#176

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 24.11.2018 00:36
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

„Und wer ist deiner Meinung nach etwas Besseres für mich?“, fragte ich Chase bitter und musterte ihn mit einem kalten Blick. „Du vielleicht?“, fügte ich teilweise ironische hinzu und schüttelte den Kopf. „David hat Fehler gemacht, aber er hat es eingesehen und sich dafür entschuldigt. Jeder Mensch verdient eine zweite Chance. Findest du nicht?“, meinte ich mit unruhiger Stimme und schluckte. „Ich will doch einfach nur geliebt werden. Ich will einen Mann, der mich auf Händen trägt und mir die Welt zu Füßen legt. Einen Mann, der immer für mich da ist und mich beschützt.“, berichtete ich leise und wischte mir mit Zeige- und Ringfinger der linken Hand einige Tränen aus dem Gesicht. Zuerst schien der junge Mann diese nicht zu bemerken, ehe ich jedoch plötzlich spürte, dass die Sofasitzfläche neben mir einsank. Unerwartet lag ich dann jedoch in seinen Armen. Überrascht runzelte ich die Stirn und sah zu ihm auf. Seine Worte verwirrten mich nur noch mehr. Entschuldigte er sich etwa gerade bei mir für sein Verhalten? Einige Sekunden lang starrte ich Chace einfach nur an, ehe ich den Kopf schluchzend an seiner Brust vergrub. „Ich liebe David nicht, Chase. Aber ich will nicht alleine sein...“, gab ich dann zumindest einen kleinen Teil davon, was mir im Kopf herumging, zu. „Mein Vater und meine Brüder lieben mich zwar abgöttisch und daran wird sich auch niemals was ändern. Aber das ist andere Liebe...“, flüsterte ich und atmete seinen Geruch tief ein. Er beruhigte mich gerade ungemein, doch die Situation war mehr als nur merkwürdig. „Ich will, dass er die Stadt verlässt. Ich will ihn nie wieder sehen. Ich will nie wieder was von ihm hören.“, gab ich schließlich doch zu und widersprach somit meinen Worten vom Anfang bezüglich zweite Chance. „Er hat Dinge getan, die einfach unverzeihlich sind. Dinge, für die du ihn wahrscheinlich auseinander nehmen würdest, wenn du sie wüsstest.“, murmelte ich mit brüchiger Stimme. Warum ich davon ausging, dass Chace in so einem Fall ausrasten würde? Ich war mir einfach ziemlich sicher. Der junge Mann hatte irgendwie und aus welchen Gründen auch immer mir gegenüber einen extremen Beschützerinstinkt.



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#177

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 25.11.2018 03:09
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Bei dieser Frage, wer besser für sie wäre, presste ich die Lippen zusammen, man konnte deutlich einen Muskel meines Kiefers zucken sehen. Ich war nicht besser für sie, das wusste ich. Wahrscheinlich war ich sogar schlimmer. Sie hatte es einmal geschafft, mich so zu provozieren, dass ich sie wegstieß und einmal war ich für mehrere Tage als Wolf abgehauen. Beides war zwar um Vollmond rum, aber der kam wieder. Der würde immer wieder kommen und ich konnte nicht meinem zweiten Selbst entkommen. Und dennoch brannte mir kurz auf der Zunge zu sagen, dass ich besser wäre, dass ich ihr geben konnte was sie brauchte und ihr ihren Freiraum lassen konnte. Dass ich sie beschützen würde und dass ich besser war als das, was sie von mir kannte. "Du vielleicht?" Ich verzog mein Gesicht zu einer Grimasse. "Ouch", kommentierte ich das nur bitter, auch wenn sie ja recht hatte. "Hatte er nicht schon eine zweite Chance? Und eine Dritte? Und eine vierte?", seufzte ich leise und sah sie ernst an. Ich meinte es nicht um sie damit zu reizen. Ich wollte nur, dass sie sich bewusst wurde, was sie schon mit ihm durchgemacht hatte. Was ich schon miterlebt hatte, weshalb ich ihm schon einmal aus dem Haus geworfen hatte. Und was sie mir auch schon erzählt hatte, wenn auch zum Teil nur als Wolf.
Ronnies schmale Schultern schmiegten sich in meinen Arm, bebten leicht. Mit meiner anderen Hand strich ich ihr eine Strähne aus dem Gesicht, dann ein paar Tränen. "Diese Wünsche sind auch richtig und gut. Aber er kann dir das nicht geben. Er liebt dich nicht und er tut dir weh. Er beschützt dich nicht", sagte ich behutsam. Sie durfte nicht zu ihm zurück. Das würde nicht gut enden. Dann würde sie nur viel öfter hier sitzen und weinen und außerdem würde es mich rasend machen. Ich sah in ihr bestürztes Gesicht, ehe sie sich regelrecht an mich warf. Ich schloss nun beide Arme um sie, wiegte sie leicht hin und her. "Ich lass dich nicht allein", rutschte mir heraus, als sie sagte, dass sie nicht alleine sein wollte. Ich runzelte leicht die Stirn, als sie dann erklärte, dass sie wollte, dass er die Stadt verließ. Ich hätte ihr das gerne abgenommen und hätte ihn gern eigenhändig mit einem Tritt ans Ende der Welt befördert, aber er würde sich von mir nicht verscheuchen lassen. "Oh bitte gib mir einen Grund ihm eine Kugel irgendwohin zu jagen, wo es wehtut"; grummelte ich und seufzte dann leise. "Ich würde dir gerne abnehmen, ihn abzuweisen, aber er wird auf mich nicht hören. Aber wirf ihn bitte aus deinem Leben. Du brauchst ihn nicht", sagte ich leise, drückte ihr einen Kuss auf den Haaransatz, ehe ich mich ganz leicht von ihr löste um ihr Kinn mit einem Finger zu heben. Ich strich weitere Tränenspuren aus ihrem Gesicht, schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln und dann küsste ich sie auf einmal. Hatte ich nicht mal geplant, es passierte einfach. Ein sanfter, durch ihre Tränen leicht salziger Kuss.


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#178

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 25.11.2018 14:05
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Bei seinem „Ouch.“ runzelte ich ein wenig verwirrt die Stirn. Was sollte das denn bitte bedeuten? Mit seinen nächsten Worten hatte Chace jedoch recht. David hatte von mir so viele Gelegenheiten bekommen, sich zu ändern und zu beweisen. Genutzt hatte er keine davon oder zumindest hatte er sich nicht dauerhaft geändert. So eine Beziehung wollte und konnte ich nicht führen. Ich litt sehr darunter und da ich für David inzwischen eigentlich nichts mehr fühlte, war es doch eh schon egal. Ich sollte ihn einfach abservieren und den Kintakt Abbrechen. Doch ob der junge Mann das zulassen würde war fraglich. Ich seufze deprimiert und lauschte den Worten von Chace, welcher ungewohnt liebevoll und sagt zu mir war. Irgendetwas hier lief gerade völlig aus dem Ruder. Ich schluckte nervös und blickte verwirrt auf, als der junge Polizist beteuerte, er würde mich nicht alleine lassen. „Ich könnte ihn anzeigen.“, rutschte es mir dann doch raus. Chace war Polizist und wenn ich bei ihm auf der Wache aufkreuzte und David anzeigte, konnte er reagieren und handeln. Ob das was brachte, war die andere Frage. Doch David war öfter schon handgreiflich geworden, bedrohte und erpresste mich, setzte mich seelischbunter Druck. Das sollte wohl ausreichen. Bei seiner Berührung zuckte ich überrascht zusammen. Was war nur los mit ihm? Als ich jedoch dann plötzlich Chace‘s Lippen auf den meinen spürte, setzte mein Herzschlag für einige Sekunden aus und ich hielt die Luft an. Klar, wir hatten uns schon geküsst, hatten miteinander gevögelt. Doch dieser Kuss war anders. Es war kein ‚Wir ficken gleich‘ Kuss, sondern ein zärtlicher Hauch. Nach kurzem zögern legte ich dann schließlich die Arme um seinen Hals, zog mich ihm etwas näher und erwiderte den Kuss vorsichtig.



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#179

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 26.11.2018 00:06
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Vermutlich war ich innerhalb kürzester Zeit wieder normal und nicht so charmant und entschuldigend. Ich schob diese merkwürdige Situation und wie ich gerade drauf war einfach mal darauf, dass wir noch nicht wieder normal gesprochen hatten. Ich war weg gewesen, ich war ein Arsch gewesen und sie war dann abgehauen. Wir hatten uns nicht ausgesprochen, vielleicht war eher jetzt so eine Situation. Ich sollte mich erst einmal jedenfalls etwas bedeckt halten und nicht alles wieder abblocken und gemein werden. Es war eigentlich auch viel zu anstrengend, immer kalt zu sein. Klar, sie machte mich auch wirklich manchmal rasend, aber sie hier weinend sitzen lassen konnte ich definitiv nicht. Ich hatte einiges gut zu machen, sie einmal in den Arm zu nehmen, sollte drin sein. Ich hatte sie ja auch schon mal getröstet, so war es ja nicht. Nur sie so sanft zu küssen, das war was neues. Beziehungsweise sanft zu küssen und es so zu meinen. Wir hatten uns auch schon geschauspielerte Küsse geschenkt, aber das hier war um ihr zu zeigen, dass sie nicht allein war. Dass sie David nicht brauchte und dass ich ihr vielleicht geben konnte, was sie brauchte. Nicht nur Sex, sondern auch Nähe. Auch wenn es eine sehr dumme Idee war. Doch bevor ich mich doch hätte zurückziehen können, weil sie zögerte, erwiderte sie doch den Kuss. Ihre Arme schlangen sich um meinen Nacken, sie schmiegte sich an mich - es fühlte sich erstaunlich gut an. Nach einigen weiteren Augenblicken dieses zärtlichen Kusses, der nicht abzielte sich auszuziehen und Sex zu haben, löste ich mich leicht von ihr, sah sie fast ein wenig verblüfft an. Ob mehr von ihr oder von mir wusste ich selbst nicht.


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#180

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 27.11.2018 11:36
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Nachdem sich Chace nach einer Weile von mir löste und mich verblüfft ansah, wurde ich direkt rot wie eine Tomate. "Ich...ähm...", stotterte ich ein wenig überfordert und sprang schnell auf, um mehr Abstand zwischen uns zu bringen. Was war hier gerade passiert? Wir hatten uns geküsst. Nicht so wild und erregt wie sonst, sondern liebevoll. Ohne Aussicht auf Sex. Die rote Farbe verschwand aus meinem Gesicht und ich wurde blass. Nein, nein und nochmals nein. Ich hasste Chace. Er hasste mich. Wir konnten uns nicht einfach küssen. Ich war verwirrt und einsam. Ich musste mir die Gefühle für den jungen Mann definitiv einbilden. Ich starrte ihn einige Sekunden lang an, sah ihn jedoch verschwommen. Mein Blick löste sich von ihm und unruhig wanderten meine Augen durch den Raum, ehe ich im Türrahmen eine Gestalt erkannte. Es dauerte ein paar Sekunden ehe ich erkannte, dass es sich um eine bis über beide Ohren grinsende Jesse handelte. Mein Gesicht nahm nun die Farbe der Wand, Alpina weiß, an. "Jesse...", presste ich hervor und schluckte. Seit wann stand die Kleine da und beobachtete uns? Langsam kam Bewegung in mich und ich verließ das Wohnzimmer fluchtartig, stolperte die Treppe nach oben und knallte dann meine Zimmertür laut zu. Geradeso schaffte ich es noch zu meinem Bett, auf welches ich mich warf und den Kopf schreiend in einem Kissen vergrub.



