#226

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 30.12.2018 01:37
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Ich hatte nicht mitbekommen, was sich in unserem Keller ereignete. Die ersten Tage nach dem Abendessen hatte ich fast durchgehend geschlafen. Und wenn ich dann mal aufgewacht war, mich an alles erinnert hatte und aufspringen wollte, war sofort einer meiner Brüder da gewesen, um mir erneut ein Beruhigungsmittel zu verabreichen. Ich hatte also nicht einmal die Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, was mit Chace geschah. Das war wohl auch besser so, denn hätte ich gewusst, hätte ich mir wahrscheinlich direkt das Leben genommen. Erst am ungefähr siebten Tag ließ meine Familie es endlich zu, dass ich ordentlich wach wurde. Obwohl ich unfreiwillig so viel geschlafen hatte, war ich unfassbar müde, erschöpft und schwach. "Bist du jetzt bereit für die Wahrheit, mein Schatz?", erkundigte sich mein Vater, der neben dem Bett saß und meine Hand hielt. "Und bist du bereit, in das Familiengeschäft einzusteigen?" Ich runzelte leicht die Stirn. War das jagen nicht Männersache? Vielleicht war das die Ursache dafür, dass es in meiner Familie fast nur Männer gab. Wieso wollte mich meine Familie jetzt plötzlich mit hineinziehen? Meine Brüder schienen immerhin schon seit mehreren Jahren die Wahrheit zu kennen und sich zu beteiligen. Ich schluckte und spürte, wie trocken mein Hals war. Mein Vater reichte mir sofort ein Glas Wasser, welches ich dankbar in sekundenschnelle leer trank. "Daddy...", fing ich mit schwacher Stimme eine Diskussion an, beendete diese aber sofort wieder. Es machte doch keinen Sinn. "Chace...ist er...ist er...", erkundigte ich mich dann besorgt nach meinem Freund und richtete mich auf. "Nein, Vero. Er lebt. Wenn man seinen Zustand Leben bezeichnen kann.", mischte sich Alex ein, der am Fensterbrett gelehnt gestanden hatte und sich nun zu uns ans Bett begab. "Und bis er uns nicht gesagt hat, was er alles weiß, wird das auch so bleiben. Wir brauchen diese Informationen. Aber er ist stur wie ein Ziegenbock. Egal was wir mit ihm machen, er packt nicht aus.", erklärte er mir bissig und ich biss mir auf die Lippe. War das nun gut oder schlecht? Chace würde leben, solange er nichts ausplauderte. Doch solange würde er wohl auch auf bestialische Art gefoltert werden. "Und da kommst du ins Spiel, Schwesterherz. Chace liebt dich über alles. Das haben wir die letzten Tage festgestellt. Er würde niemals zulassen, dass dir was passiert.", erklärte Alex mir und kurz darauf waren wir auch schon auf dem Weg in den Keller, wo gerade Bash und Zac mit dem jungen Polizisten beschäftigt waren. Ob er schon als vermisst galt? Seine Eltern und seine Kollegen machten sich sicher Sorgen um ihn. Und von mir hatte auch keiner mehr was gehört. Es war, als hätte mein Vater meine Gedanken gelesen, als er sich zu Wort meldete. "Keine Sorgen, Prinzessin. Wir haben allen erzählt, dass du und Chace abgehauen seid.", erklärte er mir und ich senkte betroffen den Blick. Das war nicht gut. Diese Erklärung klang plausibel und niemand würde sie anzweifeln nach dem, was sich hier so ereignet hatte. "Chace, mein Freund. Wir haben dir eine Überraschung mitgebracht.", rief Alex schließlich in den Keller und ich hielt den Blick gesenkt. Ich ahnte, wie schlimm es um meinen Freund stand und konnte diesen Anblick gewiss nicht ertragen. Ich trug nach wie vor das rote Abendkleid, die selben Schuhe, den selben Schmuck. Auch mein Make-Up war noch übrig, wenn auch ziemlich verschmiert. Mein Vater schob mich schließlich an eine Gittertür, gegen welche Bash mit einem Eisenstab schlug. "Wuff Wuff.", rief Jon unterstützend und lachte grimmig. Langsam hob ich den Blick und sah auf das Häufchen Elend, welches sich hinter der Tür verbarg. Ich brachte keinen Ton hervor, doch mein Herz schlug mir bis zum Hals. Was hatte meine Familie nur vor? "Wir haben inzwischen verstanden, dass du alles über dich ergehen lassen würdest und niemals unsere Fragen beantwortest. Aber wie sieht das bei Veronica aus? Wie viel muss sie über sich ergehen lassen, bevor du redest?", fragte Bash und im selben Moment schellte die Eisenstange gegen mein Schienbein. Ich schrie auf und hätte schwören können, meinen Knochen brechen gehört zu haben. Taumelnd hielt ich mich an dem Gitter fest und sah mit tränenverschleiertem Blick zu Chace - oder zu dem, was von ihm übrig blieb. Meinte mein Vater das Ernst? Sie würden ihre eigene Tochter und Schwester foltern, nur um von Chace Informationen zu bekommen? Meine ganze Welt brach in sich zusammen und ich schrie auf, als die Stange ein weiteres Mal zuschlug. Dieses Mal traf es meinen Rücken, welcher merkwürdigerweise komplett verheilt war. Inzwischen wusste ich, wieso. Meine Familie hatte mir alles erzählt und die Puzzleteile fügten sich Stück für Stück zusammen. Ich spürte, dass warmes Blut über mein Bein und meinen Rücken lief. Mein armes Kleid. Doch das Kleid war im Grunde scheiß egal. Dann wurde die Tür aufgesperrt und ehe ich mich versah, hatte mein Vater mich in die Zelle gestoßen. Stolpernd fiel ich auf die Knie und schrie ein weiteres Mal auf, ehe die Tür wieder ins Schloss fiel. "Mal sehen, wie lange du es mit dem Blut aushältst, wenn wir dir nichts zu essen geben, lieber Chace. Du kennst ja die Kamera schon. Ein Wort von dir und wir kommen sofort, holen Vero da raus und Alex verarztet sie. Wenn du uns dafür alle Fragen beantwortest.", erklärte mein Vater und kurz darauf entfernten sich die Männer, ließen uns im Halbdunklen zurück. Schluchzend richtete ich mich unter Schmerzen auf. Ich konnte nicht sagen, was mir am meisten weh tat. Mein Bein? Mein Rücken? Oder doch mein Herz? Langsam zog ich mich mit den Armen in Chace's Richtung. "Chace...es tut mir alles so leid...", flüsterte ich unter Tränen und ergriff seine Hand. "Bitte...du darfst ihnen nichts erzählen...", beschwor ich den jungen Mann, da ich inzwischen ziemlich sicher wusste, wer zu seinem Rudel gehörte. Nannte man das überhaupt so?



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#227

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 30.12.2018 03:29
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Schmerz und Todesangst waren Dinge, die einen normalen Menschen durchaus zum Reden bringen konnten. Schlafmangel war ein verstärkender Faktor, der Hunger und Durst ebenso. Wenn ich nicht so geschwächt wäre, hätte ich einen ihrer Brüder auch sicherlich schon zerfleischt. Es war auch jedes Mal, wenn ich etwas zu essen bekam deshalb so abgelaufen, dass sie mich erst wieder mit einem Betäubungsgewehr etwas schwächten, denn mein Körper nahm neue Energie schnell wieder auf und er gewöhnte sich schnell an die Art der Energie, die ich bekam, auch wenn diese nun aus rohem Fleisch bestand. Tatsächlich fiel es mir schwerer, das anzunehmen, als die Schmerzen zu ertragen. Schmerz war einfach. Irgendwann war der schlimmste Level erreicht. Was sie mir aber nie nehmen konnten, egal was sie versuchten, war mein Geist. Ich redete mir innerlich immer wieder ein, dass ich stark war, solange ich schwieg. Sie konnten mich nicht brechen, wenn ich schwieg. Und ich würde schweigen für meine Freunde, damit sie überlebten. Ich konnte das hier eine Ewigkeit ertragen, solange Veronica und mein Rudel in Sicherheit waren und meine Familie sich keine Sorgen machte. Ich war fast schon sicher, dass ich hier nie wieder raus kam. Ich würde Veronica nicht wiedersehen und wenn die Männer wussten, dass sie verloren hatten, würden sie mich töten.
Als ich mehrere Schritte hörte, die die Treppe herunter kamen, wurde ich wach. Ich hatte in einem unruhigen Schlaf auf der gammligen Matratze, beziehungsweise auf dem ausgebreiteten Jackett gelegen. Mein Hemd lag in Streifen gerissen auf dem Boden, geordnet nach Sauberkeit. Einige Streifen waren blutdurchtränkt, andere noch fast sauber. Ich hatte inzwischen eine Routine. Sicherlich ein Fehler der Männer, denn eine Routine half gegen Hoffnungslosigkeit und war gut für die Entwicklung eines Plans zum Ausbruch. Mein Zustand war durchwachsen wie seit Anbeginn der Woche. Blut klebte noch unter meinen Ohren, aber ich hörte wenigstens wieder etwas. Noch etwas wattig, aber der Schlaf und wenn es nur eine Stunde war, hatten geholfen. Ansonsten überzogen diverse Wunden meinen Körper. Von Schnitten über Stiche. Außerdem Löcher im Rippenbereich. Einer ihrer Brüder hatte versucht, mich zum Reden zu bekommen, indem er mir eine Bohrmaschine in die Rippen trieb und meine Knochen angebohrt hatte. Es waren grauenhafte Schmerzen gewesen, aber seit ein paar Tagen schrie ich nicht mehr. Ich stumpfte nicht ab, aber ich sah so aus als ob. Weil ich so wenig zu Essen bekam, sah man meine Rippen inzwischen übrigens deutlich, ebenso meine Schlüsselbeine. Ich wirkte inzwischen etwas hager. Man konnte sehen, dass ich Muskeln hatte, aber sie bauten ab.
Als ich Alex' Stimme hörte, der von der Treppe aus schon rief, bekam ich schon Gänsehaut. Ich ließ es mir ihnen gegenüber nicht anmerken, aber ich hatte Angst. Und war verzweifelt. Ich hasste ihn und seine Brüder und mein Wolf in mir schrie danach, sie zu töten. Ich zuckte leicht, bei dem lauten Geräusch der Eisenstange am Gitter, knurrte leise. Erst dann hob ich den Blick, sah die ganze Familie da stehen. Als ich Veronica erblickte, verlor ich kurz die Fassung. Ich sprang auf, auch wenn ich sogleich taumelte und wieder an der Wand hinabsank. Meine Ohren waren noch nicht wieder in Ordnung und raubten mir mein Gleichgewicht. "Ronnie ...", krächzte ich aus trockener Kehle. Als Bash anfing zu sprechen und durchblicken ließ, dass sie Veronica gegen mich verwenden wollten, fiel mir alles aus dem Gesicht. "Das wagt ihr nicht. Sie ist eure Familie", setzte ich an, doch im nächsten Moment schlug er schon mit der Stange gegen das Bein seiner Schwester. Fassungslos und erstarrt blickte ich ihn an. Ich war versucht zur Gittertür zu rennen, aber ich wusste, dass meine Beine sofort unter mir wieder nachgeben würden. "Nein", krächzte ich, zuckte erneut zusammen, als hätte er mich selbst geschlagen, als er die Stange in ihren Rücken krachen ließ. Ich hatte noch nicht ganz verstanden, was sie erreichen wollten, außer mich damit so schon zu quälen, doch als die Zelle aufging und ihr Vater erklärte, was nun vor sich gehen würde, schüttelte ich leicht den Kopf. "Macht das nicht"; flehte ich. Ich konnte mich unmöglich entscheiden zwischen meiner Liebe und meinem Rudel. Aber das müsste ich. Sie hatten mich mehr oder weniger darauf vorbereitet. Sie hatten mich auf rohes Fleisch und Blutgeruch konditioniert. Und ich hatte Hunger.
Verzweifelt wiegte ich mich leicht vor und zurück, während der Wolf in mir brodelte, dicht unter der Oberfläche. Ich starrte auf meine nackten Füße, die Schuhe und Socken hatte ich vor einiger Zeit zur Seite gestellt. Ich kniff die Augen zusammen bei ihrem Schluchzen. Ich wollte sie in den Arm nehmen, aber ich befürchtete, wenn ich mich bewegte, würde ich mich verwandeln und sie verletzen. "Komm nicht näher", flüsterte ich, doch sie kam näher, griff nach meiner Hand. Ich schluckte schwer, hob unsicher doch den Blick und sah in ihre Augen, die von verschmiertem Make Up umrandet waren. "Nein.. mir tut es leid", erwiderte ich matt, sah wieder zu Boden. "Sie tun dir nur weh, weil ich nicht rede", murmelte ich leise, fuhr mit meinen Fingern über ihre. Man sah deutlich, dass meine Nägel zum Teil frisch ausgerissen waren. Und generell waren meine Handgelenke immer noch geschunden durch die Substanzen. Langsam drang der Blutgeruch immer mehr in mein Bewusstsein. Ich schluckte, ehe ich mich an die Wand gestützt erhob. Ich ging an der Zellenwand entlang bis zur Gittertür zurück, in der Hoffnung auf mehr frische Luft. "Ronnie, ich muss. Ich.. dein Blutgeruch.. ich.. ich hab so einen Hunger.. ", faselte ich, während ich mich wieder auf den Boden sinken ließ. Ich wusste wie meine Worte klangen und ich schämte mich dafür. "Sie hatten Recht, als sie mich ein Monster nannten", meinte ich tonlos. Ich wollte mich dagegen sträuben, aber ich ertappte mich dabei, darüber nachzudenken, sie anzugreifen. Ich wollte es nicht wirklich, aber mein wölfisches Ich brannte unter meinen Nägeln. "Ich will dir nicht wehtun. Aber ich werde dir wehtun...", murmelte ich, hob den Blick zu ihr und meine Augen funkelten bernsteinfarben.


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#228

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 30.12.2018 08:45
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Unglücklich hatte ich Chase beobachtet, welcher wirklich zum Fürchten aussah. Als er meinen Namen krächzte, versetzte mir das einen Stich ins Herz. Seine nächsten Worte ließen mich meinen Blick wieder senken. Ich war zwar Familie, aber sie würden dennoch vor nichts zurückschrecken. So viel war sicher. Und dann traf auch schon die Stange mein Bein und kurz darauf auch meinen Rücken. Bevor ich überhaupt reagieren konnte, lag ich auch schon bei meinem Freund in dieser beschissenen Zelle. Ich ignorierte seine Anweisung und rutschte Stück für Stück näher zu ihm. „Bitte, Chace. Auch wenn sie mir weh tun. Du darfst ihnen nichts sagen. Damit triffst du dein eigenes Todesurteil und das deiner...“, ich stoppte kurz und suchte nach einer passenden Formulierung. „...Freunde.“, beendete ich schließlich den Satz mit zusammen gepressten Lippen. Die Schmerzen waren unerträglich und dennoch nichts im Vergleich zu dem, was man ihm angetan hatte. Mit unglücklicher Miene sah ich zu, wie der junge Mann sich von mir entfernte. „Chace...“, gab ich leise von mir und blickte kurz zu der kleinen Kamera, ehe ich mich stöhnend aufrichtete, um ihm humpelnd und gebeugt zu folgen. Jede Bewegung trieb mir frische Tränen in die Augen. Doch es gelang mir irgendwie, meinen Freund einzuholen und vor ihm auf die Knie zu fallen. „Liebling...“ flüsterte ich tonlos und ergriff seine geschundenen Hände, führte diese zu meinen Lippen und übersäte sie mit hauchzarten Küssen. „Du bist kein Monster, Chace.“, stieß ich hervor und meine Stimme klang sogar ziemlich sicher dafür, dass ich mir noch immer nicht sicher war, was ich von seinem wahren Ich halten sollte. Doch ich liebte ihn und in Anbetracht der Tatsache, was meine Familie uns hier beiden antat, liebte ich ihn gerade mehr als mein eigenes Fleisch und Blut. „Und du wirst mir nicht wehtun.“, meinte ich bestimmt und griff nach seinem Kinn, um so seinen Kopf leicht anzuheben. „Chase...“, hauchte ich und strich ihn liebevoll über die unrasierten Wange, ehe ich mich gequält aufrichtete und näher zu ihn beugte. Zögernd berührten meine Lippen die seinen und bedeckten dann auch schon sein ganzes Gesicht mit Küssen. Leicht strich ich dann mit den Daumen unter seinen Augen entlang, begutachtete deren Verfärbung argwöhnisch. „Ich...“, fing ich an und überlegte kurz. Natürlich bräuchte Chace vor allem Fleisch, oder? Damit konnte ich nicht wirklich dienen. Doch Blut stärkte in der Regel doch auch, oder? Es war dickflüssiger und nährstoffreicher als Wasser. Vampire ernährten sich nur von Blut. Moment. Wenn es Werwölfe gab, gab es dann auch Vampire? Mein Blick schellte für einen kurzen Moment verzweifelt zu der Kamera, ehe ich langsam mit den Händen an meinen Rücken griff, um den Reißverschluss des Kleides zu öffnen. Dieses ließ ich mir dann vorsichtig über die Schulter hinweg nach unten fallen und zog es unter mir hervor. Passend zu dem rot des Kleides trug ich auch nach wie vor rote Unterwäsche, was nicht sonderlich hygienisch war. Mein Blick fiel auf das Bein, welches zuvor von der Eisenstange getroffen worden war. Es war von Blut überzogen und die Wunde blutete immer weiter. Stöhnend streckte ich das Bein dann aus und legte es dabei über Chace‘s Schoss. „Ich weiß nicht, wie ich dir helfen kann, Liebling...und ich würde so gerne mehr tun als nur das hier...“, murmelte ich und strich mir angewidert mit zwei Fingern durch das Blut, um diese Finger dann auf seine Lippen zu legen. Es war definitiv sehr gefährlich, was ich hier vorhatte. Konnte Chace meine Wunden sauber lecken, ohne dabei seine Zähne in meinem Fleisch zu vergraben? Ich wusste es nicht. „Ich liebe dich, Chase...“, gab ich also nur leise von mir und setzte mein ganzes Vertrauen in die Tatsache, dass er sich zu jedem Zeitpunkt daran erinnern würde, dass er mich auch liebte.



