warscheinlich nichtmal eine einzige der vielen Spalten mit seinen Klamotten füllen können. Den grauen Hoodie, mit dem verwaschenen Logo, erkennt er sofort wieder. Es ist einer von ihm, einer den er nicht vermisst, weil es ihm ein gutes Gefühl gegeben hat, zu wissen, dass er bei Rainn ist.
Sie verlässt das Zimmer und lässt ihn alleine zurück.
Langsam kämpft auch er sich über die Kante und stellt die Füße auf den Boden. Er mustert der Bücherstapel, fährt mit den Fingern vorsichtig über ihre Rücken und Ledereinbände. An einem dieser Bücher allerdings, bleibt sein Blick etwas länger hängen. Eragon leuchtet in goldenen Buchstaben auf dem Einband und weckt seine Neugierde. Jake selbst ließt nicht besonders viel und guckt auch keine Filme, doch früher, als er noch ein Kind war, da haben seine Eltern ihm oft Geschichten vorgelesen und eine ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben. Als ein Junge auf der Jagd einen glänzenden blauen Stein findet, ahnt er nicht, dass dieser Fund sein Leben verändern wird. Doch plötzlich rührt sich der Stein. Feine Risse zeichnen sich auf seiner Oberfläche ab – ein Drachenjunges entschlüpft der Schale und es beschert Eragon ein Vermächtnis, das älter ist als die Welt.
Ein schwaches Lächeln zeichnet sich auf seinen Lippen ab, als er das Buch in den Händen hält.
Als Rainn zurück kommt, hat Jake sich bereits wieder ins Bett gelegt, die Decke bis zur Hälfte seines Oberkörpers gezogen. Sie stellt ein Glas Wasser und eine Schmerztabelette auf den Tisch, genauso wie eine Tasse Tee für sich selbst. Dankbar nickt der junge Mann, auch wenn er nicht danach verlangt hat. Jake möchte niemandem zur Last fallen.
Dennoch greift er danach und spült die Tablette mit einem großen Schluck Wasser herunter.
Er hebt die Decke etwas an, unter der er Rainn schon Sehnsüchtig erwartet, um sie besser darunter schlüpfen zu lassen. Auch er rutscht etwas hoch, als sie den Rücken gegen das Kopfteil des Bettes lehnt und legt einen Arm um sie. Sanft drückt er sie an sich und lehnt den Kopf vorsichtig gegen den ihren.
"Danke.." murmelt er leise und schließt die Augen.
Und zum ersten mal, seit er sich erinnern kann, scheint er an sein eigenes Glück zu glauben.


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#154

RE: Boston High School Start

in Boston High School 26.12.2019 21:27
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte


DANIEL
- Nour


Autoscooter? Ist das nicht das, bei dem man wie wild umhergeschleudert wird? Blaue Flecken kauft man sich mit den Fahrtchips quasi dazu.
Zweifelnd zieht Daniel die Augenbrauen zusammen, zu widersprechen wagt er dann aber doch nicht. Er hat den Scootern bisher immer nur von der Ferne zugesehen, also wäre es doch wirklich an der Zeit, es endlich auszuprobieren. „Dann iss mal auf“, scherzt der Ire – Nour sollte sich den Tag im Kalender markieren, das macht er tatsächlich nicht mehr oft.
Nur… Daniel muss zugeben, dass er langsam beginnt, zumindest nicht mehr die ganze Zeit Panik zu haben. Er kommt runter, er ist unter Leuten, er grinst gelegentlich.
Und das, wo er doch mit einer solchen Wende am heutigen Tag gar nicht gerechnet hat. Hätte das Wasser ihn nicht angezogen, wie er die Sehnsucht nach dem Meer nur von zuhause kennt, wäre er nicht vorm Auto gelandet… dann stände er nicht hier.
Dann taucht ein, ihm fremder, junger Mann bei ihnen auf.
Auf den ersten Blick erkennt er ihn nicht als Nours Bruder, wenn er sie aber so reden hört, macht es mit jedem Wort mehr Sinn, dass sie als Geschwisterpaar zueinander gehören müssen. Ob er noch mehr Geschwister hat? Das Mädchen im Auto vorhin war immerhin auch eine Schwester. Oder ist drei vielleicht eine normale Zahl, die ein Paar hier in den Staaten als Kinder hat? Oder herrscht aufgrund seiner Religion eine andere Anforderung an die Mindestkinderzahl in einer Familie?
Daniel weiß es nicht. In seinem Kopf macht es auch wenig Sinn, darüber zu fantasieren.
Danny hört den Sticheleien zwischen den beiden zu, denn alleine sein Hallo hat sich gequetscht angehört. Jedes weitere Wort wäre ihm nur noch schwerer gefallen und so lässt er sie drinnen.
Der Ire wählt den einfachen Weg.
So, wie er es immer tut.
Stattdessen knabbert er ruhig an seinen Pfannkuchen ran, bis das letzte Fitzelchen davon in seinem Bauch steckt. Mit der Serviette fährt er penibel oft über seine Mundwinkel, dann faltet er sie und das kleine, längliche Papiertellerchen kleinstmöglich zusammen. Danny hält seine Finger in Bewegung und mit ihnen dann auch gleich seinen Geist. Nours Bruder, dessen Namen er nicht zu hören bekommt, sieht er nur flüchtig an – dabei fängt er den Blick aus dessen dunklen Augen auf, traut sich nicht, ihn ein zweites Mal anzuvisieren.
„Man sieht sich“, murmelt er rau, tritt von einem Fuß auf den anderen. Darf er froh sein, dass Samir sogleich weiterzieht?
Er wirkt nicht unsympathisch, auf den Iren aber dennoch wie ein Störfaktor. Danny müsste mit ihm erst warm werden. So, wie es bei Nour auch gedauert hat – und weiterhin noch dauern wird.
Leicht schmunzelt der Dunkelhaarige. Nour mag kein Nerd sein, aber überzeugt jeden mit seiner Optik schon vom Gegenteil – und er? „Ich bin kein Freak“, erwidert seine eigene Stimme und sagt damit das gleiche aus, wie der Junge ihm gegenüber.
„Also… Autoscooter?“


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#155

RE: Boston High School Start

in Boston High School 26.12.2019 21:48
von yulssi • Junior Member | 178 Beiträge | 8900 Punkte



Malakai

Kelly musste dennoch lachen, konnte die sich durch das zartrosa schleichenden, weißen Zähne einfach nicht verbergen, als der Name des großen Ausländers den Munde seines Gegenübers verließ. Voll ins schwarze getroffen. Oder ins hautfarbene, wenn man das Gesicht des nur ein wenig Älteren im nachhinein betrachtete. ,,Yup, Ivan. Viktor. Russki. Gorbatschow Vodka. Irgendwas dazwischen."
Der ihm und höchstwahrscheinlich auch anderen Menschen nicht gerade gesprächig erscheinende Riese stellte Kelly noch immer ein ungelöstes Rätsel dar, war sich nicht sicher, was er von ihm halten sollte, auch, wenn sie jetzt doch nicht mehr auf guter Seite miteinander standen, es auch zuvor dank geringem Kontakt nicht getan hatten. Der Blonde entsprach von dem, was er denn wusste dem typischen Bilde eines Russen, passte gut in die dazugehörigen Kategorien herein, wenn man es so sehen wollte.
Doch was der Neunzehnjährige ihm angetan hatte, dass wusste er selber nicht mehr allzu genau, hob die gebräunten Schultern zur Demonstration an, um seine Ahnungslosigkeit damit zu unterstreichen. Malakai schien Spaß zu haben, klatschte ihm mit der flachen Handfläche gegen die Wange, erzeugte somit einem stechenden, aber minimalen Schmerz, welcher den Kleineren zucken, das Auge der dazugehörigen Seite zusammenkneifen lässt. ,,Keine Ahnung man, bestimmt was' dämliches." ,fing er mit dem erklären an, Augen an die Decke gerichtet, ehe er mit einem ,,War wie immer vollgedröhnt und bin hier im Treppenhaus aufgewacht." So war das Leben manchmal und Kellys besonders oft. ,,Schnauze, ich bin nicht verrückt !" Wann er das letzte Mal so viel und ehrlich gelacht hatte, daran konnte er sich nur schlecht erinnern.
Manchmal dachte der Hellhaarige darüber nach, wie es wohl sein musste, sich keine Sorgen um nichts machen zu müssen, das Leben einfach so hinnehmen zu können, wie es war und dabei auch noch Spaß zu haben. Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen liegend durch die Straßen zu ziehen, das hübscheste, womöglich sogar beliebteste Mädchen mit den welligen, langen Haaren auf dem Abschlussball zu küssen, dafür von allen gefeiert zu werden. Wirklich mal so viel Glück zu haben, dass jeder einem mit Bravour und bis zum Anschlag in den Arsch kroch, aus anderen Öffnungen wieder herauskam. Lob aussprach. Doch gerade deshalb nannte man es einen Traum, weil es nicht echt war. Niemals einer Realität entsprechen würde, welches Universum war egal. Es klang unlogisch.
Kelly redete und Vogel sagte nichts. Kelly sprach die meiste Zeit über einfach zu viel, überlegte nicht richtig. Der neben ihm Verweilende liebte ihn nicht. Liebe... was für ein Wort. Man konnte auch ein bestimmtes Gericht lieben. Liebe für ein Haustier oder einen Musiktitel verspüren, und doch wusste der Amerikaner nicht, wie er das sich in seiner Brust ausbreitende Gefühl beschreiben, wenn deuten sollte, wenn nicht als schmerzhaft. So fühlten sich keine Schmetterlinge an, jedenfalls nicht, wenn man dieses Gefühl, die vielen schlagenden und sich bunt ausbreitenden Flügelchen von vorne rein nie gekannt, als dieses wahrgenommen hatte. Für ihn fühlte es sich in die entgegengesetzte Richtung an. Es tat weh, zerrte an seinem Kopf, seinen sonst so vernebelten Gedanken. Drehte seinen Magen nach links und rechts und brachte ihm dazu, sich noch einsamer zu fühlen, als zu sonstigen Zeiten. Es war nicht das, wonach er suchte, doch Malakai war der, den er letzten Endes gefunden hatte. Den er wollte, aber nicht haben konnte. Den er verleugnete. In seinem Kopf schlecht machte. Verdrängte. Wollte. Noch immer wollte.
Kelly zog ihn noch ein Stückchen weiter zu sich hin, machte für einen minimalen Moment halt, um sich zu vergewissern, dass er es auch wollte. Das es das richtige war. Für beide. Damals hatte er gesagt, dass er keine anderen küsste. Niemals. Keine Beziehung unnötig vertiefen wollte, wenn es ihm anschließend nichts brachte. Lippen ineinander versiegelt, den Kopf ein wenig zur Seite gebeugt, damit es angenehmer war, Augen geschlossen und wieder geöffnet, den nur ein Jahr Jüngeren erneut aufs Bett verfrachtet, sich an ihn gelehnt. ,,Darf ich dich was' fragen ?… Kannst du mir Sachen über dich erzählen ?"


