#251

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 16.01.2019 17:34
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Den Gedanken an eine Zukunft hatte ich eigentlich schon verbannt, sobald ihre Familie mich gefasst hatte. Ich hatte gedacht, dass ich sterben würde. Ich hatte gedacht, dass ich nie mehr rauskommen würde. Allerdings war ich entkommen, auch wenn es leider meine Aussichten auf ein sicheres, gutes Leben auch erheblich erschwert hatte. Wenn es einen Geheimbund auf Regierungsebene gab, der von mir wusste, würde ich nie wieder zurück zu meiner Familie kommen. Ich konnte nicht zurück in mein Land, ich konnte nicht ich selbst bleiben. Ich wusste, wie Behörden in etwa arbeiteten, wie schwierig es werden würde, illegale Papiere zu besorgen um irgendwohin zu fliehen. Ich hatte es als Wolf geschafft, weil niemand Wölfe kontrollierte, weil ich nicht auf Flugzeuge oder Schiffe angewiesen war. Aber ich war mir nicht sicher, ob ich für immer hier bleiben könnte. Schon gar nicht mit Ronnie. Wenn sie mich gefunden hatte, wenn auch nur mit Hilfe eines weiteren Werwolfs, wie sollte ich wissen, ob ich nicht von anderen auch gefunden werden konnte. Zumindest, wenn ich nicht ein Wolf blieb. Ein Mensch fiel immer auf. Deshalb war ich so lange Wolf gewesen und hatte mich aufgegeben. Denn ich wusste, meine menschliche Identität musste sterben.
Ich hatte wirklich ein schlechtes Gewissen. Sie hatte mich so lange gesucht und ich konnte ihr nichts bieten. Sie hatte ihre Kette zurück erhalten, die sie mir mitgegeben hatte. Sie hatte mir Hoffnung gegeben am Anfang. Sie hatte mich dazu gebracht für mein Leben zu kämpfen und schlau zu fliehen. damit ich Ronnie wiedersehen konnte. Aber ob es das richtige war, konnte ich nicht einschätzen. Ich würde ihr im Weg stehen. Sie hatte das Recht auf ein gutes Leben und ich wusste nicht, ob ich ihr das je bieten könnte. Ein kleines Schmunzeln schlich sich auf meine Miene, als sie erklärte, warum sie selbst hergekommen war als erste. "Das stimmt. Niemand legt sich mit dir an, wenn du dir bei etwas sicher bist", bestätigte ich und malte mit einem Finger Muster auf ihren Handrücken. "Das ist sehr drastisch", flüsterte ich leise, als sie sagte, das sie lieber gestorben wäre als mich nicht wiederzusehen. "Aber ich liebe dich auch", setzte ich dann hinzu. Immerhin war das ja wohl der Liebesbeweis schlecht hin. Dass sie ihr Leben riskierte, nur um mich zu sehen. Ich beobachtete sie, als sie zu Ally ging und sich eine Konserve geben ließ, ehe sie damit wieder kam. Ich setzte mich etwas zur Seite, damit sie auch Platz auf der Matratze fand. Sie war zwar wirklich nicht mehr schön, aber immerhin wärmer und weicher als der kalte Steinboden der Höhle. Ich legte Die Decke mit um ihre Schultern und nahm zögernd einen Löffel entgegen. "Nicht direkt, aber ich schätze es wäre mal ganz gut, wieder menschliche Nahrung zu essen", murmelte ich und schauderte selbst kurz vor der Vorstellung und Erinnerung an die gerissenen Tiere, das rohe Fleisch, Haut mit Fell, Innereien, Knochen. Ich schob mir also einen Löffel mit Eintopf in den Mund und verzog spontan das Gesicht. "Oh mein Gott", murmelte ich ein wenig verstört, als ich es runterschluckte. Ich war durch meine 'Rohkost' absolut nichts gewürztes mehr gewohnt. Also empfand ich den Eintopf als ziemlich scharf und extrem salzig. Fertigprodukte waren ja eh recht salzig. Für mich war es aber, als hätte ich gerade versucht Meerwasser zu genießen. "Es wird definitiv Zeit brauchen, mich daran wieder zu gewöhnen", brummte ich frustriert, nahm aber dennoch einen weiteren Löffel.


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#252

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 17.01.2019 21:04
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

"Danke.", gab ich leise von mir als Chace die Decke auch über meine Schultern legte, wobei ich für einen kurzen Augenblick das Gesicht verzog. "Bitte nicht an meine Schulter kommen...", warnte ich meinen Freund mit einem flehenden Blick. Zwar hatte Alison ihr Bestes gegeben, doch wirklich gut ging es mir dennoch nicht. Mir wurde abwechselnd heiß und kalt und meine Schulter pochte. "Warum hilft dein Blut nicht, Ally?", fragte ich die junge Frau besorgt, welche daraufhin leicht seufzte und sich erhob, um zu uns zu laufen. Vor mir ging sie in die Hocke und musterte erst mich, ehe sie zu Chace sah. "Normale Verletzungen können wir innerhalb von Sekunden heilen. Verletzungen, die ein Werwolf zu verantworten hat, sind da schon schwieriger.", erklärte sie mir mit einem ziemlich besorgten Unterton. Nervös griff ich unter der Decke nach Chace's freier Hand, um diese leicht zu drücken. "Was heißt das?", hakte ich dann vorsichtig nach und schluckte unsicher. Alison hob beruhigend die Hände und lächelte mich sanft an. "Mach dir keine Sorgen, Ronnie. Werwolfbisse können lediglich nicht so schnell von uns geheilt werden wie andere Verletzungen.", gab die junge Frau von sich und runzelte dann die Stirn. "Lange nichts Richtiges mehr gegessen, hm?", fragte sie Chace und wir beide lachten leicht auf. Dennoch wollte ich nicht weiter daran denken, wovon sich mein Freund die letzten Monate über ernährt hatte. Müde und immer noch zitternd schob ich mir einen weiteren Löffel Linseneintopf in den Mund, legte dann aber den Löffel beiseite und kuschelte mich an Chace. "Ich bin so müde, Chace...", flüsterte ich leise und schloss die Augen. Obwohl er seit Monaten kein Mensch mehr gewesen war, roch er nicht extrem widerlich. Vielleicht lag das an der doch einigermaßen guten Hygiene, die solche Tiere hatten. Anders konnte ich es mir nicht erklären. Natürlich roch der junge Polizist nicht nach Parfüm oder After Shave, aber bestialisch stinken tat er auch nicht. Sein Geruch war einfach neutral. Alison's Stimme riss mich aus meinen Gedanken. "Wir werden dich wärmen, Ronnie. Sobald die Sonne aufgeht, machen wir uns auf den Weg zum Auto." Schwach nickte ich und ließ meinen Kopf dann weiter nach unten sinken, bis er schließlich auf Chace's Oberschenkel war. Meine Beine zog ich dicht an meinen Körper heran. "Eigentlich wäre es besser, wenn du dich für die Nacht wieder verwandelst, Chace. Du wirst sonst erfrieren. Und Ronnie auch. Ich kann euch nicht beide wärmen.", erklang wieder Alison's weiche Stimme und ich schluckte. Ich wollte nicht, dass Chace sich wieder verwandelte. Es hatte ihn so viel Überwindung gekostet, wieder ein Mensch zu werden. Wieso sollte er jetzt schon wieder zum Wolf werden? Doch Ally's Erklärung klang logisch und nur wenige Sekunden nach ihren Worten spürte ich ihr weiches Fell. Blinzelnd öffnete ich die Augen und blickte direkt in das Gesicht des Wolfes. Kurz zuckte ich erschrocken zusammen, ehe ich feststelle, dass sich Ally auf meinen Beinen abgelegt hatte und ihren Kopf auf meinem Bauch platziert hatte. "Danke...", murmelte ich leise und strich ihr vorsichtig über das Fell, ehe ich ein wenig nach oben zu Chace schielte. "Schaffst du das...?", fragte ich ihn leise und mit viel Sorge in der Stimme. Doch er musste es schaffen. Nicht nur wegen mir. Ein so spärlich bekleideter Mensch würde die Nacht bei diesen Temperaturen nicht überleben, Feuer hin oder her.



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#253

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 18.01.2019 01:42
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

"Tut mir leid"; sagte ich leise, als ich scheinbar gegen ihre verletzte Schulter kam und verzog leicht das Gesicht. Auch wenn sie sagte, dass es schon okay wäre und sie mir das verzieh, ich selbst würde es mir sicher eine ganze Weile nicht verzeihen. Ich hatte meiner Freundin fast den Arm abgerissen, ich hatte ihre Schulter zerfleischt und es war ein Wunder, wenn kein Knochen eine Schramme davon getragen hatte. Sie brauchte eigentlich dringend ein Krankenhaus, aber sie hasste die Gebäude genau so sehr wie ich. Aber wir konnten ihr leider nicht unbegrenzt helfen. Sie hatte viel Blut verloren, sie hatte vielleicht ein bisschen was mehr kaputt als man auf den ersten Blick glaubte. Und ein schmerzender Biss war immer einfach ein großer pulsierender Schmerz. Und ich machte mir einfach Sorgen. Allison ging es ähnlich. Man hörte es deutlich in ihrer Stimme und sah es in ihrem Blick. Vermutlich war es ganz gut, dass ich durch mein verzogenes Gesicht die Lacher auf meine Seite zog und so nicht für noch mehr Besorgnis und Ärger sorgte. Auch wenn ich kurz überlegt hatte, ob ich ihr verkaufen sollte, dass jeder Biss dazu führte, dass sie sofort auch ein Wolf wurde und den Mond anheulte.
Liebevoll strich ich Ronnie über ihr Haar, als sie sich an mich kuschelte und sagte, dass sie müde war. "Ist okay. Du darfst gleich schlafen", versprach ich ihr. Ich würde sie zwar gerne nur noch wach sehen und um mich haben, damit ich ihren Zustand die ganze Zeit nachvollziehen konnte, aber Schlaf war auch Medizin. Sie brauchte die Ruhe. Ich ließ sie sich hinlegen und strich ihr weiter zärtlich durchs Haar. Bei Alisons Worten verzog ich leicht das Gesicht. Ich wog meine Chancen ab. Ich hatte von Grund auf eine höhere Körpertemperatur und war Kältebeständiger als ein Mensch, auch wenn ich in menschlicher Form war. Aber Ally hatte Recht. Wir hatten um die minus zwanzig Grad, auch wenn wir in der Höhle waren, auch wenn wir ein Feuer hatten und auch wenn wir eine Matratze und eine Decke hatten und uns aneinander kuscheln konnten - es war zu kalt um die Nacht in dieser Form zu verbringen."Du solltest deine Jacke am besten auch als Decke benutzen. Ich kann dann besser an deiner Seite liegen und dich mit meiner Wärme direkt wärmen. Deine Jacke hält zwar Kälte ab, aber Wärme eben auch zu einem gewissen Teil", murmelte ich, ihrer Frage ausweichend. Ich hatte nicht die Befürchtung, dass ich die Verwandlung in den Wolf nicht schaffte. Ich hatte nur Angst, dass ich die Beherrschung verlor. Ich hatte meinen Instinkten so lange freien Lauf gelassen, hatte sie jetzt kurz eingesperrt und würde gleich wieder die Gestalt annehmen, in der es ihnen leichter fallen würde wieder die Überhand zu gewinnen. Und ich hatte einfach Angst, dass ich ihr vielleicht wieder wehtun könnte. Ich entzog meinen Schoß ihrem Kopf mit einem entschuldigenden Lächeln, gab ihr nun auch den Rest der Decke, damit sie sich daraus noch mehr Schutz basteln konnte. Dann ging ich ein Stück abseits, verwandelte mich. Es schmerzte auch, dauerte länger als das, was ich früher gebraucht hätte an Zeit. Ich hatte mich im Prinzip auch in der Dauer eines Wimpernschlags verwandeln können. Jetzt waren es mehrere Minuten, die sich mein Körper krampfend und windend wandelte. Schnaufend sortierte ich einen Moment alle meine vier Beine als die Schmerzen langsam wieder abklangen, ehe ich zurück zu Ronnie tappte. Ich legte mich längs neben sie. So konnte sie sich an mich kuscheln, wenn sie sich nicht vollends gerade hinlegen wollte, würde mein Hals vielleicht sogar ein gutes Kissen abgeben. Weich und flauschig war ich immerhin schon mal. Aber ich wagte es nicht zu schlafen. Ich war zwar müde, aber ich machte mir auch Sorgen. Das letzte mal als sie mich geweckt hatte, hatte ich ihr die Schulter zerbissen. Was, wenn ich im Schlaf die Kontrolle verlor und sie doch wieder angriff. Wenn ich wieder vergaß, was das hier sollte und wer sie war. Wenn ich schlecht träumte und es auf die Realität übertrug? Und außerdem lauschte ich so lieber ihrem Atem, ihrem Seufzen, undeutlichem Gebrabbel oder was sie sonst noch so von sich geben könnte.


