#101

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 22.07.2020 20:52
von Alex • Senior Member | 5.825 Beiträge | 1037324 Punkte

Romi war so versunken in ihre Kür, dass sie gar nicht wahrnahm, zu wem die Stimme gehörte, die vom Tor der Halle erklang. Ihre Antwort kam der 17-Jährigen automatisch über die Lippen. So wandte sie sich auch gar nicht dem anderen Reiter in der Halle. Stattdessen übte sie weiterhin ihre Kür mit einem selbst zusammen geschnittenen Medley aus König der Löwen, welcher sich immer und immer wieder wiederholte. Romi kannte die Musik inzwischen auswendig und auch der 10-jährige Wallach unter ihr schien zu wissen, wann er was zu machen hatte. Er und Romi waren ein eingespieltes Team. Ganz im Gegenteil zu Romi und Mephisto, welchen sie so gerne dieses Jahr auf dem Turnier vorgestellt hätte. Doch aktuell war es ein hoffnungsloses Unterfangen. Der Rappe hatte die beste Abstammung und war ungemein talentiert. Doch das half wenig, wenn er nicht zu bändigen war. Ein Pferd, was eigentlich mehrere tausend oder sogar hunderttausend Euro wert sein konnte, es sich aber selbst verbaute. Vielleicht hatte Romi aber auch Glück, denn sobald Mephisto anfing, zum Engel zu werden, würden ihre Eltern den Hengst gewiss für viel Geld verkaufen. So viel Geld, wie sie im Jahr nicht mit dem Pferdeverkauf verdienten. Kurz seufzte Romina auf und beschloss irgendwann, dass sie genug trainiert hatten. Ihr Arm tat ihr furchtbar weh und von Minute zu Minute fiel es ihr schwerer, die Hände ruhig zu halten. Auch wenn Encantador ein absolutes Verlasspferd war und auch kleine Kinder auf ihm reiten konnten, so wollte sie ihm nicht im Maul herumziehen. Aus diesem Grund parierte sie ihn durch und ließ ihn am langen Zügel seinen eigenen Weg durch die Halle laufen. Die Reiterin verzog dabei nur das Gesicht vor Schmerzen und rieb sich den verletzten Arm. Erst jetzt kehrte sie zurück in die Realität und die blauen Augen trafen auf...natürlich. Wer auch sonst? Matteo und seine Sadiiqua. Kurz hob sie grüßend den nicht verletzten Arm, ehe sie an der Musikanlage stoppte und die Musik ausmachte. "Wärst du einer der bereits angemeldeten Reiter des Turniers hätte ich dir jetzt ja Spionage unterstellt!", rief sie frech in seine Richtung, während sie das rechte Bein vorne über den Hals des Falben schwang und im Damensitz sitzen blieb, um den Italiener ein wenig zu beobachten. Vielleicht sollte sie ihn doch mal zum Training mit ihrem Problempferd hinzuziehen. Es war zwar unwahrscheinlich, dass ausgerechnet er ein Wunder verrichten konnte, doch mittlerweile war Romi der Meinung, dass er teilweise mehr Ahnung hatte als die ausgebildeten Trainer des Gestüts.



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#102

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 22.07.2020 21:30
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte