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#181

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 28.11.2018 01:48
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es war gut zu sehen, dass sie genau so verlegen war, wie ich mich fühlte. Nur dass man es ihr an der Gesichtsfarbe ansah und mir eher am Gesichtsausdruck. Ihre nicht vorhandenen Worte zeigten auch ihre Verwirrung. Nur ganz kurz hob sich einer meiner Mundwinkel. "Ich dachte, der Sex hätte dir vielleicht die Sinne schon geraubt, aber das.. das.. ", rutschte es mir heraus, auch wenn ich selbst nicht wusste, wie ich diese Situation in Worte fassen sollte und ich nun derjenige war, der anfing zu stottern. Als sie aufsprang, wusste ich nicht, wie ich das deuten sollte. War sie wütend, aufgebracht oder nur verwirrt? Und dann auf einmal wurde sie blass. Und in all der Zeit, die mir vorkam wie eine Ewigkeit, auch wenn es vielleicht nur ein paar Sekunden waren, konnte ich sie nur anstarren. Ich wusste nicht, was hier passiert war. Oder besser gesagt, warum und wie es dazu kommen konnte. Wir standen uns nicht wirklich nahe. Wir vögelten wild und ungehemmt, ansonsten hatten wir vielleicht eine handvoll Gespräche, in denen wir uns nicht gestritten und über was ernstes gesprochen hatten.
Als Ronnie sich abwendete, blickte ich in dieselbe Richtung, bemerkte auch erst jetzt, dass Jesse da stand. Ich hätte sie vorher bemerken müssen. Wie abgelenkt war ich denn bitte gewesen, dass sie so unbemerkt da hatte auftauchen können. Und dann auf einmal floh Ronnie regelrecht aus dem Wohnzimmer. "Veronica!", rief ich ihr nach einer kurzen Starre nach, sprang auf, aber ich hörte ihre Zimmertür zuknallen und ließ ihr den Moment vermutlich besser Freiraum. Dafür stand ich jetzt vor Jesse, die mich mit dem breitesten Grinsen ihres Lebens ansah. Sobald ich sie ansah, fing sie an, auf und ab zu hüpfen und quietschte freudig. Besser sprach ich nicht nochmal die Sache mit dem Sex an, wenn ich mir nicht einhundert Prozent sicher war, dass wir unter uns waren. Ich verzog bei den hohen Tönen leicht das Gesicht, legte meiner kleinen Schwester dann beide Hände auf die Schultern um sie wieder zu beruhigen und um ihr Hüpfen zu stoppen. "Jesse, ruhig. Ich weiß du wünscht dir, dass Ronnie und ich zusammen kommen, aber das ist etwas komplizierter als sich nur zu küssen", versuchte ich ihre Freude schon mal etwas zu dämpfen. Ich blickte kurz Richtung Haustür, als ich Schlüsselklappern und das Öffnen der Haustür hörte. Meine Eltern. "Aber du und Ronnie hattet auch Sex!", argumentierte Jesse. Laut. Diskretion war nicht so ihre Sache und ein Schamgefühl hatte sie bei dem Thema eh nicht. ich hörte wie etwas im Flur zu Boden fiel. Dann schnelle Schritte auf Schuhen mit spitzen Absätzen meiner Mutter. "Bitte was?!", ihre Stimme überschlug sich fast. Ich erhob mich langsam, während sich meine Mutter versuchte zu sammeln. Sie wollte was sagen, wusste nicht was und verwarf den Gedanken wieder. "Jesse, hilf Papa mit dem Einkauf", meinte sie etwas tonlos, aber nachdrücklich zu meiner Schwester. So triumphierend sie vorher auch gewesen war, so schnell huschte sie jetzt aus der Haustür. "Warum weiß deine Schwester von sowas und wir nicht? Seit wann geht das? Ist es überhaupt wahr? Was ernstes oder.. oder...? Wo ist Ronnie? Geh auf dein Zimmer, ich muss nachdenken", brach dann ein kleiner leicht verärgerter Redeschwall über mich herein. Ich sagte lieber nichts und verzog mich lieber auch schnell die Treppe hoch. Allerdings ging ich nicht in mein Zimmer, sondern klopfte bei Ronnie an, öffnete dann langsam die Tür ohne auf eine Antwort zu warten. "Ehm.. also.. meine Eltern sind gerade nach Hause gekommen und Jesse hat das mit unserem Sex laut posaunt... Sie wissen jetzt also davon. Ich dachte nur, du solltest es wissen. Wir geraten sicher noch in ein Verhör", meinte ich. den letzten Satz halb scherzhaft. Aber sicher würden sie Fragen und auch Bedingungen stellen. Und was sollten wir denn nun sagen? Waren wir zusammen? Würden wir weiter vögeln, uns so küssen wie vorhin? Uns weiter streiten? Uns zusammenraufen?


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#182

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 28.11.2018 21:40
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Ich hatte immer noch den Kopf in mein Kissen vergraben als ich ein Klopfen an der Zimmertür vernahm. Bevor ich jedoch den Zugang verweigern konnte, hörte ich bereits Schritte und Chace's Stimme erklang. Seufzend richtete ich mich auf, strich mir die zerzausten Locken aus dem Gesicht und starrte den Einbrecher fragend an. "Was willst du?", knurrte ich angriffslustig wie immer und wollte gar nicht weiter über das Erlebte nachdenken oder gar reden. Doch als Chace erzählte, dass Jesse alles mitbekommen hatte und auch seinen Eltern erzählt hatte, was sie gesehen und gehört hatte, wurde ich wieder bleich. "Na super.", gab ich leise von mir und erhob mich. "Und was haben sie gesagt?", erkundigte ich mich vorsichtig und schloss hinter dem jungen Mann die Tür. Ich wollte nicht ein weiteres Mal bespitzelt werden.

Die Tage vergingen und ich war Chace's Eltern so gut es eben ging ausgewichen. Bisher war dieses eine Gespräch nicht zustande gekommen. Zumindest nicht mit mir. Ob die beiden mit Chace selbst gesprochen hatten, wusste ich nicht. Doch vielleicht wollten sie sich auch nicht weiter in die Sache einmischen und mich in eine unangenehme Situation bringen. Auch Chace hatte ich die vergangenen Tage über gemieden und nur das nötigste mit ihm gesprochen, wenn wir uns doch zufällig über den Weg liefen. Ich hielt mich an einen strikten Zeitplan, bestehend aus Jogging, Jesse, Haushalt, Jesse, Freunde und Sport. Jeden Tag das selbe und möglichst so weit weg von Chace wie nur möglich. Von David hatte ich nichts mehr gehört, doch das war wohl auch besser so. An einem Montag machte ich mich also gegen 13 Uhr auf, um Jesse von der Schule abzuholen. Heute war ein besonderer Tag, denn es war der 9. Geburtstag von Jessemine Bail. Ihre Eltern, Chace und ich hatten eine große Überraschungsparty geplant und meine Aufgabe war es, das Mädchen noch bis 15 Uhr mit einer Shoppingtour abzulenken. Chace arbeitete bis 14 Uhr und würde dann direkt nach Hause zur Party kommen. Pünktlich um 13:10 Uhr stand ich also mit dem Wagen vor Jesse's Schule und sah abwartend zum Eingang. Viele Kinder kamen heraus, doch weit und breit entdeckte ich nicht meine Kleine. Nachdem um 13:30 Uhr immer noch keine Spur von ihr war, stieg ich schließlich aus dem Auto und steuerte das Gebäude an. Mittlerweile waren nur noch die älteren Schüler da, die noch am Nachmittag Schule hatten. Mein Weg führte mich ins Sekretariat, wo ich mich nach Jesse erkundigen wollte. "Ms Parrish, schön Sie zu sehen.", begrüßte mich die ältere Dame erfreut. Ich war schon einige Male hier gewesen und daher kannten viele der Angestellte mich. "Hallo, Dora. Sagen Sie, wissen Sie, wo Jesse ist? Sie hatte vor zwanzig Minuten Schule aus und ich wollte sie abholen..aber sie kam nicht.", erklärte ich und erhielt leider keine aufschlussreiche Antwort. Besorgt stöckelte ich mit den schwarzen Overknee Stiefeln zurück zum Auto, wählte gerade die Nummer von Jesse's Mutter als mir ein Zettel am Scheibenwischer auffiel. Ein Strafzettel? Wirklich? Genervt griff ich nach dem karierten Blatt Papier, welches mir beim lesen fast auf den Boden fiel.
- Ich habe Jesse. Ein Lancaster begleicht immer seine Schuld. - stand darauf und ich erkannte sowohl David's Handschrift als auch die rosa Schleifenhaarspange, welche ich Jesse heute früh sorgfältig in ihren Pferdeschwanz gesteckt hatte. Ich wurde augenblicklich blass, stolperte ins Auto und drückte aufs Gas. Doppelt so schnell als erlaubt raste ich durch die Straßen der Stadt, überfuhr dabei wohl die ein oder andere Ampel. Vor dem Polizeirevier legte ich eine Vollbremsung hin, riss die Fahrertür auf und rannte in das Gebäude. Mein enger Lederrock rutschte dabei höher als er sollte und in jeder anderen Situation war mein Outfit wohl mehr als nur erregend. Doch gerade dachte ich an was ganz anderes. "Chace?", schrie ich lautstark und schubste die Polizistin, welche mich aufhalten wollte, unsanft beiseite. "Chace!!", schrie ich ein weiteres Mal und stürzte schließlich in sein Büro. "Er hat sie.", gab ich völlig aufgelöst und inzwischen mit tränenüberströmten Gesicht von mir und drückte den Zettel vor ihm auf den Schreibtisch. Seinen Bürokollegen beachtete ich nicht weiter, mir war gerade wirklich alles scheiß egal. "David hat Jesse, Chace!", murmelte ich fassungslos und ging verzweifelt in die Hocke. Das war alles nur meine Schuld.



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#183

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 29.11.2018 23:55
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es gab ein wirklich interessantes Bild ab, wie Ronnie dort auf dem Bett lag mit dem Gesicht ins Kissen gedrückt. Ich hatte sie bisher nur ein einziges Mal verzweifelt gesehen und das war, als sie dachte, ich wäre für immer gefeuert und mein Leben wäre zerstört, nachdem sie mir vorgegaukelt hätte ein nicht vorhandenes Kind verloren zu haben. Ansonsten war sie mit jedem Ärgernis und allem sonstigen sehr gefasst. Sie war eine starke Persönlichkeit und ließ kaum eine Träne mehr zu sehen, als wirklich nötig. Jetzt weinte sie zwar nicht, aber sich so aufs Bett zu werfen, war ein Ausdruck von Verzweiflung. Definitiv. Und ich war schuld, aber ich wusste auch nicht wie ich darauf reagieren sollte. Ich fragte also einfach nicht danach und beließ es lieber bei den Fakten. Als sie mich anknurrte, hob ich beschwichtigend die Hände. Ich sollte also lieber vorsichtig sein. "NOCH haben sie nichts gesagt..", meinte ich nur, zog mich dann auch lieber zurück.

Sich zurückzuziehen schien auch Ronnies Taktik zu sein. Allerdings weitete sie es aus über alles, was nicht mit Jesse zu tun hatte. Sie ging mir aus dem Weg und meine Eltern fragten nun auch eher mich, was los war und warum sie ihnen aus dem Weg ging. Ich hatte es gar nicht erst versucht, mich zu verstecken. Sie würden mich so oder so falten und mir die Leviten lesen. Ich hatte noch am selben Abend mit meinen Eltern gesprochen und hatte ihnen irgendwie versucht zu erklären, dass ich nicht mit Ronnie zusammen war, auch wenn sie irgendwelche Gefühle in mir auslöste, weshalb wir uns innig geküsst hatten. Dass wir ständig stritten bekamen sie sonst ja mit, also fanden sie die Aussage 'Es ist kompliziert' passend. Gut fanden sie es nicht und sie waren sich auch uneins, ob sie mir empfehlen wollten, mit ihr zusammenzukommen oder das ganz in den Wind zu schießen. Eigentlich würden sie es ja begrüßen, wenn wir besser klar kamen. Ronnie sah das ganze scheinbar ganz anders. Sie lief regelrecht vor mir weg. Es war ja nicht so, als würde ich ihr auflauern, aber wir hatten noch nicht geklärt. was nun war. Sie hatte den Kuss erwidert, aber seit dem sah sie mich kaum noch an, ich traf nicht mehr ohne Jesse auf sie. Ich versuchte mir in den Tagen klar darüber zu werden, inwiefern es mich beeinflusste, was mich daran störte und was ich wollte. Aber es war kompliziert.
Auf der Arbeit war es derzeit nicht sehr spannend. Es war nicht immer nur Action geladen und ich war auch mal ganz froh darüber, auch wenn ich etwas Abwechslung und Auslastung gut hätte gebrauchen können. Dann auf einmal wurde es etwas laut. Ich hörte ein paar fluchende Kollegen, die sich beschwerten, dass hier kein Zutritt war ohne Erlaubnis und dass jemand stehen bleiben sollte. Dann hörte ich Ronnies Schreie. Sie klang regelrecht panisch. Ich verspannt mich etwas, legte die Akte, die ich gerade bearbeitet hatte beiseite. Als sie in mein Büro stürzte, gefolgt von einer Kollegin, deutete ich dieser mit einem Blick an, dass es okay war und stand angespannt auf bei ihren Worten. "Was?", fragte ich leise auf ihr gestammeltes 'Er hat sie'. Ich ahnte nichts gutes. Sie war aufgelöst, ihr Make Up zerlief in all den Tränen und sie war blass, zittrig. Ich konnte ihre Angst riechen. Mit einem schweren Schlucken und steifen Bewegungen griff ich nach dem Zettel. Ich wollte es nicht lesen, aber ich tat es. Mehrfach. Aber es änderte nichts daran, dass ich es nicht verarbeiten konnte. Als sie murmelte, dass David Jesse hatte, zuckte ich leicht zusammen. Als hätte sie mich angeschrien. "Nein..", flüsterte ich leise, fühlte mich wie gelähmt und sank langsam in den Bürostuhl zurück. "Nicht Jesse.. das kann nicht sein", murmelte ich leise. In einem Ausbruch von Verzweiflung pfefferte ich allen Schreibkram von meinem Tisch. Dann starrte ich weiterhin auf den Zettel in meinen Händen mit verschwommener Sicht, strich mit dem Daumen über die Haarspange. Ich fühlte mich paralysiert, konnte nichts machen. Ich konnte auch Ronnie nicht trösten, dafür war ich selbst zu sehr getroffen davon.
Mit einer Hand fuhr ich mir durchs Gesicht, sprang wieder auf und lief unruhig auf und ab. Ich musste etwas machen. Irgendwas. "In welchem Hotel wohnt er? Wir fahren dahin", entschied ich mit schon fast zu energischer Stimme bei zusammengebissenen Zähnen. Ich stieg über das verstreute Chaos hinweg, griff nach Autoschlüsseln und kam zu Ronnie. Ich zog sie auf die Beine, blickte kurz zu meinem Kollegen, der sich zum Glück still verhalten hatte. Er nickte nur. Also zog ich Ronnie einfach am Arm mit mir. Ich wollte zu diesem verdammten Hotel fahren und ich würde den Mistkerl töten. Niemand rührte meine Schwester an.