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#254

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 20.01.2019 21:48
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

"Es muss dir nicht leid tun, Chace.", beruhigte ich meinen Freund mit sanfter Stimme und zog die Mundwinkel leicht nach oben. Er war im wahrsten Sinne des Wortes nicht er selbst gewesen und ich warf ihm nichts vor. Ich hatte schließlich gewusst, auf was ich mich einließ. Seinem Hinweis ging ich dann widerstandslos nach. Seufzend richtete ich mich auf, zog den Reißverschluss der dicken Winterjacke nach unten und schlüpfte dann mit einem gequälten Gesicht aus den Ärmeln. Dann legte ich die Jacke über die Decke und ließ dann meinen Blick zu Chace wandern, wobei ich das direkt bereute. Ob ich mich jemals an diesen Vorgang gewöhnen würde? Ich seufzte leise und blickte zu Alison, die bereits auf mir lag und mich mit ihren Augen ruhig anblickte. Fast als würde sie mir sagen wollen, dass diese Dinge für mich bald die Normalität sein würden. Leicht seufzend strich ich ihr über den Kopf und spürte dann auch schon eine Bewegung neben mir. Vorsichtig drehte ich mich leicht zur Seite und musterte den zweiten Wolf immer noch fassungslos. "Das ist einfach...absurd.", stellte ich kopfschüttelnd fest und blickte Chace für einige Sekunden etwas nachdenklich an, ehe ich die Decke etwas höher zog und mich an ihn kuschelte. Meine eine Hand vergrub ich dabei in seinem weichen Fell. "Ich liebe dich, Chace...", flüsterte ich mit sanfter Stimme und fuhr mit dem Zeigefinger der freien Hand vorsichtig über seine feuchte Schnauze. Ich war wirklich froh, dass ich Alison hatte. Mit ihr konnte ich über diese Sache reden. Ansonsten konnte ich meinen Freunden wohl kaum mein Leid über meinen Freund klagen, der sich nachts zum Werwolf verwandelte. Oder so ähnlich. Gedanken verloren biss ich mir auf die Unterlippe und blickte tief in die Augen des Wolfes, der tatsächlich mein Freund war. Alison hatte mir einiges über diese Spezies in der Realität erzählt, doch ich sah nach wie vor viele Fragezeichen. Insbesondere unsere Zukunft spielte da eine große Rolle. Schwangerschaft und Kinder würden nicht gerade problemlos werden. Eine nötige Verwandlung meinerseits konnte nötig werden. Doch ich wollte das nicht. Zeitgleich dachte ich bei diesem Thema auch an Fortpflanzung. Das Thema Sex tauchte in meinen Gedankengängen immer wieder auf. Ich konnte mit Chace sicher nie wieder schlafen, ohne einen Wolf vor mir zu sehen. Oder doch? Hatten Werwölfe auch in ihrer Wolfsform Geschlechtsverkehr? Ein wenig angewidert senkte ich den Blick und seufzte auf. Wir hatten einfach noch so viel vor uns. Doch erst einmal musste ich diese Nacht überleben. Morgen sah die Welt hoffentlich schon ganz anders aus. Zumindest wollte ich mir das einreden. Es war unklar, wie es für Chace und mich weitergehen würde. "Wir sollten uns einfach neue Identitäten anschaffen und auswandern.", murmelte ich leise und schluckte. Ich vermisste meine Familie trotz allem, was sie mir und Chace angetan hatten. A propos Familie. Da war ja noch etwas. Chace's Großvater. Bei der Erinnerung zuckte ich zusammen und blickte den Wolf gequält an. "Chace...dein Großvater...", fing ich schließlich mit rauer Stimme an und räusperte mich verlegen. Wahrscheinlich wusste der junge Mann bereits, was mit seinem Opa geschehen war. Oder er ahnte es zumindest. Ich verzichtete daher darauf, dieses Wort auszusprechen. Stattdessen lag mir etwas anderes auf dem Herzen. Etwas, was ich in den letzten Monaten gekonnt verdrängt hatte. "Er hat meine Mutter getötet, Chace.", stieß ich schließlich schluchzend hervor und vergrub meinen Kopf in seinem Fell. Vielleicht war es doch besser, wenn wir uns irgendwo absetzten. Rio de Janeiro, Buenos Aires oder auch die Malediven waren doch schöne Orte für ein neues Leben.



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#255

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 21.01.2019 01:13
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Vermutlich könnte Ronnie mir noch tausend mal sagen, dass es okay wäre, aber ich würde mich dennoch tausend weitere Male dafür entschuldigen. Ich war normaler Weise nicht der, der sich viele Fehler eingestand oder auch überhaupt nur irgendeinen. Ich machte keine Fehler und fertig. Ich war ehrgeizig und verbissen. Ich war nicht überextrem perfektionistisch, aber ich wusste immer, was ich wollte. Selbst meine Arschloch-Phase Ronnie gegenüber war an sich ja so geplant gewesen. Ich hatte sie auf Abstand halten wollen und das war mir zumindest eine Weile ja auch gelungen. Ja, da hatten sich auch Fehler eingeschlichen, sonst wäre das nie passiert, aber es wäre nichts, wofür ich mich entschuldigen würde. Aber dass ich sie verletzt hatte, das war ein großer Fehler gewesen. Und auch wenn ich noch sehr gut nachempfinden konnte, wie verstört ich vorhin noch war, wie wenig ich sie erkannt hatte und wie sehr der Wolf in mir die Oberhand gehabt hatte, ich hätte es schaffen müssen, sie nicht zu verletzen. Ich hätte sie ebenso gut töten können. Ein paar Zentimeter mehr Richtung Hals und ihre Schlagader wäre gerissen. Dann hätte selbst Allys Hilfe nichts mehr erreicht. Und ich hätte sie genau in der Sekunde verloren, in der ich sie wieder erkannt hätte.
Als sie mitteilte, wie abstrakt das alles noch für sie war, hätte ich gerne geschmunzelt. Sie hätte mich mal vor drei Jahren sehen müssen, als ich ganz frisch ein Wolf war. Es hatte mich extrem verstört, ich hab super lang gebraucht um mich damit abzufinden was ich war. So schmiegte ich mich aber einfach an sie, genoss es, wie sie sich an mich kuschelte. Als sie mir sagte, dass sie mich liebte, leckte ich zärtlich über ihre Hand vor meiner Nase. Ich konnte es ja gerade nur in der Wolfssprache mitteilen. Ich erwiderte ihren Blick, als sie mich musterte, bis sie mit einem fast etwas verzogenen Gesicht und einem Seufzen den Blick abwendete. Als sie vom Auswandern sprach, war ich es der seufzte. Ich war doch schon außer Landes geflohen. Aber sie hatte Recht, wir müssten noch weiter fliehen, wenn ich wieder als Mensch mich normal bewegen wollte. Und dann mussten wir ein Land finden, das nicht mit der Regierung unserer Heimat zusammenarbeitete und kein Auslieferungsabkommen hatte. Ich brauchte also ein sicheres Land und das würde sicher weit weg und sehr klein sein, sehr exotisch. Und vielleicht würden sie trotzdem weiterjagen. Zumal in solchen Gegenden ein Wolf sehr auffiel. Ich wusste nicht, ob ich so mein Leben verbringen wollte oder konnte oder auch ob ich das Ronnie antun wollte. Sie hatte das Recht auf ein gutes und wenigstens halbwegs normales Leben. Frustriert seufzte ich. Sie hatte wirklich einen tollen Zeitpunkt gefunden um das anzusprechen. So konnte ich ihr nicht widersprechen. Dann veränderte sich ihr Blick auf einmal. Besorgt legte ich den Kopf schief wegen ihrer gequälten Miene. Als sie dann anfing, von meinem Großvater sprechen zu wollen, dachte ich eigentlich, ich wüsste, was sie sagen wollte. Ich war mir ziemlich sicher, dass er tot war. Ich hatte die Schüsse und das Jaulen gehört. Ich hatte gewusst, dass er ein Wolf war. Aber das was sie dann sagte, schockte mich dann doch zutiefst. Mit großen Augen starrte ich sie an, ehe sie ihren Kopf in mein Fell steckte und schluchzte. Oh wie ich es hasste, gerade nichts sagen zu können, sie nicht in den Arm nehmen zu können. Gleichermaßen erinnerte mich diese Szene an damals, als sie verheult in der Höhle im Wald gesessen hatte und mir ihren Kummer erzählt hatte. Ob sie inzwischen wohl auch mal drüber nachgedacht hatte, dass ich doch von Dingen wusste, die sie mir eigentlich gar nicht hatte sagen wollen? ich schmiegte mich einfach eng an sie, gab ein leises Winseln von mir. Es tat mir unglaublich leid. Und makaberer weise dachte ich mir, dass unsere Familien jetzt irgendwie quitt waren. Er hatte ihrer Familie etwas genommen und sie hatten dafür Rache geübt und mir mein Leben auch noch gestohlen.


