#26

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 10.08.2017 22:01
von Alex • Senior Member | 5.846 Beiträge | 1040274 Punkte

Ich konnte es verstehen, dass Jendrik sich bei dem Gedanken, die Kleine hier bei fremden Menschen von einem ganz anderen Kontinenten zu lassen, am liebsten direkt wieder dagegen entschieden und Eska wieder mitgenommen hätte. Doch Fakt war, dass das Mädchen hier auf der Insel gestorben wäre, wenn wir nicht zufällig hier gelandet wären. Ob man der Mutter Natur dazwischen funken sollte, war eine ganz andere Sache. Doch wenn die Möglichkeit bestand, dass Eska weiter leben konnte, musste man diese doch nutzen. Von dem Essen hier an Bord war Jendrik jedenfalls nicht begeistert, was ich schnell an seinem skeptischen Blick bemerkte. Dieser brachte mich zum lachen. "Schau nicht so.", tadelte ich ihn grinsend und schob mir den nächsten vollen Löffel in den Mund.
Zurück in dem Zimmer bei Eska und dem Arzt kippte die Stimmung recht schnell. Der Arzt hatte sich zügig von dem Einheimischen entfernt, nachdem er die Hand auf dessen Schulter gelegt hatte. Anscheinend hatte er gemerkt, dass Jendrik das definitiv nicht wollte. Traurig ging ich zu Eska und seine Frage machte mich stutzig. "Wieso sollte ich nicht um sie weinen? Ich kenne sie nicht, aber trotzdem geht mir ihr Schicksal sehr nah.", erklärte ich mit schwacher Stimme und zuckte mit den schmalen Schultern. Vorsichtig ergriff ich die schwache Hand der Kleinen, fuhr mit den Daumen darüber. Kurzzeitig legte ich meine freie Hand auf Jendrik's Oberschenkel, schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln, welches aber nicht so ganz gelang. Relativ schnell war er dann aber auch schon wieder verschwunden. Ich hörte ein Brüllen. Sicher dieses Ungeheuer. Ich konnte es immer noch nicht fassen. Dinosaurier. Im 21. Jahrhundert. Wie konnte das bitte sein? Kopfschüttelnd wies ich den Arzt an, sich gut um Eska zu kümmern und mich sofort zu informieren, wenn es Neuigkeiten gab. Da es jetzt aber doch schon recht spät war, suchte ich meine eigene Unterkunft auf, machte mich Bett fertig und verzog mich unter die schöne Decke, welche mit einem feinen Rosenmuster bestickt war. Einschlafen konnte ich lange nicht, meine Gedanken kreisten viel zu sehr um Eska, Jendrik, die Einheimischen, die Dinos und diese verrückte Insel an sich. Deswegen war ich schon vor Sonnenaufgang wieder wach, joggte mit meinem Hund den Strand entlang und stattete dann direkt Eska einen Besuch ab. Die Kleine wurde wach und war erst einmal total verängstigt, doch mir gelang es mit Hilfe meiner Süßen, das Mädchen schnell zu beruhigen. Ihr ging es immer noch schlecht, aber der Arzt erklärte mir in einem Gespräch, dass sie es wohl überleben würde. Überglücklich zog ich mir in meinen vier Wänden schnell einen Bikini an und warf eine lockere, durchsichtige Tunika darüber, schlüpfte in Sandalen und schnappte mir meinen Hund. "Komm, Süße. Wir müssen Jendrik finden und ihm davon erzählen."
Die Hündin war sofort Feuer und Flamme und rannte einige Meter vor mir in den Urwald. "Jendrik!", schrie ich immer wieder lautstark. Ich kannte mich hier nicht aus und wollte mich nicht verlaufen. Und die Tatsache, dass es hier von Dinosauriern nur so wimmelte, machte es auch nicht gerade besser.


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#27

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 11.08.2017 00:38
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Nach früheren Erzählungen hatte schon die Ankunft eines einzigen Weißen für Aufregung gesorgt und vieles verändert, Aufruhr und Unsicherheit mit sich gebracht. Wenn ein einziger es schaffte, das Dorf so aufzuscheuchen, wie würde es dann erst jetzt sein, wo eine riesige Mannschaft hier aufschlug und ein eigenes Lager errichtete. Noch schlimmer war aber wohl, dass ich ein kleines Mädchen unseres Stammes in ihrer Obhut ließ, weil sie sonst vermutlich sterben würde. Wenn sie es nun dennoch tat, dann würde es meine Schuld gleichermaßen sein. Ich hatte sie her gebracht und dann auch noch hier gelassen. Ich musste mich dafür verantworten vor dem Rat, meinem Vater dem Häuptling und der Familie von Eska. Und das war die Familie meiner Versprochenen. Wenn etwas passierte, würde mich das alles kosten. Und dennoch war nicht ich derjenige, der weinte. Es war die weiße junge Frau zu meiner Seite, die glitzernde Tränen in den Augen stehen hatte und mir erklärte, dass es ihr eben nahe ging. Ich musterte sie, wie sie die Hand des Mädchen nahm, doch ich zuckte kurz, als sie ihre Hand auf meinen Oberschenkel legte. Irgendwie hatten die Weißen es so mit Berührungen. Erst der Arzt, jetzt sie. Ich kannte das nicht so. Es war zwar nicht so, als wäre körperliche Nähe etwas schlechtes, aber unter Fremden - vor allem Fremden eines fremden Stammes, die hinter den großen Wassern lebten? Sie waren verwirrend. Wie hier alles aussah, wie sie sich bewegten, wie sie sprachen und was für Dinge und Medizin sie hatten. Alles sah anders aus und ich konnte es noch nicht einmal erkunden, denn ich war nur wegen Eska mit auf dieses Schiff gekommen und hatte keine Zeit und keine Augen dafür, mir hier alles anzusehen, zu hinterfragen und zu verstehen.
Auch auf dem Weg nach draußen beeilte ich mich, ließ mir keine Zeit irgendetwas genauer zu betrachten. Ich fixierte nur wenige Punkte, an denen ich meinen Weg erkannte und ignorierte auch neugierige oder skeptische Blicke von den Leuten, die mir begegneten. Sie waren mir egal momentan, auch wenn ich ihnen nicht vertraute. Noch ein Grund, schnell hier weg zu kommen so unauffällig wie möglich. Nur als ich zum Wald hinauf lief, war ich so nachlässig bereits früh nach Alkje zu pfeifen, die mir freudig antwortete. Kurz wandte ich mich einmal um, sah verwirrtes Umherschauen der Männer, die gerade am Strand waren um irgendetwas auszupacken. Ich ließ sie einfach hinter mir, verschwand mit meinem riesigen Gefährten tief im Dschungel auf dem Weg zurück zu meinem Volk. Sobald ich dort angelangt war, suchte ich nach meinem Vater und dem Rat, fand sie auch bei ihrem mittaglichen Essen. Ich setzte mich zu ihnen, verneigte mich in Hochachtung. "Es tut mir leid, euch zu stören, doch ich habe schlechte Nachrichten. Eska ist im Kampf mit dem Tod. Sie ist... bei dem Mediziner der Weißen und..-", weiter kam ich gar nicht. "Wie bitte? Wie kannst du sie bei denen lassen? Du weißt doch gar nicht, was die mit ihr machen?", fluchte mein Vater ungehalten. Kurz biss ich die Zähne zusammen. "Ich weiß, es blieb mir keine andere Wahl. Ich werde sie holen, sobald sie wieder stark genug dafür ist. Oder.. sobald ihr Atem versiegt", wandte ich ein mit einem leisen Seufzen. "Ich wollte euch nur in Kenntnis setzen und einen bitten, mit mir zu kommen um sie zu holen, weil ich nicht Entscheidungsträger bin", erklärte ich höflich, während ich mich wieder erhob. "Du darfst alleine gehen, ich erachte dich als erwachsen genug. Du hast es begonnen, in deiner Verantwortung wird es auch enden", meinte mein Vater. Ich verneigte mich nur still. Es war gleichermaßen Bürde und Ehre. "Ich werde die Familie benachrichtigen", erklärte ich noch, ehe ich ging. Schnell brachte ich in Erfahrung, dass Eskas Vater mit den Kriegern unterwegs war und ihre Mutter wurde auch gebraucht um auf die Kinder des Dorfes aufzupassen. Sie war erschüttert und besorgt, schickte mich aber zu Edonita weiter. Sie fand ich in der Weberei, wo sie gerade arbeitete. Kurz beobachtete ich sie. Sie war hübsch und geschickt, ein gutes Mädchen. Sie würde eine gute Frau für mich sein, aber ich liebte sie nicht. "Edonita?", sprach ich sie an. Sie hob den Blick, lächelte mir entgegen und trat zu mir. "Deiner Schwester geht es nicht gut. Sie ist bei den Weißen. Komm bitte mit mir um sie abzuholen. Du kannst am besten auf sie aufpassen"; meinte ich. Bei ihrem bestürzten Gesichtsausdruck legte ich kurz eine Hand an ihren Arm, geleitete sie dann nach draußen. In der Dorfmitte ging ich zu unserem Lebensstein-Altar, nahm ein kleines Bruchstück, das neben dem Hauptstein lag und wand ein Band darum. Ich wollte es Eska mitbringen. Die direkte Nähe zu einem Stein konnte einem sehr helfen. Sie rief ihren Saurier herbei, einen zweibeinigen Pflanzenfresser, der etwa eine Armlänge größer war als ein Mensch und mit einer Art Sattel sehr gut zu reiten war. Ich schwang mich wie immer auf den sehr hohen Rücken meiner Saurierdame, die sich in der Pause einen Snack verdient hatte und deshalb noch Blut an den Zähnen hatte. Ich sah darüber hinweg, immerhin sollten wir uns beeilen. Ich führte unseren Weg an, den wir größtenteils schweigend verbrachten. Irgendwann in der Nähe von da, wo ich Ariana das erste mal getroffen hatte, hörte ich ihre Stimme. Sie schrie förmlich meinen Namen, eine Tonlage konnte ich nicht heraushören, aber ich machte mir sofort wieder Sorgen. Ich trieb Alkje ein wenig an, schneller zu laufen, bis ich sie erblicken konnte. Noch während mein Saurier lief, ließ ich mich von ihrer Seite gleiten um selbst die letzten Schritte zu Ariana zu laufen. "Was? Ist Eska...?", ich ließ die Frage offen, doch anhand meiner Mimik und Tonlage ließ sich erkennen, dass ich das schlimmste befürchtete. Ansonsten hätte ich mir nämlich auch wieder die Zeit genommen, ihr zu sagen, dass sie nicht so schreien sollte. Nur Beutetiere schrien so viel und in hoher Tonlage. Und es wäre schlecht, wenn sie eine Horde Raptoren oder ähnliches anlockte.


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#28

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 28.09.2017 13:10
von Alex • Senior Member | 5.846 Beiträge | 1040274 Punkte

Nach einiger Zeit hörte ich endlich die bekannten Geräusche dieses Monsters. Mir lief es ein weiteres Mal eiskalt den Rücken hinunter. Widerlich. Unfassbar. Ich kam nach wie vor nicht damit klar, dass auf dieser komischen Insel nach wie vor Dinosaurier lebten. Wir Menschen in der zivilisierten Welt lebten in dem Glauben, dass diese Tiere schon vor sehr vielen Jahren ausgestorben waren. Ausgelöscht. Nur Knochen tauchten immer wieder mal auf, die bewiesen, dass es echt man Saurier gegeben hatte. Doch hier waren es keine Knochen. Hier waren es lebendige Tiere. Ich schüttelte den Kopf. Ich hatte die Gespräche der Männer am Schiff gehört. Inzwischen hatten sie wohl alle irgendwelche kleineren und ungefährlichen Gattungen entdeckt und mussten sich genauso wie ich damit abfinden. Ich wusste von den Plänen, die sie bereits schmiedeten. Sie wollten die Dinos einfangen, mit in unsere Welt nehmen. Oder a la Jurassic Parc / World hier eine Art Besucherpark einrichten. Was die Ureinwohner wohl davon hielten? Wahrscheinlich wenig bis gar nichts. Die Filmreihe hatte doch bereits gezeigt, dass sowas nicht funktionierte. Wie konnte man dann auf die Idee kommen aus einem Film Realität zu machen? Erneut schüttelte ich den Kopf und streichelte Akita, die etwas ängstlich direkt neben mir lief und sich an meine Beine drückte. Sie schien von den Dinos nicht viel zu halten und da Jeldrik wohl ganz in der Nähe war, schien sie die Gerüche seines Haustiers aufzunehmen. "Ruhig, meine Süße.", murmelte ich und griff vorsichtshalber nach ihrem Halsband. Zwar rechnete ich nicht damit, dass der Husky den Dino angreifen würde, doch sicher war sicher. Kurz darauf tauchte endlich der junge Mann zu Fuß auf und kam sofort auf Eska zu sprechen. Ich brachte die letzten Meter Abstand hinter uns und legte ihm beruhigend eine Hand auf die Brust. "Ganz ruhig.", meinte ich mit sanfter Stimme und lächelte ihn mit strahlenden Augen an. "Eska geht es gut, Jeldrik.", informierte ich den Einheimischen dann glücklich und fuhr fort. "Sie ist noch sehr schwach und es wird eine Zeit lang dauern, bis sie wieder ganz gesund ist. Doch sie wird es überleben.", meinte ich erleichtert und meine Augen schimmerten verdächtig. Sofort biss ich mir auf die Unterlippe. Ich wollte nicht schon wieder weinen. Jeldrik musste sonst was von mir denken. Doch es freute mich wahnsinnig, dass das kleine Mädchen auf dem Weg der Besserung war. "Der Arzt meint, sie kann sehr bald schon wieder in euer Lager zurückkehren. Vielleicht sogar schon heute Abend.", erzählte ich freudestrahlend und nahm erst jetzt meine Hand wieder von seiner warmen Haut weg, da mich sein Herzschlag nervös machte. Erneut biss ich mir auf die Lippen und krallte meine Finger in das Halsband meiner Hündin. Was war nur los mit mir? Ich hatte fast mein ganzes Leben auf Reisen verbracht. Abgesehen von meinem Vater, Akita und seiner Crew hatte ich niemanden. Erst Recht nicht Jugendliche in meinem Alter, Freunde oder gar einen Freund. Ich war Jungfrau, ungeküsst und hatte absolut keine Erfahrungen mit dem männlichen Geschlecht. Diese besagte Liebe kannte ich nur aus den zahlreichen Filmen, die ich gesehen hatte. Manchmal wünschte ich mir ein normales Leben, doch letztendlich war ich auch überglücklich mit dem Leben, welches ich seit dem Tod meiner Mutter führte.