𝙻𝚎𝚝'𝚜 𝚛𝚞𝚗 𝚊𝚠𝚊𝚢 𝚝𝚘𝚗𝚒𝚐𝚑𝚝

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#156

RE: Boston High School Start

in Boston High School 27.12.2019 14:49
von Zonya • Junior Member | 502 Beiträge | 36500 Punkte






S I L A S




Silas Lippen sind leicht geöffnet und seine Brust hebt und senkt sich schnell. Ihn hat der Kuss genauso mitgenommen wie Carly, das ist unübersehbar.
Und im selben Moment, wo sie ihn nicht länger erwidert hat, da ist auch den Jungen klar geworden, was er da getan hat. Silas hat ein anderes Mädchen geküsst und nichts wird das jemals entschuldigen können. Der Gedanke erschüttert ihn und rüttelt an seinem Herzen.
Er kann sich nicht bewegen. Er steht einfach nur da, mit steifen Schultern und bebenden Händen.
"Es tut mir Leid" murmelt Silas. Obwohl sein Blick wehmütig und voller Schmerz ist, ist er zum ersten Mal, seitdem das alles passiert ist, auch vollkommen offen. In diesem Moment hält Silas nichts zurück.
Er sieht sie verzweifelt an und holt Luft. "Ich verstehe, wenn du mir nicht verzeihen kannst. Aber du sollst wissen, dass es mir leidtut. Was ich an jenem Abend getan habe, das war ein Fehler.."
Dann blinzelt er mehrmals und stolpert zurück. Seine Augen sind glasig.
Mehr kann er nicht sagen. Seine Gedanken drehen sich und springen immer wieder zu Ivie. Er dachte nicht, er könne sie noch mehr verletzten als er es bereits getan hat. Jedes mal, wenn er daran denkt, fühlt es sich an, als würde jemand eine Hand in seinen Brustkorb stoßen, die Finger um sein Herz legen und fest zudrücken. Er ist so unsagbar wütend auf sich selbst.
"Ich- .. Ich", stottert er und bricht letztendlich den Versuch, etwas zu sagen, ab.
Dann dreht er ihr den Rücken zu und verschwindet, blickt sich beim gehen kein einziges mal zu ihr um.
Silas möchte vergessen, dass das passiert ist. Er möchte die Zeit zurück drehen.
Ivie auf dem Jahrmarkt sagen, dass er sie liebt.

Ivie ist nicht zuhause. Es ist der erste Ort, an dem er nachgesehen hat, unsicher, ober er sie überhaupt finden will.
Dann ist er zu dem Ort gefahren, an dem alles angefangen hat.
Silas sitzt auf Erde, lässt die Füße über dem Abhang baumeln. Die Stadt vor seinen Augen leuchtet hell auf.
Er weiß nicht, wo oben und unten ist, er kann nur spüren, dass der Platz neben ihm, leer ist. Er hat nicht wirklich erwartet, Ivie hier anzutreffen.
Der Junge aus Chicago hat keine Ahnung, wie viel Zeit mittlerweile verstrichen ist.
Auf sein Handy zu blicken, dass traut er sich nicht und ihr die Wahrheit zu sagen, auch nicht.
Zu allgegenwärtig ist der Ausdruck auf ihrem Gesicht, als er sie auf dem Jahrmarkt hat stehen lassen. Als hätte er ihre Welt zerstört.
Was wird wohl diese Wahrheit mit ihr machen?


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#157

RE: Boston High School Start

in Boston High School 27.12.2019 23:23
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte


RAINN
- Jake


Warme, einladende Arme empfangen Rainn.
Die Rothaarige lässt sich nicht zweimal bitten und rutscht Jake selbst nochmals entgegen. Die Wärme, die sein Körper ausstrahlt, fühlt Rainn selbst durch die Schichten an Klamotten hindurch.
Die Decke liegt wie ein leichtes Gewicht auf ihren Beinen.
Nicht störend, aber man merkt doch dass sie da ist.
Selbiges gilt für Jakes Kopf.
Der Neunzehnjährige lehnt sich an dem Mädchen an, sie stört sich daran aber nicht. Sein Kopf liegt auf dem ihren, die braunen Haare vermischen sich mit den roten. Optisch eine interessante Kombination.
Genauso auch die Teints der beiden. Rainn ist blass, sie schimmert so hell wie Porzellan. Jake sieht man an, dass er viel Zeit draußen verbringt. Seine Haut ist ohnehin in anderen Nuancen gefärbt als die ihre – die Achtzehnjährige sieht neben ihm, der gut gebräunt ist, aus wie eine kalkweiße Wand.
Rainn überschlägt die Beine, rückt das Kissen in ihrem Rücken noch zurecht und dann blättert sie das Buch langsam auf.
Ihre weichen Finger streichen über die ersten Seiten, verweilen für ein paar Sekunden auf Seite 6 und 7, denn dort ist die Karte aufgedruckt, die ihre Fantasie schon so oft zum Leben erweckt hat. Das sieht man der Taschenbuchausgabe auch an. Das Softcover ist abgewetzt und die Ecken schon eingedreht, manche Seiten haben unten kleine Risse davongetragen.
Es sieht so aus, wie ein Buch, das geliebt und gelesen wird.
Rainns leise Stimme beginnt auf Seite 13 zu lesen. „Der Wind heulte durch die Nacht…“, fängt die erste Zeile an und zieht sich in regelmäßiger Schrift Seite um Seite weiter.
Hin und wieder wechselt die Rothaarige die Hand, in der sie das Buch hält, und manchmal streichen dann die Finger, die Jake am nächsten sind, durch seine Haare oder zeichnen flüchtige Kreise in seinen Nacken. Dabei hört sie nicht auf die Geschichte der Urgals, die sie beim Lesen immer fürchterlich an Trolle erinnern, und Feen zu lesen – um dann, Seite um Seite, in die Welt der Drachen einzutauchen und den Fokus auf Eragon und dessen Drachen zu legen.
Rainn gibt sich Mühe, das Lesen lebendig zu gestalten. Sie verstellt die Stimmen zwar nicht, wenn die Protagonisten wechseln, aber sie achtet auf die Betonungen. Ihr macht es Spaß, zu lesen – auch, laut zu lesen.
Jakes Idee empfindet sie daher auch keineswegs als Belastung.
Womit sie allerdings weniger gerechnet hat, ist dass das Ganze auch sie schläfrig macht. Auf Seite 50 angelangt, den mittlerweile fast kalten Tee nebenbei fast ganz ausgetrunken habend, macht sie eine kurze Pause.
Rainn gähnt und räkelt sich ein wenig, legt das aufgeschlagene Buch mit dem Cover nach oben zeigend auf das helle Laken und lauscht Jakes ruhigen Atemzügen.
Tatsächlich fallen ihr selbst bald die Augen zu.


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#158

RE: Boston High School Start

in Boston High School 28.12.2019 15:47
von Zonya • Junior Member | 502 Beiträge | 36500 Punkte

















25th December 2019



Boston - Schnee, Sturm und arktische Kälte: Für die wintermüden Menschen im Nordosten der USA gibt es keine Verschnaufpause. Am Wochenende wurden mehr als 1800 Flüge in der Region gestrichen, der Nahverkehr liegt vielerorts lahm. An manchen Stellen liegt der Schnee mehrere Meter hoch. Es werden gefühlte Temperaturen von minus 20 bis minus 30 Grad erwartet. Ein Metereologe des Nationalen Wetterdienstes spricht von einer "brutal kalten Luftmasse".



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zuletzt bearbeitet 28.12.2019 15:48 | nach oben springen

#159

RE: Boston High School Start

in Boston High School 28.12.2019 17:46
von Zonya • Junior Member | 502 Beiträge | 36500 Punkte














• • •



JAKE RILEY
- Rainn




Seit mehr als einer Woche versinkt die Stadt im Schnee, selbst das trostlose und graue Dorchester hat sich in ein weißes Wunderland verwandelt.
Doch mit der Naturmacht kommt nicht nur eine klirrende Kälte, sondern auch das Chaos. Die Bahn musste anfang der Woche dicht machen. Man will aufjedenfall vermeiden, dass die Passagiere wie am Tag zuvor stundenlang in einer gestrandeten Bahn feststecken.
Auch die Schule hat früher geschlossen. Doch Jake kann sich den Schülern, die sich darüber gefreut haben, nicht anschließen. Die Schule ist für ihn eine willkommende Ausrede, nicht nach Hause gehen zu müssen. Zu seiner Mutter, die mal wieder die Stromrechnung nicht bezahlt hat, weshalb sie vier Tage im dunklen saßen.
Einen Baum haben sie nicht gekauft und auch sonst haben sie keinen Weinachtlichen Schmuck aufgestellt. Die Veranda ist nicht mit hübschen Lichtern geziert und in den Fenstern kleben keine Bildchen, die an das Fest erinnern. Es ist ein Tag wie jeder andere.
Das letzte mal hat er seine Mutter am Abend zuvor getroffen, jetzt ist das Haus wie leer gefegt, keine Spur von ihr.
Der Junge sieht sich ein letztes mal um, bevor er die Tür abschließt und durch den tiefen Schnee stapft.
Kaltes Nass breitet sich an seinen Knöcheln aus, doch Jake geht einfach weiter. Er hat die Hände tief in den Taschen seiner dunklen Jacke vergraben. Sie ist nicht besonders dick und darunter blitzt die Kaputze seines grauen Hoodies hervor. Es ist nicht der selbe, den Rainn von ihm hat. Anstatt ihn wieder mitzunehmen, besitzt sie nur noch einen weiteren von ihm.
Eine Stunde ist vergangen, seit Jake das Haus verlassen hat. Seine Füße sind eiskalt, doch am Rest des Körpers ist ihm von der Bewegung wohlig warm. Vor ihm tun sich kleine Gassen auf, Gaslampen beleuchten die Gehwege und Efeu rankt sich an alten Backsteingebäuden empor. Beacon Hill ist ein malerisches Viertel.
In den letzten drei Monaten ist er oft hier gewesen, stand immer auf den selben Stufen, auf die er auch jetzt einen Fuß setzt.
Jake klopft sich den Schnee von den ausgetretenen schwarzen Stiefel und schüttelt sich vereinzelte Schneeflocken aus dem dunklen Haar.
Dann klingelt er.


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#160

RE: Boston High School Start

in Boston High School 28.12.2019 20:48
von Zonya • Junior Member | 502 Beiträge | 36500 Punkte



















A D R I A N
mit Kelly und Lucien




Eine Idee gleicht einem Schnupfenvirus: Früher oder später fängt es sich immer jemand ein. Mit dieser Idee sind Lucien, Kelly und Adrian schon infiziert; am Weinachtsmorgen einen sitzen haben. Letzterer nannte es: Blau unterm Baum.
Und dieser erledigt die ihm aufgetragene Arbeit vorbildlich.
Es kommt ihm nicht einmal in den Sinn, diesen Tag nüchtern zu beenden.
Adrian schwänkt die blaue Tasse in seiner Hand und steht mit wackeligen Beinen auf dem Tisch seines Trailers, "Ein Glühwein, Swei Glühwein, Rei Lühwei".
Er denkt an überhaupt nichts. Adrian befindet sich in jenem vorwiegend gedankenlosen Zustand des Rauschs, der manchmal solch fruchtbarer Boden ist. Der Nährboden, aus dem unsere brillantesten Träume und größten Ideen, die guten, aber auch die spektakulär schlechten, plötzlich sprießen, oft voll entwickelt.
"Meine Freunde.." lallt der Deutsche und hebt die Tasse. "Weinachtn' is bekanntlisch das Fest der Familie und Liebe... tze ... uund natürnisch!! muss isch da an eusch denkn' .. Danke Brooos, dass es eusch jibt. Selbst wenn ma alles scheise läuft, mit eusch is alles halb so wild".
Die Stunden des Alkohol-geschwängerten Zwielichts, in denen Freundschaften und lahme Inside-Jokes geboren werden und in denen sich Menschen Dinge von der Seele reden, die viel zu lange verborgen blieben, haben begonnen und Adrian der bildet den Anfang.
Gefährlich schwankt er hin und her, droht dabei beinahe den Kräuterschnaps, für die Verdauung, vom Tisch zu stoßen.
"und übahaupt wosn meen Biersschen .. ? *örps*".
Mit diesen Worten steigt er vom Tisch und lässt sich zwischen Kelly und Lucien fallen.
"uund jetzz..tt die Geschhänke"..Adrian sieht zwischen den beiden hin und her.. "Schänke, Ha".
Er lacht, stellt die blaue Tasse ab und greift unter seinen Platz. Auf dem Boden steht eine Tasche, in der verräterisches Glas klirrt, als Adrian sie nach oben hievt. "So meene Freunde! Jetzt wisst ihr ma wie echtes Bier schmeckt.. °hips°" sagt er und stellt mit diesen Worten die Tasche auf den Tisch. Zum Vorschein kommen zwei Flaschen Deutsches Bier. "Aaallt!".
"und zuur Feier des Tages.." ruft er laut und hebt eine kleine Schachtel in seinen Händen zum Himmel empor, als wäre sie das wertvollste, was die zwei jemals sehen werden.
"Graaaaaas!"