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#184

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 02.12.2018 16:26
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Ich beachtete die Polizistin, welche mir zu Chace gefolgt war, nicht weiter. Sie und die möglichen Folgen meines 'Angriffs' waren mir wirklich egal. Jesse war in den letzten Monaten zu einer Schwester geworden, die ich nie gehabt hatte. Ich liebte sie wie meine Brüder. Chace reagierte so, wie ich es schon erwartet hatte. Doch es war richtig, den jungen Mann darüber zu informieren. Einerseits ging es um seine Schwester und andererseits war er Polizist. Sein Beruf bestand unter anderem aus Fällen wie Entführungen. Doch einen Fall zu haben, der einen persönlich betraf, musste hart sein. Ich zuckte zusammen als er plötzlich den Schreibtisch leer fegte und aufsprang als hätte ihn gerade eine Biene am Arsch gestochen. Bei seiner Frage schwieg ich kurz und sah beinahe hilfesuchend zu seinem Kollegen. War es gut, wenn Chace jetzt dort antanzte? Wohl kaum. Dennoch würde der junge Mann es früher oder später herausfinden, es war auch ziemlich offensichtlich. "Im Lancaster...das gehört ja seiner Familie.", murmelte ich schließlich und beobachtete den wütenden Mann verängstigt. Als dieser mich auch noch unsanft am Arm packte und hinter sich herzog, gab ich einen quietschenden Laut von mir, stolperte ihm auf den hohen Schuhen hinterher zu einem der Polizeiautos, welche im Hintergrund standen. "Chace...", stieß ich mühsam hervor, bekam jedoch keine Antwort. "Verdammt, Chace!", schrie ich lautstark und zog einmal an seinem Arm, welcher mich immer noch festhielt. "Du kannst doch nicht einfach in dem Hotel antanzen. Denkst du, David ist so dumm und hält sich dort auf?!", meinte ich aufgewühlt und schüttelte den Kopf. Dafür brauchte ich nicht seinen Job ausüben, um sowas zu schlussfolgern. David Lancaster würde nicht im Hotel Lancaster, welches er früher oder später erben würde, ein kleines Mädchen gefangen halten. Es war zu offensichtlich. "Ich...", fing ich an und blieb schluchzend vor dem Streifenwagen stehen. "Wir müssen deine Eltern anrufen, Chace...", schluchzte ich und lehnte mich an dem Auto an, da mir schwindlig wurde. Mit zittrigen Händen zog ich mein IPhone aus der Tasche, wählte schon die Nummer von Chace's Vater, als jedoch jemand anrief. Anonym. Stirnrunzelnd nahm ich den Anruf an und hielt mir das Handy ans Ohr. "Ronnie...", erklang eine mir bekannte Stimme und ich wurde noch einmal blasser. Insofern das überhaupt noch möglich wahr. Beinahe fiel mir das roséfarbene Teil aus der Hand, als ich es nach unten bewegte und den Lautsprecher anmachte. "Liebste Ronnie, du hast doch sicher schon gemerkt, dass etwas fehlt, oder? Wahrscheinlich bist auch noch zu deinem neuen Freund gerannt...Aber der wird dir da auch nicht weiterhelfen können. Das ist eine Sache zwischen uns beiden, Süße. Ich will dich und dein Freund will seinen kleinen Balg von Schwester. Also machen wir doch einen Deal...du kommst zu mir und ich lasse die kleine Nervensäge frei. Mit der kann ich eh nicht so viel Spaß haben wie mit dir.", erklärte mir David mit eiskalter Stimme und ich hob den Blick in Chace's Richtung. Dann legte der Anrufer aber auch schon wieder auf. Langsam glitt ich an dem kalten Wagen nach unten und blieb mit angezogenen Beinen daran gelehnt sitzen. "Es ist alles meine Schuld...", murmelte ich und heulte wohl zum ersten Mal in meinem Leben wie ein Schlosshund.



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#185

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 04.12.2018 19:41
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Wenn Ronnie mit dieser schlimmen Nachricht nicht direkt zu mir gekommen wäre und ich das später erfahren hätte, wäre unser Verhältnis sicher völlig zerbrochen. Auch wenn ich es nicht zeigen konnte oder gerade nicht den Kopf dafür hatte um es bewusst zu erkennen - ich war ihr dankbar. Vielleicht konnte ich es ihr irgendwann sagen, allerdings war gerade nichts anderes als blanke Verzweiflung in meinem Kopf zusammen mit dem Gefühl der Hilflosigkeit, Angst und Wut. Es gab keinen klaren Gedanken, keinen Plan. Ich hatte schon Lehrstunden besucht zu dem Thema, wie man mit Entführungsfällen umging, worauf es ankam. Aber nichts davon fiel mir ein, ich konnte die emotionale Distanz nicht aufbauen. Es ging um meine kleine Schwester, meine kleine Prinzessin. Als sie auf meine Frage antwortete, blinzelte ich kurz. Eigentlich hatte ich die Antwort gekannt. Es gab nur ein Lancaster in der Stadt und seinen Namen kannte ich ja schon. Aber das Denken viel mir gerade wirklich schwer. Ich wollte diesen Mistkerl einfach nur noch tot sehen. Erst als sie mich anschrie, bekam ich kurz das Bild aus dem Kopf, wie der Typ wohl meine Schwester in sein Auto zerrte. Ich ließ sie ihren Arm befreien und fuhr mir mit einer Hand übers Gesicht. "Nein. Aber die wissen vielleicht wohin er wollte. Ich.. ich muss doch irgendwas tun. Ich muss Jesse finden", flüsterte ich schon fast. Zu mehr schien meine Stimme nicht in Stande zu sein. Ich nickte nur leicht, als sie meinte, wir müssten es meinen Eltern sagen, war aber zu sehr innerlich erstarrt, als dass ich selbst zum Handy hätte greifen können. Ich hatte einen regelrechten Knoten im Magen - Wie sollte ich denn bitte meiner Mutter sagen, dass ihre kleine Tochter verschwunden war, dass sie entführt wurde? Das konnte ich ihr nicht antun. Wenn es überhaupt möglich war, erstarrte ich nur noch mehr, als sie einen Anruf annahm und ich die Stimme am anderen Ende der Leitung hörte. Mein Blick ruckte zu Ronnie, während sie den Lautsprecher anschaltete. Ich hätte auch ohne alles verstanden, meine Ohren waren immerhin viel feiner. Mein Atem wurde schwerer, während ich versuchte mich zu beherrschen. Ich konnte mich gerade so eben zurückhalten, ihn über die Freisprechfunktion anzubrüllen. Das wäre nicht förderlich. Es würde ihn reizen. Er fühlte sich eh provoziert durch mich und er saß gerade am längeren Hebel. Ich atmete tief und beherrscht, während ich meine Fäuste ballte. Die Muskeln spielten unter meiner Haut. Ich war einen Hauch von einer Verwandlung entfernt. Meine Zähne knirschten schon, spitzten sich etwas im Versuch die Verwandlung einzuleiten. Erst als nur Stille zurückblieb und Ronnie zu Boden sank, bekam ich es wieder in den Griff. Ich ging zu ihr, ließ mich dicht neben ihr auf den Boden sinken und legte einen Arm um ihre bebenden Schultern. "Ist es nicht..", meinte ich etwas gedankenverloren. "Ich bin Schuld. Ich hab ihn rausgeworfen. Ich hab ihn provoziert",erklärte ich, während ich Ronnie leicht hin und her wiegte. "Ich werde ihn finden. Ich werde Jesse finden und er wandert in den Knast", versprach ich dann. Ich musste stark sein, ich musste denken können. Für sie, für meine Familie und für Ronnie. Meinen Schock, meinen Frust und Hass, die Angst. All das musste ich runterschlucken, bis es vorbei war.


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#186

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 08.12.2018 22:09
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Wahrscheinlich war ich noch nie in meinem Leben so verzweifelt gewesen wie in diesem Moment. Jesse und ich waren zwar nicht verwandt, aber ich hatte die letzten Monate über fast jeden Tag mit dem kleinen Mädchen verbracht. Wieso musste es vor allem ausgerechnet so kommen, dass die Kleine entführt wurde? Ich biss die Zähne zusammen und verfluchte David innerlich. Chace lenkte mich von dieser Wut zumindest kurz ab als er sich neben mich auf den Boden setzte und einen Arm um mich legte. Ich hob den Blick und sah ihn mit leeren Augen an. "Und wieso musstest du ihn überhaupt rauswerfen?! Wegen mir!", schrie ich ihn aufgewühlt an und strich mir die Haare aus dem Gesicht. "Hätte ich einfach mit ihm abgeschlossen, wäre ich nicht in seinem scheiß Hotel aufgetaucht, hätte ich ihn nicht mit zu dir nach Hause gebracht...dann wäre das nicht passiert. Nur weil ich ein egoistisches und provokantes Stück Scheiße bin, was sich lieber irgendwelche Gefühle für ein absolutes Arschloch einredet als sich Gefühle für einen anderen einzugestehen...", murmelte ich und knirschte mit den Zähnen. Gerade war es mir egal, dass ich mich wohl selbst verraten hatte. Ob Chace sich damit angesprochen fühlen würde, war was anderes. Immerhin hatte er im Moment ganz andere Sorgen. "Knast ist zu gut für ihn.", stellte ich bitter fest und presste die Lippen so lange aufeinander, bis mein Kiefer schmerzte. In diesem Moment klingelte mein Handy erneut und ich zuckte sofort zusammen. Dann beruhigte ich mich jedoch ein wenig, als der Name von Chace's Mutter am Display erschien. "Was soll ich ihr sagen?", meinte ich verzweifelt und starrte einfach nur auf das roségoldene IPhone, bis ich die 'Verpasster Anruf' Benachrichtigung bekam. "Wir...müssen zu dir nach Hause.", stellte ich fest und stieg in den Wagen, dessen Schlüssel sich der junge Mann zuvor geschnappt hatte. Ob er in der Lage war, zu fahren? Ich bezweifelte es. Aber ich würde mich gewiss nicht ans Steuer eines Streifenwagens setzen. Zu meinem Erstaunen kamen wir sogar sicher bei ihm zuhause an. Ich überließ es dem jungen Mann, seinen Eltern von der Entführung zu erzählen. Ich brauchte erst einmal eine kalte Dusche und Zeit zum nachdenken. Knapp eine halbe Stunde später lief ich in Jogginghose und Pulli ins Wohnzimmer, wo ich jedoch Chace alleine vorfand. Seine Eltern waren wohl zur Polizei gefahren. Welch Ironie, saß doch der junge Mann noch immer in seiner Uniform auf der Couch. In jeder anderen Situation hätte ich das wohl unglaublich heiß gefunden, doch gerade war mir die Lust auf sowas deutlich vergangen. Schweigend lief ich in die Küche, füllte zwei Gläser mit Wasser und reichte im Wohnzimmer eins davon Chace. Ich hatte einen Entschluss gefasst und dafür musste ich den jungen Mann vorerst ausschalten. Wortlos beobachtete ich ihn dabei, wie er das Glas Schluck für Schluck leerte und sein Blick dann schnell immer müder wurde. Mit Tränen in den Augen erhob ich mich und beugte mich über ihn. "Chace...es tut mir alles so leid...", flüsterte ich und meine warmen Tränen tropften auf sein Gesicht. "Ich verspreche dir, dass ich dir Jesse zurückhole...weil....weil...", ich stockte kurz und schloss die Augen. "Ich dich liebe." Ob der junge Mann meine letzten Worte noch gehört hatte, konnte ich nicht sagen. Er schlief friedlich wie ein kleines Baby. Seufzend schnappte ich mir die Autoschlüssel und wählte David's Nummer. Zu meinem Erstaunen ging er sogar hin. "David...ich stimmte dem Deal zu. Wo bist du?", fragte ich ihn mit bebender Stimme und lenkte dann auch schon den Wagen, wobei ich dieses Mal notgedrungen den Polizeiwagen hatte nehmen müssen, nachdem mein Wagen noch am Revier stand und Jesse's Eltern mit ihrem unterwegs waren, aus der Stadt hinaus.



