#51

RE: Start

in MaryB & Ponylife 12.01.2020 00:44
von MaryB • Junior Member | 146 Beiträge | 8250 Punkte

Charly


Ich rannte weiter, ich rannte um das Gebäude herum. Ich rannte einfach weiter. Doch plötzlich kam ein Polizist von vorne und ich war umzingelt. Mist. Ich seufzte und blieb stehen, da ich sah, dass ich sowieso keine Chance hatte und ich nicht wollte, dass die Polizisten mir weh taten. Mit hängenden Schultern begleiteten mich die Polizisten nach drinnen und witzelten darüber, dass sie mir am besten auch Fußfesseln anlegen sollten und dass um meine Fußknöchel vermutlich normale Handschellen passen könnten. "Ich kann euch hören.", fauchte ich sie an, als ich plötzlich herum fuhr, "Und ja, vermutlich passen um meine Fußknöchel normale Handschellen, denn ich bin magersüchtig!" Letzteres hatte wohl gesessen, denn die Polizisten verstummten und bekamen etwas schuldbewusste Blick. Na immerhin besaßen sie einen Funken Menschlichkeit in sich. Mit erhobenem Haupt ging ich ins Zimmer des Doktors und setzte sich auf einen Stuhl. "Wir können das hier kurz halten: Borderline, leichte PTBS, Magersucht. Was jetzt?", ich sah den Doktor direkt an. Dieser räusperte sich und sah mich an, "Fangen wir doch zuerst mit Ihrem Namen an." Ich stöhnte frustriert auf.


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#52

RE: Start

in MaryB & Ponylife 12.01.2020 12:40
von Ponylife • Member | 2.680 Beiträge | 147200 Punkte

Top Hat - Corey

Die Pfleger schleppten mich also auf ein Zimmer und sperrten mich dann darin wieder einmal ein. Ich verzog mein Gesicht und fand es hier einfach nur widerlich! Alles war grau und trist. Das würde sich aber schleunigst ändern! Das Fenster war immer noch mit Gittern, sowohl innen als auch außen, verziert, damit man auch ja nicht rauskam. So ein blöder Bullshit! Ich verzog mein Gesicht und musterte das Bett. Dann gab es noch einen Tisch, zwei Stühle und eigentlich noch einen Schrank für Kleidung, aber da man mich so mitgenommen hatte wie ich war, hatte ich also nichts. ,,Toll gemacht, Corey.'', knurrte die Stimme meines Vaters sarkastisch. ,,Jetzt sind wir wieder ganz am Anfang!'', schimpfte er gereizt. Ich lief zum Bett, ließ mich darauf nieder und stützte meine Ellenbogen auf den Knien ab. Mein Gesicht legte ich in meine Hände und rieb mir darüber. ,,Hättest du dich verdammt noch einmal an den Plan gehalten, dann wären wir jetzt nicht hier in diesem Schlamassel! Aber NEIN! Du Dummerchen musstest ja wieder was anderes machen!'', tadelte er mich. ,,Hör auf...'', flüsterte ich leise. Das hier war schon schlimm genug! Aber nein. Die Stimme führte mir deutlich vor Augen, wo ich Fehler gemacht hatte und wie sich diese immer mehr angehäuft hatten, sodass wir jetzt in diesem Schlamassel hier steckten. Ich fing an zu weinen, wofür mich mein Vater auch schimpfte, sodass ich wieder wütend wurde, vom Bett aufsprang, einen Stuhl schnappte und den durch den Raum schleuderte. Dabei knurrte ich aggressiv und brüllte:,,Hör auf! Hör auf! Hör auf!'' Vor allem, als er die Schuld auf Charly schob und sie als Sündenbock hinstellte. ,,Du hättest sie auf der Toilette erschießen sollen! Du hättest sie im McDonalds explodieren lassen müssen!'', warf er mir vor und ich kniff die Augen zusammen. ,,Aber nein! Du Versager hast sie ja unbedingt mitreinziehen müssen, wegen deinem Blödsinn!", demütigte er mich weiter. ,,Sie ist hübsch!'', verteidigte ich mich. ,,Corey, du Träumereien! Du findest jede hübsch, die dich auch nur anlächelt!'', behauptete die Stimme. ,,Stimmt gar nicht!'', protestierte ich, wobei das doch schon so stimmte. Romanie oder so hieß das. Keine Ahnung. Interessierte mich auch nicht. Mittlerweile tigerte ich in dem Raum auf und ab, raufte mir die Haare und hielt mir irgendwann die Hände auf die Ohren, weil die Stimme in meinem Kopf wieder einmal nicht aufhören wollte, mich zu ärgern und weil sie so gemein und wütend war! Gerade in einem so kleinen Raum war das alles noch einmal viel schlimmer, weil es mir lauter vorkam als sonst! Als wären hier noch 100 andere Menschen, die laut miteinander redeten.