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zuletzt bearbeitet 28.12.2019 20:53 | nach oben springen

#161

RE: Boston High School Start

in Boston High School 28.12.2019 20:57
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte


IVIE
[erwähnt Eliott, Silas, Leni, Rainn, Carly]


Unentschlossen steht Ivie vorm Spiegel.
Irgendwie will das alles nicht so funktionieren, wie sie es sich vorher im Kopf zusammengestellt hat: die Haare kräuseln sich am Ansatz, aber nicht in den Spitzen und dabei waren es doch letztere, die sie in Locken verwandeln wollte. Der Pullover sieht von der Seite gut aus, aber von vorne ähnelt er einem Sack. Er ist weit geschnitten und grob gestrickt, lediglich an den Ärmel und am unteren Ende – dort macht der Strick jeweils eine Art engeren Bund – bringt er etwas Figur.
Ivie fühlt sich darin wie eine cremefarbene Kartoffel.
Auch ihre Jeans stört sie.
Der schwarze Stoff wirft am Oberschenkel ein paar Spannfalten und überhaupt sehen ihre Beine in der Hose dick aus. Da hilft es auch nicht, dass sie daran herumzupft – die Erscheinung im Spiegel ändert sich nicht.
Leise seufzt die Siebzehnjährige. Das Outfit hat Eliott für sie herausgesucht.
Eliott, der sie in den letzten Wochen und Monaten irgendwie über Wasser gehalten hat.
Er hat mehr Geschmack als sie und Ivie bisher auch immer erfolgreich davon überzeugt, dass sie gut aussieht. Das schüchterne Mädchen hat jeden einzelnen Tag daran gezweifelt und das tut sie jetzt auch.
An Rainn oder Leni würde das alles viel besser aussehen, da ist sie sich sicher. Die beiden haben weniger auf den Rippen als Ivie.
Für die Figur von einer der beiden würde sie töten – oder auch für Carlys. Lange schlanke Beine, definierter Bauch, keine hässliche Speckfalte dort hinten am Rücken, wann immer sie den Oberkörper zur Seite bewegt.
Sie hasst ihre Hüfte, die breit wirkt, und ihre Kurven erst recht. Die Oberschenkel sind nicht straff und schlank, sondern in ihren Augen immer wabbelig. Egal was sie macht.
Dabei hat sie sogar mit Sport angefangen, geht viermal die Woche im Park laufen – sofern das Wetter es erlaubt – oder macht ein Workout auf YouTube nach. Am idealsten wäre das Fitnessstudio, aber dahin traut sie sich nicht. Ivie hat Angst, dass sie sich dort zu unwohl fühlt und Panik bekommt.
Appetit hat sie auch weniger. Die Rotblonde isst bei den Familienmahlzeiten weiterhin mit wie schon immer, aber ihr gelüstet es gar nicht mehr nach einem Snack tagsüber, während der Schulzeit oder einem kalorienhaltigen Lunch in der Cafeteria.
Die Waage zeigt zwei Kilo weniger, aber Ivies Optik hat sich offensichtlich nicht verändert.
Irgendwann kapituliert die Siebzehnjährige schließlich – keine der anderen Hosen in ihrem Schrank sieht besser aus und mit einem anderen Pullover fühlt sie sich unwohl.
Leise öffnet sie ihre Zimmertür und tritt in den Gang hinaus, dann geht sie die Treppen nach unten.
Irgendwo in der Küche hört sie ihre Pflegemutter herumhantieren. Celine hat für den heutigen Weihnachtstag ihre Familie zum Essen eingeladen und dementsprechend viel hat sie am Vortag auch schon eingekauft. Jetzt steht sie seit sieben Uhr morgens am Herd und zaubert drei Gänge für acht Personen.
Ivies Schritte machen auf dem Holzboden kaum einen Murks. Wahrscheinlich denkt ohnehin jeder, dass sie noch schlafen würde, und für einen Moment ist es ihr auch lieber, man denkt das noch. Das hier ist ihr erstes richtiges Weihnachtsfest und obwohl sie viel zu alt ist, um es wie ein Kind zu genießen, will sie immerhin für ein paar Augenblicke den Zauber genießen.
Die Siebzehnjährige biegt in das Wohnzimmer ein und muss automatisch lächeln, als sie den Baum erblickt. Es duftet nach Tanne, weil die Familie einen echten Baum geholt hat, und ihr Pflegevater hat ihn mit Herz und Seele leidenschaftlich geschmückt. Er schimmert in goldenen und roten Tönen, darunter finden sich auch einige cremefarbene Elemente. Das allerschönste aber sind die Lichter, findet Ivie, und die liebevoll verpackten Geschenke darunter, die in verschiedenen Farben ertönen.
Drei davon sind von ihr. Es ist jeweils nicht viel, aber es sind Sachen darin, die sie mit den jeweiligen Personen verbunden hat.
Sie lässt sich auf die Couch sinken und zieht die Beine an, während sie die Dinge nochmal Revue passieren lässt.
Die DVD mit der Liebesschnulze für Celine, weil das der erste Film war, den die beiden zusammen im Kino angesehen haben und das Heimtrikot der Detroit Red Wings, wenn auch nur aus dem Merchandise Verkauf, für William, der sie zu einem Fan des Sports und der Mannschaft gemacht hat. Ivie hat lange nachgedacht, auch weil das ganze Schenken und beschenkt werden etwas Neues ist für sie.
Auf was ihr Blick aber hängen bleibt, ist die kleine viereckige Schachtel, die in kitschiges Geschenkpapier gewickelt ist. Orangerote Füchse auf hellblauem Hintergrund, drum herum eine goldene Schleife und der Name Silas, den ihre schnörkelige Handschrift auf ein Tag aus Papier gemalt hat. Sie hatte es schon so lange im Zimmer aufbewahrt, dass sie es nicht übers Herz gebracht hat, es nicht auch unter den Baum zu legen.
Selbst, wenn sie keinen mehr Grund hat, ihm noch etwas zu schenken.
Ivies Herz wird schwer. So wie immer, wenn sie an Silas denkt.
Ob es jemals wieder besser wird?


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#162

RE: Boston High School Start

in Boston High School 28.12.2019 21:18
von yulssi • Junior Member | 178 Beiträge | 8900 Punkte



Adrian / Lucien / Parteeeey

Kelly kam aus Kalifornien. Sonne. Wärme. Die größten Spasten der Menschheit. Irgendwas dazwischen und dennoch keine dieser ekelhaften weißen Matschmassen, die bei wohl allen Menschen als Schnee, oder wohl eher als der Horror bekannt war. Schnee… Schnee…. War es wohl Zufall, dass dieses Wort sich auf die Verneinung Ne reimte, oder bloß eine von dem Amerikaner zusammengedichtete Tatsache ? Beides klang für Kelly ziemlich logisch.
Logisch war ihm auch das mit den Geschenken, denn es war mehr oder weniger Weihnachten, wenn nicht ganz, denn die Cummings-Cunningham Familie glaubte nicht wirklich daran. Glaubte nicht an die Kirche mit den großen Kreuzen und Kleidern tragenden Männern und deren Spuk, ging nicht jeden Sonntag dorthin, um sich die mittlerweile viel zu vielen Sünden vom Leib zu reden. Mal ganz davon abgesehen, dass man Kelly höchstwahrscheinlich nicht einmal die Schwelle betreten lassen würde. Schmückte nicht das Haus und machte sich keinen Feiertag, selbst eine besinnliche Zeit daraus, schenkte sich dennoch immer etwas kleines zur Feier dieses Tages, auf Anfrage des neuen Mannes an der Seite seiner Mom, welcher sogar fest darauf bestand, ein kleines, bunt geschmücktes Bäumchen im Wohnzimmer stehen zu haben und jedem etwas in die Hand zu drücken, auch, wenn niemand so wirklich etwas damit anzufangen wusste.
Der Blondschopf hatte eine Flasche Whiskey bekommen, eine Spur von Honig. Große böse Flasche.
Ach, wäre Weihnachten doch immer so sinnlich….

Alles drehte sich. Bunte Punkte in der Luft. Der Lockenkopf vollgedröhnt irgendwo auf einer Bank neben Lucien und Adrian, alle völlig weg, nicht weiße, nein blaue Weihnachten. Wortwörtlich. Kelly merkte quasi gar nichts mehr. Hatte in den letzten Stunden vielleicht einen Viertel des umliegenden Grundstücks vollgekotzt, Pupillen riesig und schwarz wie die einer Katze, die Stimme mehr als nur heiser vom vielen Gelächter. Mische auf dem Tisch… auf der Bank… dem Boden und überall sonst auch noch, Menschen dazwischen, um spezifischer zu klingen genau drei von ihnen. Totale Vollidioten, dumm, dümmer und mit Kelly dabei am aller dümmsten.
Dieser beugte sich ein weiteres, erneutes Mal nach unten, um nach einem fast schon löchrigem Eimer aus dünnem Plastik zu greifen, diesen wie ein vollgefressener Braunbär vollzureiern, halb daran zu ersticken, wäre die ausgekotzte Masse an Brei nicht überwiegend klare Flüssigkeit. Ein leeres Tütchen auf dem Tisch, Inhalt unklar, sowieso schon seit längerer Zeit leer. Wenn die Bullerei kommen würde, hätten alle ein riesiges Problem.
Adrians kleine Ansprache, welche folglich mit wackeligen Beinen und fehlendem Verstand von der Oberseite des Tisches aus stattgefunden hatte, rührte den einzigen Amerikaner beinahe zu Tränen, diese weggeblinzelt, als Kelly seine Gedanken lallend hinzugab, Oberkörper erhoben, sich mit der Linken an Lucien abgestützt, um nicht an Mangel von Gleichgewicht zu sterben. ,,Broooo… Broo. Meene Brooos. Auch, wenn ihr se biggest Assis seid, mit eusch… ja mit eusch… Proscht !" ,den fast umgestoßenen Kräuterschnäppi in den Pfoten, wieder abgestellt, da das Wort Geschenke fiel. Deutsches Bier. Noch nie gesehen, noch nie gerochen, noch nie getrunken. Für gut befunden. Eine brüderliche Umarmung plus Kotze- Küssi sollte reichen, Kelly unter der ihm gehörenden, das Weite gesuchten Lederjacke gegraben, den Whisky von Zuhause gönnerhaft umhergeschwengelt, mit hässlicher Schleife bepackt, als wäre er der Gott vom Trailerpark gewesen, die er Adrian an den Kopf klebte, beim zurückstiefeln fast aufs Maul gelegt. ,,Ich mussn Anruuuf machn… spädder. Gleisch. Aber zuerscht Graaaas my Frendz."


