#1

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in francyglancy & Alex 06.04.2020 17:34
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte
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#2

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 06.04.2020 19:15
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte




Genervt stapfte Lydia Romina Foxworth, welche ihren Namen jedoch über alles hasste und demnach nur Romi genannt wurde, über den Vorhof des Gutshauses. Noch immer konnte sie nicht verstehen, warum ihre Eltern ausgerechnet dieses Wochenende nicht hier auf dem Gestüt waren, welches immerhin ihren Nachnamen trug. Man konnte eine 17-Jährige nicht mit der ganzen Verantwortung alleine lassen. Oder etwa doch? Romi galt sowieso schon als die heimliche Chefin der Foxworth Stables. Mit ihrer dominanten Art hatte sie das Gestüt ihrer Eltern einfach an sich gerissen. Seit fünfzehn Jahren lebte die Familie nun schon in der Schweiz und hatte aus dem Hof ein renommiertes All in One Gestüt gemacht. Die besten Pferde trugen das Foxworth Brandzeichen, die erfolgreichsten Reiter absolvierten hier ihre Ausbildung. Und das alles würde irgendwann mal ihr gehören. Ein selbstgefälliges Grinsen schlich sich in das Gesicht der jungen Frau, welche gerade ungeduldig auf ihrem IPhone den Kalender checkte. Heute war Samstag und somit war Hochbetrieb auf dem Gestüt. Als hätte das nicht schon gereicht, sollten heute irgendeine neue Arbeiterfamilie eintreffen. Romi wusste nicht einmal, wie der Nachname dieser Leute lautet oder wer was hier machen würde. Seufzend fuhr sie sich durch die Haare, welche sie sich zuvor zu einem strengen Pferdeschwanz zusammen gebunden hatte. Es war kurz vor zehn Uhr und die Neuen sollten jede Minute ankommen. Daher setzte sich die Reiterin wieder in Bewegung. Ihr Outfit fiel relativ normal aus. Schwarze Lederstiefeletten, eine beige Reithose und dazu ein weißes Poloshirt. Jetzt im Juni war es schon warm genug, um so herumzulaufen. Bei dem Gedanken schlich sich doch ein Lächeln in ihr angespanntes Gesicht. In einem Monat würde sie endlich 18 werden und somit volljährig. Schon so lange wartete die gebürtige Amerikanerin auf diesen Tag. Vor dem Tor kam sie schließlich zum stehen und schob das Handy in die Arschtasche der Hose. Sonderlich viel erwartete sie von den Neuen nicht. Hier arbeiteten sowieso nur die Besten der Besten. Seufzend ließ sie sich auf einer Bank neben des geöffneten Tors nieder und ließ ihre Augen kurz zu dem großen Parkplatz zu ihrer Linken wandern. Dort waren um diese Zeit schon einige Autos und Hänger geparkt. Leise seufzte Romi und hoffte, dass diese Familie bald kommen würde, denn ihre Liste der täglichen Aufgaben war noch lang. Zu ihrer rechten Seite befanden sich die großzügigen Weideflächen der Foxworth Stables, auf welcher schon einige der vielen Pferde grasten. Auch ihre Stute Contessé war mit ihrem Fohlen Cosima zu sehen. Erneut ein kleines Lächeln in ihrem Gesicht. Cosima war eigentlich nicht geplant gewesen. Doch Mephisto, der seinem Namen alle Ehre machte, hatte das wohl anders gesehen und sich an einem Sonntag mal von seiner eigenen Koppel verabschiedet und sich bei den Stuten umgesehen. Seine Wahl war dann auf den Friesen von Romi gefallen. Und nun stand da eben das Ergebnis auf der Koppel. Ein relativ außergewöhnlicher Mix zwischen KWPN und Friese. Entsprechend interessant sah das einjährige Fohlen auch aus. Romi wusste noch nicht, was sie mit der Kleinen machen sollte. Cosi war ihr fünftes Pferd und langsam war sie doch ein wenig überfordert, allen Tieren zusätzlich zu den Zucht- und Unterrichtspferden gerecht zu werden. Gedanken verloren beobachtete sie ihre beiden Stuten eine Weile und stellte fest, dass auch ihr Kindheitspony Dayanara dabei war. Die Reitponystute war jetzt schon seit 13 Jahren ihr treuer Begleiter.



zuletzt bearbeitet 07.04.2020 18:53 | nach oben springen

#3

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in francyglancy & Alex 06.04.2020 20:27
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte



» Matteo

Heute war es dann wohl soweit und sie würden in ihr neues Zuhause ziehen. Matteo war wirklich nicht begeistert von dem Plan seiner Eltern, in die Schweiz zu gehen. Noch dazu auf so ein Schnösel Gestüt. Er konnte die Leute nicht leiden, er konnte die meisten Reiter nicht leiden, es war für ihn ungeheuerlich wie sie mit ihren Pferden umgingen. Und jetzt würde er wohl auf genau so einem Hof leben. Super. Absoluter Traum. Aber da er gerade erst mit der Schule fertig war und die beruflichen Möglichkeiten sowie der allgemeine Wohlstand in der Schweiz deutlich besser waren, hatte er nachgegeben und sich ihnen angeschlossen. Er musste mit den Menschen ja nichts zu tun haben, er würde studieren und sich um sein Pferd kümmern und das wars dann auch. Sein Vater würde auf dem Gestüt als Bereiter arbeiten und für seine Mutter würde es wohl das neue Trainingsgelände werden. Schön. Matteo hatte keine Lust auch noch auf dem Hof zu wohnen, aber da es insgesamt deutlich günstiger war, als wenn sie eine normale Wohnung anmieten würden, gab es kein Argument dagegen. Und eine eigene Wohnung, dann auch noch in der Schweiz, konnte er sich beim besten Willen nicht leisten, hatte er ja kein Einkommen. Er versuchte irgendwo das Positive zu sehen, auch wenn es schwer war, wenn man die Toskana hinter sich ließ. Für Matteo der schönste Ort der Welt. Aber was soll's, die Berge waren ja auch ganz schön und der See fühlte sich vielleicht manchmal sogar an wie das Meer. Vielleicht. So saß er mit seinen Kopfhörern in den Ohren auf dem Beifahrersitz des großen Pferdetransporters der Familie und hörte Musik, während er die Landschaft vorbeiziehen sah. Es war ein neuer Lebensabschnitt und das würde bestimmt auch irgendwas Gutes bringen. Aber wer wusste das schon. Sie waren in der Nacht losgefahren, um morgens am Hof zu sein. Durch etwas Stau wurde es dann zehn Uhr, als sie in die Einfahrt des Hofes rollten. Es war beeindruckend, der Stall sah wirklich schön aus, die Pferde konnten auf der weiten Weide grasen und sich austoben. Immerhin. Auf dem Hof herrschte schon reger Betrieb und Matteo verdrehte ein wenig die Augen, er hatte einfach keine Lust auf diese Menschen. Am Liebsten wäre er jetzt allein und würde hier niemanden kennenlernen, auf nett tun und die Hand schütteln. Allein schon wie die meisten von diesen Menschen angezogen waren, da fühlte er sich in seinen Jeans und dem Pullover wirklich fehl am Platz. Underdressed, in einem Pferdestall. Dass es sowas überhaupt gab. Ein Seufzer kam über seine Lippen und er sah kurz zu seiner Mutter, die ihn aufmunternd ansah. "Na komm Matteo, es wird sicher nicht so schlimm", versuchte sie ihn zu motivieren, aber Matteo schüttelte nur den Kopf und öffnete dann die Beifahrertür, um aus dem LKW zu hüpfen. Sein Handy hatte er mitsamt Kopfhörern in die Hosentasche gesteckt und nun streckte er sich erstmal. Immerhin war das Wetter schön. Sein Vater hatte wohl bereits das, zugegebenermaßen sehr kleine Empfangskomitee entdeckt, denn er lief auf ein Mädchen zu, das er irgendwie zu kennen schien und schüttelte ihr die Hand. Na super, da ging es auch schon los, wohl die erste aufgetakelte Reitertussi. Auch seine Mutter stellte sich freundlich vor, Matteo allerdings drehte sich um und öffnete den Laderaum des Pferde LKWs, er würde sich jetzt erstmal um sein Pferd kümmern, bevor er hier mit irgendeinem Menschen in Kontakt trat. Zudem hatte er auch keine Lust, sich in Zukunft auf Französisch zu unterhalten. Er kannte die Sprache zwar fließend, aber hatte genau wie im Englischen einen gut hörbaren italienischen Akzent und ausgelacht wollte er auch nicht gleich werden. Das würde schon noch früh genug kommen. Also kletterte er in den Hänger und begrüßte Sadiiqua, von ihm auch liebevoll Bella genannt, weil sie einfach ein wunderschönes Pferd war. Sie schnaubte und verdrückte genüsslich das Leckerli, das er ihr hin hielt, bevor Matteo die Abgrenzung öffnete und sein Pferd am Knotenhalfter vorsichtig und langsam aus dem Hänger führte. Einen Strick brauchte er bei ihr eigentlich nie, da sie ihm sowieso auf Schritt und Tritt folgte, dennoch hielt er ihn in der Hand, um ihn, falls das gewünscht war, zum Einsatz zu bringen. Sanft tätschelte er den Hals der Stute und drückte ihr einen Kuss auf die Nüstern, bevor er zu seinem Vater sah. Er würde doch sicher wissen, wo er sein Pferd hinbringen konnte.


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#4

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in francyglancy & Alex 06.04.2020 22:00
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Romina war so in ihre Gedanken versunken gewesen, dass sie den sich nähernden Mann erst gar nicht gesehen hatte. Erst als er sie ansprach, hob die Brünette den Blick und nickte nur leicht. Der Kerl war vor ein paar Wochen schon für das Bewerbungsgespräch hier gewesen. Mit einem distanzierten Lächeln reichte Romi dem Älteren die Hand und stellte sich als Romi Foxworth vor. So wurde direkt noch einmal deutlich, wer sie war. Nur weil dieser Conti oder wie er hieß älter war, bedeutete das rein gar nichts. Romi war hier die Junior Chefin und behandelte das Personal auch entsprechend. Dennoch stellte sie sich auch der Ehefrau freundlich vor und sah dann in Richtung Pferdehänger, wo sich ein junger Mann gerade mit seinem Pferd beschäftigte. Das musste wohl der Sohn sein. Markus? Milan? Marco? Romi wusste nicht genau, wie sein Name war. Sie hatte ihn nur einmal kurz in den Unterlagen gelesen. Doch der Namenlose schien sich so oder so nicht vorstellen zu wollen. Sollte Romi nur Recht sein. Seinem Kleidungsstil zufolge war er hier sowieso falsch. Die 17-Jährige rümpfte kurz die Nase und widmete sich wieder seinen Eltern, um zu klären, auf welcher Sprache die Kommunikation erfolgen konnte. Normal war hier aufgrund der internationalen Mitarbeiter und Gäste eigentlich englisch. So stand die Entscheidung auch recht schnell fest.
"Also Hänger und Auto könnt ihr gerne hier auf dem Parkplatz stehen lassen.", fing sie an und deutete dann in Richtung der weitläufigen Koppeln. "Alle Pferde, egal ob Zucht, Privat oder Unterricht, werden in der Regel gegen 5 Uhr auf ihre jeweiligen Koppeln gebracht. Der Tag hier beginnt um 4 Uhr mit dem füttern. Sonntags werden die jeweiligen Futtereimer für die ganze Woche von den Stallburschen hergerichtet und in der jeweiligen Futterkammer aufgestellt. Danach werden die Pferde auf die Koppel gebracht, auf welche genau steht auf jeder Tafel vor der jeweiligen Box. Danach wird gemistet und ab 8 startet der normale Betrieb hier. Alle Pferde, die um 18 Uhr noch draußen stehen, werden dann reingeholt und um 19 Uhr gefüttert. Ab 20 Uhr sind die Ställe dann dicht. Die Koppeln werden ebenfalls morgen mit den Boxen gemistet.", erklärte Romi ihren auswendig gelernten Text, den sie nicht zum ersten Mal zitierte. "Wir haben insgesamt vier Ställe, alle gleich aufgebaut mit 25 Boxen auf jeder Seite. Zu jeder Box gehört ein Paddock. Die Privatpferde sind in einem Stall, insgesamt 50 Stück. Darüber liegt meine Wohnung. Die Schulpferde, aktuell 30 Stück, teilen sich ihren Stall mit den aktuellen Verkaufspferden. In Stall 3 stehen unsere trächtigen Stuten oder Stuten mit ihren Fohlen. Die Boxen sind meistens im Frühjahr alle voll, aktuell sind 19 belegt. In Stall 4 stehen unsere Deckhengste und Nachwuchshengste, insgesamt 15 beziehungsweise 6 Stück."
Hatte sie etwas vergessen? Im Zweifel konnten ja Fragen gestellt werden. "Meine Eltern wohnen im Haupthaus in der Mitte des Grundstücks. Dort befindet sich auch das Büro. Ihr wohnt in einer Wohnung im Personalhaus. Erster Stock, 4 Zimmer, zwei Balkone. Frisch renoviert und möbliert."
Das sollte es aber jetzt fast schon sein. "Wir haben jeweils 3 Reithallen und 3 Reitplätze. Immer einen für den Unterricht, einen für private Zwecke und einen als Ersatz oder für Turniere. Außerdem einen Longierzirkel mit Führanlage außen herum. Das Haupttor vom Gestüt ist von 8 bis 20 Uhr geöffnet, lässt sich aber auch mit dem Schlüssel...", Romi hielt inne und zog einen Schlüsselbund hervor, welchen sie dem Vater reichte. "...öffnen."
Nachdenklich legte Romi die Stirn in Falten und blickte dann zu dem Kerl und sein Pferd. "Du da. Ich kann dir gerne die entsprechende Koppel und Box für deine Stute zeigen.", schlug die Brünette vor und zog die Mundwinkel leicht nach oben. Der Namenlose passte so gar nicht hier her.