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#29

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 06.12.2017 02:05
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Mir gefiel es nach wie vor nicht, dass das fremde "Volk" sich hier am Rande der Küste breitmachte und die Insel wahrscheinlich erforschte. Dass es nicht wirklich das Volk sein konnte, war mir bereits aus Erzählungen bekannt und auch sonst wäre es nicht möglich, da es im Vergleich doch sehr viele Männer und viel zu wenig Frauen waren. Eine davon war das hübsche Mädchen mit dem guten Herzen. Zumindest glaubte ich, dass sie ein gutes Herz hatte und sie das nicht so gut vorspielen konnte. Dennoch mochte ich ihr noch nicht so richtig trauen und erst recht nicht dem Rest. Was, wenn sie von den Sauriern angegriffen wurden, wenn sie sie überhaupt fanden. Die Saurier waren eigentlich keine natürlichen Fressfeinde von uns Menschen, sie waren unser Volk gewöhnt und in der Regel gingen wir unserer Wege. Aber sie würden nach den ersten Tagen irgendwann auswittern und auskundschaften, dass diese hier anders waren und keine eigenen Saurier zum Schutz hatten. Gerade die Veloceraptoren waren sehr intelligente Rudeljäger. Irgendwann würden sie angreifen. Und wenn die fremden Menschen eine schlechte Erfahrung mit für sie eigentlich ausgestorbenen Tieren machen würden, das würde sicher nicht gut ausgehen. Auch nicht für unser Dorf und unsere Dinos. Wer würde schon meine Alkje gerne in seiner Nähe haben, wenn er die Bindung nicht verstehen konnte. Und ich würde es nicht zulassen, wenn sie versuchen würden sie mir wegzunehmen. Kurz strich ich ihr liebevoll über die raue, robuste Haut, ehe ich mich von ihrem Rücken gleiten ließ, als ich Ariana sah. Kurz vergaß ich glatt, dass auch Edonita mir folgte, aber da Alkje auch um einiges schneller war als ihr Pflanzenfresser und wir hatten sie ein wenig abgehängt. Ich hatte das Gefühl, die Hübsche mit dem goldenen Haar würde sich ein wenig unbehaglich fühlen, aber ich schob es einfach mal auf Alkje, die sich hinter mir aufrichtete und mit geblähten Nasenflügeln und schräg gelegtem Kopf das kleine plüschige Wesen witterte und mit ihren Echsenaugen fixierte. Ein leises gurrendes Geräusch verließ ihre große Kehle in dem scheinbaren Versuch Kontakt mit ihr aufzunehmen. Ich ignorierte es einfach, mehr tun würde sie eh nicht ohne meine Erlaubnis. Außerdem hatte ich erst einmal wichtigeres zu klären. Ich ließ die Berührung von Ariana zu, auch wenn es ungewohnt für mich war und ich aus Reflex kurz verspannte, ehe sich meine Muskeln wieder lockerten. Bei ihren Worten fiel auch noch die innere Anspannung von mir ab. Ich schloss kurz meine Augen, murmelte nur ein Stoßgebet auf meiner Sprache, ehe ich sie wieder ansah und lächelte. Ich sah das Schimmern in ihren Augen, schmunzelte minimal darüber. Sie schien mir so unglaublich herzlich. "Es ist kein Lager. Was ihr am Strand habt, ist ein Lager. Wir haben ein Dorf", kommentierte ich schmunzelnd, aber es war eine irrelevante Diskussion. Viel weiter kam ich auch nicht, denn hinter Alkje trat auf lautlosen Sohlen Edonita hervor. Sie hielt einen Dolch in der Hand, nicht erhoben, eher skeptisch. "Wer ist das? Wo ist Eska?", fragte sie mich in unserer Sprache, blickte misstrauisch von mir zu Ariana und ihrem Hund. Man sah ihr deutlich das Unbehagen an. Und auch ein wenig die Eifersucht. Sie war immerhin die mir Versprochene, doch empfand ich nichts für sie und kam ihr auch nicht nahe. Ariana hingegen hatte mich gerade anfassen dürfen. Gut, es war zwar nicht geplant und gewollt von mir gewesen, aber geduldet. "Das ist Ariana, sie hat Eska aufgenommen. Sie ist in Ordnung", erklärte ich beschwichtigend und deutete ihr mit einer lockenden Handbewegung näher zu kommen. Als sie schließlich an meiner Seite stand, näher als ich es eigentlich wollte, blickte ich wieder Ariana an. "Das ist Edonita, Eskas Schwester", stellte ich sie vor. Eine Hand hob ich an meine Brust, umschloss die beiden Ketten mit den Lebenssteinen, die leicht bläulich vor sich hin schienen. Eine trug ich selbst seit jeher. Wir waren stärker, wenn wir einen Stein bei uns trugen. Der große in der Dorfmitte hielt uns am Leben; wenn wir zu lange weit entfernt waren, schwächte uns das, machte uns anfälliger für Krankheiten. Den zweiten wollte ich deshalb Eska bringen, damit sie schnell wieder auf die Beine kam. Sie hatte nämlich noch keinen eigenen. Sie war ein Kind, sie würde sie nur verlieren und war sowieso immer in der Nähe des Dorfes. "Wir würden gerne zu ihr, ich habe etwas für sie", meinte ich, man hörte kurz das Zögern, als ich 'wir' sagte. Ich sprach nicht so richtig gerne von uns beiden. Das fühlte sich so an, als wäre ich mit ihr irgendwie verbunden, aber das war ich nicht. Bald wahrscheinlich, aber bis dahin war es auf jeden Fall komisch.


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#30

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 26.02.2018 22:55
von Alex • Senior Member | 5.846 Beiträge | 1040274 Punkte

Wahrscheinlich waren die Inselbewohner alles andere als begeistert darüber, dass ihre unbekannte Welt auf einmal von fremden Menschen gefunden worden war. Noch dazu ein Forscherteam. Insofern diese Affen überhaupt wussten, was ein Forscher war und tat. Ich seufzte leise. Wir hatten uns dieses Ziel nicht ausgesucht. Wie denn auch, wenn es auf keiner Karte existierte und keiner in unserer Welt davon wusste? Es war unmöglich und ich konnte es nach wie vor nicht glauben. Eine Insel irgendwo im Meer. Bevölkert von einem merkwürdigen Volk. Und statt Hunde, Katzen und sonst was für Haustieren hielten sie Dinosaurier. Waschechte Dinosaurier. Es war wie Jurassic Park oder Jurassic World. Ich kannte diese Filme auswendig, hatte sie tausende Male gesehen. Doch niemals hätte ich gedacht, dass diese Tiere noch existieren. Wie weit musste diese Insel im Nirgendwo liegen, dass sie bisher unbemerkt geblieben war? Wieso blieben vor allem die Flugsaurier hier? Es musste doch möglich sein, dass diese Gattung den Weg über das weite Meer in die zivilisierte Welt fand. Die kurze körperliche Nähe, welche ich zu Jeldrik suchte, schien den jungen Mann jedenfalls ein wenig aus der Bahn zu werfen, weswegen ich ein kurzes "Sorry." murmelte. Konnte ich ja nicht wissen. Ich war ein sehr herzlicher Mensch und knuddelte quasi alles und jeden. Als er mich über den Unterschied zwischen Lager und Dorf aufklärte, verdrehte ich die Augen. "Oh du weiser Jeldrik, sage mir: Wie wird das Wetter morgen?", murmelte ich ironisch und schüttelte den Kopf. Über Bildung wollte ich hier nicht reden, denn ich war mir ziemlich sicher wer hier den Kürzeren ziehen würde. Und diese Person war kein 16-jähriges blondes Mädchen, welches immer Hauslehrer hatte. Wobei in meinem Fall waren es wohl eher Schifflehrer gewesen. Wie auch immer. Ich zuckte zusammen als hinter Jeldrik eine junge Frau auftauchte, wahrscheinlich etwa in seinem Alter und aus seinem Dorf. Der Dolch in ihrer Hand entging mir nicht, weshalb ich sofort abwehrend die Hände hob. Ich trug keine Waffen bei mir. Wieso denn auch? Wobei...die Tatsache, dass nur wenige Meter von mir entfernt ein verdammter Dinosaurier stand, bot eigentlich einen guten Grund dazu. Ich seufzte und nahm mir vor demnächst die Waffenkammer im Schiff aufzusuchen. Dort war alles mögliche. Messer, Schwerter, Granaten, Schusswaffen. Alles, um unsere Sicherheit im Falle eines Falles zu gewährleisten. Mein Vater hatte mir den Umgang mit diesen Waffen beigebracht und ich beherrschte es auch einigermaßen. Als das Mädchen sich in einer fremden Sprache an Jeldrik wandte, zog ich schmunzelnd und amüsiert zugleich die Augenbrauen nach oben. Das klang echt seltsam. Kurz darauf wurde mir die Fremde jedoch auch schon vom weißen Jeldrik höchstpersönlich vorgestellt. Weiser Jeldrik. So würde ich ihn ab jetzt nennen. Edonita. Die Schwester der Kleinen. "Ah.", gab ich zurückhaltend von mir. Normalerweise hätte ich diese Edonita ja direkt fest gedrückt und ihr links und rechts ein Bussi auf die Wange gegeben. Aber nachdem Jeldrik eben schon so merkwürdig reagiert hatte und vor allem in Anbetracht des Dolches unterließ ich es lieber und hob nur grüßend die rechte Hand. "Ariana Felicia Campell. Aber am besten einfach nur Ari.", meinte ich und hoffte, dass diese Edonita zumindest halb so gutes Englisch sprach wie der weise Jeldrik. Vielleicht war sie ja die weise Edonita. Das war eigentlich ein echt schöner Name. Genauso wie Jeldrik und Eska. Hatte ich noch nie gehört und ich interessierte mich sehr für exotische Vornamen. Eben dieser weise Jeldrik riss mich aus meinen Gedanken. "Wir?", wiederholte ich und zog erneut die Augenbrauen hoch. Er meinte wohl Edonita und sich. "Sicher, dass sie das will?", fragte ich sehr skeptisch nach und musterte die junge Frau von Kopf bis Fuß. Wenn Jeldrik schon als Mann so ängstlich war, wie würde dieser Unschuldsengel dann reagieren? Ich zuckte mit den Schultern. "Kommt mit. Eure Kuscheltiere würde ich aber lieber hier lassen. Sonst landen sie wohl ausgestopft in einem Museum.", riet ich beiden und war froh, dass ich bereits mit dem Rücken zu ihnen stand. So konnte niemand mein Grinsen sehen. Tatsächlich war es sehr wahrscheinlich, dass Papa's Männer die Dinos früher oder später jagten und tot oder lebendig in unsere Welt brachten. So wie auch in Jurassic Park. Oder King Kong. "Akita, komm.", rief ich und die Huskydame setzte sich sofort in Bewegung. Sie schien sich hier wohl zu fühlen. Damit war sie definitiv alleine. Ich hatte zwar schon vieles gesehen und erlebt, war demnach auch abgehärtet, doch diese verdammte Insel machte mir einfach tierisch Angst. Wortlos stapfte ich also mit Akita neben mir zurück zum Strand. Dort war niemand zu essen. Es war bereits Abend, also war die Mannschaft wohl gerade im Schiff essen. "Kommt.", meinte ich zu meinen Anhängseln und betrat das Schiff, um anschließend das Zimmer des kleinen Mädchens anzusteuern. Kurz klopfte ich, ehe ich die Tür öffnete. Kaum hatte ich den Raum betreten, sprang Eska auch schon von der Couch ab und rannte kreischend auf mich zu. "Ariiiiii wo warst du?", meinte sie ganz enttäuscht und sprang an mir hoch. Akita bellte und ich lachte. "Ich hab Besuch mitgebracht, Liebes.", erklärte ich und deute auf Jeldrik und Edonita. Eska schenkte ihrer Schwester nur kurz ein breites Grinsen, ehe sie fröhlich zu plappern begann. "Ari hat mich eine Serie schauen lassen. Sie heißt 'Horseland' und ist in ihrer Heimat richtig beliebt bei Kindern." Ich hatte ihr bereits einige Sachen erklärt. Unter anderem den Fernseher und was ein Film oder eine Serie war. "Wisst ihr, was ein Pferd ist? Ari sagt, Pferde sind sehr beliebte Tiere und man kann sie reiten wie wir unsere Dinos. Ich hätte viel lieber so ein Pferd statt einen Dino, Jeldrik.", stellte Eska fest und verschränkte trotzig die Arme vor der Brust. "Wie ihr seht, geht es ihr schon viel viel viel besser.", stellte ich lachend fest und legte der Kleinen die Hand an die Stirn. "Sie hat auch kein Fieber mehr.", ergänzte ich zufrieden.