My mind: a mess.
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My music taste: a fucking masterpiece of perfection and all that ist good.
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#53

RE: Start

in MaryB & Ponylife 12.01.2020 12:56
von MaryB • Junior Member | 146 Beiträge | 8250 Punkte

Charly

Nach einer gefühlten Ewigkeit im Gespräch, welche genau genommen nicht mal eine ganze Stunde gedauert hatte, war der Doktor erstmal zufrieden. "In Ordnung, ich entlasse Sie jetzt aus diesem Gespräch. Nachher wird Ihnen Ihr Zimmer gezeigt werden, aber zuerst wird sich die Abteilung für Essstörungen noch mit Ihnen beschäftigen. Man sieht sich dann.", mit diesen Worten stand er auf und verließ den Raum, draußen auf dem Gang warteten nach wie vor Polizisten, denn sie brauchten ja die Einschätzung des Doktors. Vermutlich wegen Zurechnungsfähigkeit oder so ähnlich. Was auch immer er denen erzählte, ich war ihm dankbar, denn ein Polizist betrat den Raum und nahm mir meine Handschellen ab. Nachdem der Polizist den Raum wieder verlassen hatte betrat eine Frau Mitte 30 den Raum und lächelte mich freundlich an, das war wohl die Abteilung für Essstörungen. Ich war müde, ich war erschöpft, ich wollte nur schlafen und nie wieder aufwachen. Aber dafür war ich zu höflich und so stand ich auf und folgte der Therapeutin. Als erstes zeigte sie mir natürlich den Essenssaal, welcher für alle in der Psychiatrie war, aber "wir" Essgestörten wurden gebeten uns alle an einen bestimmten Tisch zu setzen, damit die Kontrolle einfacher war. Wow, das war quasi das Psychiatrie-Pendant zum Außenseiter-Tisch in der Schule: sobald man an diesem Tisch saß wussten alle anderen hier sofort, dass man eine Essstörung hatte, man konnte direkt abgestempelt werden. Aber ich beschwerte mich nicht, ich seufzte nur erschöpft. Die Frau zeigte mir noch den Gemeinschaftsraum, in welchem auch direkt einige Leute saßen. Ihre Blicke durchbohrten mich neugierig und mir wurde sofort unwohl. Ich wollte nur noch hier weg.


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#54

RE: Start

in MaryB & Ponylife 12.01.2020 15:23
von Ponylife • Member | 2.680 Beiträge | 147200 Punkte

Lio

Ein weiterer beschissener Tag in diesem Drecksloch hier, in das mich mein Vater auf Rat der Ärzte hin gesteckt hatte, nachdem ich mal wieder fast zu Tode gesoffen hatte. Wieder einmal hatte er nichts dazu gesagt. Er hatte weder geschimpft, noch nachgefragt wieso, weshalb, warum... nein. ,,Die Ärzte halten es für besser, wenn du erst einmal in therapeutische Betreuung kommst.", hatte er gesagt und ich konnte schwören, dass das genau so vorher von einem Arzt zu ihm gesagt wurde und er das nur nachgeplappert hatte wie ein blöder bunter Papagei! Wenn es ihn sowieso nicht interessierte, was mit mir war, dann konnte es ihm doch egal sein, wo ich war und ob ich lebte oder tot war! Mich interessierte es nämlich auch nicht mehr. Das würde sich wohl auch nie mehr ändern. Jedenfalls war es dann wieder Zeit für eine Zigarette. Zumindest meinem Empfinden nach, auch wenn ich erst zuletzt vor 15 Minuten oder so gewesen war. Fanden die Ärzte zwar nicht so geil, aber das juckte mich nicht. Die sollten mich bloß in Ruhe lassen mit der Scheiße, dass das Krebs verursachte und so. Sollte mir recht sein. Dann war immerhin besiegelt, dass ich starb. Wäre für mich eine Erleichterung. Also stand ich von einem der Sofas in dem Gemeinschaftsraum auf, indem es irgendwie verdächtig still geworden war, und lief zum Ausgang. Er kurz davor bemerkte ich die eine Pflegerin mit einem ziemlich dürren Mädchen, das blaue Haare hatte. Jedenfalls standen die zwei im Weg. ,,Darf ich mal?'', fragte ich grob, damit ich durchkonnte.


