#1

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in Ponylife & Alex 28.12.2019 14:12
von Ponylife • Member | 2.684 Beiträge | 147400 Punkte

Für das Rs (:


My mind: a mess.
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#2

RE: Start

in Ponylife & Alex 28.12.2019 16:18
von Ponylife • Member | 2.684 Beiträge | 147400 Punkte

Sidney

Da saß ich nun. In einem Flieger nach New York und meine Stimmung über diese Tatsache wechselte gefühlt alle fünf Minuten. Mal bereute ich es, jetzt hier zu hocken und mir ein Buch über Gebärdensprache reinzuziehen und mal fühlte es sich richtig an. Was hatte mich nur dazu geritten, das zu tun?! Ach ja… es tat mir Leid, was ich getan hatte. Wobei ich mir da immer wieder nicht selbst sicher war. Jedenfalls hockte ich auf meinem Platz mit diesem bescheuerten Buch und fuchtelte jetzt selbst herum wie ein Behinderter. Das kratzte enorm an meinem Ego und teilweise war mein Stolz zu groß, das zu tun, sodass ich das Buch hin und wieder am liebsten direkt aus dem Fenster neben mir gedonnert und uns alle ins Verderben gestürzt hätte. Für mich wäre das ja sowieso keine Tragödie, denn mein Leben war sowie so schon im Arsch. Tiefer sinken konnte ich eigentlich nicht mehr. Seufzend schlug ich das Buch zu, denn ich konnte mich gerade absolut nicht auf diese ganzen Handzeichen konzentrieren und was sie bedeuteten. War schon immer so gewesen. Ich konnte einfach nicht lernen. So ein Shit! Ich fuhr mir durch die Haare und sah aus dem Fenster. Okay, nein. Ich musste das jetzt irgendwie auf die Reihe bekommen! Also schlug ich das Buch wieder auf, hielt mir die Ohren zu, um den Lärm zu vermindern - sollte ja helfen, oder!? - und zwang mich dazu mich darauf zu konzentrieren. Nur konnte ich jetzt die Zeichen nicht mit den Händen machen. Da riss mir der Geduldsfaden endgültig und ich packte das Buch letztendlich doch weg. Frustrierend. Wieso tat ich mir den Scheiß denn überhaupt an?! Die Taube konnte doch eh Lippenlesen, falls ich mich recht erinnerte. Stöhnend kramte ich dann den Zettel aus meiner Jackentasche, den ich geschrieben hatte und faltete ihn auseinander. Wahrscheinlich war es einfacher, wenn ich den Scheiß einfach auswendig lernte, anstatt ihr das in Gebärdensprache vorzutragen. Auf dem Zettel stand nämlich meine Entschuldigung, die ich mir überlegt hatte. Es war SO peinlich gewesen, das auch noch dem Psychologen zu zeigen. Aber hey, immerhin fand er das gut. Hätte der meine Aufsätze aus der Schule gelesen, hätte er die wohl auch gut gefunden. Ha… Ha… Ha… Witzig. Nicht. ,,Sehr geehrte Damen und Herren, in Kürze erreichen wir den John F. Kennedy Flughafen in New York. Wir bitten Sie, sich auf Ihre Plätze zu begeben und sich anzuschnallen.’’, verkündete dann eine Durchsage.
Nachdem das Flugzeug dann gelandet war und ich mein Gepäck hatte, verließ ich den Flughafen. So. Da war ich nun in New York. Hier irgendwo musste diese Milena also sein. Toll. Hier lebten ja auch nur über 8 Millionen Menschen. Scheiße! Das war wie die Suche nach der beschissenen Nadel im Heuhaufen! Leider hatte meine Informationsquelle nicht genau gewusst, wo das Mädchen heute wohnte und so hatte ich nur New York als Anhaltspunkt. Geil. Aber immerhin hatte die ehemalige Mitschülerin nicht sofort aufgelegt, sobald ich meinen Namen am Telefon erwähnt hatte. Alle anderen hatten das nämlich eiskalt getan. Bei einem zweiten Versuch war ich dann auch schon blockiert gewesen. Echt übertrieben, wenn man mich fragte! Na gut…vielleicht auch nicht. Ich seufzte und rief mir dann erst einmal ein Taxi, um zu dem Billighostel zu fahren, in dem ich ein Zimmer gebucht hatte. Zwar unterstützten mich gerade meine Eltern mal wieder ein bisschen finanziell, weil ich ihnen schon irgendwie Leid tat, aber ich musste es ja jetzt nicht mit den Ausgaben übertreiben, auch wenn das echt verlockend war… Aber jetzt sollte ich mich eh echt auf was anderes konzentrieren. Wie fand ich jetzt Milena?