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#31

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 01.03.2018 01:59
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es war von mir wirklich nicht böse gemeint gewesen, dass ich die Umarmung von Ariana nur etwas verspannt über mich ergehen ließ und nicht erwiderte. Ich war es einfach nicht gewohnt. In unserem Volk war es einfach nicht so üblich, körperliche Nähe auszutauschen. Es kam vermutlich durch das auch sonst so raue Leben, das wir führten. Das Wetter war wechselhaft, selten mehr als ein paar Tage mild. Von heiß und schwül bis kalt stürmisch. Die Umwelt war gespickt von Gefahren. Giftige Pflanzen und schwieriges Gelände und die ganzen Dinosaurier. Man kam nun einmal selten wirklich zur Ruhe um dann wirklich loszulassen um Sanftmut aufkommen zu lassen, war für die meisten einfach schwierig. Bei ihrer ironischen Frage nach dem Wetter schenkte ich ihr ein leises Seufzen. Zumal sie mich als weise bezeichnete. Das war weder mein Titel, noch wahr. Weise war jemand, der wirklich bedeutende Dinge sagte oder tat. Kurz warf ich einen Blick in den Himmel, fühlte der Windrichtung und Temperatur nach. "Morgen wird es regnen", meinte ich dann trocken. Ich wusste, dass ihre Frage rhetorisch gemeint war, aber ich nahm es mir einfach heraus mit etwas Sarkasmus darauf zu antworten. Wobei es vermutlich wirklich regnen würde. Heute war es sehr warm. Wenn es schwül wurde, war so viel Feuchtigkeit in der Luft, die herabregnen konnte und der Wind von der Südseite der Insel brachte meistens Regen.
Als ich die beiden miteinander bekannt gemacht hatte, steckte Edonita den Dolch weg, auch wenn sie nach wie vor sehr misstrauisch und wenig begeistert wirkte. Als Ariana sagte, Edonita dürfte sie auch Ari nennen, wanderten ihre Augenbrauen etwas in die Höhe. Auch Spitznamen waren hier eher nie gesehen. Wir kamen mit einem einfachen Namen zur Welt und im Laufe unseres Lebens, meist in der Pubertät, erlangten wir unseren Ehrentitel. Wir trugen sie mit Stolz und sprachen sie gerne mit aus. Als Ariana nachhakte, ob Edonita wirklich mitwollte, kam diese schnell ein paar Schritte vor, blieb neben Jeldrik stehen und ergriff seine Hand. "Ja, wir beide kommen mit. Ich lasse weder ihn noch meine Schwester noch länger alleine bei dir und deinem .. Volk", sprach sie. Ihre Stimme war nicht so wohlklingend und sanft wie sonst, sondern eher schneidend und abfällig. Ariana hatte wohl keinen guten Eindruck hinterlassen. Gut, sie war nun einmal eine hübsche junge Frau eines fremden Volkes, die mir um den Hals fiel, ihren eigenen Namen kürzte, unbedacht wirkte und ihre Schwester irgendwo hatte, wo Edonita sich nicht auskannte. Ich gebot ihr jedenfalls kein Einhalt und ich ließ auch zu, dass sie meine Hand genommen hatte. Auch wenn ich nichts für sie empfand. Sie war diejenige, die ich vermutlich zur Frau nehmen würde. Sie jetzt zurückzuweisen wäre einfach nur ein schwerer Fehler. Auf ihren Rat hin befahl ich Alkje hierzubleiben, auch wenn ich nicht wusste, was ein 'Museum' war oder was 'Ausstopfen' bedeutete. Eher widerwillig folgte Edonita meinem Beispiel und ließ auch ihren Saurier hier zurück, bevor wie - zum Glück ohne weiter Händchen zu halten - der jungen Blondine folgten. Nach wie vor skeptisch betrat ich hinter ihr die riesige metallene Rampe, die auf das Schiff führte. Edonita folgte - nach wie vor misstrauisch und etwas unsicher. Je weiter wir gingen, desto angespannter wurde sie, hielt ihre Hand immer am Griff des Dolches. Ich konnte ihre Vorsicht verstehen, mochte es hier in den geschlossenen Gängen ohne natürliches Licht auch nicht wirklich. Vermutlich, weil ich es auch nicht verstand. Alles hier war so extrem anders und fremd.
Als wir schließlich den Raum von Ariana betraten, wo wir am Morgen Eska zurückgebracht hatten, und diese loskreischte und der Hund bellte als wir den Raum betraten, zuckte ich zusammen. Meine mir Versprochene ging alarmiert in Kampfbereitschaft, ehe sie die Situation schließlich überblicken und verstehen konnte. Sie atmete auf, steckte ihre Waffe weg und schob sich an mir vorbei. Aber scheinbar war Eska gar nicht so interessiert in ihre große Schwester, sondern nur darin, von ihren neuen Erfahrungen zu reden. Wir standen nur stumm und eher verwirrt da, hatten immerhin keine Ahnung, was sie da erzählte. Scheinbar hatte sie seit dem Mittag den Tag eher wach und sehr neugierig wie eh und je verbracht. Mit fremden Dingen. Die hier nichts zu suchen hatten und sicherlich nicht hilfreich waren auf Dauer. Ich lachte leise auf, als sie meinte, sie hätte lieber ein Pferd - etwas, wovon ich keine Vorstellung hatte. "Mal schauen, was sich da machen lässt", meinte ich,vor ihr kniend, damit ich auf ihrer Höhe war. "Aber erst einmal habe ich hier eine Kette für dich. Du bist ja sowieso schon immer unterwegs, aber dann wenigstens beschützt. Gib gut auf sie Acht, du bist die jüngste, die eine haben darf", sagte ich ihr, nahm eine meiner beiden Steinketten ab und hängte sie ihr um den Hals. Kurz warf ich einen prüfenden Blick zu Ariana, die nochmal nach Fieber fühlte, aber ich schätzte, dass sie nicht wusste, was es war und wie es funktionierte.


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#32

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 01.03.2018 21:00
von Alex • Senior Member | 5.846 Beiträge | 1040274 Punkte

Um ehrlich zu sein fand ich Eska's Reaktion als wir den Raum betraten wahnsinnig geil. Wahrscheinlich hatte Edonita erwartet, dass ihre Schwester sich sehr freute, sie wiederzusehen. Stattdessen interessierte sich das kleine Mädchen eigentlich gar nicht für die zwei jungen Leute. Sie hatte mich in der kurzen Zeit ins Herz geschlossen und ich sie. Auch Akita freute sich über eine neue Spielkameradin, auch wenn die Hündin nicht verstand, dass sie bei Eska vorsichtiger sein musste. Ich verstand nicht wie die Verletzte so ein herzlicher Mensch sein konnte während ihre Schwester ein Eisklotz war. Diese Edonita war mir einfach total unsympathisch. Sie behandelte mich schlecht und Jeldrik schien wohl ihr persönlicher Besitz zu sein. Wahrscheinlich waren sie schon beide verheiratet miteinander und hatten zehn kleine Urwaldkinder. War bei so Völkern doch so üblich. Kinder miteinander verheiraten und die Frau als Gebärmaschine verwenden. Ich konnte darüber nur den Kopf schütteln. Eifersucht zeugte von einem sehr niedrigen Selbstbewusstsein. Edonita war eigentlich ein echt hübsches Ding, doch anscheinend sah sie in mir eine Gefahr. Konkurrenz. Nun ja, ich wusste selbst, dass ich sehr gute Gene hatte. Für meinen Körper trainierten und hungerten andere Mädchen die ganze Zeit, bei mir war es einfach da. Ich fühlte mich deshalb nicht besser, ich war sowieso nicht mit Gleichaltrigen aufgewachsen. Meine Freunde waren die Angestellten meines Vaters und die Menschen, die wir auf unseren Reisen kennenlernten. Doch hier würde ich wohl keine neue Freundschaften schließen. Zumindest konnte ich es mir nicht vorstellen. Vielleicht mit der kleinen Eska, aber sonst? Nein. Eben jene bekam gerade von Jeldrik eine Kette mit einem merkwürdigen Stein dran überreicht. Ich zog skeptisch die Augenbrauen hoch. Dieses Ding sah ja sehr interessant aus. Aber hier gab es wohl kaum Juweliere. Beinahe automatisch wanderte meine rechte Hand an mein dünnes goldenes Halskettchen, an welchem der Ehering meiner Mama hing. Ich trug diese Kette seit ihrem Tod. Bei dem Gedanken an sie durchzog ein stechender Schmerz meine Brustgegend. Ich vermisste sie noch immer jeden Tag und hätte alles dafür gegeben, sie wieder bei zu haben. Ich musste mich dringend ablenken, um nicht in Tränen auszubrechen. "Eska geht es soweit wieder gut.", erklärte ich also mit zittriger Stimme und schluckte kurz, ehe ich fortfuhr. "Ich denke, ihr könnt sie wieder mit in euer Dorf nehmen. Sie sollte sich aber die nächsten Tage noch ausruhen, viel trinken und essen und vor allem...", ich stoppte kurz und lief zu dem Couchtisch, auf welchem einige Tablettenblister lagen. Diese drückte ich Jeldrik jeweils mit einer kurzen Erklärung zur Einnahme in die Hand. "Die soll sie noch nehmen, bis alle aufgebraucht sind.", meinte ich und sah in Eska's Richtung. Sie saß schon wieder auf der Couch und hatte den Husky halb auf dem Schoss. "Eska?", rief ich in ihre Richtung und sie hob fragend den Blick. "Du kannst wieder in euer Dorf." Begeistert sah das Mädchen nicht aus. "Kann ich nicht noch ein paar Tage hier bleiben, Ari?", fragte sie und schob schmollend die Unterlippe nach oben. Konsequent schüttelte ich den Kopf, versprach ihr aber, dass sie jederzeit kommen konnte.


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#33

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 02.03.2018 00:39
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich war wirklich sehr überrascht über Eska. Zunächst einmal, weil sie wieder putzmunter war, als wäre nichts gewesen. Nur einen Hauch Blässe hatte sie zurückbehalten, aber das war es dann auch. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, wenn ich es nicht gerade sehen würde. Unsere Medizin wirkte nicht so schnell, schon gar nicht wenn ein Schlangenbiss schon so lange wirken konnte. Sie wäre bei uns vermutlich wirklich gestorben. Hier hatte es nur einen halben Tag gedauert und sie war wieder fit. Die Faszination stand vermutlich auch deutlich in meiner Miene. Vielleicht hatten sie auch irgendeine Art von Energiestein, der heilen und stärken konnte. Nachdenklich spielte ich an dem bläulich schimmernden Stein an meiner ledernen Kette. Ich verstand selbst auch nicht, wie sie funktionierten, aber sie taten es und das spürte ich jeden Tag aufs Neue. Jeder meines Volkes spürte es. So mancher Kampf wäre ohne sie verloren gewesen und viele wurden auch für diese Steine ausgefochten. Unser Dorf brauchte immerzu einen funktionierenden großen Stein. Erlosch einer, musste ein neuer aus den Bergen geholt werden. Ein langer und gefährlicher Weg, den mehrere bestritten. Nicht selten kam nur ein Bruchteil von ihnen mit einem Stein zurück. Eines Tages würde vermutlich auch ich nach einem Stein suchen. Ich war immerhin Sohn des Stammesführers, hatte einen Kriegerstatus mit Ehrentitel. Es würde eine Ehre werden.
Als ich Eska die Kette gab und einen prüfenden Blick zu Ariana warf, sah ich wie ihr Blick leicht glasig wurde und ihre Hand zu ihrer eigenen Kette wanderte. Ich hätte vielleicht gefragt, was es bedeutete und ob alles okay war. Sie sah ein wenig fertig aus. Allerdings war Edonita hier und machte die ganze Atmosphäre angespannt. Also schwieg ich lieber. Bei ihren nächsten Worten bemerkte ich aber auch ihre zittrige Stimme, nickte aber erst einmal. Sie holte etwas, gab es mir. Neugierig betrachtete ich die Schachtel, die leicht klapperte. Tabletten hießen die Dinger also. Ich sah es mir kurz an, hatte so viele Fragen, aber die Zeit hatten wir dafür nicht. Ich war auch froh, als sie auf Eskas Nachfrage sagte, dass sie nicht bleiben konnte. "Eska du weißt, warum das nicht geht. Aber meinetwegen können wir zu Besuch herkommen", versprach ich der Kleinen. Lieber kam ich mit, als dass sie alleine den Weg her suchte. Und ich wollte noch vieles verstehen lernen.
Schließlich nahm Edonita ihre kleine Schwester an die Hand. "Danke, Ariana. Im Namen von Eskas Familie und meinem Volk", sagte ich mit einem leichten Lächeln, legte ihr kurz meine Hand auf die Schulter. Mehr Nähe wäre mir noch zu viel.
Nach dem kleinen Abschied verließ ich schließlich das Schiff mit den beiden anderen. Auf dem Weg kam uns eine kleine skeptische Gruppe Männer entgegen. Sie schienen nicht ganz zu wissen, wie sie uns einschätzen sollten. Erst tauchte ich hier auf, dann an diesem Tag mit einer jungen Frau und einem Kind. "Und Morgen besetzen sie mit dem ganzen Volk unser Schiff"; hörte ich noch ein leicht wütendes Schnauben von einem der Männer, als wir um eine Kurve bogen. Ich warf ihm noch einen bösen Blick zu, ehe wir schließlich über die Rampe zurück zum Strand gingen. Eska plapperte ganz viel vor sich hin, versuchte uns zu erklären, was sie alles gesehen hatte und beschwerte sich ein bisschen, dass sie nicht bleiben konnte. Auf dem Rückweg zum Dorf nahm ich sie auf Alkjes Rücken mit, weil hier oben deutlich mehr Platz war als auf Edonitas kleinerem Pflanzenfresser. Zumal es einfach cooler war. Aber von der anfänglichen Begeisterung der Höhe blieb dank den schaukelnden Schritten nicht mehr so viel, denn das Mädchen schlief in meinen Armen ein.