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#163

RE: Boston High School Start

in Boston High School 28.12.2019 22:02
von Zonya • Junior Member | 502 Beiträge | 36500 Punkte






S I L A S




Silas sitzt auf der Fensterbank seines Zimmers. Die Hennleys haben immer gesagt, sie wollen nicht, dass er im Haus raucht. Jetzt hofft er einfach, dass der Rauch nach draußen und nicht ins innere zieht.
Der Junge kann kaum Lust für den ihm bevorstehenden Tag aufbringen, es gibt vieles, dass ihm gerade lieber wäre, als gemeinsam an einem Tisch zu sitzen, dabei hat er es immer genossen gemeinsam zu essen - als Teil einer Familie.
Es war ein schönes Gefühl, solange, bis Carly aufgetaucht ist. Silas gibt ihr nicht die Schuld für das geschehene, doch er wünscht, er könnte es. Das Gefühl Ivie am Tisch gegenüber sitzen zu müssen, den verletzten Ausdruck ihres Gesichts in Erinnerung, den er einfach nicht vergessen kann. Der Gedanke ist unerträglich für ihn. Immer und immer wieder muss er an den Abend des Jahrmarkts denken, an Carlys Haut auf seiner. Ihre weichen Lippen und das kribbeln in seinem Bauch.
Er hat es Ivie nicht erzählt und die Schuld zerfrisst ihn.
Silas zwingt sich zu drei tiefen, ruhigen Atemzügen. Er darf sich jetzt nicht in Gedanken an eine ohnehin verlorene Zukunft verlieren. Er muss einen Tag nach dem anderen angehen.
Schwerfällig begibt er sich zu seinem Kleiderschrank und ohne lange zu überlegen sucht er das einzige Hemd aus dem Regal, welches er besitzt.
Es ist schwarz und an der Brust etwas zu eng. Der Stoff spannt, wenn Silas sich ungünstig bewegt - was so gut wie die ganze Zeit passiert. Doch der Junge besitzt nichts anderes. Er muss an William denken, der ihm immer wieder angeboten hat, neue Hemden mit ihm kaufen zu gehen. Das sollte er bei Gelegenheit mal machen.
Doch für den Moment muss reichen, was er am Leib trägt. Die Jogginghose tauscht er gegen eine Jeans und mit einem letzten prüfenden Blick in den Spiegel an seinem Schrank, verlässt er das Zimmer.
Bereits im Flur, kann er die Stimmen aus dem Wohnzimmer hören und mit jedem Schritt den er ihnen näher kommt und sie lauter werden, wird ihm mulmiger zu Mute.
Celine sieht er als erstes, wie sie zwischen Wohnzimmer und Küche jongliert. Silas tritt einen Schritt vor und nimmt ihr die Teller ab, welche sie in der Hand hält. Er kann ein genuscheltes Danke hören, bevor sie auch schon zurück zum Herd saust.
Vorsichtig platziert er das Porzelan auf dem Tisch und als er den Blick hebt, kann er Ivie auf der Couch sitzen sehen. Kurz sieht er sie an, bemüht, sich die Überraschung nicht anmerken zu lassen. Gerne würde er ihr sagen, wie hübsch sie aussieht, doch Silas gibt keinen Ton von sich.
Sein Blick ist eiskalt und beharrlich, als er sich auf den Sessel neben der Couch setzt.
Die Fernbedienung liegt auf der Lehne und lädt ihn förmlich dazu ein, die Stille zwischen den beiden zu brechen. Er lässt den ersten Kanal laufen, der erscheint. Von seiner Position aus, hat er keine freie Sicht auf den Bildschirm. Der Tannenbaum, so herrlich von William geschmückt, versperrt die hälfte des Bildes. Sein Blick wandert auf die liebevoll verpackten Päckchen unter seinen Zweigen.
Zwei der Pakete sind von ihm. Eine bestickte Grillschürze für William, weil es das erste ist, was er ihm beigebracht hat. Ein saftiges, zartes Steak grillen. Penibel hat er ihm erklärt wie es geht, jeden seiner Versuche ein bisschen weniger kritisiert. Doch perfekt, dass ist es noch immer nicht.
Und für Celine ein Buch, das sie sich gewünscht hat.
Für Ivie allerdings, für sie hat er nichts.


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#164

RE: Boston High School Start

in Boston High School 28.12.2019 22:08
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte


LUCIEN
- Kelly, Adrian


Kalte Luft strömt mit in den Trailer hinein, aber Lucien versucht, die Tür zügig und treffsicher wieder zu schließen. Es glückt ihm, findet er.
In seinen Ohren schlägt die Tür nicht laut zu und auch dass sie gar nicht richtig einrastet sondern hinter ihm ein zweites Mal aufgeht schiebt er nicht auf die Promille, die in seinem Blut schwimmen. Adrians Tür ist einfach scheiße.
Er schlägt sie einfach noch ein zweites Mal zu. Dieses Mal mit viel mehr Wucht. Dieses Mal fällt das eckige ins Loch, also die Tür ins Schloss.
Wackelt der Trailer oder wackelt er?
Dreht es Lucien oder dreht sich die Welt?
„Juuuunge“, hickst er, stolpert mit dem Fuß über irgendetwas am Boden, und landet fast vertikal auf der Sitzgelegenheit. Beinahe hätte ihn sein Gesicht gebremst, so sind es aber immer noch die Füße, die Stopp sagen. Immer noch der Hintern, der das Polster findet, und nicht die Nase. „Deine jolle Nachbarin“, mit rollenden Augen und einer unkoordinierten Handbewegung zeigt er in irgendeine Himmelsrichtung, „häd mi fast mit ihr’n Pantöffelschen verprüchelt.“
Für die wenige Außenbeleuchtung kann Lucien nichts – das Blumenbeet, das es doch sowieso schon meterhoch zugeschneit hat, hat er beim Kotzen nicht gesehen.
Die Glühweintasse, Lucien hat eine rote bekommen, hält er weiterhin fest umschlossen. Mit irgendwas muss der unangenehme Nachgeschmack letztendlich runtergespült werden und an eine Pause ist lange nicht zu denken. Wie spät ist es eigentlich? Wo ist oben? Wo ist unten?
Ungelenk plumpst er neben Kelly auf die Bank, dabei rutscht ihm das leuchtende Rentiergeweih, angemacht an einem Haarreifen, ins Gesicht, steht senkrecht nach vorne.
Das leuchtende Zeug blendet ja mal.
Lucien braucht drei Versuche, um es wieder richtig am Kopf zu haben, und dann setzt er die Tasse an die Lippen… leer. Da macht es doch gar nichts, dass Adrian nebenbei redet und redet und redet, von Gott du die Welt und Weihnachten und Liebe und allen Stuss, der ihm wohl in den Kopf kommt.
Luciens Mund steht einen Spalt offen und er zwickt die Augen zusammen, um den dreckig-blonden Deutschen überhaupt fokussieren zu können.
„Isch brauch mehr ‘lühwein, oida“, trägt er eloquent zur Unterhaltung bei, registriert erst gar nicht, dass Adrian plötzlich sitzt und beide Jungen betatscht, bevor der seine Hände nach vorne richtet und weiter tatscht.
Der warme Alkohol ist die wahre gute Ware – der haut rein, zumindest bei Lucien, und zwar mit vier Tassen und ein paar verschütteten was sonst nur fünfzehn Kurze auf schnellste Zeit anrichten.
Dann erhebt sich auch Kelly so halb, irgendwie aber auch nicht ganz, und auch seine Hand findet Luciens Oberkörper. Finger über Finger auf seinem Pullover, aber das verschwimmt, weil eines hört er:
Prost? „Prost ihr Säcke!“ – Prost du Sack.
Bier wandert auf den Tisch und Gras und Wodka und eigentlich alles, das man an diesem vermaledeiten Tag gebrauchen kann, sieht er vor ihm.
Die schon geröteten Augen, aber nicht vom Weinen, erneut verdreht und dann in der eigenen Tasche gekramt: Lucien hasst Weihnachten, aber wenn jeder das gute Zeug auf den Tisch packt, fehlt auch er nicht.
Pastellfarben, klein und rund. Happy little pills.
Das Beste vom Schlechtesten, das es für das Geld gab. „Scheiß frohje Weihnacht’n“, dann lässt er den Kopf nach hinten fallen.
Nur nicht wieder kotzen.


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#165

RE: Boston High School Start

in Boston High School 28.12.2019 23:03
von Zonya • Junior Member | 502 Beiträge | 36500 Punkte



















A D R I A N
mit Kelly und Lucien




Er ist ein Magier, eine Zauberer. Er ist quasi wie ein rotzevoller David Copperfield, der zwei Kumpels braucht, die ihm beim Gang auf die Toilette beiseite stehen und die Hose öffnen. Adrian hat sich im Laufe des Gesaufe irgendwann in eine sehr glückliche Leiche verwandelt: Er lacht und ist gesprächig, aber gleichzeitig rollen seine Augen immer wieder nach oben und sein Körper ist quasi klinisch tot.
Sein ganzer Trailer ist voll mit den unterschiedlichsten Flüssigkeiten, halb verdautes Essen, Alkohol, Speichel und noch mehr Alkohol.
Lucien hatte den Anstand nach draußen zu gehen, während er selbst das Kopfkissen getroffen hat, als er sich 'nur mal kurz' ins Bett legen wollte.
Dann hat er die beiden am Arm gepackt und schon standen nochmal drei Shots auf dem Tisch.
Schnulziges Gelaber seinerseits, Kellys Flossen in seinem Gesicht. Liebeserklärung. Schwul.
"he, wo willstn hin?" brüllt Adrian dem blonden hinterher, die trüben Augen dabei aber auf seine Hände in seinem Schoß gerichtet. Der Deutsche versucht vergeblich einen Blunt zu drehen, kann aber nicht erkennen, welches der drei Bilder, die vor seinem Augen auf und ab wandern, nun das richtige ist. Er seuftzt, dann ein Rülpser. "kacke" lallt er und legt den Kopf in den Nacken, "Mach ma'..". Und schon hat er Lucien das Werkzeug in die Hand gedrückt.
"Wosn Kelly?" fragt er Schulterzuckend, dreht den Kopf und hat auf halben Weg schon wieder vergessen was er eigentlich wollte. Seine volle Aufmerksamkeit liegt nun auf dem Kräuterschnaps vor seiner Nase. "uund noch enen".
Drei Shots, nur zwei personen. Muss er wohl zwei trinken.. und weg damit.
"Weißte, die alde misssses Fick.. äähh.. Dick. Nein, Brick.. die alde von draußn', da alste draußn' warst. Die ist ne dumme funtz". Viel sagend hat Adrian den Finger erhoben, wackelt damit vor Luciens Nase herum. "ähhh.. ja". Storytime vorbei.
Umständlich klettert Adrian von seinem Platz, lehnt sich dabei ein wenig zu weit nach hinten und fällt rücklinks auf den Boden. "ouch.. °hips°".
Slalom durch den Trailer, vorbei an merkwürdigen Pfützen, leeren Flaschen, Zigaretten Stümmeln und klebrigen Stellen auf dem Boden findet er drei Schränke weiter, so lang ist der Trailer nicht, was auch immer er gesucht hat. "bing BONG bingo".
"weg da" krakeelt er, lässt sich schwerfällig wieder neben Lucien fallen und stellt das Gefährt auf den Tisch. Bei dem Anblick des Glasgebildes muss er augenblicklich lachen.
"KEELLL- oum.." würg, "YYYY".