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#187

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 09.12.2018 02:56
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich hatte mir schon viele schlimme Szenarien vorgestellt, hatte höllische Schmerzen durchlebt, aber die Entführung von Jesse war mir nie in den Sinn gekommen und es war nicht vergleichbar mit meinen eigentlich schlimmsten Ängsten. Jäger kamen mir auf einmal belanglos vor, die Schmerzen der ersten Verwandlungen mit all den Knochentransformationen erschien mir wie ein Spaziergang. Mit solchen inneren Schmerzen konnte ich nicht umgehen. Ich hätte mir gerade wirklich gerne eine Kugel ins Hirn gejagt um mein Herz zu betäuben. Vielleicht hätte ich es mich noch nicht einmal getötet. Öffentlich hielt sich ja der Mythos, dass Werwölfe nur durch Silber im Herzen starben, weil es Gift für uns war. Ich hatte aber nicht vor es auszuprobieren. Jesse war wichtiger. Sie war wichtiger als alles auf der Welt und David würde bereuen, sie je angerührt zu haben.
Ich zuckte leicht zurück, als sie mich so anschrie. Ich wollte es ihr nicht ankreiden, es war nur zu verständlich. Aber ich hatte empfindliche Ohren und ihre Worte entlockten mir auch eine Antwort, die mich genau so erschreckte. "Nicht wegen dir per se. Wegen meinem Stolz und meinen Gefühlen", sprach ich es aus, etwas monoton, als würde ich gar nicht mitbekommen, dass ich meine Gedanken aussprach. Allerdings tat sie scheinbar das selbe. "Bin ich nicht auch ein absolutes Arschloch", meinte ich mit einem müden Lächeln. Es war wohl der schlechteste Versuch jemals irgendwie die Stimmung und ihre Einstellung etwas aufzubessern. Als sie meinte, dass Knast nicht genug war, seufzte ich leise. "Er wird erst in den Knast kommen, wenn ich mit ihm fertig bin. Und wer Kinder anrührt, hat es im Gefängnis nicht leicht. Glaub mir. Das hat er mehr verdient anstatt der Erlösung durch einen schnellen Tod", knurrte ich hervor. Oh ja, in meinem Kopf spielten sich bereits Szenarien dazu ab. Schlimmer waren dann aber die Szenarien dazu, wie wir es meiner Mutter, die gerade anrief, erklären sollten. Hilflos sagte ich gar nichts, starrte zusammen mit ihr aufs Handy, bis das Klingeln verstummte. "Ja. Es ist unmöglich das am Telefon zu machen"; murmelte ich und rappelte mich langsam auf. Ich atmete ein paar mal tief durch, bevor ich schließlich einstieg und den Motor startete. Es war grob fahrlässig, dass ich Auto fuhr in meinem Zustand. Aber ich baute keinen Unfall. In Gegenwart eines Streifenwagens fuhren eh alle etwas vorsichtiger und riskierten nicht, ihre Vorfahrt einzufordern .
Mit meinen Eltern über die Entführung zu sprechen, war das schlimmste, was ich je hatte tun müssen. Es war nicht so schlimm wie all die Jahre der Lüge um mein Leben. Meine Mutter brach völlig in Tränen aus und im Versuch sie zu trösten, verdrückten mein Vater und ich auch ein paar Tränen. Darüber würde aber nie gesprochen werden. Ich versuchte ihnen darzulegen, was wir wussten, versuchte die professionelle Erklärung zu bieten, wie die Chancen standen und was wichtig war bei solchen Fällen. Sicher war die Hälfte Zusammenhangslos und ein Teil verschwieg ich auch lieber. Wir kannten seine Identität und seine Motive. Man sollte meinen, das war gut. Tatsächlich aber spielte er mit offenen Karten und die Konsequenzen waren ihm sicher bewusst. Er war deshalb nur gefährlicher. Irgendwann waren sie schließlich doch nochmal zur Leitstelle gefahren. Sie wollten genaue Infos, Bilder vorbeibringen und einfach das Gefühl haben, etwas zu tun. Ich blieb allein in der Stille zurück, denn Ronnie hatte sich zurückgezogen. Ich blieb einfach sitzen, den Kopf gesenkt nach vorn gebeugt, als würde ich im Teppich eine Lösung suchen. Erst als Ronnie fast vor mir stand, hob ich den Blick. Ich war erschöpft von all der Sorge und den Gedanken. "Danke"; sagte ich leise, als sie mir ein Wasserglas reichte. Ich hatte seit Stunden nichts gegessen oder getrunken. Schweigend akzeptierte ich ihre Nähe, trank immer mal wieder einen Schluck. Und ich fühlte mich einfach so erschöpft. Ich fühlte mich so müde. Schläfrig. War da ein merkwürdiger Geschmack im Wasser gewesen? Ich lehnte mich zurück, blickte stirnrunzelnd auf das Glas auf dem Tisch, aber die Augen fielen mir immer wieder zu. Träge sah ich zu Veronica, als sie sich über mich beugte und ihre Tränen auf mich tropften. "Was... hast du getan..?", fragte ich schwer. Die Müdigkeit verdeckte fast vollständig den leichten Vorwurf in meiner Stimme. "Nein...", hauchte ich leise, versuchte nach ihrer Hand zu greifen, aber meine Hand gehorchte mir nicht mehr ausreichend. Ein leises Seufzen verließ noch meine Lippen, ehe ich meinte zu träumen von ihren Worten. Ich hörte die Worte und erinnerte mich daran, hielt es aber für einen Traum, auch wenn mich ansonsten nur endloser Schlaf in Empfang nahm.


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#188

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 09.12.2018 10:43
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Könnten Herzen bluten, wäre ich wohl noch auf dem Weg zu David und Jesse verblutet. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich Chace gerade zum letzten Mal gesehen hatte. Sonst hätte ich wohl kaum diese drei Wörter zu ihm gesagt. Wobei es sowieso sein konnte, dass er es gar nicht mehr gehört hatte. Mit zittrigen Händen steuerte ich den Streifenwagen so unauffällig wie möglich durch die Stadt, bis die Häuser immer seltener wurden und irgendwann nur noch Wälder, Felder und Gewässer links und rechts von mir waren. Wo versteckte sich dieser Kerl nur? Nervös trommelte ich mit den Fingerspitzen auf dem Lenkrad herum und beobachtete die Straße. Plötzlich erkannte ich eine Person am Waldrand. Mit einer Vollbremsung stoppte ich das Auto und erkannte David. Dieser stieg mit einem dreckigen Grinsen ein. "Na? Du hättest auch gerne eine Uniform anziehen können, Süße.", flüsterte er und legte seine Hand auf meinen Oberschenkel. "Wohin?", fragte ich und schluckte leicht. "Hier den Feldweg rein.", meinte der junge Mann und ich sah skeptisch den schmalen Weg entlang, der in den dunklen Wald führte. Schweigend ließ ich mich von David an unser Ziel lotsen, wobei wir schließlich auf einer stillgelegten Baustelle ankamen. "Was ist das hier?", fragte ich schließlich mit brüchiger Stimme. "Meine Eltern wollten dort mal ein Resort errichten lassen, dann kam es aber zu Zwischenfällen und seitdem ist hier nichts mehr passiert.", erklärte mir David und zog mich schließlich aus dem Auto. "Jesse? Wo ist sie?", fragte ich alarmiert und sah mich um. "Keine Sorge. Du denkst doch nicht, dass sie hier ist? Ein Bekannter fährt sie gerade nach Hause und wird sie vor dem Haus rauslassen, sobald ich ihm meine Zustimmung gebe.", meinte David und verschickte zeitgleich eine Nachricht, welche wohl diese Zustimmung war. In der Hinsicht vertraute ich dem jungen Hotelerben zumindest, weswegen ich erleichtert aufatmete und mich dann von ihm in den Rohbau eines Gebäudes ziehen ließ.
Zeitgleich stoppte David's bezahlter Komplize den schwarzen Wagen mit den verdunkelten Fenstern und nicht vorhandenen Kennzeichen und ein kleines Mädchen stolperte tränenüberströmt, aber ansonsten unverletzt, aus dem Wagen auf die Haustür zu. Natürlich hatte Jesse keinen Schlüssel, weswegen sie schluchzend die Klingel mehrfach betätigte.