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#229

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 30.12.2018 12:57
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Meine einzige Hoffnung, das hier zu überstehen ohne nachzugeben oder zusammenzubrechen hatte darin bestanden, dass ich Veronica in Sicherheit gewusst hatte. Ich dachte, sie wäre das heiligste ihrer Familie und sie könnten ihr niemals Schaden zufügen. Scheinbar hatte ich mich grundlegend getäuscht. Ich hatte die Männer wirklich für Männer mit Prinzipien gehalten, aber scheinbar vergingen diese, sobald sie auf Jagd waren. Wie gut, dass ich mein Rudel hatte warnen können. Sie hatten nun Tage gehabt um ihre Spuren zu verwischen, die Laufgebiete zu wechseln, sich mehr unters Volk zu mischen. "Für mich wäre der Tod eine Erlösung", sprach ich den Gedanken aus, der mich schon seit Tagen begleitete. Ich schwieg nur über meine Freunde, weil ich die da nicht mit reinziehen wollte. Ich wollte mit Achtung vor mir selbst dieses Leben verlassen. Sie könnten mich quälen und verstümmeln, sie könnten mir alles nehmen. Meinen Stolz, meine Kraft, meine Eleganz, aber nicht meine Selbstachtung. Denn ich hatte Prinzipien. Und eines davon hieß, dass ich Veronica nicht wehtun würde. Es fiel mir aber unglaublich schwer in ihrer Nähe zu atmen. Ich wollte sie so gerne in die Arme nehmen, sie küssen und einschlafen, während sie über mich wachte, aber ich konnte nicht. Mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Ich schlang die Arme um mich selbst, während ich vor der Gittertür saß und mich dagegen lehnte.
Verzweiflung stand in meinem Blick, als ich mit schimmernden Augen ihre humpelnden Bewegungen verfolgte, die sie wieder zu mir brachten. Kurz zuckte ich, als sie nach meinen Händen griff. Als sie diese mit hauchzarten Küssen übersähte, musste ich, von mir selbst überrascht, blinzeln um einen Tränenschleier loszuwerden. Ich konnte gar nicht wirklich glauben, dass sie zu mir hielt. Ich war etwas unnatürliches, etwas fremdes. Jede andere hätte sich nie wieder in meine Nähe gewagt. Und sie? Sie küsste mich. Ich schmeckte Salz auf meinen Lippen, sank etwas in mich zusammen und gab ein kümmerliches Geräusch von mir, das einem Schluchzen ähnlich war. Ich hatte seit meiner ersten Verwandlung und der Verzweiflung darüber, was ich geworden war, nie mehr geweint. Nichts hätte mich brechen können. Egal was sie mir angetan hätten. Aber ihre Zärtlichkeit und ihr Vertrauen, das war zu viel für mich. "Warum hasst du mich nicht?", fragte ich leise, als ich sie ansah, während ihre Finger unter meinen Augen langstrichen. "Es wäre für alle so viel einfacher, wenn du mich hassen würdest..." fügte ich leise hinzu. Aber so? Sie wurde ein immer besseres Druckmittel. Ich wollte reden. Ich wollte sie beschützen. Vor mir selbst und vor ihrer Familie. Aber das würde nur gehen, wenn ich redete. Ich könnte doch einfach mit unverfänglichen Informationen anfangen. Wenn sie meinen guten Willen sahen, würden sie sicher Veronica hier wieder raus holen.
Ein wenig irritiert beobachtete ich, wie sie ihr Kleid auszog, ehe mein Blick auf ihre Platzwunde am Bein fiel. Meine Kehle schnürte sich zu und ich kniff die Augen zusammen, drehte den Kopf weg um dem Geruch nicht völlig zu erliegen, während mein Puls beschleunigte und mein Körper nach einer Verwandlung schrie. Ich schnappte förmlich nach Luft, als sie ihr Bein auf meinen Schoß legte. "Das ist keine Hilfe", presste ich hervor. Das war mehr Folter als die letzten Tage. Ich sah sie wieder an. Regelrecht panisch. Und sah dann, wie sie mir ihre blutigen Finger entgegen streckte und damit meine Lippen berührte. Ich hörte auf zu atmen, rührte mich nicht einen Millimeter. Ich verstand ihren Gedanken, aber sie hatte keine Ahnung, wie gefährlich das war, was sie gerade getan hatte. Fieberhaft kämpfte ich darum, mich nicht hier und jetzt zu verwandeln. Ich würde sie dabei verletzen. Als sie mir sagte, dass sie mich liebte, wollte ich antworten. Ein schwerer Fehler, denn ich holte Luft. Mit einem hastigen Satz rollte ich mich zur Seite in die Zelle. Es folgte ein reißenden Geräusch, als meine Hose und Unterhose nun den Geist aufgaben und zerrissen zu Boden fielen, während ich mich unter einem gequälten Geräusch verwandelte. Einen Augenblick später stand ich da als Wolf in der Zelle, schwer atmend und sehr breitbeinig um dem Schwindel entgegen zu wirken. Ich brauchte einen Moment um meinen Hunger in den Griff zu bekommen, leckte vorsichtig das Blut von meiner Schnauze. Ich fühlte mich furchtbar damit. Wie ein Kannibale, wie ein Monster. Aber ich würde ihr nicht wehtun. Nur das Blut beseitigen, das eh schon aus der Wunde trat. Ich könnte sie säubern und dann verschließen. Zögernd wagte ich es, die Schritte zu ihr zurück zu kommen, setzte mich vor Ronnie und musterte sie aufmerksam. Ich wollte lieber so noch einmal um Erlaubnis bitten. Sie könnte ihre Meinung geändert haben. Vielleicht hätte sie doch Angst. Ich wusste es nicht und rechnete mit allem.


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#230

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 30.12.2018 20:27
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Chace tat mir wirklich leid. Ich konnte mich nicht erinnern, ihn in all den Monaten jemals so aufgelöst gesehen zu haben. Es tat so unfassbar weh, dass meine eigene Familie der Grund für seinen Zustand war. Immer noch fassungslos schüttelte ich leicht den Kopf und seufzte. Wie sollte ich meinem Vater und meinen Brüdern diese Aktion jemals verzeihen? Wenn sie meinen Freund töteten, wohl niemals. Auch wenn sie ihn leben und laufen ließen, war das Band zwischen uns wahrscheinlich für immer zerstört. Chace’s Stimme riss mich aus meinen tristen Gedanken und ich zog die Mundwinkel nach oben. „Warum ich dich nicht hasse?“, wiederholte ich seine Frage mit sanfter Stimme und legte den Kopf schief. „Ganz einfach: Weil ich dich liebe. Und Menschen, die man liebt, hasst man nicht.“, erklärte ich ihm schmunzelnd. Auch wenn es bei uns früher mehr Hass als Liebe gewesen war, sah es nun anders aus. Ich liebte Chace über alles und würde nicht zulassen, dass irgendjemand ihn mir wegnahm. Meine Familie war wahnsinnig geworden, anders konnte ich mir all das hier nicht erklären. Ich behielt den jungen Mann genau im Blick und musterte seine Verletzungen immer und immer wieder. „Was haben sie dir nur angetan...“, stieß ich sauer hervor und schluckte. „Wenn hier jemand jemanden hassen sollte, dann du mich. Immerhin tut dir meine Familie das alles an.“, stellte ich bitter fest und zuckte dann zurück, als er den Mund öffnete und sich plötzlich zur Seite rollte. „Chace?“, rief ich erschrocken und starrte meinen Freund an. „Geht es dir gut?!“, fügte ich noch ängstlich hinzu und hatte Panik, dass er gleich sterben würde. Meine Augen wanderten zur Kamera und meine Lippen formten ein stilles „Ihr Schweine…“, ehe ich schockiert feststellte, dass Chace’s Hose komplett zerrissen war und sich sein Körper immer mehr verwandelte. Würde ich jetzt das sehen, wovor man mich gewarnt hatte? Wie sahen reale Werwölfe aus? Es gab die Twilight Werwölfe, aber auch die monsterhaften Werwölfe aus diversen Horrorfilmen. Ich bekam Gänsehaut und wich ein bisschen zurück, bis eine kalte Mauer mich stoppte. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, als ich das schwarze Ding auf mich zukommen sah. Doch Chace sah anders aus als erwartet. Nicht unheimlich. Er jagte mir keine Angst ein. Chace sah einfach nur aus wie ein zu groß geratener Wolf. Wie die Schattenwölfe in Game of Thrones. Die Anspannung fiel sofort von mir ab und ich lächelte zaghaft. „Verstehst du mich jetzt überhaupt noch?“, fragte ich nachdenklich und sah zu, wie sich Chace vor mich hinsetzte. Musternd ließ ich meine Augen über das schwarze Fell wandern, ehe ich vorsichtig die Hand ausstreckte und über seine Schnauze streichelte. "Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren! Ei, Großmutter, was hast du für große Augen! Ei, Großmutter, was hast du für große Hände! Aber, Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul!", gab ich lächelnd einen Textabschnitt aus einem bekannten Märchen wieder und hoffte einfach mal, dass dieser Wolf mich nicht verschlingen würde. Doch ich vertraute Chace, weswegen ich leicht nickte und mein Bein wieder ausstreckte. Er konnte sich sowohl um diese Wunde kümmern, als auch anschließend noch um die an meinem Rücken. Es war nicht viel, aber ich hoffte wirklich, dass es ihm helfen würde. Also presste ich die Lippen aufeinander und nickte ein weiteres Mal aufmunternd. „Dann mal los…“, murmelte ich und schloss die Augen.



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#231

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 31.12.2018 02:56
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich war niemals zusammengebrochen. Ich war immer der große starke Bruder von Jesse gewesen. Ich war der Sohn, der zeigen musste, was er konnte. Ich wollte meine Eltern stolz machen, für meine Schwester toll sein und ich war ein Werwolf. Meine Welt war zusammengebrochen, als ich erkannt hatte, was ein Biss aus mir gemacht hatte. Es hatte mich zwar von einem pickeligen, eher schmächtigen Typen wirklich stark ins positive gewandelt - der Vorteil wenn man zum Werwolf gemacht wurde während der Pubertät. Aber ich hatte seit dem die Last des Geheimnisses auf meinen Schultern. Ich musste aufpassen, dass mich niemand sah, ich musste aufpassen, dass ich mich im Griff hatte. Keine Prügeleien in der Schule, mich von jedem Ärger abwenden. Weggucken, damit ich nicht austickte, sobald ich mich aufregte. Erst später hatte ich gelernt, mich zu beherrschen, als ich die anderen gefunden hatte. Ich hatte mich so oft verwandelt. Ich hatte mich so langsam verwandelt. Ich hatte es kontrollieren gelernt und damit auch den Schmerz bezwungen. Nur deshalb hatte ich die Tortur hier aushalten können, denn ich selbst hatte mir schon so oft die Knochen gebrochen/verschoben/geschmolzen, was auch immer da in meinem Körper passierte, wenn ich die Form änderte. Ich lauschte ihrer sanften Stimme mit geschlossenen Augen. Ich war am Ende. Ich wollte einfach nur nach Hause und schlafen. Oder sterben. Ich brauchte Erlösung. Auch wenn ich viel durchstand und es nach wie vor durchstehen würde, ich konnte Ronnie nicht leiden sehen. Und sie litt nur wegen mir. "Aber.. wie kannst du etwas wie mich noch lieben.. ", hauchte ich leise. Ich verlor wirklich langsam mein Selbstbewusstsein. Ich war mürbe. Als sie verbittert meinte, dass ich sie hassen müsste, sah ich sie an, suchte ihren Blickkontakt, damit sie aufhörte auf meinen geschundenen Körper zu sehen. "Deine Familie. Aber nicht du. Du bist nicht schuld. Ich bin es. Ich kannte das Risiko, wenn ich jemanden an mich ranlasse. Das war es trotzdem wert", sprach ich leise. Vielleicht würde sie irgendwann verstehen, dass ich deshalb so ein Arsch gewesen war. Ich hatte sie fernhalten wollen. War ja auch ein guter Plan gewesen und man sah ja, was daraus wurde, wenn ich mein Prinzip brach.
Ich konnte ihre Angst riechen, als ich mich verwandelte. Es machte es noch schwieriger für mich, nicht noch in der Verwandlung auf sie zu zu springen. Ich wollte ihr nicht wehtun, ich hatte wirklich Angst davor. Aber sie war so leichtfertig gewesen, hatte mir das Blut im wahrsten Sinne unter die Nase gerieben. Und schon stand ich da, plüschig als Wolf. Ich war Kategorie Twilight-Wolf wenn man es so wollte. Nur nicht Schulterhoch, sondern eher Hüft- bis Taillen-hoch und etwas muskulöser als ein gewöhnlicher Wolf. Allerdings nicht in diesem Moment, man sah trotz des plüschigen Fells meine Rippen durchschimmern und dass ich nicht ganz fit war. Als ich sah, wie sie zurückwich, wurde ich langsamer, wobei ich eh schon nicht auf sie zustürmte. Das gab aber eh weder der Raum, noch meine Kraft her. Ich setzte mich vor sie, sah sie mit leicht schräg gelegtem Kopf an. Als sie fragte, ob ich sie überhaupt noch verstand, schenkte ich ihr einen leicht sarkastischen Blick. Wäre ich nicht immer noch ich, hätte sie bereits keine Kehle mehr. Da ich aber nicht wusste, ob sie Sarkasmus in meinem Blick überhaupt erkennen würde, nickte ich einfach. Ich ließ zu, dass sie mich streichelte, entspannte mich gerade ein wenig. Als sie dann anfing aus Rotkäppchen zu zitieren, hätte ich gerne gelacht. Stattdessen unterstützte ich ihre Rezitation nur dadurch, dass ich erst mit den Ohren wackelte, dann blinzelte. Dann hob ich eine Pfote und als letztes öffnete ich mein Maul und zog leicht die Lefzen hoch. Ich wollte nicht wirklich die Zähne fletschen. Das wäre sicherlich doch etwas beängstigend, aber erst einmal war das hier eine leicht scherzhafte Situation. Man könnte fast vergessen, wo wir uns befanden und was mir angetan worden war. Dann streckte sie ihr Blutüberströmtes Bein aus und ich seufzte leise, ehe ich mich vorbeugte und vorsichtig mit meiner Zunge das Blut aufleckte. Es war irgendwie auch demütigend. Als wäre ich wirklich einfach nur ein dummer Hund. Ihre Familie würde das sicherlich auch sehr argwöhnisch beobachten. Als ihr Bein gesäubert war, erhob ich mich, stupste mit aller Zärtlichkeit, die ich als Wolf aufbringen konnte, gegen ihre Schulter, damit sie mir ihren Rücken zeigte. Ich leckte auch diese Wunde sauber. Dann zog ich mich wieder zurück, erzwang trotz aller schmerzenden Verletzungen, die langsam vor sich hin heilten, eine Rückverwandlung. Ich kniete in der Mitte des Raumes, nackt und mit verzerrtem Gesicht. "Du bist wahnsinnig", murmelte ich leise, während ich mich zu ihr schleppte. Dann musterte ich ihre Wunde. "Ich kann dir übrigens auch helfen. Werwölfe heilen schneller. Das ... dürftest du schon bemerkt haben.. Ich kann dich mit meinem Blut auch heilen. Ich hab deinen Rücken so auch schon behandelt"; erklärte ich, während ich mit einem Finger einmal stark über eine der Wunden an den Rippen kratzte, bis sie wieder blutete. Ich fing das Blut mit den Fingern auf, schmierte es dann auf ihren Rücken und ihr Bein. Wenn sie erst heilte, würde ich es auch leichter haben. Sie würde dann nicht mehr nach ihrem Blut riechen und so schaffte ich es vielleicht eine kurze weitere Dauer, dass ich sie nicht fressen wollte. Müde lehnte ich mich neben ihr an die kalte Wand. "Was jetzt?", fragte ich leise, ließ meinen Kopf gegen ihren sinken. Ich war müde. Mein Körper wollte heilen und Hunger hatte ich nach wie vor. Aber vermutlich musste ich gefasst sein, dass ihre Brüder hier bald reinschneiten und uns noch mehr kaputt machten.