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#34

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 03.03.2018 14:25
von Alex • Senior Member | 5.846 Beiträge | 1040274 Punkte

Nachdem Jeldrik sich bedankt und verabschiedet hatte, geleitete ich die drei Ureinwohner noch aus dem Schiff hinaus. Ich wusste nicht, ob sie alleine den Weg gefunden hätten und wollte auch nicht, dass sie meinen Leuten begegneten. Kaum hatten sie aber den Erdboden betreten, drehte ich mich um und pfiff nach Akita, welche Eska nur zu gerne gefolgt wäre. "Kita, komm her, Mäuschen.", rief ich ihr zu und schlenderte über das Deck des Schiffes, sah auf das weite Meer hinaus und seufzte ein wenig deprimiert. Bisher hatten meine Leute hier nicht so viel getan. Doch das würde sicher alles noch kommen. Kopfschüttelnd strich ich mir eine helle Haarsträhne hinters Ohr und beschloss, selbst essen zu gehen. In der Kantine stieß ich auf meinen Vater. "Ari, da bist du ja. Ich muss dringend mit dir reden!", rief er und winkte mich zu sich. Seine Stimme klang wenig begeistert und strenger als sonst. Na prima. Irgendetwas lag in der Luft. Ich schnappte mir etwas zu essen und ließ mich schließlich an seinem Tisch nieder. "Was gibt es, Daddy?", erkundigte ich mich und unterzog mich seinem kritischen Blick. "Ich verstehe ja, dass du den Inselbewohnern helfen willst. Aber das geht einfach nicht, Liebes. Erst schleppst du diesen jungen Kerl an, dann ein kleines Mädchen und dann kommt auch noch ein weiteres älteres Mädel hier an. Meine Leute reden schon...", fing er an und ich seufzte. "Daddy...das kleine Mädchen war Eska und sie war doch schwer verletzt. Ohne unsere Hilfe wäre sie gestorben. Die Ältere war ihre Schwester und der junge Mann...", ich stoppte. Wer war Jeldrik denn. "..ist echt super lieb.", murmelte ich und errötete. Mein Vater zog skeptisch eine Augenbraue nach oben. "Ari, halte dich bitte von diesen Wilden fern. Wir wissen nichts von ihnen. Versprich es mir, mein Schatz. Ich will nicht auch noch dich verlieren...", murmelte er und ich nickte leicht. "Versprochen. Hab dich lieb."
Nach dem Abendessen begab ich mich in meine Suite, duschte und machte es mir auf der Couch bequem. Irgendwann wurde ich aber so müde, dass ich noch auf der Couch einschlief. Wach wurde ich irgendwann mitten in der Nacht durch laute Geräusche, welche wohl vom Strand kamen...


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#35

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 03.03.2018 21:10
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Inzwischen war ich zwar ein paar Mal schon hier lang gegangen auf diesem riesigen komischen Ding namens Schiff. Dennoch würde ich mich vermutlich verlaufen in diesen merkwürdigen Gängen. Es gab so viele Türen, so viele Winkel und immer zu dieses künstliche Licht, das weder von Sonne noch von Feuer kam. Unsere Steine hatten zwar auch ein leichtes bläuliches Leuchten, aber sie erhellten keine Gänge. Nur die Höhle unserer Lebenssteine wurde als eine von innen herausleuchtende ganz eigene Welt beschrieben. Ich hoffte, ich würde irgendwann die Ehre erlangen, sie selbst zu sehen, und dann vorbereitet sein, damit ich das auch überlebte. Auch wenn ich manchmal ein Freigeist war und alle möglichen Dinge erleben wollte, ich wollte meinem Volk helfen und das beste für alle. Ich war vielleicht nicht so vorsichtig wie mein Vater es gerne hätte, aber dafür baute ich immerhin eine Diplomatie mit den Weißen auf durch Ariana. Und ich hatte verdammt nochmal einen der größten und gefährlichsten Saurier hier an meiner Seite. Alkje hatte mir zwar beim ersten Zusammentreffen meine Schulter fast völlig zerfetzt, bevor es 'Klick' gemacht hatte, aber seit dem war sie treu und gehorsam. Wenn sie müsste, würde sie ewig hungern für mich. Ohne Erlaubnis ging sie nie jagen, schon gar nicht die Tiere des Dorfes. Gutmütig wie sie war, trug sie uns schließlich zum Dorf zurück. Nahezu zeitgleich kamen unsere Späher auf ihren flinken Dinos an, traten zum Rat vor. Ich war noch dort, weil ich erklären musste, warum Eska bei den Fremden gewesen war. "Die Velociraptoren haben sich formiert." Allein diese Worte des Späheranführers versetzten mich in Alarmbereitschaft. Sie hatten schon einmal unser Dorf angegriffen. Aber ich glaubte nicht, dass sie es dieses mal auch auf uns abgesehen hatten. Wenn sich ein paar Rudel zusammenschlossen, war es aber auf keinen Fall gut. "Wir müssen an den Strand. Sie werden nicht hier angreifen, sondern die Fremden. Wir müssen ihnen helfen"; sagte ich, traf damit auf Unverständnis. "Sie sind nicht unser Problem oder unsere Angelegenheit", waren die harten Worte meines Vaters. Ich würde hier nichts erreichen, das wusste ich.
Nur in Begleitung weniger Krieger, mit denen ich den ersten Angriff auch bewältigt hatte, eilte ich auf dem Rücken unserer Dinos zum Strand. Sie vertrauten mir, auch wenn sie die Fremden nicht kannten. In der Eile waren wir schnell gewesen, kamen aber nicht mehr rechtzeitig um die Weißen zu warnen. Ich hörte aus dem Dickicht die typischen Rufe der Raptoren ohne sie zu sehen. Im nächsten Moment liefen sie auch schon los, auf das Lager am Strand zu, wo scheinbar zur Nacht noch einige am Werken waren. Die Späher, die hier postiert waren, pfiff ich lautstark herbei. "Wir greifen ein", war alles was ich verkündete. Mein Wort zweifelte hier niemand an, auch wenn die Männer vielleicht auch Angst hatten. Die Raptoren würden sicherlich auch nicht mit einem Angriff von der Seite rechnen. Sie trieben Beute in Todeszonen, steckten nun selbst aber mehr oder weniger in einer. Wir mussten es ausnutzen und zwar bevor sie alles niederschlachteten. In Sorge um Ariana, obwohl ich sie ja nicht wirklich kannte, hoffte ich, dass sie auf dem Schiff hinter mehreren Türen in Sicherheit war und schlief.
Der Kampf am Strand verlief nicht gut. Raptoren waren intelligent und schnell. Sie hatten uns bemerkt, noch ehe sie am Lager angekommen waren, liefen aber stetig gerade aus. Sie würden sich zwischen den Zelten neu formieren. Bei den Fremden brach unterdessen schon einmal Panik aus. Sie sahen Dinos auf ihr Lager zulaufen. Eine Front von einem Dutzend Raptoren und dahinter - als würden wir sie vorschicken wie Bauern beim Schach - wir auf den anderen Sauriern. Ein lautes durchdringendes Geräusch durchdrang die Nacht - eine Sirene, was ich nur nicht kannte. Die fremden Männer versuchten sich irgendwie vorzubereiten und im nächsten Moment brach die Hölle los. Ich versuchte mit dem Jagdbogen die Raptoren auszuschalten, die jemandem zu nahe kamen. Wenn einer auf mich zukam, kümmerte Alkje sich darum. Dann wurde sie von zweien angesprungen und erklommen. Da ich dort oben war, wurde ich auch angegriffen. Alkje versuchte sich zu verteidigen, weshalb ich aus beachtlicher Höhe von ihrem Rücken fiel. Vermutlich rettete es mir aber auch das Leben, denn so erwischte mich nur eine Klaue am Oberarm. Leise stöhend blieb ich liegen, bekam kurz keine Luft. Alles wirkte kurz wie in Watte. Das Brüllen der Saurier, das Knallen von Schüssen, was ich nicht zuordnen konnte. Ich rappelte mich auf, befreite Alkje durch einen gezielten Schuss von einem Raptoren. Mit dem Pfeil zwischen den Rippen fiel er tot auf eines der Zelte, brachte es dadurch zum Einsturz.
Der ganze Kampf dauerte keine Viertelstunde. Die Raptoren, die nicht tot waren, zogen sich zurück. Aber auch auf unserer Seite gab es Verluste. Gerade die fremden Weißen waren ja nicht vorbereitet gewesen und hatten keine Saurier auf ihrer Seite. Nun lagen dort einige schwer blutend. Vielleicht einige sogar tot. Es war, als läge eine Schneise zwischen uns, Stille herrschte auf einmal. Keiner sagte ein Wort und die Atmosphäre war zum Zerreißen gespannt. "Jeldrik. Cassian ist tot. Sein Gefährte ebenso", berichtete mir dann einer meiner Krieger. "Er wurde nicht von einem Raptoren getötet. Sondern von einer ihrer Waffen. Sie schießen irgendwas kleines Lautes. Es traf ihn und er war tot", knurrte er, spuckte abfällig in den Sand. "Und die wolltest du verteidigen." Ob Kreuzfeuer oder gezielt, ich wusste es nicht. Aber es war furchtbar. Chaos. Tote. Hasserfüllte Blicke auf beiden Seiten.


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#36

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 05.03.2018 19:45
von Alex • Senior Member | 5.846 Beiträge | 1040274 Punkte

Als ich letztendlich draußen ankam, war schon ein Kampf im vollen Gange. Ich zuckte zurück und stolperte auf der Rampe rückwärts. Was sollte ich jetzt machen? Ich war unbewaffnet, trug lediglich ein langes T-Shirt von meinem Vater, mit welchem ich meistens schlief. Mein Blick wanderte hektisch hin und her. Ich entdeckte meinen Vater, der mit einer Schusswaffe auf die Dinos feuerte. Wenn mich nicht alles täuschte handelte es sich um Veliirgendwastoren. Irgendwelche von den Viehchern, die auch in den Dinofilmen vorkamen. Fleischfresser. Wieso waren sie hier? Mein Vater hatte mich inzwischen wohl auch bemerkt. "Ariana! Geh sofort ins Schiff und sperr' dich ein!", schrie er mir zu und ich schüttelte bestimmt den Kopf. Ich würde mich sicher nicht verstecken während meine Leute draußen starben. Also rannte ich nur kurz in die Waffenkammer und griff nach zwei kleineren Pistolen, die auf einen Dinosaurier aber eine große Wirkung haben würden. In Windeseile war ich wieder draußen und ebenfalls in den Kampf verwickelt. Ich bekam kaum mit, dass die Ureinwohner auf ihren Dinos ebenfalls am Strand auftauchten und uns unterstützten. Ich sah lediglich die Dinos und in den Augenwinkeln immer wieder Menschen, die zu Boden gingen. Irgendwann zogen sich die Angreifer zurück und ich sank erschöpft in den Sand. Einer der Fleischfresser hatte mich wohl erwischt. Zuvor hatte ich den Schmerz nicht gespürt vor lauter Adrenalin. Doch nun durchfuhr er mich und ich schob vorsichtig den Stoff des Shirts beiseite. An meiner rechten Seite klaffte eine tiefe blutende Wunde. "Liebling..oh mein Gott. Geht es dir gut? Bist du verletzt?", stotterte mein Vater und fiel neben mir auf die Knie. Er war blutverschmiert, schien aber nicht verletzt zu sein. "Ich...ja..", antwortete ich mit schwacher Stimme. Blut und Ariana war keine gute Kombination. Mein Blick wanderte von der Wunde in Richtung Ureinwohner. Ich erkannte Jeldrik. "Jel...", setzte ich an, verstummte jedoch. Die Stimmung bei seinen Leuten schien angespannt zu sein. "Papa, wir müssen uns um unsere Mannschaft kümmern...", murmelte ich und stand mit seiner Hilfe auf. Überall lagen Verletzte und Tote. Es war ein grausamer Anblick. Die Unversehrten oder Leichtverletzten kümmerten sich erst einmal um die schwerer Verletzten, eine kleine Gruppe begann die Leichen an einer Stelle zu sammeln. Ich verzog das Gesicht und presste meine Hand auf meine Wunde. Wir mussten hier unbedingt weg. Schnellstmöglich. Bevor noch mehr passierte. Diese Insel war nicht gut für uns und wir waren nicht gut für diese Insel.