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#189

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 09.12.2018 22:04
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Tief und traumlos war mein Schlaf. Nur ihre Worte hallten in meinem Kopf wider. Und dann wurde es durchdrungen von einem durchdringenden Klingeln. Ich schob es erst zur Seite, bevor ich es als das Türklingeln erkannte. Mein Kopf ruckte hoch und ich blinzelte mehrmals, dann hörte ich auch das Schluchzen eines Mädchens. Benommen, aber auch irgendwie aufgeregt torkelte ich zur Tür, zog sie dann auf und wurde gleich förmlich überrannt von Jesse. "Jesse...", hauchte ich, ging in die Knie und schlang meine Arme fest um sie, während sie mich mit ihren schmalen Armen auch fast erwürgte. Ich war noch zu benommen um ihr verheultes Gemurmel zu verstehen, wiegte sie nur liebevoll vor und zurück. Erst als ich mich wieder einigermaßen wach und sicher auf den Beinen fühlte, trug ich meine kleine Schwester ins Wohnzimmer und wickelte sie in eine Kuscheldecke. "Halt!", stoppte ich sie, als sie noch ganz durch den Wind nach einem der Wassergläser greifen wollte. Verwirrt sah sie mich an, während ich erstarrte. Wo war Veronica? Langsam kehrten die Bruchstücke der Betäubung zurück. "Ich hole ein neues", murmelte ich etwas blass, nahm beide Gläser mit und schüttete die Reste aus. Dann griff ich erst einmal nach meinem Handy und versuchte Veronica anzurufen. Sofort sprang die Mailbox an. Es war scheinbar ausgeschaltet. Fluchend legte ich auf, ehe ich meiner Schwester frisches Wasser brachte. Unruhig lief ich auf und ab, versuchte mir einen schnellen guten Plan zurechtzulegen. "Wo sind Mama, Papa und Ronnie?", fragte Jesse, die sich langsam etwas beruhigt hat. "Auf dem Revier. Nur Ronnie muss ich suchen", antwortete ich, rief dann einen Kollegen an, damit er uns abholen kam.
Auf der Fahrt zum Revier erklärte ich Jesse, dass sie alles, was passiert war, jemandem von der Polizei erzählen musste, dass sie ehrlich sein musste und dass unsere Eltern ihr sicherlich helfen würden und auf sie aufpassten. Und ich versprach ihr, dass ich Ronnie nach Hause bringen würde. Das große freudige Familientreffen ließ ich deshalb schnell hinter mir, dämpfte auch schnell die Stimmung, als ich erklärte, dass Ronnie sich für Jesse ausgetauscht hatte. Mein Büro war ordentlich, als ich es betrat, mein Kollege war nicht mehr da. Er hatte Feierabend. Aber ich wollte das sowieso im Alleingang regeln. Also wartete ich ungeduldig, bis mein Rechner sich wieder hochgefahren hatte. "Chace? Ich hab gehört, was passiert ist und.. " - "Nicht jetzt", unterbrach ich harsch. Ich wollte nicht darüber reden. "Ja aber.. der Chef sagt, du sollst den Fall abgeben. Du bist zu sehr privat da drin", sagte die Person, die noch immer in der Tür stand. "Das dauert mir zu lange. Ich regel das",erklärte ich gereizt. Dann gab ich in unserem Suchsystem das Kennzeichen des Polizeiwagens ein, der vor unserer Haustür mitsamt Ronnie verschwunden war. Ich betete, dass David dumm genug war, den Wagen in nächster Nähe stehen zu lassen. "Ich fahre. Jetzt. Ich verfolge die Spur solange sie frisch ist, nicht erst, wenn der Papierkram durch ist", kündigte ich an, da mein Kollege immer noch in der Tür stand. Dann erhob ich mich und während ich auf dem Weg zu unserem Waffenlager war, versuchte ich noch einmal Ronnie anzurufen. Keine Reaktion. Übers Handy hätte ich sie direkt orten können, unmöglich. Aber der Wagen war eine gute Möglichkeit. Ich stattete mich vollkommen aus: Schusssichere Weste, ein zweites Magazin für meine normale Waffe und nach einem kurzen Zögern griff ich auch nach einem Scharfschützengewehr. Ich wollte vorbereitet sein. Wenn ich nicht an David kommen würde, wenn er Ronnie als Schutzschild benutzte, sobald er mich sah, dann sollte er mich eben nicht sehen, sondern nur die Schmerzen spüren. Entnervt legte ich alles dem Wächter vor, der kontrollierte, wann was wie lange das Revier verließ. Es dauerte gefühlte Ewigkeiten bis er alles abgesegnet hatte. Dann nahm ich mir ein anderen Polizeiwagen, fuhr damit zu den Koordinaten, die das GPS ergeben hatte. Doch ich kam nur an einem Fluss zu stehen. Etwas unsicher stieg ich aus, blickte auf das fließende Gewässer vor mir. Ich konnte das Heck des Wagens gerade noch so eben unter der Wasseroberfläche erkennen. Ich sendete ein Stoßgebet in den Himmel und hoffte, dass Veronica nicht mehr dort drin war. Ich legte meine zusätzliche Ausrüstung ab, watete in meiner Kleidung ins kühle Wasser bis ich schwimmen musste. Dann tauchte ich ab, versuchte im Auto zu erkennen ob Ronnie drin war. Zum Glück war sie es nicht. Ich trat also wieder aus dem Fluss, wrang so gut es ging die Kleidung aus. Die Schuhe ließ ich einfach am Auto stehen, während ich die Schussweste wieder anlegte und die Waffe einsteckte. Das Gewehr trug ich quer überm Rücken an einem Gurt gesichert. Nun musste ich sie nur noch finden. Ich atmete tief durch, schloss dann meine Augen. Ich musste mich konzentrieren, schob all meine Sorgen beiseite. Dann ging ich auf Spurensuche. Mit der Taschenlampe suchte ich erst nach Spuren im Boden, allerdings verliefen die sich sobald mehr Laub und Unterholz den Boden uneben machten. Allerdings war der Wald ein gutes Gebiet für mich. Ich konnte mich gut auf solchen Terrain bewegen und meine Sinne erlaubten mir auch in der Dunkelheit gut klar zu kommen. Ich schätzte, dass David das nicht so geübt war, weshalb ich sicher irgendwie nachvollziehen konnte, wo er lang gelaufen war. Es kostete mich einiges an Konzentration, aber ich konnte seinem Geruch folgen. Er hatte sich hier und da an einem Baum abgestützt, er hatte ab und zu doch einen Schuhabdruck hinterlassen. Bei den Lichtverhältnissen hätte kein Fährtenleser so schnell etwas gefunden. Schließlich kam ich an den Rand eines Baugrundstückes. Abgelegen, dunkel, dem Zustand nach sehr lange nicht mehr besucht. Im Schutz der Bäume und der Dunkelheit umrundete ich das Gebäude, bis ich einen beleuchteten Raum sah. Lautlos legte ich mich auf den Boden, stellte das Gewehr auf und sah durch den Sucher. Schnell fand ich David. Wie er zeterte und sich scheinbar über Ronnie beugte. Ich vertraute der Situation nicht. Kurz prüfte ich die Einstellungen des Gewehrs, ehe ich den Ziellaser einschaltete. Ich ging mit Bedacht damit um. Er sollte es selbst nicht mitkriegen, dass jemand auf ihn zielte. Ob Ronnie es sah, war nicht ganz so wichtig, solange sie ihn nicht unmittelbar warnte. Ich atmete einmal tief durch, als ich auf seine Hüfte zielte. Kein lebensgefährlicher Schuss, wenn ich nicht gerade eine Arterie traf, aber er würde sicher nicht mehr weglaufen. Ich atmete langsam aus, dann drückte ich ab. Der Schuss zerriss die Stille der Nacht, das Gewehr schlug hart gegen meine Schulter. Kurz sah ich noch durch den Sucher und sah wie David zusammensackte, ehe ich aufsprang. Ich warf mir das Gewehr über die Schulter, dann rannte ich über die Baustelle, stürmte mit gezogener Handfeuerwaffe das Gebäude. Kurz orientierte ich mich, bis ich schließlich das Zimmer fand, in dem Licht war und David stöhnend am Boden lag. Ich richtete meine Waffe auf ihn, während ich das Zimmer betrat, blickte dann auf. "Veronica", murmelte ich in einer Mischung aus Erleichterung sie gefunden zu haben und Schock über ihren Zustand. "David Lancaster, Sie sind festgenommen wegen Entführung in zwei Fällen und gefährlicher Körperverletzung. Sie haben das Recht zu schweigen. Alles kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden. Sie haben das Recht auf einen Anwalt. Sollten Sie sich keinen leisten können - was ich bezweifle - wird Ihnen vom Gericht ein Pflichtverteidiger gestellt", sprach ich die Worte. Es fühlte sich gut an, sie gegen David zu verwenden. "Dein Vater wird stolz sein"; knurrte ich ihn sarkastisch an, während ich ihm Handschellen anlegte. Ich wollte und musste ihn sichern. Erst dann steckte ich die Waffe an und lief zu Ronnie.


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#190

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 09.12.2018 22:27
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Die letzten Stunden waren voll mit Qualen, Demütigungen und co gewesen. David ließ mich durch die Hölle gehen und obwohl ich den jungen Mann schon lange kannte, verstand ich ihn nicht. Wieso tat er mir so etwas an? Er sagte doch, er liebte mich und wolle mich nicht verlieren. Doch ging er davon aus, dass ich von nun an seine Gefangene sein würde, mit der er eine komische Art von Beziehung pflegte? Ich hatte aufgehört zu zählen wie oft seine Fäuste mich getroffen hatten. Im Gesicht, in den Bauch. Mein blutüberströmter Körper war schon nach wenigen Stunden übersät von Blutergüssen in sämtlichen Farbkombinationen. Die einzige Sache, die mich wohl gerade glücklich machte, war die Tatsache, dass ich meine kleine Maus gerettet hatte. Wer wusste schon, was David noch mit ihr angestellt hätte? Es war definitiv die richtige Entscheidung gewesen, mich auszutauschen. David rutschte einige Male über mich drüber und nahm mich jedes Mal so hart und ohne Rücksichtnahme, dass ich das Gefühl hatte, dort unten zu zerreißen. Ich war benommen von den Schmerzen und meine beiden Augen waren angeschwollen, sodass ich sie kaum noch öffnen konnte. Mit jeder Minute, die verging, wurde ich mir immer sicherer. David würde mich nicht leben lassen. Er würde mich töten. Vielleicht noch heute Nacht, vielleicht morgen. Vielleicht auch in einer Woche. Doch ich würde meine Liebsten nie wieder sehen. Ich hatte schon mit meinem Leben abgeschlossen und lag gefesselt auf der modrigen Matratze, als David mit einer Art Reitgerte ankam und mich auf den Rücken drehte. Den ersten Schlag auf meine nackte Haut konnte ich noch einigermaßen verkraften, doch beim dritten schrie ich laut auf. Desto verdutzter war ich, als mein Ex-Freund plötzlich aufschrie. War das ein Schuss gewesen? Mit Müh und Not drehte ich mich zumindest auf die Seite, um etwas sehen zu können. Mein blutiger Rücken schmerzte und war von offenen Striemen übersät. Doch dann hörte ich meinen Namen. Eine bekannte Stimme. Bevor ich meine Augen überhaupt öffnen konnte, kam ein schwaches "Chace...", über meine Lippen. Fix und fertig mit der Welt und am ganzen Körper zitternd lauschte ich einfach nur seiner Stimme, welche mich gerade so ungemein beruhigte, dass ich zum ersten Mal seit Beginn der Tortur anfing zu weinen. Für David hatte ich keine einzige Träne vergossen, doch nun fiel die ganze Last augenblicklich von mir ab. Ich hörte noch das Klicken der Handschellen und dann Schritte, die sich mir näherten. Langsam zwang ich mich dazu, meine Augen zu öffnen und blickte in das verschwommene Gesicht von Chace. "Das war so heiß.", murmelte ich erschöpft im Bezug auf seine ganze Aktion hier und zog meine Mundwinkel nach oben. "Können wir das bitte demnächst wiederholen, Officer?", fügte ich noch hinzu und war selbst erstaunt darüber, dass ich immer noch meinen versauten Humor hatte. "Bring mich bitte nach Hause, Chace...", flüsterte ich und zuckte zusammen, als ich versuchte mich aufzurichten. Einige Wunden würden mich in Form von Narben wohl für immer an diese Nacht erinnern. "Geht...geht es..geht es Jesse gut?", stieß ich hervor und brachte es irgendwie zustande, dem jungen Mann meine Arme entgegen zu strecken, welche wie meine Beine auch aneinander gefesselt waren.



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#191

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 09.12.2018 23:44
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich war von mir selbst überrascht, dass ich so ruhig bleiben konnte und nicht sofort David den Kopf abriss, als ich den Zustand von Veronica sehen konnte. Ich hätte sie am liebsten sofort in ein Krankenhaus geflogen, sie hier raus geholt, aber das konnte ich nicht. Wenn ich den Hauch einer Chance darauf haben wollte, meinen Job zu behalten, dann musste ich mich wenigstens an ein kleines Protokoll halten. Und das hieß, den Straftäter zu sichern und ihm seine Rechte erklären. Dem Blut nach zu urteilen, das nur einen kleinen Bereich seines Oberschenkels und seiner Leiste bedeckte, war es nicht lebensbedrohlich. Fast ein bisschen schade. Aber so konnte ich mich wenigstens Ronnie zu wenden. Mein Herz zog sich zusammen, als ich sah, wie sie ihre geschwollenen Augen aufquälte und meinen Namen brüchig flüsterte.
"Ich bin da. Alles wird gut.. ich bin ja da", sagte ich leise, setzte mich neben sie und strich ihr kurz übers Haar, ehe ich ihre Fesseln löste. Ich lachte leise auf, als sie mir sagte, dass es heiß gewesen wäre. "Ich glaube du stehst unter Schock", versuchte ich eine normale Erklärung zu finden dafür, dass sie ihren Humor scheinbar noch behalten hatte. "Aber nur, wenn du dich dafür nicht wieder in Gefahr bringst. Tu mir das nie wieder an", sagte ich leise. Ich verzog leicht das Gesicht, als ich sah, wie sie vor Schmerz zusammenzuckte. "Ja ich bring dich in Sicherheit. Jesse hat es heil überstanden", sagte ich. Nachdem ich alle Fesseln gelöst hatte, griff ich nach meinem Handy. "Hier Chace Bail, ich brauche zwei Rettungshubschrauber und Unterstützung. Ich habe David Lancaster mit einem großen Kaliber angeschossen und ihn gestellt. Er muss beaufsichtigt werden und ins Krankenhaus. Außerdem ist hier Veronica Parrish mit zahlreichen Verletzungen. Wir befinden uns auf einem stillgelegten Baugelände, ich schicke die Koordinaten", wies ich einen Kollegen an und legte dann auf. Ich sendete ihm die Koordinaten, ehe ich das Handy wieder wegsteckte. "Was könnte noch cooler sein, als ein Abgang im Hubschrauber?", fragte ich dann Ronnie und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. Kurz stand ich auf um ihr wenigstens ihr Oberteil und ihren Slip zu bringen. Es musste sie nicht jeder ganz nackt sehen und ihre Verletzungen würden im Krankenhaus sicherlich eh einmal komplett erfasst werden für die Anklage. Ich half ihr beim Überziehen, damit sie sich nicht so viel bewegen musste, ehe ich sie einfach auf meinen Schoß zog und meine Arme um sie schlang. David schien das Bewusstsein verloren zu haben. Zum Glück, sonst hätte ich ihm noch das Gesicht eingetreten. "Ich hoffe es stört dich nicht, dass ich so nass bin, ich dachte erst, David hätte dich mitsamt des Autos ertränkt", murmelte ich leise in ihr Haar, schloss die Augen um den Blutgeruch etwas zu verdrängen.