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zuletzt bearbeitet 28.12.2019 23:05 | nach oben springen

#166

RE: Boston High School Start

in Boston High School 28.12.2019 23:18
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte


IVIE
- Silas


Den Baum betrachtend, werden Ivies Augen von Sekunde zu Sekunde glasiger.
Das alles ist so schön anzusehen, auch der Rest des Hauses passt zur festlichen Stimmung, und Ivie mag das zusätzliche Leben, das in all den Zimmern versprüht wird. Zuckerstangen in einem Glas auf dem Küchentisch und ein Mistelzweig vor der Haustür, sogar das Geländer der Treppe ist mit Ästen und Kugeln geschmückt.
Das Fest ist perfekt und Ivie sollte glücklich sein. In der Schule, vor allem in den unteren Stufen, hat sie sich immer ein Weihnachtsfest aus dem Bilderbuch gewünscht. Das hier ist es. Nach fast ganzen achtzehn Jahren, ihr Geburtstag in der kommenden Woche ebenso näherbrückend, wird ihr der Traum nicht länger verwehrt.
So glücklich darüber, wie sie sein sollte, ist Ivie aber nicht. Auch wenn sie es versucht, die Freude mag nicht in ihrem Herzen ankommen.
Bis dorthin war sie schon lange nicht mehr gelangt.
Dass der Fernseher schräg vor ihr plötzlich Geräusche von sich gibt, überrascht Ivie.
Sie zuckt erschrocken zusammen und hebt ertappt die Hand, um sich flüchtig über die nassen Augen zu wischen.
Ohne aufzublicken weiß sie, dass Silas im Sessel neben ihr sitzt – jeder andere hätte etwas gesagt, bevor er sich zu ihr gesessen hätte. Celine hätte sich unmittelbar neben sie niedergelassen, sich beim Hinsetzten mit einer Hand an ihrer Schulter abgestützt. William wäre auch auf die Couch gewandert, aber mit etwas mehr Abstand zwischen ihnen.
Silas‘ Anwesenheit ist ihr unangenehm.
Ivie dreht sich nicht zu ihm, sie sieht ihn keinen Moment lang an. Er sieht sicher gut aus. Wahrscheinlich trägt er etwas eleganteres, als die sonst üblichen Hoodies oder T-Shirts. Vielleicht einen dünnen Pullover oder ein Hemd, etwas, das seiner durchtrainierten Statur schmeichelt. Ivie sieht ihn vor ihrem inneren Auge, ohne ihn anzublicken.
Mittlerweile meidet sie ihn meist ganz oder blickt nur auf den Boden, wenn er im Raum ist. Dann ist sie auch wieder so still wie damals, als sie ihn noch gar nicht wirklich kannte. Die Zeiten haben sich geändert.
Der Anfang ist wie ein Bumerang wieder auf die beiden zurückgeschnellt.
Ivies Körper ist von Kopf bis Fuß angespannt. Sie verschränkt ihre eigenen Finger verkrampft ineinander, probiert sich mit dem Druck von der Realität abzulenken.
Der Versuch, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, ist schiefgegangen.
Der beleuchtete Baum in ihrem Blickfeld verschwimmt mit jeder Sekunde mehr. Ihre Sicht ist so klar wie der Schneesturm vor dem Fenster einladend.
Das Mädchen reißt sich dennoch zusammen.
Bis Celine und William beide im Zimmer auftauchen, sieht sie wieder normal. Kein verdächtiger Schimmer in den Augen, der sie verraten könnte.
Wie ein Film rauscht an ihr vorbei, dass Silas den TV wieder ausmacht und stattdessen leise Weihnachtslieder im Hintergrund laufen. Celine beginnt, den beiden zu erklären, dass ihr Mann und sie für alle ein paar Kleinigkeiten gekauft haben – dem Berg an Geschenken nach zu urteilen, ist das Wort Kleinigkeit aber eine maßlose Untertreibung.
Deswegen, weil sie froh sind, die beiden zu haben, dass es so schön harmonisch und herzlich im Haus ist. Dass sie hofft, dass die beiden wissen, dass sie zwar nur die Pflegeeltern sind, aber beide dennoch von ganzem Herzen lieben.
Liebe- das ist ein Wort, das für Ivie ein Schlag in die Magengrube ist. Sie kann an einer Hand abzählen, wie oft sie es in ihrem Leben benutzt hat, und hat selbst dann noch vier Finger übrig.
Am liebsten würde sie aufstehen und davonlaufen.
Tapfer bleibt Ivie weiter sitzen, solange, bis die ganze Familie vor den Baum wandert. Jeder sitzt im Schneidersitz darum herum. Ivie ganz links, dann Celine, William, schließlich Silas.
Jetzt ist sie gezwungen, ihn manchmal flüchtig anzusehen, und natürlich hatte sie vorhin Recht. Er trägt ein schwarzes Hemd, das eng anliegt, und er sieht gut aus darin. Die Haare sind wirr wie immer, das kantige Gesicht makellos. Wenn sie ihn nur ansieht, kribbeln seine Finger auf ihrer Haut.
Kann Herzschmerz auch als Phantomschmerz auftauchen?
Ivie vermisst ihn, obwohl er nur einen Raum weiter schläft. Zwei Schritte, die einer Schlucht ähneln.
Ivie versucht, sich mit dem Rest an den Geschenken zu freuen, die der Reihe nach ausgepackt werden.
Zwischenzeitlich lacht sie tatsächlich kurz auf, weil William nach dem Auspacken zu ihr rutscht und sie fest drückt, so sehr freut er sich über das Trikot.
Nach William ist Silas an der Reihe, die Päckchen vor ihm zu begutachten. „Von wem ist das denn?“, blickt ihr Pflegevater fragend in die Runde, und zeigt auf das kleinste der Geschenke.
Das Lächeln auf ihrem Gesicht wird trauriger, weil sie wieder auf die Füchse blickt.
Ivie realisiert, dass es ein Fehler war, das Geschenk dorthin zu legen. Sie hätte es wegschmeißen sollen. Er wird damit nichts anfangen können.
Das dunkelbraune Armband, geflochten und von einem Anker verschlossen, das ist doch gar nichts für ihn. Silas trägt sowas nicht und vor allem gleich zweimal nicht, wenn es von ihr ist.
Und wenn schon nicht das ganze Präsent - zumindest die Koordinaten, die in den Deckel der Schatulle geklebt sind, hätte sie entfernen müssen.
Ihre Stimme ist nur ein elendiger Windhauch, als Ivie als einzige antwortet:
"Von mir..."


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zuletzt bearbeitet 28.12.2019 23:45 | nach oben springen

#167

RE: Boston High School Start

in Boston High School 28.12.2019 23:48
von yulssi • Junior Member | 178 Beiträge | 8900 Punkte



Adrian / Lucien / Vogel am Tel / Parteeeey

,,Schorry, mussnna' drausn."
Piiiiieeep… Piiiiiep… Es tutete und tutete, immer wieder die gleiche Stimme der monoton klingenden Dame schien abzunehmen, doch diese wollte der Neunzehnjährige nicht anrufen, war sich sicher, dass er sich immer wieder verwählt, die falsche Nummer in seinem Handy gesucht und angerufen hatte, nur um erneut eine riesengroße Enttäuschung in seinem Gesicht geschrieben zu haben. Malakai. Vogel. Wie auch immer man den Dunkelhaarigen nennen wollte, er hob einfach nicht ab, egal, wie oft Kelly durchklingelte, egal, wie oft der Ältere in ein unkontrolliertes, kindisches Fluchen ausbrach und mit seinen schwarzen, knöchelhohen Springerstiefeln gegen die äußere Wand des Trailers trat, der Andere nahm einfach nicht ab, ließ Kelly den Kopf schütteln. Das er nie länger als eine halbe Minute gewartet hatte, interessierte ihn doch überhaupt nicht.
bla bla bla, bitte hinterlassen sie eine Nachricht nach dem Signalton ,,Mallagai ! Warum gehstn nich dranne, wenn ja ach n Likörchen, ich komm." ,kam es lallend aus dem mittlerweile nach unten verzogenen Munde des Amerikaners heraus, auf seinen von einem Kotzgeräusch unterbrochenen gerufenen Namen gehört, welcher aus dem Inneren des Wagons zu kommen schien. Ob es einen Sinn gemacht, was der Älteste gesagt hatte, juckte ihn nicht, denn im Moment hatte es diesen gegeben.
Auf staksigen Beinen zurück ins Innere, zu faul, die unhandliche Tür wieder zu schließen, gegen welche er erst einmal gegenlief, diese ganz schlicht und einfach mit den Worten "blöde Foddze" kommentierte, sich wieder neben den gerade allerbesten Menschen in seinem sonst so verkorksten Leben fallen lies. Allerdings nicht ohne dezentes Stolpern die Sitzbank erreichte, um seinem Kumpel Nummer zwei den Kräuterschnäpsle aus den Händen zu fischen, das Ding runterzuschlucken, als würde er bei Wetten das den Hauptpreis gewinnen wollen. Wetten das Kelly den hirnlosesten Menschen dieser Welt darstellte. ,,Wers Misssses Fick ? Dick… äh Fick ?" Wetten das Kelly sich am nächsten Morgen fragen würde, wie er zu Adrian gekommen war. Wetten das Kelly sowieso schon klinisch als tot erklärt werden und es am nächsten Tag definitiv bereuen würde ? All diese Wetten und was davon stimmte, hing von dem Blonden selber ab, ehe dieser lachend den hellbehaarten Kopf in den Nacken fallen ließ, ein "Fuck" zum Prost ausstieß, als wäre dieses das Letzte an diesem Tage.
,,Is' dasn Dildooo ? Warde, du hasdne Freundin !?" Fragend und doch zu interessiert betrachtete er die auf dem Tisch verweilende Bong, stieß sich halb bei dem Versuch, sich halbwegs gerade hinzusetzen, während er sich kleine Kreise darum vorstellte, sie wegzublinzeln versuchte, was nicht so ganz gelang, wenn man auf jeglichen Substanzen gedröhnt neben zwei anderen… lag, die Augen wie ein Einwohner des Altenheimes ohne Brille zusammenkniff, der versuchte, die Tageszeitung gewaltsam zu kommentieren, an den einfachsten Buchstaben haderte. ,,Ich frach' mich, obn des passt... W'rum' ham wir einglich keene Schtrippa hier ? Pardy."