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#232

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 08.01.2019 20:06
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Liebevoll blickte ich Chace an und zuckte mit den Schultern. "Das selbe könnte ich dich fragen.", antwortete ich schließlich leise und schüttelte den Kopf. "Ich habe mich in den gemeinen Chace verliebt, der mich immer aufgezogen hat und mich am liebsten direkt wieder aus dem Haus geschmissen hätte. Das kann wahrscheinlich nichts mehr toppen.", stellte ich amüsiert fest und lächelte den jungen Mann aufmunternd an. "Und weil du unglaublich heiß und ein wahrer Sexgott bist.", fügte ich zwinkernd hinzu. "Welches Risiko denn? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet die Familie der Nanny deiner Schwester deine Spezies jagt?", fragte ich kopfschüttelnd nach und seufzte. Wieso hatten wir nur so viel Pech? Kurz darauf war jedoch nicht mehr Chace mit mir in der kleinen Zelle, sondern ein flauschiger Wolf. Interessiert beobachtete ich jede seiner noch so kleinen Bewegungen und lachte auf, als er mit den Ohren wackelte. "Süß bist du ja schon.", stellte ich trocken fest und griff für einen Moment nach der angehobenen Pfote. "Braves Hündchen.", flüsterte ich liebevoll und strich kurz die scharfen Krallen entlang. Seine Zunge an meinem Bein kitzelte mich mehr als dass es weh tat. "Nicht so wild...", warf ich schmunzelnd ein, ehe er seinen Kopf an meine Schulter drückte. Nickend drehte ich ihm also den Rücken zu und ließ auch diese Woche sauber lecken. Es hatte also schon einmal einen Vorteil, einen Werwolf als Freund zu haben. Mit verzogenem Gesicht beobachtete ich den Wolf dann dabei, wie er sich wieder in den jungen Mann verwandelte. Immer noch fassungslos schüttelte ich den Kopf. "Unglaublich...", stellte ich fest und sah wieder zu Chace, der nackt zu mir krabbelte. "Ich kann das gar nicht glauben...", gab ich ehrlich zu und seufzte auf. "Alles okay bei dir?", fragte ich vorsichtig und griff nach seiner Hand, ehe ich aufmerksam seinen Worten lauschte und irgendwann leicht nickte. "Das haben meine Brüder mir schon erzählt...", antwortete ich und fügte dann noch einen zweiten Teil hinzu. "Dadurch wurde Alex auch auf dich aufmerksam. Unter anderem.", erklärte ich und beobachtete Chace dann wieder, verzog aber angewidert das Gesicht und senkte den Blick, als er sich eine seiner Wunden aufkratzte. "Du musst nicht...", warf ich ein, doch er schmierte mir bereits mit seinem Blut die Wunden ein. "Eklig...", knurrte ich kopfschüttelnd und kuschelte mich dann an ihn. "Kino? Schwimmbad?", zählte ich auf seine Frage scherzhaft ein paar Dateideen auf und lachte bitter. "Wir sollten uns ausruhen, Chace.", beschloss ich schließlich gähnend und vergrub ohne zu zögern den Kopf in seinem nackten Schoss. "Wehe ich wache mit Pimmel im Mund auf.", warnte ich meinen Freund noch grinsend, ehe ich die Augen schloss und kurz darauf tief und fest eingeschlafen war. Ich schlief sogar so fest, dass ich nicht merkte, dass mein Vater im Keller auftauchte und vor der Gittertür stehen blieb. "Chace?", erklang seine tiefe Stimme, während er in die Hocke ging und darauf wartete, dass sein Gefangener reagierte. "Hör zu. Was ich dir jetzt sage, darf Ronnie nicht erfahren. Verstehst du?", gab er leise von sich. "Nicht nur wir jagen Werwölfe. Wir arbeiten für die Regierung. Ein internationales geheimes Projekt.", fing er mit seiner Erklärung an und seufzte. "Deswegen haben wir Veronica zu dir geschickt. Wir würden ihr niemals wirklichen Schaden zufügen, aber es gibt noch weitaus schlimmere Menschen, die wissen, dass meine Tochter dein einziger Schwachpunkt ist. Und diese Menschen würden Veronica lebendig häuten, ausweiden und ihr Fetzen für Fetzen Fleisch abschneiden, nur um dich zum reden zu bringen. Wenn du Veronica wirklich beschützen willst, musst du bei uns auspacken. Nur so kannst du sie vor schlimmeren beschützen.", damit hatte mein Vater seinen Vortrag beendet und behielt Chace fragend im Blick.



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#233

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 09.01.2019 02:15
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Wir hatten uns am Anfang unseres Kennenlernens im Kreis gedreht, was unsere Kommunikation anbelangte. Wir hatten uns nicht zugehört, uns nicht einmal die Chance gelassen und uns nur gestritten. Immer wegen der selben Dinge, die allesamt mittlerweile sehr belanglos waren. Und jetzt saßen wir hier in einem Kellerverlies und drehten uns im Kreis, weil wir gegenseitig nicht verstanden, dass wir uns liebten und nicht hassten. Wir würden im Quartett sicherlich die Kategorien "Hat Scheiße durchgemacht oder auch fühlt sich verantwortlich für den Mist des Partners mit Gleichstand besetzen und niemals gewinnen. Ich lachte, als sie mir erklärte, dass sie sich in mich als Arsch verliebt hatte. Es bestätigte meine Gedanken bezüglich des Quartetts. "Entschuldige. Aber ich hab mich in eine störrische Zicke verliebt, die mir vorgespielt hat, schwanger zu sein und mich fast meinen Job gekostet hätte"; erwiderte ich herausfordernd grinsend. Ich hatte ihr das bereits lange verziehen. Klar, es war kein feiner Zug gewesen und ich war unglaublich sauer, aber ich konnte inzwischen Scherze drüber machen. "Aber ich muss auch sagen, du bist noch viel heißer und einfach der Wahnsinn in allen Belangen", fügte ich hinzu. Als sie nach meinem Risiko fragte, lachte ich düster auf. Für sie klang es so unwahrscheinlich, aber es war nun mal da gewesen und es war so passiert. Ich hatte 'den Feind' schon nahezu mit offenen Armen empfangen. Wir würden nicht gewinnen. Ich sah zumindest keine Möglichkeit, wenn wir nicht einen Sinneswandel bei ihrer ganzen Familie erreichen konnten. Ich würde hier niemals einfach rausspazieren können.
Aber ich hatte keine Zeit um Trübsal zu blasen, ich musste mich beherrschen um als Wolf nicht die Zähne in Ronnies Hals zu schlagen und sie zu schütteln, bis sie tot war. Der erste Moment war der schlimmste, ab da hatte ich meine Instinkte wieder im Griff. Als sie mir sagte, dass ich süß wäre, hätte ich gerne gelacht. Oder ihr den Hintern versohlt. Sie durfte mich niemals süß nennen, aber was sollte ich schon groß dagegen ausrichten? Sie war eine junge Frau, ich ein plüschiger Wolf. Natürlich fand sie mich süß. Solange sie mir kein Halsband besorgte, würde ich mal auf böse Konsequenzen verzichten. Leise grummelte ich aber, als sie mich ein braves Hündchen nannte, egal wie liebevoll ihr Ton war. Davon war ich dann doch meilenweit entfernt. Ich war durch mein Gewicht, dass sich an die Statur eines Wolfes anglich immerhin um so einiges größer. Ebenso die Zähne, die Klauen. Ich konnte sehr gefährlich sein. Und ich hatte wirklich das Gefühl, dass sie das unterschätzte. Sie hielt mir ihr Blut unter die Nase und hatte keine Angst vor mir. Ich freute mich zwar, aber dennoch machte ich mir Sorgen.
"Glaub mir, ich kann es auch immer noch nicht ganz verstehen", seufzte ich auf ihre Worte hin, sobald ich wieder in menschlicher Gestalt zu ihr kam. Ich würde ihr gerne erzählen, wann und wie es passiert war. Aber ich befürchtete, dass alles was ich sagte, sofort zu einer Spur für ihre Familie werden würde. Und ich wollte wirklich nicht meine Freunde in Gefahr bringen, auch wenn ich sie erst später gefunden hatte. Den Wolf, der mich verwandelt hatte, hatte ich nur selten mal in unserem Revier ganz schwach gewittert, nie gesehen. Auch wenn ich manchmal das Gefühl gehabt hatte, ihn irgendwoher zu kennen. Ich nickte bei Ronnies Frage, ob alles gut war. Ich musste heilen, das war alles. Mein körperlicher Schmerz war mir relativ egal. Ich konnte heilen und ich könnte jederzeit wieder verletzt werden. Ich hatte mich abgefunden mit der Grausamkeit und Verzweiflung, ich nutzte sie für mich und würde mich nicht darin verlieren. "Mach dir keine Sorgen"; sagte ich sanft, während ich meine Finger mit ihren verschränkte. auch wenn wir beide gutes Recht darauf hätten, besorgt zu sein. Wie gesagt, ich wusste nicht, ob ich noch länger als ein paar Stunden leben würde. Ich biss die Zähne leicht zusammen, als sie mir erzählte, warum ihr Bruder Verdacht geschöpft hatte, senkte dann den Blick und schüttelte mit einem müden Lächeln den Kopf. "Du warst so verzweifelt. Er hat dir so wehgetan und du hättest die Narben sonst für immer tragen müssen. Ich konnte dich einfach nicht so leiden sehen. Ich hab es in Kauf genommen, dass jemand stutzt..", sagte ich leise, ehe ich schnell davon ablenkte durch meine erneute Aufopferung einiger Tropfen Blut. "Reiner Eigennutz. Du riechst die ganze Zeit nach Blut. Hast du eine Vorstellung davon, wie fein meine Nase ist? Und wie das ist, mit einem Jagdinstinkt in sich zu kämpfen.. Also halt still", sagte ich, ehe sie sich an mich lehnte. Ich konnte mich nun auch ein wenig entspannen. Mein Blutgeruch mischte sich mit ihrem, dadurch roch sie mehr nach meinem Besitz als nach meiner Beute. "Kino wäre schön. Unterhaltung und bequeme Sitze"; seufzte ich leise, wieder mit einem Stich im Herzen. Ich fühlte mich wirklich sicher in der Annahme, dass ich nicht mehr lange leben würde. Und ich versuchte es einfach zu verbergen, damit Ronnie nicht weinen und oder sich in Probleme mit ihrer Familie stürzen würde. Ich musterte fast mit einem Schmunzeln, wie sie sich völlig ungeniert auf meinem Schoß bettete, grinste leicht bei ihrer Warnung. "Keine Sorge. Ich pass auf", versprach ich mit einem Schmunzeln, strich ihr sanft übers Haar, ehe ich selbst die Augen schloss. Meine Ruhe währte aber nicht lange. Ich hörte die Schritte auf der Treppe, ich erkannte ihren Vater noch bevor er vor uns stand. Ich versuchte mich nicht zu sehr zu verkrampfen, um Ronnie nicht zu wecken. Wenn sie nicht wäre, wäre ich entweder ans Gitter gesprungen im Versuch ihn zu greifen und zu töten oder säße in der hintersten Ecke, auch wenn es mich nie vor Schmerz oder Betäubung geschützt hatte. Ich blickte ihn einfach feindselig an, als er an der Tür stehen blieb. Ich musterte jede seiner Bewegungen, wie er in die Hocke ging. Ich wägte kurz meine Chancen ab, wie schnell ich Ronnie ablegen und ihn töten könnte, aber ich bewegte mich nicht. Ich könnte ihn nicht vor ihren Augen umbringen. Vermutlich könnte ich es nie. Er hatte ihren Bruder ihr wehtun lassen. Aber sie liebte ihn sicherlich trotzdem. Und ich wollte sie nicht zur Vollwaise machen. Ich verzog keine Miene bei seinen ersten Worten, aber ich wurde etwas blass, als er sagte, dass er in einem internationalem Geheimbund Jagd auf Werwölfe machte. Die Regierung wusste bescheid. Es gab offizielle Leute, die was wussten. Das war nicht gut. Ich nickte stockend, als er erklärte, dass er deshalb seine Tochter vorgeschoben hatte und bei den Androhungen schnürte es mir die Kehle zu. Ich fühlte mich hilflos. Das hier war Folter. Ich konnte meine Veronica nicht opfern und zusehen, wie man sie qualvoll tötete. Meine Freunde zu verraten würde aber auch für unschuldige Tode sorgen. Sie waren mein Rudel. Sie waren meine zweite Familie, trotz Streitereien. Uns verband etwas so tiefes, das konnte man nicht beschreiben. "Warum könnt ihr mich nicht einfach töten? Ich muss nicht reden und niemand muss Ronnie wehtun. Sagt, es war ein Unfall oder ich hab euch angegriffen..bitte", flehte ich schon förmlich. Niemals hätte ich gedacht, dass ich ihm gegenüber noch einmal unterwürfig wurde, sodass ich eine Bitte an ihn richten würde. Und schon gar nicht, dass ich nach all dem, was ich schon überlebt hatte, jetzt doch noch um den Tod bettelte. Aber der Tod war für mich leichter als die Entscheidung. Ronnie würde es irgendwie schaffen, über mich hinweg zu kommen. Sie hatte noch viele Jahre vor sich. Sie konnte glücklich werden. Mit jemanden, der sie nicht in einer Vollmondnacht vielleicht aus Versehen zerriss. Meine Familie würde es auch schaffen, meine Freunde wären sicher. "Oder gib mir einen Silberdolch und ich schneide mir selbst das Herz raus", setzte ich düster hinzu. Und ich würde es versuchen, solange ich Ronnie damit schützen könnte.


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#234

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 09.01.2019 22:33
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Als Chace mich als störrische Zicke betitelte, zog ich empört die Augenbrauen nach oben. "Ich bin keine störrische Zicke.", knurrte ich zur Verteidigung und grinste frech als Chace auf meine vorgetäuschte Schwangerschaft zu sprechen kam. "Sobald wir das hier hinter uns gebracht haben, schenke ich dir hundert kleine Babywölfe.", bot ich ihm zwinkernd an und hielt dann inne. "Moment...", fiel es mir ein und ich wurde etwas blass. "Wie läuft so eine Schwangerschaft ab? Wenn ich ein...Mensch und du ein...ein...Wer...Wer...Werwolf bist?", stotterte ich und es fiel mir extrem schwer das Wort mit W auszusprechen. "Wird ein Baby dann auch ein Werwolf? Oder ein Mischling? Oder eine Missgeburt?", zählte ich überfördert einige Möglichkeiten auf und seufzte deprimiert. Etwas milder stimmte mich sein Kompliment, welches ich nickend annahm. Wusste ich doch eh. Dennoch tat es gut, sowas zu hören.
Chace hatte Recht. Ich war wegen der Narben echt am Boden zerstört gewesen und desto verblüffter war ich gewesen, als die Narben plötzlich nicht einmal mehr ansatzweise zu sehen gewesen waren. Alex hatte mir erklärt, dass es an der Salbe gelegen hatte. Doch geglaubt hatte ich meinem Bruder nicht. Jetzt hatte ich die mehr oder weniger logische Erklärung. "Danke...", gab ich also leise von mir und verzog noch einmal das Gesicht. "In deinem Fall bekommt Jagdinstinkt eine ganz neue Bedeutung.", stellte ich dann trocken fest und schüttelte den Kopf. Ich vertraute meinem Freund, denn sonst hätte ich ihn definitiv nicht als Wolf an mich gelassen. "Wenn wir hier raus sind führst du mich in ein edles Restaurant aus und danach gehen wir ins Kino.", beschloss ich einfach kurzerhand und zwinkerte ihm zu, ehe mein Blick auf das ehemals so schöne rote Kleid fiel. "Das werde ich zwar nicht mehr tragen können, aber ich finde sicher ein Kleid, was dich mindestens genauso anmacht wie das. Wenn nicht sogar mehr.", gab ich amüsiert von mir und strich ihm sanft über die stopplige Wange. "Und auf mich passt du sowieso auf.", ergänzte ich seine Aussage mit einem sanften Lächeln. "Du würdest mir niemals wehtun.", flüsterte ich überzeugt und dämmerte dann weg.

"Denkst du nicht, es fällt auf, wenn du plötzlich stirbst, Junge? Die Regierung weiß genau Bescheid und wird uns durchschauen.", erklärte mein Vater Chace eine Weile später mit ernster Stimme und schüttelte den Kopf. "Du musst dich entscheiden. Veronica oder deine Leute. Und ich hoffe inständig, dass du dich für meine Tochter entscheidest.", gab er ehrlich zu und blickte kurz auf mich, wobei ich nach wie vor seelenruhig schlief. Dann sah mein Vater auf die Uhr. "Es ist 22 Uhr. Du hast diese Nacht Zeit, dich zu entscheiden. Um 8 Uhr komme ich mit meinen Söhnen und einigen Leuten der Regierung wieder, die sich dann vor deinen Augen um Veronica kümmern...", meinte er abschließend und verschwand dann so schnell wie er gekommen war.

Ich wurde einige Zeit nach dem Besuch meines Vaters wach, da ich einen unangenehmen Druck an meinem Kopf spürte. Stöhnend bewegte ich meine Hand zu meinem Deckhaar und fummelte schlaftrunken in dem verwirrten Nest, was sich Haare nannte, herum. Als ich etwas dünnes hartes spürte, war ich jedoch sofort hellwach. "Oh mein Gott, Chace! Das ist die Lösung!", rief ich erfreut und sprang auf, um mit der kleinen Haarklammer bewaffnet das Tor anzusteuern. Nach wenigen Sekunden konnte ich das Gitter aufschieben. Zufrieden und stolz auf mich selbst blickte ich zu meinem Freund, der immer noch nicht sonderlich fit war. "Komm..ich helfe dir. Wir müssen hier weg. Weißt du, wo wir am besten hinkönnen?", fragte ich ihn eilig und schob einen Arm unter seinem rechten Arm hindurch, um ihn etwas zu stützen. Mir ging es dank seiner Hilfe schon wieder sehr viel besser, doch Chace sah wirklich schlecht aus. "Ich weiß, es ist anstrengend. Aber wir müssen uns beeilen...", animierte ich den jungen Polizisten und verließ mit ihm Schritt für Schritt die Zelle.