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#3

RE: Start

in Ponylife & Alex 28.12.2019 18:51
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte



Seit drei Jahren lebte sie nun schon in New York. Sie hatte sich hier ein neues Leben aufgebaut, wahre Freunde und einen tollen Job gefunden. Ihr Jurastudium lief prächtig und auch sonst konnte sie sich nicht beschweren. Damals hätte es wohl niemand für möglich gehalten, dass aus ihr mal solch eine Person werden würde. Sie, die kleine, schüchterne Milena. Adoptiert von einem schwulen Pärchen und seit der Grundschule gehörlos. Die heute 20-Jährige konnte gar nicht mehr genau sagen, welcher Fakt letztendlich dazu geführt hatte, dass sie ihre gesamte Schulzeit über gemobbt worden war. Die schwulen Eltern? Ihre Behinderung? Ihre Schüchternheit? Mila wusste es nicht und wollte es auch eigentlich gar nicht wissen. In den vergangenen drei Jahren hatte sie sich verändert, war selbstbewusster geworden und konnte nun auch mal den Mund aufmachen, wenn sie etwas störte. Die Zeit in Portland hatte sie nicht vergessen, immerhin lebten ihre Väter dort noch und sie besuchte die beiden regelmäßig. Mit ihren früheren Schulkameraden hingegen hatte Milena gar nichts mehr zu tun. Beinahe hätte die junge Frau damals ihr Leben verloren. Dennoch hatte sie den Schuldigen damals nicht offiziell verraten, sondern ihn sogar geschützt. Etwas, was wohl niemand so recht nachvollziehen konnte.
Kopfschüttelnd schloss Lena die Tür der Kanzlei ab und warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. Mal wieder war sie viel zu lange geblieben. Typisch sie. Der Schlüsselbund wanderte in ihre Handtasche und kurz darauf stöckelte die Dunkelhaarige in ihrem Outfit auch schon durch die Straßen von New York. Ihre kleine Wohnung lag zum Glück nicht zu weit von der Kanzlei, in welcher sie neben ihres Studiums arbeitete, entfernt. Es war vielleicht ein Fußmarsch von 20 Minuten. In einem gemütlichen Tempo lief die 20-Jährige also die Gehwege entlang und blieb hin und wieder vor den Schaufenstern stehen. Vor drei Jahren noch hätte sie sich wohl niemals so angezogen. Sehr klassisch, aber irgendwie eben auch selbstbewusst und sexy. Mila war im Big Apple definitiv zu einem neuen Menschen geworden.



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#4

RE: Start

in Ponylife & Alex 28.12.2019 19:22
von Ponylife • Member | 2.684 Beiträge | 147400 Punkte