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#192

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 11.12.2018 21:31
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Ich zuckte zusammen, als Chace die Seile vorsichtig von meinen Hand- und Fußgelenken löste. "Aua...", murmelte ich leise und rieb meine aufgeriebenen Handgelenke, an welchen man wie auch an den Füßen deutlich die Spuren der Fesseln erkennen konnte. Hoffentlich würden zumindest diese Stellen schnell verheilen und nicht mehr sichtbar sein. "Natürlich stehe ich unter Schock, Chace...", stimmte ich ihm nachdenklich zu, doch ob das eine Erklärung für meinen Humor war? Wohl kaum. Ich wollte wohl einfach nur von der beschissenen Situation ablenken. "Heiß bist du trotzdem.", stellte ich noch einmal fest und lächelte leicht. Aufmerksam lauschte ich dann seinen Anruf, der offensichtlich seinen Kollegen galt. "Rettungshubschrauer? Zwei Stück?", fragte ich leise und zog meine Augenbrauen ein Stück in die Höhe. "Können wir David nicht einfach aus Versehen verbluten lassen?", schlug ich hoffnungsvoll und mit einem verbitterten Blick auf den Hotelerben vor. "Und ich will nicht mit so einem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden...", warf ich ein und sah Chace flehend an. "Mir geht es gut. Ich will nur hier weg und nach Hause.", erklärte ich möglichst überzeugt von meiner eigenen Aussage und schüttelte den Kopf. "Ich brauche wirklich keinen coolen Abgang im Hubschrauber. Die binden mich dann nur an so einer Trage fest und fassen mich überall an.", bemerkte ich trocken und schluckte. "Ich will gerade keine Menschen um mich haben, Chace. Bitte...", flüsterte ich und half ihm, so gut ich eben konnte, dabei mich anzuziehen. Seufzend ließ ich mich dann auf den Schoss des jungen Mannes ziehen und kuschelte mich an ihn. "Stört mich nicht, Chace...stört mich nicht.", gab ich leise von mir und schloss die blau-grauen Augen wieder. Es war viel zu anstrengend, diese offen zu halten. Trotz meiner Verletzungen wollte ich nicht ins Krankenhaus. Ich mochte Krankenhäuser nicht. Seit dem Tod meiner Mutter hatte ich regelrecht eine Phobie davor. Obwohl ich damals erst zwei Jahre alt gewesen war, erinnerte ich mich tatsächlich noch an Bruchstücke ihres Unfalls. Doch diese Bruchstücke ergaben alle keinen Sinn. Erneut flossen Tränen über mein entstelltes Gesicht. "Vielleicht hätte ich meine Mutter wieder gesehen, Chace.", meinte ich plötzlich aus dem Nichts und zitterte am ganzen Körper. "Ich vermisse sie so sehr, obwohl ich sie nicht einmal richtig kannte.", fügte ich nachdenklich hinzu und inzwischen bebte mein zierlicher Körper in seinen Armen. "Bitte versprich mir, dass du mich einfach nach Hause bringst, Chace. Ich will in kein Krankenhaus. Meine Mutter starb in einem. Ich kann das einfach nicht." Wie oft hatte ich in den letzten Minuten seinen Namen genannt? Unzählige Male. Zum ersten Mal zeigte ich mich ihm oder überhaupt jemandem wohl so, wie ich wirklich war. Ich spielte immer die starke, temperamentvolle Veronica. Doch innerlich war ich ein gebrochenes kleines Mädchen, welches die Mutter viel zu früh verloren hatte und noch immer darunter litt. Jede Fassade begann irgendwann zu bröckeln und bei mir war das gerade jetzt der Fall. Die Tatsache, dass ich zu dem jungen Mann am Abend noch drei bedeutsame Worte gesagt hatte, blendete ich beinahe aus. Hatte ich sie so gemeint? Wahrscheinlich, denn ich hatte fest damit gerechnet, ihn nicht wiederzusehen. Doch jetzt lag ich hier in seinem Armen und die Lage sah ganz anders aus. Erinnerte sich Chace überhaupt an mein zärtliches 'Ich liebe dich'? Würde er es ansprechen oder einfach totschweigen? Mir gingen so viele Gedanken durch den Kopf und meine Schmerzen waren unerträglich. Es war in diesem Moment einfach zu viel für mich, weswegen ich ohne Vorwarnung in Chace's Armen ohnmächtig zusammensackte.



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#193

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 11.12.2018 22:43
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

"Tut mir leid. Ich wollte dir nicht wehtun", sagte ich leise bei ihrem leisen 'Aua'. Ich wurde nur noch vorsichtiger, sah auf ihre geschundenen Handgelenke und schluckte schwer. Ich musste mich wirklich zwingen, nicht aufzuspringen und David ins Gesicht zu treten, ihm das ganze Magazin an Kugeln in den Körper zu jagen. Ich hatte seit geraumer Zeit das Gefühl Veronica beschützen zu wollen. Sie war mir wichtig geworden und ich hatte Gefühle für sie. Und jetzt hatte ihr Exfreund ihr das alles angetan. Er war ein Monster, nicht ich und das obwohl ich nun wirklich eher als solches bezeichnet werden könnte. Niemals würde ich das hier irgendjemandem bewusst antun. David hatte sich dazu aber entschieden. Bewusst. Er hatte sie ausgezogen und gefesselt. Er hatte sie verprügelt, dass es ein Wunder war, dass sie noch sprechen konnte und wach war. Und ich wollte nicht wissen ob oder wie oft er sich wohl an ihr vergangen hatte. Ich hatte schon Sorge ihr nur noch weiter wehzutun, nur wenn ich sie in den Arm nahm. Ich lachte leise, als sie trotzdem drauf bestand, dass ich heiß war. "Danke, sehr schmeichelhaft"; meinte ich, wollte ihr nur in ihrer Verfassung lieber keinen Kommentar dazu abgeben. Sie war eigentlich wunderschön, aber so grün und blau und lila.. das war grauenhaft.
"Leider können wir ihn nicht hier liegen lassen. Ich würde meinen Job verlieren. Gleiches gilt leider dafür, dass du auch untersucht werden musst. Du kannst deine Augen kaum richtig aufmachen. Es gibt Vorschriften..", versuchte ich irgendwie zu rechtfertigen, warum alle beide in ein Krankenhaus sollten. "Ich pass auf dich auf. Niemand wird dir wehtun", versprach ich und versuchte sie zu beruhigen. Einen kurzen Moment der Stille gab es, doch dann sprach sie auf einmal von ihrer Mutter. Ich sah sie ein wenig erstarrt an. "Ich weiß, dass es schwer für dich ist, aber bitte, bitte denk nie wieder darüber nach. Du bist am Leben. Sie würde sicher nicht wollen, dass du aufgibst", sagte ich leise und es schmerzte mich, dass ich ihr nicht versprechen konnte, nicht ins Krankenhaus zu kommen. Ich hätte ihr gerne nachgegeben. Aber es war wichtig, dass ihre Verletzungen erfasst wurden für die Anklage und um schlimmeres auszuschließen. Außerdem stand das Auto sicher einen Kilometer von hier quer durch den Wald. Ich konnte sie unmöglich dahin tragen - also ich konnte schon, aber ich durfte sicher nicht. Und bevor ich noch etwas sagen konnte, sackte Veronica auf einmal leblos in meinem Arm zusammen. "Ronnie?", fragte ich sie erschrocken, schüttelte sie sachte doch keine Reaktion kam. Dass sie noch lebte, konnte ich an ihrem Herzschlag hören, aber warum war sie auf einmal ohnmächtig? Vorsichtig legte ich sie wieder auf die Matratze, ihre Beine auf meine, doch ihr Kreislauf kam nicht mehr hoch.
Erleichtert stellte ich fest, dass sich die Hubschrauber näherten. Sie landeten auf dem hinteren Gebiet des Grundstücks, das schon gerodet worden war. Schnell fanden meine Kollegen und die Sanitäter uns und waren mit Tragen bereit. "Sie ist seit Minuten ohnmächtig. Ihr Puls ist stabil, aber sie kommt nicht zu sich"; sagte ich besorgt, während ich die Sanitäter begleitete. Mit dem Hubschrauber flogen wir schleunigst zum Krankenhaus. Erste Untersuchungen wurden schon im Heli vorgenommen und sie wurde stabilisiert. Im Krankenhaus angekommen, wurden ihre Verletzungen auch digital erfasst und sowohl Abstriche, als auch Bluttests gemacht. Die Ärzte legten sie an einen Tropf mit starken Medikamenten. Sie hatten Sorge, dass sie innere Verletzungen oder ein Schädeltrauma hatte von all den Schlägen. Man musste warten bis die Schwellungen zurück gingen um mehr zu sagen. Erst einmal hieß es also warten. Zum Glück hatte sie ein Einzelzimmer bekommen, weil ich darauf bestanden hatte. Ich hatte mir einen Stuhl an ihr Bett gezogen und hielt ihre Hand. Ich wollte auf sie aufpassen. Sie hatte Angst, sie sollte nicht alleine sein, wenn sie aufwachte.


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#194

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 11.12.2018 23:11
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

- Beep Beep Beep -
"Mr. Parrish! Sie müssen das Zimmer jetzt verlassen! Mr. Parrish? Hören Sie mich? Nehmen Sie Ihre Tochter und verlassen das Zimmer umgehend." "Mrs. Parrish? Können Sie mich hören?" "Sie hat keinen Puls mehr!" "Unverzüglich Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten." "Jemand soll sofort die Kleine raus bringen." "Camila? Cami...Liebling. Du darfst nicht sterben." "Mr. Parrish, Sie müssen gehen. Jetzt!" "Mami, Mami..."
"Vero...Mama ist jetzt ein Engel im Himmel und passt von dort auf dich und deine Brüder auf, Prinzessin..."

"Mami, Mami,...", rief ich immer wieder und schreckte schließlich so aus dem Schlaf hoch, dass ich mir sämtliche Schläuche abriss, die irgendwie mit meinem Körper verbunden waren. Aufrecht saß ich im Bett und starrte mit trüben Augen die Wand gegenüber an. "Mama? Papa?", murmelte ich benommen und es dauerte einige Minuten, bis ich realisierte, wo ich mich befand. Mein verfärbtes Gesicht wurde weiß wie die Wand und ich sprang panisch auf. "Wo bin ich hier?! Was ist passiert?!", schrie ich auf und entdeckte aus dem Augenwinkel eine verschwommene Gestalt. Chace. Krankenhaus. "Ich hab doch gesagt, ich will nicht ins Krankenhaus!", schrie ich weiter und rannte, insofern man es rennen nennen konnte, auf den jungen Mann zu, um seine Brust mit meinen Fäusten zu bearbeiten. "Wieso hast du mich hier her gebracht?!", schrie ich weiterhin außer mir vor Wut. "Ich muss hier raus...sofort raus...", murmelte ich und blickte zurück auf das Krankenhausbett und die vielen Geräte. "Mami...", flüsterte ich und war mir in dem Moment nicht bewusst, dass mein Bewusstsein mir einen grausamen Streich spielte. Die Medikamente waren zu stark gewesen. "Mami...Mamá ... no puedes morir. Por favor mamá Te necesito tanto. Te amo mami. Por favor quédate conmigo. No me dejes...", gab ich auf spanisch von mir und sank weinend neben dem Bett auf die Knie. Erst als ich nach der in der Realität nicht vorhandenen Hand meiner Mutter greifen wollte, merkte ich, dass sie gar nicht da war. Diese Erkenntnis brachte mich nur noch mehr zum weinen. Zuerst merkte ich gar nicht, dass einige Leute vom Krankenhaus den Raum betreten hatten. Erst als diese mich anfassten und beruhigen wollten, realisierte ich deren Anwesenheit. "Fasst mich nicht an...loslassen. Nein..! Mama! Mama! Mama?", schrie ich wieder verzweifelt los und war gefangen in einer Welt zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Zwei der Pfleger wollten mich fixieren, woraufhin ich dem einen in den Arm biss. "Jetzt spritzt dem armen Mädchen doch ein Beruhigungsmittel!", rief eine Ärztin aufgewühlt und irgendwie gelang es dem Personal dann doch, mich in das Bett zurück zu bekommen und mir eine Spritze zu geben. Augenblicklich wurde ich ruhiger und beinahe schläfrig. "Chace...?", stieß ich mühsam hervor und drehte den Kopf langsam zu dem jungen Mann. "Ich gehe zu meiner Mama, Chace." Diese Worte brachte ich gerade noch so hervor, bevor ich wieder eingeschlafen war. Natürlich ging ich nicht zu meiner Mutter, doch ich verbrachte den Schlaf damit, unruhige Träume von ihr zu haben. Träume davon, wie es heute sein würde, wenn sie noch lebte. In meinen Träumen war sie nicht gealtert, war immer noch wie bei ihrem Tod 32 Jahre alt. Ich schlief mehrere Stunden, auch wenn ich zwischendurch immer wieder schweißgebadet aufwachte, fiel ich direkt wieder in diesen unruhigen Schlaf. Erst die Sonnenstrahlen am nächsten Tag ließen mich langsam aufwachen und erst einmal blinzeln. Wie viel Zeit war vergangen? Wohl ein ganzer Tag und eine ganze Nacht seit meiner Rettung von Chace. Chace...wo war er überhaupt. Meine Lippen und mein Hals fühlten sich trocken an, weswegen ich kaum mehr als ein krächzendes "Cha...", hervorbrachte. Mühsam zwang ich mich dazu, die noch immer angeschwollenen und durch meine Tränen noch dazu verklebten Augen zu öffnen und nach dem jungen Mann zu suchen.