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#55

RE: Start

in MaryB & Ponylife 14.01.2020 09:53
von MaryB • Junior Member | 146 Beiträge | 8250 Punkte

Charly


Grade als wir beim Gemeinschaftsraum waren und ich die Blicke auf mir spüren konnte, stand ein Kerl mit lockigen Haaren auf und wollte sich zwischen uns durchdrängeln. Ich senkte den Blick und ließ ihn durch, ich ahnte was er vorhatte, denn er stank wirklich sehr nach Zigarettenrauch. Hoffentlich waren hier alle nicht so unfreundlich... aber naja, in einer Psychiatrie waren wohl eher weniger super freundliche Menschen, niemand war hier ohne Grund. Die Ärztin bedeutete mir an ihr weiterhin zu folgen, geradewegs in eine Therapierunde für die Essgestörten hier. Ich seufzte resigniert, darauf hatte ich jetzt wirklich null Bock. Flehend sah ich stumm zu Ärztin und sie ahnte wohl wie es mir ging, aber sie schüttelte nur den Kopf und deutete auf einen leeren Stuhl. Die Therapeutin der Runde lächelte mich freundlich an, "Guten Tag, stell dich doch bitte einmal vor, ja?" Ich setzte sich und knurrte genervt, "Ich bin Charly und ich hab Magersucht und ich hab heute einen McDonald's in die Luft gejagt.", sagte ich und verschränkte meine Arme, mein Blick wanderte zur fassungslosen Therapeutin und wurde herausfordernd. Wenn sie wollte, dass ich redete, dann redete ich.


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#56

RE: Start

in MaryB & Ponylife 16.01.2020 17:44
von Ponylife • Member | 2.680 Beiträge | 147200 Punkte

Top Hat - Corey

Am gestrigen Tag war bei mir nicht mehr so viel passiert. Mein Therapeut von damals hatte wieder einmal versucht mit mir zu reden und so einen Blödsinn, aber ich hatte erst einmal wieder klargestellt, dass hier schon einmal gar nichts lief, solange ich mein Zauberzeug nicht hatte. Wenn ich das nicht bekam, dann tja. Dann konnte er sich seine Gespräche sonst wohin stecken. Konnte er gestern auch schon, denn nachdem ich das klargestellt hatte, hatte ich eigentlich nur dämlich kichernd auf dem Stuhl gehockt und vor mich hin gegrinst, wobei ich mich eigentlich nur mit der Stimme in meinem Kopf unterhalten hatte. Die hatte sich mal wieder schön über den Mann lustig gemacht und mich wieder daran erinnert, was der Mann vorhatte. Ja, er wollte uns voneinander trennen. Er wollte mir meinen Vater wegnehmen, aber das würde ich ganz sicher nicht zulassen! Aber immerhin hatte ich zumindest schon einmal eine Münze sowie ein paar Spielkarten bekommen. Allerdings erst am Abend, nachdem ich natürlich erst wieder hatte randalieren müssen, ohne Aussicht auf ein Ende. Doch sobald ich die Karten gehabt hatte, war ich sofort ruhig geworden und hatte mich damit beschäftigt. Nur fehlte mir trotzdem noch etwas und zwar mein Jack in the Box. Ich hatte dem Therapeuten ein Ultimatum von 24 Stunden gestellt, in dem er das Spielzeug gefälligst auftreiben sollte. Er wusste ja wie viel mir das Spielzeug bedeutete und dass ich das besser bei mir hatte. Also besorgte er das besser! Schon jetzt fühlte ich mich furchtbar nervös und aufgekratzt, weil der Jack in the Box nicht bei mir war, was mich im Prinzip zu einer tickenden Zeitbombe machte, auf der noch 16 Stunden standen. Solange hatten die noch Zeit das Spielzeug anzuschaffen und zwar das aus meinem Wohnwagen. Den hatte man doch sicher schon gefunden, oder? War ja auch kaum zu übersehen, das schicke Teil. Mit diesen Gedanken saß ich an diesem Morgen schon im Speisesaal und spielte mit der Münze in meiner linken Hand, während ich mit der rechten ein belegtes Brötchen aß. Konzentriert beobachtete ich die Münze, weil ich wieder einen Münztrick machte. Immer und immer wieder. Dadurch konnte ich gut alles um mich herum ausblenden und vor allem, wo ich gerade war.


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