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#235

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 10.01.2019 01:21
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Bei ihren geknurrten Widerworten, dass sie keine störrische Zicke wäre, lachte ich auf. "Genau das meine ich"; sagte ich mit einen Zwinkern und konnte vermutlich froh sein, dass ich einen sehr jämmerlichen Eindruck machte. Sonst hätte ich sicher einen Schlag in die Rippen von ihr bekommen. Ich musste lächeln, wenn auch mit einem wehmütigen Stich im Herzen, als sie davon redete, mir Kinder zu schenken. Sie war so optimistisch, ich hatte es vor wenigen Tagen aufgegeben. Bei ihren dann auftauchenden Zweifeln, legte ich ihr eine Hand an die Schulter und blickte sie ernst an. "Atme tief durch und mach dir darüber erst mal keine Gedanken. Ich weiß es ehrlich auch nicht so ganz. Aber das würden wir dann immer noch herausfinden", sagte ich ruhig. Ich war zwar innerlich nicht ein bisschen ausgeglichen oder zuversichtlich, aber ich wollte Ronnie nicht noch mehr Sorgen bereiten. Ihr Optimismus war gerade das beste, was mir passieren konnte. Als sie von dem Plan eines Dates erzählte, für den Fall, dass wir es raus schafften, lächelte ich leicht. "Ich bin gerade nackt. Also könntest du doch sonst auch einfach nackt mit mir gehen", scherzte ich. Ein liebevolles Lächeln ruhte auf meinen Lippen, als sie leise murmelnd eindämmerte mit den Worten, dass ich sie nie verletzen würde. Ich hoffte, sie würde recht behalten.

Ich hätte nie gedacht, dass ich auf diese Art und Weise gefangen gehalten und gefoltert wurde. Ich war in einer riesigen Villa, wenn auch nur in einer Zelle im Keller. Und das schon lange genug. Sie hatten mich noch nicht getötet und nun verhandelte ich auch noch mit dem Vater meiner Freundin über meinen Tod, während sie bezaubernd süß auf meinem Schoß gebettet schlief. Ich hatte immer befürchtet, dass ich gejagt werden würde. Aber ich hatte gedacht, dass ich kurz und schmerzlos wie ein wilderndes Tier hingeschlachtet wurde und nicht, dass ich mir so lange Sorgen machen musste. Oder das die Regierung beteiligt war. Ich bekam wirklich Magenschmerzen bei dem Gedanken. "Dann töte ich halt vorher einen deiner Söhne und im Gefecht geht es nicht anders", drohte ich mit einem leichten Grollen in der Stimme. Kurz sprang mein Blick wieder zu Ronnie, die aber nur leise seufzte. Ich atmete kurz durch, um mich ein wenig zu beruhigen. Es war schwierig meinen Hass gegen ihn zu unterdrücken. Als er mir das zeitliche Ultimatum setzte, schluckte ich schwer und nickte. Ich wusste, wie ich mich entscheiden würde. Ich würde Veronica beschützen. Ich würde sicher nicht zusehen, wie sie gequält und auseinander genommen wurde. Sobald ihre erste Träne fließen würde, sobald sie einmal schrie, würde ich nachgeben. Es würde mich zerbrechen, mein Rudel zu verraten, aber ich würde danach eh sterben, wenn ich keinen Wert mehr hatte. Aber Veronica würde leben. Sie würde irgendwann damit fertig werden. Einen anderen Mann finden, der sie glücklich machte, ein Haus beziehen, Kinder großziehen...
Als ihr Vater weggegangen war, versuchte ich meinen Kopf frei zu bekommen. Ich würde mich gerade zu gerne verwandeln und versuchen auszubrechen. Die vergitterte Tür so lange anspringen, bis sie nachgab, mich durch die Steinwände kratzen, ich musste hier raus. Diese Nacht. Es war meine Deadline im wahrsten Sinne. Aber ich würde Energie brauchen und die bekam ich nur, wenn ich vielleicht noch mal ein wenig schlafen würde. Ich schloss also meine Augen, verbannte jeden Gedanken aus dem Kopf und döste schließlich irgendwann ein. Ich befand mich immer noch im Halbschlaf, als Ronnie müde an ihrem Haar herumfummelte. Ich bekam es mit, aber ich ließ die Augen geschlossen, den Kopf an die kühle Wand gelehnt. Als sie dann auf einmal aufsprang und etwas von einer Lösung rief, zuckte ich erschrocken zusammen. Dann sah ich ihr blinzelnd nach, während sie zur Tür ging. "Was..", murmelte ich verwirrt, während ich mich ächzend wieder aufsetzte. Von der sitzenden Position war mein Rücken verspannt. Aber ich hätte Ronnie niemals wecken können. Ich hörte, wie sie mit irgendwas im Schloss herumkratztem das dann auf einmal tatsächlich aufging. Nun war auch ich wesentlich wacher. "Wow..", entwich mir, während ich mich an der Wand auf die Beine brachte. Wo ich nun das erste Mal nicht mehr mit gekrümmten Rücken an der Wand lehnte und aufrecht stand, konnte man trotz des diffusen Lichts sehen, wie eingefallen ich war. Meine Muskeln waren zurückgegangen, meine Rippen konnte man mehr als nur erahnen und die Wunden stachen hervor. "Ronnie... ich liebe dich! Du könntest kein besseres Timing haben", faselte ich begeistert und erleichtert wie noch nie, während ich mit kleinen langsamen Schritten auf ihr zukam. Jede Bewegung schmerzte. Meine Muskeln waren verkrampft, meine Wunden heilten erst noch. Fit war ich nicht. Aber wenn ich müsste, würde ich sicher um mein Leben rennen können. Ich ließ ausnahmsweise zu, dass sie mich stützte und überlegte kurz bei ihrer Frage. Die sehr offensichtlichen Dinge fielen raus. "Mein Großvater... er wohnt weit draußen und ist ein leichter Verschwörungstheoretiker. Über den was zu finden, dürfte lange dauern", fiel mir ein. "Allerdings brauchen wir um die fünf bis sechs Stunden mit dem Auto dorthin", murmelte ich. "Und.. ich muss bitte vorher einmal nach Hause", forderte ich ein. "Ich muss Jesse sehen..." Es war ein erhöhtes Risiko, man würde davon ausgehen, dass ich da noch hin wollte. Aber es war mitten in der Nacht und nach Aussage von Ronnies Vater machten sie jetzt einfach mal Pause mit der Folter. Ich hatte also Hoffnung. Und die spornte mich an. Mit einem Arm um ihre Schultern und der anderen Hand an der Wand verlängerte ich meine Schritte nach und nach. Meine Verspannungen lösten sich allerdings auch durch die Bewegung. Ich hatte mich seit ich hier war nicht mehr ordentlich auf den Beinen gehalten, da brauchte es nun mal einen Moment um wieder klar zu kommen.


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#236

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 10.01.2019 11:50
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Ich hatte es ganz ausgeblendet, dass Kieran komplett nackt war und ich nur noch Unterwäsche trug. Doch es spielte für mich gerade keine Rolle. Ich hatte einen Fluchtweg gefunden und diesen mussten wir jetzt sofort ergreifen. Ansonsten wusste ich nicht, was aus Chace und mir werden würde. Der junge Mann hatte sich inzwischen aus seinem Halbschlaf heraus ausgerichtet und beobachtete mich skeptisch.Bei seiner Begeisterung musste ich lachen. "Komm also nicht auf die Idee, mich jemals einzusperren. Ich knacke jede Tür.", warnte ich ihn grinsend vor, runzelte dann jedoch die Stirn. "Du siehst schrecklich aus. Schrecklich ist noch untertrieben.", stellte ich besorgt fest und schüttelte den Kopf. Ich hoffte wirklich, dass Chace schnell wieder an Gewicht zulegte. Bei seiner Aussage zog ich die Augenbrauen hoch. "Du liebst mich, weil ich Schlösser knacken kann? Deine Kollegen sehen das wohl anders.", warf ich ein und sah zu ihm. "Inwiefern besseres Timing? Es ist mitten in der Nacht. Es gäbe also sicher ein besseres Timing.", warf ich verwirrt ein und lauschte dann seiner Erklärung. Seine Idee klang gut. Bei seinem Großvater würde uns wohl niemand vermuten. Zumindest hoffte ich das inständig. Ich seufzte leise, ehe ich nickte. "Fünf sechs Stunden mit dem Auto...", wiederholte ich wenig begeistert, ehe ich ein weiteres Mal nickte. "Wir haben wohl keine andere Wahl.", stimmte ich dem Vorschlag schließlich widerwillig zu. Als Chace ankündigte, dass er noch einmal nach Hause wollte, nickte ich verständnisvoll. Es war natürlich gefährlich, doch so wie es aussah würde er seine Familie nie wieder sehen. Also führte ich meinen Freund langsam Schritt für Schritt zur Treppe, welche wir dann Stufe für Stufe hinter uns ließen. Im Eingangsbereich sah ich mich vorsichtig um, doch es war weit und breit keiner zu sehen. "Warte hier...", murmelte ich leise und verschwand für einen Moment, da ich nach Autoschlüsseln und Decken suchte. Nach wenigen Minuten kam ich zufrieden zurück und hielt in der einen Hand einen Schlüssel und in der anderen zwei Decken, in welche wir uns vorerst einwickeln konnten. Vor allem Chace sollte nicht nackt unterwegs sein. Ich warf ihm eine Decke zu, ehe ich auf Zehenspitzen das Haus verließ und die Garage betrat, die voller Wägen war. Ich ließ mich hinter das Steuer sinken und startete den Wagen sofort als Chace neben mir Platz genommen hatte. Noch bevor die Tür ganz zu gefallen raste ich auch schon viel zu schnell von dem Gelände und dann die Straße entlang. Im Rückspiegel nahm ich gerade noch wahr, dass im Anwesen die Lichter angingen. "Scheiße.", stieß ich hervor und schüttelte den Kopf, ehe ich das Gas voll durchdrückte und die Tachonadel beobachtete, die ziemlich schnell jenseits von Gut und Böse war. "Wenn ich jetzt geblitzt werde, musst du das regeln. Sonst verliere ich wahrscheinlich für immer meinen Führerschein...", knurrte ich, während ich den teuren Schlitten geschickt durch die leeren Straßen lenkte und vor dem Haus der Familie eine Vollbremsung machte. Schnell sprang ich aus dem Auto und eilte zur Tür. "Fünf Minuten, Chace. Zieh dir was an und pack ne Tasche.", ermahnte ich meinen Freund und rannte die Treppe hoch in mein Zimmer, um mir selbst gemütliche Kleidung anzuziehen. Zum Glück war mein Schrank noch gefüllt. Ich schlüpfte in eine schwarze Sporthose, ein schwarzes Tanktop und eine dünne Adidasjacke, kombiniert mit flachen Sneakern. Meine langen Haare band ich mir zu einem schnellen Dutt, ehe ich das Zimmer mit einer Sporttasche bewaffnet wieder verließ und nach Chace suchte. "Chace...", flüsterte ich leise. "Wir müssen wirklich los...", fügte ich traurig hinzu und lief schon mal zum Auto, um die Tasche in den Kofferraum zu werfen. Dann lief ich jedoch noch einmal ins Haus in die Küche, wo ich ein paar Sachen in eine einfache Plastiktüte warf. Chace musste dringend was essen. Nachdenklich wartete ich dann wieder auf dem Beifahrersitz sitzend auf meinen Freund.



zuletzt bearbeitet 10.01.2019 12:03 | nach oben springen

#237

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 10.01.2019 21:25
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich schmunzelte leicht über ihre Worte, dass sie überall raus kommen würde. "Ich weiß einfach, wie ich dich vorher filze und leg dir dann wieder Handschellen an. Letztes Mal mochtest du das ja", erwiderte ich, als hätte ich kurz vergessen, wo wir uns gerade noch befanden. Aber ich fühlte mich gerade auch im wahrsten Sinne des Wortes befreit. Es ließ meinen Puls in die Höhe schnellen und wenn ich könnte, würde ich vermutlich sofort losrennen. Es war vermutlich ganz gut, dass das nicht ging. Ich würde nur irgendwem blindlings in die Arme laufen und überstürzt Fehler machen und schnell wieder hier landen. Oder doch getötet werden, weil ihre Familie sicherlich doch an einem Punkt war, wo sie mich lieber opferten und dafür ein wenig Vergeltung bekamen, anstatt Ronnie der Gefahr auszusetzen gefoltert zu werden. Es war vermutlich eigentlich die beste Möglichkeit, denn ich bezweifelte trotz der spontanen Idee zu meinem Einsiedler von einem Opa zu fahren, dass wir für immer entkommen waren und in Frieden eine Familie gründen konnten. Es verschaffte uns nur einfach etwas Zeit. Als sie mir sagte, dass ich schrecklich aussah, lächelte ich matt. "Schau einfach nur in mein Gesicht oder auf meinen Schwanz. Beides hat kaum Blessuren davon getragen." Vermutlich ein schlechter Scherz, aber ich wollte irgendwie ihre Sorge auflösen. Sie hatte immerhin meine ein wenig vertrieben, indem sie uns hier rettete. "Meine Kollegen sind mir gerade herzlich egal. Und solange du nur aus- und nicht einbrichst, ist doch alles gut"; erklärte ich, während ich einmal meinen Rücken durchdrückte, der sich knackend beschwerte. "Je weiter weg, desto sicherer", murmelte ich leise. Sie würden zumindest etwas länger brauchen, um uns zu finden. "Und nachts ist die beste Zeit. Weniger Leute unterwegs, die uns aufhalten könnten"; wand ich mich heraus. Von der eingespannten Regierung würde ich ihr vielleicht irgendwann erzählen, aber sicher nicht eben so, während wir ausbrachen.
Selten hatte ich mich so schlapp gefühlt, als wir uns die Treppe hoch schleppten. Ich war schon fast erleichtert, als Ronnie mich kurz warten ließ. Auch wenn ich mich hier absolut nicht sicher fühlte und einfach wachsam lauschte und durch die Gänge sah. Ich nahm eine Decke entgegen, schlang sie um mich. Ausnahmsweise tat Wärme mir sogar mal ganz gut. Mein Körper war genug damit beschäftigt zu heilen. Es war zu anstrengend mich auch noch ordentlich warm zu halten. Ich folgte ihr mit zerrenden Schritten zu der Garage, bestaunte nur ganz kurz die vielen Karosserien. Dann ließ ich mich auf den Beifahrersitz fallen, ließ dabei ein schmerzliches Stöhnen entweichen. Ich kritisierte ihr ruppiges Anfahren lieber nicht, vor allem nicht, als auch ich mit einem Blick nach hinten sah, dass die Lichter angingen. Aber sie ließen uns hoffentlich genug Spielraum, damit ich einmal noch Jesse umarmen konnte. "Geht klar", murmelte ich tonlos bezüglich ihres Führerscheins. Ich hatte gerade einfach wieder Angst. Egal wie viel ich vielleicht überstanden hatte. Wenn ich daran dachte, was mir oder auch Ronnie bevorstand, wenn wir gefasst wurden...- wir durften nicht geschnappt werden.
Als wir zuhause ankamen, hatte ich kurz einen Kloß im Hals. Wie gerne würde ich einfach in mein Bett gehen, morgen früh aufwachen und alles war nur ein furchtbarer Albtraum. Bei ihrer Anweisung nickte ich leicht. Sie hatte Recht. Ich hatte keine Zeit, mich in Ruhe meiner Familie zu erklären und zu verabschieden. Entgegen meiner Schmerzen eilte ich recht flott die Treppe hoch und in mein Zimmer. Ich stopfte eine Sporttasche mit ein paar Wechselsachen voll, zog mich nebenher an. Außerdem landete in der Tasche mein Portemonnaie und mein verstecktes Bargeld. Ich war ja schon immer etwas paranoid gewesen und hatte mir etwas zur Seite gelegt. Ich würde sicher nicht mehr lange an mein Konto kommen, daher war Bargeld der beste Weg. Ich ließ meine Tasche kurz im Flur stehen, packte eine Kulturtasche und warf sie dazu. Dann blickte ich auf die Schlafzimmer. Ich hatte nicht viel Zeit. Ich entschied mich also, zu Jesse zu gehen. Meine Eltern würden von ihr eh alles erfahren. Ich schob leise die Tür auf und wieder zu. "Chace", murmelte die Kleine verschlafen. Scheinbar war sie durch die Schritte auf dem Gang wach geworden. "Was ist los? Ich dachte du bist weg", sagte sie dann, rieb sich die Augen. Wortlos ging ich zu ihrem Bett, zog sie einfach in meine Arme. "Ich hab nicht viel Zeit, Jesse. Es könnten Männer herkommen und Fragen stellen. Es kann sein, dass sie dir sagen, dass ich böse bin. Tu was sie sagen. Sie könnten dir sonst wehtun wollen. Es kann sogar sein, dass das Fernsehen sagt, dass ich böse bin und andere Kinder deshalb auch gemein zu dir sind. Aber bitte glaub das nicht. Ich habe nichts böses getan. Und vergiss niemals, dass ich dich liebe", redete ich auf meine Schwester ein, während ich mit den Daumen über ihre Wangen strich. "Pass auf dich und Mom und Dad auf. Ich hab euch lieb", verabschiedete ich mich mit bebender Stimme, drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann riss ich mich los, verließ ihr Zimmer wieder und lief mit meiner Tasche nach unten. Die schmiss ich dann in den Kofferraum, ehe ich mich auf den Fahrersitz fallen ließ, da Ronnie ja auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte. Ich schluckte schwer im Versuch, nicht zusammenzubrechen, ehe ich versuchte meine Stimme zu kontrollieren. "Hast du dein Handy mit? Wenn ja, dann mach es aus und nimm die Karte raus. Keine Anrufe. Sie werden uns eh schnell genug finden", meinte ich. Sie würden sicher nach ihrem Auto suchen lassen und alle Behörden würden ihnen helfen. "Vielleicht müssen wir unterwegs das Auto wechseln", murmelte ich, ehe ich losfuhr. Mein Fahrstil war schnell und aggressiv. Ich war unglaublich fertig, aber wir mussten weg. Ich mied Straßen mit Blitzern oder wo häufig patrouilliert wurde, kontrollierte regelmäßig meinen Rückspiegel auf Verfolger, aber dort blieb alles dunkel.