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#195

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 12.12.2018 15:32
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Angespannt saß ich die ganze Zeit neben Ronnies Bett und musterte ihr geschwollenes Gesicht. Sorge mischte sich immer wieder in meine Mimik, wenn sie leise murmelte, zuckte, den Kopf herumdrehte oder die Geräte neben ihr schneller piepten. Müde rieb ich mir über die Augen. Ich hatte den Ärzten klar gemacht, dass ich so schnell es möglich war, mit ihr das Krankenhaus verlassen wollte. Sie hasste es hier, ich auch. Alleine der beißende sterile Geruch, das Piepen, die anderen Geräusche auf dem Flur, der unterschwellige Geruch nach Blut und Tod - es machte mich fertig. Aber ich wollte sie nicht alleine lassen, ich wollte nicht gehen. "Shh", versuchte ich sie zu beruhigen, als sie wieder lauter murmelte und seufzte leise. Sie träumte von ihrer Mutter. Es war sicher keine schöne Erinnerung, so wie sie rief. Und dann auf einmal saß sie fast kerzengerade im Bett, blinzelte und stotterte scheinbar halb gefangen im Traum. "Ronnie", sprach ich sie vorsichtig an, während das Gerät, das den Puls kontrollieren sollte und den Kontakt verloren hatte, panisch piepte und der Tropf nur noch eine Pfütze veranstaltete und der Katheter halb aus Ronnies Arm ragte. "Hey... alles wird gut. Ich bin da"; versuchte ich sie weiter ins Hier und Jetzt zu bekommen. Und dann auf einmal sprang sie auf und drosch förmlich auf mich ein. Gut, dass ich nicht so empfindlich war. "Du warst ohnmächtig. Minutenlang, naja jetzt eher Stunden. Was sollte ich denn bitte machen?", gab ich zurück, während ich versuchte ihre Hände einzufangen, damit sie sich nicht noch mehr verletzte. Allerdings fing sie wieder an zu fantasieren. Ich griff schnell nach einer Klingel, rief damit Personal, wobei das eh schon anrückte wegen der Pulskontrolle. "Alles ist gut"; gab ich etwas überfordert von mir, während ich mich neben Ronnie hockte, die neben dem Bett zusammengesackt war. "Treten Sie zurück", wurde ich angewiesen, aber ich wollte Ronnie nicht alleine lassen. Allerdings musste sie dringend zurück ins Bett und zumindest der Katheter musste neu gemacht werden. Immerhin verlor sie nur weiter Blut. "Geben Sie ihr doch Zeit"; versuchte ich das Personal zur Ruhe zu bekommen, allerdings versuchten sie einfach weiter, Ronnie ins Bett zu bekommen, die dann schließlich sogar biss. Na wie gut, dass das nicht mein Arm gewesen war. Aber dennoch hätte es meiner sein sollen. Ich wollte ihr so gern helfen. Doch konnte ich erst wieder zu ihr, als sie wieder versorgt und ruhig gestellt war. "Ich bin da", wiederholte ich, während ich wieder ihre Hand nahm. Ihre Worte, dass sie zu ihrer Mama wollte, bereiteten mir Sorge, doch ich bezweifelte, dass sie wirklich zu ihr kam.
Die nächsten Stunden wich ihr nicht von der Seite. Ich strich ihr übers Haar, wenn sie wimmerte, hielt ihre Hand wenn sie zuckte. Mir wurde zwischendurch was zu Trinken gebracht und es versuchte mich eine Stationsschwester wegzuschicken, weil die Besuchszeiten schon lange überschritten waren. Aber es kümmerte mich nicht. Ich blieb nie weiter als zwei Schritte weg von Ronnie - außer einmal wo ich kurz auf Toilette ging. Schließlich krächzte Ronnie leise, hielt mich dadurch ab, am Fenster stehend, einzuschlafen. "Ich bin da", murmelte ich, wie so oft schon zuvor. Ich setzte mich wieder neben ihr Bett und griff ihre Hände. "Bleib bitte ruhig liegen. Es ist alles gut", bat ich sie, flehte schon förmlich. Ich war wirklich erschöpft von der Wache und mein Kopf wollte bersten unter all den Eindrücken hier, aber ich würde sie nicht aufhören zu bewachen, bis ich mir nicht sicher war, dass alles okay war.


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#196

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 12.12.2018 16:21
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Beruhigt schloss ich die leicht geöffneten Augen wieder, als ich Chace's Stimme vernahm. Er war da. Immer noch. Ob er geschlafen hatte oder zwischendurch zuhause gewesen war? Ich runzelte leicht die Stirn und drehte mich vorsichtig in die Richtung, aus welcher zuvor seine Antwort gekommen war. "Wasser...", krächzte ich mühsam und trank dann Schluck für Schluck, nachdem der junge Mann mir ein Glas gereicht hatte. Danach ging es mir zumindest etwas besser. Kurz schluckte ich und räusperte mich einige Male, bis ich schließlich meine Stimme wieder fand. "Warst du die ganze Zeit hier...?", fragte ich leise und sah den jungen Mann besorgt an. Er trug immer noch seine Uniform, welche inzwischen aber getrocknet war und unschöne Falten warf. "Du solltest bei deiner Schwester sein, Chace.", stellte ich dann fest und schüttelte leicht den Kopf. Die Kleine brauchte ihren großen Bruder wohl gerade mehr als ich. Ich lag immerhin nur hilflos in dem kleinen Krankenhausbett und verbrachte den Großteil der Zeit schlafend. Ich war mir sicher, dass das kleine Mädchen ziemlich litt. Für sie muss es eine dramatische Erfahrung gewesen sein und ihr großer Bruder war nicht bei ihr. "Du solltest wirklich nachhause fahren, Chace.", meinte ich daher und zog die Mundwinkel leicht nach oben. "Ich komm schon klar.", versicherte ich dem Mann und musterte seine Augenringe skeptisch. Ich fühlte mich hier nach wie vor unwohl, doch die Beruhigungsmittel dämpften meine Panik ein wenig ein. Ich schreckte ein wenig auf, als es plötzlich an der Tür klopfte und diese geöffnet wurde. "Vero?", ertönte eine tiefe männliche Stimme und ich richtete mich auf. "Daddy?" Ich täuschte mich nicht, denn tatsächlich kniete kurz darauf mein Vater neben dem Bett und hielt mit Tränen in den Augen meine Hand. Doch hinter ihm hatten noch fünf weitere Männer das Zimmer betreten, was ich jedoch erst jetzt bemerkte. Mein Gesicht hellte sich auf, als ich meine Brüder erkannte. Alex, Bash, Zac und Jon, alle waren sie da. "Wo kommt ihr denn her?", fragte ich verwundert, da ich die ganze Familie schon lange nicht mehr vereint erlebt hatte. "Nathan Bail hat Papa angerufen und erzählt, was passiert ist, Prinzessin.", murmelte mein ältester Bruder Alex mit Sorgenfalten auf der Stirn, während Bash, der Zweitälteste, Chace ansteuerte. "Du musst Chace sein, Vero's Retter.", stellte er sich vor und reichte dem Polizisten die Hand. "Wir sind dir so unendlich dankbar für alles. Was du für unsere kleine Schwester getan hast, hätte wohl kaum ein anderer Mensch außerhalb der Familie getan.", erklärte der 24-Jährige dankbar. "Wir können dir wahrscheinlich niemals angemessen danken, aber wenn du irgendwas brauchst, wende dich an uns.", warf der Jüngste im Bunde ein und reichte Chace ebenfalls die Hand. In der Zwischenzeit hatte Alex fachmännisch meine Verletzungen begutachtet. Ein Arzt in der Familie hatte schon seine Vorteile. "Alex, bitte sag dem Klinikpersonal, dass ich nach Hause darf und du dich privat um mich kümmerst...", bat ich meinen ältesten Bruder und blickte ihn mit einem Blick an, der wohl kaum eine andere Entscheidung zulassen würde. Alexander nickte leicht und verschwand aus dem Zimmer, um mit dem leitenden Arzt ein Gespräch zu führen. Währenddessen hatte sich mein Vater erhoben und sich ebenfalls tausendfach bei Chace bedankt. Nun trat Zac zu mir und küsste mich auf die Stirn. "Ich habe Amelia und Derek angerufen. Die beiden werden dich die Tage sicher besuchen kommen, wenn es dir besser geht.", erzählte er mir und ich nickte dankbar Ich vermisste meine besten Freunde sehr. Alex kam dann wieder in den Raum und lächelte mich erfreut an. "Du darfst nach Hause. Ich nehme an, du willst wieder zur Familie Bail?", erkundigte er sich und nach einem kurzen Blick zu Chace nickte ich. "Gut. Ich werde regelmäßig nach dir sehen. Wir bleiben alle erstmal hier in unserem Anwesen. Chace, bist du mit dem Auto hier? Ansonsten kann ich dich und Vero fahren.", schlug der junge Arzt zuvorkommend vor. Wahrscheinlich waren meine fünf Männer sowieso mit mindestens zwei Autos da.



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#197

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 12.12.2018 22:27
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Meine verspannten Schultern lockerten sich etwas, als sie nicht sofort panisch aufsprang, sondern sogar die Augen noch einmal schloss. Dann krächzte sie nach Wasser. Mit einem leicht skeptischen Blick musterte ich sie. War sie wirklich wach oder schon wieder in einem Halbtraum? Ich hoffte nicht. Ich wollte mich nicht wieder so hilflos fühlen. Ich war es einfach nicht gewohnt, die Kontrolle nicht über eine Situation zu haben und ich hasste das Gefühl, sie nicht zu haben. Und Ronnie konnte ich nicht kontrollieren, wobei das im Alltag vielleicht auch gerade der Grund war, dass ich sie so faszinierend fand und weshalb sie immer zu in meinem Kopf herumschwirrte. Sie war nicht so einfach zu knacken. Aber das war etwas anderes als ihre unkontrollierten Wachträume, bei denen ich ihr nicht helfen konnte, wo sie meine Umarmung nicht wahrnahm und nur durch mich hindurch sah.
Ich reichte ihr schließlich ein Glas mit Wasser, blieb aber sprungbereit, sollte es ihr runterfallen. Als sie ausgetrunken hatte und sich räusperte, nahm ich ihr das Glas wieder ab, nickte auf ihre Frage hin. Bei ihrem besorgten Blick schenkte ich ihr ein Schmunzeln. "Seh ich so schlimm aus?", fragte ich, klang aber leider müder als ich wollte. Mir ging es gut, ich musste nur mal ordentlich schlafen. Aber ihre Gesundheit ging vor. Ich verzog leicht die Miene, als sie mich auf meine Schwester ansprach. "Ich hätte mich gerne zweigeteilt", meinte ich mit einem leicht schlechten Gewissen. Jesse war immerhin bei unseren Eltern. Ronnie wäre alleine gewesen. Und ich hätte es genau so gehasst, alleine aufzuwachen. Sie hatte das schon lange nicht mehr verdient. Schließlich klopfte es an der Tür. Ich zuckte nicht, hörte ich doch jeden Schritt auf dem Flur. Und das waren viele Schritte. Und erstaunlich leise dafür, dass es sich bei allen um ausgewachsene Männer handelte. Ich blickte zur Tür, genau so wie Veronica und musterte ihren Vater. Ich wusste immer noch nicht warum ihre Familie Unbehagen in mir auslöste. Vielleicht war es einfach das geballte Testosteron oder der Instinkt, dass sie ein starkes Rudel bildeten, auch wenn sie nun definitiv keine Werwölfe waren. Es würde mich zumindest stark wundern, denn normaler Weise roch ich den Unterschied zwischen Mensch und Werwolf. Es verstörte mich fast ein bisschen, dass ihr Vater sich so offen gab und neben ihrem Bett in die Knie ging mit Tränen in den Augen. Aber wir waren alle erwachsen, niemand würde darüber ein negatives Wort verlieren.
Ein wenig abgeschlagen ergriff ich die Hand von einem ihrer Brüder, der sich an mich wandte. "Bin ich, ja. Und für mich wäre nichts anderes in Frage gekommen. Sie hat sich für meine kleine Schwester eingesetzt, also hab ich mich auch für sie eingesetzt. Zumal ich gerne ein Sternchen in meiner Ausbildung sammel - wobei mein Chef mich erst falten wird, bevor er es gut findet", meinte ich und kratzte mich fast ein wenig verlegen am Kopf. Ich war wirklich gut in dem, was ich tat, handelte aber zu eigenständig und war auch schon ein paar mal in letzter Zeit ausgefallen, weil irgendwas war. Ich hatte erst die Suspendierung am Hals gehabt, dann war ich letztens ein paar Tage verschwunden und nun setzte ich auch aus, weil ich auf Ronnie aufpasste. Kurz brannte mir auf der Zunge, dass sie mir auch einfach zu wichtig war, um sie hängen zu lassen, doch ich sah nur kurz zu ihr herüber, unsicher ob ihre Brüder das wohl erfahren sollten. Mit so viel Händegeschüttel und Lob und Danksagung war ich in diesem Zustand fast ein wenig überfordert. "Wir können dir wahrscheinlich niemals angemessen danken, aber wenn du irgendwas brauchst, wende dich an uns." - "Naja, Es reicht schon, wenn ihr mich am Leben lasst, wenn ihr erfahrt, dass ich mit eurer Schwester schlafe", murmelte ich. Mehr für mich als für die anderen. Um nicht zu sagen - ich hatte nicht gedacht, dass ich es laut gesagt hatte. Etwas erschrocken und verdutzt von mir selbst sah ich von einem zum nächsten und hoffte einfach nur, dass sie es entweder als Scherz verstanden hatten oder gar nicht erst gehört hatten. Zumindest einer ihrer Brüder war ja gerade kurz weg gewesen und hatte es sicher nicht mitbekommen.