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zuletzt bearbeitet 30.12.2019 00:16 | nach oben springen

#168

RE: Boston High School Start

in Boston High School 29.12.2019 02:15
von yulssi • Junior Member | 178 Beiträge | 8900 Punkte










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Sprachnachricht an Ivie / Arturs Tür

,,Hi Ivie, fröhliche Weihnachten und grüß' deine Familie von mir... Äh ja, schau mal unterm Briefkasten nach, ich hoffe mein Geschenk gefällt dir, hoffe, es ist nicht eingeschneit. Finde solche Farben an dir ganz niedlich. Ich hoffe, du meldest dich die nächsten Tage." ,fing der Dunkelhaarige mit einem wie immer so sanften Lächeln auf den schmalen Lippen verweilend zu sprechen an, beendete die kleine und liebliche Aufnahme mit einem ,,Auf Wiedersehen." ,so, wie es sich gehörte, die Nase von der umherschwirrenden Kälte ganz rot, das Handy beiseite gelegt, da er von seiner Mutter verwarnt wurde. Dieses Mal im Haus seiner Eltern. Weihnachten feierte man im besten Fall mit seiner Familie, der erste Mann des Hauses jedoch war- wie eigentlich sonst auch immer am arbeiten, konnte die vielen Patienten nicht einfach alleine lassen, da auch diese eine ordentliche Assistenz und Frieden benötigten. Jemanden brauchten, der sich um sie kümmerte und im Notfall reagieren, handeln konnte.
Den Franzosen allerdings störte dies nicht. Über Jahre war die Abwesenheit von mindestens einem Familienmitglied zur Normalität geworden, die Traurigkeit darüber gelegt. Immerhin war Eliott keine zehn mehr, doch eine gesunde Bindung zu seinen Eltern war ihm im besten Fall wichtig, der Rest der französischen Familie zu weit weg, in einem anderen Land, auf einem anderen Kontinent. Grußkarten häuften sich dennoch, die Pinnwand über der einen Küchentheke in bunten Farben und Bildern erstrahlt. Manchmal hatten sie dort gefeiert, doch auch das hatte sich gelegt.
Wenigstens hatten seine Freunde vielleicht sogar eine schöne Zeit, die Gedanken kreisten, landeten bei Artur, welchen er eventuell noch überhaupt nicht dazu zählte, sich selber nicht sicher war, was er von dem nur ein bisschen Kleineren hielt, was er generell von ihm halten sollte. Was dieser von ihm wollte, was dieser von ihm dachte. Ivie war die nächste, der ihr geschenkte, in einem friedvollen Milchblau erstrahlendem Pullover sollte wunderbar zu ihren kräftigen Haaren passen. Der grob gestrickte Stoff bequem für kalte Tage, die Ärmel umgeschlagen und umgenäht, perfekt um ihn in eine dazu passende Hose zu stecken, einen hübschen schmalen Gürtel als Kombination. Das Ivie hübsch war und dies selber nicht sah, tat Eliott weh. Er hatte in den letzten Wochen viel mit ihr unternommen, gehofft, ihr helfen zu können. Ihre Gedanken konnte er jedoch nicht lesen, war sich wieder einmal nicht sicher, ob er ihr denn wenigstens ein bisschen helfen konnte.
Eigene Gedanken besaß der Neunzehnjährige nicht, half noch beim aufdecken des Tisches für den späten Abend, die einzige Zeit, in der alle versammelt waren, auch die Nachbarn zum Essen herüberkamen. Päckchen von verschiedener Form und Größe lagen bereits unter dem in einem strahlenden Silber geschmückten Baum, der Duft den Raum verzaubernd, von leichtem Wind durch die Zimmer getragen, auf die Haut gelegt. Festgebissen. ,,Ich hab' noch etwas zu erledigen. Weiß noch nicht, wann ich wiederkomme." ,ein argwöhnischer Blick der zierlichen Dame mit dem mittlerweile prallen Bauch, hochgezogene Augenbrauen und doch ein Wort zum Abschied.

An dem großen Haus, womöglich eher als Anwesen beschrieben angekommen, läutete der Franzose einfach an der Tür, wo es sich dazu am besten anbot, stand dort mit zitternden, von einem dunklen Stoff bedeckten Beinen, das Gesicht ungefähr bis zum Mittelpunkt der Erde in einem Schal eingehüllt und ein kleines Paket in den Händen, auf eine Antwort wartend, nach welcher er sich unbewusst sehnte. Der lange Nachname "Marquardt" in überschaubaren Buchstaben auf dem schicken Klingelschild abgedruckt, ihn an das Haus seiner Familie erinnernd, welches optisch sogar ein wenig ähnelte. Vielleicht hätte er nicht hier sein, wieder gehen sollen, um sich all dies zu ersparen. Das Geschenk an jemand anderen geben sollen.


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Folgende Mitglieder finden das Top: Zonya und Mylene
zuletzt bearbeitet 29.12.2019 11:43 | nach oben springen

#169

RE: Boston High School Start

in Boston High School 29.12.2019 11:15
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Noone | Outside | Is desperate to call Artur

Weihnachten. So gut wie alle, die ich kenne, feiern es. Warum auch immer. Nicht alle davon, feiern tatsächlich die Geburt von Jesus. Ich denke, die meisten wollen einfach nur Geschenke bekommen und das Haus schmücken. Meine Familie hat noch nie wirklich Weihnachten gefeiert. Wir besitzen nicht mal Weihnachtsdeko. Dementsprechend leuchtet unser Haus auch nicht und ist nicht aus dreißig Kilometern an dem Schmuck zu erkennen. Da wir aber in den USA leben und Momzillas Familie doch irgendwie an Weihnachten hängt, feiern wir eine abgespeckte Version. Wir hängen natürlich keine Socken am Kamin auf. Dass es den Weihnachtsmann nicht gibt, wussten wir Kinder auch schon immer. Aber die Familie kommt zusammen und wir essen zusammen. Geschenke gibt es keine.
Für mich hatte diese Familienzusammenkunft ein jähes Ende gefunden. Ich stapfte durch den Schnee und die Kälte und wusste überhaupt nicht, wo ich hin sollte. Wo ich hin konnte. Ich fühlte mich verloren und allein. So allein hatte ich mich noch nie in meinem ganzen Leben gefühlt. Mir war Schnee in die Schuhe gefallen, als ich über einen nicht geräumten Fußweg gelatscht war. Der Schnee war kalt, war geschmolzen und nun hatte ich nasse kalte Füße. Auch die rote Jacke konnte mich nicht mehr lange warmhalten. Ich hatte es ja gerade mal geschafft, die Schuhe anzuziehen und die Jacke zu greifen, als ich so überstürzt aus dem Haus geflüchtet war. Keinen Schal, keine Mütze, keine Handschuhe und nun nasse Füße. Ich würde erfrieren und keine Sau würde das interessieren. Es wäre schlicht und ergreifend egal. Ich hielt mein Handy in den Händen und wusste nicht, wen ich anrufen sollte oder konnte. Ich wollte ja niemanden Weihnachten ruinieren.
Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Ein dummer Streit. Ein wirklich, wirklich dummer Streit. Vielleicht sollte ich froh sein, da ich immerhin jetzt endlich die Wahrheit kannte. Wusste, wieso ich mich so sehr von meinen Geschwistern unterschied.
Kelly könnte ich an Weihnachten nerven. Aber ich würde wohl schlecht bei ihm unterkommen können. Oder? Mein Daumen scrollte weiter. Ich hielt bei dem Namen Vogel. Ob ich zu ihm könnte? Aber er hatte seine eignen Probleme, sollte ich ihn da mit meinen belästigen?! Ich scrollte weiter. Hin und her, rauf und runter. Meine Gedanken waren zäh und einsam. Ich bekam keinen Klaren zufassen. War ratlos, wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wusste nur, dass ich nicht wieder zurück wollte und konnte. Ich konnte nicht zurück in dieses Haus.
Ich könnte Silas und/oder Ivy anrufen. Aber die feierten ja sicher auch Weihnachten. Und ich glaubte nicht, dass deren Eltern froh wären, wenn ich das Fest dort jetzt torpedierte. Schließlich ertappte ich mich dabei, wie mein Daumen auf Artur tippte, dann auf den grünen Hörer. Ich hob das Telefon an mein Ohr und lauschte dem Tuten. Es war ne beschissene Idee ihn anzurufen. Aber ich legte auch nicht wieder auf.


Song: Neffex – Grateful
Fc: Enrie Scielzo


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#170

RE: Boston High School Start

in Boston High School 29.12.2019 12:24
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte


RAINN
- Jake


Überfordert stemmt Rainn sich ihre Hände in die Hüften.
So ganz, wie sie es sich eigentlich vorgestellt hat, funktioniert das Weihnachtsfest bisher nicht.
Die Wohnung ist kaum anders geschmückt als man es bisher gewohnt war - sie hat lediglich Anfang des Monats die kühlen Accessoires durch buntere, zur Jahreszeit passendere Elemente ersetzt. Rote Decken, dunkelgrüne Kissen, goldene Kerzen und Kerzenständer.
Kleine Dinge, die alles wohnlicher machen.
Die Veränderungen sind aber nicht nur Weihnachten geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass die Wohnung sich mit Jake in der Nähe mehr anfühlt wie ein Zuhause, als alles was sie bisher kannte.
Ihr Outfit passt zur Deko: hellgraue Shorts aus bequemen Sweater-Stoff, die eigentlich zu einem Pyjama gehören, und ein rot-kariertes Flanell-Hemd, das halb in die Shorts gesteckt ist und halb heraushängt.
An der Fensterfront, die den Blick über das verschneite Boston freigibt, steht ein kleiner künstlicher Weihnachtsbaum. Auf die letzte Minute hat sie nichts anderes mehr organisieren können.
Hübsch sieht es trotzdem aus und die rot verpackten Päckchen darunter wirken üppiger als sie sind.
Eigentlich wäre die Rothaarige die Feiertage über gar nicht in der Stadt gewesen.
Ihre Koffer sind gepackt und stehen im Schlafbereich neben dem Schrank. Dann hat das Wetter abrupt umgeschlagen, der Flug nach Maine wurde vonseiten der Fluggesellschaft ersatzlos gestrichen.
Dabei hatte sie sich tatsächlich gefreut, für ein paar Tage wieder nach Hause zurückzukehren. Die letzten Monate haben sie verändert – das Mädchen ist ruhiger, ausgeglichener. Irgendwie auch viel glücklicher.
Rainns Pläne mussten sich trotzdem ändern. Sie bleibt in Boston.
Weil ihr Vater in D.C., ebenfalls aufgrund des Wetters, festsitzt, wird es ein sehr kleines Weihnachtsfest. Rainn freut sich trotzdem riesig darauf.
Auf dem Herd köchelt lecker duftender Pflaumenpunsch mit Apfel vor sich hin, die Eieruhr piept genau dann, als auch die Türklingel verlauten lässt, dass ihr erster und einziger Gast an diesem Tag eingetrudelt ist. Schnell nimmt sie den Topf von der Herdplatte und dreht die Hitze zurück, dann betätigt Rainn den Türöffner.
Genau zwei Minuten wird es dauern, bis Jake die Treppen zu ihr herauf hinter sich gebracht hat und vor der Wohnungstür steht. Er nimmt nie den Lift sondern immer die Treppen. Manchmal schüttelt Rainn darüber den Kopf, manche Male macht sie es selbst nicht anders.
Bis sie endlich seine Schritte im Treppenhaus hört, lehnt Rainn sich in den Türrahmen, hebt den Mistelzweig, den sie in den Fingern einer Hand hält, über ihren Kopf und grinst abwartend.
Sie war handwerklich zu ungeschickt, um ihn irgendwie im Türrahmen festzumachen.