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#256

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 25.01.2019 22:18
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Irgendwann konnte und wollte ich nicht mehr weitersprechen. Die Erinnerungen schmerzten zu sehr und meine aktuelle Verletzung an der Schulter nahm mich mehr mit, als sie sollte. Nach Alison's Erklärung hatte ich zwar keine Wunderheilung erwartet, aber zumindest eine minimale Besserung. Doch das war nicht der Fall und ich gab mir dennoch große Mühe, mir nicht zu viel anmerken zu lassen. Also schwieg ich einfach und vergrub mein Gesicht in Chace's Fell. Es war immer noch merkwürdig und würde sich bestimmt auch nicht so schnell ändern. Aber meiner Meinung nach hatte ich mich doch recht schnell und gut damit abgefunden, dass mein Freund ein Werwolf war. Und seine beste Freundin ebenfalls. Und genug andere aus seinem Umfeld, die ich schon oft getroffen hatte, auch. Leise seufzte ich und versuchte mich mit schönen Gedanken aufzuwärmen und von den Schmerzen abzulenken. Mein ruhiger Atem ließ annehmen, dass ich relativ schnell eingeschlafen war. Tatsächlich lag ich aber noch mehrere Stunden wach, auch wenn ich mich kaum bewegte. Alison riss mich schließlich aus meinem Halbschlaf, da diese sich plötzlich erhob und durch die Höhle tapste. Gähnend richtete ich mich auf und blickte der Wölfin nach. Was hatte sie vor? "Ally?", rief ich mit schwacher Stimme und verschränkte fröstelnd die Hände vor der Brust. Wie hatte Chace nur all die Monate hier überlebt? War das Fell wirklich so dick, dass es ihn ausreichend wärmte? Ein Hustanfall machte es mir unmöglich, mich weiter um Alison zu kümmern. Keuchend hielt ich mir eine Handfläche vor den Mund und krümmte meinen Rücken leicht nach vorne. Wenn das keine schöne Lungenentzündung werden würde. Als ich mich endlich wieder beruhigt hatte, war von Alison schon keine Spur mehr. Fragend drehte ich mich zu dem zweiten Wolf und musterte ihn. Ob er besser geschlafen hatte als ich? Wahrscheinlich schon. "Und was machen wir zwei Hübschen jetzt?", fragte ich mit rauer Stimme und stand langsam auf, wobei sich direkt alles drehte. Taumelnd ließ ich mich wieder auf die alte Matratze fallen und starrte ratlos die Wand an. Meine Wunde pochte und obwohl ich gedacht hatte, dass es nach der Nacht etwas besser sein würde, war dies nicht der Fall. Ich musste dringend zurück in die Zivilisation zu einem Arzt. Doch wie sollte ich ihm die Verletzung an der Schulter, die man eindeutig als Bisswunde identifizieren konnte, erklären? Es würden Fragen aufkommen, die Polizei würde womöglich involviert werden. Und all das mussten wir vermeiden. Ich seufzte bedrückt auf und schlüpfte schließlich gequält in meine Jacke. Chace sollte bestenfalls nicht sehen, dass die Wunde über Nacht nicht nur geblutet, sondern auch geeitert hatte. "Vielleicht holt sie das Auto...", überlegte ich laut und blickte zum Höhleneingang. Es war bereits hell und vielleicht konnte Alison den Geländewagen tagsüber besser durch diese Gegend lenken als am Vorabend. Zumindest hoffte ich das. Erst einmal startete ich nun einen weiteren Aufstehversuch und kam dieses Mal tatsächlich schwankend hoch. Langsam steuerte ich Schritt für Schritt das Feuer an, welches nur noch schwach loderte. Daneben lag der Rucksack, in welchem noch irgendwelche Nahrungsmittel sein sollten. Mit zitternden Händen zog ich eine Wasserflasche hervor und trank einen Schluck, ehe ich tatsächlich noch ein paar Sandwiches fand. Triumphierend hielt ich den Tankstellenfraß in die Luft und wedelte damit Chace zu. "Hunger?", fragte ich und packte eines mit Schinken aus der Verpackung aus. So ein Billigsandwich hatte selten so gut geschmeckt.



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#257

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 30.01.2019 02:02
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Vermutlich war es sogar ein Fehler gewesen, die Wunde so schnell mit dem Blut von Allison heilen zu wollen. Wenn man blutete, spülte das auch die Keime aus der Wunde. Die Wunde, die ich ihr zugefügt hatte, war tief und sicherlich nicht mal ansatzweise hygienisch. Sie hatte Kleidung angehabt, deren Fasern sich mit in ihr Fleisch gegraben hatten und ich hatte in meiner Wolfsgestalt nicht gerade meine Zähne geputzt und desinfiziert. Es war nun die Entscheidung zweier schlimmen Szenarien. Entweder wir ließen sie verbluten, damit die Wunde sich selbst reinigen konnte oder wir unterbanden das und riskierten eine Entzündung. Die zweite Möglichkeit war unsere Wahl gewesen. So hatten wir wenigstens ihren möglichen Tod aufgeschoben und konnten sie vielleicht ins Krankenhaus bringen oder hätten Glück genug, dass sie keine Probleme bekam. Selbst während ich noch keine Ahnung vom Zustand ihrer Wunde hatte, machte ich mir dennoch Sorgen, während sie eigentlich schlafen sollte und ich auch dachte, dass sie schlief. Ihr Atem war ruhig, sie an mich gekuschelt. Ich schlief nur unruhig, war regelmäßig wach und lauschte angestrengt ihrem ruhigen Atem. Solange sie nicht flach atmete, sich fiebrig herumwälzte und vor allem aber lebte, war ich wenigstens ruhig genug um zwischendurch ein wenig Erholung zu finden.
Auch ich blickte Ally nach, als sie aus der Höhle tapste, aber dachte mir nicht großartig viel dabei. Es gab so viele mögliche Gründe zu gehen. Viel mehr Sorgen machte mir das Husten von Ronnie. Ich blickte sie besorgt aus meinen großen Augen an und auf ihre Frage wusste ich keine Antwort. Ich war gerade aber eh in Wolfsgestalt und konnte nicht antworten. Ich wüsste aber auch nicht, was ich sagen sollte. Ich war seit Monaten hier als Wolf, sie hingegen gehörte so gar nicht in eine karge kalte Höhle wie diese. Als sie aufstand und taumelte, sprang ich auch auf, wollte sie stützen, doch da saß sie schon wieder neben mir auf der Matratze. Besorgt blickte ich in ihr blasses Gesicht und Gewissensbisse verknoteten mir den Magen. Ich saß wie angewurzelt dort, beobachtete sie und suchte nach einem guten Plan, während sie ihre Jacke wieder richtig anzog. Unzufrieden entschied ich mich vorerst dafür, mich zurück zu verwandeln, damit ich mit ihr reden konnte und auch später mit ihr und Ally alles besser klären konnte. Während Ronnie also am Feuer saß und nach Essen suchte, zwang ich mich zurück in meine menschliche Form. Es war immer noch nicht angenehm, schmerzte gefühlt sogar mehr als am Vortag, weil mein Körper sich noch nicht so wirklich davon erholt hatte, dass er sich jetzt wieder ändern können musste. Lediglich schneller war es schon wieder. Es war nicht mehr eine Sache von ein bis zwei Stunden, weil ich die Abläufe wieder drin hatte. Es dauerte dennoch noch mehrere Minuten und am Ende stand mir der kalte Schweiß wieder auf der Stirn, als ich mich in die Decke wickelte, damit ich nicht nackt durch die Gegend lief. Klamotten hatte ich hier nicht mehr. Die musste ich mit der Zeit als Wolf weggeschleppt haben um den Geruch nach mir zu vermindern und woanders hin zu lenken. Dennoch hatte Allison mich gefunden. "Klar, immer. Wolf sein und Form wandeln ist anstrengend", meinte ich matt, während ich barfuß zu ihr tappte. Ich setzte mich neben ihre gesunde Seite, ganz nah und hauchte ihr kurz einen Kuss auf die Wange. Währenddessen griff ich nach ihrer Hand, in der sie das Sandwich hielt, klaute es ihr flink und schenkte ihr einen frechen Blick, biss dann herzhaft hinein. Kurz wollte ich uns eine Auszeit von der Sorge und der Unwissenheit geben, ein bisschen herumblödeln und die Tatsache ignorieren, dass sie dringend eine ordentliche Heizung und einen Arzt brauchte. Geschweige denn, dass ich auch irgendwie wieder meine Rolle finden musste.


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#258

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 28.07.2019 22:22
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Ich schüttelte leicht den Kopf und zog die Augenbrauen nach oben. Wolf sein und Form wandeln ist anstrengend. Es klang einfach nach wie vor zu verrückt um wahr zu sein. Zwar hatte ich mich in den letzten Monaten irgendwie damit angefreundet, dass mein Freund ein Werwolf war, aber irgendwie fühlte es sich so verrückt an. Mit wem sollte ich denn darüber reden? Gut, meine Familie wusste Bescheid. Meine Familie, die Werwölfe jagte. Seufzend verschränkte ich die Arme vor der Brust und verfolgte mit den Augen Chace, welcher inzwischen neben mir aufgetaucht war und mein Sandwich klaute. "Ey.", beschwerte ich mich lachend und zog den jungen Mann an seinem Arm auf den kalten Steinboden. "Du kannst dir doch ein eigenes nehmen.", stellte ich amüsiert fest und lehnte meinen Kopf an seiner Schulter an. Ich war extrem müde und mir tat so ungefähr jeder Knochen, jeder Muskel und jede Faser meines Körpers weh. Ich war definitiv nicht für diese Umgebung geschaffen und konnte nicht nachvollziehen wie Chace es hier so lange ausgehalten hatte. "Ich hoffe wirklich, dass Ally bald zurückkommt...", stellte ich mit brüchiger Stimme fest und kuschelte mich noch dichter an Chace. Wie sollte es nun weitergehen? Wir waren irgendwo im nirgendwo, man suchte bestimmt nach uns und mir ging es von Minute zu Minute schlechter. Wir brauchten dringend Hilfe, doch an wen sollten wir uns denn wenden? Meine Familie fiel vorerst auf jeden Fall weg, seine übrige Familie wusste von all dem Drama nichts. Ich spürte, wie warme Tränen über meine Wange liefen. Ich wollte nicht weinen, immerhin war ich nach wie vor ich. Doch ich konnte nicht anders. Ich würde vermutlich in dieser Höhle sterben.



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#259

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 11.08.2019 01:06
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich konnte ihr ansehen, dass sie ratlos war. Ich hatte ihre normale Weltanschauung aber auch wirklich durcheinander gebracht. Gut, ihre Familie hätte ihr auch ohne mich irgendwann vermutlich erklärt, dass es Monster gab, die es zu töten galt. Wenn sie mich nicht lieben würde, wäre sie vielleicht eine kaltherzige Killerin geworden und wäre auf der Jagd, anstatt neben mir zu sitzen. Wobei es für sie vielleicht dann besser gelaufen wäre. Dann wäre sie nicht verletzt und drohte hier zu verbluten. Und ich war daran Schuld. Wenn sie einfach bei ihrer Familie geblieben wäre, dann hätte ich einfach weiter vergessen, wer ich war und sie hätte sich nie von einem Wolf so angreifen lassen. Sie wäre vorbereitet gewesen, hätte bei so einem Angriff eine Strategie gehabt und den Wolf getötet. Ein Schauder lief mir über den Rücken bei dem Gedanken, dass sie mich hätte töten können. wenn es etwas anders gelaufen wäre. Und dieses beklommene Gefühl wollte nicht so wirklich wieder gehen. Was sollte ich aber auch tun? Sie war zu mir gekommen. Sie und unsere beste Freundin hatten mich gefunden und nun saß ich hier, hatte ihre Seite zerfetzt und konnte doch eh nicht mehr zurück. Meine Identität als Wolf war aufgeflogen. Ihre Familie würde mich nie in ihrer Nähe akzeptieren und hatte höchstwahrscheinlich anderen Jägern bescheid gegeben um flächendeckend Ausschau zu halten. An jeder Ecke könnte jemand lauern, der mir eine Silberkugel durchs Herz jagte, den Kopf abschlug oder mir eine Spritze mit Wolfskraut in den Hals rammte. Ich war zwar ein Raubtier, aber nicht mehr der Jäger.
Der Sandwich-Diebstahl und das Herumgealber damit war wirklich ein Versuch irgendwie den Abgründen meines Schicksals und ihrer ernsten Lage noch kurz zu entrinnen. Ganz kurz wollte ich sie einfach bei mir haben, als wäre nichts, als wären wir einfach auf einem gemeinsamen Ausflug in die verschneitesten Berge Kanadas gefahren. "Das kann ich danach auch immer noch"; drohte ich spielerisch. Dabei würde ich ihr lieber mehr Essen lassen als für mich zu nehmen. Vermutlich würde ich eh erst noch mal richtig schön Bauchschmerzen bekommen, weil mein Stoffwechsel gerade eigentlich nur rohes Fleisch, Haut, Knochen und Innereien gewohnt war. Ich wusste, dass es sehr befremdlich war oder sein sollte, aber für mich war es so normal gewesen und geworden. Dennoch war ich froh, dass in der Höhle keine Abfälle herumlagen. Hier war nicht meine Fressstätte. Sonst wäre Ronnie sicherlich nicht mehr hier, wenn hier Schädel und Gebeine noch herumliegen würden und sie sich wirklich bewusst machte, dass ich eben wirklich mehr Tier als alles andere gewesen war. Der Geschmack des Sandwichs war für mich der Knaller. Wenn man normale Nahrung so gar nicht mehr gewohnt war, war es, als wäre es ein edles Menü. Ich genoss die Bissen sichtlich, aß langsam um das Geschmackserlebnis zu verinnerlichen.
Bei der brüchigen Stimme an meiner Seite vergaß ich glatt meine Freude an menschlichem Essen. Sofort fühlte ich mich flau. Vielleicht lag es nur an der Sorge, die mich schwer traf oder wirklich auch an der Mahlzeit. "Sie ist die beste Fährtenleserin und ist eine Künstlerin in allen Situationen. Sie wird bald wieder da sein", sagte ich mit beruhigender Stimme und nickte bekräftigend. Ob ich mehr mich oder Ronnie beruhigen wollte, war dabei nicht ganz sicher. Sanft strich ich ihr mit meiner Hand über den Rücken, setzte mich etwas anders hin und zog sie dann vorsichtig, um ihr nicht noch mehr wehzutun, auf meinen Schoß, sodass sie mehr Körperwärme von mir bekam. Dabei sah ich die leichten Tränenspuren auf ihren Wangen, strich sie mit einem Daumen fort. "Hey", flüsterte ich sanft. "In der Wildnis wird nicht geweint, Salz ist ein seltenes Gut. Und nicht dass hier gleich Kristalle von deinen Wangen purzeln", versuchte ich sie mit leichter Ironie zu trösten, wiegte sie leicht vor und zurück und lauschte angestrengt. Allison musste dringend wieder herkommen und einen Plan haben. Ich hatte nämlich nach wie vor keinen wirklich guten Plan.