Matteo wollte Romi nicht stören, weshalb er in Ruhe die zwanzig Minuten Schritt, mit denen er eigentlich jedes Training begann, startete. Romi ritt weiter ihre Kür und Matteo beobachtete sie ein wenig dabei, sie machte ihre Sache wirklich gut. Als sie fertig war, wendete sie ihm ihre Aufmerksamkeit zu und er musste lachen. "Genau, eigentlich bin ich nur hier um dich mit deinen eigenen Waffen zu schlagen", stellte er fest und schüttelte den Kopf. Dass er mit Turnieren nicht sonderlich viel anfangen konnte, das wusste Romi ja auch. Auch wenn Matteo dressurlich mit Sadiiqua einen Grand Prix reiten könnte. Aber er musste sich nicht mit anderen messen oder vergleichen. "So kann ich dir nur sagen, dass das sehr gut aussieht und du damit sicher große Chancen auf den Sieg hast. Ich kenne deine Gegner ja nicht", erklärte er und lächelte. Er konnte das Niveau des Turniers ja nicht einschätzen aber wenn sie das so ablieferte wie sie es trainierte, dann hatte sie wohl nichts zu befürchten. Matteo trabte an und lockerte Sadiiqua nun auch in der höheren Gangart, baute immer wieder Seitengänge und Hufschlagfiguren, viel vorwärts-abwärts ein, was er dann kurz darauf auch noch im Galopp machte. Sein Pferd war zum Glück immer recht schnell locker und durchlässig, sodass er nach der nächsten Schrittpause dann auch schon die Zügel aufnahm, um die Araberstute in Anlehnung zu reiten und die schwierigeren Lektionen abzufragen. Er baute Trab und Galoppverstärkungen ein sowie viele versammelnden Lektionen, bis er seine Sadiiqua dann auch von einer Passage in eine Piaffe tanzen. Danach erstmal eine ausgiebige Schrittpause am langen Zügel, das hatte sie wirklich super gemacht. Matteo klopfte ihr den Hals, er war wirklich stolz darauf wie toll seine Araberstute diese Lektionen abrufen konnte, sie konnte ja sogar noch viel mehr, bis hin zur Hohen Schule. Und das bei einer Pferderasse, die man im hohen Dressursport eigentlich nie zu sehen bekam, denn der war dominiert von den typischen, ausdrucksstarken Warmblütern. Aber auch Lektionen wie die Schulparade konnten alle Pferde lernen. Matteo hielt viel von der alten Reitkunst und davon, dass die Pferde gezielt darauf trainiert wurden ihr Gewicht mit der Hinterhand zu tragen. Das ging leider in der heutigen Dressur total unter. Daher übte er auch klassische Lektionen wie die Schulparade oder das Mezair immer wieder mit Sadiiqua.


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#103

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 22.07.2020 21:46
von Alex • Senior Member | 5.825 Beiträge | 1037324 Punkte

Schmunzelnd legte Romi den Kopf leicht schief und musterte Matteo. Sie mit ihren eigenen Waffen schlagen? Das klang ja interessant. "Glaub mir, gegen meine Waffen kommst du nicht an.", erklärte sie ihm im gewohnten Romina-Tonfall, lächelte dabei aber, um ihren Worten die Schärfe zu geben.Tatsächlich war sie jedoch der Meinung, dass Matteo als einer der wenigen Reiter hier ernsthaft eine Chance gegen sie hatte. Romina war mit ihren 17 Jahren zwar noch sehr jung und stand definitiv am Anfang ihrer Karriere, doch sie war mit und auf den Sportpferden ihrer Eltern aufgewachsen. Sie hatte stets die besten Trainer gehabt und sich schon früh ganz weit oben platziert. Romina Foxworth war einfach jedem, der sich mit Pferden näher beschäftigte, bekannt. Natürlich war auch ihre kalte Art kein Geheimnis. Romi wusste, wie über sie geredet wurde. Irgendeine Pferdezeitschrift hatte vor einiger Zeit mal einen Artikel über sie und Mephisto geschrieben. Ein eiskalter Engel auf dem Rücken des Teufels. Diese Worte passten wie die Faust aufs Auge. Die junge Frau wirkte auf den ersten Blick vielleicht süß und unschuldig, doch davon war sie ganz weit entfernt. Eine Weile beobachtete sie noch den Italiener, der sie immer wieder überraschte. Er und sein Pferd waren einfach anders. Nachdenklich biss Romi sich auf die Unterlippe und strich dem Falben kurz durch die Mähne, ehe sie sich in Richtung Boden gleiten ließ und beim Aufprall auf den Boden noch einmal das Gesicht verzog. Vielleicht sollte sie es für heute einfach sein lassen, doch es stand noch so viel Arbeit an. Letztendlich winkte sie Matteo also nur noch einmal kurz zu, schnappte sich ihr Handy und warf sich die Zügel einfach in die Elle. Bei Encantador hatte man ohne nichts zu befürchten. Nachdem der Wallach versorgt und direkt in die Box gebracht worden war, war Romi auch schon auf den Weg in den Stall der Schulpferde, um ihre letzte Gruppe Reitkinder zu empfangen und die Pferde fertig zu machen. Heute stand der versprochene Ausritt an, für welchen Romi sich heute auch eines der Schulpferde schnappte. Mephisto kam ohnehin nicht in Frage, Contessé befand sich noch im Mutterschaftsurlaub, Encantador hatte genug geleistet und die kleine Daya...auf der Ponystute wurde Romi teilweise einfach nicht so ernst genommen. Also saß sie wenig später auf einem hellbraunen Wallach, den sie schon das ein oder andere Mal geritten hatte. Vor der sechs köpfigen Gruppe drehte sie sich noch einmal im Sattel um, prüfte ob alle da waren und verließ dann auch schon für den einstündigen Ausritt das Gestüt.