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#238

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 10.01.2019 22:25
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Alarmiert hob ich den Blick, als die Autotür geöffnet wurde. Meine Hand wanderte zu meinem Hosenbund, allerdings entspannte ich mich wieder, nachdem ich Chace erkannt hatte. Dieser hatte es sich am Steuer bequem gemacht und startete den Wagen. Bei seiner Frage schüttelte ich den Kopf. "Mein Handy liegt noch in meinem Schlafzimmer auf unserem Anwesen.", erklärte ich beruhigend. Das war also keine Gefahr. Es klang nur logisch, dass wir eventuell das Auto wechseln mussten. Meiner Familie würde schließlich auffallen, welcher Wagen fehlte. Dann war es nur noch eine Frage der Zeit, bis jemand auf genau diesen Wagen aufmerksam wurde. "Aber woher willst du einen anderen Wagen nehmen?", fragte ich besorgt und schnallte mich an. Die Fahrt verbrachten wir schweigend, doch da der Tank sich nach der Hälfte der Fahrt dem Ende zuneigte, mussten wir eine Tankstelle aufsuchen. Die auf der Autobahn war zum Glück ziemlich verlassen. "Bleib im Auto. Ich regel das.", wies ich meinen Freund an und drückte ihm die Tüte mit den belegten Semmeln (oder für die nordische Dodo: Brötchen) in die Hand. Diese hatte ich während der Fahrt für uns mit Käse und Wurst belegt. "Iss was...oder brauchst du...anderes Essen?", fragte ich vorsichtig und verließ kopfschüttelnd den Wagen. Ich wollte das wahrscheinlich gar nicht wissen. Kurz überlegte ich und ließ meinen Blick über das Gelände zur kleinen Werkstatt schweifen. "Bin gleich wieder da.", informierte ich meinen Freund und verschwand im Gebäude, wobei ich meinen Dutt und die Sportjacke dabei öffnete. Kurz richtete ich meine Haare zurecht und betrat dann mit einem flirtenden Lächeln die Tankstelle. "Guten Morgen, Sir.", begrüßte ich den Angestellten zwinkernd. "Ich brauche Ihre Hilfe. Mein Bruder und ich sind auf dem Weg zu unserer sterbenden Mutter...und unser Wagen gibt den Geist auf. Könnten wir eventuell einen von Ihnen haben? Wir würden Ihnen unseren Audi lassen.", erzählte ich geschickt eine Lügengeschichte und mein Blick wurde traurig. Der Angestellte nickte betroffen und überreichte mir die Schlüssel eines älteren BMWs. Noch immer mit den falschen Tränen in den Augen lief ich zurück zu Chace und fuchtelte mit dem Schlüssel, ehe ich die Tür öffnete und ihn angrinste. "Wir haben ein neues Auto. Los, alles umräumen.", wies ich ihn an und schnappte mir bereits einen Teil des Gepäcks, um mit diesem den grauen BMW anzusteuern. Dieses Mal übernahm ich das Fahren, damit Chace sich ausruhen konnte. Irgendwann erreichten wir die ziemlich abseits gelegene Hütte und ich stieg aus. Nachdenklich sah ich mich um. Ob wir hier sicher waren? Ich überließ es Chace, mit seinem Großvater zu sprechen und wartete in der Zwischenzeit draußen. Ein großer Fehler, wie sich nur etwas später herausstellte. Oder vielleicht auch unser Glück. Denn ich nahm Motorgeräusche wahr, die sich schnell näherten. Schon aus der Ferne erkannte ich die zwei Autos, welche eindeutig zu unserem Fuhrpark gehörten. Ich wurde blass. "Chace...?!", schrie ich lautstark und eilte zum Haus, wobei ich die Tür schnell aufriss. "Hallo, Mr. Bail.", begrüßte ich den mir fremden Mann freundlich. "Freut mich, Sie kennenzulernen. Ich bin Ronnie, Chace's Freundin.", stellte ich mich vor und reichte ihm kurz die Hand. Für mehr war gerade aber keine Zeit. "Chace, du musst hier sofort verschwinden! Meine Familie kommt.", rief ich meinem Freund zu und eilte zu ihm. Liebevoll legte ich die Arme um seinen Hals. "Hau ab. Soweit du nur kannst. Melde dich bei niemandem. Lauf nach Kanada. Ich werde dich finden.", versprach ich ihm und löste die Halskette an meinem Hals, an welcher der Verlobungsring meiner Mutter hing. Ich hatte diese Kette nie abgelegt. "Das ist der Verlobungsring meiner Mama. Nimm ihn mit. Dieser Ring ist mir so wichtig, dass ich nie aufhören werde, nach ihm zu suchen. Ich liebe dich, Chace.", flüsterte ich und küsste meinen Freund ein letztes Mal. Inzwischen näherten sich Schritte. Alarmiert stellte ich mich vor Chace und meine Hand wanderte wieder zum Hosenbund, aus welchem ich nun tatsächlich eine Waffe zog. Diese hatte ich mir schon vor einiger Zeit angeschafft und nun heute mitgenommen. Sicher war sicher. Kurz wanderte mein Blick beinahe entschuldigend zu Chace, ehe auch schon die Tür aufging und meine Familie mit gezückten Waffen den Raum betrat. Diese waren schnell auf Chace und seinen Großvater gerichtet. "Nicht schießen!", schrie ich wütend und hielt mir nun meine eigene kleine Pistole an den Kopf. "Wenn hier auch nur ein Schuss fällt, bevor Chace mindestens 10 Kilometer weit weg ist, drückte ich ab. Und das schwöre ich bei Mama.", drohte ich und sofort senkten sich die Waffen. Chace konnte nun durch die Hintertür abhauen und so schnell es nur ging so viel Distanz wie nur möglich zwischen uns bringen. Mein Vater hatte währenddessen den alten Mann wütend fixiert, was mich doch die Stirn runzeln ließ. Kannten die beiden sich. "Ich bringe dich um, du verfluchter Bastard!", schrie mein Vater und quetschte sich an meinen Brüdern vorbei, richtete das Gewehr auf den Mann. Langsam ließ ich meine Waffe sinken und beobachtete fassungslos wie sich dieser alte Mann tatsächlich weniger mühsam wie Chace zuvor in einen Wolf verwandelte. Das musste einfach nach wie vor ein Albtraum sein. Der Wolf nahm Anlauf, wurde aber noch bevor er überhaupt meinen Vater erreicht hatte, von mehreren dicht aufeinander folgenden Kugeln so schwer getroffen, dass er jaulend zu Boden ging und schwer atmend liegen blieb. Der tödlich verletzte Wolf verwandelte sich in Begleitung jämmerlicher Geräusche zurück in einen blutüberströmten Menschen. "Warum...hast du das getan? Er war nur ein alter Mann, Daddy...", stieß ich schockiert hervor und wandte den Blick von dem nun toten Mann ab. "Dieser Mann hat deine Mutter getötet, Veronica. Er ist der Werwolf, denn wir jahrelang gesucht, aber nie gefunden haben.", erklärte mir Alex mit tonloser Stimme und kam auf mich zu, um die Arme um mich zu legen. "Es tut mir alles so leid, Kleines. Wirklich. Wir werden Chace nicht weiter verfolgen und allen erzählen, dass wir ihn so verwundet haben, dass er sicher seinen Verletzungen erlegen ist. Aber du wirst ihn nie wieder sehen..", murmelte er in meine dunklen Haare und ich drückte mich schluchzend an ihn. War nun alles vorbei? Nein, definitiv nicht. Ich liebte Chace, Chace war mein Freund und vor allem trug er meinen wertvollsten Besitz bei sich. Ich würde mein Versprechen wahr machen, auch wenn die Suche nach Chace womöglich Monate, wenn nicht Jahre, dauern würde. Ich war wirklich fest dazu entschlossen, spielte aber erst einmal meine perfekte Rolle. Meine Familie sollte nichts von meinen Plänen erfahren. Niemand sollte das. Doch in Gedanken stand mein Vorhaben schon fest. Ich würde ein paar Tage die trauernde Verlasse spielen, dann einen emotionalen Brief schreiben und verschwinden. Ich würde einfach sagen, ich würde für eine Weile verreisen, da ich Zeit für mich brauchte. Meine Familie würde das glauben, wenn ich ihnen bis dahin kein auffälliges Verhalten zeigte. Und dann würde ich Chace suchen und finden. Weil ich ihn mehr liebte als alles andere auf dieser Welt.



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#239

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 11.01.2019 02:22
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es beruhigte mich, dass sie ihr Handy nicht mitgenommen hatte. Es war eine Sorge weniger, auch wenn es nach wie vor auch für mich sehr merkwürdig war, dass ich keins mehr hatte. Ich hatte es zerstört, hatte alle Daten vernichtet um mein Rudel zu retten. Dadurch hatte ich mich zwar selbst in die Folter gebracht, aber das war es wert gewesen. So hatte ich sieben andere Leute gerettet oder ihnen zumindest genug Zeit gegeben unterzutauchen. Für mich selbst würde ich erst ganz am Ende vielleicht einstehen, aber bevor ich jemanden gefährden würde, wollte ich lieber sterben. Weniger beruhigend war die Sache mit dem Auto. Ich biss die Zähne leicht zusammen, als sie fragte. "Im Zweifel klauen", erwiderte ich dann. Ich war meinen Job eh los. Wenn ich mein Leben nicht verlieren wollte, dann musste ich in Kauf nehmen, kriminell zu werden. Ich wollte es nicht gutheißen oder befürworten, aber ich war gewillt, irgendwie zu überleben. Am liebsten würde ich nur Ronnie irgendwie da raus halten. Sie bekam nur Probleme, wenn sie mir nicht von der Seite wich. Mit ihrer Familie, dem Gesetz, der Regierungsszezialeinheit. Lange schwieg ich. Ich war erschöpft, gestresst, verbissen. Dennoch wollte ich solange ich konnte noch klären, was sie eigentlich nicht wissen sollte. Damit sie ihre Familie nicht nur hasste, sollte ich irgendwann doch sterben oder alleine weiter müssen. "Deine Familie wollte dich nicht verletzen. Sie arbeiten in einer Spezialeinheit der Regierung, die sich nicht scheut, dich extrem zu foltern um mich zum Reden zu bringen. Sie wollten dich mit den leichten Verletzungen schützen. Sie wussten, dass ich nachgeben würde", sprach ich in die Stille hinein. Nur das Geräusch des Motors und der Reifen auf Asphalt war sonst zu hören. Ich war sogar zu angespannt für Radio. Durch das schnelle Fahren verbrauchten wir viel Sprit. Also hielt ich den Wagen an einer Tankstelle, musterte Ronnie nachdenklich, als sie mir sagte, dass ich warten und essen sollte. "Nein, keine Sorge. Alles hilft", erwiderte ich erschöpft, griff dann nach der Tüte und schlang alles hinunter, was mir in die Finger kam, während meine Freundin verschwand. Ich vertraute ihr, dass sie das schaffte, spielte aber trotzdem kurz mit dem Gedanken, ohne sie einfach weiter zu fahren um sie aus der Schussbahn zu holen. Nervös blickte ich mich nach ihr um, aber da kam sie auch gerade wieder angelaufen mit Schlüsseln in der Hand. Bei ihren Worten erhellte sich meine Miene. "Du bist unglaublich", sagte ich, ehe ich ausstieg und meine Tasche griff. Ich folgte ihr zu dem BMW, ließ mich dann erleichtert auf dem Beifahrersitz fallen. Ich war wirklich fertig und würde gerne etwas schlafen. Es würde mir sicherlich helfen. Ich stellte also die Lehne des Sitzes etwas nach hinten, verschlief den Rest der Fahrt, bis wir auf den Schotterweg kamen, der zu der Hütte meines Großvaters führte. Ich war schon ewig nicht mehr hier gewesen und er auch lange nicht mehr bei uns. Die Entfernung machte es.
Etwas überrascht war ich, als ich sah, dass ein kleines Licht in der Hütte an war und ich war Ronnie dankbar, dass sie mich erst alleine gehen ließ um den alten Mann nicht ganz zu überfordern. Als ich aus dem Auto ausstieg und die Tasche schulterte, verharrte ich einen Moment irritiert. Nur mit langsamen Schritten ging ich zu der Hütte, klopfte an und in dem Moment öffnete sich auch schon die Tür. Als mir mein Großvater gegenüberstand, sah ich ihn nur verblüfft, fast schon ehrfürchtig an. Und das lag nicht daran, dass er nach wie vor jung und agil aussah für seine 75 Jahre, groß und aufrecht dort vor mir stand, sondern an seinem Geruch. "Komm rein, Junge", sagte er, legte mir eine schwere Hand auf meine Schulter und zog mich in die Hütte. Die Tür fiel hinter mir wieder zu, während ich ihn nur sprachlos ansah und die Tasche zu Boden fallen ließ. "Du.. du hast mich verwandelt", flüsterte ich fast und anhand der gelassenen Reaktion meines Gegenüber konnte ich sehen, dass ich recht hatte. "In der Tat. Es wäre eine Schande, diese Kraft nicht in der Familie weiterzugeben. Wer ist dein Mädchen?", versuchte er das Thema zu wechseln mit einem argwöhnischen Nicken Richtung Tür. Ich ließ mich aber nicht beirren. "Kraft? Es ist ein Fluch. Es hat mir Jäger auf den Hals gehetzt. Ich wurde gefoltert"; grollte ich. Ein Knurren aus seiner Kehle ließ mich verstummen, es schüchterte mich regelrecht ein. Er war mein Alpha. Er hatte mich verwandelt. Ich fühlte mich verpflichtet, ihm gehorsam zu sein und das fühlte sich unglaublich merkwürdig an. "Also. Sag mir, wer sie ist", wiederholte er streng. Ich schluckte schwer, wollte oder eher musste antworten, doch in dem Moment erklang draußen ihr Schrei. Dann kam sie reingestürmt, begrüßte meinen Großvater. Er lächelte erst freundlich, aber ich konnte sehen, wie er witterte. "Eine Parrish? Du schleppst eine Parrish mit ins Haus?" knurrte er leicht. Mir stellten sich die Nackenhaare auf und ich war wie gelähmt, ehe Ronnie bei mir war und ihre Arme um mich legte. Ich riss meinen Blick von meinem Alpha los, sah in die verzweifelten Augen meiner Freundin. Ich öffnete den Mund um etwas zu sagen, aber alles rauschte irgendwie an mir vorbei. Ich hatte erstmals denjenigen gefunden, der mich verwandelt hatte und es war mein eigener Opa. Ich hatte so viele Fragen. Aber ich musste fliehen, wenn ich leben wollte. "Das kann ich doch nicht annehmen", sagte ich leise, als sie mir ihre Kette reichte. Meine Stimme bebte. Ich erwiderte ihren Kuss, ehe sie sich vor mich stellte und ich geschockt mitansah, wie sie eine Waffe hervorzog. Zögernd betrachtete ich ihre Kette. Sie war recht lang. Lang genug um mich nicht zu erwürgen oder kaputt zu gehen, wenn ich sie als Wolf trug. Ich legte sie mir also um, damit ich sie nicht verlieren könnte und war froh, dass wohl nichts daran aus Silber war. Sonst wäre es eine noch schwerere Bürde gewesen. "Ronnie", flüsterte ich geschockt, als sie sich die Pistole selbst gegen die Schläfe richtete. Als sie ihre Bedingungen aufstellte, schluckte ich schwer. Ich sah zu meinem Großvater, sah das Leuchten in seinen Augen. Er würde nicht kampflos aufgeben, er würde den Märtyrer spielen. "Geh, Junge. Rette dich. Das hier ist nicht dein Kampf. Noch nicht", sagte er forsch. Ich bückte mich langsam nach meiner Tasche, hob sie auf und trat ein paar Schritte zurück. "Ich liebe dich Veronica", sagte ich leise, wehmütig. Dann riss ich mich los, verschwand durch die Küche in der Waschküche, die auch einen Weg nach draußen hatte. ich warf die Tasche einige Meter vor mich, zog mich eilig aus und verwandelte mich. Es tat nach wie vor weh, aber ich wäre dennoch so schneller. Ich hob die Tasche mit der Schnauze wieder auf, drehte mich noch einmal um, ehe ich loslief. Dann hörte ich Schüsse. Ich zuckte zusammen, wollte zurück und meinen Großvater rächen, aber es würde meinen Tod bedeuten. Also lief ich los, schnell und wendig verschwand ich in den Böschungen.
Bei einer kleinen Stadt wagte ich nach einem halben Tag Laufen einen Zwischenstopp, zog mich an und mischte mich unters Volk. Ich kaufte mir etwas zu essen, sowohl für jetzt als auch etwas, was ich in meine Tasche stopfte. In einem Büro vom Bahnhof tat ich dann etwas offensichtlich dummes. Ich kaufte mit meiner Kontokarte ein Zugticket nach Las Vegas und ein Flugticket von dort nach Seattle. Und ein Zugticket nach Phoenix und Flugticket nach Südargentinien in bar. Ich ging davon aus, dass irgendwann jemand prüfen würde, was ich vorhatte. Das erste war eine offensichtliche Spur um von der zweiten abzulenken. Die aber auch nur davon ablenkte, dass ich nicht in den Zug stieg, sondern ein auto von den Langzeitparkplätzen aufbrach, kurzschloss und damit weiterfuhr. Ich hielt mich Richtung Norden, fuhr schnell und ließ mich sehen. Irgendwann auf der Strecke bezahlte ich jemanden, meinen Hoodie anzuziehen und mit dem Auto weiterzufahren. Kleinkriminelle freuten sich über solche Jobs, hinterfragten nicht und ich konnte mich absetzen ohne dass jemand herausfinden würde, wann und wo ich meine Route verlassen hatte. Ab da bewegte ich mich größtenteils als Wolf und mied belebte Gegenden. Man sollte ruhig glauben, dass ich schnell Richtung Kanada einfach nach Norden gefahren war. Dabei lag mein Weg eher quer durch Amerika. Ich wollte nach Nordosten. In kleinen Städten, wo nicht jeder jeden kannte, aber die Weltnachrichten nicht das wichtigste waren, machte ich immer mal wieder stopp um mir Essen zu kaufen. Ich wollte nicht fressen wie ein Wolf, nur weil ich wie einer herumlief. Einmal bekam ich an einem Kiosk die laufenden Nachrichten mit. Es wurde nach mir gefahndet. Ich wurde als gefährlich und skrupellos betitelt, als unehrenhaft entlassen aufgrund Selbstjustiz bei der ich auf Leute schoss und gut ausgebildet, bewaffnet. Ronnies Familie hatte ihr vielleicht gesagt, dass sie mich nicht jagten, aber die Regierungsmitglieder hatten ihnen nicht glauben wollen und setzten alles daran, mich zu suchen. Also mied ich doch noch mehr die Menschen, lief einfach weiter. Ich war ungefähr zwei Wochen unterwegs, an denen ich nur schlief, aß, trank und weiter rannte, bevor ich einen Ort fand, an dem ich mich niederlassen traute. Ich war im Nordosten Kanadas, Quebec, angekommen. Eine raue Gegend, kalt und voll mit Niederschlag, meistens in Form von Schnee. Die Umwelt war unwegsam, nicht besiedelt. Die nächste Stadt war Radisson und auch die war wirklich nicht groß. Bei meiner Inspektion der Gegend und der Kleinstadt hatte ich eines Nachts beim Sperrmüll eine aussortierte Matratze und Decke gefunden, hatte beides aus der Stadt geschliffen in die Wälder, wo sie vom Gebirge etwas zerklüftet wurden. Ich hatte dort eine Höhle gefunden, die windgeschützt lag und von der ich eine gute Übersicht hatte. Niemand würde sich einfach anschleichen können. Mit der Matratze und der Decke wollte ich mich gegen die kalten Temperaturen schützen. Allerdings war der beste Schutz vor der Kälte mein Fell. Ich passte mich schnell an, gewöhnte mich daran, ging jagen und ernährte mich nicht mehr von Konserven. Ich hörte auf, mir Feuer zu machen für bequeme Wärme. Die Zeit verstrich und ich verwandelte mich immer seltener in einen Menschen zurück. Nach einigen Wochen gar nicht mehr. Und irgendwann überließ ich alles den Instinkten. Ich jagte, ich schlief, durchstriff die Gegend und war sehr scheu. Sobald ich auch nur einen Menschen roch, verkroch ich mich. Es war ein paar Wochen bis Monate so und ich vergaß allmählich, wer ich war, dass ich ein Mensch war, warum eine Kette an meinem Hals war, gut im Fell versteckt, die ich nicht abbekam, aber einfach tolerierte.