Sidney

Ja, lief bei mir mal wieder. Nicht. Als das Taxi anhielt, stand es definitiv nicht vor einem Hostel und der Taxifahrer, den ich eh kaum verstand, wollte jetzt Geld. Natürlich sagte ich ihm, dass das nicht die Adresse war, zu der ich gewollt hatte und er wohl was falsch verstanden hatte. Der Typ war aber auch sehr qualifiziert als Inder, der vielleicht ,,Hello“ gut rausbrachte, aber das war es auch schon. Völlig angepisst von diesem Schlamassel stieg ich dann schleunigst aus und sah zu, dass ich weg kam. Im Abhauen war ich echt geübt, auch wenn das mit meinem Gepäck neu war. Also sah ich zu, dass ich außer Sichtweite kam, einmal um die Decke, dann woanders herum, gerade aus, mal schnell bei einer grünen Ampel mit über den Zebrastreifen, wieder um eine Ecke und RUMS! Es kam wie es hatte kommen müssen und ich war straight in eine Person hinein gerannt. Ich fluchte auch gleich mal los, so wie ich das eben machte, wenn sich die Ereignisse mal wieder nur so überschlugen und ich zutiefst gefrustet war:,,So eine blöde verdammte fucking Scheiße!’’ Dabei taumelte ich noch kurz zurück, ehe ich mein Gleichgewicht wieder bekam. Die Tasche mit meinen Sachen hatte ich fallen lassen und gegen die trat ich jetzt auch noch nachträglich. Wo jeder schon längst ein ,,Sorry“ ausgesprochen hätte, fluchte ich eben erst einmal und suchte wie immer den Fehler nicht bei mir. ,,Kannst du nicht aufpassen?!’’, knurrte ich und musterte dann die junge Frau vor mir. Da bereute ich meine Worte schon wieder und wäre am liebsten im Erdboden versunken, weil sie schon ziemlich attraktiv aussah. Zumindest ihr Körper. Ins Gesicht hatte ich noch gar nicht gesehen. Das holte ich aber gleich mal nach und wurde enttäuscht, weil sie eine Sonnenbrille trug. Da sah man echt nicht viel. *Schade.*, dachte ich mir. *Wobei, verkackt hast du’s jetzt eh schon.* Wohl auch verdient. ,,Ähm…’’, räusperte ich mich dann und sah etwas verlegen auf den Boden. War ja auch kaum peinlich. ,,Sorry.’’, brachte ich dann auch mal hervor und wollte eigentlich nur noch mit dem Kopf gegen die nächste Wand oder auf die Straße rennen, damit mich bitte jemand überfuhr. Oder ich riss mich jetzt doch noch zusammen. Also bemühte ich mich um ein Lächeln und sah wieder auf. Aber irgendetwas war komisch an der Frau. Als hätte ich sie schon einmal gesehen oder so, aber wahrscheinlich war sie Unternehmerin und da reiste man ja mal von einer Stadt in eine andere, oder? Sicher irgendwie so, dass ich ihr dann in Portland schon einmal über den Weg gelaufen war oder sie gesehen hatte, wobei das sehr unwahrscheinlich war. So ein Bullshit schon wieder.


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#5

RE: Start

in Ponylife & Alex 28.12.2019 19:50
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte



Milena hatte gar nicht so schnell reagieren können, da war sie auch schon von einem jungen Mann über den Haufen gerannt worden. Die Handtasche landete auf dem Boden und der Inhalt breitete sich auf dem Gehweg aus. Vielleicht war es in diesem Fall gut, dass die junge Frau taub war und von den Flüchen des Täters nichts mitbekam. Dafür hätte sie ihm auf die Lippen schauen müssen, doch das war in dieser Situation ein Ding der Unmöglichkeit. Stattdessen ging Mila also in die Hocke, sammelte kopfschüttelnd ihre Sachen auf und richtete sich dann wieder auf. Erst dann blickte sie in das Gesicht des Mannes und hielt erschrocken die Luft an. Das war doch...nein, das konnte nicht sein! Glücklicherweise verbarg die Sonnenbrille den größten Teil ihres Gesichts und somit auch ihre Emotionen, die sich klar und deutlich abzeichneten. Da zog man an das andere Ende des Landes und lief trotzdem einer bekannten Person über den Weg. Aber nicht nur irgendeiner Person, sondern ausgerechnet ihm. Noch vor wenigen Minuten hatte die Dunkelhaarige an den früheren Klassenkameraden gedacht und nun stand er hier vor ihr. Schien sie nicht zu erkennen. Nachdenklich legte Mila die Stirn in Falten und überlegte, ob sie sich zu erkennen geben würde. Eigentlich hatte sie keine Lust darauf, ein Gespräch mit Sidney zu führen. Wegen ihm wäre sie vor einigen Jahren fast bei lebendigem Leibe verbrannt. Was er wohl hier in New York machte? Der nächste Ausflugsziel war die Stadt im Osten Amerikas wohl kaum, wenn man eigentlich im Westen lebte. Oder war der Ältere etwa auch hier her gezogen? Hoffentlich nicht. So viele Fragen geisterten in Milena's Kopf herum und so starrte sie ihren Gegenüber einfach nur eine Weile schweigend an. Nur langsam hob die Dunkelhaarige ihre Hand in Richtung Sonnenbrille und schob diese über ihre Stirn in den Haaransatz. Mit einem angedeuteten Lächeln zwinkerte sie dem alten Bekannten dann leicht zu. "So sieht man sich wieder.", kam es ihr ruhig über die Lippen. Milena hatte zumindest den Vorteil, dass sie sprechen konnte. Unwissende bemerkten oft gar nicht erst, dass ihre Gesprächspartnerin nicht hören konnte. Doch Sidney wusste es genau, immerhin hatte er sie ja deswegen jahrelang gemobbt. Doch ob er in der heutigen Milena seine damalige Nachhilfelehrerin wieder erkennen würde, war die andere Sache.