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#37

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 06.03.2018 00:24
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Als endlich kurz Stille einkehrte, merkte ich erst, wie viel Kraft mir dieser Kampf geraubt hatte. Meine Muskeln brannten, meine Arme waren schwer vom Bogenschießen. Da die Dinosaurier sehr kräftig gebaut waren und robuste Haut hatten, waren unsere Bögen dementsprechend stark bespannt und benötigten eine enorme Zugkraft. Außerdem schmerzte der Schnitt in meinem Arm pulsierend, blutete stetig vor sich hin. Ich hatte Mühe nach all dem Chaos wieder zu einem Überblick zu kommen. Zelte waren eingestürzt, tote Menschen, tote Saurier, Blut überall. Nur langsam schienen sich auf beiden Seiten die Leute wieder etwas zu formieren, konnten ihre Verluste und Verletzte einschätzen. Im Hintergrund zogen einige von uns sich mit Verletzten auf unseren Sauriern zurück. Die anderen blieben bei mir, skeptisch und in Alarmbereitschaft den Weißen gegenüber. Dann sah ich Ariana, hörte ihren Vater besorgt. Ich ließ meinen Krieger, der gerade noch schlecht von den Fremden gesprochen hatte, einfach stehen und eilte zu dem Häufchen Mensch, das dort zu Boden gegangen war. Meinen Bogen warf ich mir über die Schulter, ich glaubte ja nicht, ihn noch zu gebrauchen. "Ariana!", rief ich besorgt, als ich den Blutfleck auf dem zerrissenen Shirt entdeckte. Ich ging auf der anderen Seite neben ihr auf die Knie, blickte sie besorgt an und nahm ihre Hand. "Was machst du denn hier? Du solltest schlafen", tadelte ich sie, war aber eher bestürzt als böse. Ich wollte gerade ihrem Vater erklären, dass Raptorenklauen sehr scharf waren. Sie schnitten regelrecht Wunden und rissen nicht. Dadurch würde es leichter fallen, die Wunde zu versorgen, aber sie verlor auch viel Blut. Doch so weit kam ich nicht. Im Hintergrund stieß Alkje einen kehligen Laut von sich. Vermutlich hatte sie bis gerade eben noch Raptoren vertrieben oder gar gefressen. Auf dem Sand hatte sie sich lautlos genähert, bis eben. Eine neue Panik brach unter den Weißen aus. "Die gehören zu den Wilden! Es war deren Schuld!", schrie einer. Dann erwiderten sie wieder das Feuer. Laut brüllte Alkje auf vor Schmerz und aus purer Selbstverteidigung wollte sie wieder angreifen. Kurz war ich starr vor Schreck, ehe ich aufsprang. "Nein! Halt!", schrie ich verzweifelt, brachte mit einem lauten Pfiff Alkje zum Stoppen, die gerade mit ihrem gewaltigen Schwanz einige Männer umgeworfen hatte. Die Schüsse fielen weiterhin sobald sich die Männer wieder aufrappelten, trotzdem rannte ich zu meinem Saurier. Als ich ihren Rücken erklomm, traf mich ein brennender Schmerz an der Seite. "Los! Lauf"; trieb ich meinen Dinosaurier zur Eile an. Ich hatte Mühe mich oben zu halten wegen der Schmerzen in Arm und Seite, aber wenigstens brachte uns das Dickicht in Sicherheit und im Augenwinkel sah ich, dass der Rest meiner Krieger mir folgte.


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#38

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 10.03.2018 20:23
von Alex • Senior Member | 5.846 Beiträge | 1040274 Punkte

Als plötzlich Jeldrik neben mir auftauchte und mich erst einmal dafür tadelte, dass ich nicht schlief, musste ich bitter lachen. "Tut mir leid.", entschuldigte ich mich grinsend, zuckte aber sofort wieder zusammen, da ich ziemliche Schmerzen hatte. Auch der junge Mann sah nicht besonders gut aus. Unser Gespräch wurde abrupt unterbrochen als sein Dino plötzlich am Strand auftauchte und meine Leute dementsprechend reagierten. Ich zuckte zusammen als die Kugeln durch die Luft zischten und den Fleischfresser trafen. Mir tat Jeldrik's Haustier wirklich leid und daher flehte ich meinen Vater an, dafür zu sorgen, dass sie aufhörten. Aus dem Augenwinkel sah ich Jeldrik, der zu seinem Dino eilte und auf ihn kletterte. Ich zuckte ein weiteres Mal zusammen, der Kugelregen hörte einfach nicht auf. "Jeldrik! Verschwinde!", schrie ich und amtete erleichtert auf als er mit dem Rest seiner Leute endlich verschwanden. "Verdammt, hört sofort damit auf!", erklang neben mir die Stimme meines Vaters. "Ihr bringt jetzt unsere Verletzten aufs Schiff und vergrabt die Leichen!", wies er alle wütend an und hob mich dann hoch. "Papa...Wir müssen hier weg.", murmelte ich schwach, doch davon ließ er sich nicht beirren. Die eigentlich ausgestorbene Tierart hatte sein Interesse geweckt und er würde sicher anfangen, diese Tiere zu jagen und Experimente an ihnen durchzuführen. Schluchzend ließ ich mich also in meine Suite tragen und dort dann von ihm verarzten.

Die nächsten Tage verbrachte ich eigentlich überwiegend in meinem Bett, da ich mich vor Schmerzen kaum bewegen konnte. Wir hatten einige Männer bei dem Angriff verloren und einige waren auch ziemlich schwer verletzt. Dennoch wollte mein Vater diese Insel nicht verlassen. Stattdessen hatte er tatsächlich beschlossen, längere Zeit hier zu bleiben und die unbekannte Gegend zu erforschen. Ich war davon nicht begeistert, ich wollte hier einfach weg. Wir sollten die Ureinwohner einfach nicht belästigen. A propos Ureinwohner. Ich machte mir wahnsinnige Sorgen um Jeldrik. Wie es ihm wohl ging? Ich hatte keine Möglichkeit mehr, dass Schiff zu verlassen. Mein Vater hatte es mir verboten und seine Männer angewiesen, mich nicht gehen zu lassen. Zum Glück hatte ich jedoch meine liebe treue Akita. Hastig kritzelte ich eine kurze Nachricht für den jungen Mann auf einen Zettel, rollte diesen ein und band diese Rolle mit einer Schnur an Akita's Halsband. "Kita, du musst Jeldrik finden!", wies ich die junge Hündin an und strich ihr durch das weiche Fell. Ich vertraute ihr und gerade war sie das einzige Mittel zur Kommunikation.


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#39

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 19.03.2018 23:49
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich hatte wirklich gehofft, dass Ariana hier nicht auftauchte. Ein Schlachtfeld war nichts für sie und das nicht, weil sie eine Frau war, sondern weil sie einfach nicht darauf vorbereitet war. Sie hatte ein paar Mal nun Saurier gesehen und mochte vielleicht Geschichten dazu gelesen oder gesehen haben, aber das machte sie noch lange nicht zu einer Kriegerin. Selbst normale Krieger, Soldaten, ihres Volkes waren doch nicht mal ansatzweise bereit Krieg gegen Saurier zu führen. Besorgt sah ich sie an, als sie von der noch so kleinsten Bewegung scheinbar vor Schmerz zuckte. Ich wollte sie am liebsten eigenständig auf meinen Armen zurück aufs Schiff tragen und sichergehen, dass sich um sie gekümmert wurde, doch so weit konnte es gar nicht mehr kommen. Auch wenn mir Ariana nicht gleichgültig war, so sprang ich doch auf um Alkje wegzubringen. Sie hätte sich gewehrt, wenn sie nah genug rangekommen wäre, hätte mehr von Arianas Verbündeten getötet oder wäre bei dem Versuch selbst getötet worden und sie war nun einmal doch irgendwie mit mir verbunden. Ich hörte nur noch ihren Schrei, ich solle verschwinden. Anders als die Schüsse ihrer Kameraden es vermuten ließen, klang sie besorgt. Ich hätte mich gerne noch einmal nach ihr umgesehen, aber ich konnte nicht. Keuchend versuchte ich mich einfach auf dem hohen Rücken zu halten. Jeder der schweren Schritte erschütterte meinen ganzen Körper. Verkrampft umklammerte ich die Dornfortsätze in Alkjes Nacken, aber es fiel mir schwer. Blut machte ihre ledrige Haut rutschig, ihre Verletzungen ließen sie schwerfällig und eher stolpernd vorwärts kommen. Sie war nicht kurz vorm Zusammenbrechen, aber fit war sie auch nicht mehr.
Aufregung herrschte im Dorf, als wir dort ankamen. Ganz seichtes Tageslicht erhellte langsam zusammen mit dem noch am Himmel stehenden Mond unsere Siedlung, ebenso wie die zahlreich entzündeten Fackeln. Fast alle waren wach, nahmen Verletzte in Empfang und versorgten die gestressten und auch verletzten Saurier. Langsam ließ ich mich von Alkjes Rücken gleiten. Doch die Erschütterung von meiner Landung stach so sehr in meiner Seite, dass ich mit schmerzverzerrtem Gesicht in die Knie ging. "Was ist passiert?", donnerte die Stimme meines Vaters, des Häuptlings, über mich hinweg. "Ach warum frage ich überhaupt, mir wurde schon berichtet", brummte er dann, ehe er sich zu mir beugte und meinen Arm um seine Schultern zog, ehe er mich mit auf die Beine stemmte und ins Haus des Rates brachte. Die Hütte der Heilerin war immerhin schon überfüllt. "Wir mussten ihnen helfen. Sie saßen da wie auf der Schlachtbank", erklärte ich zwischen zusammen gepressten Zähnen. "Und zu welchem Preis hast du unsere Krieger auch auf die Schlachtbank gebracht? Für Fremde, die mit dem Wissen über diese Insel nicht entkommen sollten?", konterte mein Vater. Ich entgegnete mit Schweigen, war zu kraftlos um jetzt noch zu diskutieren.