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#240

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 12.01.2019 23:12
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Fast einen ganzen Monat hatte ich meine Rolle perfekt gespielt. Ich hatte viel geweint, mein Zimmer kaum verlassen und irgendwann hatte ich beim Abendessen dann tatsächlich den Mut gefunden, mein falsches Vorhaben sogar persönlich anzusprechen. So musste ich keinen Brief schreiben, der eventuell doch falsch verstanden werden konnte. "Daddy?", fing ich also das Gespräch an und atmete tief durch. "Ich muss für eine Weile hier weg, Daddy. Ich halte es hier einfach nicht mehr aus. So viele Erinnerungen. Ich brauche Ablenkung.", erklärte ich leise und blickte meinen Vater mit trauriger Miene an. "Das verstehe ich vollkommen, Veronica.", stimmte er mir verständnisvoll zu und erhob sich, um für einen Moment in seinem Büro zu verschwinden. Mit einer kleinen Karte in der Hand kehrte er kurz darauf zurück und drückte mir diese in die Hand. Fragend sah ich von ihm zu der Kreditkarte und wieder zu ihm. "Du kannst diese Karte hier benutzen. Ohne Limit.", meinte er zwinkernd und ich fiel ihm weinend in die Arme. "Danke, Daddy.", bedankte ich mich liebevoll und drückte meinem Vater einen Kuss auf die Wange. "Meld' dich aber ab und zu, Kleines.", verlangte er als einzige Gegenleistung von mir und ich nickte. Noch am selben Abend packte ich meine Adidas Sporttasche mit einigen praktischen Klamotten und Gegenständen. In der Lobby verabschiedete ich mich unter Tränen von meiner Familie. Für meine Jungs war es nur eine vorübergehende Weltreise und ich würde irgendwann zurückkehren. Doch ich wusste nicht, ob ich jemals wieder in dieser Stadt sein würde. Falls ich Chace wirklich finden würde, konnten wir wohl nie hier her zurückkehren. Wir brauchten neue Identitäten und mussten uns irgendwo ein neues Leben aufbauen. Seufzend lief ich zur Garage und warf meine Tasche in den Kofferraum des schwarzen Range Rovers, welchen mein Vater mir extra für diesen Roadtrip gekauft hatte. Und nun? Nachdenklich ließ ich den Wagen vom Grundstück rollen, ehe ich nach meinem Handy griff und Alison's Nummer wählte. "Ally?", fragte ich schließlich überrascht, als Chace's beste Freundin sich tatsächlich meldete. Ich hätte nicht damit gerechnet und dennoch stimmte die junge Frau einem Treffen zu. Etwas außerhalb der Stadt saßen wir schließlich in einem kleinen Restaurant am Straßenrand. "Ally...es tut mir so unglaublich leid.", murmelte ich und ergriff ihre Hände. Ich wusste mittlerweile, dass auch sie so war wie Chace. Demnach war sie auch in Gefahr und hatte ihr ganzes Leben umplanen müssen. "Es ist nicht deine Schuld, Ronnie. Und natürlich werde ich dir helfen, Chace zu finden.", beruhigte Alison mich schließlich und so wurde sie zu meiner Weggefährtin.

Wir waren wochenlang unterwegs, wechselten uns beim Fahren ab und hin und wieder streifte die 19-Jährige in ihrer Wolfgestalt durch das Gebiet, um nach einer Spur zu suchen. Ihr zweites Ich hatte ich erst nach einem halben Monat gesehen, inzwischen war es für mich normal, ihr bei der Verwandlung zuzusehen. Die Zeit mit Alison tat mir gut. Zum einen war ich nicht alleine und zum anderen war sie eine wirklich gute Freundin geworden. Außerdem konnte sie mir viel über Werwölfe erzählen. Nützliche Dinge, die ich wirklich gebrauchen könnte. Nachts schliefen wir in irgendwelchen Hostels, was dank der Karte meines Vaters kein Problem darstellte. Irgendwann waren wir in Kanada angekommen. Um ehrlich zu sein hatte ich längst keinen Überblick mehr, welchen Tag oder welches Datum wir hatten. Oft wanderte meine Hand reflexartig an meinen Hals, wo sonst der Ring baumelte. Doch er war weg. Chace hatte ihn. Und ich würde Chace finden.

Monate waren vergangen und Alison und ich hatten beinahe das ganze Land abgesucht, bis wir schließlich in Quebec gelandet waren. Und hier fand Alison bei einem ihrer nächtlichen Streifzüge tatsächlich eine Spur. Chace's Geruch, den meine Nase nicht wahrnehmen konnte. Kaum war sie zu unserem Zimmer zurückgekehrt, hatte ich auch schon unsere Sachen gepackt und ins Auto geworfen. Ally wies mir lächelnd den Weg, warnte mich aber vor, dass es noch viele weitere Wochen dauern können würde, bis wir Chace tatsächlich fanden. Und genau dieser Fall trat auch ein. Wie lange waren wir inzwischen unterwegs? Ich wusste es nicht. Hin und wieder telefonierte ich mit meinem Vater und meinen Brüdern, die zum Glück nichts ahnten. Die Tatsache, dass ich mit einer Freundin unterwegs war, brachte auch meiner Geschichte einen Vorteil. Es war unauffälliger. "Ronnie?!", riss Alison mich irgendwann aus den Gedanken und ich hob meinen Kopf an, der am Fenster gelehnt hatte. Die junge Frau neben mir bremste den Wagen ab und lenkte ihn in einen kaum sichtbaren Waldweg. Fröstelnd drehte ich die Heizung etwas weiter auf und starrte missmutig die Anzeige der Außentemperatur an. Minusgrade. Definitiv nicht meine bevorzugte Temperatur. Ich seufzte leise und beobachtete die Bäume, die an uns vorbeizogen und immer dichter wurden. "Wir müssen bald da sein...", warf Alison ein und ich nickte leicht. Inzwischen hatte ich die Hoffnung fast aufgegeben. Fast ein Jahr war vergangen seit meinem Aufbruch. Ob ich Chace jemals wieder sehen würde? Irgendwann mussten wir den Wagen stehen lassen, da wir nicht mehr weiterkamen. Schweigend zog ich den Reißverschluss meiner dicken Winterjacke bis zum Kinn und stopfte Alison's Sachen in meinen Rucksack, da diese sich bereits verwandelt hatte, um den Weg besser erschnüffeln zu können. Schweigend stapfte ich neben dem Wolf her und hielt die Arme vor der Brust verschränkt. Es war schweinekalt und ich hoffte wirklich, dass wir Chace bald finden würden. Es wurde allmählich dunkel und dann würde ein Mensch wohl kaum draußen überleben können. Wir waren mehrere Stunden unterwegs und als ich irgendwann auf meine Uhr blickte, war es schon 19 Uhr und stockfinster. Zitternd reichte ich Alison ihre Klamotten, als sie nackt hinter einem Busch hervortrat. "Er muss hier irgendwo sein. Ich rieche ihn eindeutig...", meinte sie und nahm lächelnd meine Hand, ehe sie mich vor eine Felswand zog und nach oben deutete. "Siehst du die Hölle dort? Er muss dort...leben.", erklärte sie mir und abgesehen von meinen roten Wangen war ich kreidebleich. "Er ist dort oben?", stieß ich mit Tränen in den Augen hervor und schüttelte ungläubig den Kopf. "Ja...aber ich halte es für besser, wenn ich zuerst zu ihm gehe. Er hat sich bestimmt seit Monaten nicht verwandelt und kennt nur noch das Leben als Wolf. Er wird dich nicht erkennen und als Beute ansehen.", warnte die junge Frau mich besorgt, doch ich wehrte sie sofort ab. "Nein, Ally. Ich bin dir so unendlich dankbar für alles, aber das muss ich machen. Warte hier bitte.", bat ich Alison und drückte sie einmal kurz an mich, ehe ich ihr den Rucksack reichte und skeptisch an die Felswand trat, welche ich dann mehr oder weniger geschickt hochkletterte, bis ich schließlich keuchend den kleinen Vorsprung vor der Hölle erreicht hatte. Mit zusammen gekniffenen Augen starrte ich in die Dunkelheit und erkannte so gut wie nichts. "Chace?", rief ich vorsichtig in die Dunkelheit und betrat die Höhle mit bebenden Herzen. "Liebling? Bist du da?", rief ich erneut und suchte mir mit nach vorne gestreckten Armen den Weg. "Ich bin es. Ronnie. Ich habe doch gesagt, ich werde dich finden...", rief ich und nahm schließlich ein knurrendes Geräusch wahr. "Chace?", fragte ich leise und ging in die Hocke. Ich wollte keine Bedrohung für ihn sein. Mit einem ängstlichen Lächeln im Gesicht ließ ich die Oberschenkel auf die Unterschenkel sinken und legte die Hände flach auf meinen Oberschenkeln ab. Angestrengt richtete ich den Blick nach vorne und könnte mein Herz förmlich schlagen hören.



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#241

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 13.01.2019 18:13
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Mein Leben wie ich es kannte, war eigentlich vorbei. Ich könnte ebenso gut in der dritten Person über alles reden und denken, was mir in den Monaten passierte, in denen ich nur als Wolf lief. Ich hatte mein Leben abgeschlossen. Ich hatte vielleicht nicht sterben wollen und daher diesen weiten Weg auf mich genommen, einen Unterschlupf gefunden und lebte nun am Rande der Gesellschaft. Das war sogar noch übertrieben. In Radisson war ich nur einmal und auch nicht so, dass mich irgendjemand hätte erkennen können. Ich wollte nicht mehr gejagt werden. Und sterben scheinbar auch nicht, vielleicht klammerte ich mich wirklich einfach an die Hoffnung, dass Veronica mich finden und meine Welt retten würde. Gleichermaßen wusste ich aber, wie wenig Spuren ich zurückgelassen hatte. Selbst ein weiterer Wolf hätte mir nicht unbedingt folgen können, wenn er nicht grob die Richtung kannte, die ich einschlug. Kanada war alles, was Ronnie wusste. Und Kanada war groß, riesig. Und ich hatte zum Teil Wasserwege benutzt, hatte den Regen genutzt um meine Spuren zu verwaschen. Erst in meinem Gebiet, in dem ich schließlich lebte, wurde ich heimelig.
Anfangs verbarg ich meine Spuren noch, aber irgendwann verlor es an Priorität. Ich überließ meinen Instinkten die Kontrolle. Es war einfach. Es war so einfach, sich fallen zu lassen und sich treiben zu lassen, anstatt zu versuchen gegen Instinkte und Triebe anzukämpfen. Es war einfach, zu vergessen und nicht mehr den Verlust zu spüren und zu bangen, ob Ronnie mich jemals suchen und finden würde. Spätestens ab dem ersten Vollmondzyklus, den ich vollständig in Wolfsform verbrachte, war es um mich geschehen. Menschliche Gedanken waren so weit im Hintergrund, eigentlich waren sie schon nicht mehr da. Ich hatte nur noch ein typisches Wolfsverhalten. Ich schlief in meiner Höhle, hatte ein großes Jagdgebiet. Meine Beute schleppte ich aber tendenziell immer an wenige Orte, wo ich sie lagerte und fraß. Meine Scheu davor, Tiere zu töten und roh zu fressen, hatte ich verloren. Ich war skrupellos und zögerte nicht. Ich war ein Wolf. Groß, plüschig und mit Reißzähnen, die ihrem Namen alle Ehre machten.
Wenn ich nicht gerade jagte, mich ernährte oder mein Gebiet kontrollierte, dann schlief ich. Gerade nun, wo die Sommermonate, die sich hier auf zwei im Jahr beschränkten, wieder vorbei waren und die Temperaturen sich nur noch im Bereich des Frostes befanden, sparte ich unnötige Energie. Ich hatte mich also zusammengekringelt auf der inzwischen von den Krallen zerschlissenen Matratze und schlief friedlich. Aus dem tiefen Schlaf weckten mich leise Geräusche von draußen, allerdings noch nicht soweit, als dass ich aufstand. Während sie keuchend die Felswand erklomm, wachte ich auf. Im Dunkeln sah ich auch als Wolf nicht sehr viel mehr als sie, weshalb ich tendenziell etwas unsicher wurde. Ich legte mich sprungbereit hin, lang und flach auf den Boden und witterte, während eine Stimmer erklang. Meine Ohren drehten sich zu ihr, dann legten sie sich wieder zurück. Es verunsicherte mich. Ich hatte Menschen gemieden und der Instinkt sagte mir, Menschen waren schlecht. Keine Beute unbedingt, aber definitiv keine Freunde. Aber ihre Stimme. Mein Unterbewusstsein erwachte nur langsam, nicht genug um die Situation zu klären. Ich knurrte, als dieses menschliche Wesen dichter kam und wieder sprach. Was sie sagte, verstand ich nicht. Nicht, weil es nicht laut genug war. Ich wusste nur nicht mehr, was Sprache war. Angespannt stellte ich mich geduckt hin, als sie weiter auf mich zu schritt, ehe sie sich hinhockte. Allerdings verstand ich ihre Körpersprache nicht als unbedrohlich. Ich verstand sie gar nicht mehr. Und viele Lebewesen machten sich klein vor dem Angriff. Inklusive Wölfe, das beste Beispiel war ich gerade. Und weil sie nicht wegging, obwohl ich deutlich die Zähne bleckte und laut und drohend knurrte, wollte ich meine Höhle verteidigen. Mit einem gewaltigen Satz sprang ich auf Veronica zu, biss dabei fest in ihre Schulter. Durch die Wucht des Sprungs brachte ich sie dabei rückwärts zu Boden, schlitterte mit ihr unter mir förmlich wieder näher Richtung Ausgang, wobei meine Krallen auf dem Boden ein grausiges Geräusch von sich gaben. Ich verbiss mich aber nicht in ihr, sondern ließ sie wieder los um meine nun blutigen Zähne zu blecken und weiter zu knurren, während die Kette an meinem Hals noch leicht baumelte. Ich war mir nicht sicher, was ich mit ihr anstellen sollte.