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#5

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in francyglancy & Alex 06.04.2020 22:15
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte



» Matteo

Da sein Vater noch mit zuhören beschäftigt war, kam auch Matteo nicht so ganz drum herum, dieser arroganten Tussi bei ihrem auswendig gelernten Aufsatz zuzuhören. Wow, na immerhin war dieses Gestüt groß genug um sich aus dem Weg gehen zu können. Hallelujah. Matteo war alles andere begeistert aber es war zu spät für jeglichen Widerstand, er musste sich mit der Situation abfinden. Immerhin hatte er seine Bella, der er gedankenverloren über die Stirn streichelte. Sie war wohl das einzige Lebewesen hier, mit dem er sich verstehen würde. Ja, so war das wohl. Naja, auch nicht schlimm. Er würde ja auch bald zur Uni gehen und dann würde er hoffentlich noch viel mehr normale Menschen kennenlernen. Was freute er sich darauf. Es riss ihn etwas aus seinen Träumereien, als ihn dieses Mädchen ansprach. Allein schon die Art und Weise, Matteo kotzte innerlich ab. Tausend Dinge würde er lieber machen als sich von ihr die Koppel und die Box zeigen zu lassen aber es schien gerade nicht so, als käme er wirklich drum herum. Denn hier weiter rumstehen stand nicht wirklich zur Debatte und jemand anders, den der fragen konnte, war auch nicht in Sicht. Also blieb wohl doch nur das Angebot der arroganten Kuh hier. "Okay", antwortete er und sah sie an, mehr musste er dazu wohl nicht sagen, er würde ihr einfach hinterherlaufen und Sadiiqua würde ihm hinterherlaufen. Er musste ja nicht mit ihr interagieren. "Hier nimm deinen Wohnungsschlüssel", meinte sein Vater noch und Matteo nickte, ließ den Schlüssel in seiner Hosentasche verschwinden und lief dann los in die Richtung, die das Mädchen anzeigte. Wo die Wohnung war hatte er sich gemerkt. Genauso wie er sich gemerkt hatte, dass hier um 8 Uhr der Betrieb startete. Hieß für ihn, dass er, wenn er nicht ins Gelände reiten würde, möglichst vorher reiten musste. Bekam er hin, alles war besser als hier auf allzu viele Menschen zu treffen. Es war ja schon fast schlimmer als er es sich vorgestellt hatte. Naja, egal. Er legte sich den Strick über die Schulter und lief dann dem Mädchen hinterher, das sie wohl zur Koppel bringen würde. Keinesfalls würde er Sadiiqua jetzt in eine Box stellen, die Stute brauchte viel Bewegung und hatte eine lange Autofahrt hinter sich. Da sollte sie ein wenig rennen und grasen können, das war wichtig. Später könnten sie dann gemeinsam das Gelände erkunden, Matteo war gespannt darauf, wie man hier ausreiten konnte. Es gab sicher schöne Routen, mit dem See und den Bergen.


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#6

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in francyglancy & Alex 06.04.2020 23:15
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Schweigend lief Romi mit großen Schritten den Weg entlang zu den vielen Koppeln, welche durch diverse Gatter voneinander getrennt waren. Für Neulinge dauerte es gewiss seine Zeit, bis man sich an das System gewöhnte. Für die Brünette war es normal, da sie es nicht anders kannte. Auch in Amerika hatten ihre Eltern schon ein Gestüt gehabt, damals noch auf die Zucht spezialisiert. Doch dieser Vorfall hatte alles zerstört. Romi biss sich auf die Unterlippe und senkte für einen Moment den Blick. Zum Glück lief der Namenlose ein Stück hinter ihr und bekam davon nichts mit. Niemand, wirklich niemand, sprach über Ginny. Romi konnte sich eigentlich nicht an ihre Zwillingsschwester erinnern, da diese bereits mit zwei Jahren gestorben war. Doch dieses Band zwischen Zwillingen war nun mal vorhanden und so fühlte sich die Reiterin nun schon seit 15 Jahren unvollständig. Vielleicht war das der Grund für ihren schwierigen Charakter. Die wöchentlichen Besuche bei einer Psychologin, auch ein großes Geheimnis, kamen jedenfalls daher. Leise seufzte Romi auf und öffnete das Gatter der entsprechenden Koppel, auf welcher auch ihre Stuten standen. "Der Schimmel da ist Dayanara, mein erstes Pferd. Mit ihr habe ich die ersten Schleifen geholt. Der Friese ist Contessé mit ihrer Tochter Cosima.", erklärte sie und deutete auf die drei Pferde. Bei den Tieren konnte Romi einfach sie selbst sein, fühlte sich geborgen und sicher. "Ansonsten habe ich noch Encantador, ein spanischer Wallach, und Mephisto...Cosima's Vater und der Name ist Programm."
Als sie auch die beiden Männer ihrer Gruppe vorgestellt hatte, sah sie in die Richtung, in der die beiden standen. Zumindest verstand sich Mephisto gut mit dem Lusitano, so konnten sie sich eine Koppel teilen. Mephisto war wirklich ein Sorgenkind. Seine Abstammung war tadellos und noch vor seiner Geburt waren schon Gebote im sechsstelligen Bereich eingegangen. Doch die Geburt verlief sehr dramatisch und der Hengst hatte dadurch wohl ein Trauma erlitten. Romi hatte damals Tag und Nacht in seiner Box verbracht und dadurch hatte der Hengst nur zu ihr Vertrauen aufgebaut. Kopfschüttelnd drehte sich Romi wieder dem Neuen zu und musterte seine Stute. "Und wie heißt ihr beide überhaupt?", fragte sie schon beinahe freundlich und lachte auf, als Daya auf sie zukam und ihr mehrmals den Kopf gegen den Bauch stieß. "Ist gut, Mädchen. Für dich habe ich nachher noch Zeit."
So eiskalt Romi auch war, desto liebreizender war sie im Umgang mit ihren Pferden.



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#7

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in francyglancy & Alex 06.04.2020 23:35
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte



» Matteo

Er folgte dem Mädchen, das schnurstracks in Richtung der Koppeln marschierte und Sadiiqua lief ihm hinterher, er spürte ihren Atem immer Mal wieder in seinem Nacken, aber auch so wusste er, dass sie da war. Die Stute war sehr sensibel und fühlte sich in neuen Umgebungen nicht so schnell wohl. Gerade dann suchte sie Matteos Nähe und so die Sicherheit die ihr fehlte. Er vertraute dem Pferd voll und ganz, er wusste, dass sie nicht weglaufen würde, deshalb brauchte er auch keinen Strick wenn er sie führte. Und es schien hier ja niemanden zu stören, dass sie einfach so hinter ihm her lief. Die Ohren hatte sie aufmerksam gespitzt und sie sah sich um, war die neue Umgebung wirklich aufregend für sie. Die Koppel, die den Zielort darstellte, war schön und groß. Das Mädchen lief zuerst in den umzäunten Bereich, Matteo folgte ihr und schloss hinter Sadiiqua das Tor. Er sah zu dem Mädchen, sie zählte direkt ihre Pferde auf, die hier auf den Koppeln verteilt standen. Hatte er danach gefragt? Nicht dass er wusste, aber okay. Er legte den Kopf leicht schief und die Stirn in Falten, während er ihr zuhörte und die Pferde, die offenbar ihr gehörten, kurz begutachtete. Es war seltsam, denn Matteo hatte das Gefühl, dass sie anders war, seit sie auf der Koppel stand. Im Vergleich zu der Art und Weise, wie sie noch in der Einfahrt gesprochen hatte. Irgendwie geborgener, als würde sie sich wohler fühlen. Hm, vielleicht war sie doch nicht nur so kalt und arrogant wie er dachte, dennoch war sie ihm äußerst unsympathisch. Wie der ganze Ort hier. Letztendlich wurde Matteo hellhörig, als sie von Mephisto sprach. "Was hat Mephisto?", fragte Matteo nach. War er etwa ein Problempferd? So klang es. Davon gab es bestimmt einige hier, sie tauchten überall auf, wo die Pferde größtenteils als Sportgeräte behandelt wurden. Man musste nur einen Blick in die Reitbahnen werfen, verspannte Pferde liefen mit schlagendem Schweif unter ihrem Reiter, in den Ställen blickte man in resignierte Augen. Den Pferden wurde nicht richtig zugehört, es wurde gefordert und wenn sie nicht funktionierten, dann wurde mehr Druck gemacht. Matteo konnte es nicht verstehen. In seinen Augen konnte jedes Pferd das liebste Reitpferd der Welt sein. Wenn man richtig zuhörte und dem Pferd auf Augenhöhe begegnete. Und vor allem: wenn man fair war. Das waren viele Reiter nicht. Matteo sah zu seiner Araberstute, die neben ihm schon das Grasen begonnen hatte und ein kurzer Stupser am Hals ließ sie den Kopf hoch nehmen. Er nahm ihr das Halfter ab und strich ihr kurz durch die Mähne. Sadiiqua begann wieder in Ruhe neben ihm zu grasen und er sah zu dem Mädchen, das ihn tatsächlich fragte, wie er und sein Pferd hießen. Würde sie doch sowieso in fünf Minuten wieder vergessen haben, sie hielt sich doch so für etwas Besseres, warum sollte sie sich seinen Namen merken? Matteo fand sie komisch. Sie war sehr lieb ihren Pferden gegenüber, aber Menschen schien sie zu hassen. Oder ging sie nur so mit den Leuten um, weil sie sich für etwas besseres hielt? Hm. "Matteo und Sadiiqua", antwortete er dann auf ihre Frage. Sadiiqua, die sich mittlerweile ein paar Schritte entfernt hatte, sah direkt kurz zu Matteo, als sie ihren Namen hört, merkte aber schnell, dass er nichts von ihr wollte und wendete sich wieder dem Gras zu.


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#8

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 06.04.2020 23:48
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Wie die meisten Anderen auch spitzte der Neue direkt die Ohren, als es um Mephisto ging. Romi zuckte leicht mit den schmalen Schultern und strich Daya über die weichen Nüstern. "Mephisto ist hier geboren. Seine Eltern sind beides Spitzenpferde, die glorreiche Zukunft war für ihn also vorprogrammiert.", erklärte sie also mit ruhiger Stimme und seufzte auf. "Bei seiner Geburt ist aber so einiges schief gelaufen. Eigentlich hätte er noch einen Zwilling. Ich brauch dir wohl kaum sagen, wie dramatisch Zwillingsschwangerschaften bei Pferden sind.", fuhr Romi fort und sah Gedanken verloren auf die Wiese. Vielleicht verband Mephisto und sie gerade das. Der Verlust der Schwester. Es war sicher dumm, so zu denken, daher sprach die Brünette die Worte auch nie laut aus. "Naja, jedenfalls lässt er niemanden an sich heran außer mich und so blieb meinen Eltern keine andere Wahl, als ihn mir zu überlassen und die Kaufangebote abzulehnen. Ich arbeite jetzt seit fünf Jahren täglich mit ihm...aber sein volles Potential wird er vermutlich nie entfalten können."
Damit war die Sache für sie auch beendet. Romi sprach nicht gerne über Mephisto, da es ihr immer wieder das Herz brach. Dieser Hengst war ein Wunder und unfassbar talentiert. Doch es war unmöglich, das Beste aus ihm heraus zu holen. Der Namenlose stellte sich endlich vor. Matteo also. So falsch hatte Romi also gar nicht gelegen. Sadiiqua war auch ein schöner Name für die Stute. "Romi.", kam ihr der eigene Name noch einmal kurz angebunden über die Lippen, ehe sie sich von ihrer Ponystute löste und wieder zum Gatter trat. "Soll ich dir noch ihre Box und alles zeigen? Du musst ja sicherlich noch die Ausrüstung wegräumen.", bot die 17-Jährige an und zog dann ihr Handy aus der Hosentasche, da dieses geklingelte. "Mama? Ja. Die sind da. Ist erledigt. Mache ich. Wann kommt ihr morgen zurück? Okay. Tschüss." Das Gespräch verlief relativ schnell und von Romi's Seite aus emotionslos. Insgeheim gab sie ihren Eltern die Schuld am Tod von Ginny.
Sofort verdüsterten sich ihre Gesichtszüge wieder und die Amerikanerin presste die Lippen aufeinander, während sie das Gatter hinter sich und Matteo schloss. "Hast du sonst noch Fragen?", erkundigte sie sich und wollte damit ihre eigenen Gedanken wieder ein wenig in den hinteren Bereich ihres Kopfs verbannen. Es machte keinen Sinn, sich mit manchen Dingen zu beschäftigen. Ginny war tot und daran würde sich auch nichts mehr ändern.