Die Stimmung in der Siedlung war gedrückt. Alle arbeiteten daran, die Verletzten zu versorgen - ob Tier oder Mensch. Nichts anderes zählte an dem Tag nach dem Kampf. Es gab keine Diskussionen, alle schwiegen angespannt. Meine Wunden wurden mit dicken Kräuterpasten und Verbänden behandelt. Auch wenn ich nicht unbedingt gut auf den Beinen war, wankte ich von Krankenbett zu Krankenbett um mich nach den Leuten zu erkundigen, ging auch nach draußen zu den Wiesen der Saurier. In einem abgetrennten Bereich standen die verletzten Tiere, auch inzwischen versorgt und schienen erschöpft. Außerdem fehlten welche. Müde schleppte ich mich in die Hütte meines Vaters, wo nun der Rat tagte, da deren Gebäude ja bekanntlich belegt war. Als ich eintrat, verstummte die Diskussion sofort. Kurz überblickte ich die Runde. Die weisen und erfahrenen Männer des Dorfes standen angespannt im Kreis, unter ihnen mein Vater und mein Bruder. Verwundert blieb mein Blick an ihm hängen. Wir hatten nicht das beste Verhältnis. Er wollte immerzu mit mir wetteifern, war neidisch auf meinen frühen hohen Rang und Ehrentitel, neidisch, dass ich Edonita zur Frau nehmen sollte und mir die Position des Häuptlings eigentlich bestimmt war und bisher auch nichts dagegen gesprochen hatte - bis zum Vortag. "Du hast meinen Sohn auf dem Gewissen", spuckte mir einer der Ratsmitglieder wütend und traurig entgegen. Ein wenig schockiert sah ich ihn an. Ich hatte bisher von nur einem Toten gewusst, der nicht sein Sohn gewesen war. Vermutlich war er am Blutverlust gestorben. Ich verbeugte mich leicht, ein Zeichen unseres ehrlichen Mitgefühls. "Er ist ehrenvoll als Krieger von uns gegangen. Es tut mir leid für Euren Verlust", sprach ich mit gedämpfter Stimme. "Stell dich wieder hin! Ehrenvoll? Für die Weißen, die ihm in den Rücken schossen? Die übrigens auch dir in den Rücken schossen?", blaffte er wütend. Die Diskussion artete noch weiter aus. Ich versuchte die Fremden zu verteidigen, zu erklären, dass sie genau so Menschen waren wie wir, die wir zu beschützen hatten. Aber das sah irgendwie keiner so wirklich ein. Mein Bruder lehnte sich mit einem fast hämischen Lächeln zurück. "Du solltest dich ausruhen", schnitt mein Vater irgendwann ein in das Gespräch und schickte mich damit subtil fort. Ich folgte unwillig der Aufforderung. "Ich will dich nicht beim Begräbnis sehen", presste der Mann noch hervor, ehe ich frustriert und gekränkt das Haus verließ. Ich fühlte mich, als wäre ich für mein Volk gerade ein Schwerverbrecher geworden.
Ein paar weitere stille Tage vergingen. Ich packte an, wo ich konnte, auch wenn ich immer wieder pausieren musste. Die Wunde an meinem Arm vermochte nicht richtig zu heilen durch die Bewegungen. Zumal das Wetter passend zu meiner Stimmung war. Die Luft drückte auf den Wald, dick und heiß. Nur in den Dämmerungszeiten peitschte ein starker Wind über die Insel, brachte Regen mit sich, der in der Kühle der Nacht abregnen konnte. Das schwüle Klima trug dazu bei, dass sich die Wunde an meinem Arm leicht entzündete. Es war schmerzhaft und sicherlich würde eine Narbe zurückbleiben, wenn irgendwann endlich mal die Heilung fortschritt, aber ich war sowieso von Narben gekennzeichnet so wie jeder Krieger dieser Insel. Die Wunde an meiner Seite verheilte zum Glück besser, aber da kam auch nicht so viel Bewegung und Berührung dran, weil ich bei jeder Kleinigkeit zuckte. Leise seufzend, mit einer Machete, die ich von dem alten Forscher als Jugendlicher geschenkt bekommen hatte und meinem Bogen und Köcher bewaffnett, stapfte ich durch den Wald. Hin und wieder schlug ich Farnblätter beiseite, zerhackte einen Ast, der mir im Weg hing. Ich ließ schon fast einen sichtbaren Pfad hinter mir, was unüblich war. Normalerweise bewegten wir uns unauffällig durch den Wald, aber ich war zu frustriert um mir Mühe zu geben, während ich hier und da ein paar Früchte sammelte. Dann verharrte ich, hörte ein merkwürdiges Geräusch. Ich brauchte einen Moment um es zuordnen zu können. Es war das Bellen von diesem plüschigen merkwürdigen Wesen. Akita. Sorge machte sich in mir breit. Ariana war doch verletzt, sie sollte doch nicht schon wieder im Wald herumirren. "Ariana?", rief ich leise. Sofort sah ich zwischen den Farnen die plüschigen Ohren in die Höhe schnellen, bevor der Hund eilig auf mich zulief. Einen Moment sah ich mich noch nach der hübschen Besitzerin um, ehe ich mich dem Hund widmete, der mit dem Schwanz wie verrückt hin und herschlug und an mir hochsprang. Ich wusste, dass es kein Angriff war, aber es war ein merkwürdiges Verhalten für mich. Dennoch ging ich langsam in die Hocke und streichelte ihr durch das weiche Fell. Zugegeben könnte ich mich damit anfreunden. "Wo hast du Ariana gelassen?", fragte ich sie leise, während meine Finger den Riemen um ihren Hals untersuchten und schließlich den Zettel fanden. Etwas neugierig entfernte ich das Band und entrollte das Papier.


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#40

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 02.09.2018 21:01
von Alex • Senior Member | 5.846 Beiträge | 1040274 Punkte

"Jeldrik, ich darf das Schiff nicht mehr verlassen. Papa will trotz Vorfall nicht weg. Ganz im Gegenteil. Er will die Insel, euch und die Dinos erforschen. Ich weiß nicht, wozu er und seine Männer fähig sind. Vielleicht wollen sie die Dinos mit in unsere Welt nehmen. Bitte passt auf euch auf. Ich hoffe, es geht dir gut. Es tut mir so leid, dass es soweit kommen musste. A."

Meine Nachricht war möglichst kurz und knapp gehalten. Zum einen konnte ich Akita wohl kaum mit einem seitenlangen Brief losschicken und zum anderen wollte ich den jungen Mann auch nicht direkt überfordern was das lesen und verstehen einer für ihn fast fremden Sprache anging. Auch meinen Namen hatte ich nur mit dem Anfangsbuchstaben abgekürzt. Jeldrik würde schon wissen, dass das A für Ariana stand. Außer er war wirklich komplett dumm und dachte, Akita hätte den Brief verfasst. Doch davon ging ich nicht aus. Außerdem ging es nun erst einmal darum, dass meine geliebte Hündin den Weg durch den Urwald schaffte und Jeldrik fand. Ich hatte unheimliche Angst um sie und jede Minute die verging, starrte ich aus dem kleinen Fenster meiner Schiffsuite in Richtung Strand. Immerhin etwas. Mein Fenster lag nicht zur Meerseite, wo man einfach nur ganz viel Wasser sehen konnte. Ich hatte den Strand gut im Blick und konnte alles beobachten. Wobei durch diese Beobachtungen die Sorge in mir nur noch wuchs. Was die Männer dort aufbauten, glich fast einer Forschungsstation. Ich war mir zwar immer darüber im klaren gewesen, dass auf unserem Schiff einiges lagerte, doch nun war ich doch ein wenig überrascht. Es würde böse enden. Ich sah vor meinem geistigen Auge schon Szenen aus den älteren Jurassic Park Filmen und den neueren Jurassic World Teilen. Diese Filme hatten doch gezeigt, was für eine dumme Idee es war, Gott zu spielen. Ich wollte nicht, dass durch die Straßen von New York oder irgendeiner anderen Stadt plötzlich ein wilder T-Rex rannte. Das war einfach unvorstellbar. Ich wollte einfach von der Insel weg und alles vergessen. Kurz war ich am überlegen, einfach aus dem Fenster ins Wasser zu springen und wegzuschwimmen. Oder mir zumindest noch eines der Rettungsboote anzueignen. Doch ich würde auf der offenen See nicht lange überleben. Meine Situation war aussichtslos. Meine ganze Hoffnung lag also darauf, dass Akita Jeldrik fand und auch wieder zu mir zurückkehrte.


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#41

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 07.11.2018 22:41
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Nachdem ich den Zettel am Halsband des Hundes gefunden hatte, ließ ich mich langsam in den Schneidersitz sinken. Akita wuselte freudig um mich herum und wollte scheinbar weiter gestreichelt werden, doch ich hielt mit beiden Händen das Papier fest und las sorgfältig die Worte. Ich war es nicht gewohnt zu lesen. Ich konnte es, doch da ich nicht oft dazu kam, brauchte ich etwas mehr Zeit als die Weißen dafür benötigen würden. Der Hund verstand irgendwann zum Glück, dass ich mich nicht um sie kümmerte und schnüffelte etwas herum, blieb aber vorerst in meiner Nähe. Allmählich verfinsterte sich meine Miene, während ich über die Botschaft nachdachte. Es gab bereits einen Kampf aus einem Missverständnis heraus. Wenn sich Arianas Leute nicht respektvoll verhalten würden und das betraf schon den Umgang mit der Natur, den Tieren und der Insel, so würde das schnell zu einem erbitterten Krieg werden. Mein Volk würde sich verteidigen. Sie würden die Kraftsteine verteidigen, die Dinosaurier und die Insel mitsamt des Dschungels. Wir waren gläubig. Die Insel bot uns Leben und Einklang. Wir dienten ihr und sie beschenkte uns dafür mit der Verbindung zu einem so mächtigen Wesen wie einem Dinosaurier. Niemand durfte dieses Bündnis zerstören. So gern ich Ariana hatte, auch ich könnte ihr Volk nicht gewähren lassen. Nachdenklich stand ich wieder auf, lockte Akita zu mir und strich mit ihr durch den Wald. Ich suchte nach einer Schlingpflanze, die in ihren Knospen ein dunkles Sekret absonderte. Als ich eine solche fand, brach ich eine Knospe an, drückte sie auf das Papier um mit dem Sekret zu schreiben. Es roch ein wenig säuerlich, aber es war ungefährlich und wenigstens lesbar.

"Ariana, bitte versuch deinen Vater zu überzeugen, nichts zu tun. Er kann sicher einmal mit uns verhandeln, aber es ist unsere Insel. Es ist unser Leben, das er bedroht. Niemals darf oder kann ein Saurier diese Insel verlassen. Es ist zu gefährlich und wir werden das verteidigen müssen. Ich will keinen Krieg mit deinem Volk. Es wäre das beste, wenn ihr verschwindet, auch wenn ich gerne mehr über euch erfahren möchte.
Schick wieder Akita, wenn du Neuigkeiten hast. Ich vermittel auch gerne zwischen deinem und meinem Vater.
J. "

Ich verbrauchte nicht nur den Saft einer, sondern den mehrerer Knospen, um diesen Brief auf die Rückseite des Papiers zu schreiben. Ich rollte es schließlich wieder zusammen und band es mit der Schnur wieder an das Halsband der Hündin. Ich begleitete sie noch ein Stück in Richtung Strand, ehe ich sie versuchte davon zu schicken, indem ich ihr befahl, Ariana zu suchen. Ob sie es wirklich verstand, vermochte ich nicht zu sagen, aber das vierbeinige Wesen tollte los und kam auch in nächster Zeit nicht zurück. Auf dem Rückweg zu meinem Dorf sammelte ich noch einiges Obst und Lianen. Im Haus der Heilerin legte ich alles nieder. Es gab immer noch Verwundete zu versorgen. Verwundete, die mehr litten als ich mit meinen zwei Verletzungen. Doch sie wurden gut versorgt. Da ich irgendwie versuchte, meine Schuld zu begleichen, hatte ich das Gefühl, dass meine Verletzungen sich leicht entzündeten, doch ich missachtete es. Es würde sich schon beruhigen, wenn die Luft nicht mehr so schwül war, dachte ich. Ich konnte mir keine Pause leisten. Es wurde schon genug negativ über mich gesprochen. Nicht zuletzt, weil mein Bruder, der mir seit langem schon nichts mehr gönnte, die Stimmung im Dorf aufheizte. Nicht offen gegen mich. Aber gegen die Fremden, für die ich mich aussprach. Er war jung und wild. Er wollte kämpfen. Mein Vater war wütend und hatte Sorge vor neuem, er würde mitziehen, sobald sich die Krieger erholten. Der Rat war sich nicht sicher, zog Entscheidungen hin und der Rest des Dorfes war einfach beunruhigt und skeptisch. Gefühlt verstand niemand meine Neugier und mein Interesse an dem Neuen. Wir könnten vieles lernen. Sie hatten Dinge, die wir nicht verstanden, die uns vielleicht auch helfen konnten. Wir ließen sie nur nicht. Aber wie auch, wenn wir befürchten mussten, dass sie unsere Quelle des Lebens fanden und zerstören könnten.


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#42

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 18.11.2018 13:28
von Alex • Senior Member | 5.846 Beiträge | 1040274 Punkte

Es dauerte einige Stunden, bis Akita wieder am Strand auftauchte und direkt brav in meine Schiffsuite gerannt kam. Erleichtert atmete ich auf als ich den Zettel an ihrem Halsband sah. Er war anders angebracht als zuvor, daher musste Jeldrik ihn erhalten haben. Zumindest hoffte ich das. "Kita, hier her!", rief ich meine Hündin und streichelte sie lobend. "Gut hast du das gemacht, meine Süße.", flüsterte ich zufrieden und gab ihr ein Leckerli als Belohnung. Dann faltete ich hastig den Zettel auf und überflog die Buchstaben. Mit was Jeldrik wohl geschrieben hatte? Nach einem normalen Stift sah es nicht aus. Seine Schrift war unklar und schwierig zu lesen, hier und da war ein Fehler. Doch letztendlich konnte ich alles entziffern.
"Ariana, bitte versuch deinen Vater zu überzeugen, nichts zu tun. Er kann sicher einmal mit uns verhandeln, aber es ist unsere Insel. Es ist unser Leben, das er bedroht. Niemals darf oder kann ein Saurier diese Insel verlassen. Es ist zu gefährlich und wir werden das verteidigen müssen. Ich will keinen Krieg mit deinem Volk. Es wäre das beste, wenn ihr verschwindet, auch wenn ich gerne mehr über euch erfahren möchte.
Schick wieder Akita, wenn du Neuigkeiten hast. Ich vermittel auch gerne zwischen deinem und meinem Vater. -J.", las ich leise vor und sah zu Akita, die es sich in ihrem Körbchen bequem gemacht hatte. Der junge Inselbewohner hatte Recht, doch wie sollte ich meinen Vater und seine Leute überreden? Ich seufzte und vergrub meinen Kopf in einem der Kissen des Sofas.
Es vergingen weitere Stunden, bis endlich mein Vater auftauchte. Ich führte eine hitzige Unterhaltung mit ihm, allerdings ohne Erfolg. Ich wartete also bis es Nacht wurde, hatte jedoch vorher schon in einen Rucksack ein paar Sachen gepackt. Ich musste zu Jeldrik und seinem Stamm. Ich musste unbedingt mit den Leuten dort reden und eine Lösung finden. Gegen zwei Uhr nachts waren die letzten Männer vom Strand verschwunden und das letzte Licht erloschen. Leise öffnete ich eines der kleinen Fenster und hob erst Akita hindurch, ehe ich selbst nach draußen krabbelte und im seichten Wasser landete. Mein Blick ging noch einmal zu dem Schiff, ehe ich so schnell es ging Richtung Dschungel rannte. Bis dahin musste ich es erst einmal schaffen. Und dann musste ich die Siedlung der Einheimischen finden und versuchen, mich nicht davor von einem Dinosaurier auffressen zu lassen. Vielleicht war es doch keine gute Idee gewesen, mitten in der Nacht abzuhauen. Ich hatte zwar eine Taschenlampe, doch das spärliche Licht reichte in dem dunklen Urwald kaum aus. Bei jedem Geräusch zuckte ich zusammen und selbst meine Hündin lief mit eingezogenem Schwanz direkt neben mir.