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#6

RE: Start

in Ponylife & Alex 28.12.2019 21:25
von Ponylife • Member | 2.684 Beiträge | 147400 Punkte

Sidney

Es dauerte eine Weile bis mein Gegenüber auch mal etwas sagte. Ansonsten stand sie nämlich einfach nur da und sah mich an. Ich war mir nicht ganz sicher gewesen, ob sie überlegte mir eine reinzuhauen und ob ich mich deshalb ducken sollte, aber es kam ganz anders und ich darauf überhaupt nicht vorbereitet. Aber so gar nicht! Sie nahm nämlich ihre Sonnenbrille ab beziehungsweise schob diese nach oben und somit wurde ihr Gesicht sichtbar. Natürlich erkannte ich sie jetzt auch und da klappte mir erst einmal die Kinnlade herunter. Ich traute meinen Augen einfach nicht. außerdem war ich leicht überfordert und wusste nicht, ob es das Schicksal gerade mal gut mit mir meinte oder eben auch nicht, weil ich mich schon wieder so zum Affen machte und sie fast umgerannt hatte. Sollte ich mich jetzt freuen oder mir noch mehr wünschen im Boden zu versinken? Es war definitiv letzteres, weil mir eine enorme Hitze ins Gesicht stieg. Das hatte ich ja mal wieder super hinbekommen! Außerdem war ich verwirrt. Warum lächelte sie? Und das Zwinkern? Hatte sie das alles von damals vergessen? War das für sie schon erledigt? *Oh bitte!*, dachte ich mir flehend. Das würde mir hier einiges an Erniedrigung ersparen! Nur… wie zur Hölle sollte ich jetzt mit ihr reden beziehungsweise kommunizieren? Klar, sie konnte sprechen, aber sie war fucking taub! Mir fiel dann das Buch ein und so kramte ich hastig in meiner Tasche danach, zog es raus und suchte gleich mal danach wie das noch einmal ging mit dem Hallo. Das hatte ich mir am häufigsten angesehen, aber mein Hirn war für den Schrott ein noch größeres Sieb als für andere Dinge. Als ich dann fand, was es war, atmete ich schnaufend aus. Die wollten mich doch verarschen, oder? Winken?! Das war echt zu einfach. Aber gut, dann winkte ich eben. Ich hatte sie zwar immer gemobbt, aber das hieß noch lange nicht, dass ich jemals richtig mit ihr gesprochen hatte. In den Nachhilfestunden hatte ich sie auch eher nicht beachtet, nur auf mein Handy gesehen oder woanders herum geschaut. Wie sie so alles kommunizieren konnte, wusste ich nicht. Dass ich mich dadurch gerade noch mehr zum Vollidioten machte auch nicht.


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#7

RE: Start

in Ponylife & Alex 28.12.2019 21:37
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte