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#260

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 10.11.2019 17:38
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Schluchzend und mit zittrigem Körper ließ Ronnie es zu, dass Chace sie auf seinen Schoss zog. Seine Stimme beruhigte sie dabei doch ein wenig, wenn auch nicht viel. Natürlich war Allison eine gute Fährtenleserin und würde es gewiss schaffen, den Wagen irgendwie hier her zu bekommen. Insofern das immer noch der Plan war. Ronnie seufzte leise auf und vergrub ihren Kopf kurz an seiner Schulter, ehe sie sich wieder leicht aufrichtete und den jungen Mann traurig ansah. Seine Worten brachten sie dann doch leicht zum lachen. "Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet wir beide mal irgendwo im Nirgendwo in einer Hölle sitzen.", stellte sie trocken fest und legte den Kopf leicht schief. Die ganze Situation war einfach komplett verrückt. Ronnie hatte doch eigentlich nur die Zeit vor dem Studium sinnvoll nutzen wollen und sich für ein Jahr als Au-Pair entschieden. Dann war sie auf den älteren Sohn der Familie gestoßen, die beiden hatten sich hassen gelernt und nun? Nun verriet Ronnie sogar ihre eigene Familie für diesen Typen. Nachdenklich fuhr sie ihm durch die dunklen Haare und bedeckte seine Stirn mit Küssen. "Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht, du Arschloch.", tadelte Ronnie den Polizisten und legte ihre Arme nun um seinen Hals. Die letzten Wochen waren alles andere als leicht für sie gewesen, doch auch die Zukunft würde noch einige Probleme mit sich bringen. "Vor kurzem hätte ich nicht einmal gedacht, dass ich mir mal solche Sorgen um dich machen und dich so vermissen würde.", gab die Amerikanerin mit den spanischen Wurzeln schmunzelnd zu. "Und dann finde ich dich endlich nach ewig langer Suche und du bringst mich erstmal fast um. Es ist fast wie früher.", stellte Ronnie frech grinsend fest und suchte mit ihren Lippen nach den seinen. So lange hatte sich die junge Frau nach ihm gesehnt. Trotz der Kälte und ihrer Verletzungen wollte Ronnie Chace immer noch. Mit geschlossenen Augen zog sie seinen Duft ein, murmelte ein kicherndes "Du riechst nach Hund." und küsste den Werwolf dann wieder. Vielleicht träumte die 17-Jährige auch nur. Jeden Moment würde sie im Haus der Familie Bail aufwachen und es würde alles so sein wie immer. Die Kleine vergötterte sie, Chace hasste sie. Es war alles nur ein Traum gewesen und Werwölfe existierten nur in der Fantasie. Chace war ein normaler, junger Mann, der bei der örtlichen Polizei arbeitete. Die beiden triezten sich bei jeder Gelegenheit. Doch das würde wohl nicht mehr passieren. Ronnie liebte Chace, auch wenn ihr diese drei Worte noch immer schwer über die Lippen kamen. Und obwohl die Beiden gerade definitiv andere Sorgen hatten, sehnte sich alles in Veronica nach ihrem...Freund? So wurden ihre Küsse schnell fordernder. Ronnie wollte mehr. Außerdem würde es sie auch ein bisschen aufwärmen. Beinahe schämte sich die junge Frau dafür, gerade nur an Sex denken zu können.



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#261

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 10.11.2019 23:47
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es war erstaunlich, wie sein Gefühl für die vergangene Zeit und was er da alles verpasst hatte oder haben könnte, erst nach und nach zurückkam. Chace war sich vorher nicht bewusst gewesen, wie sehr er sie vermisst hatte, wie sehr er das Mensch sein verlernt hatte. Seine Knochen schmerzten immer noch ein wenig. Sicher würden auch die nächsten Verwandlungen noch ziemlich wehtun und länger dauern als zuvor. Er hoffte nur inständig, dass er wenigstens noch Kontrolle darüber hatte, wenn er sich zu sehr aufregte, dass er sich nicht sofort verwandelte. Er würde sonst noch eine ganze Weile ein Einsiedler bleiben müssen. Sowieso wusste er noch nicht so richtig, wie er wieder ein normales Leben anfangen konnte. Oder ob das überhaupt ging. Er ging nämlich davon aus, dass er jetzt auf sowas wie einer Fahndungsliste für Werwolfjäger stand und wie sollte er seiner Familie erklären, dass er so lange weg gewesen war. Entweder sie dachten, er ist einfach abgehauen und konnten sich das nicht erklären, oder ihnen wurde vielleicht durch die Jäger, wenn die mit der Polizei zusammenarbeiteten, erzählt, dass Chace ein Verbrecher war und die Polizei korrumpiert hatte und deshalb auf der Flucht vor den Behörden war. Er hatte wirklich keinen Schimmer davon, wie verstrickt und durchtrieben Jäger waren. Er hatte immer gehofft, niemals Bekanntschaft mit solchen machen zu müssen. Und dann war ausgerechnet die komplette Familie der Frau in diesen Kreisen unterwegs.
Bei ihren geschmunzelten Worten grinste der junge Mann, strich der Brünetten zärtlich durchs Haar. "Naja genau genommen waren wir schon mal zusammen in einer Höhle und da hast du auch geweint", sagte er. "Aber... da wusstest du ja auch nicht, dass ich das war", gestand er ihr zu. Und es war natürlich nicht so weit weg gewesen wie das hier. Bei ihrem Tadel schloss er seine Arme enger um sie. "Tut mir leid. Aber ich bin hier sicher", sagte er. Der Verzicht dabei die Vergangenheitsform zu nutzen war dabei eher unbeabsichtigt. Er hatte hier jetzt so viel Zeit verbracht, war auf sich gestellt gewesen. Auch wenn er gelebt hatte wie ein Tier und wirklich nur ein solches gewesen war. Er hatte sich zwar verloren und wenn er länger in dem Zustand gewesen wäre, wäre es vermutlich gewesen, als wäre er gestorben. "Und ich dachte, es ist besser für dich, wenn ich weit weg bin. Dann bin ich nicht gefährlich für dich und du bist mit deiner Familie versöhnt.." sagte Chace leise.
Auf ihren scherzhaften Kommentar, dass er sie fast getötet hatte und das an früher erinnerte, mochte Chace gar nicht wirklich reagieren. Er fand das nicht witzig. Er gab sich immer noch die Schuld an ihrem Zustand und machte sich unglaubliche Sorgen. Bevor der junge Mann sich eine Reaktion hätte überlegen können, küsste sie ihn aber auch schon. Er seufzte leicht in den Kuss hinein, weil er das Gefühl von ihren zarten Lippen an seinen so sehr genoss und so lange nicht hatte fühlen können. Dann lachte er leise, als sie meinte, dass er nach Hund roch. "Du riechst nach Schnee, trotzdem nach einem sonnigen Frühlingsmorgen und - " ihr Kuss unterbrach ihn zum Glück. Sonst hätte er noch gesagt, dass sie nach Blut roch. Dann wurde sie fordernder. Einen Moment war er so gefangen von diesem Gefühl, ihrer Nähe, ihren Armen, die sich fest um seinen Nacken schlangen. Er erwiderte ihre hitzigen Küsse, doch als er seine Hände über sie wandern ließ und an den zerfetzten Stoff kam, zuckte er zurück. Ruckartig löste er Hände und Lippen von ihr, sah sie ernst an. "Das geht nicht"; sagte er leicht rau, räusperte sich dann lieber. "Du blutest immer noch. Wir müssen uns darum kümmern. Ich... ich kann mich darum kümmern, aber dabei musst du mir vertrauen. Ich muss deine Wunde mit meinem Blut behandeln, damit sie anfängt zu heilen", begann er zu erklären und musterte sie dabei eingehend. Denn das klang für sie sicherlich ziemlich verrückt.


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#262

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 12.11.2019 13:39
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Seine liebevollen Worte ließen Ronnie schmunzeln. Sie erinnerte sich kaum noch an ihren kleinen emotionalen Zusammenbruch in der Höhle. Das Chace sie schon damals beobachtet hatte, jagte ihr kurz einen unangenehmen Schauer über den Rücken. Wer hätte gedacht, dass der griesgrämige Polizist so viele Geheimnisse hatte? Geheimnisse, die sie wohl inzwischen alle kannte. Oder gab es noch mehr, was Ronnie bisher nicht wusste? Chace riss die Brünette wieder aus ihren Gedanken und sie nickte verständnisvoll. Nachdem, was ihre Familie ihm angetan hatte, war es doch nur logisch, dass er geflüchtet war und sich versteckt gehalten hatte. Ronnie hätte an seiner Stelle nicht anders reagiert. Beim Gedanken an ihre Jungs seufzte sie traurig auf. Ihre Entscheidung hatte Ronnie an dem Tag getroffen, an dem sie Allison überredet hatte, mit ihr nach Chace zu suchen. Sie hatte sich für ihren Freund und gegen ihre Familie entschieden. Natürlich tat es weh, aber Ronnie konnte sich nicht vorstellen, ihrem Vater und ihren Brüdern jemals wieder in die Augen schauen zu können. Sie hasste sie dafür, was sie ihrem Chace angetan hatten. Was sie ihr angetan hatte. Für Ronnie war Chace kein Monster, sondern eher ihre Familie. Wer folterte denn bitte Menschen?! Das war krank und widerlich. "Meine Familie hätte mich vermutlich sterben lassen, um Informationen von dir zu bekommen.", gab Ronnie irgendwann angesäuert von sich und presste die Lippen aufeinander. Familie konnte man sich nicht aussuchen, Freunde schon. "Du bist jetzt meine Familie, Chace Godric Bail. Ob du willst oder nicht.", murmelte Ronnie mit ruhiger Stimme und lächelte leicht. "Und gefährlich bist du für mich auch nicht. Du würdest mir niemals was antun. Nicht mal nach einsamen Monaten in der Wildnis als...", erklärte sie und stockte kurz. Der Ausdruck war für sie immer noch ungewohnt. "In deiner anderen Gestalt."
Seine Beschreibung ihres Duftes ließ sie jedoch auflachen. Nach Schnee und einem sonnigen Frühlingsmorgen? Interessant. Skeptisch betrachtete sie ihren Gegenüber und schüttelte den Kopf. Er hatte wohl eine viel feinere Nase als sie. Doch gerade, als die beiden so schön bei der Sache waren, hielt er plötzlich ruckartig inne. Alarmiert sah Ronnie in Richtung Höhlenausgang. Hatte er etwas gehört oder gerochen? Doch seine Worte ließen sie sich ihm wieder zuwenden. Bei den Worten, die Chace's Mund verließen, schluckte Ronnie. Das klang schon verdammt eklig und kam ihr irgendwie...vertraut vor. Angestrengt presste sie die Lippen aufeinander und dachte nach, kam jedoch nicht darauf. "Habe ich eine andere Wahl?", antwortete die Brünette nach einigen Sekunden des Schweigens und rutschte vom Schoss des jungen Mannes, um vorsichtig und unter schmerzhaften Stöhnen ihren Oberkörper frei zu machen. So hatte sie sich das Ausziehen allerdings nicht vorgestellt.