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#104

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 10.08.2020 15:19
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte

Heute war der Tag also gekommen, Tobago wurde zu seinen neuen Besitzern gebracht. Matteo hatte viel mit dem Wallach gearbeitet die letzten Wochen und er hatte ihn wirklich ins Herz geschlossen, auch wenn er das nicht unbedingt zugeben wollte. Für ihn wäre das nichts, wenn man so regelmäßig Pferde verkaufen und abgeben musste. Denn Matteo baute zu jedem Pferd eine ganz eigene und persönliche Bindung auf und so war das jetzt auch bei Tobago gewesen. Matteo hätte den Wallach am Liebsten behalten aber naja, verkauft war er ja sowieso schon gewesen. Also musste er sich einfach damit auseinander setzen, dass Tobago jetzt zu seinen neuen Besitzern ziehen würde und dort wahrscheinlich erfolgreich im Springsport laufen würde. Für Matteo nicht leicht, immerhin war er das einfach nicht gewohnt. Aber heute war der Tag ja gekommen und Matteo hatte mit der ganzen Sache auch abgeschlossen. Er stand bereits am Putzplatz und richtete den Wallach liebevoll her, gönnte ihm noch eine extra lange Putzeinheit. Matteo bandagierte die Schweifrübe zum Schutz ein und legte letztendlich die weiche Transportdecke auf seinen Rücken sowie die Transportgamaschen an seine Beine. So war Tobago bereit für sein neues Zuhause. "Na mein Großer, dann Mal auf zu deinen neuen Menschen, hm? Du wirst dich bestimmt wohl fühlen", flüsterte Matteo und strich dem Wallach über die Nüstern. Vielleicht meinte er das auch, da er sich selbst noch davon überzeugen musste, dass Tobago es gut haben würde. Denn er war bekanntlich micht so überzeug davon, dass Sportpferde ein schönes Leben hatten. Aber gut, es brachte ja alles nichts. Der Italiener hatte den Hänger schon vorne in den Hof gefahren und dort auch alles hergerichtet für den Transport. Also musste nur noch Tobago rein. "Deine neuen Menschen freuen sich schon auf dich", erklärte er dem Wallach leise und führte ihn dann nach vorne in den Hof, wo er mit ihm auf den Hänger lief. Das machte Tobago auch ganz brav, er bekam noch einen Apfel und Matteo kletterte wieder aus dem Hänger, dessen Klappe er schloss. Jetzt fehlte nur noch Romi, nach der er sich umsah.


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#105

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 11.08.2020 13:12
von Alex • Senior Member | 5.825 Beiträge | 1037324 Punkte