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#9

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 07.04.2020 00:04
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte



» Matteo

Problempferd also, da hatte er wohl richtig gelegen. Aber er verstand schnell, dass es ihn nichts anging, weiteres Nachfragen war daher wohl sowohl von ihrer Seite unerwünscht als auch von seiner Seite nicht gewollt. Die Menschen reagierten oft so, eher abweisend, wenn sie von den Pferden sprachen, die sie als problematisch abgestempelt hatten. Sie wollten nicht hören, was sie wohl falsch gemacht hatten und wie man dem Pferd vielleicht helfen konnte. Aber naja, Matteo war es auch irgendwo egal, er hatte sich vorgenommen sich hier nirgends einzumischen sondern einfach nur sein eigenes Leben in Ruhe zu leben. Er hatte keine Lust auf die Menschen auf diesem Hof und schon gar nicht auf das, was sie von Reiten verstanden. So hakte er das Thema gedanklich ab und war irgendwie überrascht, dass sie ihm vorschlug, auch noch die Box und alles andere zu zeigen. Eigentlich hätte sie ihn jetzt auch sich selbst überlassen können und Matteo wusste nicht, ob ihm das lieber gewesen wäre. Letztendlich machte er sich gewissermaßen nur selbst das Leben schwer, wenn er das Angebot ablehnte, da er sich dann alles selbst zeigen musste und das würde deutlich länger dauern und er musste womöglich mit noch mehr Menschen sprechen. Also lieber doch den kurzzeitig unangenehmen aber einfacheren Weg. "Okay, ja", antwortete er daher auf das Angebot. Das kurze Telefonat, das Romi, so hatte sie sich vorgestellt, führte, klang kalt und distanziert. Es war seltsam, dass sie so mit ihrer Mutter sprach. Das ganze Mädchen war seltsam und Matteo fühlte sich wirklich alles andere als Wohl in ihrer Anwesenheit. Aber da musste er jetzt durch. Wenn er dann alles verräumt hatte konnte er sich umziehen gehen, vielleicht vorher noch ein Nickerchen einlegen, und dann würde er eine Runde mit Sadiiqua drehen. Darauf freute er sich schon und darauf musste er sich konzentrieren. Er folgte Romi letztendlich aus der Weide und blieb stehen, während sie das Gatter schloss. Auf ihre Frage hin, ob er sonst noch Fragen hatte, schüttelte er erstmal den Kopf. Auf dem Weg zum Stall nahm er dann das große Paket vom LKW mit, in dem sich die Sachen für Sadiiqua befanden. Viel war es nicht, die meisten hier hatten wahrscheinlich deutlich mehr. Ein Dressursattel der auch für lange Distanz und Wanderritte geeignet war und ein Fellsattel, Sachen zum Longieren, Zäumungen, Gamaschen und Bandagen und vier Schabracken. Putzzeug natürlich und andere Kleinigkeiten die er für Sadiiqua eingepackt hatte. Insgesamt nicht allzu viel im Vergleich zu dem, was seine Eltern benötigten. Aber Matteo war da auch sehr minimalistisch und hatte eigentlich nur das Nötigste und Dinge, von denen er wirklich überzeugt war. Jetzt Mal sehen, wo er seinen Spind hatte und die Sachen verräumen konnte.


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#10

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in francyglancy & Alex 07.04.2020 00:28
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Matteo schien wohl nicht damit gerechnet zu haben, noch eine weitere Führung zum Privatstall zu bekommen. Romi musste zugeben, dass sie an seiner Stelle auch nicht gedacht hätte, noch länger von sich rumgeführt zu werden. Der Umgang mit Menschen fiel der 17-Jährigen einfach komplett schwer. Schon immer hatte sie sich einfach zurückgezogen. War morgens auf Daya in die nicht weit entfernte Schule geritten, was sowieso schon für diverse Lästereien gesorgt hatte. Auch dass die Schimmelstute nachmittags nach Schulschluss wieder vor dem Gebäude stand, hatten viele nicht verstanden. Freundschaften hatte Romi in all den Jahren hier nicht geknüpft. Zwar wollte sie nicht unbedingt sagen, dass sie Menschen hasste, aber sie fühlte sich bei den Pferden einfach wohler. Das ihr Verhalten aneckte, war ihr natürlich bewusst. Bewusst, aber egal. Romi machte einfach ihr Ding und ließ die Leute reden. War in den meisten Fällen auch besser so. Doch letztendlich stimmte der Italiener ihr doch zu. Wieder wortkarg steuerte sie mit ihm also noch einmal den Hänger an und beobachtete ihn mit verschränkten Armen dabei, wie er seine sieben Sachen schnappte. Ihre Hilfe bot die Brünette nicht an. Wieso denn auch? Er war hier der Mann und sie würde mit ihren 1.60 und 50kg keine große Hilfe sein. Außerdem besaß er offensichtlich gar nicht mal so viel. Skeptisch zog sie die Augenbrauen nach oben, wandte sich ab und setzte sich wieder in Bewegung, um die Ställe anzusteuern. Diese waren in quadratischer Form angeordnet und in dem innen liegenden Hof befanden sich Putz- und Waschplätze sowie eine Solaranlage und ein Laufband für die Pferde. "Die Übersicht bei den Ställen ist relativ leicht. Der Nordstall beherbergt die Privatpferde, der Oststall die Schulpferde, der Südstall die Zuchtstuten und der Weststall die Zuchthengste.", erklärte sie und öffnete das Tor vom Südstall, um die Stallgasse zu durchqueren und auf der anderen Seite in den Innenhof zu laufen, welchen sie überquerte, um zum Privatstall zu kommen. "Wie der Name schon sagt, stehen hier alle Privatpferde. Also meine Pferde, die von meinen Eltern, die der Angestellten und die der Einsteller. Deine Stute steht zwischen Contessé und Cosima und Dayanara. Sollte hoffentlich passen, die Weide teilen sie sich ja auch.", erklärte die 17-Jährige monoton und blieb vor der Box stehen, welche frisch eingestreut war und an welcher sie gestern noch eine neue Tafel zum beschriften angebracht hatte. Als nächstes führte sie Matteo zu der Sattelkammer, zeigte ihm einen leeren Schrank und deutete an, dass er seine Sachen erst einmal abstellen sollte. Der nächste Raum war die Futterkammer. "Am besten schreibst du für deine Stute einen Plan, damit die Stallburschen auch Bescheid wissen."
Damit war doch eigentlich alles erledigt, oder? Romi hatte hierfür eigentlich nicht die Zeit und befand sich jetzt schon im Verzug. Vor der Treppe zwischen den beiden großen Räumen blieb sie stehen und deutete nach oben. "Mein Reich. Absolut tabu.", erklärte sie abschließend und funkelte den Italiener warnend an. Seit sie dort hoch gezogen war, war niemand sonst mehr dort gewesen. Und dabei sollte es auch bleiben.



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#11

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 07.04.2020 00:45
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte



» Matteo

Er folgte ihr zur Box, die war schön, schön groß und mit Paddock, da würde sich seine Stute sicher wohl fühlen. Wohler als er sich hier fühlte, das war aber auch wirklich nicht schwer. Der ganze Ort wurde ihm von Minute zu Minute unsympathischer und das hing wohl auch mit Romi zusammen, die einfach kein angenehmer Mensch war und Matteo zunehmend nervte. Er war froh, als er die Sachen vor seinem Spind abstellen konnte und die Tour dann kurz darauf auch schon ein Ende nahm. Endlich. Jetzt wusste er wo die wichtigsten Dinge waren und konnte sich endlich einfach allein und unabhängig von den komischen Menschen bewegen. Brauchte keine Hilfe mehr. Letztendlich standen sie dann vor einer Treppe, die offenbar in ihre Wohnung führte. Sie hatte ja vorhin schon gesagt, dass sie über den Einstellern wohnte. "Wüsste nicht was ich in deiner Wohnung soll", drückte Matteo sein Unverständnis über diese Äußerung aus, da er wirklich keinen Grund sah, das extra zu erwähnen. Sie war ein äußerst unangenehmer Mensch mit dem er in Zukunft wohl so wenig wie möglich zu tun haben wollte. Dass ihre Wohnung tabu war, war für ihn zum einen sowieso logischer Menschenverstand und zum anderen hätte er sowieso nicht daran gedacht, da hoch zu marschieren. Um ihr womöglich noch zu begegnen? Nein danke, das war wirklich nichts, was er mit Vergnügen tun würde. Wahrscheinlich würde er dem arroganten Mädchen in Zukunft sowieso einfach aus dem Weg gehen, das war für ihn der angenehmste Gedanke. "Okay, ich räum Mal ein...ciao", meinte er dann, da er die Hof Tour jetzt soweit als abgeschlossen ansah, alles andere würde er auch selbst herausfinden. Also lief er zurück in die Sattelkammer und räumte seine Sachen ordentlich in den Schrank ein, bevor er das Boxenschild beschriften ging und letztendlich dann seinen Weg in die Wohnung antrat. Er würde sich jetzt eine Runde hinlegen, dann umziehen und dann eine Runde mit Sadiiqua drehen. So der Plan, der sich auch gleich Umsetzung erfreute.
Als er wieder wach war fühlte sich Matteo eindeutig besser. Er fühlte sich ausgeschlafen und fit und nach einem Snack in Form eines Sandwiches, das noch von der Fahrt übrig war, zog er seine graue Reithose an und schlüpfte in seine dunkelbraunen Reitstiefel. Dann lief er nach unten, jetzt würde er sich ausgiebig seiner Stute widmen. Sein erster Weg führte also zur Box, wo er sich das Halfter schnappte und zur Weide lief. Ein kurzer aber prägnanter Pfiff durch die Zähne ließ Sadiiqua aufmerksam zum Gatter traben. Er lobte sie und striff ihr das Halfter über. Das Gatter schloss er gewissenhaft wieder und dann marschierte er auch schon mit Sadiiqua im Schlepptau in Richtung der Putzplätze, die Romi ihm gezeigt hatte. Er machte sie dort fest, musste er ja jetzt sowieso noch kurz die Putzsachen holen, bevor er sie mit einer ausgiebigen Massageeinheit verwöhnen wurde. Sie liebte das und Matteo putzte ebenso gern, es war für ihn die reinste Entspannung.



zuletzt bearbeitet 07.04.2020 00:46 | nach oben springen

#12

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 07.04.2020 01:05
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Romi war froh, dass Matteo sich offensichtlich nicht danach sehnte, ihr privates Reich zu erkunden. Leider musste sie etwas, was eigentlich selbstverständlich war, immer wieder wiederholen. Viel zu oft schon hatten sich neugierige Menschen nach oben verirrt und Romi war mittlerweile kurz davor, an der dünnen Holztür am oberen Ende der Treppe ein Schloss zu montieren. Bisher hatte es nicht wirklich einen Grund dazu gegeben, aber wenn sie alle paar Wochen eine fremde Person mit der Begründung, nur kurz schauen zu wollen, vertreiben musste, gab es wohl früher oder später keine andere Lösung mehr. Der Neue verabschiedete sich dann auch schon von der Amerikanerin, welche sich nicht einmal erneut an ihn wendete, sondern stattdessen die Treppe nach oben lief, um in ihrer doch recht sonderbaren Wohnung kurz etwas zu schauen. Romi liebte den Dachboden des Privatstalls, dessen Grundfläche einmal außen rum ging und in der Mitte viel Platz ließ, um nach unten in den Stall zu blicken. Der Geruch störte die 17-Jährige nicht, ganz im Gegenteil. Vor allem hatte sie dort oben ihre Ruhe und musste nicht ständig in ihrem Elternhaus auf ihre Eltern treffen. Nachdem sie ein paar Mails gecheckt und bearbeitet hatte, lief sie auch schon wieder nach unten, um der normalen Tagesordnung nachzugehen. Erst einmal mussten einige Privatpferde bewegt werden, da deren Besitzer viel Geld dafür bezahlten. So sammelte Romi die teuren Tiere nach und nach von ihren Koppeln ein, putzte sie und bewegte sie nach den jeweiligen Vorgaben. Dabei ging die Brünette routiniert vor. Jede Minute war genau geplant. Das Mittagessen fiel in ihrem Leben meistens aus, denn dafür fehlte Romi einfach die Zeit. So war es bereits Nachmittag, als sie endlich Zeit für ihre eigenen Pferde hatte. Mit Daya ritt sie eigentlich nur noch gemütlich aus und nutzte die Geländestrecke des Gestüts. Contessé war quasi noch im Mutterschafturlaub und wurde nur hin und wieder ein wenig in der Halle bewegt, um auch Cosima an alles zu gewöhnen. Bevor sich Romi ihrem Wallach widmete, wollte sie sich erstmal mit ihrem Problemkind beschäftigen. Seufzend betrat sie daher dessen Weide und streichelte kurz den Spanier, ehe sie dem Rappen das rote Halfter vorsichtig über Nüstern und Ohren zog und den Karabiner schloss. "Na, mein Junge? Wie geht es dir heute?", fragte sie mit liebevoller Stimme und das Schnauben des Hengstes war fast schon eine Antwort. Gedanken verloren setzte sie sich dann in Bewegung, der Führstrick lag locker über Mephisto's Hals. So sehr er anderen Menschen misstraute, so sehr vertraute er der Brünetten. Am Putzplatz suchte sie sich eine ruhige Ecke, wo sie den Rappen anband und dann in den Stall verschwand, um seinen Putzkasten zu holen. Leise summend bürstete Romi dann auch schon das schwarze Fell, bis es glänzte. Bei ihm musste sie sich immer extra Zeit lassen und daher war Mephisto fast immer das erste Pferd, welches von ihr bewegt wurde. Als er jedoch sauber war, löste sie den Knoten wieder und machte sich mit ihm auf den Weg in eine der Reithallen, wo sie hoffentlich ihre Ruhe haben würde, um mit ihm zu arbeiten.