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#263

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 12.11.2019 17:41
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Chace hätte wirklich nicht gedacht, dass Ronnie ihm nacheilen würde bis in diese abgelegene Gegend. Sie war so weit weg von ihrer Familie, weg von Freunden und abgeschieden von jeglicher Zivilisation. Hätte man ihm das früher mal erzählt, hätte er nur gelacht. Sie hatten sich doch immer gehasst, bis nach langer Zeit irgendwie ein Groschen gefallen war und er sich irgendwie in diese Frau verguckt hatte. Und außerdem hatte er sie immer eher für 'Team Luxushotel' und nicht 'Team Camping' gehalten. Und hier hatte sie nicht mal richtiges Camping. Sie hatte die Kleider, die sie trug, ein bisschen Verpflegung und ein kleines Feuer. Es war trocken, aber wirklich verdammt kalt. Er konnte das gut ab mit seiner hohen Körpertemperatur, aber sie? Und dann auch noch verletzt. Als sie meinte, dass ihre Familie sie vielleicht sogar hätte sterben lassen, wich er ihrem Blick aus, presste die Lippen zusammen. Er erinnerte sich daran, was ihr Vater ihm erzählt hatte. Dass die Jäger in einem Geheimbund zusammenarbeiteten und es dort sehr skrupellos zuging. Dass dieser ohne zu zögern Ronnie foltern würde, damit sie über Chace an das Rudel kommen würden. Das musste er unbedingt verhindern und deshalb konnte er auch nicht einfach zurück. Selbst wenn sie es schaffen würden, ihre Familie zu überzeugen, ihn am Leben zu lassen, waren sie beide nicht unbedingt in Sicherheit. Irgendwie musste er es schaffen, einen ganzen Geheimbund zu unterwerfen, zu überzeugen oder sonst was mit ihnen anzustellen. Er würde alles dafür tun, damit seine kleine Veronica in Sicherheit war - außer sein Rudel verraten. Das konnte er nicht. Aber er konnte es auch nicht gegeneinander aufwiegen. Als sie ihn als seine Familie bezeichnete, wurde seine grüblerische Miene wieder weich. "Ich hab ganz vergessen, wie süß du manchmal sein kannst", erwiderte er, gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn.
"Naja.. ich habe dich verletzt und das nicht gerade wenig", bedauerte Chace den Vorfall vom Anfang. Die Schuldgefühle waren erdrückend. Und diese Schuldgefühle sorgten eben auch dafür, dass er sich doch nicht so richtig auf die hitzigen Küsse einlassen konnte. Er musste sich erst um sie kümmern. "Nein. Der große böse Wolf hat das Sagen", meinte er leicht ironisch, ehe er ihr aus der Jacke und ihren Oberteilen half. Er schluckte schwer, als er diese zerfetzte Wunde sah. "Am besten siehst du lieber nicht hin", murmelte er dann leise, ehe er kurz durchatmete. Er war ein wenig außer Übung, was seine Verwandlungskünste anging, aber nach einer kurzen Konzentration schaffte er es, seine Zähne zu wandeln, sie zu schärfen. Dann biss er sich selbst ins Handgelenk. Er versuchte zu verbergen, wie schmerzhaft es war, sich selbst zu beißen. Der Körper und das Immunsystem fanden das gar nicht witzig. Das Blut rann aus der Wunde, tropfte zu Boden, ehe er seinen Arm so über ihre Verletzung hielt, dass sich sein Blut mit ihrem mischte und die Wunde heilen konnte. Er begutachtete sorgsam, dass es gut verteilt war, ehe er seinen Arm wieder von ihr weg zog und sich wieder neben sie setzte. Einen Moment schloss er die Augen. "Es sollte dir gleich besser gehen", meinte er nur, während seine Wunde munter vor sich hin pochte. Sie verheilte nicht so schnell wie eine normale Verletzung. Und vielleicht war es ein bisschen tief gewesen, sodass es immer noch recht stark blutete. Aber Ronnie war ihm wichtiger gewesen.


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#264

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 13.11.2019 21:48
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

So hatte sich Ronnie das Wiedersehen mit Chace irgendwie nicht vorgestellt. In ihren Träumen hatte er sich einfach in irgendeinem Hostel abgesetzt oder ein Leben mit einer neuen Identität angefangen. Doch nichts davon war der Fall. Stattdessen hatte er monatelang in Wolfsgestalt in dieser Einöde gelebt. Es musste furchtbar gewesen sein. Zumindest half der junge Mann ihr aus den Klamotten und der Schock stand ihm dann ins Gesicht geschrieben. "Es sieht schlimmer aus als es ist...", murmelte Ronnie und presste die Lippen aufeinander. Natürlich hatte sie wahnsinnige Schmerzen, aber ihr Freund fühlte sich sowieso schon miserabel. Da würde sie ihm wohl kaum die Wahrheit sagen. Seine Warnung ließ sie allerdings kalt. Sie wollte ihn sehen, so wie er war. Also fixierten sich ihre blau grauen Augen auf den jungen Mann, welcher wohl zu kämpfen hatte mit der Verwandlung. Obwohl sie sich wirklich Mühe gab, verzog Ronnie doch ein wenig ihr Gesicht, als die scharfen Zähne hervor traten. "Das ist..Wahnsinn...", stieß sie mühsam hervor und war kurz davor, sich zu übergeben, als Chace seine Zähne in der Haut am Handgelenk vergrub und das rote Blut sofort zum Vorschein kam. Ob Ronnie sich jemals daran gewöhnen konnte, dass ihr Freund ein Werwolf war? Wohl kaum. Obwohl sie eigentlich nicht weiter hinsehen wollte, konnte sie ihren Blick einfach nicht abwenden. Wie erstarrt saß Ronnie auf dem kalten Boden, obenrum komplett nackt. Bei dem, was als nächstes geschah, schloss Ronnie dann doch die Augen. Das Blut, was ihr über den Rücken lief, fühlte sich mit viel Vorstellungskraft einfach an wie ein Smoothie. Ein angenehmes Kribbeln breitete sich auf ihrer Haut aus. Ronnie knirschte mit den Zähnen und schlug die Augen wieder auf, nur um Chace direkt besorgt anzusehen. Er sah doch etwas blass aus. "Alles okay?", erkundigte sie sich vorsichtig und schlüpfte langsam in die Oberteile und die Jacke, um nicht direkt zu erfrieren. Dabei ruhte ihr Blick jedoch die ganze Zeit auf dem Polizisten. Ging es ihm schlecht, weil er sie verletzt hatte? Oder ging es ihm schlecht, weil sein Blutverlust ihm doch mehr zusetzte als er sollte. Schweigend griff Ronnie nach einem Stück Stoff und dann nach seinem verletzten Arm. "Ich denke ja immer noch, dass das alles einfach nur ein total verrückter Traum ist...", murmelte sie leise und wickelte vorsichtig den Stoff um die noch blutende Wunde.



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#265

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 14.11.2019 22:13
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Chace hatte sicher auch nie damit gerechnet, dass er mal in Kanada mitten in der Wildnis über mehrere Monate blieb und sich selbst fast verlor. Wenn er ein oder zwei Monate länger in seiner Wolfsgestalt geblieben wäre, hätte er sich vielleicht wirklich nicht mehr erinnert, wer er eigentlich war, dass er ein Mensch war und dass er Ronnie kannte. Vermutlich hätte er sie dann nicht erkannt, sie getötet und in tausend Stücke gerissen. Oder sie zumindest erst erkannt, wenn es zu spät gewesen wäre. Dieses Szenario verdrängte der junge Mann lieber schnell wieder. Es reichte, dass er sich jetzt noch unglaubliche Sorgen um sie machte und das auch zurecht. Ihre Verletzung sah übel aus. Ein Arzt würde die Hände überm Kopf zusammen schlagen über die tiefen Löcher mit unsauberen Wundrändern. Es würde vermutlich Stunden in einem OP brauchen, um sie wenigstens wieder halbwegs hinzubekommen. Chace war schon fast ein wenig sauer auf sich, dass er nicht vorher schon die Option gewählt hatte, ihr mit seinem Blut zu helfen. Seine Nebenwirkungen sollten ihm egal sein. "Das bezweifle ich stark", brummte er nur besorgt auf ihre beschwichtigenden Worte. Er vermutete, dass es eigentlich sogar schlimmer war, als es aussah. Denn man konnte ja nicht sehen, wie tief die Wunden waren, aber sie hatten sicher einiges an Schaden angerichtet.
Vielleicht sorgte auch Ronnies Blick dafür, dass es ihm schwerfiel, sich auf die Verwandlung zu konzentrieren. Er hatte es lange nicht geübt, klar. Aber ihr Blick war so ungewohnt. Und irgendwie schämte er sich vielleicht doch ein bisschen dafür. Er war nun einmal 'anders' und 'abartig' und.. es gab zig Bezeichnungen dafür, dass er eben kein normaler Mensch war und es war nun einmal etwas anderes im Film zu beobachten, wie Werwölfe dargestellt wurden, oder direkt daneben zu stehen. Er hatte immer noch die Angst, dass sie trotz allem, was sie für ihn schon ausgehalten hatte, doch einfach den Punkt dann erreichen würde, wo es ihr zu viel oder zu obskur wurde und sie das Weite suchte. Kurz blickte er zu ihr beim Klang ihrer gedrückten Stimme. Aus bernsteinfarbenen Augen sah er in ihr blasses Gesicht, ehe er seine Zähne aus seinem Handgelenk zog und mit bitterer Miene sein normales Gesicht wieder herstellte. Sein eigenes Blut war nicht unbedingt gerade etwas, was er als lecker bezeichnen würde.
"Ja, alles okay", log Chace leise, während sein Körper sich wehrte gegen seine Selbstverletzung. Eine leichte Gänsehaut überkam ihn, obwohl er so nah am Feuer saß. Als sie nach seinem verletzten Arm griff, zuckte er kurz, ehe er sie doch gewähren ließ. Kritisch und vielleicht einen Hauch besorgt musterte er seinen Arm, ehe er wegen ihrer Worte schmunzeln musste. "Das dachte ich auch mal. Aber ich lebe diesen Traum seit über drei Jahren", erwiderte er. Dann hob er den Kopf und lauschte. Er meinte draußen ein Motorengeräusch wahrzunehmen, dass sich langsam näherte. Na das war wohl hoffentlich Allison und nicht irgendein Verrückter oder Jäger, der mit einem Schneemobil oder Auto hier ins Unwegsame Nichts fuhr.