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#242

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 13.01.2019 18:39
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Ein entsetzter Schrei verließ meine Kehle, als Chace plötzlich einen großen Satz in meine Richtung machte und sich in meiner Schulter verbiss. 'Chace'? Nein, dieses Etwas hier war definitiv nicht mehr mein Freund. Ich fiel mit dem Rücken unsanft nach hinten, was mir ein schmerzvolles Stöhnen entlockte. Mit dem Wolf auf mir schlitterten wir beinahe aus der Höhle hinaus und ich war froh, dass wir noch vor dem Abgrund zum Stillstand gekommen waren. Mit verzerrter Miene wanderte meine linke Hand an die rechte Schulter, welche stark blutete. "Verdammt, Chace!", schrie ich den Wolf mit Tränen in den Augen an und erblickte dann die Kette. Er trug sie also sogar in seiner tierischen Form. Von unten nahm ich ein lautes Knurren wahr. Alison. Sie hatte ich fast vergessen. "Nicht, Ally. Es ist alles okay!", schrie ich nach unten und wandte meinen Blick für einen kurzen Moment von Chace ab, ehe ich ihn jedoch wieder intensiv fixierte. "Chace...", versuchte ich es leise und rappelte mich mühsam auf, was in Anbetracht der verletzten Schulter fast nicht möglich war. Wie ein Baby krabbelte ich auf den Wolf zu und griff mit der Hand des unverletzten Armes nach der Kette, welche ich mit einer geübten Bewegung schnell geöffnet hatte und dann mit meiner Faust umklammerte. Der Ring wippte vor den Augen des Wolfes langsam hin und her. "Chace. Hör mir zu. Konzentriere dich auf den Ring und auf meine Stimme.", gab ich zwischen den zusammen gepressten Lippen hervor und konnte mich kaum auf den Beinen halten. Die spitzen Zähne hatten sich tief durch meine Jacke und in meine Haut gebohrt und dabei ein gutes Stück Stoff wie auch Fleisch aus meiner Schulter gerissen. In Anbetracht der Tatsache, dass wir uns meilenweit von der Zivilisation entfernt befanden, es bereits stockfinster war und noch dazu zweistellige Minusgrade herrschten, war diese Art von Verletzung wahrscheinlich mein Todesurteil. Doch vielleicht war ich schon tot gewesen, als ich alleine die Felswand erklommen hatte. Vielleicht hatte Ally Recht gehabt und ich hätte sie zuerst als Wolf zu ihm gehen lassen sollen. Chace kannte Alison länger als mich, sie war Teil seines Rudels. Doch mein eiserner Wille hatte mal wieder gesiegt und nun kniete ich hier auf dem kalten Boden. "Du kennst diese Kette und diesen Ring, Chace. Ich habe sie dir mitgegeben, als meine Familie uns bei deinem Großvater gefunden hat, Liebling. Und ich habe dir versprochen, dass ich dich finden werde. Erinnere dich doch bitte daran...", erklärte ich flehend und blickte das, was von meinem Freund noch übrig war, mit großen verweinten Augen an. "Ich liebe dich, Chace. Mehr als alles andere auf der Welt. Ich bin doch deine kleine freche und ungezogene Ronnie...", murmelte ich und streckte hielt ihm zaghaft die blutige Hand mit der Kette unter die Schnauze. "Hier, riech doch mal. Du weißt doch, wie ich rieche, Liebling. Du kennst mein Blut. Bitte...", flüsterte ich verzweifelt und schloss die Augen.



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#243

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 13.01.2019 19:25
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Es war, als wäre ich in einem Traum gefangen. Ich erlebte das alles hier wie ein Beifahrer. Ich sah alles, aber ich konnte nicht eingreifen. Ich war wie benommen in meinem eigenen Körper. Nun gut, in der zweiten Form meines Körpers. Viel zu lange hatte ich den Instinkten alles überlassen, hatte mein eigenes bewusstes Denken abgeschaltet. Das konnte nicht von jetzt auf gleich wiederkommen oder zumindest war ich zu schlecht darin, als dass ich den Schalter hätte umlegen können, bevor ich sie verletzte. Ihr Schrei erschütterte mich bis ins Mark. Ich war gefangen zwischen zwei möglichen Reaktionen. Der Wolf in mir wollte ihr die Kehle zerfetzen, die Beute zum Schweigen bringen und unschädlich machen, aber ich... wenn ich überhaupt schon wieder irgendwo im Unterbewusstsein existierte.. ich wollte nicht einmal wahrhaben, dass ich sie verletzt. Ich war geschockt und ich wusste noch nicht wieso, aber ich wollte ihre Wunden lecken und sie beschützen. Ich war so verwirrt, dass ich nur zusammenzuckte, als sie mich anschrie mit Tränen in den Augen. Der salzige Duft war schon wieder etwas, was Erinnerungen weckte, die einfach nicht greifbar waren. Ich sah Bilder vor mir, die ich nicht zuordnen konnte. Ich hatte sie schon mal gesehen, ich kannte den Namen 'Chace' aber ich fühlte keine Verbindung dazu. Ein weiteres Knurren von außerhalb lenkte mich ab von meiner Verwirrung. Meine sichtliche Irritation wandelte sich wieder zu Aggression. Ich ging langsam und geduckt Richtung Höhleneingang, knurrend und mit gefletschten Zähnen. Der Ruf von der verletzen Person bei mir konnte mich nicht davon ablenken, zu wittern und den Wolf dort unten tendenziell auch als gefährlich einzustufen. Vielleicht konnte sie mir deshalb so nahe kommen, ohne dass ich sie wieder angriff. Erst als ihre Hand an meinem Hals lag, zuckte und erstarrte ich leicht, starrte Veronica unsicher an. Zubeißen oder nicht? Dann auf einmal hing der Ring vor meiner Nase. Ich verfolgte die Bewegungen der leicht pendelnden Kette, versuchte schlau daraus zu werden. Mein Fokus richtete sich darauf und auf die Stimme, wenn auch ich nicht unbedingt das Gefühl hatte, zu verstehen, dass es das war, was sie wollte. Es war, als würde ich einer Stimme lauschen, während ich unter Wasser war. Es kostete mich alles, zu verstehen, was sie sagte. Mein Kopf wand sich leicht von einer zur anderen Seite, während meine Instinkte versuchten mein Bewusstsein wieder zu unterdrücken. Ein leises Winseln drang aus meiner Kehle, während ich einen Schritt zurückwich, als würde sie mich wahrhaftig bedrohen. Als sie mir ihre blutige Hand unter die Nase hielt, schnupperte ich unsicher. Wieder das Gefühl, dass ich zubeißen oder sie liebkosen sollte. Unsicher streckte ich meine Zunge kurz ein wenig nach ihr aus, leckte ihre Hand.
Es war als würde meine ganze Welt, die so lange ausgesperrt war aus diesem Körper, wieder hereinbrechen. Erschrocken machte ich einen Satz nach hinten, hatte das Gefühl Herzrasen zu bekommen. Natürlich. Der Blutgeschmack. Die Zelle. Ihre Familie. Die Jagd. Mein Leben. Sie. Überall Veronica. Ronnie. Liebe. Küsse. Ich als.. Mensch. Einen Moment stand ich schon förmlich an die Höhlenwand gepresst, den Kopf kräftig dagegen gepresst, weil mir das alles schon förmlich körperliche Schmerzen bereitete. Dann sah ich sie wieder an, schnaufte schwer. Sie war es wirklich. Sie war hier. Ich konnte ein Schwanzwedeln nicht unterdrücken, doch es ging, so schnell es gekommen war. Ich hatte sie gebissen. Und das kräftig. Und sie hatte jemanden mitgebracht. Ich schnupperte noch einmal schnell. Allison. Aber es war zweitrangig. Ich musste mich um Ronnie kümmern. Ich tappte wieder auf sie zu, begutachtete besorgt ihre Schulter. Beinahe zärtlich stupste ich gegen ihren Ärmel, wo sie nicht verletzt war, ehe ich ihr kurz zart über eine der salzigen Wangen leckte. Sie musste die Jacke ausziehen. Dann konnte ich ihr helfen. Andererseits.., wie? Ich wusste wieder, woher ich sie kannte, wer sie war und wer ich war. Aber ich wusste nicht, wie ich der werden sollte, der ich eigentlich war. Ich war so lange schon in dieser Gestalt, ich fühlte mich nicht bereit, diese Form aufzugeben. Verwandlung war Übungssache. Genau so wie irgendwelchen körperlichen Übungen. Es bedurfte Regelmäßigkeit und Übung um geschmeidig zu werden und zu bleiben, vor allem bei schwierigen Dingen. Und ich war gerade eher so, als hätte man monatelang jedes Gelenk stillgelegt und das war nun unfähig sich zu bewegen. Ich fühlte mich ziemlich hilflos, wusste aber nicht wie ich das mitteilen sollte.


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#244

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 13.01.2019 19:45
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Das Schauspiel, welches sich mir gerade bot, war wirklich schwierig einzuordnen und noch schwieriger zu verstehen. Der Wolf vor mir schien hin und her gerissen zu sein. Jede seiner Bewegungen sagte mir, dass er extrem verunsichert zu sein schien. Er sah mich wahrscheinlich gerade nur als Beute oder sogar Bedrohung, wollte mich aus seinem Revier vertreiben. Und zeitgleich war da auch mein Blut. Die blutige Hand und die inzwischen blutüberströmte Schulter waren für ein Raubtier sicher nicht leicht auszublenden. Ich erinnerte mich daran, wie schwer es Chace gefallen war, damals in der Zelle nicht über mich herzufallen. Damals war er noch mehr Mensch als Wolf gewesen. Doch jetzt? In ihm schien kaum noch etwas Menschliches zu stecken und das bereitete mir gerade unglaublich viel Angst. Angst, die ich eigentlich nicht haben durfte und sollte. Angst, die er bestimmt wittern konnte. Ich behielt ihn also genau im Blick und nahm wahr, wie er auf Alison's Knurren hin mit gefletschten Zähnen den Höhleneingang ansteuerte, aber dann durch meinen Eingriff zum stehen kam. "Das ist nur Allison, Chace. Du kennst sie doch. Sie ist deine beste Freundin und in deinem Rudel. Sie und ich haben vor langer langer Zeit im Club mal betrunken rumgemacht...erinnerst du dich?", flüsterte ich beinahe liebevoll und lächelte bei dem Gedanken an die Erinnerungen, die gerade so verdammt wichtig waren. An irgendetwas musste er sich doch erinnern, oder? Daher wollte ich so vieles wie nur möglich irgendwie aufgreifen. Sein unsicherer Blick auf meine Hand und dann auch in mein Gesicht entging mir nicht. "Schon gut, Liebling. Ich will dir doch nichts Böses...", meinte ich mit beruhigender Stimme und war überrascht, wie handzahm ich plötzlich sein konnte. Normalerweise war ich wild und steckte voller Temperament. Ich hätte niemals gedacht, dass ich tatsächlich so sensibel sein konnte. Zu meinem Glück entschied sich der Wolf wohl dagegen, meine Hand als Abendessen zu betrachten. Stattdessen senkte er die feuchte Schnauze ein Stück und schnupperte skeptisch. Als seine raue Zunge über meine Haut glitt, musste ich kurz kichern. "Das kitzelt, Chace...", stieß ich lachend hervor und zuckte selbst erschrocken zurück, als der Wolf einen riesigen Satz nach hinten machte und sich an die Wand drückte. Doch es dauerte nicht lange und Chace löste sich wieder von der Wand, kam mit gesenktem Schwanz auf mich zu. "Erinnerst du dich?", erkundigte ich mich hoffentlich und lächelte sanft, als er mit der Schnauze immer wieder meinen verletzten Arm anstupste. "Was willst du?", fragte ich verwirrt und kicherte ein weiteres Mal als ich seine Zunge nun auf meiner Wange spürte. Anscheinend sollte ich die Jacke ausziehen. "Du denkst auch nur an das Eine...", scherzte ich und öffnete mit zittrigen Fingern den Reißverschluss, um mich dann unter stechenden Schmerzen aus der dicken Jacke zu schälen und dann noch den ebenfalls dicken Pulli vorsichtig erst über die unverletzte Schulter auszuziehen und dann deutlich umständlicher auch die tiefe Bisswunde freizulegen. Angewidert biss ich mir auf die Unterlippe und hielt den Blick auf die Wunde nicht lange aus. Im Augenwinkel nahm ich eine Bewegung wahr und entdeckte Alison, die nach wie vor als Wolf und mit langsamen Schritten auf uns zu kam. "Es ist alles gut, Ally...", beruhigte ich meine Freundin, welche sich beschützend vor mich gestellt und Chace so weggedrängt hatte. "Er wird mir nicht mehr wehtun.", informierte ich sie und sah ihr dabei zu, wie sie wohl auf merkwürdige Art und Weise mit Chace kommunizierte. Ich hatte inzwischen frierend die Arme vor der fast nackten Brust verschränkt, da ich obenrum nun nur noch meinen BH trug. "Ich will ja nicht stören, aber entweder sterbe ich aufgrund zu viel Blutverlust oder ich erfriere und ende als Eisklotz...", lenkte ich die Aufmerksamkeit der beiden Tiere auf mich.



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#245

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 13.01.2019 22:32
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Hätte sie mich mitten irgendwo im Wald gefunden, wäre Ronnie sicherlich schneller abgehandelt gewesen. Entweder ich wäre ihr sehr weit aus dem Weg gegangen oder ich hätte sie als Beute gerissen. Hier in der Höhle hatte sie mich einfach so überrascht und überrumpelt, dass ich nicht wusste, was ich machen sollte. Der Instinkt mich vor ihr zu verteidigen und mein Revier zu schützen, war anfangs auf jeden Fall stärker gewesen. Nun aber war ich einfach unfähig zu entscheiden, ob ich mich weiter vor ihr verteidigen musste. Sie war verletzt und ging nicht. Sie war laut und kam dichter, obwohl sie Angst hatte und sie weinte. Und all das verwirrte mich einfach ungemein. Sie war nicht der Feind, den ich in ihr erwartet hatte. Und je länger sie blieb, desto mehr Bedeutung bekam sie. Und gleichermaßen war die Luft trotzdem mit dem Geruch ihrer Angst und ihrem Blut durchtränkt, was meine Instinkte stärkte und mein Bewusstsein unterdrücken wollte. Es fiel mir wirklich schwer, die Gedanken und Erinnerungen nicht nur vorüberziehen zu sehen, sondern sie mir wieder vors innere Auge zu holen, zu verstehen, was sie bedeuteten. Ich hatte auf einmal das Bedürfnis, meinen Kopf unter ihre Hand zu schieben, damit sie mir übers Fell strich, aber ich ignorierte dieses merkwürdige Gefühl. Aber es sorgte mitunter dafür, dass ich sie wieder erkannte. Eine sanfte Berührung, ihr Lachen. Wie hatte ich mich selbst und sie nur vergessen können?
Als ich versuchte sie zu überzeugen, die Jacke auszuziehen, schenkte ich ihr auf ihren Scherz hin einen ironischen Blick. Dann wandte ich mich kurz ab. Der Blutgeruch wurde intensiver, als die Wunde freigelegt wurde. Es war gut, dass ich wirklich satt war, sonst würde es mir mehr Probleme machen. Es reichte, dass mich das Schuldbewusstsein traf. Ich hatte ihr mal versprochen, dass ich sie nie verletzen würde. Und nun das. Selbst wenn ich sie heilen konnte, sie verlor viel Blut. Ich wollte gerade anfangen ihre Schulter etwas zu säubern, als Ally sich dazugesellte. Sie war sehr angespannt, schob sich zwischen Ronnie und mich. Mit schuldbewusst zurückgelegten Ohren wich ich vor ihr zurück, setzte mich hin und sah sie nur vorsichtig an. Ich freute mich sie zu sehen, aber ich fühlte mich auch furchtbar, weil ich Ronnie verletzt hatte. Ich versuchte meiner Rudelfreundin zu erklären, dass ich mich nicht zurückverwandeln konnte. Da wir sowohl Wolf als auch Mensch waren, waren wir recht gut darin, in jeder Form verbal zu kommunizieren. Ally wollte erst nicht einsehen wieso, aber ich war mir sicher, dass Ronnie erst Hilfe brauchte und versuchte sie zu überzeugen, Ronnie mit ihrem Blut zu behandeln. Das war wichtiger als meine Verwandlung. Die würde sicherlich Stunden in Anspruch nehmen und extrem schmerzen. Ich hatte es so sehr verlernt, ich wusste nicht einmal mehr, wie ich es anfangen musste. Die Verwandlung in den Wolf lernte man sehr schnell. Der Wolf saß immer unter der Oberfläche und wollte durchkommen. Andersrum war es schwieriger. Vor allem, wenn man seit gut einem halben Jahr nur auf vier Pfoten lief und jeder Umstand gerade für die Wolfsgestalt sprach. Die Temperatur, die Dunkelheit, die Anspannung, der Blutgeruch. Bei Ronnies Worten bezüglich ihrer Verletzung und Kälte. Ich senkte schuldhaft den Blick, winselte leise, dann knuffte ich Ally an mit einem flehenden Blick. Sie sollte Ronnie behandeln. Ich würde versuchen mich zu verwandeln. Für einen Moment schloss ich die Augen, versuchte mich zu konzentrieren. Frustriert über das nicht sofortige Gelingen, stand ich auf, ging unruhig auf und ab, während ich versuchte zu erzwingen, die Form zu wechseln. Schmerzen bekam ich schon einmal, aber mehr als das mir die Beine zitterten und ich mich schwach fühlte, wollte nicht passieren. Ich wand mich leicht, schnaufte, wollte nicht aufgeben und warf einen verzweifelten Blick zu den beiden Frauen.