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#13

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in francyglancy & Alex 07.04.2020 01:21
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte



» Matteo

Zurück bei seiner Stute begann er sie behutsam und gründlich zu putzen, dabei nahm er sich besonders viel Zeit für die Stellen, an denen sie am Liebsten gekrault wurde. Er genoss es zu sehen, wie sie entspannt in der Sonne stand und die Streicheleinheiten mit Striegel und Kardätsche genoss. Sie war aber auch einfach unglaublich niedlich, wenn man Matteo fragte. Ein Goldschatz. Die Zeit mit ihr war für ihn das Schönste und er freute sich jetzt schon, eine schöne Runde mit ihr durchs Gelände zu drehen. Hier auf dem Hof war ihm zu viel los, zu viele Menschen, die mit ihrem Alltagsgeschäft beschäftigt waren. Hier konnte man überhaupt nicht in Ruhe mit einem Pferd arbeiten. So viele Menschen wie hier arbeiteten oder ihre Pferde untergestellt hatten war das wohl nur ganz früh morgens möglich. Als Matteo nach einer knappen Stunde seine ausgiebigen Putzeinheiten für abgeschlossen erklärte, strich er Shariiqua nochmal kurz über die Stirn und die Nüstern, bevor er in Richtung Sattelkammer marschierte. Er holte den Fellsattel und den gebisslosen Zaum mit Glücksrad heraus, er ritt sie nur noch gebisslos, da sie sich damit total wohl fühlte und er sie super fein reiten konnte. Der Sattel lag bald auf ihrem Rücken und der Zaum zierte ihr feines Gesicht. "Na komm", meinte Matteo leise zu seinem Pferd und lief dann mit seiner Putzkiste und dem Halfter wieder in den Stall und zur Box, wo er beides deponierte. Shaniiqua folgte ihm brav und blieb stehen. Sie schnupperte am Stallboden, hob aber immer wieder den Kopf weil irgendwas anderes interessant erschien. "Hat das Geld für keinen richtigen Sattel gereicht?", kommentierte irgendein vorbeilaufender Schnösel Matteos Stute und dieser rollte nur mit den Augen. Er war es gewohnt, dass man sich darüber lächerlich machte, wie er mit Pferden umging und mit ihnen arbeitete. Immer so lange, bis sie mit dem eigenen Pferd Hilfe brauchten und niemand außer Matteo helfen konnte. Es war überall das gleiche. Der junge Mann ließ sich davon mittlerweile nicht mehr beeindrucken. Er setzte den Helm auf und nahm sich seine lange Gerte, die diente ihm beim Reiten als Hilfe, vor allem wenn es um Lektionen wie den Spanischen Schritt ging, oder die Piaffe. Für etwas anderes als das gezielte animieren der Beine setzte er die Gerte auch nicht ein, er würde niemals Druck auf sein Pferd ausüben. Das war aber auch überhaupt nicht nötig, da die Araberstute extrem sensibel war und auf jegliche Art von Druck schnell unsicher und manchmal auch panisch reagierte. Matteo sah sich draußen im Innenhof nach einer Aufstiegshilfe um, der Fellsattel hatte bekanntlich keine Steigbügel und auch wenn er sich theoretisch ohne Hilfen auf seine Stute schwingen konnte, wollte er das nicht, das war weder für ihn noch für sie optimal. Letztendlich stellte er sich einfach auf eine Bank, die am Rand des Wohnhauses stand und schwang sich so in den Sattel. Jetzt war er am richtigen Ort.


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#14

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in francyglancy & Alex 07.04.2020 01:37
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Zum Glück war die Halle, welche Romi aufsuchte, komplett leer. Normalerweise war dies um die Zeit nicht so, doch bei dem schönen Wetter waren doch viele Leute anderweitig beschäftigt. Was sich währenddessen am Putzplatz ereignete, wusste die 17-Jährige nicht. Und falls doch, wäre es ihr vermutlich eh egal. Mit ihr sprachen die Menschen hier allgemein nur das Nötigste. Es war kein Geheimnis, dass Romi Foxworth mit Vorsichtig zu genießen war. Die ein oder andere Person hier hatte es mal riskiert, sich mit ihr anzulegen. Nun ja. Romi war noch hier. Diese Personen nicht. Das sagte wohl schon alles. Es war auch bekannt, dass die junge Frau hier die Oberhand hatte. Auch wenn über den Tod ihrer Zwillingsschwester nicht geredet wurde, so kannte doch fast jeder hier die Geschichte. Demnach wunderten sich die wenigsten darüber, dass Victoria und Harald Foxworth ihrem Töchterchen so ziemlich alles durchgehen ließen. Romi war eben ein gebranntes Kind. Doch als Kind bezeichnete sie sich selbst schon lange nicht mehr. Seit sie 14 war, kümmerte sie sich um so einiges, was die Foxworth Stables anging. Buchhaltung, Finanzen, Personalangelegenheiten...Genau deswegen hatte sie ja so wenig Zeit. Vielleicht hätte Romi ein paar Freunde gehabt, fände ihr Leben nicht vollständig hier statt. Und auf die anderen Pferdemädchen hatte sie auch keine Lust. Seufzend ließ die Dunkelhaarige ihren Hengst über ein paar Cavalettis traben und lobte ihn danach ausgiebig. In Mephisto steckte so viel Talent und wenn es ihr gelingen würde, ihn endlich zu zähmen, lag einiges vor ihm. Doch der Weg dahin war wohl noch lang. Zwar war Romi ungeduldig, aber nur was Menschen anging. Knapp eine Stunde später stand der Rappe wieder auf der Weide und stattdessen holte sich Romi sich den Falben, mit welchem sie wohl erst heute eine Runde im Gelände drehen würde. Einfach weg vom Gestüt. Kurzerhand schnappte sie sich auch noch Daya, welche sie als Handpferd mitnahm. Nachdem beide Pferde geputzt waren, hakte sie bei der Stute eine Longierbrille ein, um den Umgang mit dem Führstrick leichter zu machen. Auf Encantador landete dann noch sein schwarzer Vielseitigkeitssattel und wenig später ritt die junge Frau auch schon vom Hof. Ihr Ziel war heute der regionale Naturpark Haut-Jura, welcher in unmittelbarer Nähe zum Gestüt lag. Ein wunderschöner Ort für ausgedehnte Ausritte in der Natur. Nur auskennen musste man sich dort, um wieder heimzufinden. Romi hatte sich am Anfang beinahe jedes Mal verlaufen und Stunden gebraucht, um nach Hause zu kommen.



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#15

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in francyglancy & Alex 07.04.2020 01:55
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte



» Matteo

Er war glücklich, seit er wieder auf Sadiiquas Rücken saß, es war ein wundervolles Gefühl und er genoss es, mit ihr durch das Gelände zu reiten. Sein Orientierungssinn war gut und er hatte sich eine Karte des Geländes schon heruntergeladen, um im Notfall auch zurück zu finden, wenn der Empfang nicht mehr so gut war. Das hatte er sich auch schon zuhause in Italien so angewöhnt, es war einfach sicherer. Und hier kannte er sich jetzt ja noch überhaupt nicht aus. Erstmal folgte er der Beschilderung vom Hof aus, die ihn schon bald in einen schönen Wald führte. Der Weg war wirklich schön zum Reiten und so trabte er an und ließ die Landschaft an sich vorbei ziehen. als es steiniger und bergiger wurde, parierte er wieder durch und ließ Sadiiqua in einem gemütlichen Schritt den schmalen, steinigen Weg erklimmen. Sie konnte das, sie war eine Meisterin wenn es darum ging ihr eigenes Gleichgewicht zu halten, auch mit Reiter. Wo Matteo schon überall mit ihr herum geklettert war, vielleicht war sie insgeheim ein Steinbock, das hatte er manchmal gescherzt. Bald kamen sie auf eine Anhöhe mit einer Art Plateau, eine Lichtung mit kurzem Gras und wunderschöner Aussicht. Links herum hatte man einen Blick auf die ganze Weite des Sees und recht erstreckte sich unweit die Stadt Genf. Wirklich schön und für Matteo der perfekte Ort um ein bisschen mit Sadiiqua zu arbeiten und an den Lektionen zu feilen. Sie war ein verdammt gut ausgebildetes Pferd, beherrschte alle Lektionen einer S Dressur bis hin zur hohen Schule, nur gab es eben nie das Ziel, eine solche auch Mal zu reiten. Sie hatte alles spielerisch mit Matteo gelernt und so auch nie die Motivation an der Sache verloren. Der junge Mann trabte einige Runden locker durch das weiche Gras, der Boden hier war gut, nicht zu hart und auch nicht rutschig, ein schöner Ort für ihn, vor allem viel schöner als die Plätze auf dem Gestüt. Sadiiqua suchte bald schon die Anlehnung, ließ den Kopf fallen und schnaubte zufrieden. Sie übten den spanischen Schritt, ritten Pirouetten und Piaffen und Matteo war sehr stolz auf seine Stute, wie toll sie das alles meisterte. Sie hatte viel Freude am Lernen und es machte ihr Spaß, das merkte man. Sie strahlte Zufriedenheit aus. Matteo legte aber auch sehr großen Wert darauf, abwechslungsreich und vielfältig mit ihr zu arbeiten, nur so würde sie den Spaß an der Sache nicht verlieren. Letztendlich lobte er sein Pferd und ließ sie sich dann ablegen. Diese Lektion hatte lange gedauert, sie hatte ganz schön über ihren Schatten springen müssen, um Matteo genug zu vertrauen. Umso ausgiebiger lobte er seine Stute, als sie sich ins Gras gelegt hatte. Er stieg von ihrem Rücken und setzte sich neben sie, um sie am Kopf und zwischen den Ohren zu kraulen. Da wo sie es besonders gern hatte. Das waren die Momente, in denen er einfach glücklich war. Und dankbar, so ein wundervolles Pferd an seiner Seite zu haben.


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#16

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in francyglancy & Alex 07.04.2020 15:50
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte




Romi war noch immer in dem riesigen Naturpark unterwegs, als die Sonne schon langsam im Genfersee versank. Am liebsten wäre die junge Frau einfach hier geblieben. Sonderlich viel brauchte sie zum Überleben nicht. Nur ihre restlichen Pferde würde sie noch zu sich holen. Doch leider war dies so oder so nicht möglich. Romi musste zurück zum Gestüt, um bei dem Einholen der Pferde zu helfen und die Abendfütterung zu unterstützen. Mit einem Seufzen ließ sie Encantador also antraben und wechselte recht schnell in seinen angenehmen Galopp. Kurz war die Brünette mit ihren Gedanken bei dem Neuen. Matteo. Er erfüllte sämtliche Klischees, die über Italiener bekannt waren. Die Körpergröße war Romi dabei egal, da sie selbst eher ein Zwerg war. Doch diese eingebildete und selbstverliebte Art grauste ihr. Vermutlich war der Kerl der Meinung, zu gut für die Foxworth Stables zu sein. Wobei es Romi's Meinung nach genau anders herum war. Jemand wie er hatte es nicht verdient, auch nur einen Fuß auf das Gelände zu setzen. Automatisch verspannte sich ihr Kiefer und die Hände ballten sich zu Fäusten. Der sensible Spanier reagierte auf den plötzlichen Druck mit einem Buckeln. "Ruhig, Schatz. Tut mir leid.", murmelte seiner Reiterin und entspannte sich wieder. Sie hoffte einfach, dass sie Matteo so gut es eben ging aus dem Weg gehen konnte. Ihres Wissens nach arbeitete der junge Mann sowieso nicht für ihre Eltern. Besser war es, denn an ihre Pferde würde sie ihn gewiss nicht heranlassen. Kurz vor der Allee, welche zum Gestüt führte, parierte sie den Lusitanowallach und ließ ihn die letzten Meter im Schritt und am langen Zügel laufen. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie ihn direkt in die Box bringen konnte. Also sattelte sie den Falben ab und führte ihn durch die Stallgasse. Mit ein paar lobenden Worten schob sie ihm noch ein Stück Karotte ins Maul und tätschelte seinen Hals. "Wir machen das schon, Großer."
Sorgfältig schloss sie die Boxentür und machte sich dann auf den Weg zu den Weiden, um zuerst ihre drei Stuten reinzuholen und anschließend Mephisto einzufangen, was sich wie immer als äußerst schwierig herausstellte. Romi war der Meinung, dass man ihn auch auf der Koppel stehen lassen konnte. Doch dafür war der wilde Hengst trotz allem zu wertvoll. Der Privatstall oblag ihrer Verantwortung und so steckte sich die Brünette die Kopfhörer in die Ohren, drehte leise Musik auf und fing dann an, auch die anderen Privatpferde von den Weiden zu holen, insofern sie noch dort standen. Auch die Fütterung und Endkontrolle war ihre Aufgabe, welcher sie gewissenhaft nachging.