Es amüsierte Milena doch ein wenig, das verdutzte Gesicht ihres früheren Mobbers zu sehen. Sidney hatte wohl nicht damit gerechnet, ihr hier zu begegnen. Und selbst wenn, so sah sie doch anders aus als vor drei Jahren. Mila konnte nur ahnen, was gerade so in seinem Kopf vorging. Für sie kam es zwar auch überraschend, jemand aus Portland hier in New York zu treffen, doch die Welt war eben doch klein. Warum es ausgerechnet Sidney sein musste, der sie hier über den Haufen gerannt hatte, verstand die 20-Jährige jedoch nicht. Sie konnte gut darauf verzichten, jemanden von der High School wiederzusehen. Bisher war sie auch zu keinem der Klassentreffen erschienen, obwohl man sie tatsächlich eingeladen hatte. Dieses Kapitel hatte Mila hinter sich gelassen und wollte nur ungern daran erinnert werden. Doch nun stand dieser Kerl vor ihr und erinnerte sie an die qualvollen Schultage und das große Feuer, in welchem er sie alleine zurück gelassen hatte. Ihr Vater Michael war es damals gewesen, der sie gerade noch rechtzeitig aus dem Gebäude geholt hatte, bevor es eingestürzt war. Ob es ein Vorteil war, wenn die Eltern bei der Feuerwehr beziehungsweise Polizei waren? Mila war sich bis heute nicht ganz sicher. Es gab viele Vorteile, aber eben auch Nachteile.
Ihre grünen Augen beobachteten zwischenzeitlich das Buch, welches Sidney aufgeschlagen hatten. Skeptisch beugte sich Milena darüber und schüttelte leicht den Kopf. Versuchte er gerade ernsthaft, in Gebärdensprache mit ihr zu kommunizieren? Warum wollte er überhaupt mit ihr sprechen? Am liebsten wäre Milena einfach abgehauen, doch sein beinahe verzweifeltes Winken ließ sie dann doch innehalten. "Du weißt schon, dass du mit mir ganz normal reden kannst, oder?", kam es ihr irgendwann schmunzelnd über die Lippen. In der Schule hatte sie immer ganz vorne gesessen, um die Lippenbewegungen der Lehrer eindeutig erkennen zu können. Das war alles kein Problem, solange sie eben die Lippen sehen konnte. Was ja auch gerade der Fall war. Obwohl sich alles in ihr dagegen sträubte, fand sie Sidney's Bemühungen zeitgleich aber auch irgendwie süß. Wobei das Buch weitere Fragen aufwarf. Warum trug er ein Buch über die Gebärdensprache bei sich? Vor ein paar Jahren noch hatte er sich über die Handzeichen noch lustig gemacht. Skeptisch zog die Dunkelhaarige also die Augenbrauen nach oben und legte den Kopf fragend schief. Das hier konnte doch kein Zufall sein, oder?



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#8

RE: Start

in Ponylife & Alex 28.12.2019 22:02
von Ponylife • Member | 2.684 Beiträge | 147400 Punkte