Die Tage vergingen und Romi hatte es tatsächlich geschafft, eine Art Freundschaft zu Matteo aufzubauen. Insofern man in ihrem Fall von einer Freundschaft sprechen konnte. Doch man konnte sagen, dass die zickige 17-Jährige im Umgang mit dem Italiener außergewöhnlich sanft und pflegeleicht geworden war. Er war fast schon wie auch für die Pferde ihr Ruhepol. Wenn sie sich aufregte, zog er sie teilweise einfach nur schweigend in seine Arme und hielt sie fest, bis sie sich beruhigt hatte. Diese Veränderung war auch den anderen Leuten auf dem Gestüt aufgefallen und nun wurden bereits Versuche gestartet, Romi's Gunst auch für sich zu gewinne. Jedoch eher erfolglos. Matteo war eine Sache, die restlichen Menschen eine andere. So viel Nettigkeit besaß Romi dann auch wieder nicht, auch nicht ganz tief in sich verborgen. Jedenfalls fand sie es nun gar nicht mehr so schlimm, dass sie aufgrund der Abwesenheit ihrer Eltern zusammen mit ihm den Wallach zu seinem neuen Besitzer fahren sollte. Es war Freitag und die mehrstündige Fahrt würde am frühen Nachmittag starten. Matteo und Romi würden dann wohl auf dem fremden Hof übernachten und am nächsten Tag zurückfahren. Demnach spazierte sie zur vereinbarten Zeit über das Gestüt, die Sporttasche baumelte an ihrer Schulter und aufgrund des warmen Wetters trug sie lediglich eine kurze Shorts aus einem lockeren Stoff, ein bauchfreies Top mit Spaghettiträger und ein paar Sandaletten. Die braunen Haare hatte sie sich zusammen gebunden, Make Up trug sie wie so oft auch keins. Aus der Ferne bemerkte sie bereits den Wagen mit dem Hänger. Anscheinend hatte Matteo alles vorbereitet und es fehlte nur noch seine Begleitung. Lächelnd kam sie schließlich bei ihm an und hob grüßend die Hand, ehe sie die Sporttasche auf die Rückbank des Wagens beförderte und sich selbst auf dem Beifahrersitz positionierte, wo sie bereits die Adresse ins Navi eingab. Abwartend machte es sich Romi dann bequem, setzte sich ihre Sonnenbrille auf und streckte die Füße zufrieden aus. Noch vor ein paar Wochen hätte sie einen Wutanfall bekommen, wenn es darum ging, dass sie mit Matteo etwas erledigen sollte. Nun freute sie sich beinahe schon auf den Ausflug und da es in eine größere Stadt ging, hatte sie sogar vorgeschlagen, dass man ja abends mal feiern gehen konnte, wenn am nächsten Tag nicht die hungrigen Pferde auf einen warteten. Dafür hatte sie sich ein Outfit eingepackt, welches sie normalerweise nicht trug. Vielleicht, aber auch nur ganz vielleicht, wollte sie Matteo ja auffallen.



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#106

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 03.10.2020 07:21
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte

Romi ließ nicht lange auf sich warten und Matteo schloss den Hänger ab, bevor er seine Aufmerksamkeit seiner Begleitung für den heutigen Ausflug widmete. Sie hatte sich dann auch schon ganz schnell auf den Beifahrersitz geschwungen, sodass der Italiener auch nur noch auf der anderen Seite einsteigen musste. Die Hängerkamera war auch installiert und so konnte es eigentlich losgehen. Drei Stunden Fahrt zeigte das Navi an, eine Pause mussten sie für Tobago zwischendrin ganz bestimmt unbedingt einlegen. Noch vor ein paar Wochen hätte Matteo sich wohl lieber eine Kugel in den Kopf gejagt statt drei Stunden lang neben Romi und nur mit Romi in einem Auto zu sitzen. Aber seit sie ihre Einstellung gegenüber Matteo geändert zu haben schien, hatte er auch kein Problem mehr damit Zeit mit ihr zu verbringen. Im Gegenteil, er fand es tatsächlich sogar ganz schön. Irgendwie auch ironisch, immerhin würde er Sadiiqua bald umstallen, Matteo gefiel es auf dem Hof hier einfach nicht und da konnte Romis plötzliche Nettigkeit auch nichts dran ändern. Und er hatte für Bella einen wundervollen Platz gefunden und sein Vater musste sein Versprechen einlösen, so war das nunmal. Von diesen Plänen hatte er Romi noch nichts erzählt, wahrscheinlich wusste sie irgendwie doch sowieso schon Bescheid, oder? Sie war ja immerhin die Managerin hier. Naja. Matteo drehte den Schlüssel um uns startete den Motor. Romi hatte sich ziemlich normal angezogen, wenn man das so sagen konnte, während er hier in Reithose, schmuddeligen Sneakers und einem staubigen Polo Shirt saß. Aber er hatte natürlich auch noch etwas anderes dabei, schließlich sollten sie ja dort übernachten. "Kennst du die Leute gut?", erkundigte sich Matteo als er mit dem Wagen plus Anhänger vom Hof rollte und dem Navi nach in Richtung Autobahn fuhr.


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