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#43

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 25.11.2018 00:38
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Müde kam ich wieder am Dorf an. Meine Verletzungen schmerzten, nicht zuletzt weil sich der Streifschuss an meinem Arm entzündet hatte. Ich hatte es lange ignorieren wollen, aber ich konnte es nicht mehr leugnen. Jede Bewegung schmerzte, es pochte, ich war etwas schlapp, mal ganz zu schweigen davon, dass es wieder anfing zu bluten und zu eitern. Eigentlich war es gut, dass es blutete, weil das die Wunde reinigte. Aber es half nicht gerade für einen stabilen Kreislauf. Immerhin kam ich noch heil im Dorf an und konnte das gesammelte Obst abladen. "Hör zu, Krieger der ewigen Nacht, du kannst nicht mehr kämpfen, wenn du nicht gesund bist. Das Dorf ist sauer über deine Entscheidung, ja. Aber niemand möchte, dass du stirbst", sprach die Heilerin zu mir, als ich ihr einige Kräuter für die Verletzten brachte. "Es geht mir gut", murmelte ich und verließ ihre Hütte wieder, bevor sie mich aufhalten konnte. Sie hatte genug zu tun. Wir hatten immerhin ein paar Krieger, die um ihr Leben noch kämpften. Ich würde das schon irgendwie aussitzen. Erschöpft ging ich durch das Dorf, auf dem Weg zu meiner Hütte. Auf halber Strecke kam mir mein Bruder entgegen. Er blieb auf meiner Höhe stehen, griff nach meinem verletzten Arm. Ich sog scharf die Luft ein, als er die Wunde berührte. "Jäger, Krieger.. Vater spricht davon dich zu verheiraten und dich dann direkt zum Häuptling zu machen. Das werde ich verhindern. Du bringst uns alle in Gefahr", knurrte er mir zu. Ich sah ihn finster von der Seite an. Und ein wenig bekümmert. Wann hatte sich unser Verhältnis so verschlechtert. "Was wirst du verhindern? Die Heirat oder die Krönung? Außerdem bringe ich niemanden absichtlich in Gefahr. Du aber hetzt die Leute auf. Gegen mich und gegen die Fremden. Das ist töricht", kommentierte ich. Mit einem Rucken der Schulter löste ich seinen Griff von meinem Arm, auch wenn es höllisch schmerzte an der Wunde. Mit einem leichten Flimmern vor den Augen lief ich weiter nach Hause, fiel dort ins Bett und schlief im Prinzip sofort ein.

Die Dorfbewohner waren immer in Sorge. Die Fremden waren nicht die einzige Bedrohung für uns. Es gab immerhin auch Fleischfressende Dinosaurier auf diesem Land. Wir hatten immer zu Späher im Wald, die unser Dorf auf Abstand schon sicherten und uns schnell warnen konnten. Allerdings fanden sie natürlich auch eine fremde junge Frau mit ihrem Hund, die mit unnatürlichem Licht und zu uns im Vergleich lauter Manier durch den Wald irrte. Sie war dem Dorf schon recht nahe gekommen. Und da gerade niemand wirklich wusste, was man mit Fremden machen sollte, griffen die Späher sie an. Sie waren zu zweit unterwegs, einer auf einem Schnellläufer und einer mit einem Flugsaurier. Ein Pfiff war das Signal. Der Flugsaurier stürzte auf den Hund zu, warf ihn zu Boden und hielt ihn dort fest, während die beiden Männer von den Bäumen sprangen und Ariana packten. Mit Lianen wurde sie gefesselt. Um den Hund wollten sich die Männer dann erst kümmern, aber scheinbar hatte der Flugsaurier nicht mit der panischen Gegenwehr des plüschigen Wesens gerechnet, das um sich biss und sich aufbäumte. Der Saurier verlor schließlich den Griff und in der Sekunde sprang der Hund auf. Im Dickicht war der Hund im Vorteil, bis auf sehr kurze Strecken war der Flugsaurier nicht im Vorteil. Da die Späher im Hund aber auch keine Gefahr sahen, reichte ihnen Ariana aus. Diese brachten sie bis zum Dorf, banden sie an den Marterpfahl in der Dorfmitte und weckten die Ratsmitglieder.


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#44

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 27.11.2018 11:42
von Alex • Senior Member | 5.846 Beiträge | 1040274 Punkte

Ich konnte nicht sagen, wie lange ich durch den Dschungel geirrt war. Doch die Bäume und Sträucher wurden immer größer und dichter, weswegen ich wusste, dass ich immer tiefer in die fremde Welt hinein gelangte. Wonach suchte ich eigentlich? Das Lager der Ureinwohner würde ich wohl nicht so schnell finden, vor allem nicht bei Nacht. Akita war mir in diesem Fall auch keine große Hilfe. Immerhin begegnete ich keinen Dinosauriern. Ich seufzte leise, schrie dann aber auf, als sich plötzlich etwas auf Akita stürzte, welche laut bellte. Mir blieb jedoch keine Zeit, mich um meine Hündin zu kümmern, da zwei Gestalten von den Bäumen auf mich sprangen und mich links und rechts packten. "Was zur Hölle?!", schrie ich wütend und versuchte mich zu wehren. Erfolglos. "Lasst mich los! Ich will zu Jeldrik!", schrie ich weiter und warf den Kopf wild hin und her. Dabei entdeckte ich Akita, die im Kampf mit einem Flugsaurier war. "Akita, lauf! Hol Papa!", wies ich sie an und atmete erleichtert auf als die Kleine sich aus den Fängen des eigentlich ausgestorbenen Tieres befreite und im Dickicht davon jagte. Schweigend ließ ich mich dann von den zwei Männern durch den Dschungel führen. Nun gut, immerhin war ich jetzt in ihrem Dorf. Anders als geplant, aber ich war dort. Mit zerzausten Haaren stand ich schließlich an dem Marterpfahl, welcher wohl ziemlich mittig im Dorf lag. Wahnsinn, ich kam mir vor wie im falschen Film. Jetzt konnte ich nur noch hoffen, dass Jeldrik auf mich aufmerksam wurde. Vorsichtshalber hielt ich jedoch den Mund, wer konnte schon sagen, was diese Verrückten mit mir anstellen würden, sollte ich schreien.



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#45

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 28.11.2018 23:41
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Sanft gingen die Männer nicht mit der jungen Frau um. Sie waren es gewohnt, sich schnell und leise durch den Dschungel zu bewegen ohne über die vielen Wurzeln zu stolpern oder sich in den Lianen zu verfangen. Es kümmerte sie aber nicht, wenn Ariana stolperte und kaum in dem Tempo mitkam. Solange die Männer sie festhalten konnten und das nicht zu sanft, war es ihnen recht. Sie stießen auch immer wieder ihren Kopf so, dass sie nach unten sah um sich nicht umzusehen. Wobei sie vermutlich eh keine Orientierung in diesem Dschungel haben dürfte und man auch erst einmal nicht davon ausging, sie einfach so wieder gehen zu lassen. Die Fesseln wurden stramm gezogen, damit sie sich nicht befreite. Dann wurden mehrere Fackeln entzündet um für etwas Licht in der tiefen Nacht zu sorgen. Die Ratsmitglieder wurden geweckt - aber auch fast das ganze Dorf.
Es war mein Vater, der schließlich vor Ariana trat. Stolz und mit breiten Schultern blickte er auf sie hinab. Eine Kette bestückt mit den Reißzähnen von Dinosauriern kennzeichnete ihn eindeutig als Oberhaupt. Eines Tages würde diese Kette mir übergeben werden und ich würde einen weiteren Reißzahn hinzufügen von einem Carnivoren, den ich erlegen würde um die Ehre meiner Familie deutlich zu machen. "Warum bist du im Dschungel gewesen? Bist du eine Spionin?", fragte er mit hartem rauen Ton, richtete seinen Speer auf sie, die Klinge aus spitz gefeilten Knochen an ihr Schlüsselbein gedrückt. Ich unterdessen wachte langsam erst wieder auf. Viel Schlaf hatte ich ja nicht gehabt, aber das Getuschel vom Dorfplatz und das vermehrte Licht der Fackeln, welches in meine Hütte fiel, kam sicher nicht von ungefähr. Ich rollte mich also von meiner Schlafstätte und tappte nach draußen. Es ging mir nach wie vor nicht gut, aber ich wollte sehen, was ich verpasste. Ich schob mich an einigen Leuten vorbei, konnte dann einen Blick erhaschen auf Ariana und meinen Vater, der die Spitze des Speers langsam in ihre Haut bohrte und dabei langsam drehte. Kurz erstarrte ich, dann wollte ich losspringen und mich dazwischen werfen, wurde aber von zwei Kriegern aufgehalten. "Sieh es ein. Sie hat dir nur schöne Augen gemacht um hier her zu kommen. Sie ist gefährlich"; zischte mich einer an. Nicht dass es mich überzeugte. Sie mussten mich weiter festhalten, damit ich mich nicht dazwischen stellte. Mein Vater hatte kurz rübergeschaut, aber nur missbilligend. Er würde alle seine Antworten bekommen wollen, egal wie.


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#46

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 08.12.2018 23:26
von Alex • Senior Member | 5.846 Beiträge | 1040274 Punkte

Es dauerte eine ganze Weile, bis sich wohl das ganze Dorf um mich herum versammelt hatte. Irgendwie taten mir die Einheimischen leid, immerhin war es mitten in der Nacht und wegen mir mussten sie jetzt aus ihren Betten. Insofern sie überhaupt Betten hatte. Doch was dachte ich mir eigentlich? Diese Verrückten hatten mich gefangen genommen, verschleppt und an einen Pfahl gebunden. Schließlich tauchte endlich jemand auf, der wohl hier zuständig war. Der Häuptling quasi. Skeptisch betrachtete ich ihn von oben bis unten, bis meine Augen wieder an den seinen hängen blieben. Sein Englisch war noch schlechter als das von Jeldrik, wobei ich ihn immer noch einigermaßen verstehen konnte. "Ich suche Jeldrik...", fing ich also ehrlich an und sah mich verzweifelt nach dem jungen Mann um. "Mein Name ist Ariana Campell. Mein Vater ist Forscher und wir waren auf unserem Schiff unterwegs als wir in einen Sturm geraten sind und hier gelandet sind.", stellte ich mich vor und schluckte nervös. Ich sprach extra langsam und deutlich, damit der Fremde mich gut verstand. "Eigentlich wollten wir nicht lange hier bleiben, da wir ein anderes Ziel haben. Aber dann haben mein Vater und seine Leute die Dinosaurier entdeckt und sich dazu entschlossen, diese zu jagen, einzufangen und in unsere Welt zu bringen...", erzählte ich inzwischen hastig und rang kurz nach Luft. "Ich bin hier, um euch zu warnen. Diese Leute sind schwer bewaffnet.", kam ich schließlich auf den Punkt und sah mich erneut verzweifelt um.