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#17

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in francyglancy & Alex 07.04.2020 18:16
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte



» Matteo

Es waren mittlerweile schon zwei Wochen vergangen, die er jetzt auf dem Gestüt wohnte und es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Er würde sich wahrscheinlich nie einleben, dachte er auch nur die ganze Zeit zurück an die Zeit in der Toskana, wo alles irgendwie viel einfacher war. Nicht so fancy wie hier in der Schweiz. Aber das war ja irgendwo zu erwarten gewesen. Er dachte sogar immer wieder darüber nach, wieder zurück zu gehen, eben allein, mit Sadiiqua. Aber es wäre dumm, er hatte hier einen Platz an der Uni bekommen und den einfach aufzugeben um in Italien dann was auch immer zu machen, das war dumm, das wusste auch Matteo. Irgendwo hoffte er einfach, dass sich das Ganze hier doch noch irgendwo zum Guten wendete und er vielleicht Menschen kennenlernte, mit denen er etwas anfangen konnte. Die Hoffnung starb ja bekanntlich zuletzt. Er war heute Morgen in Genf unterwegs gewesen, hatte sich ein bisschen die Universität und die Stadt angeschaut, hier gab es wirklich schöne Ecken. Matteo nahm sich vor, die Tage auch Mal in Lausanne vorbeizuschauen, die Stadt sollte auch total schön sein. Und alle Zeit, die er nicht auf dem Hof verbrachte war schöne Zeit. Komisch, dass er Mal so fühlte, hatte man ihn normalerweise nie vom Hof weggebracht und er verbrachte jede freie Minute mit den Pferden. Hier war es anders, hier fühlte er sich einfach nicht wohl. Vielleicht würde er sich auch einen Job suchen, dann konnte er es sich vielleicht leisten zumindest Sadiiqua wo anders unterzubringen. Und schon musste er nur noch zum Schlafen auf dem Gestüt sein. Gar kein so übler Gedanke. Er betrat die Wohnung, in der seine Eltern und er gemeinsam hausten, wo sein Vater schon auf ihn gewartet zu haben schien. "Matteo, ich brauch deine Hilfe, mit einem Berittpferd", erklärte dieser seinem Sohn und Matteo runzelte die Stirn. "Sicher, dass das hier gewünscht ist?", fragte er skeptisch und schüttelte den Kopf. "Versuch es doch Mal mit mehr Gerte", fügte er noch hinzu, natürlich meinte er das nicht ernst sondern eher in einer Art und Weise, wie es wohl andere hier auf dem Hof sagen würden. Sein Vater seufzte. "Hör zu, ich weiß du bist nicht gerne hier und willst mit niemandem hier etwas zu tun haben. Aber schau es dir bitte einfach Mal an, du weißt genau wie ich, dass du ein besonderes Gespür für Pferde hast", antwortete ihm sein Vater und Matteo schüttelte den Kopf. Er war nicht der Meinung, dass er ein besonderes Gespür für Pferde hatte. Er begegnete ihnen schlichtweg auf Augenhöhe und hörte ihnen zu. "Ich weiß wie unwohl du dich fühlst. Bitte sieh es dir Mal an. Ich werde mich auch Mal für dich umhören, ob wir für dich und Sadiiqua nicht vielleicht einen passenderen Stall finden, ja?", versuchte es sein Vater dann mit Bestechung. Die italienische Methode also. Matteo war jetzt sofort angetan von der Idee und prüfte, ob sein Vater das auch ernst meinte. Wehe ihm wenn nicht. "Okay", erklärte er sich dann also dazu bereit. "Danke. In einer halben Stunde in der Halle". Damit war sein Vater dann auch wieder verschwunden, Matteo seufzte und lief in sein Zimmer, wo er sich umzog und in seine dreckigen Sneaker schlüpfte. Er war sich nicht sicher, ob er da überhaupt helfen konnte aber wenn es bedeuten konnte, dass er vielleicht bald in einen anderen Stall konnte zum Reiten, dann würde er alles für seinen Vater tun. Außerdem war er ein guter Mann, der es immer mit allen nur gut meinte und Matteo wollte seinen Dad nicht enttäuschen. Er hatte ihn ja gerne, nur seine Beruf einfach nicht. Auf seinem Weg zur Halle legte er noch einen Zwischenstopp bei seiner Bella auf der Koppel ein, die er kurz knuddelte. Später würde er sich noch mehr Zeit für sie nehmen. Dann marschierte er aber auch schon in die Halle, wo er seinen Vater fand, einige nicht allzu hohe Sprünge und ein Pferd, das auf Matteo eigentlich sehr entspannt wirkte und recht schön auf dem Zirkel trabte. Matteo setzte sich auf die Aufstiegshilfe in der Ecke und legte den Kopf leicht schief. "Also er sieht für mich nicht nach einem Problempferd aus", stellte er fest. Aber jedes Pferd konnte in einer Situation die Ruhe selbst sein und im nächsten komplett austicken. War genau wie beim Menschen auch. "Er ist ein Springpferd, also er soll zum Springpferd ausgebildet werden. Aber er springt nicht. Cavaletti gehen noch, aber sobald es höher wird...", erklärte ihm sein Vater und Matteo runzelte die Stirn. Er deutete seinem Vater an, dass er das Mal demonstrieren sollte. Die Sprünge hier in der Halle waren alle nicht hoch, vielleicht wie doppelte Cavaletti. Doch schon beim Anreiten auf den Sprung merkte man, wie sich der Wallach komplett verspannte, dass er nicht springen würde war ab dem Moment klar, ab dem das Pferd begriff, was jetzt von ihm erwartet wurde. Mal verweigerte er, an anderen Sprüngen stieg er komplett. Er steigerte sich in die Sache rein, genau wie es sein Vater tat. Matteo schüttelte den Kopf. "Er ist total überfordert, er ist noch überhaupt nicht so weit, dass man ihn über so ein Hindernis bringt", stellte Matteo fest und stand auf. "Außerdem, du solltest dich mal sehen wie du da drauf sitzt. Schon wenn du angaloppierst wirst du total fest in der Hand und verspannst dich total, der Arme denkt direkt er hat etwas falsch gemacht", zeigte Matteo seinem Vater das wohl offensichtliche auf. "Das hätte dir auch jeder andere hier erzählen können", stellte er fest, man musste einfach nur mal genau hinsehen. Matteo senkte einen der Sprünge um bestimmt 20cm ab und sah zu seinem Vater. "Dein Pferd muss freiwillig springen, es muss Spaß daran haben, sonst funktioniert das alles nicht. Wenn es nicht von selbst zum Sprung zieht. Und du darfst keine falschen Signale geben. Lass die Zügel mal lang, überschlag die Steigbügel und entspann dich. Wenn du schon angespannt bist, wird er es auch sein. Und dann reit ihn Mal zu dem Sprung hin, lass ihn schnuppern. Das muss alles viel langsamer gehen bei ihm". Matteo verstand noch immer nicht, was er hier eigentlich sollte. "Schau Papa, das ist kein Problem, das du jetzt lösen kannst indem ich dir einmal sage was zu tun ist und gut. Er vertraut dir überhaupt nicht und du ihm auch nicht. Wenn das funktionieren soll, dann musst du ihm gegenüber fair sein, langsam machen und ihm zeigen, dass du weißt was du tust", stellte Matteo fest. "Er ist einfach nur so verunsichert". Sein Vater seufzte, Zeit, das war nicht unbedingt das, was man in der Sportpferdeausbildung hatte. Das war Matteo auch klar. "Und sobald er einen Schritt in die richtige Richtung macht, immer positiv verstärken. Das ist so wichtig, lob ihn!", erinnerte er seinen Vater noch und fuhr sich durch die Locken. Er wusste auch nicht, was er jetzt groß machen sollte. "Willst du dich Mal drauf setzen?", fragte sein Vater ihn und Matteo runzelte die Stirn. Ob das eine gute Idee war, da war er sich nicht sicher. "Ich weiß nicht, ich reite anders als du, anders als alle hier", antwortete er. Er wusste nicht ob das eine gute Idee war. Zumal er sich hier eigentlich nirgendwo einmischen wollte.


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#18

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in francyglancy & Alex 07.04.2020 19:06
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte




Die Tage vergingen und Romi hatte es tatsächlich geschafft, Matteo aus dem Weg zu gehen. Hin und wieder war sie dem Italiener zwar über den Weg gelaufen, doch es war kein Wort zwischen ihnen gefallen. Lediglich mit seinem Vater führte sie das ein oder andere Gespräch, da dieser einen jungen Wallach aus der Zucht der Foxworths trainieren sollte. Allerdings klappte dies bisher eher weniger gut und Romi zweifelte insgeheim schon an der Kompetenz von Signor Conti. Dafür, dass er so ein talentierter Reiter sein sollte, hielt sich sein Talent bei dem Selle Francais in Grenzen. Dass er jedoch seinen merkwürdigen Sohn um Hilfe gebeten hatte, wusste Romi noch nicht. Erst durch ein zufälliges Gespräch mit ihrer Mutter wurde sie darauf aufmerksam gemacht. Ihre Freude darüber hielt sich genauso in Grenzen wie der Fortschritt von Tobago, dem braunen Wallach, welcher eigentlich demnächst verkauft werden sollte. Warum ließen ihre Eltern nur zu, dass dieser Taugenichts sich in das Training einmischte? Es war ihr ein Rätsel. Hin und wieder hatte sie Matteo mit seiner Stute beobachten können. Klar, er war kein schlechter Reiter und schien im Umgang mit den edlen Tieren auch sehr verantwortungsbewusst. Doch seine ganze Art passte einfach nicht hier her. Es schien auch gar nicht so, als würde er hier Anschluss finden wollen. Er gab sich keinerlei Mühe, sich mit jemandem gut zu stellen oder sogar anzufreunden. Romi konnte darüber nur den Kopf schütteln und hoffte, dass er sich mit seinem Pferd bald verziehen würde. Diese bad vibes konnte niemand hier gebrauchen. Die Foxworth Tochter war die einzige Person auf dem Gestüt, die sich so ein Verhalten leisten konnte. Die Gründe hierfür waren wohl auch berechtigt.
Mal wieder super genervt lief Romi also über den Hof und hatte sich eine der Reithallen als Ziel gesetzt. Dort schienen die beiden Conti Männer sich gerade mit Tobago aufzuhalten. Schweigend öffnete sie die Tür, welche zu der kleinen Tribüne führte, von welcher aus man die Halle gut von oben beobachten konnte. Vor allem aber sah man von unten nicht, dass man beobachtet wurde. Sofort erblickte sie mit ihren blau grünen Augen den nervigen Italiener, welche bei der Aufstieghilfe saß und seinem Vater gerade einen ziemlich gewagten Vortrag hielt. Bedauerlicherweise musste Romi ihm jedoch Recht geben. Die Figur, die Signor Conti auf dem Wallach machte, ließ zu wünschen übrig. Die Frage, ob Matteo es vielleicht versuchen wollte, ließ die Brünette schon fast zusammen zucken. Das war wohl nun kaum sein Ernst, oder? Er wurde von ihren Eltern nicht dafür bezahlt, um seinen dämlichen Sohn auf die teuren Pferde zu setzen als wären sie Schaukelpferde. Auch wenn ihre Eltern der Idee, Matteo konnte sich das ganze mal ansehen, zugestimmt hatten. Doch Matteo auf Tobago? Das sah hier wohl niemand gern. Schmunzelnd lief Romi die schmale Treppe in die Halle hinunter und tauchte dann neben Mister Macho auf. "Na los, Matteo. Zeig uns doch mal, was dich besser macht als jeden Trainer hier.", gab sie schnippisch von sich und blickte ihn herausfordernd an.



zuletzt bearbeitet 07.04.2020 19:55 | nach oben springen

#19

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 07.04.2020 19:48
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte



» Matteo

Er seufzte, wusste er einfach wirklich nicht, ob das eine gute Idee war. Das Pferd war verunsichert und es könnte auch alles noch viel schlimmer machen, wenn jetzt plötzlich ein ihm unbekannter Reiter drauf saß. Zumal Matteo auch nicht der geborene Springreiter war, das kam noch dazu. Er zuckte kurz zusammen, als plötzlich Romis Stimme neben ihm erklang, darauf war er nicht voerbereitet gewesen. Was sie sage, war für ihn auch irgendwie ein Rätsel. "Ich habe nie behauptet besser zu sein als jeder Trainer hier, das ist auch mit ziemlicher Sicherheit nicht der Fall", antwortete er ruhig, er würde sich nicht provozieren lassen, das war nicht seine Art. Und er verstand nicht, was Romi jetzt damit bezwecken wollte. Und aus Trotz oder um es irgendwem beweisen zu wollen, stieg er mit sehr großer Sicherheit nicht auf dieses Pferd. Sowieso würde er nicht einfach draufsitzen und los, das wäre der komplett falsche Weg. "Ich denke was ich sehe, sehen die meisten anderen Leute auch. Er wurde einfach zu schnell ausgebildet und hätte mehr Zeit gebraucht", meinte Matteo schulterzuckend. Das hatte auch überhaupt nichts mit seinem Vater zu tun, der war ja gerade Mal zwei Wochen hier. Ein so überfordertes Pferd, das war schon länger einfach verunsichert gewesen. Er deutete seinem Vater an, dass er absteigen sollte und ging ein paar Schritte auf den Wallach zu. Er war ein wirklich hübsches Pferd, Matteo tat er einfach Leid. "Na Großer, du brauchst doch keine Angst zu haben", meinte er leise und begrüßte den Wallach pferdisch, durch einen leichten Hauch in die Nüstern. Matteo würde jetzt einfach Mal das versuchen, was er versuchen würde, wenn es sein Pferd wäre. Leicht zuppelte er an dem Zügel und setzte sich neben dem Pferd in Bewegung, in Richtung des kleinen Sprunges. Der Wallach brauchte klare Führung, Vertrauen, er musste das Gefühl haben, auf den Menschen war Verlass. Matteo legte die Stange auf dem Boden ab und beobachtete das Pferd neben ihm. Er zeigte Interesse, was schonmal gut war. Denn ein Pferd, das keinen Spaß am Springen hatte und auch kein Interesse daran zeigte, das würde man nie zu einem Springpferd erziehen. Sobald der Wallach einen Schritt auf die Stange zu machte, lobte Matteo ihn ausgiebig. Es war wichtig, dass das Pferd sich positiv fühlte. So, als hätte es etwas in der Hand, könnte etwas bewirken. Daher war das Loben sowieso ein wichtiges Instrument. Nach ein paar Minuten machte Matteo einen Schritt über die Stangen und wartete. Es dauerte nicht lange, da folgte ihm der Wallach unaufgefordert, was ihm natürlich wieder dickes Lob einbrachte. Auch Pferde waren bestechlich, mit Streicheleinheiten oft noch mehr als mit Futter. Matteo lief weiter, nur ein Stück und wartete erneut, ob das Pferd ihm folgen würde. Ganz einfache Vertrauensarbeit war es, aber die Baby Steps funktionierten und trugen schnell Früchte. Das Pferd war intelligent, er verstand schnell, wie er sich das Lob verdienen konnte. Matteo lief noch ein paar Mal im Schritt über die Stange, bald schon klappte das flüssig und ohne zögern. Also ging er einen Schritt weiter und würde es im Trab versuchen. Erst einmal animierte er den Wallach, sich gemeinsam mit Matteo in die nächsthöhere Gangart zu bewegen. Er rannte ein Stück los und das Pferd verstand schnell, trabte es an und kam dann neben ihm wieder zum Stehen. Gut. Matteo hätte nicht gedacht, dass der Wallach so schnell verstehen würde. Ein paar Stand Trab Übergänge später und es ging wieder über die Stange, auch hier zögerte der Wallach nicht. Über Cavaletti war er ja auch bisher wohl problemlos gegangen, also war das vielleicht nicht so überraschend. Dennoch lobte Matteo das Tier weiter, er musste eine positive Assoziation mit dem Überwinden des Hindernisses aufbauen, das war wichtig. So ging er zu dem Sprung und legte die Stange wieder darauf, auf eine Höhe, die er selbst auch problemlos überspringen konnte. Der Wallach hatte ihn als Führung vom Boden aus akzeptiert und der Anfang für die richtigen Verknüpfungen war getan. Matteo war sich sicher, dass er ihm auch über den kleinen Sprung folgen würde, also tat er es gleich wie mit der Stange und machte selbst einen kleinen Hüpfer über den Steilsprung, kam einige Meter danach zum Stehen. Das Pferd war ihm gefolgt und stand nun wieder neben ihm, es hatte einen Sprung gemacht, zwar keinen Hohen, aber es war ein Anfang. Der Lockenkopf lobte den Wallach und klopfte ihm den Hals. Die Trense und der Sattel waren für die Bodenarbeit zwar denkbar ungeeignet aber es hatte funktioniert. Der Wallach musste einfach großes Vertrauen aufbauen. Vielleicht konnte Matteo es vom Sattel aus versuchen, sicher war er sich noch nicht, denn es war für das Pferd ungemein wichtig, mit einem positiven Erlebnis aus dem Training zu gehen. Wenn es Matteos Pferd war, würde er ihm Zeit geben, aber er wusste auch, dass der Wallach diese Zeit vermutlich nicht hatte. Eigentlich war er in einem Alter um für die weitere Ausbildung verkauft zu werden. Eigentlich. "Kann ich deinen Helm haben?", fragte er seinen Vater, denn ohne Helm stieg er nicht aufs Pferd. Als er die Haube auf dem Kopf hatte, lief er rüber zur Aufstiegshilfe und stellte sich erstmal langsam in den Sattel. Fast wie bei einem komplett rohen Pferd, er wollte einfach, dass der Wallach seine Anwesenheit direkt positiv verknüpfte, weshalb er ihn kräftig lobte als er oben saß. Die Steigbügel überschlug er wieder, die Zügel nahm er ein wenig auf. Er ritt erst ganz locker ein paar Übergänge und lobte jede richtig gelöste Aufgabe mit ruhigen Worten und einem sanften Tätscheln. Der Wallach war locker und entspannt, er schnaubte ab. Matteo hatte nun auch ein Gefühl für seine Gänge bekommen und ritt ruhig im Schritt über ein Cavalletti in der Halle. Er ließ dem Pferd die Zügel länger, als es es vermutlich gewohnt war, doch gerade bei Stangen oder Sprüngen war es wichtig, dass es ausreichend schauen konnte. Nach ein paar Schritt Runden wiederholte er es noch im Trab und Galopp, der Wallach zögerte nicht und zeigte auch keine Unanständigkeiten. Die Stange hatte aber auch noch keine Höhe. Matteo versuchte so wenig wie möglich auf das Tier einzuwirken, seine Hilfen waren ganz fein und das Pferd verstand was er wollte. Machte er etwas richtig, wurde sofort positiv verstärkt. Er war sehr intelligent. Letztendlich würde Matteo dann den kleinen Sprung versuchen, er ritt in einem ruhigen Galopp eine Runde auf dem Zirkel, aus der er dann geradeaus auf den Sprung zu hinaus ritt. Er ließ die Zügel recht locker und zack. Der Wallach machte einen Satz, der wirklich bewies, dass er Vermögen besaß, über den kleinen Sprung und landete auf der anderen Seite. Nein, die Springerei war wirklich nichts für ihn, auch wenn er kein Problem hatte sich auch ohne Steigbügel auf dem Rücken des Tiers zu halten. Matteo lobte den Wallach fast überschwänglich, das hatte er wirklich gut gemacht.



zuletzt bearbeitet 07.04.2020 19:50 | nach oben springen

#20

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 07.04.2020 20:21
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte





Argwöhnisch beobachtete Romi den Italiener, wie dieser mit dem Pferd erst Stück für Stück vom Boden aus arbeitete. Natürlich hätte sie es niemals zugegeben, aber selbst sie musste einsehen, dass Matteo doch ein gewisses Talent mit sich brachte. Laut ausgesprochen hätte die 17-Jährige das natürlich nie. Lediglich in ihrem Kopf gestand sie sich ein, dass der Neue vielleicht nicht ganz so nutzlos wie angenommen war. Er gab sich wirklich Mühe dabei, eine Verbindung zu Tobago aufzubauen. Leise seufzte die Amerikanerin auf und verschränkte die Arme vor der Brust. Letztendlich wagte sich Matteo doch in den Sattel, wenn auch ohne Steigbügel. Wundervoll. Wie kam er nur auf solch dämliche Ideen? Verbissen kaute Romi auf der Innenseite ihrer Wange herum. Es wurmte sie, dass der Wallach unter ihm so gut lief und sogar einen kleinen Sprung wagte. Viel Zeit blieb dem Braunen nicht mehr, denn in nur einem Monat sollte er zu seinem neuen Besitzer gefahren werden. Und dieser erwartete so einiges für sein Geld, was ja auch nachvollziehbar war. Aktuell jedoch erweckte Tobago nicht den Eindruck, auch nur die Hälfte des Preises wert zu sein. Vielleicht sollte sie ihren Eltern doch vorschlagen, ihm die Ausbildung zu überlassen. Nur so schien es ein Erfolg zu werden. Doch über diesen Gedanken konnte Romi nur den Kopf schütteln. Niemals würde sie zu Victoria und Harald gehen, nur um sie anzuflehen, den Italiener mit Tobago's weiterer Ausbildung zu beauftragen. Leise murmelte die Brünette ein paar Worte auf englisch und stützte sich leicht an der Aufstiegshilfe auf. So sehr sie diesen Matteo auch verabscheute, hier ging es immerhin um die Zukunft des Gestüts. Und wenn die Foxworths auch nur ein schlechtes Pferd verkauften, würde sich das herumsprechen. Das konnte Romi auf keinen Fall zulassen. Also zog sie mit abwesender Miene ihr Handy hervor und öffnete den Chat mit ihren Eltern, nur um festzustellen, dass beide schon länger nicht mehr online waren. Also wählte sie kurzerhand die Nummer ihres Vaters. "Harald? Ich steh hier gerade mit den Italienern in der Halle.", fing sie das Gespräch mit unterkühlter Stimme an und nannte ihren Vater bewusst nur beim Vornamen. Wann sie das letzte mal zu ihm Papa oder ähnliches gesagt hatte, wusste die Brünette gar nicht mehr. Doch das hatte er sich selbst zuzuschreiben. Für das weitere Gespräch wandte sich Romi ein wenig ab und sprach leise, bis sie dann das Okay von Harald hatte. Das IPhone verschwand wieder in der Reithose und sie setzte sich in Bewegung, um zu Matteo und Tobago zu laufen. "Glückwunsch, Matteo. Du darfst dich beweisen. Du hast einen Monat Zeit, Tobago von 0 auf 100 zu bringen.", gab sie trocken von sich und zog die Mundwinkel zu einem spöttischen Lächeln nach oben. "Selbstverständlich unter meiner Beobachtung."
Das gefiel vermutlich ihnen beiden nicht, doch Harald Foxworth hatte diesbezüglich nicht mit sich reden lassen. Wenn er schon einen nahezu fremden Menschen auf seine Pferde ließ, sollte seine Tochter zumindest dabei sein und aufpassen, dass alles mit rechten Dingen zuging.



zuletzt bearbeitet 07.04.2020 20:44 | nach oben springen

#21

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 07.04.2020 20:43
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte



» Matteo

Er hatte sich wieder vom Rücken des Warmbluts geschwungen und ihn noch einmal ausgiebig am Hals gekrault. Das hatte er doch gut gemacht. Romis Stimme riss ihn aus seinen Gedanken und er sah sie etwas entgeistert an bei dem was sie sagte. Zum einen hatte er das nicht erwartet, zum anderen hatte er darauf wirklich keine Lust. Erstens war er kein Springreiter, wie sollte er bitte die Ausbildung übernehmen, Hindernisse funktionierten bei ihm mehr schlecht als Recht. Zum Anderen wollte er nicht wirklich für diese Familie arbeiten. "Ich denke nicht, dass ich dafür die beste Wahl bin", antwortete er Romi daraufhin ehrlich. Auch wenn er vielleicht viel davon verstand, eine vertrauensvolle Verbindung zu Pferden aufzubauen und das auch bei Tobago geschafft hatte, so war er sicher nicht der Richtige um ein so wertvolles Pferd auszubilden. Zumal ein Monat wirklich nicht viel Zeit war. Was sollte er denn bis dahin alles können? A Parcours springen? Matteo bezweifelte, dass das möglich war. "Ich bin kein Springreiter und ich reite allgemein ganz anders als ihr", argumentierte er weiter gegen diesen Beschluss, der wohl aber schon gefallen war. Na super. "Ich denke das ist eine gute Idee Matteo, du hast ein Gefühl dafür", meinte auch sein Vater. Er war zwar ein guter Reiter und erfolgreich im Sport unterwegs, aber Matteo hatte schon oft festgestellt, dass sein Vater zu ungeduldig war, wenn es sich um ein problematisches Pferd handelte. Er wurde nie böse, aber so kam man da einfach nicht weiter. Der junge Mann seufzte und funkelte seinen Vater kurz an. Er wollte doch, dass Matteo hier mehr Zeit auf dem Gestüt verbringen würde. War so klar. Aber Matteo würde einen neuen Stall für Sadiiqua finden und sein Vater würde zahlen, so viel stand fest. Das schuldete er ihm. Für Matteo war die Tatsache, dass Romi ihn "betreuen" sollte wirklich das kleinere Problem, denn er hielt sich nicht für angemessen um den Wallach zu trainieren. Vielleicht hatte sie ja auch mehr Ahnung als er vom Springreiten und wäre eine Hilfe? Zugegeben, Matteo glaubte es irgendwie kaum aber was sollte er auch machen. Natürlich konnte er sich jetzt einfach weigern, aber dann würde er es sich wohl mit jedem hier auf dem Hof verscherzen. Dabei hatte er sich doch einfach nur aus den Dingen raushalten wollen? Er hatte wohl keine Wahl, vor allem nicht wenn er wollte, dass sein Vater sich wirklich nach einem geeigneten Stall umsah. Also führte er den Wallach nun ohne weitere Widerrede aus der Halle und brachte ihn rüber zu den Putzplätzen, wo er ihm den Sattel und die Trense abnahm. Armes Tier, ein Monat. Matteo würde nichts tun, was ihm in irgendeiner Weise schaden würde, er würde langsam machen. Und wenn er in einem Monat dann noch nicht so weit war, dann war es so. Das Wohl des Pferdes stand im Vordergrund.