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#246

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 14.01.2019 01:44
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Nicht gerade überzeugt von dem, was sich da vor meinen Augen abspielte, beobachtete ich die beiden Wölfe weiterhin aufmerksam. Allerdings verschwamm das Bild vor meinen Augen immer mehr, was wohl zum einen an der Kälte als auch am dem hohen Blutverlust liegen konnte. Schnaufend ließ ich mich also auf den Hintern fallen und verlangte ächzend die Aufmerksamkeit der beiden Wölfe. Alison war es schließlich, die mit gesenktem Kopf auf mich zukam und mir mit der rauen Zunge vorsichtig über die Schulter leckte. Ich zuckte zusammen und bohrte mir vor Schmerzen die Fingernägel in die Handflächen. Zwar würden diese Wunden auch bluten, aber der geringere Schmerz würde mich zumindest ein wenig von den eigentlichen Schmerzen ablenken. Nach einer Weile beobachtete ich die Wölfin aus dem Augenwinkel wie sie sich mühelos verwandelte und nackt wie sie war mit dem letzten bisschen Klauen eine tiefe Wunde in ihren Oberschenkel bohrte. Angewidert senkte ich den Blick und schüttelte den Kopf. "Du musst nicht...", versuchte ich sie zaghaft, sie von ihrem Vorhaben abzuhalten. Doch es war schon zu spät. Ally machte das Gleiche was Chace vor einigen vielen Monaten mit mir in der Zelle gemacht hatte. Ihr Blut hinterließ ein warmes Prickeln auf meiner Haut und ich konnte förmlich der Wunde dabei zusehen, wie sich langsam eine dünne Kruste bildete. "Unglaublich...", stieß ich hervor und griff nach meiner Jacke, um diese wieder anzuziehen. Die junge Frau war zwischenzeitlich noch einmal nach unten geklettert, um den Rucksack zu uns zu holen. In diesem waren auch ihre Klamotten, welche sie sich hastig anzog. Meine Aufmerksamkeit lag inzwischen jedoch wieder ganz auf Chace, welcher sich etwas abseits von uns hin und her drehte und ziemlich verzweifelt wirkte. "Er hat Probleme, sich wieder zu verwandeln.", erklärte Alison mir leise und hielt sich ein weiteres Mal im Hintergrund. Stöhnend richtete ich mich auf und hinkte zu dem Wolf. "Chace...", murmelte ich leise und hielt vorsichtshalber doch etwas Abstand. Ich wollte nicht, dass er mich ein weiteres Mal biss. "Hör mir zu, Liebling.", meinte ich mit beruhigender Stimme und ging vor ihm in die Hocke, hielt ihm die Kette mit dem Ring auf der blutigen Handfläche mit den Einkerbungen meiner Nägel hin. "Schau dir den Ring an.", wies ich ihn an und streckte die freie Hand vorsichtig nach ihm auf. "Irgendwann will ich auch so einen Ring von dir, verstanden? Du wirst dir eine richtig krass außergewöhnliche Idee für einen Heiratsantrag einfallen lassen und mir dann einen wunderschönen Verlobungsring an den Finger stecken. Wir werden eine Märchenhochzeit haben und ich werde ein tolles weißes Kleid tragen. Jesse wird Blumenmädchen sein. Und dann werde ich nicht mehr Veronica Joyce Parrish heißen, sondern Veronica Joyce Bail. Und dann werden wir eine atemberaubende Hochzeitsnacht haben und irgendwo an einem warmen Ort unsere Flitterwochen verbringen.", erzählte ich mit liebevoller Stimme und lächelte dabei ununterbrochen. Fast bildete ich mir ein, Alison im Hintergrund schniefen zu hören. Oder war das keine Einbildung. "Aber dafür brauche ich meinen Chace in menschlicher Form. Ein Wolf kann mir keinen Ring an den Finger stecken, kann keinen Anzug tragen, kann mich nicht über die Türschwelle tragen, kann mich nicht ficken...", ich stoppte kurz und dachte nach. Ficken konnte er mich auch in dieser Form wahrscheinlich irgendwie, auch wenn das echt verstörend klang. "Und du kannst nicht mit mir in ein Flugzeug steigen.", beendete ich meine Aufzählung und verschränkte die Arme vor der Brust. "Demnach musst du dich jetzt unbedingt wieder in einen Menschen verwandeln, Chace. Hörst du?", fügte ich noch einmal den Grund für meine romantische Erzählung einer möglichen gemeinsamen Zukunft auf und lächelte zaghaft.



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#247

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 14.01.2019 02:33
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ich machte mir Sorgen um meine Freundin. Wir hatten uns ein halbes Jahr nicht gesehen, aber sie hatte mir gesagt, dass sie mich liebte. Vermutlich waren wir auch wirklich gut genug als Paar gewesen, dass wir einfach da weitermachen konnten, wo wir aufgehört hatten. Sie war nicht hergekommen, um nur den Ring zu holen. Dann hätte sie mich vermutlich auch eher einfach abgeschossen oder betäubt. Aber sie hatte sich all die Mühe gemacht und hatte dann noch nicht einmal zuerst Allison geschickt, obwohl sie mir deutlich gewachsener gewesen wäre. Sie hätte mich in die Schranken weisen können, schwächen können und dann hätte sie gefahrlos mit mir reden können. Aber Ronnie war schon immer stur und trotzig und verrückt gewesen und hatte mich alleine aufgesucht. Und nun war ich schuld daran, dass sie Schmerzen hatte und viel Blut verlor. Verzweifelt sah ich Ally an, als Ronnie sich auf den Hintern fallen ließ. Mit einem leisen verzweifelten Knurren knuffte ich sie erneut an die Schulter, dass sie sich um sie kümmern musste. Zum Glück kam sie dem dann auch nach. Das war schon einmal eine Sorge weniger. Eine Belastung weniger im Kopf, die mich davon abhalten könnte, mich zu verwandeln. Aber die Sorge, dass sie hier dennoch erfror, den Blutverlust nicht verkraftete oder irgendwie sowas blieb trotzdem. Und ich wollte sie so gerne in den Arm nehmen, ich musste mich dringend verwandeln, aber es war so schwer. Ich hätte mich gerade zu gerne von einer Klippe gestürzt. Vielleicht würden ein Haufen gebrochener Knochen helfen bei der Verwandlung, weil sie dann nicht mehr so gefestigt in ihrem jetzigen Konstrukt waren.
Wieder kam Ronnie zu mir, machte auch einen leicht kläglichen Eindruck und sie hielt etwas Abstand. Ich konnte es ihr nicht verdenken, aber ich wollte ihre Nähe so dringend spüren. Ich lauschte wieder ihren Worten und wenn ich gekonnt hätte, hätte ich sie geküsst. Noch nie hatte mir jemand eine so schöne Rede geschenkt. Und dann redete sie weiter, wurde kurz wieder so derbe, wie ich sie auch durchaus kannte. Als sie geendet hatte, kam ich langsam auf sie zu, ich lehnte meine große, fellige Stirn an ihre. Dann atmete ich einmal tief durch und noch einmal und vielleicht auch noch ein paar Mal, ehe ich es schaffte, meine Konzentration wieder auf die Verwandlung zu richten. Es dauerte. Eine grundlegende Verwandlung war schwierig in den Gang zu bekommen. Ab der Hälfte war es eigentlich einfach. Aber bis dahin zu kommen, war es fürchterlich. Erst recht, wenn der Körper verlernt hatte, wie es ging. Ich fing wieder an, etwas auf und ab zu laufen, hoffte, dass Bewegung half und schließlich spürte ich endlich ein wenig Fortschritt. Ich hatte den Schalter gefunden, der Körper musste nur noch funktionieren. Ich keuchte, hechelte förmlich, während sich langsam meine Pfoten umformten und wieder langsam Finger und Füße bildeten, der Schwanz bildete sich zurück, ebenso wie sich mein Körperbau langsam änderte. Aber es war wirklich quälend langsam. Wann immer ein Knochen eine große Veränderung durchmachte, musste ich ein Jaulen unterdrücken, schaffte es aber nicht immer. Ich schleppte mich auf die Matratze. Unter zitternden Muskeln und knirschenden Knochen, immer wieder ein paar Pausen und Jaulen kam ich langsam über extrem abstrakte komische Zwischenformen zu meiner menschlichen Form zurück, sodass mein Jaulen irgendwann wieder ein menschlicher Schrei war, während ich mich krümmte und wand unter den Schmerzen. Am Ende lag ich schweißgebadet und zutiefst erschöpft nackt auf der Matratze, atmete schwer. Wie viel Zeit vergangen war, konnte ich nicht sagen, aber es war sicherlich mehr als eine Stunde gewesen. "Ich.. hasse Flugzeuge"; war das erste, was ich hervorpresste, bezog es auf ihre Planung von tollen Flitterwochen, in die man mit Flugzeug flog. Ächzend drehte ich mich auf den Rücken. "Aber für dich würde ich überall hinfliegen", setzte ich dann hinzu. Leider zu erschöpft um zu ihr zu stürmen um sie in den Arm zu nehmen und sie herumzuwirbeln.


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#248

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 14.01.2019 23:00
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Ich hätte Chace nur zu gerne irgendwie geholfen, doch Alison hielt mich zurück. "Er muss das alleine schaffen, Ronnie.", meinte die junge Frau und hielt mich am Arm fest, als ich zu dem Wolf stürmen wollte. "Es wird sicher ziemlich lange dauern. Du solltest dich ausruhen...", gab sie besorgt von sich und blickte zum Ausgang der Höhle. "Ich werde draußen mal nach Holz suchen. Wir müssen dich irgendwie durch die Nacht bringen.", stellte Ally fest und verschwand kurz darauf auch schon aus dem Versteck. Zitternd verschränkte ich die Arme vor der Brust und beobachtete den Wolf, der immer wieder klägliche Laute von sich gab. "Oh, Chace...", stieß ich wehleidig hervor und ließ mich an der Felswand auf den Boden gleiten. Ich hoffte wirklich, dass Alison irgendetwas finden würde, was mich wärmen konnte. Im Gegensatz zu Chace und ihr konnte ich mich nicht einfach verwandeln und von meinem Fell wärmen lassen. Ängstlich zog ich den Rucksack zu mir und öffnete diesen. Zumindest eine dicke Decke konnte ich finden, außerdem Wasser und ein paar Lebensmittel. Seufzend trank ich einen Schluck aus der Flasche und biss dann in ein Sandwich, damit ich wenigstens satt war. Dennoch beobachtete ich Chace die ganze Zeit über besorgt. Die Minuten vergingen und irgendwann kehrte zumindest Alison erfolgreich zurück, verschwand im hinteren Bereich der Höhle und kümmerte sich um ein Feuer. Inzwischen konnte ich bei Chace schon wieder einige menschliche Gliedmaßen erkennen, weswegen ich sofort aufsprang und mich ihm langsam näherte. "Chace?", stieß ich leise hervor und musterte das Häufchen Elend, welches auf einer versifften Matratze lag. Dann erklang endlich seine raue Stimme. Ein breites Grinsen erschien in meinem Gesicht. "Mehr hast du nicht zu sagen?", warf ich tadelnd ein und lachte auf. Er hasste also Flugzeuge, würde aber für mich überall hinfliegen. Mit zögerlichen Bewegungen näherte ich mich ihm dann schließlich mit der Decke, fiel neben ihm auf die Knie und zog die Decke über seinen nackten Körper. "Hey...", flüsterte ich liebevoll und ergriff nach seiner Hand, ehe ich mich nach unten beugte und ihn liebevoll küsste. "Wie geht es dir, Liebling?", erkundigte ich mich besorgt und sah zu Alison, die inzwischen ein paar Konserven und Tee aufgewärmt hatte. Zumindest ein bisschen vorbereitet waren wir.



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#249

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 15.01.2019 00:47
von Dodo • Junior Member | 468 Beiträge | 13334 Punkte

Ronnie hätte mir vermutlich wirklich nicht helfen können. Im Zweifel hätte sie sich nur in Gefahr gebracht. Wenn ich blind wegen der Verwandlung war, sie nicht sah unter all dem Schmerz, hätte ich sie mit einer unglücklichen Bewegung wieder verletzen können. Wenn sie mich berührt hätte, hätte es außerdem sicherlich wehgetan. In der Phase war der Körper sehr empfindlich, immerhin wollte sich alles ändern. Alles was störte, war als würde es einen blanken Nerv reizen. Die Stimme von Ally, die mit meiner Freundin sprach, verschwamm im Hintergrund. Sowieso war alles nur im Hintergrund außer der Schmerz der Verwandlung. Schnaufend und zitternd überlegte ich immer wieder, ob ich nicht einfach dem stetigen Druck der Instinkte nachgeben sollte und Wolf bleiben sollte. Aber ich wollte wieder Zeit mit Ronnie verbringen können. Ich wollte sie in den Arm nehmen, sie küssen, ihr sagen, wie sehr ich sie vermisst hatte. Als ich schließlich meine Rückverwandlung endlich abgeschlossen hatte, hörte ich Ronnies leise Stimme. "Oh doch. Ich hab ganz viel zu sagen, aber das erschien mir sehr wichtig", erwiderte ich leise. Ich ließ mich zudecken, schloss einen Moment die Augen. Ich schloss meine Finger sachte um ihre, lächelte leicht bei dem zarten Kuss. "Furchtbar", gestand ich leise. "Aber vor allem furchtbar erschöpft", setzte ich hinzu. Ich musterte sie von unten, so viele Fragen und Gedanken kreisten in meinem Kopf. Aber als erstes fiel mein Blick noch einmal auf ihre Schulter, wo ihre Jacke in Fetzen hing. Schuldbewusst wandte ich den Blick wieder davon ab, setzte mich mit vor Erschöpfung zitternden Muskeln auf und zog die Decke um meine Schultern. Ich senkte meinen Kopf leicht, ehe ich sie wieder ansah. "Es tut mir so leid.. wirklich..", sagte ich leise, ehe ich wieder ihre Hand nahm. Kurz sah ich zu Ally, die sicher alles hörte, aber diskret im Hintergrund blieb. "Warum hast du dich nur in diese Gefahr begeben? Ich hätte dich töten können? Ich.. war eine Haaresbreite davon entfernt", meinte ich leise, Selbsthass in der Stimme. Ich hatte nicht gedacht, dass ich mir selbst so fremd sein könnte. Dass ich ihr wehtun könnte.


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#250

RE: The dark part of us | Dodo & Alex

in The dark part of us | Dodo & Alex 16.01.2019 12:36
von Alex • Senior Member | 5.811 Beiträge | 1036624 Punkte

Nachdenklich zog ich die Augenbrauen nach oben und blickte Chace ein wenig verwirrt an. Ich verstand nicht so ganz, warum genau diese Aussage so wichtig gewesen war. Natürlich hatte ich gerade von einer möglichen Zukunft gesprochen, doch das war überwiegend dafür gewesen, dem jungen Mann Mut zu machen und ihm so bei seiner Verwandlung zu helfen. Ob ich diese Worte daher nicht ernst gemeint hatte? Oh doch, hatte ich. Allerdings war es nicht auszuschließen, dass ich Chace irgendwann einmal heiraten würde. Doch jetzt gerade klang diese Vorstellung absurd. Wir waren noch nicht lange zusammen, waren nach unserem Liebesgeständnis mehr getrennt als zusammen gewesen und die aktuelle Situation ließ eine Hochzeit nur schwer zu. Wir hatten definitiv andere Herausforderungen zu meistern, bis wir überhaupt an eine Vermählung denken konnten. Etwas abgelenkt starrte ich ins Leere, ehe Chace wieder meine Aufmerksamkeit auf sich zog. "Hm, was?", murmelte ich etwas durcheinander und folgte seinem Blick auf meine verletzte Schultern. "Alles gut.", beruhigte ich den jungen Mann mit einem sanften Lächeln und drückte seine Hand zaghaft. Bei seiner Frage grinste ich leicht. "Wieso fragst du das überhaupt, Liebling? Du kennst mich doch. Deine kleine freche Ronnie, die voller Temperament ist und immer ihren Kopf durchsetzen muss. Alison hat natürlich versucht, mich davon abzuhalten. Aber ich muss dir wohl nicht sagen, dass das niemals geklappt hätte.", erklärte ich Chace mit einem liebevollen Blick. "Und lieber gehe ich die Gefahr ein, dass du mich tötest, als dass ich dich womöglich nie wieder sehe.", fügte ich schmunzelnd hinzu und sah kurz zu Ally, die bereits ein wenig aus einer aufgewärmten Konservenbüchse aß. Außerdem war ich einfach ein zu stolzer Mensch, um zuzulassen, dass jemand Anderes als ich Chace als Erstes wieder sah. Doch das sprach ich lieber nicht laut aus, da es sowieso jeder hier in der Höhle wissen sollte. "Also sei einfach froh, dass du zwei so tolle Freundinnen hast, die monatelang nach dir gesucht haben und nie aufgegeben haben.", stellte ich trocken fest und grinste leicht, ehe ich mich erhob und Alison ansteuerte. "Danke, Ally...", flüsterte ich und umarmte die junge Frau kurz, ehe ich zwei der Plastiklöffel und eine Konserve mit Linseneintopf und Speck nahm und zurück zu Chace schlenderte. "Mach mal Platz.", wies ich den Polizisten an und setzte mich zu ihm. "Hast du Hunger?", fragte ich und hielt ihm einen der Löffel hin. "Hunger auf menschliche Nahrung?", fügte ich noch etwas angewidert hinzu, da ich daran dachte, wovon er sich die letzte Zeit wohl ernährt hatte.



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