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#266

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 15.11.2019 20:18
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Chace schien von ihren Blicken auch nicht sonderlich begeistert zu sein, weswegen sich Veronica alle Mühe gab, sich nichts anmerken zu lassen. Der junge Mann wusste wohl selbst, dass das, was er da tat, nicht gerade normal oder appetitlich war. Aber wenn es ihr half - warum denn nicht? Eine andere Wahl blieb Ronnie sowieso nicht. Zum Glück war dieser Prozess nach nur wenigen Minuten vorbei und Ronnie konnte sich damit ablenken, Chace zu verarzten. Seine Antwort auf ihre Frage ließ sie den Kopf schütteln und ihm eine leichte Ohrfeige verpassen. "Lüg mich nicht an, Chace Bail.", knurrte sie mit aufeinander gepressten Lippen und kümmerte sich dann um den verletzten Arm. Die Versorgung der Wunde war notdürftig, würde aber vorerst reichen. Bevor Ronnie jedoch noch etwas sagen konnte, hob Chace jedoch den Kopf. Hörte er etwas? Fragend zog die Brünette die Augenbrauen hoch, immerhin hatte sie nicht so ein gutes Gehör wie er. "Bitte sag mir, dass das Allison ist...", murmelte sie beinahe flehend und richtete sich gequält auf, um langsam zum Ausgang der Höhle zu tapsen. War die Höhle bei ihrer Ankunft auch schon so weit oben gewesen? Skeptisch sah Ronnie die steile Felswand hinunter und schüttelte den Kopf. Wie war sie hier bitte hochgekommen? Das Adrenalin hatte wohl ganze Arbeit geleistet. Dann hielt sie aber in ihrer Bewegung inne und starrte angestrengt durch die Bäume. Das war doch..."Gott sei Dank...", stieß Veronica begeistert von sich und ein Lächeln breitete sich in ihrem Gesicht aus. Das war der Wagen und Allison saß am Steuer. Sie hatte es also geschafft. "Wir können nach Hause, Chace. Oder zumindest irgendwie in die Zivilisation.", stellte Ronnie lachend fest und machte sich daran, die wenigen Sachen einzusammeln, welche sie und Allison mitgebracht hatten. Dann löschte sie das Feuer und trat zurück zum Eingang der Höhle, wo sie jedoch von einem Wolf direkt zu Boden gerissen wurde. Grinsend schlang Ronnie die Arme um den muskulösen Hals und strich durch das weiche Fell der Freundin. Als Wolf war es wohl leichter, hier ein und aus zu gehen. Doch die Brünette hatte diesen Vorteil nicht. Vermutlich war Allison deshalb noch mal nach oben gekommen, um Ronnie nach unten zu helfen. Die treuen Augen blickten Ronnie voller Sanftheit an. Es war wirklich verrückt, dass Ronnie keine Angst hatte. Doch die letzten Monate über hatte sie ja auch mehr als genug Zeit gehabt, sich daran zu gewöhnen. Allison hatte sich wirklich verdammt viel Mühe gegeben, um Ronnie in ihre und auch Chace's Welt einzuführen. Sich hunderte Male vor ihr hin und her verwandelt, ihr alles erklärt. Die junge Frau war ihr wirklich unendlich dankbar und schuldete ihr auf jeden Fall ein riesengroßes Dankeschön. "Liebling? Kommst du?", fragte Ronnie schließlich an Chace gewandt und warf den Rucksack nach unten auf die kleine Lichtung, ehe sie dicht an Allison den Abstieg in Angriff nahm und sich dabei weiterhin an ihrem Hals und dem Fell festhielt.



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#267

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 15.11.2019 22:43
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Wenn er gekonnt hätte, hätte er Ronnie gerne aus dieser komplizierten Welt herausgehalten. Das war nur leider nicht mehr möglich und sicher wäre es auch nie wirklich möglich gewesen. Selbst wenn er ihr nichts erzählt hätte, ihre Familie hätte sie irgendwann unter die Fittiche genommen und ihr erklärt, dass Werwölfe etwas böses waren und ihre Mutter durch einen zu Tode gekommen war. Sicher hätten sie es geschafft, auch in ihr Hass zu schüren, wenn sie nicht gerade auch durch ihre Familie so in Mitleidenschaft gezogen worden wäre und wenn sie nicht in Chace verliebt gewesen wäre. Wie schön einfach wäre es aber gewesen, wenn sie beide einfach normal gewesen wären. Dann wären sie einfach zusammen und glücklich. Wobei ... vermutlich wäre das zwischen ihnen nie zustande gekommen wäre, weil er mal ein lauchiger, pickeliger Teenie war, der sich vermutlich nie in diese Richtung entwickelt hätte und immer unsicher geblieben wäre. Er wäre niemals auch nur sichtbar für Ronnie gewesen.
Als ihn ihre Hand an der Wange traf, zuckte er leicht weg, herausgerissen aus seinen Gedanken, und funkelte sie aus bernsteinfarbenen Augen an, ehe er sich wieder beruhigte. Der Wolf in ihm war noch recht leicht reizbar und dicht unter der menschlichen Oberfläche. "Ich wollte nur nicht, dass du dir Sorgen machst. Du bist wesentlich schlechter dran", brummte er. Wobei das vermutlich auch nicht ganz wahr war, denn ihr Körper startete gerade munter mit der Heilung wie durch einen Power-Boost. Er hingegen würde noch ein paar Stunden einen schlecht heilenden Arm haben, der fröhlich blutete, bis sich das wieder regenerierte. "Ich denke, dass sie es ist. Alles andere wäre sehr ungünstig", erwiderte er und musterte seine Freundin noch in Sorge, während sie sich aufrappelte und zum Höhleneingang ging. Wehe sie stürzte vornüber den Fels hinab. Das wäre nun wirklich nicht gut, aber fast zu erwarten, so unsicher wie sie noch auf den Beinen wirkte. Er entspannte sich ein wenig, als sie jubelte. Es war schon mal gut, dass es niemand sonst war und es wurde langsam auch wirklich Zeit. Ronnie konnte nicht ewig in einer Höhle hausen mit Feuer, der zerschlissenen Decke und ein paar Konserven. Sie war verletzt und kein Werwolf. Als sie verkündete, dass sie zurück nach Hause konnten, lächelte Chace, aber es erreichte nicht so richtig seine Augen. Er erinnerte sich, wie er sich von seiner kleinen Schwester verabschiedet hatte und sie damit vermutlich total verstört hatte. Er wollte unbedingt zu ihr zurück. Aber gleichzeitig war er hier so lange gewesen und es hatte seine Instinktgetriebene Seite so sehr entspannt und befriedigt, dass er fast wehmütig seinen Blick durch die Höhle schweifen ließ. Die Matratze und die Decke sahen echt räudig aus. Seine Tasche, die er damals mitgeschleppt hatte, lag ungeachtet in der Ecke. Nachdenklich stand er auf. Ob da wohl noch etwas Kleidung drin war? Er konnte ja schlecht nackt durch die Zivilisation laufen. Er ging noch einmal dorthin, musste den Kopf einziehen um da ran zu kommen. Er fand tatsächlich ein paar Sachen. Zumindest eine Boxershorts, eine Hose und ein Shirt. Keine Schuhe, auf Socken verzichtete er daher. Eine Jacke hatte er hier auch nicht. Aber wenigstens nicht nackt. Er zog sich die Sachen fix über, nickte dann Ronnie zu, während er an den Höhlenausgang trat. Einen letzten Blick warf er zurück, ehe er sich die Felswand zu Füßen begutachtete. Er war hier immer nur als Wolf rauf und runter geklettert. Er hatte die Höhle ja auch extra ausgewählt, weil Menschen hier nicht so locker hochkamen. Und runter ging immer noch mal schwerer als Hoch. Vermutlich könnte er auch einfach runterhüpfen und hoffen, dass der Schnee dick genug war um ihn abzufangen, aber das war ihm zu unsicher. Er tastete sich vorsichtig Schritt für Schritt abwärts, suchte mit den Händen immer zusätzlichen Halt. Als er fast unten war, entglitt ihm aber der Halt, weil sein verletzes Handgelenk zu sehr gegen die Steine drückte. Und auch der notdürftige Verband hielt nun mal keinen Druckschmerz fern. Ein überraschtes Geräusch drang aus seiner Kehle, während er etwas runter schlitterte, ehe er rückwärts in den Schnee fiel und gen Himmel blickte.


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#268

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 15.11.2019 23:12
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Der funkelnde Blick seiner Augen ließ Veronica in Erinnerung schwelgen. All die ausgeführten Kämpfe, die zu Beginn zwischen ihr und Chace stattgefunden hatten. Das Gerangel im Bett. Langweilig wurde es bei den Beiden gewiss nicht. Die Brünette liebte die Reizbarkeit, welche der Polizist an den Tag legte. Seit sie von seinem Geheimnis wusste, ergab auch alles einen Sinn. So entlockte ihr sein Blick ein kleines, freches Kichern und ein nicht ernst gemeintes "Sorry, Babe." verließ ihre Lippen, welche daraufhin einen Kussmund formten. Was passierte, wenn man Feuer mit Feuer bekämpfte? Es kam zu einer Explosion. Eine Art von Explosion, die bei Veronica und Chace im Bett, oder auch sonst irgendwo, endete. Beide waren stur und wollten immer ihren Willen durchsetzen. Das Machtspiel zwischen der Schönen und dem Biest, wie Allison das Pärchen nun schon seit geraumer Zeit nannte, wurde wohl nie langweilig. Ronnie war kein Mädchen, was sich einfach so unterbuttern ließ. Sie wollte erobert und dominiert werden. Etwas, was ihr Freund ziemlich gut konnte. Instinktiv hatte sich die Brünette auf die Unterlippe gebissen und blickte ihren Gegenüber für einige Sekunden lasziv an, ehe sie sich jedoch an die harte Gegenwart erinnerte und diese Gedanken erst einmal aus ihrem Gehirn verbannte. Dann kam aber auch schon Allison zurück und unterbrach die Beiden sowieso. Ronnie beobachtete den Wolf dabei, wie dieser sich doch dazu entschied, Kleidung anzuziehen. War wohl besser so, bedeutete aber, dass er wohl als Mensch den Abstieg antreten wollte. Besorgt sah Ronnie immer wieder über ihre Schulter nach oben, als hätte sie geahnt, dass etwas passieren würde. Ihre Lippen verließ ein lauter Schrei, als ihr Freund ausrutschte und die restlichen Meter mehr purzelte als kletterte. Allison hatte noch versucht, ihren Kumpel zu packen, doch es war alles viel zu schnell gegangen. Mit großen Augen ließ Ronnie von ihrer Freundin ab, ließ sich auf den Boden sinken und rutschte auf dem Hinterteil die felsige Wand nach unten, ehe sie sich neben Chace kniete und ihm besorgt musterte. "Chace?", flüsterte sie besorgt und auch Allison war mittlerweile bei den Beiden angekommen und starrte den Mann aus unschuldigen Wolfsaugen an, ehe sie leicht mit der Schnauze gegen seine Schulter stieß, damit er aufstand.