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#22

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 07.04.2020 21:02
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte





Matteo war genauso begeistert wie Romi, was den Beschluss anging. Doch was sollte die 17-Jährige machen? Letztendlich hatten doch noch ihre Eltern das letzte Wort und ihr lag auch viel daran, den guten Ruf des Gestüts nicht zu beschädigen. Matteo schien ein Händchen für Pferde zu haben und warum sollte man es nicht mal ausprobieren? Für einen wirklich kleinen Moment überlegte sie sogar, ihn mal mit Mephisto bekannt zu machen. Doch diese Idee verschwand sehr schnell aus ihrem Kopf. Zum einen wollte sie nicht noch mehr Zeit mit ihm verbringen und zum anderen würde es vermutlich eh nichts bringen. Der Hengst war eben noch einmal eine ganz andere Nummer und auch wenn sie Matteo nicht ausstehen konnte, wollte sie sein Leben nicht riskieren. Der Rappe hatte schon den ein oder anderen Angestellten gebissen oder getreten. Sicher war sicher, an Mephisto würde niemand mehr näher herankommen. Nach einer kurzen Diskussion schien sich der Neue jedoch mit der Situation abgefunden zu haben und gab nach. Irritiert zog Romi die Augenbrauen ein Stück nach oben und fuhr sich durch die braunen Haare. Irgendwas schien da wohl im Busch zu sein, denn wirklich freiwillig würde sich Matteo gewiss nicht auf die Arbeit hier und vor allem auf sie einlassen. Schweigend folgte sie ihm dann zurück zu den Ställen, wo Höchstbetrieb herrschte. Eigentlich hätte der Italiener diese Aufgaben gar nicht übernehmen müssen, doch wenn er schon tat, würde sie ihn nicht davon abhalten. Stattdessen blieb sie auf der Schulterhöhe des Wallachs stehen und strich über das glänzende Fell. "Wir bekommen dich schon hin, Tobago. Keine Sorge.", murmelte die Brünette mit sanfter Stimme und drückte ihm einen Kuss auf den Ansatz der dunklen Mähne. Für ihre Eltern war der Verkauf der gezogenen Pferde einfach nur weiteres Einkommen und Bekanntheit. Romi jedoch litt bei jedem einzelnen Pferd, welches die Foxworth Stables verließ. Sie, die jeden Tag von früh bis spät auf dem Gestüt unterwegs war und sich mit jedem Pferd beschäftigte, wollte eigentlich kein einziges von ihnen gehen lassen. Einzig und allein die Tatsache, dass ihre Eltern wirklich gute Käufer für die Pferde suchten, hielten sie davon ab, sich höchstpersönlich an jedes Verkaufspferd zu binden. Nachdem Matteo, der sich mittlerweile wohl doch ganz gut auskannte, dass Sattelzeug verräumt hatte, löste Romi den Knoten des Führstricks und lief vor dem Wallach in den entsprechenden Stall, um ihn in seine Box zu bringen. Dort traf sie auch wieder auf den Italiener. Seufzend schob sie Tobago noch eine Karotte zu und zog dann die Boxentür zu. "Wann passt es dir denn morgen?", fragte sie dann an Matteo gewandt und blickte ihn erwartungsvoll an. Recht schnell suchten sich ihre Augen jedoch wieder ein anderes Ziel in Form eines kleinen Mädchens, welches kichernd durch die Stallgasse rannte. "Hey, du da!", kam es ihr mit strenger Stimme über die Lippen und zeitgleich streckte Romi den Arm auf, um die Blonde aufzuhalten, die vielleicht fünf Jahre alt war. "Was machst du hier? Wo sind deine Eltern?"
Romi konnte es absolut nicht leiden, wenn sich die Reitschüler an Orten herumtrieben, wo sie nichts zu suchen hatten. Die Kleine sah sie mit großen Augen an und fing fast an zu weinen. Daraufhin wurde der Blick der Amerikanerin ein wenig weicher. "Schon gut, Kleine. Geh einfach zurück zu den Schulpferden, ja?"
Das ließ sich das Kind nicht zweimal sagen und rannte schnell, jedoch deutlich langsamer und ruhiger, davon. Kurz sah Romi ihr noch nach und schüttelte den Kopf. Das Eliteinternat Le Rosey war nur fünf Minuten zu Fuß vom Gestüt entfernt und dementsprechend war auch das Klientel hier. Die ganzen verwöhnten Teeniemädchen, die ihr Pferd einfach nur gesattelt in Empfang nahmen, kurz ein paar Runden drehten und dann heulten, weil ihnen ein Fingernagel abbrach. Das Pferd wurde dann wieder abgegeben und die Mädchen fuhren mit ihren 1er BMWs und Minis davon. Romi hasste diese Leute noch viel mehr als normale Leute. Erst jetzt schenkte sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem Gegenüber, wartete noch auf seine Antwort.



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#23

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 08.04.2020 11:07
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte

» Matteo

Er kannte sich mittlerweile ja schon bisschen aus auf dem Gestüt und wusste, dass er vermutlich gar nichts für das Pferd tun musste, außer es zu reiten. Aber so würde das nicht funktionieren, er brauchte viel Zeit und Beschäftigungen, die Vertrauen zu Tobago aufbauten, um ihn wirklich trainieren zu können. Auch wenn Matteo nicht der Meinung war, dass er der beste Mensch für diesen Job war. Er war ja auch kein Pferdetrainer. Wobei er es sich eigentlich mal überlegen könnte. Aber den Gedanken schob er schnell wieder weg, dafür hatte er ohnehin keine Zeit. Letztendlich brachte er das Sattelzeug weg und traf Romi und Tobago dann in der Stallgasse wieder. Sie hatte den Wallach schon in die Box gelassen und Matteo betrachtete ihn kurz, ein wirklich schönes Tier. Romi fragte ihn, wann es ihm denn morgen passen würde. Er zuckte mit den Schultern. "So früh wie möglich", antwortete er, da waren dann zumindest die meisten Privat Einsteller noch nicht da. "Aber ich denke es wäre gut, eine Runde ausreiten zu gehen. Für ihn war das ja doch irgendwie sehr aufwühlend heute. Und wir müssen uns ja gegenseitig kennenlernen", teilte er seine Gedanken. Das ging im Gelände gut, abseits von dem Hof Getrubel und allem was hier so los war. Im Gelände kehrte Ruhe ein und Tobago würde auch erstmal wieder runter kommen, konnte Matteo kennenlernen und sich auf ihn einstellen. "Du kannst gern mitkommen, du kennst dich hier im Gelände sowieso besser aus", stellte er fest. Es störte ihn nicht, würde sie ihn ja sowieso nicht alleine reiten lassen. Er hielt sie zwar für arrogant und konnte ihre bestimmende Art und Weise nicht ab, es war anstrengend. Trotzdem hatte er das Gefühl, dass sie zumindest für die Pferde nur das Beste wollte. Tief drinnen war sie wahrscheinlich ein deutlich emotionaler Mensch als sie durchblicken ließ. Das vermutete der Italiener, wissen konnte er es nicht. Er beobachtete, wie sie dem Mädchen eine Standpauke hielt und musste schmunzeln. Die Ärmste, aber so aufgedreht sollte sie wirklich nicht durch die Stallgasse rennen, da hatte Romi schon Recht. "Du magst keine Kinder, oder?" mutmaßte Matteo, das ließ die Art und Weise, mit der sie mit dem kleinen Mädchen gesprochen hatte, vermuten. Er selbst hatte Kinder eigentlich wirklich gern und brachte ihnen auch gern den Umgang mit Pferden und das Reiten bei. Gerade am Anfang konnte man unglaublich viel dafür tun, dass sie gut mit den Tieren umgingen und ihre Sprache lernen konnten. Dann würden sie auch als Erwachsene viel eher gerechter mit den Pferden umgehen. In Italien hatte er gern Reitunterricht gegenen, hier würde er das vermutlich weniger gern umsetzen. Zumal die Reitschüler wahrscheinlich auch alle ganz anders tickten als er. Er passte einfach nicht hierher, das war sowieso klar. Die Gedanken des jungen Mannes wanderten dann zu Sadiiqua, er würde heute eine Runde mit ihr Dressur reiten, da freute er sich schon drauf.


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#24

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 08.04.2020 16:38
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte



Für Romi spielte es absolut keine Rolle, wann Matteo morgen mit Tobago arbeiten wollte. Sie musste ihre Pläne so oder so denen des Italieners anpassen. Eine große Wahl blieb ihr hierbei nicht, da sie eigentlich absolut keine Zeit hatte. Jeder ihrer Tage war schon seit Jahren streng getaktet, so etwas wie Freizeit gab es für die 17-Jährige nicht. Böse Zungen behaupteten, dass Romina Foxworth damit sich selbst aus dem Weg gehen und vermeiden wollte, dass sie mehr Zeit zum nachdenken hatte. Hatten diese Menschen Recht? Vielleicht. Die Brünette versuchte tatsächlich, möglichst viel Ablenkung zu bekommen, um nicht an Ginny denken zu müssen. Jeder einzelne Gedanke über ihre verstorbene Zwillingsschwester versetzte ihr immer wieder aufs Neue einen schmerzhaften Stich ins Herz. Diese Art von Stich, die einem das Gefühl gibt, unter der Last zusammenzubrechen. Die Maske, die Romi aufgesetzt hatte und auch sorgfältig aufbehielt, war der jungen Frau extrem wichtig. Sie wollte nicht, dass jemand Einblicke in ihr wahres Ich bekam. Niemand durfte wissen, wie es in ihr aussah. Ihre eiskalte, arrogante und schnippische Art war nur eine Fassade. Nichts davon war echt. Selbstschutz nannte man das. Selbst ihre eigenen Eltern wussten letztendlich nichts über ihre Tochter. Warum denn auch? Victoria und Harald Foxworth waren schuld am Tod von Genesis Foxworth. Romi fragte sich ja insgeheim, wie ihre Eltern mit dieser Schuld leben konnten. Doch es schien offensichtlich irgendwie zu funktionieren, denn Ginny wurde im wahrsten Sinne des Wortes totgeschwiegen.
So früh wie möglich. Diese Antwort machte Sinn, da morgens noch nicht so viel los war. Der Betrieb ging erst am Vormittag los und erreichte dann am Nachmittag seinen Höhepunkt. Demnach würde es bestimmt besser sein, mit dem Wallach am frühen Morgen zu arbeiten. Der nächste Vorschlag des Italieners überraschte die Brünette jedoch ein wenig. Ausreiten war im Normalfall nichts, was man hier mit den Ausbildungspferden machte. Die Gefahr, dass sich die teuren Tiere im Gelände verletzten, war einfach zu groß. Kurz biss sie sich auf die Unterlippe und zog diese zwischen ihre Zähne. Sollte etwas passieren, würde sie dafür verantwortlich sein. In Gedanken sah Romi ihren Kontostand schon schrumpfen. Außerdem wiedersträubte es ihr, zuzugeben, dass sie es selbst für eine gute Idee hielt, mal ein wenig Abstand zwischen Gestüt und Wallach aufzubauen. Es war eine schwierige Entscheidung, die allein in ihrem Ermessen lag. Zwar war Romi mit ihren 17 Jahren schon deutlich weiter als andere in dem Alter, doch letztendlich war sie doch noch fast ein Kind. Leise murmelte sie ein paar unverständliche Worte und sah von Matteo zu Tobago und wieder zu Matteo. Nur langsam kam wieder Bewegung in die Reiterin rein, indem sie ihren Kopf zu einem Nicken auf und ab bewegte. Sein gnädiges Angebot, sie könne ihn gerne begleiten, sorgte dann jedoch für ein spöttisches Lachen. "Du wirst mit diesem Pferd keine einzige Minute ohne meiner Anwesenheit verbringen.", kam es ihr trocken, aber auch warnend, über die Lippen. Dachte Matteo wirklich, sie würde ihn mit dem Braunen alleine ausreiten lassen? Das wurde ja immer besser. Romi selbst war nicht scharf darauf, die nächsten Wochen intensiv im Kontakt zu ihm zu stehen. Doch Job war Job. Mehr war das hier nicht. So professionell war sie dann gerade noch, dass sie diese Zeit einigermaßen problemlos überstehen würde.
Das Gespräch wurde dann auch schon von dem kleinen Mädchen unterbrochen, welchem sie sich kurz widmete. Ihr Verhalten ihr gegenüber blieb nicht unbemerkt. Romi schüttelte leicht den Kopf und zuckte dann mit den Schultern. Sie mochte Kinder. Nur diese hier nicht. Manche Kinder waren wirklich liebreizend und wohl erzogen. Mit ihnen arbeitete sie gerne zusammen und legte dabei auch eine enorme Geduld an den Tag. Doch diese verwöhnten Gören, für die das Pferd nur ein Sportgerät war, hatte Romi keine Sympathie über. Wieso denn auch? Diese Kinder würden sowieso nicht beim Reitsport bleiben. Früher oder später wurde es langweilig und sie suchten sich eine neue Beschäftigung. "Ich habe nichts gegen Kinder.", erklärte sie schließlich und beobachtete den Wallach, welcher in seiner Box vor sich hin döste. "Das Gestüt liegt halt leider in der Nähe eines Eliteinternats und mitten zwischen einigen wohlhabenden Städten. Das Klientel hier ist...speziell."
Das sollte vorerst auch reichen, denn es ging Matteo doch gar nichts an, wen oder was Romi mochte oder nicht mochte. "Dann morgen, 7 Uhr?", machte sie den Ausritt dingfest und war dann auch schon wieder verschwunden, um ihrer Arbeit nachzugehen.
Der restliche Tag verging wie sonst auch relativ schnell. Für Romi's To Do Liste zu schnell. So saß die junge Frau noch in der Sattelkammer des Schulstalls, als die Türen der Ställe schon längst für alle anderen verschlossen waren und auch das große Tor des Gestüt niemanden mehr rein ließ. Es war weit nach Mitternacht, als sie endlich gähnend die hölzernen Stufen zu ihrer individuellen Wohnung nach oben lief, welche bei jedem Schritt knarzten. Mit bereits halb geschlossenen Augen schälte sie sich aus ihren Reitsachen, warf diese achtlos über einen Stuhl und verschwand dann auch schon in ihrem Bett.