Sidney

Und schon war meine Hand wieder unten, als Milena mir sagte, dass ich auch normal mit ihr sprechen konnte. Ich blinzelte sie kurz grimmig an. Wobei ich eher auf mich grimmig sein sollte. Doch hätte sie das nicht mal eher erwähnen können?! *Vielleicht hätte ich das mittlerweile auch schon wissen müssen.*, erinnerte ich mich und seufzte dann. Am liebsten hätte ich dieses scheiß Buch jetzt auf die Straße gedonnert! Nur wäre es vielleicht nicht so klug, dass vor Milena zu tun. Käme sicherlich mal wieder eher weniger gut bei ihr an. Apropos… wann war die eigentlich so hübsch geworden? Oder auch… heiß. So hatte ich sie definitiv noch nie wahrgenommen und ehrlich gesagt irritierte mich das jetzt nur noch mehr. *Wie wäre es, wenn du auch mal wieder etwas sagst?!*, erinnerte ich mich dann, weil ich sie gerade einfach nur anstarrte, wie der letzte Depp. Am besten fing ich noch an zu sabbern! Nur wusste ich absolut nicht, was ich sagen sollte. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Eigentlich hatte ich nicht damit gerechnet, sie überhaupt zu finden und zu treffen. Oder wohl auch nicht gehofft. *Hust*. Aber zu spät. Das Schicksal meinte es wohl doch eher schlecht mit mir. Worte… Worte… Ach ja! *Der Zettel!*, fiel mir dann ein und ich kramte erneut herum. Das Buch wieder in die Tasche und den Zettel schnell aus der Jackentasche. Beim Entfalten von dem Zettel war nicht zu sehen, dass ich ein wenig mit den Händen zitterte. Kein wunder. So etwas machte ich zum ersten Mal. Ich hatte mich nämlich noch nie bei irgendjemandem für irgendetwas entschuldigt. Warum fühlte sich das so schrecklich an, jetzt hier zu stehen? Um den Zettel zu entfalten, brauchte ich deutlich länger als sonst. Dann hielt ich ihn auch noch falsch herum, sodass ich ihn erst einmal umdrehen müsste. *Oh man…*, dachte ich mir gestresst. Musste ich das jetzt wirklich tun? Ich starrte auf den Zettel und brauchte noch ein paar Atemzüge, ehe ich dann versuchte, einfach nur das, was auf dem Zettel stand, vorzulesen. Allein schon beim Anfang könnte ich kotzen! ,,Liebe Milena, ich möchte mich bei dir für das, was ich dir angetan habe, entschuldigen. Das war falsch von mir und ich weiß jetzt, dass ich dir immer wieder sehr weh getan und dir das Leben zur Hölle gemacht habe. Mir war nicht bewusst, was ich dir damit antue, weil ich das immer nur als Spaß gesehen habe, aber das war kein Spaß. Ich hab mich wie ein riesiges Arschloch verhalten, weil ich dachte, dass es mich cooler macht, wenn ich dich schikaniere. Doch das hat es nicht. Letztendlich hab ich dadurch nur alle und alles, was mir wichtig war, verloren. Beinahe hätte dich die Welt auch verloren. Wegen mir, weil ich einfach abgehauen bin. Das bereue ich heute sehr und ich hätte das nicht tun sollen. Ich hätte dir irgendwie Bescheid sagen müssen, anstatt dich einfach in der Bibliothek sitzen zu lassen. Oder ich hätte dich gleich irgendwie mitnehmen müssen. Ich weiß, dass meine Worte das alles nicht ungeschehen machen können, aber ich will, nein, möchte, dass du weißt, dass es mir Leid tut und ich hoffe, dass du mir vergi… vergeben… ähm…kannst?’’, las ich dann das vor und hatte die ein oder andere Schwierigkeit dabei, weil ich das ein oder andere nicht richtig lesen konnte. Lag an meiner hässlichen Schrift. So stockte ich ab und zu immer mal wieder und rätselte, was dort stand. Am Ende fehlte sogar was. Aber hey. Den Vortrag hatte ich dann auch hinter mir und ich war echt scheiße in Referaten gewesen. Da hatte ich auch nur abgelesen, um es schnell hinter mich zu bringen. Aber… jetzt fühlte ich mich definitiv erleichtert! Das wäre dann ja wohl erledigt, oder? Easy going!


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#9

RE: Start

in Ponylife & Alex 07.01.2020 12:36
von Alex • Senior Member | 5.848 Beiträge | 1041324 Punkte

Milena wurde aus Sidney wirklich nicht schlau. Seit ihrem ersten Tag auf der High School hatte er alles dafür getan, um ihr das Leben schwer zu machen. Und nun stand er ganz unerwartet hier vor ihr und wirkte komplett überfordert. Die Blicke, welche sie trafen, entgingen ihr nicht. Zwar war Milena nie ein hässliches Entlein gewesen, was plötzlich die wundersame Verwandlung zum schönen Schwan durchlebt hatte, doch durch ihr schüchternes Wesen und das ständige Mobbing war sie einfach zurückhaltend gewesen was ihr Äußeres anging. In New York konnte sie sich jedoch frei entfalten und trug nun endlich das, was sie tragen wollte. Am liebsten Kleider und Röcke mit High Heels, dazu ein dezentes Make Up. Dinge, die früher für sie undenkbar gewesen wären. Doch Milena hatte sich verändert, war reifer, selbstbewusster und auch einfach älter geworden. Geschadet hatte es ihr definitiv nicht, denn seitdem kam sie bei ihren Mitmenschen und vor allem bei Männern sehr gut an. Doch ihre Vergangenheit hatte Spuren bei der jungen Frau hinterlassen und so ließ sie sich nie auf Dates ein. Mit ihren 20 Jahren war die Dunkelhaarige noch immer ungeküsste Jungfrau. Doch zurück zu Sidney. Dieser hatte zwischenzeitlich mühselig einen Zettel hervor gezogen und diesen mit zittrigen Händen aufgefaltet. Gebannt klebten Milena's Augen an seinen Lippen. Nicht, weil diese so verführerisch waren und zum küssen einluden. Milena musste diese im Auge behalten, um zu verstehen, was er überhaupt von ihr wollte. Schon bei seinem ersten Satz zog die Studentin skeptisch die Augenbrauen nach oben. Hatte sie das richtig verstanden? Er wollte sich bei ihr entschuldigen? Etwas überrascht verschränkte sie die Arme vor der Brust. Schweigend lauschte sie dem Monolog und blieb selbst dann noch ruhig, als Sidney schon wieder verstummt war. Ihm verzeihen? Es fiel ihr schwer, ihm für diese Worte nicht eine zu scheuern. Das Mobbing selbst hätte sie ihm vielleicht noch vergeben können. Doch den Vorfall in der Schule? Wohl kaum. "Du hättest mich verbrennen lassen, Sidney.", gab sie irgendwann mit brüchiger Stimme von sich und schluckte leicht. Wie sollte sie jemandem verzeihen, der ihren Tod gewollt hatte?
Überfordert mit der Situation senkte die junge Frau den Blick und schluckte leicht. Ihre Väter hatten ihr beigebracht, ein gütiger Mensch zu sein. Doch zählte diese Erziehung auch in diesem Fall? Verzweifelt biss sie sich auf die Unterlippe und blickte dann wieder zu Sidney. War er extra nach New York gekommen, um sich bei ihr zu entschuldigen? Zweifelnd sah sie ihn einige Sekunden lang schweigend an, ehe ihr Kopf sich zu einem Nicken bewegte. "Ich kann dir nichts versprechen, aber ich werde es versuchen.", erklärte sie und wollte sich schon wieder in Bewegung setzen. Ihre Katze wartete zuhause auf ihr Abendessen und auch Milena's Magen knurrte allmählich.