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#269

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 16.11.2019 09:48
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Auch Chace hatte vor Augen, wie sie sich schon so oft gezankt hatten und wie das dann nackt geendet hatte. Oh wie er das vermisste. Sie hatte es schon immer geschafft ihn zu reizen und gleichzeitig so anzumachen. Sie war kein einfaches Spielobjekt für ihn, sie hatte ihre eigene Meinung, ihre Ansprüche und ihr Temperament. Er liebte das an ihr. Was sollte er denn schon mit einem willenlosen Püppchen, das nur Ja und Amen sagte, während es an seinem Arm klammerte. Natürlich wäre das einfacher, aber das wollte er gar nicht. Und wäre da nicht die Tatsache, dass all die verschiedenen Umstände sie ausgerechnet in eine kalte Höhle verschlagen hatten und dass sie gerade beide verletzt waren, dann hätte er sie gerade gerne gepackt. Ihre Hand auf ihren Rücken gedreht und sie von hinten genommen, ihr den Hintern versohlt. Das wäre eine gute Konsequenz für einen kleinen Schlag. Er schüttelte kurz schmunzelnd den Kopf. Zum einen um den Gedanken loszuwerden, zum anderen wegen ihres niedlichen Gekichers, während sie sich nicht wirklich ernst entschuldigte. "Du wirst es bei Zeiten wieder gut machen dürfen", sagte er mit einem langen, fast schon fordernden Blick. Und scheinbar dachte sie etwas ähnliches, denn sie sah ihn lasziv an, biss sich dabei auf die Unterlippe. Gott, sie sah dabei immer so sexy aus. Man konnte die Spannung im Raum fast spüren, bis Allison dazwischen platzte und alles auflöste. Chace nutzte das um kurz durchzuatmen, während er nach verbliebenen Sachen suchte.
Die Felsen hatte er scheinbar unterschätzt. Sie waren nass vom Schnee, auch wenn der dort kaum liegen blieb, weil der Stein die Sonnenstrahlen, wenn es denn mal welche gab, in ein wenig Wärme speicherte. Und seien es auch nur wenige Grad über Null, sodass dort der Schnee schmolz. Dazu kam, dass es recht uneben war, was für die Hände zum Halt suchen zwar ganz gut war, aber nicht unbedingt um barfuß angenehm nach unten zu kommen. Und wenn man dann keinen richtigen Halt fand, wegen einer Verletzung, war das Ausrutschen schon fast unausweichlich. Der junge Mann konnte kaum reagieren, so schnell ging das. Im Versuch, sich zu fangen und festzuhalten, schürfte er sich lediglich die Hände etwas auf und der Verband verfing sich kurz an der rauen Wand, sodass er sich schmerzhaft in die Wunde zog, ehe die Rutschpartie weiterging.
Frustriert lag er nun da im Schnee, der langsam unter seiner warmen Körpertemperatur taute. Dann blickte er in Ronnies besorgtes Gesicht. "Alles gut. Ich bin die Wand nur nie als Mensch geklettert", erklärte er seufzend und setzte sich auf, als Allison ihn knuffte. "Ich bin ja weich gelandet", schmunzelte er dann abwiegelnd, nahm eine Handvoll Schnee um mit dem kühlen Nass den Dreck aus den geschürften Stellen zu bekommen, die schon langsam wieder heilten. Im Gegensatz zu seinem Arm, der nun ein wenig pochte. Vorsichtig zuppelte er den Verband wieder zurecht, entging dabei stur Allisons fragendem Blick.


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#270

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 17.11.2019 20:15
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Langsam wich der besorgte Gesichtsausdruck einem breiten Grinsen. "Idiot.", knurrte Ronnie kopfschüttelnd. Ihr Freund schien sich nicht weiter verletzt zu haben, immerhin war der Schnee recht weich. Dann wanderten ihre Augen jedoch auf seinen verletzten Arm. Hatte er deswegen den Halt verloren? Wegen ihr? Die Dunkelhaarige seufzte deprimiert auf, erhob sich dann und bot Chace die Hand an, damit er sich hochziehen konnte. Allison tapste in der Zwischenzeit zum Waldrand und schien sich zurück verwandeln zu wollen. Auch wenn Ronnie diesen Vorgang nun schon viele Male gesehen hatte, konnte sie sich einfach nicht daran gewöhnen. Also wandte sie den Blick ab und konzentrierte sich auf den jungen Mann. "Allison wird sicher fahren. Dann können wir uns auf der Rückbank ausbreiten...", schlug sie leise vor und stapfte dann zu dem Geländewagen, um Kleidung für die Freundin einzusammeln, welche mittlerweile wieder in Menschenform und komplett nackt auf die Beiden zu lief. Kurz wanderte Ronnie's Blick über die blasse Haut ihrer lesbischen Freundin, ehe sie ihr mit einem Zwinkern die Kleidung reichte und es sich dann im Wagen gemütlich machte. Und nun? Hatten die drei Freunde einen Plan? Zurück nach Hause konnte vor allem Chace nicht. Zumindest vorerst nicht. Veronica hatte zwar schon überlegt, ob ihre Familie nicht irgendwie zur Vernunft kommen würde, doch aktuell war die Gefahr einfach viel zu groß. Seufzend griff sie also nach einer Landkarte und tippte mit dem Zeigefinger auf die Stelle, wo sie sich gerade ungefähr befanden. Allison hatte wie erwartet auf dem Fahrersitz Platz genommen und startete gerade den Motor, ehe sie sich umdrehte und Chace und Ronnie fragend ansah. Die junge Frau zuckte ahnungslos mit den Schultern und fuhr mit ihrem Zeigefinger dann über die Karte. "Hier ist überall nur Wald.", stellte sie trocken fest und deutete dann auf den nächsten kleinen Ort, welcher gute 100km entfernt lag. "Wir könnten es erstmal dort versuchen. Irgendein abgeranztes Hotel wird es dort sicher geben. Wir können alle eine heiße Dusche, frische Klamotten und ein gemütliches Bett vertragen.", überlegte Ronnie laut und Allison nickte leicht. Viel mehr Möglichkeiten hatten die drei Freunde auch nicht.



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#271

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 18.11.2019 18:54
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ein Schmunzeln lag auf den Lippen des Werwolfs. Der Wechsel an Emotionen von Ronnie hätte ihm ein paar mal Schleudertrauma einbringen können, wenn es physische Auswirkungen hätte. Sie hatte ihm oben erst noch eine Ohrfeige verpasst und war sauer. Weil sie sich Sorgen machte. Jetzt war sie wieder besorgt gewesen und auf einmal grinste sie. Wie sollte man daraus denn lernen, sich auf ihre Emotionen vorzubereiten? Er konnte vermutlich nur von Glück reden, dass er recht robust war und stur genug, das auszuhalten. Kleine Wellen von Tiraden und Wut konnte er auch einfach mal überhören - wobei es sie vermutlich noch wütender machen würde, wenn er sie ignorieren würde. "Ich liebe dich auch", antwortete er auf ihre geknurrte Beleidigung, die sie vermutlich nicht so meinte. Er folgte ihrem Blick zu seinem Arm wegen ihres Seufzens. Machte sie sich deswegen jetzt Gedanken? Er war doch immerhin selbst schuld. Er hatte sie verletzt, also verletzte er sich für sie. Das war es, ein Opfer zur Wiedergutmachung bringen. Er ließ sich von ihr aufhelfen, hauchte ihr einen sanften Kuss auf die Lippen. "Es ist alles okay", wiederholte er mit einem sanften Lächeln. Auch wenn sein Arm immer noch weh tat. Er würde ihr lieber zehn Mal sagen, dass es ihm gut ging und dafür zehn Ohrfeigen kassieren, als ihre Sorgen zu unterstützen. "Das klingt sehr gut"; meinte Chace dann. Bis er wieder ein Auto fuhr, sollten besser noch ein paar Tage in menschlicher Gestalt vergehen. Und er sollte nicht hier im Gelände damit anfangen. Wobei er sich hier eigentlich am besten auskannte. Aber das machte es nicht wett, dass er monatelang nur als Wolf seine Füße genutzt hatte und der Wagen ein ihm fremder war. Und er war bisher noch nie auf so hohem Schnee gefahren.
Dass Allison nackt war, war für Chace ziemlich egal. Klar, sie war eine hübsche junge Frau, aber zum einen hatte er eh nur Augen für Ronnie, zum anderen war Allison einfach seine beste Freundin. So eine Werwolfsgeschichte schweißte doch ganz schön zusammen und brachte es eben mit sich, ab und an mal nackt zu sein. Die Peinlichkeit davon hatten sie schon vor Jahren überwunden. Es war egal und normal geworden. Chace schmiss sich schließlich seufzend auf die Rücksitzbank. Man merkte noch ein wenig, dass auf der letzten Fahrt die Heizung an gewesen war. Es war zwar nicht so richtig warm hier, aber angenehmer als im frischen Wind draußen. Ein Grinsen huschte über Chace' Gesicht, als Ronnie meinte, es gäbe hier ja nur Wald. "Deshalb war ich hier", meinte er nur, ebenso trocken, stimmte dann Ronnies Vorschlag zu. Allison hatte ganz schön damit zu tun, den Wagen zurück zum nächsten Forstweg und dann zum nächsten Highway zu bekommen. Ab und zu schlingerte der Wagen etwas oder fuhr sich kurz etwas fest im Schnee, aber wenigstens kamen sie vor der Dunkelheit auf eine ordentliche Straße. Die Tage waren hier oben so weit im Norden waren extrem kurz. Nur wenige Stunden gab es wirklich Tageslicht. Wenn es bewölkt war, wurde es kaum hell.


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#272

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 19.11.2019 10:30
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Tatsächlich spielten Veronica's Gefühle gerade verrückt. Über Monate hinweg hatte sie sich wahnsinnige Sorgen um den jungen Mann gemacht und nun hatte sie ihn endlich gefunden. Außerdem war sie nach wie vor ziemlich verwirrt und überfordert mit der ganzen Situation. Die Erlebnisse hatten definitiv ihre Spuren bei ihr hinterlassen. Ronnie seufzte leicht deprimiert auf und gähnte. Sie konnte sich gar nicht mehr daran erinnern, wann sie zuletzt wirklich eine Nacht durch geschlafen hatte. Ständig träumte sie von Werwölfen und ihren Reißzähnen, die zuerst ihre Mutter zerfleischten und dann Ronnie entdeckten und langsam auf sie zu schlichen. Bei der Erinnerung an den Albtraum, welcher die junge Frau schon ewig verfolgte, aber erst vor wenigen Monaten Realität geworden war, schlug ihr Herz direkt wieder schneller. Nun wusste sie, dass dieser Traum nicht einfach nur ein Traum war, sondern sich das Erlebnis in ihr Gedächtnis eingebrannt hatte. Der Tod ihrer Mutter. Ronnie verschränkte ihre zittrigen Hände ineinander und sah angestreckt aus dem Fenster. Vermutlich konnte sie wirklich einen Psychologen gebrauchen, doch wer würde ihr solche Geschichten denn abkaufen? Meine Mutter wurde vor meinen Augen von einem Werwolf getötet als ich zwei Jahre alt war. Meine Familie gehört einem Geheimbund an, der Werwölfe ausfindig macht, foltert und tötet. Mein Freund ist ein Werwolf. Man würde sie vermutlich sofort in die geschlossene Psychiatrie einweisen, dessen war sich Veronica bewusst. Mit geschlossenen Augen lehnte sie ihren Kopf an der Fensterscheibe an und schluckte. Sie brauchte dringend Hilfe. Doch von wem? Mit Allison oder Chace wollte und konnte sie nicht darüber reden. Mit ihrer Familie sowieso nicht. Und sonst wusste doch niemand etwas davon, dass die Fabelwesen tatsächlich existierten. Irgendwann war Ronnie dann doch eingeschlafen, wurde aber wieder von dem Werwolf, der ihre Mutter auf dem Gewissen hatte, verfolgt. "Mamá...", kam es immer wieder leise über ihre Lippen. "Mamá, ¿y tú? Abre los ojos ... ¿Mamá?" Schweißgebadet schreckte Ronnie irgendwann aus dem Schlaf hoch und brauchte einige Sekunden, bis sie realisierte, dass sie neben Chace auf der Rückbank saß und Allison nach wie vor den Wagen fuhr. Der besorgte Blick, denn ihr die Freundin zuwarf, entging Ronnie nicht. "Schlecht geträumt...", gab sie mit rauer Stimme von sich und schnallte sich ab, um auf den nicht verwendeten Platz in der Mitte des Wagens zu rutschen, ihre angezogenen Beine auf dem eben noch besetzten Platz abzulegen und den Kopf in Chace's Schoss zu vergraben.