[i]Piep. Piep. Piep.[/] Das Geräusch ihres Weckers riss Romi aus dem Schlaf. Am liebsten wäre sie noch liegen geblieben, doch diese Option gab es nicht. Also schlug sie die Bettdecke zurück, richtete sich auf und leerte erst einmal die Wasserflasche, welche noch neben ihrem Bett stand. Schweren Herzens erhob sie sich aus dem Bett, schlüpfte in ihre Hausschuhe und tapste über den löchrigen Boden in Richtung Bad, welches dafür, dass es auf dem Dachboden eines Pferdestalls lag, doch recht modern und luxuriös war. Doch darauf legte Romi auch wert, denn wenn sie mal Zeit hatte, ein wenig zu entspannen, tat sie dies gerne in ihrer großen dreieckigen Badewanne mit Whirlpool Funktion. Doch diese bekam heute nur einen sehnsüchtigen Blick von ihr geschenkt. Stattdessen widmete sich die Brünette dem Waschbecken, wo sie sich mehrere Male eiskaltes Wasser ins Gesicht spritzte und sich dann die Zähne putzte. Die braunen Haare flocht sie sich zu einem strengen Zopf vom Hinterkopf abwärts, damit auch noch ein Reithelm drauf passte. Dann schnappte sie sich auch schon Reithose und Shirt vom Vortag, zog beides über die frische Unterwäsche an und warf einen letzten Blick in den Spiegel, ehe sie sich auch schon nach unten in den Stall begab, um die Privatpferde zu füttern. Auch Sadiiqua bekam ihr Frühstück und zusätzlich eine kurze Streicheleinheit. Im Gegensatz zu ihrem Besitzer konnte sie sich bei Romi größerer Beliebtheit erfreuen. Nachdem alle Pferde gegessen hatte, brachte Romi sie mithilfe des Stallburschens nach und nach auf die Weide. Pünktlich um 7 Uhr waren dann alle Boxen gemistet und die Brünette stand vor der Box von Tobago. Sie würde den Ausritt mit Dayanara unter dem Sattel angehen, da sie von ihren Pferden das ruhigste war. Die Schimmelstute stand bereits im Innenhof und wartete sehnsüchtig darauf, geputzt zu werden. Kurz entschlossen schnappte sich Romi dann den Wallach und band ihn schon einmal draußen neben ihrer Stute an. Matteo würde sie schon finden. Gedanken verloren schnappte sie sich einen Gummistriegel und fing an, das weiße Fell ihres Ponys in kreisenden Bewegungen zu bürsten.



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#25

RE: ** Start

in francyglancy & Alex 09.04.2020 17:30
von francyglancy • Junior Member | 294 Beiträge | 21350 Punkte



» Matteo

Ja das war ja klar, sie würde ihn wahrscheinlich sowieso in keiner Minute unbeobachtet lassen aber das war in Ordnung. Er würde tun was er konnte und auch wenn er keine Lust auf Romi und ihre arroganten Kommentare hatte, das würde er schon aushalten. Es war es wert, wenn er dann vielleicht bald deutlich weniger Zeit an diesem Gestüt verbringen konnte. Da würde er es auch aushalten, einen Monat lang mit dem Mädchen "zusammenzuarbeiten", wenn man das so nennen konnte. Wie auch immer. Sie verabredeten sich für Morgen früh um sieben Uhr, für Matteo die perfekte Uhrzeit, er war sowieso nicht der Langschläfer. Und dann würde noch nicht so viel los sein, sowohl für Matteo angenehmer als auch sicherlich für Tobago. Nachdem sie sich auf eine Zeit geeinigt hatten, lief Matteo erstmal wieder hoch in die Wohnung, wo er in seine Reithose und seine schwarzen Stiefel schlüpfte. Wenn er jetzt eine Runde Dressur reiten würde, dann brauchte er auch anständiges Schuhwerk. Er hatte zwei Paar Reitstiefel: Einmal Dunkelbraune, welche er gerne fürs Ausreiten oder Springreiten verwendete, auch gerne Mal für die Bodenarbeit. Sie waren super bequem. Für die Dressurarbeit hatte er schwarze Stiefel, diese waren edler und Matteo trug sie gern für die Dressurarbeit, das Gesamtbild war dann einfach schön. Als er in der Wohnung fertig war machte sich Matteo auf den Weg zu seiner Stute auf die Weide. Er freute sich sehr auf Sadiiqua und eine Runde Dressur mit ihr zu reiten. "Na meine Hübsche, gehts dir gut?", fragte er sie leise und strich ihr über die Stirn. Sie fühlte sich hier tatsächlich sehr wohl, sie hatte sich schnell in die Herde eingelebt und genoss es auf den großen Weiden zu toben und zu rennen. Matteo seufzte, wenn er es hier doch nur auch so schön finden könnte... Der junge Mann holte seine Araberstute von der Weide und brachte sie zum Putzplatz, wo er sie mit ausgiebigen Streichel und Massage Einheiten verwöhnte sowie den groben Dreck, den sie sich beim Wälzen auf der Weide eingefangen hatte, aus dem Fell löste, sodass sie bald wieder schön glänzte. Die Hufe genossen Pflege sowieo Mähne und Schweif, die Matteo sehr vorsichtig wieder auf Vordermann brachte. Er holte sich seinen Dressursattel aus der Sattelkammer sowie den gebisslosen Zaum und machte Sadiiqua reitfertig. Der Helm fand seinen Platz auf dem Kopf des Italieners, die Gerte in seiner Hand. Dann führte er seine Bella auf einen freien Reitplatz und stieg auf. Locker ritten sie sich auf vielen gebogenen Linien warm, Sadiiqua stellte sich schnell als motiviert heraus, sie schnaubte zufrieden ab und Matteo lobte sie, dass sie sich so gut und so locker in allen Gangarten löste. Nach der ausgiebigen Lösungsphase nahm Matteo die Zügel nach und nach weiter auf, seine Stute suchte super die Anlehnung und trat gut an den Zügel heran. Matteo begann mit einfachen Dressur Lektionen, vielen Seitengängen, Verstärkungen und Versammlungen sowie einfachen Wechseln. Nach und nach steigerte er den Schwierigkeitsgrad und Passagen ein sowie Einerwechsel im Galopp durch die Diagonale. Es hatten sich ein paar Zuschauer am Zaun zusammengefunden, die Matteo allerdings überhaupt nicht wahr nahm. Er freute sich, dass seine Stute so gut drauf war, mit ihr machte Reiten wirklich Spaß. Matteo verlangte nun noch mehr Versammlung und ritt ein paar Galopppirouetten sowie eine Piaffe, die wohl zu Sadiiquas Parade Disziplinen gehörte, sie piaffierte wirklich wunderschön und hob die Beine schön an, auch wenn Matteo sie manchmal mit der Gerte nochmal am Vorderbein antippen musste, dass sie nicht schludrig wurde. Letztendlich parierte er durch zum Schritt und lobte die Stute ausgiebig, das hatte sie toll gemacht. Matteo parierte durch und machte sein Pferd kurz mit einem Schnalzen aufmerksam, bevor er ihr mit dem Arm in dem er seine Gerte hielt ein kleines Zeichen gab und sie Steigen ließ. Sadiiqua erhob sich und Matteo lobte sie wieder ausgiebig, als sie wieder stand. "Brave Maus, du machst das toll", stellte er fest und strahlte, er war so stolz auf sie und auch Sadiiqua schien Spaß zu haben, sie schnaubte zufrieden ab. Matteo ließ sie noch ein paar Tritte im Spanischen Schritt gehen, bevor er ihr die Zügel komplett hingab und sie noch einige Runden trocken Ritt. Sadiiqua war für ihn immer wieder er Beweis, dass man auch pferdegerecht und gebisslos eine schwere Dressur reiten konnte. Viele Lektionen konnte er sogar komplett ohne Zügel und nur mit Halsring reiten, wenn auch nicht so akkurat wie jetzt. "Super mein Schatz, du bist die Beste", lobte er sie und strich ihr liebevoll über den Hals. Erst als Matteo abstieg und den Reitplatz verließ, würdigte er seine Zuschauer eines Blickes, es waren die drei Typen, die ihn schon ein paar Mal mit dummen Kommentaren genervt hatten. Jetzt schauten sie nur blöd, wie die Goldfische im Glas. Matteo schüttelte den Kopf und lief mit Sadiiqua vom Reitplatz herunter. Er genoss es nicht, wenn Menschen ihm zusahen oder sogar irgendwie begeistert waren, was er ritt. Es war ihm eigentlich wirklich egal. Natürlich freute er sich immer über Anerkennung aber er suchte sie keinesfalls und bildete sich auch nichts auf sein Reiten ein. Daher beachtete er die Jungs auch nicht weiter, sondern marschierte einfach mit seiner Stute zurück zum Putzplatz und machte sie wieder weidefertig.



Am nächsten Morgen wachte Matteo durch das Klingeln seines Weckers auf und schwang sich direkt aus dem Bett. Er fühlte sich fit, das Wetter war super und so freute er sich auf den Ausritt, auch wenn Romi dabei war. Der junge Mann hatte gute Laune. Im Bad machte er sich frisch und brachte die wilde Haarpracht zumindest ein wenig unter Kontrolle. Matteo schlüpfte in seine weinrote Reithose und zog sich ein hellgraues Polo an, die ebenfalls grauen Reitsocken zog er über die Hose und dann schlüpfte er noch in seine braunen Reitstiefel. Sein Helm war sowieso unten am Stall. So lief er dann nach unten, wo er erst nochmal kurz bei Sadiiqua vorbei schaute, der er einen Apfel gab und sie kurz kraulte. Pünktlich wie er war, kam er dann aber auch schon im Stall an, Tobago war schon nicht mehr in seiner Box, also marschierte er zum Putzplatz, wo Romi schon mit dem Wallach sowie einem ihrer eigenen Pferde stand. "Guten Morgen", begrüßte er sie, er hatte gute Laune und das merkte man ihm an, die würde er sich so schnell auch nicht vermiesen lassen. Tobago gab er ebenfalls noch einen Apfel zur Begrüßung, bevor er sein Putzzeug holte und begann ihn zu bürsten, Putzen war eine ganz wichtige Tätigkeit um eine Bindung zum Pferd aufzubauen und Matteo machte das wirklich gern. "Gehst du eigentlich noch zur Schule?", fragte er Romi, er konnte ja zumindest Mal versuchen irgendwie ein Gespräch anzufangen, sie mussten sich ja nicht den ganzen Ausritt lang anschweigen. Darauf hatte er auch keine Lust. Aber naja, ob sie das annahm war ja ihre Entscheidung. Matteo hatte den Wallach bald ausgiebig geputzt und sich auch seine Hufe angeschaut, sodass er das Sattelzeug sowie seinen Helm holte und zum Putzplatz trug. Er schnallte die Gamaschen an Tobagos Beine, legte die Schabracke auf den Rücken des Pferdes und dann den Sattel darauf, verschnallte alles erstmal locker, bevor er dann die Trense nahm. Es war ein mexikanisches Reithalfter und Matteo zog es Tobago behutsam über den Kopf. "Welche Zäume habt ihr bei ihm bisher ausprobiert?", fragte er Romi, während er das Reithalfter verschnallte. Das war ja auch immer ein wichtiger Punkt, wenn es um die Zufriedenheit des Pferdes ging. Und es gab so viel Verschiedenes, da war auch für jedes Pferd etwas dabei. Der Italiener stellte die Steigbügel des Sattels ein und setzte seinen Helm auf.


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