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#10

RE: Start

in Ponylife & Alex 07.01.2020 15:06
von Ponylife • Member | 2.684 Beiträge | 147400 Punkte

Sidney

Nach meinen Worten war sie erst einmal still. *Echt jetzt?!*, dachte ich mir ungeduldig und hatte auf so etwas nicht gehofft. So ein peinliches Schweigen… Außerdem hatte sie ihre Arme verschränkt und das wirkte schon ziemlich abweisend. *Oh man… fuck.*, beschloss ich schon und glaubte, dass sie mir kein Wort abkaufte. Sie wies mich dann auch noch einmal völlig unnötiger Weise darauf hin, dass sie ja hätte verbrennen können. Aus Versehen rollte ich genervt mit den Augen und stöhnte auch so. Ein ,,Meine Güte, bist du aber nicht! Die Feuerwehr hat dich doch gefunden!“ konnte ich mir gerade noch so verkneifen, wofür ich mir schon selbst auf die Zunge beißen musste. ,,Ja… ähm… war vielleicht die beste Idee.“, meinte ich dazu und zuckte mit den Schultern. ,,Es tut mir ja auch Leid.’’, erwähnte ich noch einmal und bemerkte ihren Blick auf den Boden. *Scheiße! Die fängt jetzt aber nicht an, zu heulen, oder?!*, dachte ich mir ein wenig gestresst, denn Frauen weinen zu sehen war einfach nur schrecklich! Aber es wirkte nicht so, als würde sie gleich in Tränen ausbrechen, als sie wieder zu mir sah. Da fiel mir ein weiterer riesiger Stein vom Herzen. Nur fand ich es überhaupt nicht gut, dass sie es ,,versuchen“ wollte, mir zu verzeihen. *Was?!*, dachte ich mir entsetzt und sah sie auch genauso an. Das konnte jetzt nicht ihr ernst sein, oder? Weil beruhigend war das für mein Gewissen jetzt überhaupt nicht! ,,Toll. Danke.’’, antwortete ich ihr recht tonlos und unzufrieden. Den Ton hörte sie ja eh nicht! Jedenfalls wollte sie sich dann schon von mir abwenden und gehen. *Okay, die glaubt mir nicht.*, war nur mein Gedanke dazu. ,,Hey, warte mal!’’, meinte ich dann und griff dann natürlich nach ihrem Handgelenk, um sie aufzuhalten. Und dann? Was wollte ich jetzt eigentlich sagen? Da kam mir ihr Magenknurren ganz gelegen. ,,Hättest du Lust noch was essen zu gehen?’’, fragte ich dann und war froh, dass mir das so auf die schnelle eingefallen war.


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