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#171

RE: Boston High School Start

in Boston High School 29.12.2019 12:26
von Zonya • Junior Member | 502 Beiträge | 36500 Punkte






S I L A S




Die Stille zwischen den beiden ist erdrückender, je länger sie anhält und irgendwann hält Silas es nicht mehr aus. Zum Glück erscheinen in genau dem Moment, als er den Fernsehr ausmacht und sich erheben will, Celine und William im Raum. Leise Weinachtslieder erklingen aus dem Radio und die Erwachsenen tragen ein breites und zufriedenes Lächeln auf den Lippen.
Silas hört ihnen beim reden kaum zu. Sein Blick gleitet an ihnen vorbei, durch das hübsch geschmückte Fenster. Er beobachtet wie immer größer werdene, weiße Flocken vom Himmel rieseln und alles unter sich bedecken. Wie eine schwere Decke legt der Schnee sich um das Leben und erstickt es.
Als sie im Schneidersitz um den Baum sitzen, kann Silas sich nicht anders helfen, als das seine Augen immer und immer wieder zu Ivie zurück wandern. Sie blickt ihn nicht an, versucht es zumindest.
Er ignoriert sowohl das Geräusch, dass Celine von sich gibt, als sie sein Geschenk auspackt, als auch William, der näher an Ivie rutscht und sie in den Arm nimmt, weil er sich so sehr freut. Stattdessen hält er sich an dem schwachen Lächeln fest, welches Ivie über die Lippen rutscht und er fragt sich, was zur Hölle er nur getan hat.
Das schlechte Gewissen muss ihm ins Gesicht geschrieben stehen, denn bevor sie weiter machen verengt Celine die Augen und fragt, ob alles okay sei.
Einen Moment lang kämpft er mit sich. Er will nicht freundlich Lächeln und nicken. Er will Ivie nicht länger ansehen. Aber er kann Celine auch nicht ignorieren, das würde bei den anderen nur Fragen aufwerfen, die er nicht beantworten möchte. Oder kann.
Silas fängt ihren Blick auf und erklärt, dass alles in Ordnung sei. Doch sein blasses Gesicht und die dunklen Dinge unter seinen Augen, die aussehen, als hätte er seit Wochen nicht mehr ordentlich geschlafen, zeugen vom Gegenteil.
Die Minuten ziehen sich wie Kaugummi, aber irgendwann kommt auch er an die Reihe.
Silas beeugt den Berg vor seinen Füßen. Noch nie hat er so viele Geschenke bekommen und unter anderen Umständen, würde er sich sogar darüber freuen. Jetzt fühlt er sich einfach nur schuldig.
Das kleinste aller Pakete ist sorgfältig in blaues Geschenkpapier verpackt. Orangene Füchse kleben auf seiner Oberfläche und schmerzlich wird Silas bewusst, von wem es sein muss.
Auch William erkennt, dass es nicht von ihnen ist.
Während Silas das Päckchen vorsichtig in seinen Händen dreht, es für den Moment einfach nur anstarrt, ertönt Ivies schwache Stimme.
Natürlich ist es von ihr. Einst hat Silas ihr erzählt, dass Füchse seine Lieblingstiere seien, als sie nach diesen gefragt hat.
Bei ihren Worten, so leise sie auch sind, zuckt er zusammen.
Silas kann Ivie nicht einfach nicht mehr lieben. Diese Gefühle verschwinden nicht, ganz gleich, wie sehr er es sich auch wünscht.
Als er sie anblickt, lässt er das Paket sinken und lächelt schwach. Es ist ein neues Lächeln. Eines, bei dem seine Haltung starr und seine Augen traurig sind. Eines, das nach ihrer Trennung entstanden ist und allem, was seitdem passiert ist.
Vorsichtig packt er das Geschenk aus und eine kleine Schachtel blickt ihm entgegen. Silas möchte den Deckel nicht abheben, doch er muss. Ein dunkelbraunes Armband, geflochten und von einem Anker verschlossen, liegt im inneren. Es ist wunderschön, doch der Junge wünschte, sie hätte es ihm nicht gegeben. Je länger er es betrachtet, desto schlimmer wird das Gefühl.
Silas spürt die Blicke der anderen auf sich und er weiß nicht, was er sagen soll.
"Danke.." sagt er schließlich. Die Worte klingen bitter, als er sie ausspricht. Für mehr hat er im Moment nicht die Kraft.
Die Weinachtslieder, die auf dem Sender laufen, den Celine eingestellt hat, sind ein krasser Gegensatz zu der aufgeladenen Stimmung, die zwischen Silas und Ivie herrscht.
Er zieht es nicht an, stattdessen legt er es vorsichtig zurück in die Schachtel und erst dann fällt ihm auf, dass in dem Deckel ein kleiner Zettel klebt. Fein säuberlich sind in Ivies Handschrift Koordinaten darauf geschrieben. Silas weiß nicht, was sie zu bedeuten haben.
Er legt das Paket neben sich und widmt sich wieder dem Berg vor seinen Füßen. Die weiteren Pakete öffnet er nicht mit der selben Vorsicht, wie das von Ivie. Das blaue Papier mit den Füchsen, hat er vorsichtig an den Klebestreifen geöffnet, das andere zerreißt er einfach.
Von Celine und William bekommt er einen neuen Rucksack, zwei Pullover, neue Socken, weil seine ständig Löcher haben und ein Parfüm. Doch das größte Geschenk von allen ist eine Uhr. William erklärt ihm, dass diese bereits seinem Großvater gehörte und er jetzt wolle, dass sie ihm gehöre.
Dann stehen sowohl Celine, als auch William auf und holen auch Ivie und Silas auf die Füße.
Sie nehmen die beiden in eine große Umarmung. Silas kann spüren wie Ivies Körper gegen den seinen gedrückt wird. Es löst eine unendliche Sehnsucht in ihm aus.
"Ihr seid ein Teil dieser Familie und daran wird sich nie wieder etwas ändern" sagen die beiden gerührt und bringen zwei Umschläge zum Vorschein.
Vorsichtig packt Silas den darin eingeschlossenen Brief aus. Adoptionspapiere steht in schwarzer Schrift oben geschrieben.
"Wir würden uns freuen, wenn ihr unseren Namen annehmt".


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#172

RE: Boston High School Start

in Boston High School 29.12.2019 13:45
von Zonya • Junior Member | 502 Beiträge | 36500 Punkte














• • •



JAKE RILEY
- Rainn




Jake überkommt bereits beim bloßen Anblick eines Aufzugs ein ungutes Gefühl. Sie sind eng, dunkel und fahren in die Höhe. Lieber erklimmt er zwölf Stockwerke zu Fuß, als sich einer Fahrt mit dem Aufzug auszusetzen.
So auch jetzt. Zwei Minuten dauert es, bis er vor Rainns Wohnungstür ankommt, vor der sie bereits wartet.
Jake muss lächeln als er sie sieht, noch viel mehr aber, als sie plötzlich einen Mistelzweig über ihren Kopf hält.
So stehen sie unter dem Zweig, auf der Türschwelle und der dunkelhaarige hält sie sanft. Er legt seine Hände an ihre Taille und zieht sie bestimmt zu sich.
Ihre Lippen treffen sich in der Mitte und es fühlt sich an, als wäre er nach einer langen Reise endlich wieder zu hause angekommen.
"Hey" murmelt er an ihren Lippen und streicht ihr zärtlich durchs Haar. In seinem eigenen finden sich noch vereinzelt Schneeflocken, während seine dünne Jacke von diesen durchnässt wurde.
Im inneren der Wohnung sieht es kaum anders aus, als zuvor. Dennoch wirken die weißen Wände und die feinen goldenen und roten Akzente, die die Räume ausschmücken, prunkvoller, als jedes Gebäude, in dem er jemals gewesen ist.
Jake hängt seine Jacke an der Garderobe auf und folgt Rainn in das Wohnzimmer.
Sein Blick fällt auf den Weinachtsbaum und vorsichtig berührt er mit den Fingern seine künstlichen Äste. Jake kann sich nur an wenige schöne Festtage mit der Familie und tollen Geschenken erinnern. Meistens war seine Mutter betrunken und alles versank im Chaos. Einen Baum hatten sie nur selten. Das letzte mal vor vier Jahren, geschmückt war er nicht.
Jake dreht sich wieder um und scannt Rainns Präsenz mit seinen Augen. Sie sieht hübsch aus, aber auch gemütlich.
Langsam schreitet er auf sie zu, "ich hab Post bekommen" murmelt er.
Er zieht einen, einmal in der Mitte geknickten, Umschlag aus seiner Gesäßtasche, hält ihn Rainn aber nicht hin.
District Attorney steht darauf geschrieben.
Es werden ihm nicht besonders viele Informationen mitgeteilt. Es steht lediglich drin, dass gegen ihn ein Verfahren wegen Angriffs auf einen Polizei Beamten geführt wird.


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zuletzt bearbeitet 29.12.2019 13:47 | nach oben springen

#173

RE: Boston High School Start

in Boston High School 29.12.2019 22:16
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte


ARTUR
- Eliott, Nour


Der Weihnachtstag bringt im Hause Marquardt vor allem eines: angenehme Ruhe.
Artur hat die vielen vier Wände der wohlhabenden Familie für sich alleine. Die Eltern sind in Deutschland, besuchen den Rest der weitläufigen Sippe, und das Unwetter im Nordosten der USA ist für ihn eine willkommene Ausrede, die Zelte hier nicht abzubrechen. Den stundenlangen Flug wollte er sich ohnehin nicht antun und so nimmt die Tatsache, dass er keinen gebucht hat, an Bedeutung ab.
Die Ruhe ist erfrischend und sie ist so schön, wie kaum etwas anderes in diesen Tagen.
Sie ist Grund genug für den Jungen, die Tage mit produktivem Nichtstun zu verbringen. Kein Fernseher läuft, keine Musik dudelt dahin. Nicht einmal Arturs Gedanken fließen laut durch seinen Kopf.
Es herrscht eine beinahe gespenstische Stille.
Neben seinem Bett stapeln sich die Bücher, die er entweder angefangen oder sogar schon ausgelesen hat und in die Kissen wurde seit Beginn der schulfreien Zeit keine Ordnung mehr gebracht. Wenn es nicht sein musste, hat er das Bett tatsächlich nicht verlassen.
Heute würde er das am liebsten auch nicht tun, aber die nervtötend schrille Klingel zerreißt die Blase aus Stille und Heimeligkeit.
Mit einem entnervten Stöhnen richtet der blonde Junge sich auf: das ist eine der Eigenschaften, die er an sich selbst nicht ausstehen kann, wenn nicht sogar die, die er am meisten hasst. Er ist neugierig.
Artur spielt nämlich nicht erst Sekunden mit dem Gedanken, einfach liegen zu bleiben, weil er wissen möchte wer die heilige Ruhe stört.
Er ist nicht besonders gläubig, gibt es doch Streitpunkte zwischen seiner Religion und seiner Sexualität, aber der Tag erscheint ihm dennoch heilig. Niemand in dieser Stadt dürfte hier klingeln, wenn es nicht seine Eltern sind, die aus dem Deutschland-Besuch zurück sind.
Das aber kann er ausschließen. Es gehen keine Flüge von Boston weg, also kommen folglich auch keine an. Die einfachste Mathematik, die man machen kann.
Ein kühler Luftzug umhüllt Artur, als er die Treppen nach unten joggt – eine Strickjacke in der Hand, die er sich kurzerhand noch über den nackten Oberkörper zieht, vorne aber offen lässt, und die Haare mit fünf Fingern versucht zu bändigen.
Nichtsdestotrotz sieht er noch immer aus wie gerade aufgestanden – die Frisur wirr und helle Bartstoppeln im Gesicht, die lockere marineblaue Jogginghose, über der man den Bund seiner Boxershorts erkennt und die nackten Füße auf den beheizten Fliesen. Da er wirklich gerade aus dem Bett kommt, dürfte er Look aber angemessen sein.
Ohne einen Blick durch den Spion zu werfen, öffnet Artur die moderne Haustür – das Gesicht in das er sodann aber blickt, ist ihm kein fremdes. „Eliott?“
Verwirrt runzelt der Blonde die Stirn. Hinter dem Schal hat er ihn im ersten Moment nicht erkannt, länger als drei Sekunden hat es dann aber doch nicht gedauert, die vielfarbigen Augen zuordnen zu können. Als könne er ihn vergessen.
Artur weiß nicht, wie er reagieren soll, aber der kühle Luftstoß, der von draußen herein kommt und ihn erschaudern lässt, erübrigt seine Überlegungen. Einen Schritt tritt er nach hinten, deutet mit dem Arm eine einladende Bewegung an: „Komm rein.“
Komm rein, damit ich aus der Situation schlau werde, will er fast dahinter hängen, aber er hält sich zurück. So viel hat er mit dem jungen Franzosen nicht zu tun gehabt, seit jenem Abend. Andauernd ist er mit einem hübschen Mädchen herumgewandert, hat die Tage damit verbracht, ihr scheinbar jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Der Deutsche hat ihn dabei beobachtet, hat Löcher in seinen Hinterkopf gestarrt, gleichzeitig aber kein einziges Mal mitbekommen, dass Eliott auch ihn nur in irgendeiner Form beachtet hätte.
Umso überraschender der Besuch – das Päckchen in dessen Händen, das seine Augen groß werden lässt.
Artur tritt den Schritt, den er zurück gemacht hat, wieder nach vorne, sobald die Tür geschlossen ist. Sein Atem prallt direkt an Eliott ab. „Was machst du hier, Eliott?“, will er wissen, die blauen Augen kaum ohne ein Blinzeln auf ihn gelegt. Beinahe schon die Hand ausgestreckt, weil die Wirkung wie beim ersten Mal ist, aber ein lautes Klingeln lässt ihn zusammenzucken und die Taktik unvollendeter Natur lassen. „Warte“, weist er den Größeren an, will, dass er nicht gleich wieder das Weite sucht, dann fischt er das Telefon aus der Hosentasche.
Es klingelt viermal, vom Registrieren des Anrufs bis zum Verarbeiten der Bildschirminfo, dann nimmt der Deutsche aber ohne weitere Verzögerungen ab. Anrufe von Nour sind selten – der Normalfall sind wirre, meist sinnlose Nachrichten und ellenlange Sprachmemos – und das muss beinahe ein Sonderfall sein.
„Nour?“, spricht seine Stimme klar in den Hörer, die Augen aber liegen auf einem anderen Namen.
Einen, den er versehentlich fast stattdessen ausgesprochen hat.