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#198

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 13.12.2018 13:08
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Kurzzeitig war es Chace wohl tatsächlich gelungen, bei meinen Brüder und meinem Vater Pluspunkte. Es geschah relativ selten, dass meine Familie einen Mann mochte und ihn nicht direkt als Feind sah. Wobei ich auch nur die wenigsten Männer zuhause vorgestellt hatte. Maxi und Dave zählten zu den Glücklichen. Nun wohl auch Chace, wobei es hier kein ‚Darf ich euch meinen neuen Freund vorstellen‘ Gespräch war. Wohl genau deswegen verhielten sich die fünf Männer wohl auch so freundlich, denn meine festen Freunde wurden immer mit viel Argwohn und Abneigung behandelt. Doch dann sagte Chace etwas, was natürlich alles änderte. Entgeistert starrte ich den jungen Mann an, welcher gerade vor meinen vier Brüdern und meinem Vater offen zugegeben hatte, dass wir miteinander im Bett gewesen waren. „Chace!“, zischte ich wütend und schüttelte fassungslos den Kopf. Zac, welcher schon immer ein kleiner Hitzkopf gewesen war, war innerhalb von Sekunden bei dem Polizisten, holte zum Schlag aus und traf diesen mitten im Gesicht. „Verdammt, Zac!“, schrie ich nun und kam langsam auf die Beine. Auch Jon, der jüngste der Brüder, war nun bei Chace angelangt und hätte es dem Älteren wohl gleich getan, wäre ich nicht dazwischen gegangen. Auf unserer Familiensprache redete ich hastig auf meine Männer ein, welche wohl am liebsten allesamt auf Chace losgegangen wären. Nur widerwillig ließen sie sich beruhigten, meinten noch, sie würden mich definitiv mit in unser Anwesen nehmen und meine Zeit bei den Bail’s wäre vorbei. Von dieser Idee konnte ich sie jedoch noch abbringen. Zwar musste ich ihnen versichern, dass es eine einmalige Sache gewesen war und nie wieder vorkommen würde, doch das reichte. Ob ich sie wirklich überzeugt hatte, konnte ich nicht sagen. Zumindest meine Brüder verschwanden nach und nach aus dem Zimmer und ich sank erschöpft von der Aufregung in das Bett zurück. Mein Vater hingegen stand mit kühlem Gesichtsausdruck vor Chace. „Ich bin dir unendlich dankbar für das, was du für Vero getan und riskiert hast, Junge.“, fing er trocken an. „Aber ich möchte nicht, das so etwas erneut vorkommt. Verstanden?“, fragte er mit strenger Stimme und spielte auf den angeblichen One Night Stand an.



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#199

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 14.12.2018 01:08
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Die Situation war wirklich erstaunlich entspannt gewesen dafür, wie wir uns am Anfang von Veronicas Au Pair Jahr kennengelernt hatten. Ich war garstig gewesen, ich hatte sie gehasst, ihre Familie und auch ein wenig meine Familie für die Entscheidung, ein fremdes Mädel ins Haus zu holen. Es war vermutlich besser als ein fremden Kerl im Haus zu haben, aber meine Begeisterung hatte sich lange wirklich sehr in Grenzen gehalten. Dennoch bezweifelte ich, dass ich die Brüder von ihr überzeugen könnte, dass es besser war, dass ich ihrer Schwester nun näher kam, als sie wollten, als sie die ganze Zeit auszugrenzen. Mein Blick flog kurz zu Ronnie, als sie die Stille mit ihrem Zischen durchbrach. Ich hätte gerne irgendwas gesagt um die Situation zu beschwichtigen, zu beruhigen oder es irgendwie besser dastehen zu lassen, aber zum einen war mein Kopf wie leer gefegt und zum anderen traf in dem Moment die Faust ihres Bruders hart auf mein Gesicht. Ich hatte es nicht kommen sehen. Eigentlich waren meine Reflexe schneller als die von normalen Menschen, aber ich war extrem übermüdet und wirklich gerade in einer Situation, in der ich in meinem Kopf im Prinzip nur nervös lachend im Kreis lief. Der metallische Geruch und Geschmack ließ mich das Gesicht verziehen, doch ich musste zunächst erst einmal einen halben Satz rückwärts machen um dem nächsten auszuweichen, der mich schon am Kragen geplatzt hatte. Die Tür war leider nicht erreichbar, sonst hätte ich sicherlich die Flucht als Option erwägt. Es kam für mich auch durchaus in Frage, mich auf dem Klo einzusperren, aber zum Glück war das nicht mehr nötig. Ronnie sprang auf, faselte in ihrer komischen Sprache irgendetwas und die Faust, die schon zum Schlag ausgeholt war, senkte sich wieder. Ich atmete tief durch, befühlte dann vorsichtig meine Nase und meine Unterlippe. Blut schmierte an meine Finger. Also griff ich am Waschbecken des Raums nach Papiertüchern um die Blutung zu stillen. Außerdem nutzte ich das gebauschte Papier, das gerade mein halbes Gesicht verdeckte um mit einem schnellen Griff meine Nase wieder zu richten. Ich unterdrückte ein schmerzerfülltes Geräusch und tat einfach weiter so, als würde ich mir nur das Blut aus dem Gesicht wischen. Niemand brauchte zu wissen, dass meine Nase gebrochen war. So ein dünner Knochen wuchs bei mir binnen ein paar Stunden wieder zusammen. Schließlich leerte sich langsam auch der Raum, während ich etwas verdrossen dreinblickte und die verengten Augen der Brüder musterte, die mich noch einmal taxierten. Schließlich wagte ich es, das Papier weg zu werfen. Die Blutung hatte sich wieder gelegt.
Als ihr Vater sich vor mich stellte, fühlte ich mich unsicher wie noch nie. Ich hatte noch nie Angst vor einem Vater eines Mädchens gehabt. Vermutlich, weil ich gewusst hatte, dass ich immer stärker war und es mir eh nie ernst war. Allerdings war es mir mit Ronnie ernst und wenn ich das wollte, dann mussten wir klar kommen. Und ihr Vater war ihr wichtig. Wir sollten klar kommen. Schon allein damit er mir nicht die Brüder wieder auf den Hals hetzte. Seine strenge Stimme hätte mich fast nicken lassen. Aber eben auch nur fast. Ich blickte ihn einen Augenblick stumm an. "Es tut mir leid, aber.. das wird kaum möglich sein. Ich weiß, Ihnen ist ihre Tochter wichtig. Aber mir auch. Ich habe lange gebraucht um ihren Wert zu erkennen, aber ich werde mich jetzt nicht von Ihrer Autorität abschrecken lassen. Ich liebe Veronica. Ich kann Ihnen nur versprechen sie zu respektieren und zu beschützen mit allem, was mir möglich ist", sprach ich zu ihm, mit bis zum Hals schlagendem Herzen. Dann wagte ich es, den Blickkontakt zu brechen um Veronica anzusehen. "Ich weiß nicht, ob ich es nur geträumt hatte... aber als ich das Bewusstsein verloren hatte, dachte ich, du hättest mir gesagt, dass du mich liebst. Selbst, wenn es nur ein Traum war und du dem nicht zustimmst.. mir sind meine Gefühle klar geworden. Ich liebe dich", sagte ich also zu ihr. Es wäre mir falsch vorgekommen, es nicht anzusprechen, was ich dachte gehört zu haben. Ich hätte es gerne mehr in Ruhe gemacht, aber diese Situation erzwang es nun. Wenigstens konnte ich es so nicht noch weiter vor mir herschieben. Und auch die berüchtigten drei Worte musste ich an sie richten und nicht nur an ihren Vater. Immerhin ging es um sie. Um ein potentielles Uns.


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#200

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 15.12.2018 12:36
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Innerhalb von Sekunden wurden mein Vater und ich kreidebleich."Was hast du da gerade gesagt, Junge?", fragte mein Vater wütend und ballte die rechte Faust. "Daddy...nicht.", murmelte ich überfordert und vermied es, Chace anzusehen. Hatte ich mich verhört oder hatte er tatsächlich gerade meinem Vater gesagt, dass er mich liebte? Doch die Reaktion meines Vaters beantwortete mir diese Frage relativ schnell. Das konnte doch nicht sein. Zögerlich hob ich den Blick meiner grau-blauen Augen und sah Chace vorsichtig an, als dieser nun direkt zu mir sprach. Mit offenem Mund lauschte ich seinen Worten und wusste nicht, was ich sagen sollte. Die Anwesenheit meines Vaters verunsicherte mich zusätzlich. Es war mir ziemlich unangenehm, weswegen ich vorerst keinen Ton von mir gab. Nicht vor meinem Vater. Doch dieser machte keine Anstalten, dass Zimmer zu verlassen. Stattdessen tötete er Chace bereits mit seinen Blicken, was mich zusammenzucken ließ. "Veronica Joyce Parrish!", meinte mein Vater dann mit schneidender Stimme und trat neben mein Bett. "Du wirst jetzt mit dem Taxi zu den Bail's fahren, deine Sachen packen und dich bei ihnen verabschieden. Dann kommst du sofort zu unserem Anwesen." Weder seine Stimme noch sein Gesichtsausdruck duldeten Widerworte. Wann hatte er mich zuletzt bei meinem vollständigen Namen genannt? Niemand nannte mich so. Freunde nannten mich Ronnie, meine Familie nannte mich Vero. Sogar David hatte Joy als Spitznamen verwendet. Ich senkte den Blick wieder und schluckte leicht. "Ja, Daddy.", murmelte ich unterwürfig und nahm aus dem Augenwinkel wahr, dass er einige Scheine auf den Tisch legte. Wohl für die Taxifahrten. Ohne ein weiteres Wort verschwand mein Vater dann aus dem Zimmer, ich konnte ihn aber noch auf dem Flur schimpfen hören. Ich atmete tief aus, doch erleichtert war ich nicht. Ein wenig verdattert richtete ich mich auf und blieb am Bettrand sitzen. "Du...du hast es nicht geträumt.", antwortete ich schließlich ein wenig verspätet und warf einen vorsichtigen Blick auf Chace. "Ich habe mich über dich gebeugt und gesagt, dass ich dich liebe. Ich dachte, ich sehe dich nie wieder. Du solltest es wissen...", erklärte ich leise und erhob mich schwankend. Wie sollte es weitergehen? Leise seufzte ich auf und griff nach der kleinen Tasche, welche meine Familie mitgebracht hatte. Frische Klamotten. Schweigend verschwand ich mit der Tasche im Bad, schälte mich aus der Krankenhauskleidung und schlüpfte in ein samtrotes Kleidchen. Meine Jungs hatten mich schon immer am liebsten in Kleidern gesehen. Zweifelnd lächelte ich mein Spiegelbild an. Ich sah grausam aus. "Lass uns...heimfahren.", murmelte ich schließlich nachdem ich wieder im Zimmer stand und sah Chace abwartend an. Das Geld steckte ich mittlerweile ein. In meinem Kopf herrschte ein totales Chaos und ich konnte gerade keinen klaren Gedanken fassen.



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