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#47

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 09.12.2018 01:44
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Mein Vater war einst ein weiser Herrscher für das Volk gewesen. Er hatte eine strenge Hand, ja, aber um ein Volk in einer so rauen und wilden Umgebung am Leben zu halten, war er wie geschaffen. Er traf keine Entscheidungen, die das Dorf spalten könnten. Strafe bestand immer in gemeinnütziger und sozialer Tätigkeit. Ein weggesperrter Krieger war nur Ballast - wenn er aber mit den Sammlern ging um deren Vorsicht und Bedacht zu lernen, war es hilfreich. Allerdings setzte ihn das Auftauchen der Weißen unter einen gewaltigen Druck. Wie sollte er das beste für sein Dorf finden, wenn wir von außen gestört wurden, von Menschen. Er war kein schlechter Mensch, nur weil er ihnen nicht vertrauen konnte. Wenn sie nicht so zahlreich oder nicht so merkwürdig ausgestattet und schnell wieder verschwunden wären, dann wäre es auch nie ein Problem geworden. Aber es war nun zu spät und er fühlte sich bedroht. Was vielleicht auch meine Schuld war. Ich hätte es gerne jetzt bereinigt, irgendwie geklärt. Aber ich wurde zurückgehalten und das so im Hintergrund, dass ich kaum verstand, was Ariana meinem Vater erzählte. Ihm passte es aber auf alle Fälle gar nicht, dass sie meinen Namen kannte. Seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. "Du bist das Mädchen, das seinen Kopf verdreht", knurrte er, rammte die Speerspitze knapp unter ihr Schlüsselbein und drehte sie leicht in der Wunde. Fluchend versuchte ich mich aus dem Griff der Wachen zu lösen. Ich musste zu ihr, sie befreien - aber ich kam nicht gegen die Wächter an. "All deine Worte können genau so gut Lüge sein. Du machst unser Volk schwach und teilst es. Keine Waffe ist so gefährlich wie deine Worte", grollte er, ehe er den Speer zurückriss und sich abwandte. "Sie unterliegt allein dem Recht ihres eigenen Gewissens. Schafft sie weg", wandte er sich dann in unserer Sprache an die Wächter, die Ariana gefunden hatten. Es bedeutete nichts gutes. "Vater!", versuchte ich die Aufmerksamkeit vom Häuptling zu erlangen, doch er steuerte eh auf uns zu und blieb vor mir stehen. "Bitte. Sie ist kein schlechter Mensch. Sie hat ein solches Urteil nicht verdient", versuchte ich ihn umzustimmen. Was ich dafür kassierte als Antwort war seine Demonstration der Macht. Er hakte den Stab des Speers hinter meine Knie und riss mich von den Beinen. Unsanft landete ich auf dem Hintern, blickte im nächsten Moment auf die blutige Knochenspitze des Speers. "Wage es nie wieder, meine Entscheidung öffentlich anzuzweifeln. Egal ob sie lügt oder Wahrheit spricht. Wir können die Fremden hier nicht länger dulden", donnerte seine Stimme über mich hinweg, ehe er die Waffe zurückzog und mit energischen Schritten den Platz verließ. Ich rappelte mich auf, suchte mit Blicken nach Ariana, doch sah ich sie nicht mehr. Fluchend lief ich dann los. Ich musste sie finden. Man sollte ihr nichts antun.


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#48

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 12.12.2018 10:50
von Alex • Senior Member | 5.846 Beiträge | 1040274 Punkte

Meine Worte sollten gelogen sein? Stirnrunzelnd betrachtete ich den Mann vor mir und schüttelte fassungslos den Kopf. Wo war ich hier nur gelandet? Ich kam mir wirklich vor wie in einem schlechten Film. „Warum mache ich das Volk schwach und teile es?“, fragte ich empört nach und schüttelte ein weiteres Mal, nun etwas wilder, den Kopf. Unglaublich. Was bildete sich dieser Urzeitmensch eigentlich ein? Recht ihres eigenen Gewissens? Was sollte das jetzt schon wieder sein? Ich hatte kein schlechtes Gewissen und war mir keiner Schuld bewusst. Ganz im Gegenteil. Ich hatte mich alleine auf den Weg durch den fremden Dschungel gemacht, um diese Ureinwohner zu warnen. Dafür wurde ich jetzt von diesen bestraft? Die zwei Männer, welche mich auch im Wald gefunden hatten, banden mich von dem Pfahl los und zerrten mich in ein…wie sollte man das nennen? In meiner Welt nannte man es wohl Haus, doch ein Haus war dieses Ding definitiv nicht. Es war ein notdürftiges Zelt. Genau, Zelt beschrieb dieses Ding noch am ehesten. In dessen Inneren war kaum etwas, nur in der Mitte stand erneut ein Pfahl. An genau diesen wurde ich auch festgebunden. „Verdammt, lasst mich los!“, schrie ich wütend und schlug wild um mich. „Ihr Narren werdet alle sterben, ist euch das klar?“, stellte ich ruhiger fest und starrte die zwei Männer feindselig an. Doch es brachte nichts Stattdessen strich der eine mir nur mit einem lüsternen Blick über die kühle Wange nach unten zu meinem Hals und wagte es dann tatsächlich, mich in die rechte Brust zu zwicken. Wäre ich nicht gefesselt gewesen, hätte ich ihm wohl unverzüglich eine gescheuert und mein Knie zwischen seine Beine gerammt. Auf Jeldrik konnte ich wohl kaum vertrauen. Entweder wollte er mir nicht helfen oder er konnte es nicht. Also war ich auf einen Hund angewiesen. Akita war schlau, das stand außer Frage. Doch würde sie meinen Vater und unsere Leute dazu bringen können, ihr in das Innere der fremden Insel zu folgen? Ich wusste es nicht. Doch wenn meinem Vater auffallen würde, dass ich weg war, würde er gewiss nach mir suchen. Immerhin war ich seine Tochter. Sein einziges Kind. Was ich in diesem Moment nicht wusste, war, dass mein Vater bereits mit dreißig schwer bewaffneten Männern seinen Marsch durch den Dschungel angetreten war und nach mir suchte.



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#49

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 13.12.2018 23:21
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich wusste nicht genau, wo sie sie hingebracht hatten. Wenn Ariana keine Rechte mehr hatte, könnte sie auch schon tot sein. Sie könnte aber auch genau so noch am Leben sein. Ich musste alle Hütten absuchen, bei denen sie sein könnte. Es gab mehrere, die in Frage kämen. Zum einen die Wohnhütten der Wächter und zum anderen eigentlich alle Orte, die niemandem konkret gehörten. Ich durchsuchte zunächst eine Hütte der Wächter vergebens, ehe ich aus einem Zelt ihren Schrei hörte. Ich eilte dort hinüber, versuchte dabei dennoch nicht zu auffällig zu sein. Mein Vater wäre nicht begeistert, wenn er erfahren würde, dass ich nach ihr suchte um sie zu befreien. Er wollte sie tot sehen und vermutlich würde er gerne den Weißen ihre Leiche präsentieren, damit sie verschreckt das Weite suchten. Ich befürchtete nur, dass er sich täuschte. Auf mich hatten sie einen kriegerischen Eindruck gemacht und sie hatten Waffen, die wir nicht kannten. Wir waren nicht geübt im Kampf gegen Menschen. Und ich würde auch niemanden töten wollen. Wir gehörten doch alle einer Spezies an. Ich könnte ihnen doch nicht in die Augen sehen und ihr Leben auslöschen. Sie hatten doch sicher auch Familie, vielleicht Kinder. Und ich achtete das Leben. Auch wenn ich die Konsequenzen fürchtete, nichts zu tun. Schließlich erreichte ich das Zelt, trat mit selbstbewusst gestrafften Schultern ein und musterte die Männer kühl. Einer war gerade dabei ihr Oberteil mit einer Knochenklinge aufzuschneiden um sie zu entblößen. Ich kannte ihre Intention. Meine Miene verhärtete sich. "Ich beanspruche sie für mich", sagte ich fest. Beide Männer sahen mich stirnrunzelnd an. "Euer Vater sagte, sie hätte euren Kopf verdreht", sagte einer in einer verteidigenden Tonlage. "Und ich habe mich aus dem Bann befreit. Nun wird es Zeit, dass ich ihr den Kopf umdrehe um das zu beweisen"; erwiderte ich mit harter Stimme, als würde ich es ernst meinen. Ich musste für das Dorf den Schein wahren, sonst würde ich meinen Stand verlieren.
Nur widerstrebend ließen die beiden von ihr ab. Ich nickte ihnen zu, ehe ich ihre Fesseln von dem Pfahl löste um sie aus dem Zelt zu führen. Ich ließ ihre Fesseln vorerst dran, sagte auch nichts zu ihr. Ich hätte ihr gerne gesagt, dass ich ihr helfen wollte und sie hier raus brachte. Allerdings wäre es den beiden sicher aufgefallen, wenn ich ihr auf englisch etwas zugeflüstert hätte. Um den Schein zu waren, war mein Griff auch relativ fest, während ich in der anderen Hand mit meinem gebogenem Dolch spielte. Ich sah es als großes Glück an, dass sich das Zelt eh am Rande des Dorfes befand. Ich brachte sie also nur ein paar Meter in die Böschung und gerade als ich ihre Fesseln durchtrennen wollte, stockte ich. Ich hatte bisher noch nichts gesagt, zu sehr hatte ich darauf geachtet, ob uns aus dem Dorf jemand folgte. Aber es waren leise Geräusche zu hören, die nicht vom Dorf kamen. Schräg links von mir. Als würde jemand in der Hocke einen Fuß über den Boden schieben um das Gewicht anders zu verlagern. Rechts, ein leises Rascheln vom Farn, der zur Seite geschoben wurde. Dahinter der schwarze Lauf einer Waffe - auch wenn ich diese Worte dafür nicht hätte. Ich erstarrte. Und die, die uns beobachtet hatten, bemerkten es, kamen also mit erhobenen Waffen aus ihren Verstecken. Sie waren vielleicht nicht perfekt getarnt gewesen, aber im Dunkeln und auch ihre Tätigkeit als Naturforscher mit Kampfausbildung hatte ihnen den Vorteil gebracht, während ich noch von der Sorge im Nacken abgelenkt gewesen war. Ich blieb hinter Ariana stehen, während mir das Herz bis zum Hals schlug. Ich zählte über ein Dutzend Männer. Ich hatte keine Chance. Nicht mal das Dorf hätte eine Chance. Das Dorf schlief und die Wächter, die uns eigentlich hätten warnen können, hatten sich ja lieber an Ariana vergehen wollen, anstatt wieder auf ihre Posten zu gehen. Wir waren ihnen schutzlos ausgeliefert.


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#50

RE: Jurassic Isle | Dodo & Alex

in Jurassic Isle | Dodo & Alex 20.12.2018 21:56
von Alex • Senior Member | 5.846 Beiträge | 1040274 Punkte

Ich zuckte zusammen, als plötzlich noch eine männliche Gestalt betrat. Dann erkannte ich jedoch relativ schnell Jeldrik. Mein Gesicht entspannte sich für einen Moment, ehe seine Gesichtszüge jedoch hart wurden. "Ich beanspruche sie für mich.", gab er da einfach von sich und ich wurde noch ein wenig blasser als ich ohnehin schon war. Was sollte das nun wieder heißen? Er als Sohn des Häuptlings hatte gewiss das Recht auf Anspruch der Gefangenen. Aber was sagte sein Satz aus? Würde er mich jetzt vergewaltigen anstelle der zwei Männer? Machte es das besser? Ich biss mir nervös auf der Unterlippe herum. Inzwischen hatte einer der beiden Herren bereits den oberen Teil meines Shirts aufgeschnitten und ein gutes Stück Brust entblößt. Immerhin trug ich einen BH, weswegen es noch nicht ganz so schlimm war. Ein wenig verwirrt lauschte ich dem Gespräch der Männer. Kopf verdreht? Den von Jeldrik? "So ein Schwachsinn...", mischte ich mich in das Gespräch mit ein und schüttelte leicht den Kopf. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Jeldrik seine Worte ernst meinte. Ich schätzte ihn als deutlich intelligenter und sensibler ein. Demnach ließ ich es schweigend über mich ergehen, als der junge Mann die Fesseln löste und mich aus dem Zelt führte. Ich ließ seinen festen Griff wortlos über mich ergehen. Klar, ich hätte mich wehren können, doch das hätte nur unnötige Aufmerksamkeit auf uns gelegt. Insofern Jeldrik denn wirklich das vorhatte, was ich dachte. Sollte er mich wirklich für sich beanspruchen und zu sich ins Zelt bringen, würde ich meine nicht vorhandenen Versuche mich zu befreien gleich bereuen. Doch der Einheimische führte mich an den Rand des Lagers in den Wald. Gerade als er mich von den Fesseln befreien wurde, stockte er und sah sich nervös um. Was war denn jetzt los? "Bitte kein T-Rex, bitte kein T-Rex...", murmelte ich leise und folgte seinem Blick. Was ich dann sah, beruhigte mich ungemein. Moderne Waffen. Keine komischen Holzspieße oder Knochen. "Papa...", stieß ich hervor und die schwere Last viel augenblicklich von mir ab. Ich wusste, dass Akita sie zu mir führen würde. Kurz darauf erblickte ich auch schon das vertraute Gesichts meines Vaters, welcher sich mit geladener Waffe näherte und mich an sich zog. Im Hintergrund kreisten vier der Männer Jeldrik ein, der Einheimische würde wohl kaum eine Chance haben. "Papa, nicht! Das ist doch Jeldrik. Er ist gut. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich hier stehe. Unversehrt und unberührt.", beteuerte ich und hielt meinen Vater am Arm fest. "Bitte, lass ihn einfach gehen. Er wird nichts sagen!", versicherte ich ihm, doch mein Vater schüttelte leicht den Kopf. "Diese Menschen haben dich entführt, Ariana. Diese Menschen haben welche von uns getötet. Wir müssen ihn mitnehmen.", erklärte er mir mit ernstem Tonfall und ich schluckte. "Nehmt die Waffen runter. Bitte. Er wird mitkommen...", flüsterte ich und drängte mich zwischen zwei der Männer hindurch zu Jeldrik. "Mein Vater will dich mitnehmen. Dafür, dass deine Leute mich gefangen genommen haben. Bitte komm einfach widerstandslos mit, Jeldrik. Ich will nicht, dass dir etwas passiert...", informierte ich den jungen Mann und griff nach seinem Arm. Mein Blick war eindringlich auf ihn fixiert. "Vertrau mir. Dir wird nichts passieren, solange du einfach machst, was wir dir sagen. Und dann finden wir eine Lösung.."



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