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#174

RE: Boston High School Start

in Boston High School 29.12.2019 22:17
von Mylene • Junior Member | 533 Beiträge | 26650 Punkte


IVIE
- Silas, erwähnt Eliott


Ihre schlanken Finger spielen mit der eingedrehten Schleife an einem der Päckchen, die noch unangetastet neben ihr liegen: Ivie ignoriert Celines Frage.
Sie tut so, als hätte sie die Nachfrage nicht gehört und sie versucht noch stärker so zu tun, als wäre Silas‘ Bejahung nicht die unzutreffendste Antwort, die jemand gegeben hat.
Ob bei ihm alles in Ordnung ist?
Als gefühlsdusseligen Menschen hat sie Silas nie eingeschätzt. Er weint nicht, weil etwa der Protagonist in einem Film stirbt, er verzieht beim Zwiebeln schneiden keine Miene und auch sonst scheint er abgestumpft zu sein.
Ivie will es nicht wahrhaben, aber es würde sie nicht wundern, wenn ihn das alles einfach kalt lassen würde. Mittlerweile würde sie nichts mehr wundern, was Silas angeht.
Für sie gilt das jedenfalls nicht.
Ivie muss zugeben, bei ihr ist nichts mehr in Ordnung.
Sie hat sich die letzten Monate irgendwie durch den Tag geschleppt. Anfangs war es am schlimmsten: sie hat nicht in den Spiegel sehen können, ohne den Anblick zu hassen und an Schlaf war nicht zu denken. Wie sie die Tage überlebt hat, ist ihr noch immer ein Rätsel: der erste Monat, nachdem Silas sich von ihr getrennt hat, ist wie aus ihrem Gedächtnis gelöscht. In der Zeit hat Ivie nicht existiert. Tagtäglich haben sich die Gedanken darum gedreht, wieso weshalb und warum er das gemacht hat. Es gibt keinen Grund, der für sie ersichtlich ist. In Ivies Augen hat er einfach von einen Tag auf den anderen aufgehört, sie zu mögen – denn von lieben war nie die Sprache.
Vielleicht war und ist das der härteste Part daran. Wenn einer von beiden sich entscheidet, den Schlussstrich zu ziehen, während der andere keine Chance bekommt, es zu begreifen. Der eine macht weiter, während der andere in der Vergangenheit stehen bleibt. Ivie liebt ihn weiterhin.
Dann, irgendwann, hat der Alltag langsam begonnen wieder Einkehr zu halten.
Das Mädchen fängt an, damit klarzukommen.
Sie hält den Kopf über Wasser, ohne dass jemand anderes sie festhalten muss, aber sie ist nicht bereit für die höheren Wellen. Zu lange in Silas‘ Gegenwart zu sein, das hält sie nicht aus. Schlafen, ohne sich vorher im Bett herumzuwälzen, das bekommt sie auch noch nicht auf die Reihe.
Eliott sagt immer, jeden Tag ein weiterer Schritt. Er sagt, es ist okay, dass noch nichts okay ist. Hauptsache sie arbeitet daran, dass es wieder besser wird.
Der heutige Tag soll sie in diesem Vorhaben weit zurückwerfen.
Ivies Augen sind auf seine Finger geheftet, als er die Schleife vorsichtig vom Päckchen schiebt. Sie kann die Berührung regelrecht auf ihrer Haut spüren. Die vorsichtigen Fingerkuppen, die das Klebeband langsam abreißen, um das Geschenkpapier nicht zu zerreißen.
So, als wenn er ihr Oberteil gemächlich hochschiebt, mit den Händen auf ihrer Taille verweilt und mit erstickter Stimme in ihr Ohr flüstert wie schön sie doch ist, bevor er weiterwandert. Wie sanft er mit ihr umgegangen ist. Silas hat sie nie gedrängt und ist nicht ungeduldig geworden, wenn Ivies Nerven mit ihr durchgegangen sind. Er hat immer gewartet, er hat sich immer auf sie eingestellt.
Bis er nicht mehr wollte.
Ivie starrt ihn einfach nur an. Verzweifelt versucht sie, die aufkeimenden Erinnerungen aus ihrem Kopf zu bekommen – den Gedankenstrom zu stoppen.
Das Armband, das sie vor vier Monaten gekauft hat, ist nach wie vor so schön, wie sie es in Erinnerung hatte. Sie hat es im Laden gesehen und für ihn mitgenommen, obwohl es ein halbes Vermögen gekostet hat. Sie findet, der silberne Verschluss passt zu seinen ruhigen Augen und das Braun zu Silas‘ Haaren. Der Stil ist schlicht, so, wie er immer auftritt.
Seine Finger streichen einmal darüber und dann legt er es wieder in die Schachtel. Ganz unten, halb vom Baum versteckt, landet es schließlich. So, als gefalle es ihm gar nicht erst.
Einen Moment lang setzt Ivies Herz aus, das herausgepresste Danke bekommt sie gar nicht wirklich mit. Es klingt ohnehin nicht echt.
Die Siebzehnjährige wendet den Blick ab, sie begutachtet die Päckchen neben ihr und nimmt das erste von vielen, die gleich aussehen, in die Hand.
Das ist der Moment, in dem es ihr schließlich auffällt:
Sie sehen alle gleich aus. Und zwar so, wie auch die aussehen, die auf Silas‘ Seite liegen.
Es sollte sie nicht überraschen und schon gar nicht so sehr verletzen, wie es das dann doch tut. Wieso hat Ivie auch gehofft, sogar nicht nur das sondern sich regelrecht vorgestellt, Silas würde etwas für sie hinterlegen?
Er hat keinen Grund dazu. Er liebt sie nicht.
Ivie fängt seinen Blick auf und in dem Moment ist es ihr nicht möglich, die Enttäuschung und Trauer, die sie so lange zurückgehalten hat, in ihrem Gesicht zu verstecken. Ivies Augen spiegeln, wie dreckig es ihr tatsächlich geht.
Nur kann, darf, sie die Gefühle hier und jetzt nicht rauslassen.
Sie versucht, sich darüber zu freuen, was sie aus dem Geschenkpapier herausholt. Bücher, die sie im Laden oft sehnsüchtig angesehen hat, und eine teure, warme Jacke. Ein cremefarbener Cord-Rock und große Ohrringe, die sie sich selbst nie gekauft hätte.
Sachen, die Celine aussucht, weil sie weiß, dass sie großartig an ihr aussehe würden.
Für das beste Geschenk und das, das gleichzeitig fast so sehr weh tut wie die Tatsache dass Silas nichts für sie hat, holen Celine und William sie auf die Beine. Ivie findet sich in einer Umarmung wieder und ungewollt kommt sie Silas nahe. Sein typischer Geruch umhüllt sie sofort: Duschgel, Aftershave, kalter Rauch.
Schwer muss Ivie schlucken und die Tränen steigen ihr wieder in die Augen. Trotz der warmen, einladenden Stimmung ist ihr Herz eiskalt – wobei auch das nicht stimmt.
Gefrorene Herzen schmerzen nicht.
Ivies tut es aber.
So richtig nimmt sie die Buchstaben vor sich auf dem Papier gar nicht wahr. Ivie starrt darauf und sie versucht, irgendwie zu registrieren, was ihre Pflegeeltern ihr mitteilen wollen.
Sie findet keine Worte. In ihrer Vision dreht sich das Wohnzimmer und die Wände kommen näher, dabei passiert davon gar nichts.
Aus ihrem Mund kommt lediglich ein leises Schluchzen, das zu den salzigen Tränen passt, die ihre blassen Lippen erreichen.


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#175

RE: Boston High School Start

in Boston High School 29.12.2019 22:34
von KimEule • Junior Member | 388 Beiträge | 21300 Punkte


Noone | Outside | Be on the phone with Artur

Eine gefährliche Wut, entstanden aus Enttäuschung und Einsamkeit, schlummerte in mir. Der Gedanke, doch zu Ivy und Silas zu gehen und mit Silas einen Streit anzufangen, flammte auf. Mich mit irgendjemandem zu prügeln, würde es aber auch nicht besser machen. Würde das Gesagte nicht Rückgängig machen können. Ich würde die Worte nicht vergessen, so gern ich es auch wollte. Alkohol war für mich tabu. Nicht nur, da ich unter einundzwanzig war, sondern auch der Religion wegen. Mich hatte das auch nie gereizt. Bis jetzt. Gerade empfand ich Alkohol als gute und sinnvolle Option. Passend zu dieser Situation. Ich könnte versuchen, das alles in Alkohol zu ertränken. Vielleicht funktionierte das? Vielleicht würde ich hier draußen auch einfach erfrieren. Wäre auch okay.
Das beruhigende Tuten wird abrupt unterbrochen und die Erleichterung, die mich in diesem Augenblick wie ein Schlag trifft, lässt mich hörbar ausatmen. Mein Name fliegt mir fragend entgegen. Nicht verärgert, wütend und laut. Und auch nicht verzweifelt. Ruhig. Arturs Stimme ist fragend aber ruhig.
„Ich… Kann ich vorbei kommen? Ich weiß nicht, wohin ich sonst soll…“, purzeln die Worte zittrig aus mir heraus. Erst beim Sprechen hatte ich bemerkt, wie kalt mir eigentlich war. Dass nicht nur meine Hände zitterten, sondern auch mein Kiefer, sodass dieses Zittern mir im nächsten Moment fast die Zähne aneinander geschlagen hätte. „Deine Eltern sind doch nicht da, oder?“
Ich hatte absolut keine Lust auf Erwachsene und schon gar nicht auf Eltern. Eltern konnten mir gerade so was von gestohlen bleiben. Noch ein guter Grund, nicht zu Ivy und Silas rüber zu latschen und Silas wild zu machen. Die hatten dort nämlich Eltern, denen ich dann wohl oder übel ausgesetzt wäre.


Song: Wasted Penguinz - Make It One Day
Fc: Enrie Scielzo



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zuletzt bearbeitet 29.12.2019 23:01 | nach oben springen



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