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#273

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 19.11.2019 23:38
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es war wirklich keine einfache Situation und es gab auch niemanden, den sie um Rat hätten fragen können. Weder für psychische Folgen, noch um irgendwie herauszufinden, wie er am besten wieder an ein normales Leben kommen konnte. Chace wusste nicht, wie viel Ronnie schon wusste. Ihr Vater hatte ihm die Sache des Geheimbundes erklärt und ihm abverlangt, es nicht Veronica zu sagen, weil er sich eigentlich Sorgen um sie gemacht hatte. Aber es war vielleicht anders gewesen als er weg war, denn da konnten sie Ronnie nicht mehr als Chace' Schwäche ausnutzen. Vielleicht hatte ihr Vater ihr doch erklärt, warum es gefährlich war, ihm zu folgen. Er wusste es schlichtweg nicht und er hatte auch keine Ahnung, ob er einfach so danach fragen sollte. Wobei er gerne nun ein Geheimbund der Werwölfe hätte um sich darüber zu beraten. Aber wenn es einen solchen Bund gab, dann war der so geheim, dass er davon nicht wusste.
Er schwieg während der Fahrt, grüblerisch, wie es weitergehen sollte und beobachtete seine Freundin, die auf der anderen Seite der Rücksitzbank zu träumen schien. Sie hing ein wenig zusammengekauert auf ihrem Sitz, wirkte unruhig und faselte etwas, was er eindeutig nicht verstand. Er wollte sie dennoch nicht wecken, wollte sie nicht aufschrecken. Doch sie schreckte so oder so hoch, wirkte fast panisch einen Moment. "Hey", sagte er sanft. "Alles gut, wir passen auf dich auf"; fügte er sanft hinzu, als sie meinte, dass sie schlecht geträumt hatte. Er strich ihr immer wieder sanft übers Haar, als sie ihren Kopf auf seinem Schoß abgelegt hatte. "Wir sind in etwa einer halben Stunde da, schätze ich", setzte er sie auf den neusten Stand und blickte kurz zu Allison, die leicht nickte. Dann blickte er kritisch nach draußen. Es dämmerte langsam und ein paar Schneeflocken rieselten herab. Hoffentlich wurde daraus kein Sturm, solange sie unterwegs waren. Aber gerade als es schlimmer wurde, sahen sie schon Straßenlaternen. "Jetzt müssen wir nur noch eine Gaststätte, ein Hotel, oder einfach die nettesten Menschen Kanadas finden"; schmunzelte Chae, während seine Finger sanft wirre Muster auf ihre Schulter malten.


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#274

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 20.11.2019 16:39
von Alex • Senior Member | 5.847 Beiträge | 1041274 Punkte

Chase schien von den Albträumen seiner Freundin nicht allzu überrascht zu sein, denn er stellte Veronica keine weiteren Fragen, sondern strich ihr lediglich beruhigend durch die braunen Haare. Die Aussage, dass er und Allison auf sie aufpassten, beruhigte die junge Frau ein wenig. "Einmal im Rudel, immer im Rudel...", flüsterte sie müde und sah die Fahrerin des Wagens lächelnd nicken. Dann schlug Ronnie aber ihre Augen wieder zu und war auch recht schnell wieder eingeschlafen. Das Gespräch zwischen ihrem Freund und der gemeinsamen Freundin bekam die Brünette nicht mit. Erst als der Wagen eine halbe Stunde später auf dem Parkplatz eines kleinen Hotels hielt und Chase sie liebevoll weckte, richtete sie sich wieder auf. "Sind wir da?", murmelte Ronnie und rieb sich die Augen. Zumindest tat ihre Wunde am Rücken nicht mehr ganz so weh. Das Blut des Werwolfs hatte also geholfen.
"Ja. Hier ist ein Hotel. Hoffentlich haben sie ein freies Zimmer...", gab Allison von sich und folgte Ronnie's Blick auf die Sporttasche, welche bis zum Rand mit Geldscheinen gefüllt war. Einige davon steckte sich die junge Frau unauffällig in die Hosentasche und lief dann auch schon in Richtung Rezeption. Ronnie stieg ebenfalls aus dem Wagen, folgte der Freundin jedoch nicht. Sollte sie das mal alleine machen. Vermutlich sah Allison von den drei jungen Leuten noch immer am besten aus. "Hauptsache ne Dusche...", knurrte Ronnie als sie sich selbst im Seitenspiegel erblickte. Warum sagte ihr niemand, wie schlecht sie aussah? Grummelnd kämmte sie ihre zerzausten Haare mit ihren Fingern, allerdings ohne Erfolg. Deprimiert seufzte Veronica auf und schüttelte den Kopf. "Ich hätte es dir echt nicht übel genommen, wenn du mich in dieser Verfassung nicht erkannt hättest.", meinte sie an Chace gewandt und erblickte dann eine fröhlich grinsende Allison, die einen Schlüssel in der Hand hielt. "Wir haben ein Zimmer. Zwar nur mit Doppelbett und Schlafcouch, aber das passt schon.", erklärte sie und schnappte sich das Gepäck aus dem Kofferraum, um dann das kleine, aber gemütliche Zimmer anzusteuern, welches ein recht großes Bad und sogar eine kleine Küchenzeile hatte. "Ich geh mal...die Gegend erkundigen.", suchte Allison dann nach einer Ausrede, um das Paar alleine zu lassen und verschwand zwinkernd hinaus auf dem Flur. Ronnie sah ihr kurz hinterher, ehe sie kaum hörbar ein "Für einen Dreier wäre ich auch zu haben gewesen." murmelte. Ein normaler Mensch hätte diese leisen Worte wohl niemals verstanden, doch Chace mit seinem ausgezeichneten Gehör natürlich schon. Ronnie sah es ihm schon an, wie er frech grinste. Das war ihr Chase. Noch immer etwas verschlafen schälte sich die junge Frau aus den Schichten Klamotten und betrachtete dann ihr nacktes Spiegelbild. Ihr Körper war noch immer eine 1+ mit Sternchen, so viel stand fest. Doch der Dreck und die zahlreichen Verletzungen machten sie in ihren Augen doch deutlich weniger attraktiv. Ihr Blick wanderte zu dem Polizisten, ehe sie in Richtung Bad nickte und ihn so zu einer gemeinsamen Dusche einlud. Vielleicht würde sich Chace ja jetzt in der Zivilisation auf ihre Zärtlichkeiten einlassen. Ronnie legte es nicht mal unbedingt auf Sex an. Sie wollte Chase einfach nur spüren. Zu lange hatte sie darauf verzichten müssen.



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#275

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 23.11.2019 23:03
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es schien dem jungen Mann nicht sehr verwunderlich, dass seine Freundin schlechte Träume hatte. Was hatte sie in der letzten Zeit auch alles miterleben müssen. Ihrer beider Leben war völlig aus den Fugen geraten und irgendwie musste das ja verarbeitet werden. Wobei Chace das eigentlich recht feige angegangen war. Er hatte sich ja einfach verdrückt, war Monate lang weg gewesen. Er wusste immer noch nicht, welches Datum aktuell war und die Uhrzeit wusste er auch nur dank der Anzeige des Wagens. Er hatte wirklich völlig das Gefühl dafür verloren in all der Zeit, die er als Wolf verbracht hatte. Ronnie aber hatte sich nicht einfach in die Wildnis zurückgezogen. Sie hatte sich mit ihrer Familie auseinandersetzen müssen, sie hatte mit angesehen, wie der Großvater ihres Freundes erschossen worden war, nachdem sie herausfinden musste, dass dieser ihre Mutter getötet hatte. Und davor hatte ihre Familie sie verletzt um ihr zu beweisen, dass ihr Werwolf-Freund ein Monster war, das sie töten würde, wenn er die Chance bekam. Er würde sich vermutlich mehr Sorgen machen, wenn sie unbekümmert und gelassen schlafen konnte. Das hätte nämlich bedeutet, dass sie vermutlich eher psychopathisch war oder dass ihr das Hirn gewaschen worden war.
"Und du gehörst dazu, auch ohne Fell", bestätigte Chace mit sanfter Stimme, als sie leise über den Rudelzusammenhalt murmelte. Wann immer sie etwas unruhiger wurde beim Schlafen, strich er ihr sanft übers Haar, flüsterte ihr zu, dass alles gut war. Und so merkwürdig wie diese Situation auch war, war er dennoch froh, dass er wenigstens ein wenig gerade für sie da sein konnte. Schließlich weckte er sie sanft, auch wenn er sie am liebsten einfach hätte schlafen lassen. Er hätte sie ja auch so ins Hotel getragen, aber sie schlafend heile aus dem Auto zu bekommen, ohne dass sie wach wurde, war eh so gut wie unmöglich. Dann sollte sie sich wenigstens kurz selbst ein wenig orientieren können. Chace blieb mit Ronnie zusammen am Wagen. Wenn er an der Rezeption in diesem Aufzug auftauchte, würden sie vermutlich sonst was denken. Nicht mal Obdachlose würden hier so rumlaufen. Die hätten doch mindestens eine Jacke und Schuhe. Er hingegen sah aus, als wären nicht leichte Minusgrade, sondern eher milde Frühsommertemperaturen - und als wären Schuhe eine überflüssige Erfindung. Es war aber auch gerade wirklich gut, dass er nicht so empfindlich war wie ein normaler Mensch. Denn Schnee und eiskalter Asphalt unter den Füßen war nicht gerade angenehm. "Mach das doch drinnen. Wir kriegen deine Frisur schon wieder hin", schmunzelte der junge Mann dann, als er sah, wie Ronnie in ihren Haaren herumfummelte. Ihr nächster Kommentar zu ihrem Zustand rang ihm nur ein eher verspanntes Grinsen ab. Er sollte es gelassen nehmen, so wie sie es tat. Sie machte Witze darüber, als wäre es nicht schlimm. Aber er konnte das nicht einfach abschütteln. Er hatte immer noch eine sehr lebendige Erinnerung daran, wie ihr Blut schmeckte, wie er hatte spüren können, dass er ihre Haut durchbohrte und Muskeln verletzte.
Er schüttelte seine Gedanken ab, während sie zusammen zum Zimmer liefen. Die Wärme des Gebäudes, der Teppich im Flur unter den Füßen und die Gerüche der Zivilisation wirkten schon fast merkwürdig fremd auf den jungen Mann. Er war es halt gar nicht mehr gewohnt, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten, aufrecht zu gehen und so weiter. Aber das war sicher in ein paar Tagen wieder vergessen. Als Allison sich erst einmal verabschiedete, hoffte Chace, dass sie vielleicht ein paar Sachen für ihn besorgen würde, damit er nicht mehr so auffallen würde. Und vielleicht noch etwas zu essen. Und während er so unschuldig pragmatisch dachte, hörte er den leisen Kommentar seiner Freundin und sah sie mit einem spitzbübischen Grinsen an. Er glaubte zwar nicht, dass Allison das mitmachen würde und die richtige dafür war, aber irgendwann würden sie garantiert noch eine Frau finden, die dafür zu haben war. Sofern Ronnie dann überhaupt wirklich Chace teilen wollen würde. Er jedenfalls wollte keinen anderen Mann an ihr haben. Und eine andere Frau auch nur, wenn er sicher sein konnte, dass sie nicht spontan eine Präferenz für Frauen entwickelte und ihn dann sitzen lassen würde. Auch wenn er das eigentlich bezweifelte. Dafür wusste sie zu sehr, was sie an ihm hatte und sie war immerhin auch gerade hier, mitten im Nirgendwo in Kanada um bei ihm zu sein.
Er musterte sie, während sie sich auszog. Sie sah nach wie vor toll aus. Klar, die Blutkrusten von seinem und ihrem Blut an den noch nicht ganz verschwundenen Bissspuren waren nicht toll, aber dennoch war sie unglaublich attraktiv und je länger er sie betrachtete, desto mehr wurde ihm bewusst, wie sehr er sie vermisst hatte und dass er sie nicht mehr hergeben wollte. Er folgte ihrem Wink, nickte dann mit einem Schmunzeln. Er entledigte sich auch seiner Kleidung, trat zu seiner Freundin und ließ seine Hände zärtlich langsam über ihre Haut wandern, als würde er ihren Körper noch einmal ganz neu kennen lernen wollen. "Ich habe dich vermisst", flüsterte er dann, ehe er sie liebevoll küsste. Dann griff er ihre Hand um mit ihr ins Bad zu gehen und stellte das Wasser auf eine angenehme Temperatur ein, ehe er seine Freundin mit unter die Dusche zog.


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